V:l- 4» f tV & ~ > ■-v %V* 4;& '^ *s • f .:V\< >*^ '^ *S W 8*»-*' »t ^y k F Htr'^S ' ^ V -OK . ***f(U n * ■ja £ 4P' *-fcv HARVARD UNIVERSITY. LIBRARY OF THE MUSEUM OF COMPARATIVE ZOÖLOGY. jJJjukjlS, tqtri SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. HUNDERTACHTER BAND. KO— ^«>— 0-»- WIEN, 1899. AUS DER KAISERLICH- KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREi. IN COMMISSION BEI CARL GEROLD'S SOHN, BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. I SITZUNGSBERICHTE DER MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLASSE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. CVIII. BAND. ABTHEILUNG I. Jahrgang 1899. — Heft I bis X. (MIT 15 TAFELN, 7 KARTEN, 2 KARTENSKIZZEN UND 9 TEXTFIGUREN.) WIEN, 1899. AUS DER KAISERLICH -KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI IN COMMISSION BEI CARL GEROLD'S SOHN, BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. JUN 3 1901 I N H A LT. I. Sitzung vom 5. Jänner 1899: Übersicht II. Sitzung vom 12. Jänner 1899: Übersicht III. Sitzung vom 19. Jänner 1899: Übersicht IV. Sitzung vom 3. Februar 1899: Übersicht V. Sitzung vom 9. Februar 1899: Übersicht VI. Sitzung vom 16. Februar 1899: Übersicht VII. Sitzung vom 2. März 1899: Übersicht . VIII. Sitzung vom 9. März 1899: Übersicht . IX. Sitzung vom 16. März 1899: Übersicht X. Sitzung vom 13. April 1899: Übersicht XI. Sitzung vom 20. April 1899: Übersicht XII. Sitzung vom 4. Mai 1899: Übersicht . XIII. Sitzung vom 12. Mai 1899: Übersicht . XIV. Sitzung vom 18. Mai 1899: Übersicht . XV. Sitzung vom 8. Juni 1899: Übersicht . XVI. Sitzung vom 15. Juni 1899: Übersicht . XVII. Sitzung vom 22. Juni 1899: Übersicht . XVIII. Sitzung vom 6. Juli 1899: Übersicht XIX. Sitzung vom 13. Juli 1899: Übersicht . XX. Sitzung vom 12. October 1899: Übersicht XXI. Sitzung vom 19. October 1899: Übersicht XXII. Sitzung vom 3. November 1899: Übersicht XXIII. Sitzung vom 9. November 1899: Übersicht XXIV. Sitzung vom 16. November 1899: Übersicht XXV. Sitzung vom 30. November 1899: Übersicht XXVI. Sitzung vom 7. December 1899: Übersicht XXVII. Sitzung vom 14. December 1899: Übersicht Seite 3 ' 5 6 11 14 16 21 23 25 29 227 231 431 471 475 491 493 533 536 605 610 687 711 735 737 801 802 Becke F., Optische Orientirung des Anorthits vom Vesuv. (Mit 1 Tafel.) [Preis: 20 kr. = 40 Pfg.] 434 Brauer F., Beiträge zur Kenntniss der Muscaria schizometopa. [Preis: 35 kr. = 70 Pfg.] 495 Enderlein G., Die Respirationsorgane der Gastriden. (Mit 3 Tafeln.) [Preis: 70 kr. = 1 Mk. 40 Pfg.] 2X5 VI Seite Fuchs Th., Der Giesshübler Sandstein und die Flyschgrenze bei Wien. [Preis: 5 kr. = 10 Pfg.] 612 Hoerttes A\, Mittheilungen der Erdbeben-Commission der kaiser- lichen Akademie der Wissenschaften in Wien. XIII. Bericht über das obersteirische Beben vom 27. November 1898. (Mit 2 Karten.) [Preis: 55 kr. = 1 Mk. 10 Pfg.] 443 Mittheilungen der Erdbeben-Commission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. XIV. Bericht über die obersteirischen Beben des ersten Halbjahres 1899 (zumal über die Erschütterungen vom 1., 7. und 29. April). (Mit 3 Karten und 2 Kartenskizzen im Texte.) [Preis: 1 fl. 5 kr. = 2 Mk. 10 Pfg] 617 Jäkowatz A., Die Arten der Gattung Genliana, Sect. Thylacites Ren. und ihr entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhang. (Mit 2 Karten, 2 Tafeln und 1 Textfigur.) [Preis: 75 kr. = 1 Mk. 50 Pfg.] 305 Mazellc E., Mittheilungen der Erdbeben-Commission der kaiser- lichen Akademie der Wissenschaften in Wien. XI. Die Ein- richtung der seismischen Station in Triest und die vom Ilorizontalpendel aufgezeichneten Erdbebenstörungen von Ende August 1898 bis Ende Februar 1899. (Mit 8 Text- figuren.) [Preis: 50 kr. = 1 Mk.] . . 357 Mojsisovics E., v., Mittheilungen der Erdbeben-Commission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. X. All- gemeiner Bericht und Chronik der im Jahre 189S innerhalb des Beobachtungsgebietes erfolgten Erdheben. [Preis: 1 fl. 00 kr. — 3 Mk. 20 Pfg.] 33 Molisch H., Botanische Beobachtungen auf Java. (IV. Abhandlung.) Über Pseudoindican, ein neues Chromogen in den Cysto- lithenzellen von Acanthacecn. (Mit 1 Tafel.) [Preis: 35 kr. = 70 Pfg.] 479 Nestler A., Zur Kenntniss der Wasserausscheidung an den Blättern von Phasci'his multiflorus Willd. und Boetimeria. (Mit 1 Tafel.) [Preis: 30 kr. = 60 Pfg.] 690 Pelikan A., Die Schalsteine des Fichtelgebirges, aus dem Harz, von Nassau und aus den Vogesen. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 95kr.= l Mk. 90 Pfg.] . 741 Rdthay /*"., Über eine Bakteriose von Dactylis glomcrala L. [Preis: 5 kr. = 10 Pfg.] • 597 Schardinger F., Entwicklungskreis einer Amocba lobosa (Gyinna- moeba): Amqeba Gruben'. (Mit 2 Tafeln.) [Preis: 35 kr. = 70 Pfg.] 713 Sri,// /•'., Mittheilungen der Erdbeben-Commision der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. XII. Übersicht der VII Seite Laibacher Osterbebenperiode für die Zeit vom 16. April 1S95 bis Ende December 1898. [Preis: 35 kr. = 70 Pfg.] . 395 Steindachner F., Über das Vorkommen von Gaslerosletts platygaster Kessl. im Stromgebiete der Donau. [Preis: 5 kr. = 10 Pfg.] 539 Siebenrock F., Über den Kehlkopf und die Luftröhre der Schild- kröten. (Mit 3 Tafeln.) [Preis: 70 kr. = 1 Mk. 40 Pfg.] . . 563 Zukal H., Untersuchungen über die Rostpilzkrankheiten des Ge- treides in Österreich-Ungarn. (I. Reihe.) [Preis: 20 kr. = 40 Pfg.] 543 JUN 3 1901 SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. CVIII. BAND. I. BIS IV. HEFT. JAHRGANG 1899. — JÄNNER bis APRIL. ABTHEILUNG I. ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBUST2 ,'i:F M t NIZ^ALOCIF, KRYSTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DLR PFLANZEN, ZOOLOGIE, PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE, ERDBEBEN UND REISEN. WIEN, 1899. AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI. IN COMMISSION BEI CARL GEROLD'S SOHN, BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN INHALT des 1. bis 4. Heftes Jänner bis April 1899 des CVIII. Bandes, Abtheilung- 1 der Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe. Seite I. Sitzung vom 5. Jänner 1899: Übersicht 3 IL Sitzung vom 12. Jänner 1899: Übersicht 5 III. Sitzung vom 19. Jänner 1899: Übersicht 6 IV. Sitzung vom 3. Februar 1899: Übersicht 11 V. Sitzung vom 9. Februar 1899: Übersicht 14 VI. Sitzung vom 16. Februar 1899: Übersicht 16 VII. Sitzung vom 2. März 1899: Übersicht 21 VIII. Sitzung vom 9. März 1899: Übersicht 23 IX. Sitzung vom 16. März 1899: Übersicht 25 X. Sitzung vom 13. April 1899: Übersicht 29 Mojsisovics v., E., Mittheilungen der Erdbeben-Commission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. X. All- • ' gemeiner Bericht und Chronik der im Jahre 1898 innerhalb des Beo'bashtungsgebietes erfolgten Erdbeben. [Preis: 1 fl. 60 kr. =?= 3 Mk. 20 Pfg.] 33 .. XI. Sitzung vom 20. April 1899: Übersicht §27 Preis des ganzen Heftes: 1 fl. 70 kr. = 3 Mk. 40 Pfg. JUN 3 1901 SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. CVIII. BAND. I. HEFT. ABTHEILUNG I. ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE, KRYSTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE, PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE, ERDBEBEN UND REISEN. I. SITZUNG VOM 5. JÄNNER 1899. Erschienen: Monatshefte für Chemie, Bd. 19, Heft IX (November 1898). Se. Excellenz der Herr Oberstkämmerer Sr. k. und k. Apostolischen Majestät übersendet ein Exemplar der aus Anlass des 50jährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers geprägten Erinnerungsmedaille. Der Bürgermeister von Wien, Herr Dr. Karl Lueger, über- mittelt eine ebenfalls zur Erinnerung an das Allerhöchste Regierungsjubiläum von der k. k. Reichshaupt- und Residenz- stadt Wien geprägte Gedenkmedaille. Herr Dr. Fritz Blau spricht den Dank für die ihm gewährte Subvention im Betrage von 500 fl. zur Fortsetzung der Unter- suchungen über neue organische Metallverbindungen aus. Das vv. M. Herr Prof. Franz Exner legt eine in seinem Institute ausgeführte Arbeit des Privatdocenten Herrn Dr. M. Smoluchowski Ritt. v. Smolan vor, betitelt: »Weitere Studien über den Temperatursprung bei Wärme- leitung in Gasen«. Herr Prof. Dr. L. Weinek in Prag übersendet eine Ab- handlung, betitelt: »Berghöhenbestimmung auf Grund des Prager photographischen Mond-Atlas«. Herr k. und k. Hauptmann Paul Wostrowsky in Wien übersendet eine Abhandlung unter dem Titel: »Graphische Berechnung der Bewegungsgleichungen eines in einem Punkte gestützten starren Körpers, der von einer Kraft bewegt wird«. Herr Gymnasial-Supplent Karl Langer in Mödling über- sendet eine Abhandlung unter dem Titel: »Directe Con- struction der Contouren von Rotationsflächen IL Ord- nung in orthogonaler Darstellung«. Herr Regimentsarzt d. R. Dr. Isidor Aschkenasy in Fiume übermittelt ein versiegeltes Schreiben behufs Wahrung der Priorität mit der Aufschrift: »Beschreibung einer neuen radicalen Heilmethode des chronischen Harn- röhrentrippers beim Manne«. Zur Erlangung des Baumgartner-Preises ist eine Ab- handlung unter dem Motto: »Scire, per causas scire (Bacon)«, eingelaufen, welche den Titel führt: »Differences d'actions de la lumiere ultraviolette sur les poten- tiels explosifs, statiques et dynamiques«. II. SITZUNG VOM 12. JÄNNER 1899. Das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht übermittelt ein Exemplar der Regierungsvorlage des Staats- voranschlages für das Jahr 1899, Cap. IX. »Ministerium für Cultus und Unterricht«, Abtheilung A, B und C. Die Societe mathematique de France in Paris über- sendet eine Einladung zu dem im Jahre 1900 zu Paris tagenden internationalen mathematischen Congresse. Das w. M. Herr Prof. F. Becke in Wien überreicht einen Bericht über den Fortgang der Arbeiten zur petrographischen Durchforschung der Centralkette der Ostalpen. Herr Dr. Berthold Cohn in Wien überreicht eine Ab- handlung, welche den Titel führt: »Definitive Bahnbestim- mung des Kometen 1853 1«. Herr Dr. Victor Hammerschlag legt eine im physio- logischen Institut der Wiener Universität ausgeführte Unter- suchung vor, betitelt: »Über die Reflexbewegung des Musculus tensor tympani und ihre centralen Bahnen«. Selbständige Werke oder neue, der Akademie bisher nicht zugekommene Periodica sind eingelangt: Mazelle E., Meteorologia ed Oceanografia. Con autorizzazione ed a spese dell' eccelso R. Ung. Ministerio del Commercio e perincarico dell' inclitadirezione dellaR. Ung. Accademia Nautica di Fiume. Con 77 figure intercalate nel testo e 2 grandi carte. Fiume, 1898; 8°. Dufet H. Recueil de donnees numeriques, publie par la societe francaise de ph\ T sique. Optique. I er fasc. Paris 11 III. SITZUNG VOM 19. JÄNNER 1899. Erschienen: Sitzungsberichte, Bd. 107, Abth. I, Heft VII (Juli 1898) und Abth. II. b, Heft VII (Juli 1S98). - Denkschriften, Bd. 66, II. Abth. (1898). Der Vorsitzende, Herr Präsident E. Suess, gedenkt des Verlustes, welchen die kaiserliche Akademie durch das am 18. Jänner 1. J. erfolgte Ableben ihres w. M. Herrn Hofrath Professor Dr. Karl Claus erlitten hat. Die anwesenden Mitglieder geben ihrem Beileide durch Erheben von den Sitzen Ausdruck. Der prov. Secretär legt das im Auftrage Sr. k. und k. Hoheit des Durchlauchtigsten Herrn Erherzogs Ludwig Salvator, Ehrenmitgliedes der kaiserlichen Akademie, durch die Buchdruckerei Heinrich Mercy in Prag übersendete Druck- werk »Alboran« vor. Das k. und k. Reichs-Kriegs-Ministerium (Marine- See tion) übermittelt die für die akademischen Denkschriften bestimmten wissenschaftlichen Arbeiten über die von den k. und k. See-Officieren während der Reise in das Rothe Meer 1897/98 angestellten Beobachtungen. Das Elaborat besteht aus folgenden Abtheilungen: I. »Zeit- und Orts-Bestimmungen«, von k. und k. Linien- schiffs-Lieutenant Karl Koss. II. »Relative Schwerebestimmungen«, von k. und k. Linienschiffs-Lieutenant Anton Edlen von Triulzi. III Magnetische Beobachtungen«, von k. und k. Linien- schiffs-Fähnrich Karl Rössler. Die Bearbeitung des beschreibenden The iles ist bereits dem Abschlüsse nahe. Herr E. Kittl übersendet folgenden vorläufigen Beri ch t über die im Spätsommer 1898 mit Unterstützung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften unter- nommene Bereisung des westlichen Bosnien und des nördlichen T heiles der Hercegovina. Herr Prof. Dr. Karl Fritsch legt eine Abhandlung vor unter dem Titel: »Beitrag zur Flora von Constantinopel. Bearbeitung der von J. Nemetz in den Jahren 1894 bis 1897 in den Umgebungen von Constantinopel gesam- melten Pflanzen. Erster Theil: Kryptogamen«. (Mit einer Farbentafel.) SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. CVIII. BAND. IL HEFT. ABTHEILUNG I. ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE, KRYSTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE, PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE. ERDBEBEN UND REISEN. 11 IV. SITZUNG VOM 3. FEBRUAR 1899. Das Curatorium der Schwestern Fröhlich-Stiftung zur Unterstützung bedürftiger und hervorragender schaffender Talente auf dem Gebiete der Kunst, Literatur und Wissenschaft übermittelt die diesjährige Kundmachung über die Verleihung von Stipendien und Pensionen aus dieser Stiftung. Die Stadtvorstehung Korneuburg übersendet eine von der Stadtgemeinde Korneuburg anlässlich des 50jährigen Regierungsjubiläums Seiner k. und k. Apostolischen Majestät und des 600jährigen Stadtjubiläums geprägte silberne Erinne- rungsmedaille. Herr Heinrich Friese in Innsbruck dankt für die ihm bewilligte Subvention zur Herausgabe des V. Bandes seines Werkes: »Die Bienen Europas«. Herr Prof. Dr. Vincenz Hilber in Graz spricht seinen Dank für die ihm zur Fortsetzung seiner geologischen Arbeiten in Nordgriechenland bewilligte Subvention aus. Der prov.Secretär legt eine von Herrn Günther Enderlein in Leipzig eingesendete Abhandlung vor, welche den Titel führt: »Die Respirationsorgane der Gastriden.« Der prov. Secretär legt ferner folgende eingelaufene Abhandlungen vor: 1. -Über die Oktaederlage und die Ikosaederlage von zwei cubischen Raumcurven«, von Prof. Dr. Gustav Kohn in Wien. 2. »Chemische Untersuchung eines antiken Wasser- leitungskittes«, Arbeit aus dem chemischen Labora- torium der k. k. technischen Hochschule in Graz von Friedrich Dorn er 12 3. »Über färbende Bestandtheile des Amethysten, Citrines und gebrannten Amethysten«, Arbeit aus dem III. chemischen Universitätslaboratorium in Wien von Arnold Nabl. 4. »Über ein neues Spiegelmetall«, von Dr. Ludwig Mach, d. Z. in Jena, und dessen »Optische Unter- suchung« von Dr. Victor Schumann in Leipzig. Das c. M. Herr Director Prof. Dr. R. v. Wettstein über- sendet eine im botanischen Institute der k. k. deutschen Univer- sität in Prag ausgeführte Arbeit des cand. phil. A. Jakowatz, betitelt: »Die Arten der Gattung Gentiana, Sect. Thyla- cites Ren. und ihr entwicklungsgeschichtlicher Zu- sammenhang«. Der Obmann der Erdbeben-Commission, w. M. Herr Ober- bergrath E. v. Mojsisovics, legt die Beobachtungen vor, welche Se. Hochwürden Herr P. Fr. Schwab, Director der Stiftsstern- warte zu Kremsmünster, an den von der Erdbeben-Commission der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in der Sternwarte zu Kremsmünster aufgestellten Seismographen bisher, insbeson- dere aber am 22. Jänner 1899, zu machen Gelegenheit hatte. Hiezu bemerkt Herr Oberbergrath v. Mojsisovics, dass die Erdbeben-Commission auf seinen Antrag beschlossen hat, die Leiter der vier Seismometerstationen zu ersuchen, allmonat- lich (in besonderen Fällen sofort) einen Bericht über die Beob- achtungen an den Apparaten einzusenden, welcher im akade- mischen Anzeiger veröffentlicht werden wird. Das w. M. Herr Hofrath Prof. L. Boltzmann überreicht folgende Arbeiten: 1. »Zur Grösse der Molekel«, von Prof. Dr. G. Jäger in Wien. 2. »Die magnetische Susceptibilität des Wassers«, von Prof. Dr. G. Jäger und Dr. St. Meyer in Wien. 3. »Über die Dissociation der Gase bei constantem Druck und bei Überschuss eines der Dissocia- tionsproducte«, von Dr. Rud. Wegs ch eider in Wien. 4. »Über die Dissociation des Wasserstoff methyl- äthers«, ebenfalls von Dr. Rud. Wesrscheider. 13 Das w. M. HerrÜbersanitätsrath A. Weichselbaum über- reicht eine Arbeit aus dem pathologisch-anatomischen Institute in Wien, betitelt: »Über die bactericide Wirkung des Blutes bei Infectionen«, von Dr. G. Pierallini. Das w. M. Herr Regierungsrath Prof. F. Mertens überreicht eine Abhandlung mit dem Titel: »Eine assymptotische Aufgabe«. Das vv. M. Herr Prof. G. v. Escherich legt das 2. Heft des I. Bandes von Theil I. der mit Unterstützung der cartellirten Akademien der Wissenschaften zu München und Wien und der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen herausgegebenen Encyklopädie der Mathematischen Wissenschaften vor. Selbständige Werke oder neue, der Akademie bisher nicht zugekommene Periodica sind eingelangt: Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien für das Jahr 1896, 14. Jahrgang. Bearbeitet von Dr. Stephan Sedlaczek, Magistratsrath, Dr. Wilhelm Löwy, Magistratssecretär und Dr. Wilhelm Hecke, Magistratsconcipist. Wien, 1898; 8°. Carte geologique internationale de l'Europe, Livraison III contenant les feuilles A III, A IV, B III, B IV, CV,D V, D VI. Berlin, Dietrich Reimer, 1898. Gr. 4°. P.Angel Rodriguez de Prada. Pubblicazioni della Specola Vaticana. Fascic. I (1891), Fascic. II (1891), Fascic. III (1893), Roma. Volume IV (1894), Torino. Volume V (1898) Roma. Gr. 8°. K. k. Handelsministerium: Annuario Marittimo per l'anno 1899, compilato per cura dell' I. R. Governo Marittimo in Trieste. XLIX annuata. Trieste, 1899.8°. Philippi Georg: Landwirtschaftliches und Etwas für Alle. Selbstverlag, Berlin, 1898. 8°. 14 V. SITZUNG VOM 9. FEBRUAR 1899. Erschienen: Sitzungsberichte, Bd. 107, Abth. II. a, Heft VI und VII (Juni und Juli 1898). — Monatshefte für Chemie, Bd. XIX, Heft X (December 1898). Das w. M. Herr Prof. F. Becke übernimmt auf Einladung des Vorsitzenden die Stellvertretung des prov. Secretärs während der heutigen Sitzung. Der Referent der Erdbeben-Commission der kaiserl. Aka- demie der Wissenschaften für das Gebiet von Triest, Herr Eduard M az eile, übersendet einen Bericht. Das c. M. Herr Hofrath Prof. A. v. Waltenhofen über- sendet eine Arbeil aus dem elektrotechnischen Institute der k. k. technischen Hochschule in Wien, von Friedrich Eich- berg und Ludwig Kallir, betitelt: »Über Lichterscheinun- gen in elektrolytischen Zellen mit Aluminium- und Magnesiumelektroden«. Herr k. k. Sections-Chef i. R. Dr. Josef Ritter Lorenz v. Liburnau in Wien übersendet einen vorläufigen Bericht über seine durch eine Subvention von Seite der kaiserlichen Akademie unterstützten wissenschaftlichen Untersuchungen über Flysch- Algen. Herr cand. med. Alfred Oberwimmer in Wien übermittelt einen vorläufigen Bericht über seine mit Unterstützung der kaiserlichen Akademie unternommene wissenschaftliche Reise in das Velebit-Gebirge und die Exploration desselben in Hin- sicht auf die Malako Zoologie. 15 Das w. M. Herr Prof. Franz Exner legt vor: »Beiträge zur Kenntniss der atmosphärischen Elektricität. 1. Messungen des Potentialgefälles in Oberägypten«. Das \v. AI. Herr Director E. Weiss überreicht eine Abhandlung von Prof. Dr. G. v. Niessl in Brunn: »Bahn- bestimmung des grossen Meteors vom 20. November 1898«. Das w. M. Herr Hofrath Prof. A. Lieben legt eine Ab- handlung von Dr. Adolf Jolles in Wien vor, welche den Titel führt: »Über die Einwirkung von Jodlösungen auf Bili- rubin und über eine quantitative Methode zur Be- stimmung desselben im Harn«. 16 VI. SITZUNG VOM 16. FEBRUAR 1899. Erschienen: Sitzungsberichte, Bd. 107, Abth. III, Heft VIII— X (October bis December 1898).' Der Verein österreichischer Chemiker in Wien übersendet eine Einladung zu seiner am 18. d. M. sattfindenden Plenarversammlung. Herr stud. ing. Paul Stiassny in Wien übermittelt einen von ihm erfundenen Winkeltheile r zur Theilung eines ge- gebenen Winkels in eine beliebige Anzahl gleicher Theile. Herr Privatdocent Dr. Anton Elschnig in Wien dankt für die ihm gewährte Subvention zur Anfertigung von Ab- bildungen zu seiner Arbeit: »Normale und topographische Anatomie des Sehnerveneintrittes des menschlichen Auges«. Der prov. Secretär legt eine Abhandlung von Prof. Dr. O. Tumlirz in Czernowitz vor, betitelt: »Mechanische Er- klärung der Verdünnungswärme von Lösungen«. Das w. M. Herr Hofrath Prof. J. Hann in Graz übersendete eine Abhandlung von Herrn Eduard Mazelle, Adjuncten am meteorologischen Observatorium in Triest, welche den Titel führt: »Zur täglichen Periode und Veränderlichkeit der rejativen Feuchtigkeit«. Das w. M. Herr Prof. F. Exner überreicht eine Arbeit aus dem physikalisch-chemischen Institute der k. k. Universität in Wien von Dr. Egon Ritt. v. Schweidler, mit dem Titel: »Über die lichtelektrischen Erscheinungen« (II. Mittheilung). 17 Das w. M. Herr Hofrath F. Steindachner legt einen Bericht der Herren Dr. H. Rebel und Fr. Kohl über den ento- mologischen Theil der Anfangs Februar 1. J. hier angelangten Sendung des Mitgliedes der Expedition nach Südarabien, Herrn Prof. Oscar Simony, aus Aden vor. Selbständige Werke oder neue, der Akademie bisher nicht zugekommene Periodica sind eingelangt: Atlas photographique de la Lune, publie par l'observatoire de Paris, execute par M. M. Loevvy et AI. P. Puiseux. Planches du me me fascicule. Paris, II Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl.; CVIII. Bd., Abth. I. SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. CVIII. BAND. III. HEFT. ABTHEILUNG I. ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE, KRYSTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE, PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE, ERDBEBEN UND REISEN. 21 VII. SITZUNG VOM 2. MÄRZ 1899. Erschienen: Denkschriften, Bd. 65 (1898). — Sitzungsberichte, Bd. 107, Abth. II. a, Heft VIII (October 1898); Abth. II. b, Heft VIII -X (October bis December 1898). — Berichte der Commission für oceano- graphische Forschungen, VI. Reihe. Der prov. Secretär theilt ein von dem Leiter der Expe- dition nach Süd-Arabien, Prof. Dr. D. H.Müller, eingelaufenes Telegramm ddo. Aden, 27. Februar d. J. mit, dessen Inhalt zu- folge die Expedition der kais. Akademie nach ausserordentlich erfolgreicher Durchforschung von Sokotra wohlbehalten diese Insel verlassen und sich nach Kischin begeben hat. Im Anschlüsse daran verliest der prov. Secretär das folgende von Sr. Majestät dem Könige Oskar von Schweden und Norwegen eingelangte Telegramm: »Kaiserliche Akademie der Wissenschaften Wien. Herzlich dankend für Telegramm, spreche ich meine wärmsten Wünsche für ferneren Erfolg aus. Oskar.« Der prov. Secretär legt eine' Abhandlung von Herrn Adolf Ducke in Odrau vor, welche den Titel führt: »Die Bienengattung Osmia Panz als Ergänzung zu. Schmiedeknecht's ,Aphidae europaeae', Vol. II, in ihren paläarktischen Arten«. Das w. M. Herr Hofrath Prof. J. Hann in Graz übersendet eine Abhandlung von Herrn Dr. Fritz v. Kern er in Wien mit dem Titel: »Die theoretische Temperaturvertheilung auf Prof. Frech's Weltkarten der altpaläozoischen Zeit«. 22 Das w. M. Herr Hofrath Prof. L. Boltzmann überreicht eine Abhandlung aus dem physikalischen Institute der k. k. Universität in Wien von Dr. Stefan Meyer, betitelt: »Über die magnetischen Eigenschaften der Elemente«. Selbständige Werke oder neue, der Akademie bisher nicht zugekommene Periodica sind eingelangt: K. K. Finanz -Ministerium: Tabellen zur Währungsstatistik. Zweite Ausgabe. Erster Theil. Wien, 1896—1899; 4°. Lueger, Karl, Dr.: Die Gemeindeverwaltung der k. k. Reichs- haupt- und Residenzstadt Wien in den Jahren 1894 — 1896. Wien, 1898; 8". Goering,, A.; Über die verschiedenen Formen und Zwecke des Eisenbahnwesens. Rede zum Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. in der Aula der König! technischen Hochschule zu Berlin am 26. Jänner 1899, gehalten von dem derzeitigen Rector. Berlin, 1899; Gross 8°. Peschka, Gustav Ad. V., Dr.: Darstellende und projective Geo- metrie nach dem gegenwärtigen Stande dieser Wissenschaft, ■ mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse höherer Lehr- anstalten und das Selbststudium. Erster Band. Zweite Auflage. Mit einem Atlas von 43 lithographischen Tafeln. Leipzig und Wien, 1899; 8°. 23 YIII. SITZUNG VOM 9. MÄRZ 1899. Der Vorstand des österreichischen Ingenieur- und Architecten-Vereines übersendet zwei Eintrittskarten zu der am 18. März 1. J. stattfindenden Festsitzung zur Feier des 50jährigen Bestandes dieses Vereines. Der Ausschluss des Deutsch-akademischen Lese- vereines in Brunn dankt für die bewilligte Betheilung mit dem akademischen Anzeiger. Herr Dr. Theodor Pintner in Wien dankt für die ihm bewilligte Reisesubvention zum Zwecke von zoologischen Studien in Neapel und Messina. Herr Dr. Carl Camillo Schneider in Wien spricht seinen Dank aus für die Bewilligung einer Reisesubvention zur Fort- setzung seiner Untersuchungen über die Hydropolypenfauna der Adria. Das c. M. Herr Professor Dr. L. Gegenbauer in Wien übersendet eine Abhandlung, betitelt: »Über transcendente Fu n ctio n en, de rensämmtlic he Wurzeln trän scendente Zahlen sind«. Das c. M. Herr Prof. Dr. Guido Goldschmiedt übersendet eine im chemischen Laboratorium der deutschen Universität Prag ausgeführte Arbeit von Dr. Hans Meyer: »Über die Constitution des Phenolphtalei'ns«. Das w. M. Herr Hofrath Prof. L. Boltzmann überreicht eine Abhandlung von Prof. J. Klemencic in Innsbruck: »Über die Abhängigkeit des Temperaturcoefficienten des permanenten Magnetismus von den Dimensionsver- hältnissen des Magneten« 24 Das w. M. Herr Prof. F. Exner überreicht folgende Ab- handlungen: »Beiträge zur Kenntniss der atmosphärischen Elektricität IL Messungen des Potentialgefälles in Sibirien«, von Dr. Hans Benndorf in Wien. »Beiträge zur Kenntniss der atmosphärischen Elektricität III. Luftelektricitäts-Messungen im Luftballon«, von Dr. Josef Tuma. »Beiträge zur Kenntniss der atmosphärischen Elektricität IV. Über eine während der totalen Sonnen finster niss vom 22. Jänner 1898 ausgeführte Messung der atmosphärischen Elektricität«, von Dr. Rud. Ludwig. Der Referent der Erdbeben-Commission der kaiserl. Aka- demie der Wissenschaften, Herr Eduard Mazelle, übersendet einen Bericht über die am Horizontalpendel zu Triest beobach- teten Erdbebenstörungen für den Monat Februar 1899. Herr Dr. Andre Daniel-Bek in St. Petersburg übersendet eine Mittheilung bezüglich einer von ihm demnächst zur Ver- öffentlichung kommenden Milch- und Abmagerungscur. Selbständige Werke oder neue, der Akademie bisher nicht zugekommene Periodica sind eingelangt: Rein hold A. E.: Nature vs. Drugs. A challenge to the drugging fraternity. London. 8°. Dufet H.: Recueil de donnees numeriques publie par la societe francaise de physique. Optique. Deuxieme fascicule. Paris, 1899; 8°. Socolow L.: Correlations regulieres du Systeme planetaire avec l'indication des orbites des planetes inconnues jusqu'ici. 20 IX. SITZUNG VOM 16. MÄRZ 1899. Die Leitung des Wiener Flugtechnischen Vereines dankt für die Herrn Hugo Ludwig Nikel bewilligte Subvention zur Fortsetzung der Versuche mit grossen Registrirdrachen. Die Direction des kö'nigl. Sächsischen Meteorologi- schen Institutes in Leipzig spricht den Dank für die be- willigte Überlassung mehrerer akademischer Publicationen aus. Der prov. Secretär legt eine Abhandlung von Herrn Dr. Heinrich Gottlieb in Lemberg vor, welche den Titel führt: »Zur Ätiologie der Schwere und des Lebens«. Das w. M. Herr Oberbergrath Dr. E. v. Mojsisovics legt den von dem Mitgliede der südarabischen Expedition, Herrn Dr. Franz Kossmat (de dato Hanläf bei Tamarida, Sokotra, 15. Februar 1899), eingelangten vorläufigen Bericht über die geologischen Untersuchungen in Sokotra, Abd al-Kuri und Semha vor. Das w. M. Herr Hofrath Prof. Ludwig Boltzmann legt eine Voranzeige einer von ihm in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Mache durchgeführten Arbeit: »Über eine Modification der van der Waals'schen Zustandsgieichung« vor. Das w. M. Herr Hofrath Prof. L. Boltzmann überreicht eine Abhandlung des Herrn Prof. G. Jäger in Wien, betitelt: »Über den Einfluss des Molecularvolumens auf die innere Reibung der Gase«. Das w. M. Herr Prof. H. Weidel überreicht eine Arbeit aus dem I. chemischen Universitätslaboratorium: »Zur Kenntniss des Nitrovanillins«, von W. Vogl. 26 Das w. M. Herr Obersanitätsrath Prof. A. Weichselbaum legt eine Arbeit aus dem pathologisch-anatomischen Institute der k. k. Universität in Wien vor, welche den Titel führt: Über Gangrene foudroyante«, von Dr. Fritz Hitschmann und Dr. Otto Th. Lindenthal. Das w. M. Herr Director E. Weiss bespricht die Kometen- entdeckung, welche, soweit man dies aus dem etwas unklar gehaltenen Entdeckungstelegramm entnehmen kann, Lewis Swift in den ersten Abendstunden des 3. März gelungen ist. Se. Hochwürden P. Franz Schwab, Director der Stifts- sternwarte zu Kremsmünster, übersendet einen Bericht über die seismographischen Beobachtungen in den Monaten Jänner und Februar d. J. Selbständige Werke oder neue, der Akademie bisher nicht zugekommene Periodica sind eingelangt: Lukas Franz Karl: Über Hilfsmittel und deren Anwendung bei statistischen und versicherungstechnischen Untersuchun- gen. Wien, 1899; 8°. Jahr E.: Die Urkraft, oder Gravitation, Licht, Wärme, Elek- tricität, chemische Kraft etc. sind secundäre Erscheinungen derselben Urkraft der Welt. Berlin, 1898; 8°. Petersen G. J.: Über die Harmonie im Weltenraum. Bänd- chen I. Gleiswitz, 1899; 8°. Grecescu D., Dr.: Conspectul Florei Romaniei, Bucuresti, 1898; 8°. SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAETEN. MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. CVIII. BAND. IV. HEFT. ABTHEILUNG I. ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE, KRYSTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE, PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE, ERDBEBEN UND REISEN. 29 X. SITZUNG VOM 13. APRIL 1899. Erschienen: Monatshefte für Chemie, Bd. XX, Heft 1 und 2 (Jänner bis Februar 1899). Der Vorsitzende, Herr Präsident E. Suess, bringt ein Danktelegramm Sr. kaiserl. Hoheit des durchlauchtigsten Cura- tors Herrn Erzherzogs Rainer für die Trauerkundgebung der kaiserlichen Akademie anlässlich des am Dienstag den 4. April 1. J. erfolgten Hinscheidens Sr. kaiserl. Hoheit des durchlauch- tigsten Herrn Erzherzogs Ernest zur Kenntniss. Der Vorsitzende gedenkt des schmerzlichen Verlustes, welchen die kaiserliche Akademie und speciell diese Classe durch das am 20. März 1. J. erfolgte Ableben des wirklichen Mitgliedes, Herrn Hofrathes Dr. Franz Ritter v. Hauer, Inten- danten des k. k. naturhistorischen Hofmuseums i. R., erlitten hat. Die anwesenden Mitglieder geben ihrem Beileide über diesen Verlust durch Erheben von den Sitzen Ausdruck. Der prov. Secretär verliest ein Schreiben des Herrn Oberbergrathes Dr. Emil Titze in Wien, in welchem derselbe anlässlich des Ablebens seines Schwiegervaters, Hofrathes v. Hauer, der kaiserlichen Akademie für die bewiesene Theil- nahme den Dank ausspricht. Die Direction der k. k. Geologischen Reichsanstalt in Wien spricht der kaiserlichen Akademie ihr Beileid über den Verlust aus, den sie durch das Hinscheiden ihres w. M. Hof- rathes v. Hauer erlitten hat. Herr Prof. Dr. Anton Fritsch in Prag dankt für die ihm bewilligte Subvention zur Herausgabe des Schlussbandes seines Werkes: »Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation Böhmens«. 30 Herr Prof. Dr. Theodor Escherich in Graz dankt in seinem und im Namen seines Mitarbeiters, Herrn Prof. Dr. Ernest Mi sc hier, für die ihnen bewilligte Subvention zur Durchführung der Arbeiten über die Morbidität und Mortalität der Kinder. Das w. M. Herr Prof. Leopold Pfaundler in Graz über- sendet eine Abhandlung, betitelt: »Über den Begriff und die Bedingungen der Convergenz und Divergenz bei den Linsen«. Herr Joachim Unger in Wien übersendet ein Manuscript astronomischen Inhaltes. Herr Mark Mihalinez in Brenham, Washington Co. Texas, übersendet eine Mittheilung, betreffend die Corona der Sonne. Der Leiter der Erdbebenwarte in Laibach, Herr Prof. A. Belar, legt eine Mittheilung vor, betitelt: »Beobachtungen an der Erdbebenwarte in Laibach im Monate März 1899«. Versiegelte Schreiben behufs Wahrung der Priorität haben eingesendet: 1. Herr Karl Schi e bei in Oberlangendorf mit der Aufschrift: »Über weitere Steigerung optischer Vergrösse- rungen« ; 2. Herr Dr. Oskar Nagel in Wien mit der Aufschrift: »Über borsaure Salze«. Das w. M. Herr Oberbergrath Dr. E. v. Mojsisovics legt Namens der Erdbeben-Commission folgende für die Sitzungs- berichte bestimmte Abhandlungen vor, welche in der Reihe der »Mittheilungen der Erdbeben-Commission« die Nummern X bis XIII tragen werden, und zwar: X. »Allgemeiner Bericht und Chronik der im Jahre 1898 innerhalb des Beobachtungsgebietes erfolg- ten Erdbeben«, zusammengestellt von Dr. E. v. Mojsi- sovics, w. M. XI. »Die Einrichtung der seismischen Station in Triest und die vom Horizontalpendel aufgezeich- 31 neten Erdbebenstörungen von Ende August 1898 bis Ende Februar 1899«, von Eduard Mazelle, Refe- renten der Erdbeben-Commission. XII. «Übersicht der Laibacher Osterbebenperiode füt die Zeit vom 16. April 1895 bis Ende December 1898«, von Ferdinand S e i dl, Referenten der Erdbeben- Commission. XIII. »Bericht über das ober steierische Beben vom 27. November 1898«, von Rudolf Hoernes, Referenten der Erdbeben-Commission. Das w. M. Herr Prof. K. Grobben überreicht eine Mittheilung von Herrn Privatdocenten Dr. Theodor Pintner: »Nectonema agile Verrill in der Bai von Neapel«. Das w. AI. Herr Prof. H. Weidel überreicht eine Arbeit aus dem I. chemischen Universitätslaboratorium in Wien: »Über die Einwirkung von Chlor auf die Homologen des Phloroglucins«, von Max Schneider. Das vv. M. Herr Prof. L. Boltzmann theilt mit, dass Herr Dr. Mache die Formel 0-00874 1 -00646 T Vi 273L.-0-003- 0-0000000195623 v 2 -+- 0-00000961782 mit den Beobachtungen Amagat's über C0 9 verglichen hat. Die Übereinstimmung ist bei den tiefen Temperaturen eine recht befriedigende, bei den hohen aber sind die Abweichungen ziemlich gross. Das w. M. Herr Prof. V. v. Lang überreicht eine Ab- handlung von den Herren Regierungsrath Director Dr. J. M. Eder und Prof. Ed. Valenta, welche den Titel führt: »Das Spectrum des Chlors«. Herr Privatdocent Dr. Richard Wal las che k in Wien legt eine Abhandlung vor, betitelt: »Die Entstehung der Scala«. Der Referent der Erdbeben-Commission der kaiserl. Aka- demie der Wissenschaften, Herr Eduard Mazelle, übersendet :v> einen Bericht über die in Triest am Rebeur-Ehlert'schen Hori- zontalpendel im Monate März 1899 beobachteten Erdbeben- störungen. Seine Hochwürden, Herr P. Franz Schwab, Director der Stiftssternwarte in Kremsmünster, übersendet einen Bericht über die am Ehlert'schen Seismographen der kais. Akademie der Wissenschaften im März 1899 zu Kremsmünster ange- stellten Beobachtungen. Selbständige Werke oder neue, der Akademie bisher nicht zugekommene Periodica sind eingelangt: Adamkiewicz, Dr. A.: Ein weiterer Beitrag zur Behandlung der Krebse nach meinem Verfahren mittelst Injectionen von Cancroin. Separatabdruck aus Nr. 7, 1899 der »Klin.- therap. Wochenschrift« ; 8°. Brown Goode G.: The Smithsonian Institution 1846 — 1896. The History of its First Half Century. City of Washington, 1897; Gross 8°. Cronander A. W., Ph. Dr.: On the Laws of Movement of Sea- Currents and Rivers. Norrköping, 1898; 4°. K. k. Geologische Reichsanstalt: Geologische Karte der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder dei Österreichisch-ungarischen Monarchie i. M. von 1:75000; I. und II. Lieferung: Jubiläumsausgabe. Wien, December 1898. — Erläuterungen zu Lieferung I und II der geologischen Karte 1: 75000. Gravis A. : Recherches anatomiques et physiologiques sur le Tradescantia Virginica L. Bruxelles, 1898; 4°. Indraccolo, S.: Quadratura del Circolo. Problema resoluto dal sacerdote italiano — . Buenos Aires, 11 Mittheilungen der Erdbeben-Commission der kaiserliehen Akademie der Wissenschaften in Wien, x. Allgemeiner Bericht und Chronik der im Jahre 1898 innerhalb des Beobachtungsgebietes erfolgten Erdbeben zusammengestellt von Dr. Edmund v. Mojsisovics, w. M. k. Akad. Die Äusserungen der seismischen Thätigkeit waren im Jahre 1898 nicht minder zahlreich und lebhaft als im Jahre 1897. Sie stellten an die Leistungsfähigkeit unseres seismischen Dienstes ebenso grosse Anforderungen, wie im Vorjahre. Dank der hingebungsvollen Thätigkeit der Herren Referenten in den habituellen Stossgebieten functionirte jedoch das Beobachtungs- netz in befriedigendster Weise. Die Herren Referenten Hessen es sich, was zur Erzielung brauchbarer Erhebungen über die topische Verbreitung der einzelnen Beben unbedingt er- forderlich ist, nicht verdriessen, jedesmal bei dem Eintreffen seismischer Meldungen durch die Aussendung von Frage- karten die Beobachter zur Erstattung von Meldungen zu ver- anlassen. In dieser Beziehung entwickelten insbesondere die Herren Referenten R. Hörn es, Mazelle, Noe, Sei dl, Schorn und Woldrich eine intensive Thätigkeit, für welche ihnen der besondere Dank und die Anerkennung der Erdbeben-Commis- sion gebührt. Die Zahl der Erdbebentage — d. i. jener Tage, an welchen zumindestens je ein Erdstoss durch persönliche Wahrnehmung constatirt werden konnte, mit Ausschluss der lediglich durch Sitzb. d. mathem.-natunv. CK; CVIII. Bd., Abth. I. 3 34 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. die Seismographen registrirten seismischen Störungen — betrug im Jahre 1898 in unserem Beobachtungsgebiete 207. 1 Das bedeutendste seismische Ereigniss des Jahres 1898 war das Beben von Sinj in Dalmatien vom 2. Juli. Über Antrag der Erdbeben-Commission entsendete die Akademie zum Stu- dium desselben den Erdbeben-Referenten für Dalmatien, Herrn A. Faidiga, nach Sinj. Ein Specialbericht über dieses Beben, welches ausser in Dalmatien auch in einem sehr grossen Theile von Bosnien verspürt wurde, wird von Herrn Faidiga vor- bereitet. 2 Am häufigsten waren im Berichtsjahre wieder Krain und Görz von Erdbeben heimgesucht. Grössere Ausdehnung er- langten insbesondere die Beben vom 5. und 20. Februar, 12. und 17. April, 18. Juni und 7. September. Der Referent für dieses Gebiet, Herr Prof. F. Seidl, hat eine interessante Studie über die krainerischen Beben der letzten Jahre verfasst, welche unter dem Titel: »Übersicht der Laibacher Osterbebenperiode für die Zeit vom 16. April 1895 bis Ende December 1898« in diesen Mittheilungen sub Nr. XII erscheinen wird. Ein interessantes Detonations-Phänomen gelangte am 8. April in der Gegend von Melnik in Böhmen zur Beobachtung. Eine monographische Darstellung dieser Detonation von dem Referenten für die böhmischen Gebiete von Böhmen, Herrn 1 Die einzelnen Monate des Jahres participiren in folgender Weise an dieser Ziffer: Jänner 16, Februar 19, März 19, April 26, Mai 11, Juni 13, Juli 31 (Beben in Sinj!), August 17, September 10, Ociober 13, November 13, December 19. 2 Herr Dr. Fritz Kerner v. Marilaun, welcher gleichfalls auf dem Schauplätze dieses Bebens Studien machte, hat bereits in den Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt (1898, S. 270) einen Bericht erstattet. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 35 Prof. Dr. J. N. Woldrich, wurde bereits als IX. Stück dieser Mittheilungen publicirt. 1 Unter den zahlreichen localen Beben des Jahres 1898 erlangte noch die obersteierische Erderschütterung vom 26. No- vember eine gewisse Bedeutung, so dass ihr der Referent für Steiermark, Herr Prof. Dr. Rudolf Hoernes eine mono- graphische Behandlung widmete, welche unter Nr. XIII in diesen Mittheilungen abgedruckt werden wird. Wie bereits in dem vorjährigen Bericht erwähnt wurde, 2 hat sich die Erdbeben-Commission mittelst besonderer Ein- gaben an das hohe k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht und an das hohe k. k. Eisenbahn-Ministerium mit dem Ersuchen gewendet, das Lehrpersonale der Volksschulen, sowie die Beamten der Bahnstationen zu veranlassen, Berichte über wahr- genommene Erdbeben an unsere Herren Referenten gelangen zu lassen. Beide Ministerien Hessen diesen Eingaben eine günstige Erledigung zu Theil werden, und wurde insbesondere im Einvernehmen mit dem hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht am Schlüsse des Berichtsjahres durch die Landesschulbehörden der einzelnen Provinzen (mit Ausnahme von Galizien und Bukowina, in welchen Ländern Erdbeben zu den grössten Seltenheiten gehören, so dass dieselben beinahe immun genannt werden könnten) die Beobachtungsinstructionen und Fragebogen an sämmtliche Volksschulen in den Landes- sprachen vertheilt. Wir hoffen, durch die regere Antheilnahme unserer intelligenten Lehrerschaft die für die Berichterstattung über unsere localisirten Gebirgsbeben so wichtige Verdichtung unseres Beobachtungsnetzes zu erzielen. Von grösstem Interesse für das intensivere Studium der periadriatischen Schütterzone ist die Organisation eines ein- heitlichen seismischen Beobachtungsdienstes in Bosnien und in der Hercegovina, welcher im amtlichen Auftrage von dem Leiter der meteorologischen Beobachtungen in diesen Ländern, Herrn Oberbaurath Ph. Ballif in Sarajevo in das Leben gerufen wurde. Die Publication der Erdbebenbeobachtuns;en erfolgt in i Diese Sitzungsber., Bd. CVII, Abth. 1, S. 1179. 2 Diese Sitzungsber., Bd. CVII, Abth. I, S. 197. 3* 36 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. den »Ergebnissen der meteorologischen Beobachtungen an den Landesstationen in Bosnien und der Hercegovina«. 1 Im Jahre 1899 sollen auch zwei Horizontalpendel an den Stationen von Mostar und Jaice zur Aufstellung gelangen, und zwar die gleichen Instrumente, wie an unseren seismischen Observa- torien, nämlich die Rebeur-Ehlert'schen Pendel aus der Werk- stätte von T. und A. Bosch in Strassburg i. E. Die Aufstellung dieser Instrumente an unseren vier Sta- tionen konnte leider nicht, wie wir gehofft und bestimmt erwartet hatten, im Laufe des vergangenen Jahres vollständig durchgeführt werden. In rühmlicher Weise that sich indessen in dieser Richtung das k. k. astronomisch-meteorologische Ob- servatorium in Triest hervor, wo unter der Leitung des Herrn Eduard Mazelle die Aufstellung des dreifachen Horizontal- pendels bereits im Monate August beendet war, so dass die regelmässigen Beobachtungen an diesem Instrumente bereits Ende August beginnen konnten. Herr Mazelle hat in einer als Nr. XI dieser Mittheilungen bezeichneten Abhandlung einen eingehenden Bericht über die Einrichtung der seismischen Station in Triest und die daselbst vom Horizontalpendel von Ende August 1898 bis Ende Februar 1899 aufgezeichneten Erdbebenstörungen erstattet. Bis zum Schlüsse des Jahres 1898 war dann auch die Aufstellung des Horizontalpendels an der Stiftssternwarte zu Kremsmünster unter der fürsorglichen Leitung des Directors derselben, des hochwürdigen Herrn P. Franz Schwab beendet. Die regelmässigen Beobachtungen nahmen Ende December 1 898 ihren Anfang. Auf der k. k. Sternwarte auf der Türkenschanze in Wien stellten sich der Montirung des Horizontalpendels Hindernisse verschiedener Art entgegen und konnte die Aufstellung erst zu Beginn des laufenden Jahres durchgeführt werden. Die Beob- achtungen sollen mit 15. April d. J. aufgenommen werden. Auch in Lemberg stellten sich Schwierigkeiten ein. Es war ursprünglich von Herrn Prof. Laska in Aussicht gestellt 1 Als erste Publication liegt die Zusammenstellung der Erdbeben des Jahres 1896 voi. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1S98. 3/ worden, dass die Apparate noch im Laufe des Monates Juli aufgestellt sein würden. Ende Jänner d. J. meldete aber Herr Prof. Laska, dass die Kellerräume, welche zur Aufnahme des Horizontalpendels bestimmt sind, erst in den Stand gesetzt werden müssten, so dass die Functionirung des Instrumentes vor 1. März d. J. nicht in Aussicht gestellt werden könnte. Die Erdbeben-Commission gedenkt mit anerkennendem Danke der mühevollen Unterstützung, welche ihren Bestre- bungen von Seite der Herren Referenten, Stationsleiter und der zahlreichen Beobachter zu Theil geworden ist. Sie rechnet mit Sicherheit darauf, dass diese werthvolle, ja unentbehrliche Unterstützung und Förderung ihren Bestrebungen auch in Zu- kunft erhalten bleiben wird. Mit Dank sei hier auch noch des Directors der k. k. geo- logischen Reichsanstalt, Herrn Hofrath Dr. G. Stäche, und des Directors der k. k. Centralanstalt für Meteorologie und Erd- magnetismus, Herrn Prof. Dr. J. Pernter, gedacht, welche Herren die an die genannten Institute eingelaufenen Erdbeben- meldungen der Erdbeben-Commission freundlichst übermittelt hatten. I. Nieder-Österreieh. (Referent Herr Prof. Dr. Franz Noe.) Die Zahl der Beobachtungsstationen war am Ende des Jahres 1898 im Ganzen 301 ; die Zahl der Beobachter beträgt 306. Erdbebenbeobachtungen liefen im Berichtsjahre nicht allzuviele ein. Die seismischen Erscheinungen beschränkten sich haupt- sächlich auf das Senkungsfeld in dem südöstlichen Theile des Kronlandes. Eine vereinzelte Beobachtung wurde im Flyschgebiete (St. Gotthard, Bezirk Mank) und zwei im Flach- land des ausseralpinen Wienerbeckens gemacht (Schieinbach, Bezirk Korneuburg, und Wilfersdorf bei Mistelbach). Die habituellen Schüttergebiete Nieder-Österreichs, die »Thermenlinie« und die »Kamplinie«, blieben in Ruhe, nur längs der »Mürzlinie« wurde ein schwaches Beben wahr- genommen. Die Intensität der beobachteten Erschütterungen überstieg nirgends III oder IV der Forel'schen Skala. 38 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Nachfolgend der Bericht über die eingelaufenen Beob- achtungen. 1. Beben vom 21. Jänner. 1 Nach einer Mittheilung des Herrn Eugen v. Fasold in Wien wurde einige Minuten vor 2 h in Strebersdorf ein Erd- stoss wahrgenommen, welcher die Pendeluhren zum Stillstand brachte. Zur selben Zeit wurde der Stoss auch in Penzing beob- achtet, wo gleichfalls die Pendeluhren stehen blieben. 2. Beben vom 27. und 28. April. St. Gotthard, Bezirk Mank (Berichterstatter Herr Schul- leiter Cyrillus Zötl). Briefliche Mittheilung. Nach Aussage der Ehegattin des Herrn Berichterstatters, mehrerer Bauern und des Kaufmannes Karl Braunsteiner war am 27. April in der Nacht zwischen 23 h und 23' 1 30 m ein Klirren der Fensterscheiben wie bei einem Donner zu ver- nehmen. Dieselbe Erscheinung wiederholte sich am 28. April, Früh zwischen 5 h und 5 h 30 m . Die Wahrnehmungen wurden während des Liegens im Bette gemacht. Mehrere Personen erwachten um die angegebene Zeit, ohne die Ursache zu wissen. Sonstige Erscheinungen wurden nicht wahrgenommen. Aus den Nachbarorten liefen keine Beobachtungen ein. 3. Beben vom 29. Juni. Wilfersdorf. Um 22 h 55 m wurde ein heftiges, in drei Stössen sich äusserndes Erdbeben gefühlt, welches nach dem Berichte des Pfarrers von Eibesthal (bei Mistelbach), Franz S. Riedling, von einem heftigen Sturm und Gewitter gefolgt war. In den Orten Wilfersdorf, Hobersdorf und Bullendorf wurden viele Häuser durch den Sturm beschädigt. 4. Beben vom 4. September. Kirchberg am Wechsel (Berichterstatter Herr Lehrer August Holz er). Dem eingesendeten Fragebogen ist zu 1 Sämmtliche Zeitangaben sind von Mitternacht zu Mitternacht (1- 24) gerechnet. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 39 entnehmen, dass am 4. September, Mittags um 12 h 32 ra , in ver- schiedenen Gebäuden von einzelnen Personen eine leichte Erschütterung des Bodens, ein schwaches Zittern desselben, begleitet von einem donnerartigen Rollen, durch 5 S empfunden wurde. Andere Erscheinungen wurden nicht wahrgenommen. Die Beobachtung blieb vereinzelt. Mehrere in Ortschaften des Wechsel- und Semmeringgebietes abgeschickte Fragekarten ergaben ein negatives Resultat. Auch Herr Prof. Dr. R. Hoernes erhielt aus den benachbarten steirischen Beobachtungsstationen nur negative Berichte. 5. Beben vom 28. September. An dem obengenannten Tage wurden zahlreiche Punkte in dem inneralpinen Becken von Wien erschüttert. Die seis- mische Bewegung beschränkte sich jedoch auf den östlichen Theil dieses Senkungsgebietes und erreichte weder den Alpenrand längs der Thermenlinie, noch die Donaufurche. Dagegen äusserte sich das Beben ziemlich kräftig in Ungarn an der Ostseite des Leithagebirges und in der Umgebung des Neusiedlersees; so wurde in Ödenburg und dessen Um- gebung an vielen Orten eine ziemlich starke Erschütterung wahrgenommen. Auch in Budapest und in Tolna wurde das Beben beobachtet. Das E r s c h ü 1 1 e r u n g s c e n t r u m dürfte jeden- falls in Ungarn gewesen sein, sodass in Nieder-Österreich nur die mittelbare Wirkung durch seitliche Fortpflanzung der Boden- schwingungen zu verspüren war. Die angegebenen Stoss- richtungen stimmen wohl im Allgemeinen nicht mit einander überein, doch wird am häufigsten eine Stossrichtung zwischen E und S angegeben. Einen succussorischen Charakter scheinen die Stösse nur in Ebenfurt und Pottendorf gehabt zu haben. Die Intensität des Bebens war überall eine massige und lässt sich durch III und IV der Forel'schen Skala ausdrücken. Am 29. und 30. September, sowie am 1. October wurde an mehreren Orten ein Nachbeben wahrgenommen. Die meisten Zeitangaben für den 28. September halten sich in den Grenzen zwischen 19 h 30' n und 19 h 35 m . Die am meisten abweichenden Zeiten 19 h 15 m und 20 h 5 m sind wohl ganz unsicher. 40 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Die ersten Nachrichten brachten die Tagesblätter. In der Morgenausgabe des »Neuen Wiener Tagblattes« vom 29. September stand folgende Notiz: »Erdbeben. Aus Öden bürg, 28. d. M., wird uns telegraphirt: Wenige Minuten nach Y 2 8 h Abends wurde hier ein heftiges Erdbeben verspürt. Die Fenster klirrten, die Uhren blieben stehen, viele Menschen liefen aus den Häusern. — Aus Pottendorf wird uns vom Gestrigen telegraphirt: Um 7 h 38 m Abends wurde die Bewohner- schaft durch ein 5 S andauerndes, ungemein heftiges, von donner- ähnlichem Getöse begleitetes Erdbeben erschreckt. Die Bilder an den Wänden, Hängelampen etc., geriethen in schwingende Bewegung und die Menschen liefen eiligst auf die Strasse.« Mittelst Fragebogen langten die folgenden Berichte ein (die Beobachtungsorte sind von S nach N geordnet): S c h e i b 1 i n g k i r c h e n, Bezirk Neunkirchen (Berichterstatter Herr Oberlehrer Franz Mühl). Der Herr Berichterstatter ver- spürte um 19 h 35 m corr. Zeit (verglichen mit der Bahnuhr) im 1. Stocke des Schulhauses, beim Schreiben sitzend, eine circa 2 S dauernde Erschütterung; es war eine gleichartig schaukelnde Bewegung, die von einem anhaltenden Rollen, wie verhallender Donner, begleitet war. Die Erschütterung wurde auch von vielen anderen Personen wahrgenommen. Die Leute bemerkten, dass Lampen schwankten, Teller klirrten. Liegende sprangen auf. Der Stoss kam von NE. Schaden wurde keiner angerichtet. Auffallende Nebenerscheinungen keine Es regnete und war sehr warm. An demselben Tag wurde schon um 13 h 15 m ein schwaches Beben wahrgenommen. Alle Schüler der Classe fühlten das Rollen. Der Beobachtungsort steht auf Schuttboden. Pitten, Bezirk Neunkirchen (Berichterstatter Herr Ober- lehrer Anton Trefuy). Um 13 h 6 m corr. Zeit (nach Angabe der Eisenbahnbeamten in Pitten) wurde von mehreren Personen ein Zittern des Bodens durch einen »Moment« wahrgenommen. Eine zweite gleichartige Erschütterung wurde um 19 h 30 m ver- spürt. Diese letztere Erschütterung war wahrnehmbarer. Andere Erscheinungen wurden nicht beobachtet. — Schuttboden. Wr. Neustadt. Herr Hans Crammer, Professor an der L;mdesrealschule in Wr. Neustadt verspürte wohl selbst nichts E. v. Mojsisovios, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898.- 41 von dem Erdbeben, hatte jedoch die Güte, in Neustadt und Umgebung genaue Nachfrage zu halten und übersendete so- dann die folgenden Beobachtungen. Beobachter Herr Carl Schrimpf, Bürgerschullehrer und Frau. Pfarrplatz Nr. 3, 1. Stock. Um 19 h 33 m nichtcorr. Zeit, beim Tische sitzend. Es herrschte vollständige Ruhe; es wurde eine nur kurze Zeit andauernde Erschütterung wahrgenommen. Es war, als ob eine enorme Last an der Grundmauer des Hauses dahingewälzt würde. Gleichzeitig wurde ein dumpfes Rollen vernommen. Ein Mitbewohner des Hauses glaubte, es sei der Sturz eines schweren Gegenstandes erfolgt und eilte, um nach- zusehen, auf die Gasse. Ein west-östlich schwingendes Uhr- pendel schlug rückwärts an die Wand des Uhrkastens, die Stossrichtung dürfte daher N — S gewesen sein. Fenster und Jalousien rasselten. Beobachterin Frau Dr. v. Hochstetter, Grabenring Nr. 6, 1. Stock, sass bei Tisch und verspürte zwei Erschütterungen, von denen die erste kürzer und schwächer war als die zweite. Beide Male war zuerst ein Stoss und dann ein Zittern fühlbar. Der Stoss schien nach der unmittelbaren Empfindung von E zu kommen. Jede Erschütterung dauerte mehrere Secunden. 19 h 30 m uncorr. Zeit. Zu vernehmen war nur das Geräusch der zitternden Möbel. Beobachterin Frau E. Breues, Kaufmannsgattin, Neun- kirchnerstrasse Nr. 2, 2. Stock, sass beim Tisch und verspürte um 19 h 35 m (angeblich nach mitteleuropäischer Zeit gutgehende Uhr) eine Erschütterung, und zwar ein plötzlich beginnendes, mindestens 5 S dauerndes Zittern, während der ganzen Dauer in gleicher Stärke, dann plötzlich aufhörend. Geräusch wurde keines wahrgenommen. Nach der Empfindung zu urtheilen, schien die Ursache der Erschütterung direct unterhalb zu sein. Jedoch gerieth eine Hängelampe in Schwingungen. Der Aus- schlag betrug nach beiden Seiten circa 4 cm. Die Schwingungs- ebene war nach allerdings unsicherer Erinnerung N — S, was auf die gleiche Stossrichtung schliessen Hesse. Beobachter Herr Kohs, Mechaniker, und dessen Tochter. Es wurde um 19 h 30 m (nach 2 Taschenuhren, uncorr. Zeit) bei Tisch sitzend (Deutschgasse 9, 1. Stock) eine Erschütterung 42 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. verspürt in Form eines ziemlich heftigen, von unten kommenden Schütteins durch einige Secunden mit gleichbleibender Intensi- tät andauernd. Die Ursache des Bebens schien unterhalb zu liegen. Auch wurde ein rasselndes Geräusch, als ob ein Wagen über Pflaster fahren würde, gehört. Dieses Rasseln begann früher und hörte früher auf als die Erschütterung. Die Fenster klirrten. In der Wohnung unmittelbar nebenan sassen vier Per- sonen im Gespräch, von denen keine das Beben spürte oder etwas hörte. Beobachterin Frau Manz und deren Tochter. Fabrikslocal, ebenerdig; man sass bei Tisch. Es wurde um 19 h 35 m (angeb- lich nach mitteleuropäischer Zeit gutgehende Uhr) ein Schaukeln verspürt, das etliche Secunden anhielt. Die Bewegung kam von E oder S. Kein begleitendes Geräusch. In einem benach- barten Zimmer hörte man Gläser klirren. Nach Mittheilung des Herrn Dr. A. v. H ochste tter wurde das Erdbeben in vielen Orten der Umgebung VVr. Neustadts verspürt. Herr Prof. Crammer ersuchte die Bevölkerung durch beide in Neustadt erscheinenden Wochenblätter um Bekannt- gabe von Nachrichten, worauf der eben mitgetheilte erste und dritte Bericht einlief. Bei der geringen Intensität des Bebens wurde dasselbe eben meistens nicht beachtet. Lichtenwörth-Nadelburg, Bezirk Wr. Neustadt (Be- richterstatter Herr Volksschuldirector Josef Schachel). Um 19 h 33 m Ortszeit, die gegen die Bahnzeit um 6 m voraus ist, wurde von beiläufig der Hälfte der Bewohner eine Erschütte- rung in Form eines gleichartigen Zitterns durch beiläufig 1 1 / 2 S wahrgenommen. Gleichzeitig hörte man ein Geräusch wie beim Fahren eines schwerbeladenen Wagens, so dass die Einwohner in einigen Häusern auf die Strasse gingen, um zu sehen, wer vorbeifahre. Der Stoss kam von NW. Ein Schüler, der zu Hause zeichnete, wurde beim Sitzen geschüttelt, ein anderer beim Stehen etwas nach der Seite gerissen. Eine Uhr blieb stehen. Die Uhr eines Schülers fiel von einem Nagel herab. — Schotter- boden. Neu-Ebenfurth bei Ebenfurth, Bezirk Mödling (Bericht- erstatter Herr Franz Reis sn er, Volksschullehrer). Zeit 19 h 15 m Bahnzeit. Während des Lesens in sitzender Stellung wurde E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 43 ein seeundenweises »Schlagen« von unten nach oben verspürt, so dass man auf dem Sessel das Gefühl des Indiehöhehebens hatte. Es wurden 5 — 6 derartige Erschütterungen in der Dauer von je l s beobachtet. Die Stossrichtung war ganz vertical von unten, die Gegenstände im Zimmer rührten sich gar nicht. Nach der Erschütterung war ein dröhnendes Rollen, wie von einem verhallenden Donner zu hören. Mehrere Personen, die sich in einem nahen Wäldchen befanden, behaupten, dass bei vorheriger gänzlicher Windstille die Bäume plötzlich zu rascheln begannen, als erhöbe sich ein Sturmwind. Das Beben wurde von vielen Bewohnern wahrgenommen. Im Freien befindliche Personen wurden durch das Beben sehr erschreckt. An anderen Orten der Umgebung bis zu einer halben Stunde Entfernung wollen einige Personen auch um 20 h 30 m noch eine Erschütte- rung wahrgenommen haben. — Schotter- und Sandboden. Pottendorf, Bezirk Mödling (Berichterstatter Herr Bürger- schullehrer Florian Müller). 19 h 35 m corr. Zeit. Das Beben wurde in sitzender Stellung beim Rasiren wahrgenommen im 1. Stock eines Gebäudes. Es waren drei rasch aufeinander- folgende Stösse oder Schläge von unten nach oben. Es wird jedoch auch angegeben, dass nach unmittelbarer Empfindung eine Stossrichtung von SSW gegen NNE anzunehmen sei. Die Gesammterschütterung dauerte höchstens 5 S und war von einem sehr starken Fensterklirren mit unterirdisch rollendem Getöse (Donner) begleitet. Dieses Beben wurde ganz allgemein von der Bevölkerung wahrgenommen. Es wurde auch ein An- einanderprallen der Gläser in den Kästen, die Entstehung von Sprüngen in einer Zimmerdecke, die Senkung des Einsatzes eines Ofenrohres beobachtet. Alles eilte auf die Strasse und besprach die Erscheinung. Auch am 29. September um 4 h , am 1. October um l h und am 3. October um l h wurden schwächere Erschütterungen wahrgenommen. — Schotterboden. Seibersdorf, Bezirk Ebreichsdorf (Berichterstatter Herr Schulleiter Josef Popp), 19 h 30 m uncorr. Zeit. Im Schulgebäude, sitzend, bei der Zeitungslectüre, wurde ein etwa 5 S andauerndes, ununterbrochenes, vom Anfang bis zum Ende gleichmässiges. heftiges Zittern wahrgenommen. Das Beben wurde von allen 44 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Bewohnern des Ortes verspürt. Nach der unmittelbaren Empfin- dung zu schliessen, schien der Stoss von S zu kommen. Be- gleitet war die Erschütterung von einem donnerartigen Rollen. Sowohl die beweglichen Gegenstände, als auch die Gebäude geriethen in zitternde Bewegung. Vier Uhren des Ortes blieben momentan stehen. Die Bevölkerung verhielt sich ziemlich ruhig, nur einzelne Personen eilten erschreckt ins Freie. Die Hunde liefen ängstlich winselnd umher, die übrigen Thiere zeigten grosse Unruhe. — Schotterboden. Mannersdorf, Bezirk Brück a. d. Leitha (Berichterstatter Herr Oberlehrer Ignaz Bauer). Der Herr Berichterstatter hatte selbst nur ein Getöse vernommen, das er anderen Ursachen zuschrieb. Erst tagsdarauf erfuhr er, dass mehrere Leute um circa 19 h 30 m Wienerzeit ein Erdbeben wahrgenommen hätten. Über den Charakter der Erschütterung wird nichts Näheres angegeben. Der Ort liegt auf jungtertiärem Kalkstein, unmittelbar am Fusse des Leithagebirges. Gramat-Neusiedl, Bezirk Mödling (Berichterstatter Herr Lehrer Adolf Altenbacher). Das Beben wurde um 19 h 35 m Wienerzeit in Gebäuden von vielen Ortsbewohnern verspürt und äusserte sich als ein durch 3 S dauerndes, gleichartiges Zittern, dessen Richtung S — N war, wie an Geschirren (?) beob- achtet wurde. Nachfolgendes Geräusch als ein Klirren der Gegenstände. Sonst keine näheren Angaben. — Schotterboden. Um die Zahl der Beobachtungen zu vermehren, wurde an die Herren Berichterstatter in Lanzenkirchen, Schwarzenbach, Ebreichsdorf, Trautmannsdorf, Traiskirchen, Tattendorf, Höflein, Baden, Mödling, Hochwolkersdorf, Wiesmath, Arbesthai Frage- karten abgesendet. Darauf berichteten Herr Schuldirector Alois Matscher in Lanzenkirchen, Bezirk Wr. Neustadt, däss dortselbst und in der Umgebung am 28. September eine Erd- erschütterung verspürt wurde. Im Schulhause selbst wurde nichts bemerkt, aber beim Bäcker im Orte sollen einige Töpfe von einer Stellage herabgefallen und zerbrochen sein. Auch in Klein-Wolkersdorf und in Ofenbach hat sich das Beben bemerkbar gemacht. Die Zeitangaben sind schwankend, zwischen 19 h 15" 1 und 20 h 5 ,M . E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 45 Aus Ebreichsdorf, Bezirk Mödling, schreibt Herr Ober- lehrer J. Hanreich, dass am 20. September nach 19 h 30 m eine stark bemerkbare Erschütterung wahrgenommen wurde. Richtung von SW nach NE. In Trautmannsdorf, Bezirk Brück a. d. Leitha, hat Herr Oberlehrer Karl Han reich um 19 h 37 m Ortszeit eine etwa 4 s bis 5 S dauernde Erschütterung wahrgenommen. Die Richtung schien W — E zu sein. Die von Herrn Oberlehrer Karl Hüb er in Traiskirchen, Bezirk Baden, eingelangte Nachricht spricht sich nur zweifel- haft über ein schwaches Beben aus. Ebenfalls zweifelhaft ist die Mittheilung des Herrn Lehrers Alois Kurz in Schwarze nbach, Bezirk Wr. Neustadt. Er selbst hat nichts wahrgenommen. Von einer Person ist um 19 h 37 m Südbahnzeit ein schwaches Beben, Richtung ENE ver- spürt worden. Durch Vermittlung der k. k. Centralanstalt für Mete- orologie und Erdmagnetismus in Wien erhielt der Referent eine Karte des Herrn Adalbert Majerszky (seither gestorben) in Baden, welcher berichtet, dass er am 28. September um circa 19 h 30 m in seiner Villa in Baden, Bergstrasse 60, ein secundenlanges, von donnerähnlichem Getöse begleitetes, mit Schwanken vermischtes Schütteln in sehr deutlicher Weise verspürte. Die vom Referenten bei dem Herrn Berichterstatter in Baden, Prof. Benedict Just eingeholte Erkundigung ergab jedoch für Baden ein negatives Resultat. Gleichfalls negative Antworten liefen ein aus Tatten- dorf, Höflein, Hochwolkersdorf, Wiesmath; gar keine Antwort kam aus Arbesthai. Herr Prof. Just in Baden schrieb, dass die »Badner Zeitung« vom 5. October d. J. die Mittheilung enthielt, es wäre in Eben- furt und Umgebung vor »einigen Tagen« ein kurzes, aber heftiges Erdbeben unter donnerähnlichem Getöse verspürt worden. Richtung E — W. Zeit und sonstige nähere Angaben fehlen. Durch gütige Vermittlung des Herrn Prof. Dr. Eduard Suess sind dem Referenten noch einige Nachrichten über das Beben vom 28. September zugekommen, die Herr Eduard Fink. 46 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Erzh. Friedrich'scher Central-Buchhaltungsrevident in Wien, 'so freundlich war zu sammeln. Dr. v. Hochstetter in Wr. Neu- stadt schrieb an Herrn Fink, er habe erfahren, dass das Erdbeben vom 28. September in Kirch schlag und in den ungarischen Orten südöstlich des Leithagebirges, in Walpers- dorf, Bettelsdorf, Zemmendorf, Stödra, Anton, Zagersdorf, Hirm, Wulka, Brodersdorf und Gross-Höflein, wahrgenommen wurde. Herr Bürgermeister Eduard Stadimann in Hof berichtet in gleicher Weise, dass die Erderschütterung vom 28. September in H.of und Au (Ortschaften am Westrande des Leithagebirges) sehr stark verspürt wurde. Herr Pfarrer Josef Kai noky in Statzing (Ungarn, Süd- rand des Leithagebirges) schrieb an Herrn Fink, dass dortselbst am 28. September, 19 h 45 m ein Erdbeben wahrgenommen wurde. Herr Fink berichtet auch, dass jenes Beben in Tolna, Budapest und Umgebung, desgleichen in vielen anderen Orten zwischen Plattensee, Tolna, Donau und Budapest wahrge- nommen wurde. 6. Beben vom 29., 30. September und 1. October. In der Morgenausgabe des »Neuen Wiener Tagblattes« vom 1. October d. J. findet sich folgende Notiz: Erdbeben. Aus Ebreichsdorf wird uns unterm Gestrigen gemeldet: Das am 28. September von Ödenburg und Pottendorf gemeldete Erdbeben wurde auch hierorts verspürt. Erdstösse wieder- holten sich noch am 29. September um Y 2 4 h Früh und heute (30. September) Nachts um l h 28 m in der Dauer von 3 S , und letzteres war von starkem Getöse begleitet. — Aus Potten- dorf wird uns mitgetheilt, dass dort neuerlich Erdstösse ver- spürt wurden, und zwar am 30. September um 4 h Früh und am 1. October um l h Früh. Richtung S — N. Herr Bürgerschullehrer Florian Müller in Pottendorf theilte mit, dass (wie schon oben erwähnt) am 29. September um 4 h , am 1. October um l h schwächere Erschütterungen dort- selbst wahrgenommen wurden. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 47 Herr Oberlehrer Joh. H an reich in Ebreichsdorf be- richtet, dass dort am 1. October l h 38 m eine stark bemerk- bare Erschütterung wahrzunehmen war. Herr Pfarrer Kai noky schreibt an Herrn Fink, dass in Statzing (Ungarn) auch am 29. September, um 4 h Früh ein schwächerer, am 1. October, s / i i b Nachts wieder ein stärkerer Erdstoss zu fühlen war. 7. Beben vom 3. October. Berichterstatter Herr Florian Müller in Pottendorf th eilt mit, dass dortselbst auch am 3. October um l h Nachts eine schwächere Erschütterung wahrgenommen wurde. Nähere Daten fehlen. 8. Beben vom 26. November. Ein mit der »Mürzlinie« in Zusammenhang stehendes Beben wurde an einigen Orten des Semmering- und Wechsel- gebietes wahrgenommen. Intensität gering, etwa III — IV der Forel'schen Skala. Die Stossrichtung wird meist E — W oder N — S angegeben. Zeitangaben schwankend zwischen 2 h 29 m und 2 h 44 m . Über dieses Erdbeben brachten die Tagesblätter folgende Meldungen. »Neues Wiener Tagblatt«, Morgenausgabe vom 28. November: Erdbeben. Wie uns mitgetheilt wird, unternahm Prof. Dr. Koch mit Studirenden der Hochschule für Bodencultur eine geologische Excursion ins Wechselgebirge. Auf dem Wege von Aspang nach Mariensee wurde den Theilnehmern der Excursion am Samstag den 26. d. M. mit- getheilt, dass von mehreren Bauern angeblich gegen 4 h Früh ein Erdbeben mit starkem Detonationsphänomen wahrgenommen worden sein soll. Sonntag den 27. d. M. theilten mehrere Herren aus Gloggnitz dem Prof. Dr. Koch mit, dass in der Nacht von Freitag auf Samstag um 1 / 2 3 h daselbst ein starkes, mehrere Secunden andauerndes Erdbeben verspürt wurde. Apotheker Pittner gab eine von W nach E laufende Stossrichtung an. Der Bezirksrichter von Gloggnitz nahm einen heftigen succussorischen, von unten nach oben wirkenden Stoss 48 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. wahr, welcher von einem kräftigen unterirdischen Rollen begleitet war. In der Morgenausgabe des »Neuen Wiener Tagblattes« vom 29. November war Folgendes zu lesen: »Von Dr. Theodor Branowitzer, Gemeindearzt in Pottschach bei Gloggnitz, erhalten wir folgende Zuschrift: Geehrte Redaction! Zu Ihrem Erdbebenberichte erlaube ich mir mitzutheilen: Auch in Pott- schach wurde am 26. November Morgens 2 h 35 m mitteleuro- päische Zeit ein mehrere Secunden dauerndes Erdbeben, Rich- tung NE — SW von mehreren Personen beobachtet; dasselbe war von kräftigem unterirdischen Rollen begleitet.« Mittelst Fragebogen liefen folgende Berichte ein: Kirchberg am Wechsel, Bezirk Neunkirchen (Bericht- erstatter Herr Lehrer August Holzer). Um 2 h 44 m nach der Uhr des Telegraphenamtes wurde von den meisten Bewohnern des Ortes in ebenerdigen und einstöckigen Gebäuden eine wellenförmige »Seitenbewegung« (Seitendruck) durch 1V 2 S dauernd wahrgenommen; manche sprachen von einem Stoss von unten. Gesonderte Erschütterungen waren nicht wahrzu- nehmen. Die Wellenbewegung kam von E und setzte sich nach W fort. Der Bewegung ging ein donnerartiges Rollen voran und folgte derselben in der oben erwähnten Richtung nach; vor und nach dem Drucke (?) 2 S lang. Andere Neben- erscheinungen waren nicht zu beobachten. Die Erzählungen auch von den weiter vom Ort entfernt wohnenden Personen stimmen mit dem früher Angeführten überein. Scheiblingkirchen, Bezirk Neunkirchen (Berichterstatter Herr Oberlehrer Franz Mühl). Um 2 h 37 ra Bahnzeit wurde der Herr Berichterstatter aus dem Schlaf aufgerüttelt, ebenso seine Frau, die in einem anderen Zimmer schlief. Es war ein Rollen, wie wenn ein schwerbeladener Wagen rasch vorüberzufahren versuchte, schwach, stärker werdend, dann wieder schwächer. Dauer circa 3 S . Die Richtung konnte nicht ermittelt werden, da alle Personen aus dem Schlaf erwachten. Ein rollendes Geräusch ging der einmaligen Erschütterung voran, in der zweiten Secunde erfolgte anscheinend die Erschütterung, so- dann wieder das Geräusch. Die Erscheinung wurde von 23 Per- sonen im Orte bemerkt. In den Classenzimmern des 1. Stockes L. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 49 fand der Berichterstatter Kalkstaubcben auf den Bänken liegen, sonst keine Nebenerscheinung. — Der Herr Berichterstatter fügt noch folgende Bemerkung hinzu: Starker Wind, auffallend warm (10° R.). Seit 18 Jahren mache ich die Erfahrung, dass unter vorangeführten Bedingungen jedesmal im Herbst Erd- beben eintritt. Klamm am Semmering (Berichterstatter Herr Schulleiter M. Wernbacher). Das Beben wurde im Zimmer zu ebener Erde, liegend im Bette wahrgenommen. Zeit 2 h 29 m nach einer genau gehenden Pendeluhr, mitteleuropäische Zeit. Es wurde nur eine Erschütterung in Form eines kurzen Schlages verspürt durch etwa 2 — 3 S . Nach unmittelbarer Empfindung schien der Stoss von N zu kommen. Mit dem Stoss war gleichzeitig ein kurzer, dumpfer Donner verbunden. Die Erscheinung wurde nur von einzelnen Personen wahrgenommen, da die meisten Leute schliefen. Keine auffallenden Nebenerscheinungen. Aus Schottwien, am Nordfusse des Semmering, sind dem Referenten durch die gütige Vermittlung des Herrn Prof. Hans Crammer in Wr. Neustadt die Beobachtungen des Herrn Theodor Heissenberger, Uhrmacher in Schottwien, zuge- gangen. Um 2 h 38 m corr. Wienerzeit wurde sowohl im Freien, als im Erdgeschosse und 1. Stock von Gebäuden eine wellen- förmige Bewegung der Erde wahrgenommen, der ein donner- artiger Schlag vorausging; es herrschte starker Sturm. Zeit- dauer 3 — 4 S . Die Bewegung kam von NNW nach SSE, und wurde dies durch unmittelbare Empfindung festgestellt. Das Beben wurde im Orte ganz allgemein wahrgenommen. Die Gebäude wurden erschüttert, ohne dass Schaden entstand; nur in Stuppach wurde nach Mittheilung des dortigen Oberlehrers im Schulhaus der Schornstein beschädigt. Die Erschütterung wurde auf der Nord- und Nordostseite im Umkreise von 4 bis 5 Stunden wahrgenommen, während gegen S, jenseits des Semmerings, z. B. in Steinhaus, nichts verspürt wurde. — Fels- boden. Durch die freundliche Vermittlung des Herrn Dr. Conrad Dohany (»Schneebergclub« in W T ien) lief ein Bericht des Herrn Med. Dr. Heinrich Fischer aus Puchberg am Schnee- berg ein, aus dem zu entnehmen ist, dass um 2 h 25 m (uncorr. Sitzb. d. mathem.-natunv. Cl. ; CVIII. Bd., Abth. I. 4 50 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Zeit) auch dort das Erdbeben als eine 2 S lange, wellenförmige Bewegung des Bodens in der Richtung SE — NW zu verspüren war. Diese Wahrnehmung wurde von einzelnen Personen gemacht. Reichenau, Bezirk Gloggnitz (Berichterstatter Herr Ober- lehrer Franz Haas). Um 2 h 30 m uncorr. Zeit wurde im Schul- haus zu ebener Erde ein durch 8 — 9 S dauerndes gleichartiges Zittern verspürt mit einem fast gleichzeitigen, donnerähnlichen Geräusch verbunden. Die Bewegung schien nach unmittelbarer Empfindung von S zu kommen. Die Erscheinung wurde von vielen Personen wahrgenommen. Auffallende Nebenerschei- nungen keine. Trattenbach, Bezirk Gloggnitz (Berichterstatter Herr Lehrer Franz Scheibenreif). Um 2 h 30 m Bahnzeit (nicht ganz präcise) wurden die Leute durch ein ziemlich heftiges Erdbeben aus dem Schlaf aufgeschreckt. Eine zitternde Erschütterung durch etwas mehr als 2 S durchaus gleichartig. Diese Erschütte- rung war mit einem gleichzeitigen dumpfen, donnernden Geräusch verbunden. Richtung der Bewegung konnte nicht festgestellt werden. Das Erdbeben wurde im Ort und in der Umgebung allgemein wahrgenommen. Die Betten wurden stark geschüttelt. Schaden wurde keiner angerichtet. Die Bevölkerung besprach allgemein das Ereigniss, jedoch ohne Aufregung. Die ganze Nacht herrschte furchtbarer Sturm aus S. Wörth bei Gloggnitz. Durch Vermittlung des Herrn Pro- fessors Hans C ramm er in Wr. Neustadt langte ein Bericht des Herrn Oberlehrers Gustav Schöffmann in Wörth ein, dem zu entnehmen ist, dass dortselbst das Beben um x / 2 3 h bemerkt wurde. Ein Erzittern der Gebäude und Einrichtungsstücke durch circa 1 — 2 S . Ein donnerartiges Geräusch und Rollen ging l s lang der Erschütterung voraus. Richtung N — S. Das Beben wurde allgemein wahrgenommen. Die Rauchfänge des Schul- hauses (die allerdings schon vorher etwas schadhaft waren) wurden beschädigt, sonst kein Schaden und keine Neben- erscheinungen. Nachfragekarten wurden abgeschickt nach Gloggnitz, S c h o ttwi e n, M ari as chutz, H irs chwan g, Pitt e n, Fei s tri tz, Aspang, Mönnichkirchen, Zobern, Nasswald. E. v. M ojsiso vics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. Ol Den eingelaufenen Antworten ist zu entnehmen, dass in Schottwien (siehe auch die oben mitgetheilten Berichte von dort) nach Angabe des Herrn Oberlehrers Josef Schmidt am 26. November dortselbst keine Erderschütterung verspürt wurde, dagegen am 23. November 2 h 38 m Wiener Zeit eine stärkere Erschütterung zu beobachten war. Es waren acht Stösse und ging eine wellenförmige Bewegung von ENE gegen WSW. Die Saiten eines Pianos erklangen. (Dieser auffallende Widerspruch in der Angabe des Datums bei sonst überein- stimmenden Daten dürfte vielleicht doch auf einem Irrthume beruhen.) Herr Fabriksdirector Emerich Tomischka in Hirsch- wang beiReichenau schreibt, dass das Beben vom 26. November um circa 3 h von vielen Personen dortselbst verspürt wurde. Aus eigener Wahrnehmung konnte wohl nichts berichtet werden, aber nach Aussage verschiedener Personen soll sich das Beben durch ein etwa 2 — 3 S andauerndes, mit ziemlich heftigen Stössen verbundenes Rollen bemerkbar gemacht haben. Als Richtung wird vermuthungsvveise NW gegen SE angegeben. Die Gläser in den Kästen klirrten. Die Antworten aus Mönnichki rchen, Zobern, Nass- wald, Aspang und Pitten lauteten negativ. Aus Gloggnitz. Mariaschutz (Berichterstatter gestorben) und Feistritz kamen keine Antworten. 9. Beben vom 27. November. Das »Neue Wiener Tagblatt« meldet in seiner Morgen- ausgabe vom 28. November: »In mehreren Orten Obersteier- marks wurde in der Nacht von Samstag auf .Sonntag (26. bis 27. November) zwischen l h 20 m und l h 30 m ein mehrere Secunden dauerndes, überaus starkes Erdbeben wahrgenommen«. — Aus Kirchberg am Wechsel meldet uns Herr Med. Dr. Spitaler, der Beobachter der dortigen meteorologischen Station: »Sonntag (27. November) Früh um 1 / 3 n wurden alle Bewohner von Kirch- berg am Wechsel und Umgebung durch ein Erdbeben aus dem Schlafe gerüttelt; dasselbe währte ungefähr 1 s und war von starkem Donnerrollen begleitet. Dabei herrschte eine Temperatur von 14'2° und orkanartiger Südwind«. — Aus Hirschwang im 4* 52 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Semmeringgebiete wird uns berichtet: »Sonntag (27. November) Morgens, 3 h 10 m wurde in Hirschwang ein Erdbeben verspürt. Es war ein kurzes, heftiges, gut wahrnembares Rollen von NW gegen SE. Die Hausgeräthe geriethen in Bewegung.« Aus einer gütigen brieflichen Mittheilung des Herrn Referenten für Steiermark, Prof. Dr. Rudolf Hörnes in Graz, geht hervor, dass thatsächlich am 27. November an vielen Orten Obersteiermarks (Eisenerz, Vordemberg, Mautern, Radmer, Garns, Gaishorn, Johnsbach, Frauenberg, Scheiben, Kallwang u. s. w.) zwischen IM 5™ und l h 35 m ein ziemlich heftiges Erd- beben verspürt wurde. Diese seismische Bewegung hat sich, allerdings bedeutend abgeschwächt, längs der »Mürzlinie« auch nach Niederösterreich fortgepflanzt. Der Referent konnte jedoch nur wenige und unsichere Daten hierüber erlangen. Aus Pitten meldet Herr Oberlehrer Anton Trefuy über Anfrage, dass dort und in der Umgebung am 27. November gegen 8 11 Abends (?, dürfte wohl auf einem Irrthume beruhen) von mehreren Personen ein Erdbeben wahrgenommen wurde. Der Stoss sei von N gekommen. Herr Fabriksdirector Tomischka in Hirsch w a n g schreibt, dass dort am 27. November, ungefähr 3 h , von mehreren Personen ein schwaches Erdbeben (bedeutend schwächer als am 26. November) verspürt wurde. 10. Beben vom 15. December. Schieinbach, Bezirk Korneuburg (Berichterstatter Herr Oberlehrer Anton Ludwig). Um 21 h 35 m verspürte der Herr Berichterstatter im Bette liegend, lesend (Erdgeschoss des stockhohen Schulhauses), ein Zittern des Bodens, andauernd (Angabe der Zeitdauer fehlt) mehr und minder stark, verbunden mit einem schwachen Geräusche, dem fernen Rollen eines Eisenbahnzuges vergleichbar. Der Herr Berichterstatter stand dann auf, um zu beobachten. Eine Pendeluhr, deren 65 cm langes Pendel E — W schwingt, blieb um 21 h 45 m (diese Minuten- angabe dürfte wohl ein Schreibfehler sein?) stehen. Die Scheibe des Pendels schlug während der Erschütterung mehrmals an die hintere Wand des Gehäuses. Eine im Schlafzimmer frei- hängende, V7m lange, ausser Gebrauch stehende Hängelampe E. v. Moj sisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1S98. Oo fing zu pendeln an, und zwar beschrieb die untere Spitze eine Ellipse, deren Längsaxe ungefähr 2 — 3 Cm in der Richtung NNW — SSE betrug (festgestellt an der unter die Lampe ge- haltenen Zeitung). Das Beben wurde sonst nur noch von einzelnen Personen, z. ß. von dem diensthabenden Beamten der hiesigen Eisen- bahnstation bemerkt. Gleichzeitig herrschte orkanantiger Sturm. — Lehmboden. II. Oberösterreieh. Der Referent, Herr Prof. H. Commenda in Linz berichtet über den Stand des Beobachter-Netzes: »Vom Vorjahre her verblieben circa 220 Stationen. Hiebei sind nicht einbegriffen die Post- und Telegraphenstationen, welche wie die k. k. Gensdarmerie-Posten und Vorstände der Eisenbahnstationen officiell im Wege ihrer vorgesetzten Behör- den beauftragt wurden, gegebenen Falles Meldungen- einzu- senden. Nachdem das hohe k. k. Finanzministerium es abgelehnt hatte, die unterstehenden Zollämter etc. zu analogem Dienste zu verhalten, suchte der Berichterstatter durch private Verbin- dungen die für derartige Beobachtungen durch die Natur ihres Dienstes sehr gut geeigneten Zollorgane zu gewinnen, was ihm auch in den meisten Fällen gelang und wegen des Anschlusses an das Nachbarland Bayern von Wichtigkeit ist. Die Zahl der Beobachtungsstationen beträgt am Schlüsse des Berichtjahres 242.« 1. Beben vom 28. Jänner. Um circa 8 h (Ortszeit) wurde in mehreren Ortschaften um Gallneukirchen eine sehr kurzwährende Erderschütterung, wie ein Schlag von unten wirkend, allgemein wahrgenommen. Auf in Häusern befindliche Leute machte es den Eindruck, als sei nebenan ein Gewölbe eingestürzt, ein Bauer verglich sie mit dem langgezogenen Geräusche eines Schusses. Erschütte- rung und Geräusch wurden gleichzeitig bemerkt, Wirkungen an Gebäuden wurden nicht beobachtet. Ein einzelner Mann 54 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. glaubte die Richtung als von N — S angeben zu können. Im Freien befindliche Pferde erschraken und zitterten. Am Stall- vieh wurden, weil um diese Zeit die Morgenarbeiten schon vorüber sind, keine Beobachtungen gemacht. Am merklichsten war die Erschütterung in Engerwitzdorf, Kleedorf und Gratz. Hier will ein Schuster noch unmittelbar vor ll h einen zweiten sehr schwachen Erdstoss bemerkt haben. Herr Lehrer A. Bock in Gallneukirchen, der sich um das Sammeln der vorgenann- ten Daten sehr viel Mühe gab, fügt bei, dass auch in Kats- dorf, St. Georgen und Gusen die Erschütterung wahrge- nommen wurde. Nachrichten liefen von dort keine ein, der Herr Stationsvorstand der nächst gelegenen Eisenbahnstation Lungitz gab auf Befragen dem Referenten bekannt, dass weder in der Station, noch in der Umgebung etwas beobachtet wurde. 2. Beben vom 1. Februar. In Alt he im wurde vom Herrn Brauereibesitzer Fr. Baum gart n er um 23 h 45 m eine schwache Erderschütterung bemerkt, welche nach der Mittheilung des Herrn Oberlehrers W. Wachb erger auch von mehreren anderen glaubwürdigen Personen wahrgenommen wurde. 3. Beben vom 19. Juli. Herr Apotheker Preissl in Frankenburg meldet, dass er mit seiner Frau um etwa 21 h 45 m zwei schwache Erdstösse verspürte, wejche ihn auf mit Stahlfedern versehenem Sessel sitzend in schwingende Bewegung setzten, so dass er unwill- kürlich nach dem Tische griff. 4. Beben vom 25. November. Auf Ersuchen des Herrn Referenten für Steiermark, Prof. Dr. R. Hörnes in Graz, wurde bei den oberösterreichischen Grenzstationen nachgeforscht, ob von den steierischen Erd- beben Ende Novembers nichts daselbst bemerkt wurde. Von Hallstatt, Spital a. P. und Weyer liefen Fehlanzeigen ein; aus Innerstoder berichtete Herr Oberlehrer J. Angerhofer hier- über, dass am 25. November zwischen 14 — 15 h vom Herrn E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 55 Med. Dr. Hauer und dem Gensdarmerie - Postenführer Harrer dreimal nacheinander ein Donnern in Abständen von 1 — 2 m wahrgenommen wurde, das vom Hochkastengebiete gegen die Spitzmauer herzukommen schien. 5. Beben vom 27. November. Von der Jägerin beim Dietl, Helene Hackl, wurde Nachts (nähere Zeitangabe fehlt) eine Erschütterung wahrgenommen. 6. Beben vom 15. December. 11" 15 m wurde in Goldwörth bei Ottensheim nach dem Berichte des Herrn Schulleiters F. Hechinge r ein etwa 3 S dauerndes, mit Getöse verbundenes Erdbeben verspürt. Rich- tung SW — NE. Eine Pendeluhr blieb stehen. III. Salzburg 1 . Der Referent Herr Prof. Eberhard Fugger in Salzburg erstattete nachfolgenden Bericht: »Die Zahl der Salzburgischen Erdbeben-Beobachtungs- Stationen beträgt dermalen 140. Berichte über Erdbeben erhielt ich im Laufe des Jahres nur von einem einzigen Orte, nämlich von Zinkenbach am Wolfgangsee durch den Beobachter Herrn Lehrer Emil Hofer. Hier fanden mehrere Beben statt; der Beobachter befand sich jedesmal zu Hause, d. h. im Schulhause. Zinkenbach steht auf Schotterboden, dem Schotter, welchen der Zinkenbach in den Wolfgangsee hinein abgelagert hat. Die Beben fanden an fol- genden Tagen statt: 1. Beben vom 28. Februar. Um 13 h 35 m , dann 17 h 36 31 und 19 h 2 m Bahnzeit; es war jedesmal ein kurzer Stoss zu beobachten, ein Seitendruck in der Richtung von Ost nach West; beim dritten Stoss fiel im Zimmer des Beobachters der Vorhang vom Fenster herab ■ — > der Beobachter befand sich in seinem Wohnzimmer. Jede einzelne Erschütterung schien 1 s zu dauern, es war stets ein momentaner, secundenlanger Schlag mit minimalem Geräusch, welches ebenfalls 1 s währen mochte. 56 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 2. Beben vom 26. November. Um 18 h 15 m wurde ein donnerähnliches Rollen durch circa 15 s und ein starker Stoss von Süd nach Nord wahr- genommen. 3. Beben vom 22. December. Um 1 7 h 30 m ebenfalls ein donnerähnliches Rollen und leichter Stoss von Süd nach Nord. Diesen Stoss bemerkten ausser dem Beobachter noch einige Häusler in Reith. 4. Beben vom 25. December. Um 14 h 30 m ein starker Erdstoss von Süd nach Nord. Der Beobachter befand sich lesend in seinem Wohnzimmer; ein Bild, welches auf einem Seitentische gut aufgestellt war, fiel um in Folge des Stosses. 5. Beben vom 26. December. Um 5 h 30 m ein sehr starker Stoss, so dass die Gegen- stände, welche an der Wand hingen, sich unter starkem Geräusch bewegten. Auch andere Personen in der Umgebung von Zinkenbach haben diesen Stoss bemerkt. Nachdem die Erdstösse in Zinkenbach ziemlich häufig und, wie es scheint, ohne jeden Zusammenhang mit anderswo beobachteten Erdbeben, also rein local auftreten, wird man der Wahrheit ziemlich nahe kommen, wenn man dieselben auf 'irgend welche Umlagerungen im Schutt- und Schotterboden, auf welchem der Ort steht, zurückführt. 1 Möglicherweise fliesst das Wasser des Zinkenbach's zum Theil nach Art eines Grund- wasserstromes unterirdisch dem See zu, und bewirkt so etwa durch mechanischen Stoss oder durch chemische Erosion L'm- lagerung der Schuttstücke und Schottersteine und dadurch Erschütterungen an der Oberfläche. 1 Es wurde bereits im Berichte über die Beben des Jahres 1S97 (diese Sitzungsberichte Bd. C VII. Abth. I, pag. 209) angedeutet, dass es sich hier wahrscheinlich nur um eine localisirte Bebenerscheinung handeln dürfte. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1S98. Ol IV. Steiermark. (Referent Herr Prof. Dr. Rud. Hörnes in Graz.) Die Zahl der Beobachter hat sich vermehrt, trotzdem 27 derselben im Laufe des Jahres durch Tod, dauernde Erkran- kung, Domicihvechsel und andere Veranlassungen ausgeschieden sind. In vielen Fällen haben die bisherigen Beobachter bei Domicihvechsel selbst dafür gesorgt, dass die Beobachtungen von einer geeigneten Persönlichkeit fortgeführt wurden. Ausser- dem haben sich zahlreiche Personen theils freiwillig, theils über Einladung des Referenten bereit erklärt, an den Beobachtungen theilzunehmen, so dass mit Schluss des Jahres 1898 die Ge- sammtzahl der Beobachter 357 betrug, welche sich jedoch nur auf 28S Stationen vertheilt. 1. Beben vom 6. Jänner. Mürzsteg 8 h 40 m , Neuberg, Frein, Wegscheid. Inten- sität in Mürzsteg IV, Richtung daselbst E-W, an den drei übri- gen Orten, war das Beben nur unbedeutend und wurde nur von einzelnen Personen wahrgenom irren. Mürzsteg. Herr k. k. Forstmeister Wilhelm Meyer be- richtet mittelst Fragebogen, dass das Beben daselbst um 8 h 40 m (nach der Telegraphenuhr corrigirte Zeit) von den meisten Be- wohnern auch im Freien wahrgenommen wurde. Der Bericht- erstatter verspürte es im Erdgeschoss des auf Schotter errich- teten Forstvervvaltungsgebäudes am Schreibtische sitzend als ein nach unmittelbarer Empfindung von E kommendes, eine Secunde dauerndes Zittern. Es war mit einem als unterirdischen Donner bezeichneten Geräusch verbunden, welches zu gleicher Zeit mit dem Beben begann und mit demselben aufhörte. Im ersten Stockwerke fiel ein Hirschgeweih herab, doch war das- selbe schwach befestigt, eine im Stalle angehängte Kuh gerieth ins Schwanken und trat ängstlich nach vorwärts. Neuberg. Herr Sigmund Mosauer, Werkssecretär der österr. alpinen Montangesellschaft, schreibt, dass er selbst und seine Familie im ersten Stockwerke des Stiftsgebäudes das Erdbeben nicht wahrnahmen, er glaubte nur gehört zu haben, dass ein Wasren durch den unter einem Zimmer seiner 58 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Wohnung befindlichen Thorbogen gefahren sei, was auch wirk- lich der Fall gewesen sein könne; hingegen wurde das Beben vom Herrn Werksdirector Pummer im zweiten Stocke des- selben Gebäudes als eine mit Geräusch verbundene Erschütte- rung, so als ob etwas stark auf den Boden gefallen wäre oder sich Jemand im Nebenzimmer schwer auf ein Bett geworfen hätte, wahrgenommen, u. zw. zur selben Zeit wie sie von Mürzsteg gemeidet wurde. Sonst wurde das Beben in Neuberg selbst von Niemandem bemerkt, hingegen haben einige in dem 3Y 2 k m von der Stiftskirche nordwestwärts gegen Mürzsteg gelegenen Dorfe Krampen wohnhafte Arbeiter eine deutliche Erschütterung wahrgenommen. Fr ein. Herr k. k. Forst- und Domänenverwalter Guido Hentsch schreibt, dass er selbst nichts von dem Beben wahr- genommen hat, hingegen ergaben seine Nachfragen, dass das- selbe thatsächlich auch in Frein ungefähr um 8 h in der Dauer von 1 — 2 S wahrgenommen wurde. Die Richtung war nicht eruirbar, die Bewegung sehr schwach, nur Zittern der Gegen- stände wahrnehmbar. Wegscheid. Herr k. k. Forst- und Domänenverwalter Konstantin v. Millesi berichtet, dass das Beben nach einge- zogenen Erkundigungen ungefähr gleichzeitig wie in Mürzsteg und Neuberg vom k.k. Postmeister Adalbert Kain in Wegscheid wahrgenommen wurde. Negative Nachrichten liefen ein aus Gollrad, Lange n- wang, M a r i a z e 11, M ü r z z u s c h 1 ag, Spital amSemmering, Steinhaus a. S. und Veit seh. Auch Herr Prof. Dr. Franz Noe theilte mit Karte vom 12. Jänner 1898 mit, dass das Beben in Niederösterreich nicht wahrgenommen wurde. 2. Beben vom 8. Jänner. Zeltweg, 3 h 55"\ 4 Stösse, NE— SW, mit Geräusch in Intervallen von Secunden. (K. k. meteorologische Beobachtungs- station.) 3. Beben vom 5. Februar. Eine heftige Erderschütterung, welche in Laibach 14 h 53 m auftrat und nach freundlicher Mittheilung Herrn Prof. Ferdinand E. v. M ojsiso vi es, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 09 Seidl's vom 7. Februar 1898 sich über Adelsberg im SW und Veldes in NW fortpflanzte; wurde auch an einigen Orten in Untersteiermark verspürt, nämlich in Franz, Oberburg und Riez. Franz. Herr Oberlehrer Ignaz Cizelj berichtet, dass da- selbst gegen 15 h eine schwache Erderschütterung wahrgenom- men wurde. Die Leute glaubten, der Schnee sei von den Dächern gefallen. Oberburg. Herr Bezirksgerichtsadjunct J. Erhartic schrieb an Prof. Seidl: »Am 5. Februar verspürten hier einige Personen ein paar Minuten vor 15 h eine Erderschütterung mit Getöse in der Richtung WE. Eine Dame erzählte mir, sie habe das Dröhnen gut gehört und die Erschütterung verspürt, des- gleichen das Schwanken eines Spiegels auf dem Kasten ge- sehen. Ich selbst habe das Beben nicht wahrgenommen«. Riez. Herr Oberlehrer Johann Klemencic berichtet: »Wie ich durch Nachfragen in Erfahrung gebracht habe, ist in Riez am 5. Februar einige Minuten vor 15 h , aber nur von sehr wenigen Personen, eine schwache Erderschütterung wahrge- nommen worden«. Negative Nachrichten kamen aus Cilli, Hrastnigg, Laufen, Steinbrück, Trifail und Tüffer. 4. Beben vom 20. Februar. Cilli, Montpreis und Packenstein, 6 h . Intensität III -IV. Cilli. Herr k. k. Bergrath Albert Brunner berichtete mit- telst Fragebogen, dass am 20. Februar, 6 11 Bahnzeit in Cilli und Gaberje von ihm und einzelnen Personen ein langsames Schaukeln in der Dauer von 3 s und in der Richtung von SWS nach NEN wahrgenommen wurde. Dem Beben ging ein etwa 2 S dauerndes Brausen wie bei einem heftigen Sturmwinde voran. Bewegliche Gegenstände schwankten. Montpreis. Herr Forstmeister J. Schwall er schreibt: » Heute, den 20. Februar, früh morgens nach 6 h wurde hier ein schwaches Erdbeben verspürt«. Packen stein (Post Rietzdorf a. d. Pack). 5 h 55 m Bahnzeit. »Ich war gerade mit meiner Toilette beschäftigt, als ich plötzlich 60 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. ein starkes Sausen und gleichzeitiges Erzittern der Fenster wie bei einem heftigen Sturme hörte. Unwillkürlich blickte ich auf und spürte deutlich ein ziemlich heftiges Erdbeben. Glas- und Porcellangegenstände auf den Kästen bewegten sich, sowie auch die Thüren das gewisse Ächzen hören Hessen. Ein schwä- cherer zweiter Stoss folgte. Meine Frau war in Folge der Erschütterung aus dem Schlafe erwacht. Die im ebenerdigen Theile des Hauses wohnenden Dienstboten haben die Bewegung nicht wahrge- nommen.« (Freiherr v. Warsberg.) Negative Berichte liefen ein aus Lichtenwald, Neuhaus bei Ci 11 i, Rann, Schönstein, St. II gen bei Windischgraz. 5. Beben vom 24. Februar. Fresen, U 45 m , ein mit Donnergeräusch verbundener Stoss, welcher Schlafende weckte und eine N— S pendelnde Uhr zum Stehen brachte. 6. Beben vom 25. Februar. Cilli, Hochenegg, Sachsenfeld, St. Georgen an der Südbahn, 23 h 24 m bis 30 m . Intensität III— IV. Cilli. Herr k. k. Bergrath Albert Brunner schreibt: »Frei- tag 25. d. M. um 23 h 30 m wurde von mir und mehreren Personen ein scheinbar aus SW kommender Erdbebenstoss in der Dauer von circa 2 S verspürt. Die Bewegung wurde als Schaukeln wahrgenommen. Einige Vasen auf einem Kasten wankten und der Plafond wurde beschädigt. Ein Geräusch, ähnlich dem Brausen eines heftigen Sturmes, war kurz vor Eintritt des Bebens hörbar«. Hochenegg. Herr Oberlehrer Josef Koschutnik be- richtet mittelst Fragebogen, dass daselbst um 23 h 24 m eine kurze, nur wenige Secunden dauernde, aber als heftiger Ruck bezeichnete Erschütterung sowohl im Freien als in Gebäuden, im Orte wie in der Umgebung, jedoch nicht von sämmtlichen Leuten wahrgenommen wurde. Nach unmittelbarer Empfin- dung war die Richtung der Bewegung S — N. Im Orte wurde kein eigentliches Erdbebengeräusch, sondern nur das Rasseln der Gegenstände wahrgenommen; in der Umgebung will man E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 61 vorausgegangenes Geräusch, ähnlich dem Brausen des Windes durch den Wald gehört haben. Gegenstände, Nachtkästchen, Stehlampen u. s. f. klirrten. Beschädigungen sind nicht erfolgt. Sachsenfeld. Herr Lehrer Anton Petricek berichtet mittelst Fragebogen, dass das Beben um 23 h 25 m corrigirte Zeit von einzelnen Personen als ein leichtes Schaukeln in der Richtung N — S und in der Dauer von 3 — 4 S wahrgenommen wurde. Der Erschütterung ging ein anhaltendes Rauschen voran. Eine Uhr blieb stehen. Beschädigungen erfolgten nicht. St. Georgen an der Südbahn. Nach dem Berichte des Herrn Oberlehrers Anton Petronell wurde das Beben daselbst von einer einzigen Person, einem Bahnwächter um 23 h 30 m verspürt. Negative Berichte kamen aus Lichtenwald, Neuhaus bei Cilli, Rann, Schönstein und St. Ilgen bei Windisch- graz. 7. Detonation vom 4. März. Paldau bei Feldbach. 20 h 32™ wurde von mehreren Per- sonen durch beiläufig 3 m (?) ein Getöse, ähnlich dem in der Nähe eines Maschinenhauses wahrgenommen. Da dasselbe Geräusch auch eine Gehstunde südlich in einem Bauernhause gehört wurde, und in derselben Nacht tbatsächlich ein Erd- beben in Italien stattfand, sehe ich mich veranlasst, trotzdem keine Erschütterung zu bemerken war, diese Wahrnehmung mitzutheilen (Margarit Mayer, Lehrerin). 8. Beben am 9. März. Franz, 1 l h 30 m . Herr Berichterstatter Oberlehrer Ignaz Cizelj schreibt am 9. März 1898: »Soeben — ll h 30 m — ver- spürten wir hierorts einen ziemlich starken Erdstoss mit Getöse. Die Kinder in der Schule waren beunruhigt.« Eine anderweitige Meldung lief nicht ein. Bemerkenswerth ist, dass die Laibacher Erdbeben- warte am 9. März ein auswärtiges Beben verzeichnete. Die Hauptbewegungsphase, welche durch 4 m dauerte, begann um ll h 47 m 32 s , der Maximalausschlag der Instrumente um ll h 48 m 18 s . Die Zeitdifferenz ist — mit Rücksicht auf die von 62 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Haus aus approximative Angabe 1 l h 30 ,n und eine wahrschein- liche Ungenauigkeit der Ortszeit bis zu 20 m — nicht genügend, um die Möglichkeit gänzlich in Abrede zu stellen, dass die Laibacher Beobachtung und die Wahrnehmung in Franz sich auf ein und dasselbe Phänomen beziehen. 9. Beben vom 15. März. G aal bei Knittelfeld, 22 h 15 m . Herr Anton J. Aust, Werks- und landwirtschaftlicher Districtsarzt berichtet mittelst Frage- bogen, dass er um 22 h 15 m Ortszeit im ebenerdigen Schlaf- zimmer eines auf Schuttboden, nahe dem steinigen Berggehänge befindlichen Hauses eine kurze, nur einen Moment dauernde Erschütterung wahrnahm, ähnlich dem Anprallen eines grossen, von der Berglehne herabkollernden Steines an die Hauswand, ohne Nachzittern oder sonstige Erscheinungen. Das Erdbeben wurde an mehreren Stellen der ausgedehnten Gemeinde zu gleicher Zeit und in gleicher Weise verspürt. Anderweitige Meldungen liefen nicht ein. 10. Beben am 17. April. Das ziemlich heftige Beben, welches in Laib ach um 23 b 50 m 30 s eintrat, wurde an vielen Orten Untersteiermarks wahrgenommen. Im Ganzen liegen aus 27 untersteierischen Orten Berichte über die Wahrnehmung des Bebens vor, näm- lich von Cilli, Franz, Frasslau, Greis, Hohenegg, Hrast- nigg, Laufen, Mahrenberg, Montpreis, Neuhaus, Prass- berg, Reichenburg, Riez, St. Georgen a. d. Südbahn, Schönstein, Straussenegg bei Gomilsko, Tepina bei Gonobitz, Trifail, Tüffer, Turje und Windischgraz. Cilli. Herr k. k. Bergrath Albert Brunn er berichtet: »17. April, 23 h 50"\ 3— 4 S dauerndes Erdbeben S\V— NE. schaukelnde Bewegung, keine Beschädigungen.« Franz. Herr Oberlehrer Ignaz Cizelj schreibt am 18. April: »Heute Nachts 12 h 10 ,n wurde hierorts ein ziemlich starkes Erdbeben verspürt. Der Erdstoss war mit einem unheimlichen Getöse begleitet. Richtung West nach Ost.« Die »Tagespost« berichtet in ihrem Abendblatt vom 19. April übereinstimmend: »Aus Franz: Heute (18.) Nachts E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 63 um 12 b 10'" wurde hierorts ein ziemlich starkes Erdbeben, be- gleitet von einem unheimlichen Getöse verspürt. Der Erdstoss, welcher einige Secunden dauerte, verursachte sonst keine wei- teren Folgen. Die Leute sind im tiefsten Schlafe erschreckt worden.« Fräs s lau. Herr Oberlehrer V. Jarc berichtet mittelst Fragebogen, dass das Beben daselbst um 23 h 50 m corrigirte Zeit als wellenförmige Bewegung in der Richtung von Süd nach Nord an einer schwingenden Lampe und in der Dauer von 3 S wahrgenommen wurde. Dem Beben ging ein Geräusch, welches als Rauschen oder Sausen bezeichnet wird, in der Dauer von 2 S vorher. Die Erschütterung wurde vielfach, jedoch nicht allge- mein verspürt. Kettenhunde zeigten ihre Unruhe durch lautes Bellen. Greis. 23 h 50 m , starkes Beben, N— S, 4— 5 S dauernd (Jos. Supanek, Lehrer). Ho chen egg. Herr Oberlehrer Josef Kosen utnik berichtet mittelst Fragebogen, dass das Beben zwischen 23 h 50 m und 24 h von sehr vielen Personen in den Gebäuden, zumal im ersten und zweiten Stockwerke verspürt wurde. Personen im Freien (Nachtwache) verspürten nichts, auch der Berichterstatter wurde nicht aus dem Schlafe geweckt. Die Bewegung bestand in zwei unmittelbar aufeinander folgenden Erschütterungen, zuerst stossend, darauf folgte Zittern. Die Richtung wird mit SW — NS, von einigen Personen auch W — E angegeben, die Dauer betrug 3 — 4 S . Sowohl während der Erschütterung als nachher wurde starkes Sausen wahrgenommen, das nachfol- gende Geräusch soll circa 8 — 10 s gedauert haben. Hrastnigg. Die Abendausgabe des »Grazer Tagblatt« vom 19. April 1898 enthält folgende Notiz: »Aus Hrastnigg wird uns geschrieben: In der Nacht vom 17. auf den 18. um 1 l h 50 m wurde hier ein Erdbeben wahrgenommen. Es begann mit leisem Beben, dann erfolgte ein so heftiger Stoss, wie sol- cher vor drei Jahren beim Laibacher Beben verspürt wurde. Diesem folgte durch mehrere Secunden ein schwaches Zittern. Die Richtung des Stosses konnte nicht bestimmt werden«. Laufen. Herr Oberlehrer Peter Wudler meldet mittelst Fragebogen, dass er die Erschütterung um 23 h 50 m (corrigirte 64 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Zeit, die Uhr wurde vor- und nachher mit der Telegraphenuhr verglichen), das Beben im wachen Zustand im Bette liegend als ein 6 — 8 S dauerndes Zittern verspürte. Nach unmittelbarer Empfindung und nach Beobachtung der offenen und bewegten Zimmerthür war die Richtung der Bewegung S — N. Ein dem Donner ähnliches Geräusch ging der Erschütterung etwa 3 S voran. Das Beben wurde im Orte und in der Umgebung allge- mein wahrgenommen. Die meisten Personen wurden aus dem Schlafe geweckt. Mahrenberg. Herr k. k. Notar Martin Kobeck schreibt: »Nach eingeholten Erkundigungen wurde auch hierorts am 17. April um 23 h 30 — 50 m eine circa 2 S dauernde Erderschütte- rung unter unterirdischer Geräuschbegleitung verspürt. Rich- tung SVV— NE.« Marburg a. d. Drau. Das Beben wurde nur von einzelnen Personen wahrgenommen. Herr Spediteur Franz Ouandest schreibt: »Wie ich bereits der Marburger Zeitung mittheilte, habe ich das Erdbeben am 17. d. in meiner Wohnung Tegetthofstrasse 14, IL Stock um 23 h 55 m verspürt. Es waren zwei Stösse in wellenförmiger Bewegung. Die Hängelampen bewegten sich. Merkwürdiger Weise konnte ich Montag niemand erfragen, der die gleiche Beobachtung gemacht hätte. Erst Abends erfuhr ich durch die »Tagespost«, dass wirklich ein Erdbeben stattgefunden habe.« Fräulein Willibalde Grögl theilt Folgendes mit: »Ich lag in völlig wachem Zustande im Bett, als (es war vor 12 h Nachts) eine sehr empfindliche Doppelthüre zu schütteln anfing, ohne dass ein Wagen, der sonst auch genügt, sie ins Schütteln zu bringen, vorüberfuhr. Zum Schlüsse folgte ein Aneinanderschie- ben der beiden Thürflügel, das auf die Hauptrichtung S — N schliessen Hess.« Herr Prof. Vincenz Bieber schreibt: »Ausser der ihnen von Fräulein Grögl bereits mitgetheilten Beobachtung konnte ich durch Umfrage keinerlei andere Wahrnehmung des Bebens erfahren.« Montpreis. Herr Forstmeister J. Seh wall er schreibt, dass in der Nacht vom 17. auf den 18. nach Mitternacht ein Erdbeben verspürt wurde. Er selbst habe nichts davon wahr- E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 65 genommen. Die nicht genau stimmende Zeitangabe sei wohl dem verschiedenen Gange der Uhren zuzuschreiben, die nicht selten Zeitdifferenzen bis zu einer halben Stunde aufweisen. Nach den Schwankungen einer Hängelampe dürfte die Bewe- gung die Richtung NE — SW gehabt haben. Von einer nam- haften Beschädigung hat Berichterstatter nichts gehört, nur in einer Dachkammer des zweiten Stockwerkes der gräflich Blome'schen Villa am Verputze einige Haarrisse wahrge- nommen. Neuhaus bei C i 1 1 i. Herr Realitätenbesitzer Paul Weszther schreibt, dass er, sowie Andere die Erschütterung, die als »kleiner Rucker« bezeichnet wird, um 23 h 50 m in süd- westlicher Richtung wahrnahm. Prassberg. Herr Lehrer Josef Fischer berichtet mittelst Fragebogen, dass die Erschütterung um 23 h 40 m (nach der Telegraphenuhr corrigirte Zeit) im Orte und in der Umgebung von Wachenden allgemein wahrgenommen wurde. Schlafende wurden zum Theile wach. Es war eine als Schaukeln bezeich- nete Erschütterung, der Stoss schien nach unmittelbarer Em- pfindung von SW zu kommen, doch behaupten Einige, er wäre in entgegengesetzter Richtung, von NE erfolgt. Ein dumpfes Rollen ging der Erschütterung voraus und dauerte während derselben an. Leute wollen auch zuvor ein blitzartiges Leuchten wahrgenommen haben. Gebäude haben keinen Schaden gelitten. Nebeneinander stehende Gefässe stiessen zusammen und klirrten, von einem Hausdache im Orte fielen Dachziegel. Reichenburg. Herr Oberlehrer Johann Matko schreibt, dass sich am 17. April eine Erschütterung daselbst angeblich durch gelindes Gläserklirren fühlbar machte, er selbst habe nichts davon wahrgenommen. Riez. Die »Tagespost« enthält in ihrem Abendblatt vom 19. April folgende Nachricht aus Riez vom 18.: »Heute Früh, um 12 h 15 m ziemlich starker Erdstoss, beiläufig 4 S lang«. Herr Oberlehrer Johann Kieme ncic berichtet aus Riez mittelst Fragebogen, dass das Beben daselbst um 23 h 54 m corrigirte Zeit allgemein in den auf Schuttboden stehenden Gebäuden wahrgenommen wurde. Es war ein Schaukeln in der Richtung von W nach E in der Dauer von 3 — 4 S . Die Sitzb. d. mathem.-naturw. CL; CVIII. Bd., Abth. I. 5 66 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Erschütterung war mit einem als Rasseln bezeichneten Geräusch verbunden, welches der Bewegung voran ging und dieselbe begleitete. Gebäude haben keinen Schaden gelitten. St. Georgen an der Südbahn. Herr Oberlehrer Anton Peternell schreibt, dass er selbst das Beben nicht wahrge- nommen habe, dass aber nach Mittheilung mehrerer Personen ungefähr 23 h 45 m ein beiläufig 3 S dauerndes Erdbeben zu ver- spüren war. Schönstein. Die »Tagespost« meldet in ihrem Abend- blatt vom 19. April: »Das letzte Laibacher Erdbeben in der Nacht vom 17. auf den 18. April wurde auch in vielen Orten Untersteiermarks wahrgenommen. So schreibt man uns unterm Gestrigen aus Schönstein: Heute Nachts um 23 h 50™ war hier ein ziemlich starkes Erdbeben mit unterirdischem Rollen, welches 5 — 6 S andauerte, wahrnehmbar. Die wellenförmige Bewegung kam von SYV, Barometer stand 735 mm, Thermo- meter 7° R., sanfter Regen«. Das »Grazer Tagblatt« berichtet in seiner Abendaus- gabe vom 19. April: »Zu dem bereits mitgetheilten Erdbeben wird uns aus Schönstein, 18. d. M. berichtet: Heute Nachts gegen '' 4 l2 h wurde hier ein heftiger Erdstoss in der Dauer von 6 S verspürt. Die Erscheinung war von unterirdischem Rollen in der Richtung nach SW begleitet«. Herr Josef Gorican, Privatbeamter, schreibt, dass um 23 h 45 m oder einige Minuten später in Schönstein von Leuten, welche wach und ruhig waren, ein Erdbeben wahrgenommen worden sei, er selbst habe nichts verspürt. Die ihm erstatteten Berichte lauten übereinstimmend dahin, dass ein anscheinend von SW oder W kommender, einzelner, 1 oder iy 2 s dauernder Stoss von mittlerer Stärke, welcher keinen Schaden anrichtete, deutlich wahrgenommen wurde. Straussenegg bei Gomilsko. Die »Tagespost« ent- hält in ihrem Abendblatt vom 19. April folgende Nachricht aus Straussenegg vom 18.: »Heute Nachts 23 h 49 m wurde eine bei o s währende, vom NE gegen SW gerichtete, wellenförmige Bewegung, sowohl hier sowie in den umliegenden Ortschaften verspürt. Die Bewegung war von unterirdischem Rollen beglei- tet. Das Aneroi'd war in keiner Weise beeinflusst«. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 67 Tepina bei Gonobitz. Herr Oberlehrer Anton Eberl berichtete an die k. k. Centralanstalt für Meteorologie und Erd- magnetismus am 18. April: »Heute, 3 m nach Mitternacht waren drei nach einander folgende wellenförmige Erdstösse zu ver- spüren«. Die Richtung wird von S gegen N angegeben. Trifail. Herr E. VVertheimer, Buchhalter der Cement- fabrik Trifail, berichtet mittelst Fragebogen, dass das Beben um 23 il 55 m uncorrigirte Zeit sowohl im Freien als in Gebäuden allgemein wahrgenommen wurde. Es waren zwei gleich auf einander folgende Erschütterungen, die Bewegung wird als Zittern, gleichartig während des ganzen Verlaufes der Erschüt- terung bezeichnet, die Dauer mit 2 — 3 S angegeben. Das Beben war mit einem Geräusch verbunden, ausserdem wurde ein Rasseln der Thüren wahrgenommen. Beschädigungen wurden keine angerichtet. Angeblich wurde von anderer Seite auch um 2 h ein neuerliches Beben wahrgenommen. Herr Bergingenieur J.Krassnigg gibt als Zeit des Bebens 23 h 50 m bis 23 h 51 m an. Tüffer. Herr Otto Withalm schreibt, dass in der Nacht vom 17. zum 18., 23 h 56 m ein massiges Erdbeben in der Rich- tung von S nach N stattfand. Turje. Herr Schulleiter Jos. Topolovsek schreibt, dass am 17. April, ungefähr um 23 h 57™ (Ortszeit) ein Erdbeben ver- spürt wurde, welches 2 S dauerte. Windischgraz. Herr Volksschuldirector Josef Barle schreibt, dass weder er selbst noch die Eltern und Angehörigen seiner Schüler am 17. etwas von einem Erdbeben verspürt hätten; doch erfuhr er von einem Herrn, dass dieser um 23 k 40 m eine leichte Bewegung nach aufwärts verspürt habe, welche auch Gläser zum Klirren brachte. Negative Nachrichten liefen ein aus folgenden 12 Orten: Ar nf e 1 s, E i b i s w a 1 d, G o n o b i t z, Hohenm a u t h e n, Lichte n- wald, Maria-Rast, Pettau, Rann, Schwanberg, Weiten- stein, Wi n d i s c h - F e i s t r i t z , Wi ndisch-Landsberg. Nach mündlicher Mittheilung des Herrn Prof. Dr. Leopold Pfaundler zeigten die im physikalischen Institute der Univer- sität Graz aufgestellten Seismographen keinerlei Ein- wirkung. 5* 68 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 11. Beben vom 18. April. Lediglich aus zwei Orten Untersteiermarks, ausRohitsch und Trifail sind Berichte über eine weitere Erschütterung im Laufe der Nacht vom 17. zum 18. April eingelaufen. Wenn die beiden Zeitangaben unter einander nicht genau übereinstimmen, so dürften beide Nachrichten doch mit grosser Wahrscheinlich- keit auf ein und dasselbe Erdbeben, und zwar auf ein Nach- beben der ungefähr vor zwei Stunden vorher von Laibach aus- gegangenen Erschütterung bezogen werden. Allerdings soll in Laibach selbst nach der Erschütterung vom 17., 23 h 50 m 30 s (vergl. die Berichte der Erdbebenwarte zu Laibach in »Tages- post« und »Grazer Tagblatt«) bis5 h , in welchem Zeitpunkte die Alarmglocke wieder die Uhr auslöste, keine Unruhe an den Apparaten bemerkbar gewesen sein. Rohitsch. Herr Oberlehrer Johann Dreflak schreibt: »Am 18. d. M. um 2 h 25 m wurde ich durch einen Erdstoss aus dem Schlafe geweckt. Die Quasten des Toilette-Tischchens be- wegten sich. Ein zweiter Stoss folgte nicht nach. Richtung von SW nach NE«. Trifail. Herr E. Wertheimer, Buchhalter der Cement- fabrik Trifail, bemerkt auf seinem, der Erdbebenwahrnehmung vom 17. April, 23 h 55 m gewidmeten Fragebogen: »Angeblich wurde von anderer Seite auch gegen 2 h ein neuerliches Beben wahrgenommen«. 12. Beben vom 22. April. Tainach am Bachergebirge, circa 8 h 40 m . Ein scheinbar aus N kommender Erdstoss in der Dauer von 3 — 4 S bewirkte ■das Erzittern der Zimmerthüre des Schulzimmers, das Klappern der Fenster und das Erzittern des Fussbodens. Die in ostwest- licher Richtung aufgehängten Wandbilder bewegten sich nicht (Joh. Tomazic, Lehrer). 13. Beben vom 29. April. Gonobitz und Seizdorf bei Gonobitz, ll h 5 m , Inten- sität III— IV. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 69 Herr Prof. Karl Prohaska theilte mir eine Meldung der Gewitterbeobachtungsstation Seizdorf an die k. k. Central- anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus mit. Der Beob- achter, Herr B. Jurko, schreibt: »29. April, 5 m vor Mittag ver- spürten ich und mehrere Schüler einen massigen Erdbebenstoss von nur momentaner Dauer (l 8 ); die Tafel auf dem Gestelle setzte sich in leise Schwingungen, die ich aber von der Seite ganz gut beobachten konnte«. Nach Cilli, Hochenegg bei Cilli und St. Georgen an der Süd bahn entsendete Fragekarten erzielten negative Antworten, nur aus Gonobitz kam vom Herrn Apotheker J. Pospisil die Nachricht, dass vor einigen Tagen, eventuell am 29. April etwas vor 12 h eine Erschütterung in der Richtung SW — NE wahrgenommen wurde. 14. Beben vom 3. Mai. Leoben, Sekkau, Tragöss-Grossdorf, Trofaiach, Vordernberg. Die genaueste Zeitangabe für Leoben lautet 4 h 34 m 23 s , andere Angaben 4 h 41 m , 42 und 45 m , letztere (4 h 45 m ) wird auch für Vordernberg und Trofaiach gemacht, für Tragöss- Grossdorf lautet sie nur approximativ 4 1 / 2 — 4 3 / 4 h - In Tragöss- Grossdorf wurde auch um l 3 / 4 — 2 h eine Erschütterung wahr- genommen, ferner nach dem »Grazer Tagblatte« in Sekkau ein Erdbeben einige Minuten vor 7 h verspürt, doch konnte letztere Nachricht durch directe Erkundigung nicht verificirt werden. Intensität in Leoben III — IV, an den anderen Orten III. Leoben. In der Abendausgabe des »Grazer Tagblattes« vom 3. Mai 1898 findet sich die Nachricht: »Leoben, 3. Mai. Heute um halb 5 h wurde hier ein leichtes Erdbeben beob- achtet«. Das Abendblatt der »Tagespost« vom 3. Mai hin- gegen berichtet: »Leoben, 3. Mai. Heute um 4 h 45 m wurde hier ein Erdbeben in der Richtung S — N verspürt. Der Stoss war ziemlich heftig und dauerte 3 S . Ein Schaden ist bis jetzt nicht zu verzeichnen«. Das Morgenblatt der»Tagespost« vom 5. Mai enthält folgende Mittheilung: » — Aus der Umgebung von Leoben (Tollinggraben) schreibt man uns: Am 3. Mar, / < ' Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 4 h 41 m verspürten wir einen heftigen Erdstoss in der Richtung NE — SW. Derselbe dauerte etwa 2 — 3 S und war von donner- ähnlichem Rollen begleitet. Vor und nach dem Stosse wurde insbesonders unter dem Federvieh grosse Aufregung bemerkt«. Herr Prof. Hans Hoefer schreibt: »Heute 4 h 34 m 23 s wurde in Leoben von mehreren Personen ein schwaches Erdbeben beobachtet, das von einem Geräusche, ähnlich dem eines fahrenden Wagens, begleitet war. Die Bewegungsrichtung wird übereinstimmend N — S oder S — N angegeben, welche jedoch nur nach dem Schaukeln der Betten bestimmt wurde«. Herr Oberverweser Ignaz Prandstetter berichtet aus Leoben (Mühlthal) mittelst Fragebogens, dass er das Beben um 4 h 46 m in einem auf drei Seiten freistehenden, stockhohen, auf Schuttboden errichteten Gebäude, im Hochparterre im Bette liegend, als Schlag von unten wahrnahm. Die Erschütterung, welche ihn aus dem Schlafe weckte, dauerte 4 S ; es war ein gleichzeitiges Zittern ohne Schaukeln; an Lampen, Bildern, Uhren war nichts zu bemerken. Das Erdbeben wurde von mehreren Personen des Ortes wahrgenommen. Sekkau. Die Morgenausgabe des »Grazer Tagblattes« vom 5. Mai 1898 enthält folgende Nachricht: »Aus Sekkau wird uns unter dem 3. geschrieben: Heute, einige Minuten vor 7 h wurde hier ein von einem donnerartigen Rollen begleitetes Erdbeben beobachtet«. Eine Anfrage in Sekkau ergab jedoch einen negativen Bericht. Herr P. Willibald Wolfsteiner, Prior der Abtei Sekkau, schreibt: »Leider wurde in der Abtei nichts wahrgenommen, sonst wäre sofort Bericht erfolgt. Dienstag den 3. war ich schon von 4 h an auf dem berufsgemässen Posten, habe aber weder zu dieser Stunde, noch gegen 7 h eine Er- schütterung bemerkt. Auch meine Erkundigungen sind bisher erfolglos«. Trag öss-Grossdor f. Herr Schulleiter Franz Graf schreibt: »Die Erderschütterungen am S.Mai wurden auch hier verspürt, die erste zwischen l 3 / 4 und 2 h und die zweite zwischen 4 a / 2 und 4 3 / 4 h . Die Erschütterungen waren nicht heftig, von kurzer, momentaner Dauer, und das Geräusch hatte Ähnlichkeit mit dem eines rollenden Wagens. Die Richtung konnte nicht erfragt werden. Berichterstatter selbst hatte nichts wahrgenommen«. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. < 1 Trofaiach. Die Morgenausgabe des »Grazer Tag- b'lattes« vom 6. Mai enthielt folgende Nachricht: »Trofaiach, 3. Mai (Erdbeben). Heute um 3 / A 5 h wurde hier ein kurzer, aber ziemlich starker Erdbebenstoss in der Richtung von N nach S verspürt«. Vordernberg. Das Morgenblatt der »Tagepost« vom 5. Mai bringt folgende Notiz: »Das vorgestrige Erdbeben wurde auch in Vordernberg beobachtet. Um 3 / 5 5 u erfolgte ein kurzer Stoss, von donnerndem Rollen begleitet, in der Richtung S— N«. Herr Dr. Josef Caspaar schreibt: »Am 3. Mai 1898, 4 h 42 m M. E. Z. wurde in Vordernberg ein 2 S dauerndes Erdbeben ver- spürt. Es bestand in einem starken rollenden Getöse und einem leichten Vibriren. Ein Schwanken, Stossen oder Rütteln wurde nicht gefühlt. Die Hängelampe blieb ruhig«. . Nach zahlreichen Orten Obersteiermarks wurden Frage- karten entsendet, welche negativ beantwortet wurden. Aus folgenden 18 Orten liefen Meldungen über Nichtbeobachtung der Erschütterung vom 3. Mai 1898 ein: »Aflenz, Brück an der Mur, Eisenerz, Gaal, Gais hörn, Hieflau, Johnsbach, Judenburg, Kallwang Kapfenberg, Kindberg, Knittel- . feld, Kraubath, Oberaich bei Brück, Rottenmann, St. Michael ob Leoben, Wald und Zelt weg. Das Beben blieb sonach der Hauptsache nach auf die Umgebung von Leoben beschränkt, und von all den seismischen Linien, welche in Leoben zusammenlaufen, blieben die meisten, wie die Mürz- linie und ihre Fortsetzung die Murlinie, sowie die Paltenlinie träge; nur auf der Linie gegen Eisenerz wurde eine Erschütte- rung von Vordernberg und Trofaiach wahrgenommen, aus Eisenerz selbst aber und der weiteren Fortsetzung dieser Linie Hieflau kamen negative Berichte. 15. Beben am 19. Juni. Oberwölz, St. Lam brecht, St. Peter am Kammers- berg, Scheiben, nach 22 h . Intensität III. Oberwölz. Beobachter hochw. Herr Pfarrer Carl Urban schreibt: »19. Juni, 22 h 5 S wurde von mir und mehreren Per- sonen ein Beben verspürt, es war ein kurzer Seitenruck, die Richtung schien W — E«. 72 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. St. Lambrecht. Herr Oberlehrer Franz L. Rubisch be- richtet mittelst Fragebogen, dass das Beben vom hochw. Herrn Stiftscapitular P. Bruno Quitt, im zweiten Stockwerke des Stifts- gebäudes um 22 h und einige (3?) Minuten (corrigirte Zeit nach der Bahnuhr) als etwa eine Secunde donnerndes Zittern wahr- genommen wurde. Ziemlich gleichzeitig wurde ein Geräusch, wie es das Fahren eines Wagens verursacht, vernommen. Das Beben wurde sonst von Niemandem verspürt. Das Stiftsgebäude steht auf einer schwachen Schichte von Schuttboden, unter welcher sich Felsen befinden. St. Peter am Kammersberg. Herr Oberlehrer Josef Haas schreibt: »Das Erdbeben vom 19. Juni 1. J. wurde hier von drei Personen um 22 h (Ortszeit, die mit der Bahnzeit über- einstimmen dürfte) als ein dumpfes Rollen, ähnlich einem ent- fernten Donner, wahrgenommen. Zwei der Personen waren mit Lesen beim Tische beschäftigt, diese geben an, dass das Beben aus der Richtung NW gekommen sei«. Scheiben bei Unz markt. Herr Schulleiter Josef Schwan da schreibt, dass er selbst das Beben am 19. Juni nicht verspürte und bemerkt ferner: »Meine Frau erzählte mir am benannten Tag in der Früh, dass sie ein donnerähnlicher Knall aus dem leisen Schlafe gebracht habe; die Zeit kann sie nicht genau angeben, jedoch meint sie, dass dies vor Mitternacht und möglicherweise um diese Zeit, 22 h 5 m gewesen sei. Von anderen Personen kann ich nichts erfahren«. Negative Meldungen liefen ein aus Ober-Zeiring, Pol lau bei St. Peter am Kammersberg, Predlitz, St. Georgen ob Murau, Scheifling, St-adl, Turrach und Unzmarkt. 16. Beben vom 30. Juni. Neumarkt, 2 h 20 m (auch in St. Lambrecht wahr- genommen?). Intensität III. Herr Dr. Friedrich Sperl, k. k. Notar in Neumarkt, be- richtet mittelst Fragebogens, dass der Nachtwächter Roman Wiltschi auf seinem Dienstgange am nördlichen Ende des Marktes auf der denselben durchziehenden Reichsstrasse ein etwa 3 S dauerndes, von N nach S gerichtetes Beben, das als Erzittern des Erdbodens bezeichnet wird, verspürt habe. Gleich- E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1S98. < 3 zeitig vernahm er ein donnerähnliches Rollen und bei mit Brettern gedeckten Häusern ein Knistern der Dachbedeckung. Nach K a t h a 1 , AI urau, Ob d ach, Ob er wo lz , St. M a r ga- rethen am Silberberg, Scheifling und Neumarkt ent- sendete Fragekarten wurden insgesammt negativ beantwortet; nur aus St. Lamb recht schrieb Herr Oberlehrer Franz L. Kubisch: »In St. Lambrecht konnte ich nichts erfragen. Meine Tochter hörte wohl vor einigen Tagen Nachts ein Geräusch, das jenem eines rollenden Wagens glich, doch Bestimmtes getrauen wir uns nicht zu behaupten«. 17. Beben vom 14. Juli. Lichtenwald, 17 h 23 m , Intensität III. Herr Civilingenieur Anton Smreker schreibt am 14. Juli 1898: »Heute, 17 h 23 m , hier ein schwacher Erdstoss. Richtung S— N«. Aus Bianca und Reichenburg liefen negative Meldun- gen ein. 18. Beben vom 17. Juli. Fürth, Klachau, Krungl, Tauplitz, 23 h 12 m ; Inten- sität III— IV. Herr k. k. Landesgerichtsrath Max Marek in Irdning schreibt am 20. Juli 1898: »Ich habe erst heute erfahren, dass am 17. d. M. circa 23 h in Klachau (Bahnstation zwischen Steinach-Irdning und Aussee) ein Erdbeben verspürt wurde. Dasselbe dürfte stärkeren Grades und weiter verbreitet gewesen sein. Ich werde Nachforschungen pflegen und deren Resultate mittheilen«. Am 22. Juli 1898 berichtete sodann Herr Landes- gerichtsrath M. Marek mittelst Fragebogens, dass das Beben um 23 h 12 m genaue Bahnzeit im Stationsgebäude der Bahn- station Klachau auf der Strecke Steinach-Irdning — Aussee wahrgenommen wurde. Das Erdbeben wurde nicht bloss in dem auf Schuttboden stehenden Stationsgebäude wahrgenommen, sondern, wie der Berichterstatter erhob, auch im benachbarten Gasthause, in einem Hause der Ortschaft Fürth und in einem Hause der Ortschaft Krungl, letztere bereits im Bezirke Aussee gegen Mitterndorf gelegen; dann in gewiss fünf ver- schiedenen Häusern des Gebirgsdorfes Tauplitz. Auch 74 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Burschen, welche am Heimwege von einer Alm nach Tauplitz, also in einer höheren Lage sich befanden, sollen es verspürt haben. Dagegen konnte der Berichterstatter trotz Nachforschens Niemand eruiren, der das Beben in Irdning und Umgebung und Donnersbach, also diesseits der Enns, wahrgenommen hätte. »Es mag wohl sein«, bemerkt Herr Landesgerichtsrath Marek, »dass die Zeit für eine Wahrnehmung ungünstig war, weil die Leute meistens schon zur Ruhe sich begeben hatten«. Allgemein wurde nur eine einzige Erschütterung wahrgenom- men. Nach der Beobachtung im Stationsgebäude, war es ein Seitenruck, und nach unmittelbarer Empfindung ging die Er- schütterung von SW nach NE. Sie dauerte etwa 2 S , gleichzeitig war ein dumpfes Geräusch hörbar, zu vergleichen dem Falle eines schweren Kastens. Ein eiserner Ofen im Zimmer des Stationsgebäudes wurde gerüttelt. Beschädigungen wurden nicht bekannt. Der Fragebogen wurde nach den Angaben des Herrn Stationsvorstandes von Klachau ausgefüllt. Von den Angaben anderer Persönlichkeiten erwähnt der Berichterstatter, dass auch sie das Geräusch mit dem Fall eines Kastens ver- glichen. In Tauplitz wurde der Herr Pfarrer durch die Er- schütterung aus dem Schlafe geweckt, es kam ihm vor, als sei auf dem Dachboden etwas Schweres umgefallen, weshalb er sogar nachschauen ging. Auch im Schulhause soll, nach An- gabe des Herrn Pfarrers, die gleiche Wahrnehmung gemacht worden sein. Aus Aussee und Mitterndorf liefen negative Berichte ein. Mit Rücksicht auf die von Herrn Landesgerichtsrath Marek mitgetheilte Thatsache, dass das Beben auch in Irdning und Donnersbach nicht wahrgenommen wurde, ergibt sich, dass es überhaupt nur in einem sehr engen Verbreitungsbezirke im N des Grimming fühlbar war. 19. Beben am 3. August. Scheiben bei Unzmarkt, 2 h 55 m . Eine vereinzelte Meldung lasst es zweifelhaft erscheinen, ob überhaupt zur angegebenen Zeit ein Beben stattfand. Herr Schulleiter Josef Schwan da schreibt am 3. August 1898, dass er um 2 h 55 m Ortszeit durch einen dumpfen unterirdischen starken Schuss aus den Halb- !•". v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 75 schlaf geweckt worden sei. Gleichzeitig habe er die Nachbar- hunde bellen gehört, anderwärts konnte er nichts erfahren, leicht bewegliche Gegenstände blieben in Ruhe. Das am 4. September 12 b 32 m in Kirchberg am Wechsel in Niederösterreich beobachtete Erdbeben veranlasste die Ver- sendung von Fragekarten noch Langenwang, Mürzzu- schlag, Ratten, Rettenegg, Schaueregg am Wechsel, Steinhaus am Semmering, die insgesammt negativ beant- wortet wurden. Aus Aussee liefen für 26. September und 9. October Erdbebenmeldungen ein, welche lediglich auf individuelle Selbsttäuschung der beobachtenden Persönlichkeit zurückzu- führen sind, wie die aus Mitterndorf, Gössl, Irdning und aus Aussee selbst von anderer Seite eingelaufenen Berichte ergaben. Erwähnt sei hier auch, dass directe Berichte aus Vordern- berg und Eisenerz die Wahrnehmung von Erderschütterun- gen im Sommer 1898 in Abrede stellen. 20. Beben vom 7. September. Obern bürg (Gornji grad) bei Cilli, l' 1 45 m . Von einzelnen Personen verspürtes, ziemlich kräftiges Beben. Erschütterung des Geschirres im Glasschrank. Mitgetheilt von Herrn J. Er- hart ic an Prof. Seidl. 21. Beben am 31. October. 1 Scheiben bei Unzmarkt und Unz markt, 1" 30' 11 . Inten- sität III— IV. Scheiben. Herr Schulleiter Josef Schwan da berichtet mittelst Fragebogen, dass er um l h 35 m (Ortszeit, die Uhr war annähernd um 5 ,n vor der Bahnzeit) im wachen Zustand im 1 Aus Scheiben bei Unz markt wurden wiederholt locale Beben gemeldet, welche, wie z. B. das am 31. October 1898 wahrgenommene, sich nur in der unmittelbaren Umgebung fühlbar machten. Es ist deshalb wahr- scheinlich, dass auch der Meldung vom 3. August ein solches locales Beben zu Grunde liegt, weshalb es in die Zahl der steierischen Beben 1898 auf- genommen wurde, wenn auch eine anderweitige Bestätigung der etwas un- bestimmten Wahrnehmuno; fehlt. 76 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Bette liegend ein Zittern mit gleichzeitig hörbarem Donnerrollen verspürte, dem ein pfeifendes Pfnausen folgte. Das Dröhnen sammt dem Pfnausen währte 6 — 8 S . Der Schallempfindung nach war die Richtung NW — SE. Die Nachbarschaft habe wegen festen Schlafes die Erscheinung nicht verspürt, Oberlehrer Bammer in Unzmarkt aber die Wahrnehmung des Bericht- erstatters bestätigt. Unzmarkt. Herr Hüttenassistent V. Rissel schreibt aus Unzmarkt in Beantwortung einer Fragekarte. »Es ist thatsäch- lich am 31. October um l h 30I 11 auch am hiesigen Ort ein Erd- beben von einigen Personen verspürt worden, welches nach eingezogenen Erkundigungen scheinbar die Richtung N — S hatte und sich durch Bewegen von kleineren Gegenständen. Gläserklirren etc. bemerkbar machte.« Aus Judenburg, Murau, Neumarkt, Oberzeiring, Oberwölz und Scheifling liefen negative Berichte ein. 22. Beben am 26. November. (Wahrnehmung einer niederösterreichischen Erschütterung.) Schau er egg am Wechsel, 2 h 35 m . Intensität III — IV. Das Morgenblatt der »Tagespost« vom 29. November 1898 brachte folgende Nachricht: »Wien, 28. November. Prof. Dr. Koch, der mit den Studierenden der Hochschule für Boden- cultur eine Excursion in das Wechselgebi et machte, theilt mit, dass ihm Landleute erzählt haben, dass Samstag gegen 4 h ein Erdbeben mit starker Detonation wahrgenommen worden sei. Auch in Gloggnitz wurde Herrn Prof. Dr. Koch mitge- theilt, dass um 2 h 30 m dortselbst ein starkes, mehrere Secunden andauerndes Erdbeben verspürt wurde«. Aus Hirschwang wird gemeldet: Sonntag gegen 3 h 10 m wurde ein Erdbeben verspürt. Es war ein kurzes heftiges, gut wahrnehmbares Rollen von NW — SE. Die Hausgeräthe gerie- then ins Schwanken. Mit Rücksicht auf diese Zeitungsnotiz, sowie auch eine Zuschrift des Herrn Referenten für Nieder- österreich, Prof. Dr. Franz Noe vom 29. November 1898, von welchen aus Reichenau, Wörth, Klamm und Kirchberg am Wechsel Berichte über eine daselbst am 26./27. November ein- getretene Erderschütterung eingelaufen seien (wie auch mit E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1S9S. 77 Rücksicht auf die Meldungen, welche vom 27. November aus dem Paltenthale und von zahlreichen Orten Obersteiermarks den Eintritt eines grösseren Bebens signalisirten), wurden sehr zahlreiche Fragekarten versendet, welche jedoch gerade in dem gegen Niederösterreich gelegenen Grenzgebiete des Sem- mering und Wechsel, im ganzen Mürzthal und der gesammten Oststeiermark lediglich negative Berichte erzielten. Lediglich aus Sc hau er egg im Bezirk Friedberg ist der mittelst Frage- bogen erstattete Bericht des Herrn Schulleiters Franz Maurer eingelangt. Diesem zu Folge wurde in Schauer egg am 26. Novem- ber 2 h 35 m ein Erdbeben von einzelnen Personen wahrgenom- men. Des Berichterstatters Frau wurde im ersten Stockwerke eines auf Fels gebauten Hauses plötzlich, wie durch einen Ruck aus dem Schlafe geweckt und und vernahm dann ein Geräusch als ob ein Wagen fahre. Nach unmittelbarer Empfindung war die Richtung W— E oder NW— SE. Offenbar handelt es sich hier um dieselbe Erschütterung, welche in Niederösterreich am 26. November wahrgenommen wurde und bezüglich welcher Herr Prof. Dr. Franz Noe am 6. December schrieb. »Genauere Angaben erhielt ich nur aus Reichenau, Klamm, Trattenbach, Scheiblingkirchen und Kirchberg am Wechsel. Sie beziehen sich auf Samstag den 26. November und schwanken die Zeitangaben zwischen 2 h 30 IU und 2 h 44 m .» 23. Beben am 26. November. St. Loren zen im Paltenthale 21 h 30 m . (Über diese als Vorbeben der am 27. November l h 30 m eingetretenen Er- schütterung, welche in einem grossen Theile Obersteiermarks wahrgenommen wurde und — wie es scheint — von der Palten- Liesing-Linie ausging, zu betrachtende Beben wurden in dem Specialberichte über die Erschütterung vom 27. November ein- gehende Mittheilungen gemacht, desgleichen über die am 27. No- vember, 1., 3. und 6. December erfolgten Nachbeben.) 24. Beben am 27. November. Meldungen über ein um l h 30 m (die Zeitangaben schwan- ken beträchtlich, doch erscheint dies die der Wahrheit am 78 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. nächsten kommende) wahrgenommenes Beben, welches an eini- gen Orten des Paltenthales die Intensität V erreichte, sind aus folgenden 32 Orten Obersteiermarks eingelaufen: Aussee, Eisenerz, Ettmissl, Fachwerk bei Wildalpen, Frauen- burg und Frauen dorf bei Unzmarkt, Gaal, Gaishorn, Garns, Grossreifling, Haus, Hieflau, Johnsbach, Kallwang, Mautern, Oberwölz, Oberzeiring, Palfau, Pols, Pux bei Teufenbach, Radmer, Scheiben, Sekkau, St. Gallen, St. Johann am Tauern, Treglwang, Trieben, Trofaiach, Vordernberg, Wald, Wegscheid und Weissenbach bei Liezen. Der Inhalt der einzelnen Mittheilungen findet sich in dem Special -Berichte über das obersteierische Beben vom 27. November 1898 wiedergegeben; desgleichen sind daselbst die zahlreichen Orte aufgezählt, aus welchen negative Berichte kamen (Mittheilungen der Erdbeben-Commission Nr. XIII). Am 27. November wurden ferner noch einige Erschütte- rungen wahrgenommen, welche als Nachbeben zu den um l h 30 m stattgefundenen betrachtet werden können: so um 5 h 8 m (erstes Nachbeben) in Hieflau; ferner um 7 h (zweites Nach- beben) in Frauenberg, Mariazeil, Murau, Scheiben und Wildalpen. Aus Vordernberg wird ein Nachbeben in der Nacht vom 26. zum 27. ohne Angabe der Stunde gemeldet; aus Baum- garten bei Friedberg ein Beben, welches nach einigen Personen um 7 h , nach anderen um 7 h Abends stattfand und möglicher- weise nicht mit der von der Palten-Liesinglinie ausgehenden seismischen Bewegung in Zusammenhang steht, sondern viel- leicht eher als Nachbeben zu den Erschütterungen im Wechsel- gebiet zu betrachten ist. 25. Beben am 1. December. Als drittes Nachbeben der Erschütterung vom 27. No- vember kann die um 2 h 15 m in Rotten mann beobachtete Bewegung, als viertes die um 3 h 45'" in Gross -Sölk und St. Johann am Tauern wahrgenommene Erschütterung gelten. 26. Beben am 3. December. Zwei Erschütterungen, welche in Weissenbach bei Liezen um 2 h und ll h verspürt wurden, können als fünftes E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 189 79 und sechstes Nachbeben der Erschütterung vom 27. Novem- ber betrachtet werden. Hinsichtlich der Einzelheiten sei auch bezüglich dieser Nachbeben auf den Bericht über das ober- steierische Beben vom 27. November verwiesen. 27. Beben am 6. December. Scheiben bei Unzmarkt,' 23 h 23"\ Intensität III. Herr Berichterstatter Schulleiter Josef Schwan da schreibt am 7. December 1898: »Gestern Nachts um 23 h 23 m spürte ich (wach im Bette liegend) ein schwaches Zittern des Hauses mit einem donnerähnlichen, dumpfen, schwachen, 2 S langen Rollen. Es wurde sonst von Niemandem wahrgenommen.« Nach Judenburg, Murau, Oberwölz, Oberzeiring, Scheifling und Unzmarkt entsendete Fragekarten ergaben insgesammt negative Antworten. Es dürfte sich hier kaum um ein (siebentes?) Nachbeben der Erschütterung vom 27. November, sondern um eines jener schwachen ganz localen Beben handeln, welche nicht selten in Scheiben und einigen andern Orten der Umgebung von Unz- markt wahrgenommen werden. V. Kärnten. (Referent Herr k. k. Oberbergrath Ferd. Seeland in Klagenfurt.) In dem Stande der Beobachter trat im Berichtsjahre keine Veränderung ein. Bei dem Herrn Referenten trafen Meldungen über acht Erdbeben ein (Nr. 2 — 9), während der Referent für Krain und Görz, Herr Prof. F. Sei dl in Görz, den Bericht über das Beben (1) vom 5. Februar erstattete, welches in seinem eigenen Referats- bezirke eine bedeutende Ausdehnung erlangte. 1. Beben vom 5. Februar. 14 h 53 m in Seeland (Jezero) bemerkten meine Ange- hörigen etliche Secunden andauernde, leichte Bewegungen der Blumenstöcke. Auch der Gläserkasten machte sich fein hörbar. Im Nachbarhause wurde ein dumpfes Getöse vernommen. Ich selbst habe das Beben während des Schulehaltens nicht ver- nommen (Schulleiter V. Legat). 80 Mittheilungen der Erclbeben-Commission. 2. Beben vom 17. Februar. Um 3 h 14 m (Telegraphenzeit) wurde vom Bergverwalter R. Prugger im Hause Nr. 160 der Obirgasse in Eisenkappel ein kurzes, circa 1 — 2 S dauerndes, gleichrnässiges Beben, von dem die Richtung nicht angegeben werden konnte, wahr- genommen. 3. Beben vom 19. Februar. Um 12 h 20 m (Telegraphenzeit) wurde vom Bergverwalter R. Prugger im 1. Stock des Hauses Nr. 160 in Eisenkappel ein 2 1 / 9 S dauerndes, gleichrnässiges, vibrirendes Erdbeben ver- spürt, so dass man das Geschirr im Kasten klirren hörte. Nach dessen Empfindung hatte das Beben die Richtung NW — SE. Weder dieses Beben, noch jenes vom 17. Februar wurde auf dem Hochobir verspürt. 4. Beben vom 17. April. Eisenkappel. Berichterstatter Bergverwalter R. Prugger. 23 ü 58 m (Telegraphenzeit). Ein Erdbeben 2 S dauernd und so stark, dass die Fensterscheiben etwas klirrten. Die Richtung konnte nicht bestimmt werden. Das Beben wurde auch von Anderen im Orte wahrgenommen. Eisenkappel. Beobachter Oberlehrer Jurkovic. Das Erdbeben war um 23 h 50 m von N — E nach S — W ziemlich stark hörbar. Die Fenster klirrten, die Vögel flatterten. Völker markt. Bezirkscommissär Kremensek war um 23 h 30 m eingeschlafen, wachte kurz nachher auf und nahm die Bewegung eines Leuchters auf dem Nachttische wahr. Von welcher Art oder Richtung das Beben war, kann nicht an- gegeben werden. Die Uhr zeigte genau 23 h 50 m . Rosegg im Rosenthal. Beobachter Oberlehrer Johann Klein theilt mit, dass um 23 h 53 m ein ziemlich starkes Erdbeben in der Richtung S — N wahrgenommen wurde. Vor dem einzigen ein paar Secunden dauerndem Stosse, sowie nach demselben, wurde ein dem Wagenrollen ähnliches Geräusch vernommen. Ein Fensterklirren wurde nicht bemerkt. Kappel a. d. Drau. Beobachter Oberlehrer Philipp Schlatte hat um 23 h 50 m ein ziemlich starkes Erdbeben ver- spürt. Dauer l s . Die Richtung des Stosses war E — Wund E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 81 wurde das Beben von einigen Bewohnern Kappeis, die noch wachten, verspürt. In der Wohnung des Pfarrers bewegten sich die Bilder an der Wand. 5. Beben vom 23. April. Klagen fürt. Beobachter, Gymnasialprofessor Dr. J. Sket, verspürte im zweiten Stocke des Hauses Seeland (auf Diluvialschotter) um 8 h 19 m 50 s Bahnzeit ein 3 S andauerndes Erdbeben, das ziemlich stark war, rollend, in der wahrschein- lichen Richtung SE — NW. Die Fenster und die Balconthür klirrten. Die Bewegung war wellenförmig. Dieses Beben wurde im Parterre-Geschosse auch vom Referenten beobachtet. Klagenfurt. Steueramtsofficial Sabidussi stand im Kanzleizimmer des naturhistorischen Landesmuseums (Rudolfi- num, ersterStock, auf Diluvialschotter) als unter starkem Brausen und Rollen der Boden erzitterte. Die Fenster klirrten, in den Parquetten und Bücherkästen knisterte, knackte und krachte es fortschreitend von den Fenstern zur Thür. S — N. Die Dauer war 2 — 3 S . Die an der Westwand des Custoszimmers an- gebrachte Pendeluhr tickte ohne Störung weiter und an der tief herabhängenden Gaslampe war kein Pendeln zu sehen, als ich sie nach 10 m betrachtete. Klagen fürt. Beobachter C. Kaiser, Diener im histori- schen Landesmuseum (zweiter Stock, Rudolfinum), verspürte um 8 U 18 m einen Erdstoss. Klagen f u r t. Beobachter Josef G r i e n d 1, Lehramtscandidat, beobachtete das Beben um 8 h 19 m in der Übungsschule der k. k. Lehrerbildungsanstalt an der Westseite der Bahnhof- strasse; Bewegung in der Richtung S — N, ein Rollen; erster Stoss in der Dauer von 2 — 3 S . Unterferlach. Beobachter S. Hauer verspürte um 3 / 4 8 h ein leichtes Erdbeben mit donnerähnlichem Geräusche. Richtung S — N. Dauer circa 3 S . Kappel a. d. Drau. Beobachter Oberlehrer Philipp Schlatte beobachtete um 8 h 25 m ein l s dauerndes Erdbeben und ein fernes donnerähnliches Rollen. Der Boden zitterte unter den Füssen. Der Stoss hatte die Richtung NE — SW. Sitzb. d. mathem.-naturw. Gl.; CVIII. Bd., Abth. I. 6 82 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Lind bei Karnburg. Beobachter Josef Jauz, Schulleiter, beobachtete um 9 h 16 m ein circa 4 S dauerndes, von donner- ähnlichem Getöse begleitetes Erdbeben. Der Stoss schien verti- cal erfolgt zu sein. Das Getöse verlief genau N — S. (Nachbeben.) 6. Beben vom 24. April. Klagenfurt, Bahnhofstrasse 61, zweiter Stock, auf Dilu- vialschotter. Beobachter Baron Haus er beobachtete um circa 3' 1 einen Erdstoss in der Richtung S — N. Ein Deckel fiel von der am Tische stehenden Nachtlampe herab. 7. Beben am 24. Juni. Maierhofwirth, Pfarramt St. Georgen im Lavantthale. Beobachter Pfarrer O. B. Placidus Kleinbacher berichtet, dass in der Nacht vom 23. auf 24. Juni um l h von Leuten im Wirths- haus Maierhofwirth während des Gewitters mehrere Erdstösse verspürt wurden, in Folge dessen ein dort Schlafender geweckt wurde. 8. Beben am 13. October. Bleiberg. Beobachter, Bergdirector Otto Neuburger, ver- spürte um 22 h 25 m ein starkes Erdbeben, bestehend aus einem einzigen Stoss, der aus der Tiefe kam, so stark, dass die Ge- bäude erzitterten, Fenster klirrten, und bewegliche Gegenstände in die Höhe hüpften. 9. Beben vom 16. December. Pontafel (»Klagenfurter Zeitung«). Um 6 11 20 m wurde da ein 3 S dauerndes, von S gegen N gehendes, stark rollendes Erd- beben wahrgenommen, das mit einem sausenden Geräusche verbunden war. Leichtere Gegenstände wurden umgeworfen. Die Aufregung der Bewohner war gross. VI. Krain und Görz. In Folge der fortgesetzten Bemühungen des ausserordent- lich thätigen Referenten, Herrn Prof. Ferdinand Sei dl in Görz, vermehrte sich die Zahl der Beobachter in Krain von 134 im Vorjahre auf 174, während in Görz- Grad i sc a Ende 1898 der Stand der Beobachter sich auf 59 belief, gegen 50 im Vorjahre. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 83 Die Originalmeldungen über die nachstehend verzeichneten und vom Referenten zusammengestellten Erdbeben liefen in Krain und in dem Görzer Gebiete zum grössten Theil in slove- nischer, in Gradisca in italienischer und in allen drei Gebieten zum Theil auch in deutscher Sprache ein. a) Krain. I. Jänner 1898. 1. Jänner, 17 h 10 m , in Laibach ein sehr schwacher Erd- stoss (fürstbisch. Consistorialrath Theol.-Prof. J. Smrekar). 3. Jänner, 17 h 16 m , in Laibach zwei schwache senkrechte Stösse rasch nacheinander (Oö s ). Noch an demselben Tage, 3. Jänner, 18 h 42-5 m , in Laibach ein kurzer (0-5 s ), schwacher, wellenförmiger Stoss (derselbe Berichterstatter). 4. Jänner, l h , in AI Ott n ig (Motnik, Bezirk Stein) ein leichter, wellenförmiger Stoss aus SW mit gleichzeitigem unter- irdischen Dröhnen. Wahrgenommen nur von einer Person (Besitzer K. Kriznik). 4. Jänner, I8 h 5L3 m , in Laibach Dröhnen durch 1V 2 S mit schwächstem Erknistern der Zimmerdecke (fürstbisch. Consistorialrath J. Smrekar). 5. Jänner, 3 h , in Peuc (bei Schwarzenberg ob Idria) spürte ich, im Bette liegend, ein leichtes, circa 7 S dauerndes Zittern. 5 h 10 m wiederholte sich dasselbe durch 4 S . Es war in beiden Fällen so leicht, dass ich die Richtung nicht beurtheilen konnte (k. k. Förster K. Schebenig). 17. Jänner, l h 30 m , in Möttnig eine momentane wellen- förmige Bewegung aus W mit gleichzeitigem dumpfen, unter- irdischen Getöse. Klirren des Geschirres. Wahrgenommen nur vom Berichterstatter, im Bette liegend (Besitzer K. Kriznik). 17. Jänner, 17 h 36-5'", in Laibach ein leichter, sehr kurzer Stoss 0/3 s ) aus SE (fürstbischöflicher Consistorialrath J. Smrekar). 19. Jänner, 13 h 45 m , in Möttnig eine momentane wellen- förmige Bewegung aus W mit gleichzeitigem unterirdischen Getöse. Wahrgenommen nur vom Berichterstatter, in der Thür des Verkaufsgewölbes stehend (Besitzer K. Kriznik). 6* 84 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 21. Jänner, 3' 1 10 m , in Peuc drei schwache Vibrationen, im Bette ruhend, beobachtet. 4 h in Peuc desgleichen (k. k. Förster K. Seh ebenig). 22. Jänner, 2 h , in Gereuth (Rovte), Bezirk Loitsch, ein langsames Zittern durch 5 S ohne Getöse, von Wachenden wahr- genommen. 24. Jänner, lV 2 h , ebendaselbst, von Wachenden wahr- genommen zwei einander folgende Stösse durch 3 S , mit fol- gendem donnerartigen Getöse durch 6 S . Das ganze Schulhaus erzitterte. Die verputzten Sprünge über den Fenstern zeigten sich wieder. — Man erzählt mir, dass Nachts öfters Erschütte- rungen der Gebäude erfolgen (Schulleiter A. Sezun). 25. Jänner, 2 h , in Möttnig ein Dröhnen ohne Stoss (Be- sitzer K. Kriznik). 28. Jänner, 9 h 20 m , in Aich (Dob) bei Laibach eine von vielen Personen (vom Berichterstatter ebenerdig, sitzend) be- merkte, ziemlich starke Vibration durch 3 S aus SE (nach dem Gefühle beurtheilt) mit gleichzeitigem rauschenden Getöse. — An demselben Tage ll h 55 m , ebendaselbst, von Einigen wahrgenommen ein leichtes Erzittern durch 3 S aus SE mit gleichzeitigem dumpfen Dröhnen, hierauf nach kurzer Unterbrechung ein dumpfer Knall (Oberlehrer M. Janezic). 30. Jänner, 6 h , in Peuc ein leichtes Zittern durch 8 S . Im Bette ruhend wahrgenommen (k. k. Förster K. Seh eben ig). 30. Jänner, 21 1 / 2 h , Beben im Bezirke Rudolfs wert. 21 h 40 m in Stauden (Germ) bei Rudolfswert eine leichte, von allen Bewohnern des Schulgebäudes gefühlte wellenförmige Erschütterung aus E (beurtheilt nach der Bewegung der Betten)^ Erzittern der Möbel, kein Getöse (Lehrer der landwirtschaft- lichen Schule A. Lapajne). 2172'' m St. Michael bei Rudolfswert ein Vibriren W — E durch 1 — 2 S im 1. Stockwerke (Oberlehrer J. Barle). 2 1 1 / 2 U in Walte ndorf (Valtavas) bei Rudolfswerth, allge- mein verspürt ein wellenförmiger Stoss S — N, Erschütterung der Fenster und Mauern gleichwie bei einem starken Donner- schlag (Schulleiter Fr. Dular). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. öO * Circa 22 h in Ajdovec bei Seisenberg von mehreren Per- sonen wahrgenommen ein Stoss. Klirren der Fenster, Ertönen der Klaviersaiten (Pfarrer M. Poljak). 21 Vo h in Susice bei Töplitz, von ruhig im Bette wachenden (nicht von im Nebenraume im Gespräch begriffenen) Personen ebenerdig ein kurzer Stoss wahrgenommen in zwei Häusern. Klirren der Fensterscheiben (Schulleiter J. Zupancic). Die vorstehenden fünf Meldungen zeigen eine gelinde Er- schütterung im mittleren Gurkthal Unterkrains an. Eine nähere Bestimmung des Epicentrums und der Form der Schütterfläche ist nicht möglich. II. Februar 1898. 1. Februar, 15 h 54 m in Laib ach ein sehr schwacher Stoss (fürstbisch. Consistorialrath J. Smrekar). 2. Februar, Nachts in St. Gotthard bei Trojana (Bezirk Stein) laut Angabe einiger Personen ein unbedeutendes Beben (Schulleiter G. Kozelj). 2. Februar, circa 15 h in Peuc nach unterirdischem Vor- getöse eine 3 S andauernde Erderschütterung. Boden und Thüre im Zimmer des ersten Stockwerkes knarrten, Kasten, Wand- bilder und Rehkrückeln an der Mauer jedoch nicht bewegt; die ebenerdig aufgehängte Petroleumlampe wurde in schwaches Schwingen versetzt. Richtung östlich. Auch in den Nachbar- gemeinden mehrfach bemerkt (k. k. Förster K. Seh eben ig). 2. Februar, 1 5 h 5 ■ m in L a i b a c h leichtester Stoss N W— SE ; 15 h 19'0 m ebendaselbst desgleichen, doch in umgekehrter Richtung (fürstbisch. Consistorialrath J. Smrekar). 5. Februar, l h 45 m in Vodice (Bezirk Stein) von Einigen wahrgenommen ein ziemlich starker Stoss (Pfarrer S. Zuzek). 5. Februar, 6 h 35 m in Aich (Dob) bei Laibach ein von Wenigen (auch ebenerdig) wahrgenommenes leichtes Zittern wahrscheinlich aus SW durch 3 S mit gleichzeitigem Getöse 5. Februar, 6 h 45 m ebendaselbst ein etwas kräftiges, von der Mehrzahl der Bewohner verspürtes Zittern durch 3 S , wahr- scheinlich aus SW mit gleichzeitigem dumpfen Getöse (Ober- lehrer M. Janezic). 86 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. t 5. Februar, 9 1 / 2 h in Sittich (Zaticina, Bezirk Littai), von Einigen bemerkt ein wellenförmiges Beben mit Getöse (Schul- leiter F. Kovac). Diesem Vorbeben folgte noch an demselben Tage die Erschütterung eines grossen Theiles von Krain und dessen nächster Nachbarschaft. 5. Februar, 14 h 53 m Erschütterung Krains etc., vom Laibacher Becken ausgehend. Im Folgenden werden die Berichte über das Hauptbeben des 5. Februars auszugsweise angeführt, geordnet nach den Verwaltungsbezirken. 5. Februar, Bezirk Radmannsdorf. Circa 15 h in Veldes ein Beben, nur von einzelnen mhenden Personen wahrgenommen (Oberlehrer Fr. Rus). 15 h in Seebach (Mlino) bei Veldes ein leichtes Beben. Die Zimmerthür wurde ziemlich kräftig erschüttert, und jede stehende Person konnte die Bewegung unter den Füssen ver- spüren (Zeitschrift »Slovenec»). Circa 15 h vermeint in Sava bei Assling (Jesenice) jedoch nur eine Person ein Beben wahrgenommen zu haben. Im benach- barten Assling wurde es von Niemandem gespürt (Oberlehrer J. Medic). Circa 15 h in Radmannsdorf (Radovljica) ein sehr leichter, nur von Einzelnen bemerkter Stoss. Richtung nicht bestimmbar (Oberlehrer A. Grcar). 14 3 / 4 h in Kropp (Kropa) ein ziemlich namhaftes Beben. Man vernahm ein unterirdisches Donnern, gleich darauf folgten Vibrationen aus S oder SW durch 3 — 4 S . Klirren der Glas- gefässe. Keine Mauersprünge (Oberlehrer J. Koros ec). 5. Februar, Bezirk Krain bürg. 14 h 55 m in Kovor bei Neumarktl verspürten mehrere Personen einen Stoss S — N oder umgekehrt nach vorangehendem Dröhnen (Schulleiter M. Debelak). E. v. M ojsisovi es, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. ö7 14 h 53 m in Eisnern (Zelezniki). Von mehreren befragten Personen gab nur eine an, eine schwache Erschütterung ohne Getöse verspürt zu haben (Schulleiter J. Levicnik). 14 h 55 m in Fessnitz (Besnica) zwei starke und darauf drei schwache Stösse aus NE mit vorangehendem und gleich- zeitigem dumpfen Getöse. Erschütterung einiger Möbel (Schul- leiter J. Baraga). Circa 15 h in Krainburg von wenigen Personen ein schwacher Stoss vernommen (Gymnasialdirector F. Hubad). 14 h 58 m in St. Georgen bei Krainburg von Vielen eine wellenförmige Bewegung aus NE ohne Getöse gefühlt (Ober- lehrer J. Jelenec). Vor 15 h in Naklo ein Erdstoss annähernd in der Richtung NE — SW von Einigen bemerkt (Schulleiter J. Traven). Circa 15 h in Zirklach (Cerklje) ein kurzer Stoss nach vorangehendem donnerartigen Getöse, nur von ruhig sitzenden oder liegenden Personen wahrgenommen (Oberlehrer A. Km et). 14 h 51 m in St. Martin bei Krainburg eine wellenförmige Bewegung, wie daraus zu ersehen, dass der Ofen, an welchem ich lehnte, schaukelte. Gleichzeitig ein Getöse, Gesammtdauer 2 — 3 S . Der Stoss war so schwach, dass ihn die Schulkinder nicht wahrnahmen; ich selbst war anfänglich der Meinung, dass der Schnee vom Dache abgerutscht sei. Die Erschütterung wurde auch von Anderen bemerkt, doch nicht von Allen. Die Richtung dürfte SW — NE gewesen sein (Oberlehrer M. Bregant). 14 h 55 m in Bischof lack (Skofjaloka) allgemein wahr- genommen ein wellenförmiger Stoss durch etwa 3 S in der Richtung W — E. Die Fenster klirrten (Oberlehrer F. Papa). 14 h 54 m in Trata bei Poljana allgemein wahrgenommen ein langsames gleichförmiges Zittern durch 2 S , mit gleichzeitigem und darnach noch l s andauerndem Dröhnen. Richtung aus E, beurtheilt nach dem Schwanken der Bilder im Schulzimmer, erster Stock. Daselbst bekam die Mauer einen Sprung auf der Seite, von welcher der Stoss gekommen war (Oberlehrer A. Pozar). 14 h 52 m in Flödnigg (Smlednik) allgemein wahrgenommen ein Getöse durch 3 — 4 S , hierauf ein Stoss aus NE, begleitet 88 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. vom Krachen in den Mauern und dem Gebälke. Kein nennens- werther Schaden, Schrecken unter der Bevölkerung (Pfarrer J. Karl in). 5. Februar, Bezirk Stein. 14 h 55 m in Komenda eine wellenförmige Bewegung SW nach NE, mit nachfolgendem Getöse. Von mir selbst nicht wahrgenommen, obgleich ich allein im Zimmer war und las (Oberlehrer J. Mesner). 14 h 55 m in Theinitz (Tunjice) eine schwache Erschütte- rung mit nachfolgendem Getöse, verspürt im Pfarrhause, jedoch von Niemandem im Schulhause (Schulleiter J. Pintar). Circa 15 h in St. Martin bei Stein, von Einigen gespürt, eine Erschütterung, angeblich aus N, mit unterirdischem Getöse (Schulleiter F. Zore). 141147m j n j aU chen (Ihan) allgemein gespürt mehrere Schwankungen N — S durch 3 — 4 S , nach vorangehendem Dröhnen (gleichwie wenn der Schnee vom Dache abrutscht) (Schulleiter V. Sadar). Circa 14 n 55 m in Domzale vom Berichterstatter ebenerdig nicht gespürt, dagegen im ersten Stockwerke des Schulgebäudes während des Unterrichtes von Allen bemerkt, nach voran- gehendem Dröhnen eine Erschütterung von S — N. Es schien, dass der Dachstuhl krache. Das federnd hangende Glöcklein am Hausthor schlug an (Oberlehrer F. Pfeifer). Circa 14 h 50 m in Egg (Brdo) ein schwacher Stoss und Schwingungen durch 2 — 3 S mit einem schwachen Getöse, das fernem Donner glich, und einem Sausen, als ob der Schnee vom Dache rutschte. Wahrgenommen besonders von Sitzenden oder Stehenden in Wohnräumen, nur von Wenigen auch im Freien. Vom Berichterstatter selbst nicht bemerkt (Pfarrer J. Bizjan). 14 h 58 m in Stein (Kamnik) allgemein wahrgenommen ein langsames Schaukeln aus SW, ohne Getöse. Hängende Gegen- stände begannen zu schwingen, die Thüre knarrte, kein Schrecken (P. 0. S. F. Hieronymus Knoblehar). 14 h 54 m in Ober-Tuch ein (Gor. Tuhinj) nur von solchen Personen, welche einer ruhigen Beschäftigung oblagen, ein n. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 89 Seitenstoss verspürt. Richtung S—N, denn die E- und W-Fenster klirrten, die N- und S-Fenster nicht. Dauer 2 S , gleichzeitig ein dumpfes, fernes, donnerartiges Getöse. Leichte Gegenstände wurden erschüttert (Schulleiter F. Malen sek). 14 h 53 m in Woditz (Vodice) allgemein verspürt (aus- genommen auf dem Wege befindliche Personen) ein kurzer kräftiger Stoss (kräftiger als l h 45™ desselben Tages). Richtung aus NE nach der Behauptung des Messners, welcher, am Altare beschäftigt, sah, wie die Kerzen so in Bewegung geriethen. dass sie sich kreuzten, und hörte wie der Kirchenluster klirrte. Dauer des Stosses 7 S , gleichzeitig und einige Secunden hernach ein starkes Getöse, Erschütterung der Möbel und Klirren der Fenster. Die alten Sprünge in den Mauern erweiterten sich, stellenweise fiel der Anwurf ab. Grosser Schrecken, Alle flüch- teten aus den Häusern, das Vieh in den Stallungen beunruhigt und scheu, die Hunde schlugen ein eigenthümliches Heulen an (Pfarrer S. Zuzek). 14 h 50 m in Aich (Dob), von der Mehrzahl der Ortsbewohner wahrgenommen, vom Berichterstatter im Freien. Daselbst spürte man ein leichtes Zittern unter den Füssen, im ersten Stock- werke fühlte man ein kräftiges Vibriren. In den Gebäuden krachte es zweimal. Dauer 6 S (Oberlehrer M. Janezic). 14 h 54 m in Tersain (Trzin) allgemein wahrgenommen ein 3 S andauernder, leichter Stoss aus S. Erschütterung der Möbel. Schwingen der Hängelampen (Schulleiter L. Blejec). 14 s / 4 t in Pece bei Moräutsch ein unterirdisches Getöse, hierauf durch einige Secunden eine Erschütterung, dass das ganze Haus schwankte, die Thüren knarrten und die Fenster klirrten. Auch von den Nachbarn wahrgenommen. Richtung angeblich N — S (Zeitschrift »Slovenec«). Vor 15 h in Moräutsch (Moravce) verspürten Einzelne das Beben. In Pece und in den Bergen wurde es besser gespürt. Es war wellenförmig, nach ankündigendem Getöse und kam aus N (Oberlehrer J. Tom an). 14 h 53 m in Homec Erschütterung durch 3 S , in Verbindung mit starkem Getöse (Zeitschrift »Slovenec«). Circa 14 h 50 m in Möttnig (Motnik) verspürten bloss in einem Hause einer ruhigen Beschäftigung obliegende Personen 90 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. ein Getöse, hierauf eine Erschütterung. In Folge derselben knarrte die Thüre und die Fenster klirrten (Besitzer K. Kriznik). 5. Februar, Bezirk Littai. Circa 15 h in Islak (Izlake) bei Sagor und St. Gotthard von Einigen eine leichte Erschütterung bemerkt. Die Fenster klirrten (Schulleiter F. Luzar). 14 h 55 m in Hotitsch von Vielen eine wellenförmige Er- schütterung mit gleichzeitigem Dröhnen durch 4 S wahr- genommen. Richtung SE — NW. Knarren der Thüren (Pfarrer M. Absec). 14 h 53 m in Watsch (Vace) eine wellenförmige Erschütte- rung aus W (Oberlehrer F. Nagu). 14 h 50 m in Zaljna von Einzelnen ein Stoss verspürt nach vorangehendem Getöse (Schulleiter J. Svetina). 14 h 53 m in Sittich (Zaticina) ein ziemlich starkes, wellen- förmiges Beben, W — E, mit Getöse (Schulleiter F. Kovac). 5. Februar, Bezirke Laibach und Umgebung. 14 h 46™ in Preska allgemein gespürt ein ziemlich starkes Beben durch 2 S mit unterirdischem Getöse. Man fühlte zuerst einen Stoss von unten, hierauf Schwingungen S — N. Klirren der Fenster, Knarren der Thüren; im ersten Stockwerk erweiterte sich der Sprung zwischen der Decke und der Mauer (Schul- leiter A. Sonc). 14 h 55 m in Sora allgemein gespürt ein langsames Zittern in der Richtung S — N durch 2 S , vorher, gleichzeitig und nach- her ein Getöse von der Gesammtdauer 3 S , Klirren und Erschütte- rung verschiedener Gegenstände (Schulleiter M. Potocnik). 14 h 52 1 / 2 ' n in St. Veit ob Laibach allgemein verspürt ein Zittern durch 3 S und hierauf eine wellenförmige Bewegung l s . Richtung SW — NE, vorher, gleichzeitig und l s hernach ein ( ietüse, Krachen des Gebälkes der hölzernen Scheune, einiger Schreck, Einige flüchteten aus den Häusern (Schulleiter A. Sitsch). 14 h 57 m in Cernuce ein starker Erdstoss mit starkem Getöse, angeblich in der Richtung SW— NE (Schulleiter J. Gregor in). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. Jl 15 h in Jezica ein unterirdisches Dröhnen, zwei ziemlich heftige Stösse, einer nach dem anderen und hernach neuerdings Dröhnen, welches im Ganzen etwa 8 S dauerte. Dessen Richtung war SE — NW. Die Schulkinder im ebenerdigen Schulzimmer sprangen erschreckt auf. Der Messner war in der Kirche be- schäftigt und hörte das Rasseln der Luster, worauf er eilig aus der Kirche sich entfernte. Leute, welche im Freien waren, bemerkten, dass die Bäume den auf ihren Ästen, lagernden Schnee abschüttelten. In den hölzernen Wirthschaftsgebäuden vernahm man das Knarren des Gebälkes. Das Beben wurde hierorts, sowie in der Umgebung allgemein bemerkt (Schulleiter A. Zibert). 14 h 53 m 15 s mitteleurop. Zeit in Laib ach starker Doppel- stoss (der stärkere nach etwa 1 / 2 s dem schwächern folgend) unter schussähnlichem Getöse, Dauer 3 — 4 S , Bewegung gegen Ende etwas drehend, Richtung mir nicht sicher, fremde Beob- achtungen variiren zwischen SSE — SW, also vermuthlich etwa SSW — NNE (fürstbisch. Consistorialrath J. Smrekar). — 14 h 50 m Ortszeit, allgemein, auch im Freien, bemerkt eine Bodenschwankung in der Richtung SSW — NNE durch 5 S , gleichzeitig ein Dröhnen, als ob der Schnee von den Dächern abrutschte. Die Bäume schüttelten den Schnee, welcher nachts und tagsüber gefallen war, von ihren Kronen ab (Bezirksschul- inspector Prof. Fr. Levec). — 14 b 49— 50 m ein sehr heftiger, ausgesprochen verticaler Erdstoss in der Dauer von 2 — 3 S . Auf dem Sparherde der Küche geriethen die zum Trocknen auf- gestellten eisernen Töpfe durch den senkrechten Stoss in sicht- liches Hüpfen, so dass einige derselben durch den senkrechten Stoss fast ganz bis zum Rande vorrückten. Geräusch habe ich keines vernommen. Der Stoss übte besonders auf Personen in oberen Stockwerken ein sehr beängstigendes Gefühl aus; selbst auf offener Strasse, mitten im Stadtlärm, wurde er vielfach bemerkt (k. u. k. Lieutenant i. d. R. Leo Suppantschitsch). — 14 h 52 m ein allgemein bemerktes Beben. Es war zuerst ein donnerartiges Geräusch durch 2 1 / 2 S , dann ein Zittern und zuletzt ein kurzer Seitenruck durch 1 V 2 — 2 S . Der Stoss schien mir von NW zu kommen Im Museum ist in einem freistehenden Kasten ein Glasbild, und in der Hölzersammlung sind die Hölzer 92 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. nach N umgefallen. In der Wohnung ging eine Thür auf. Der Bericht der »Neuen Freien Presse«, wornach das Beben »viel- fach Risse und Sprünge im Mauerwerk« verursachte, entspricht nicht der Wirklichkeit. Weder in unserem Museum, welches gegen Erderschütterungen sehr empfindlich ist, noch an anderen Häusern wurden, gemäss den eingezogenen Erkundigungen, Sprünge oder Risse in den Mauern bemerkt (Museumassistent Ferd. Schulz). — In der Schule am Laibach er Moor, 15 h , Erschütterung der Möbel und des Geschirres, eine Hängelampe schwang W — E. Es war ein gleichförmiges Schaukeln (Ober- lehrer J. Lik ar). 14 h 58 m in Mariafeld (D. M. v Polju) ein starker verticaler Stoss mit durch 10 S anhaltendem Vibriren, zugleich starkes Getöse; Richtung S — N (Oberlehrer F. Kavcic). — Ein verti- caler Stoss mit kurze Zeit vorangehendem Dröhnen, Dauer 2 S , die ebenerdigen Fenster klirrten etwas. Auf Möbel etc. keine Wirkung (Lehrer Th. Campa). Circa 14 h 56 m in Rudnik allgemein verspürt zwei einander folgende Stösse von unten von je 2 S Dauer, gleichzeitig Er- schütterung der Möbel und Krachen des Gebälkes, Klirren der Fenster. Bevölkerung erschreckt (Schulleiter J. Petric). 14 h 48 m in Brunndorf (Ig) ein wellenförmiges Beben aus SW (Oberlehrer F. Trost). 14 h 55 m in St. Mar ein (Smarje-Sap) allgemein wahr- genommen ein Stoss von unten durch l s , hierauf ein Schaukeln durch etwa 6 S , gleichzeitig ein Dröhnen; Richtung aus SE, beurtheilt aus der Bewegung kleiner Fläschchen. Man sah und hörte die Erschütterung der Möbel. Eine Flasche im ebenerdigen Zimmer fiel um, die Wanduhr blieb stehen. Wären die Dächer nicht mit einer 3 dm dicken Schneelage bedeckt, so wären wohl Dachziegel herabgefallen (Oberlehrer J. Borstnik). 15 h in St. Kanzian bei Auersperg (Skocjan) verspürt von Einzelnen in allen Dörfern der Umgebung, gleichzeitig ein unterirdisches Dröhnen. Jemand fühlte die Erschütterung des Ofens (Schulleiter J. Cerar). Circa 14 h 55 m in Lipoglav von Einzelnen bemerkt ein kurzer Stoss, die Bewegung dauerte etwa 2\ voran ein Geräusch, E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 93 als ob der Schnee von den Dächern abgerutscht wäre. Die Fenster klirrten (Pfarrer F. Maresic). Circa 15 h in St. Georgen bei Grosslup allgemein gespürt nach vorangehendem Donnern kräftige Vibrationen. Laut Mit- theilung eines Beobachters (Besitzer K. Kriznik). Circa 14 h 55 m in Dobrova allgemein verspürt eine hin- und herschaukelnde Bewegung NE— SW durch 2 — 3 S , mit gleichzeitigem unterirdischen Dröhnen (Oberlehrer M. Rant). 14 h 55 m in Franzdorf (Borovnica) allgemein verspürt ein Stoss von unten mit gleichzeitigem Dröhnen (Lehrer A. Pirc). — Ein Beben mit Getöse durch 2% gehört und gespürt von ruhig und still sitzenden Personen (Oberlehrer F. Papier). 14 h 55 m in Oberlaibach (Vrhnika) allgemein gespürt ein schnelles, gleichförmiges Schaukeln durch 3 — 4 S , anscheinend N — S (beurtheilt nach der Bewegung des Wassers). Vorher ein Geräusch wie von einem vorüberfahrenden Wagen. Die Blumen in den Töpfen sichtlich erschüttert (Lehrer A. Luznik). 14 h 53 m in Saplana (Zaplana) allgemein verspürt ein wellenförmiger Stoss, anscheinend N — S, die früheren Sprünge im Mauerwerke des Pfarrhauses haben sich unbedeutend er- weitert (Pfarrer J. Seigerschmied). 15 h in Billichgratz (Polhovgradec) nach vorangehendem Getöse ein verticaler Erdstoss; in einigen Häusern klirrten die Fenster (Oberlehrer J. Bajec). 5. Februar, Bezirk Loitsch. 14 h 56 m in Idria von einzelnen Personen verspürt ein schwaches Zittern durch kaum l s von nicht bestimmbarer Richtung, nach unmittelbar vorangehendem unterirdischen Rasseln (k. k. Probirer F. Jan da). Circa 15 h in Godovic von Einzelnen verspürt ein Stoss (Schulleiter K. Mally). 15 h in Hotederschitz (Hotedrsica) mehrfach wahr- genommen ein unterirdisches Dröhnen und hierauf ein leichtes Erzittern durch höchstens 3 S . Die Schultafel knarrte auf dem Gestelle (Oberlehrer M. Kabaj). 94 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 14 h 56 m in Gereut h (Rovte) allgemein gespürt ein wellen- förmiges Beben durch 3 S in der Richtung E — W. Klirren der Fenster, Knarren der Thüren (Schulleiter A. Sezun). 14 h 55 m in Unter -Loitsch (Dol. Logatec) nach ankündi- gendem Dröhnen ein Beben SW — NE durch 4 — 5 S (Oberlehrer J. Turk). 14 h 53 m in Rakek ein gelindes unterirdisches Dröhnen, bewegliche Gegenstände wurden leicht erschüttert (Oberlehrer J. Pozenel). Circa 15 h in Blöke im Pfarrhause gelinde Erschütterung einer Thüre, in einem anderen Hause leichtes Klirren eines Fensters; anderweitig nicht gespürt (Oberlehrer J. Bozja). 5. Febuar, Bezirk Adelsberg. 14 h 57 m in Adelsberg (Postojna) durch einen Augenblick ein heftiger Erdstoss (Schulleiter St. Primozic). Negative Berichte zum 5. Februar wurden eingeholt von folgenden Orten: Bezirk Radmannsdorf: Lees (»stürmischer Tag, vielleicht deshalb übersehen«), Lengenfeld, Kronau, Mosnje, Woch. Feistritz, Vigaun, Breznica, Laufen (Ljubno); Bezirk Krainburg: Zarz, Neumarktl, St. Anna bei Neumarktl (hier orkanartiger Sturm), Gorice (hier heftiger Sturm), Höflein; Bezirk Loitsch: Altenmarkt, Zirknitz, Planina, Haasberg, Zavratec; Bezirk Adels- berg: Senosetsch (hier starke Bora); Bezirk Littai: Gross-Gaber, Sagor, Kolovrat, .St. Gotthard bei Trojana, Kressnitz; Bezirk Rudolfswerth: Neudegg; Bezirk Gottschee: Gross-Laschitsch; Bezirk Cilli: Trifail; aus diesem Bezirk erhielt Universitäts- professor Dr. R. Hoernes , gemäss freundlicher Mittheilung negative Nachrichten aus Hrastnigg, Trifail, Steinbrück, Tüffer, Cilli; positive Nachrichten dagegen aus Oberburg, Franz und Riez. 1 Die im Vorstehenden angeführten Meldungen zeigen an, dass die Haupterschütterung am 5. Februar um 14 h 53 m aus- gelöst wurde, wenn wir die beste Zeitangabe Laibachs als die zuverlässigste annehmen. Ohne Zweifel spielte sich das Beben 1 Vergl. üben S. 59. E. v. Moj sisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1S9S. 95 auf dem ganzen erschütterten Terrain innerhalb des Zeitraumes einer Minute ab. Die divergirenden Zeitangaben sind daher (wie in anderen Fällen) auf ungenauen Gang der Uhren und Abrundung der Angabe zurückzuführen, wenn sie nicht gerad- aus als angenähert bezeichnet werden. Die grösste Intensität entfaltete das Beben in dem Laibacher Diluvialbecken südlich vom Breitenkreis von Krainburg. Es wurde daselbst allgemein auch ebenerdig und im Freien wahrgenommen und verursachte Klirren der Fenster, Knarren der Thüren, Erschütterung der Möbel, Krachen hölzernen Gebälkes, Abschütteln des Schnees (welcher an demselben Tage reichlich gefallen war) von den Bäumen. Als besonders stark werden die Wirkungen in Woditz und Laibach geschildert. Die stärkst erschütterte Fläche wird von einer Zone geringerer Wirksamkeit rings umgeben. Die- selbe reicht im SW etwa bis Adelsberg, d. i. etwa 40 km von Laibach, in W ebensoweit bis Idria, in NW etwa bis Veldes, 40 km von Woditz, ebensoweit in E bis Franz in Südsteier- mark, in SE über Sittich hinaus, d. i. über 30 km von Laibach. Es mag aber bezeichnend sein, dass innerhalb dieser Zone in NW den positiven Meldungen bereits eine grössere Zahl negativer gegenübersteht, und es beginnen diese schon bei Höflein, 13 km NNW von Woditz. Doch meldet Seeland in Kärnten (vergl. oben S. 79), in einem Hochalpenthale gelegen, 25 km N von Woditz, bestimmte Anzeichen des Bebens, und es trägt vielleicht die stürmische Witterung im oberen Savethale Schuld, dass das Beben mehrerenorts nicht zur Wahrnehmung gelangte. Auch in SW liegen die Orte Zirknitz und Planina, welche negative Berichte einsandten, näher an Laibach, als die positiv berichtende Station Adelsberg. Anderseits lieferten östlich von Woditz alle Orte bis Franz im Cillier Bezirk übereinstimmend positive Meldungen. Demnach scheint es, dass auch diesmal die Boden- bewegung in das östlich an das Laibacher Becken angrenzende Hügelland weiter vordrang, als nach irgend einer anderen Richtung. Ausserhalb der betrachteten Zone schwacher Wahrnehmung des Bebens bei vorwiegend positiven Berichten erlosch die 96 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Bodenbewegung keineswegs rasch. Noch in 70 km Entfernung W von Laibach taucht innerhalb unseres Referatsgebietes eine Nachricht von der Wahrnehmung des Bebens in Görz auf, und wird dieselbe bekräftigt durch die Angabe, gemäss welcher die Erschütterung in der Umgebung von Görz (bei St. Peter) von einer Person sogar im Freien gefühlt wurde (vergl. weiter unten S. 153). Man kann in ungefährer Schätzung annehmen, dass das Beben auch nach allen übrigen Richtungen der Windrose in gleichem Grade merklich sich erstreckt habe, obgleich weitere Meldungen aus der äussersten Zone im Hinblick auf die begreifliche Unvollkommenheit unseres Beobachtungsdienstes nicht vorliegen. Es berechnet sich alsdann die Gesammtgrösse des am 5. Februar, 14 h 53 m , merklich erschütterten Gebietes als eine Fläche von über 15.000 km 2 . In dieser beträchtlichen Zahl kommt die grosse Erschütterbarkeit der oberflächlichen Schichten der Erdrinde neuerdings zum Ausdruck, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Bodenbewegung im Laibacher Becken, wo sie am heftigsten war, sich wohl allgemein bemerk- bar machte, aber nicht die Kraft hatte, einen Schaden an Gebäuden zu verursachen. — Noch ein anderer Vergleich liegt nahe. Das Beben vom 5. Februar 1898 ist, was Ursprung und Art der Ausbreitung anbelangt, offenbar als eine Wiederholung des verheerenden Hauptbebens vom Ostersonntag 1895 anzu- sehen. Damals wurde nach Suess' Berechnung eine Fläche von 713.000 km 2 merklich erschüttert. Das Nachbeben vom 5. Februar 1898 hat unter Zugrundelegung unserer obigen Schätzung nur etwa den 47. Theil dieser Fläche fühlbar in Störung versetzt. Wenn man ferner die Abschätzung der Beben- intensitäten nach der üblichen Scala vornimmt, so wird man dem Hauptbeben den IX. Rang, dem in Rede stehenden Nach- beben den V. bis VI. Rang der Scala zuweisen. Angesichts der grossen Unterschiede in der Flächenausdehnung beider Beben erinnert man sich lebhaft daran, dass den Ziffern der Intensitäts- scala, so unentbehrlich sie für die kartographische Darstellung der Bebenwirkungen sind, doch nur eine relative Bedeutung zukommt. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 97 5. Februar, circa 20\ wurde in Islak (Izlake) bei Sagor von Einigen ein Nachbeben zu der Haupterschütterung dieses Tages gespürt. Auch Bewohner der nahen Ortschaft St. Gott- hardt vernahmen beide Erschütterungen. Es waren wenige Stösse und die Fenster klirrten (Schulleiter F. Luzar), 5. Februar, 2 1 h 45 m erfolgte auch in Trata, woselbst die Haupterschütterung um 14 h 53 m auffallend stark gewesen zu sein scheint, ein Nachbeben durch l s (Oberlehrer A. Pozar). 6. Februar, circa 5 h 30 m in Peuc eine leichte Vibration durch 10 s (k. k. Förster K. Seh ebenig). 8. Februar, 21 h 20 m in Littai von Einigen gespürt — vom Berichterstatter ebenerdig sitzend, im Gespräch begriffen — ein gleichförmiges Schaukeln durch 2 S mit gleichzeitigem dumpfen Getöse (Oberlehrer J. Verbic). 9. Februar, ll h 24 m in Jauchen (Ihan) eine von Einzelnen bemerkte Erschütterung (Schulleiter V. Sa dar). 9. Februar, 14 h 40 m in Altenmarkt (Stari trg) bei Laas (Bezirk Loitsch) ein leichtes Vibriren durch 2 S , S — N (Ober- lehrer K. Gasperin). 12. Februar, 4 h 30 m in Peuc eine leichte Vibration durch 8% und um 5 h ebendaselbst ein ziemlich starker Stoss ohne Getöse durch l s , wobei die Dielen im Zimmer leicht knarrten. Beide Erschütterungen, im Bette ruhend, wahrgenommen (k. k. Förster K. Seh ebenig). 12. Februar, \8 1 / 2 h und 19 1 / 2 h , Beben zwischen der Temenitz und der Gurk. 18V h in Gross-Gaber (Bezirk Littai) nach vorangehendem dumpfen Getöse ein starker Stoss. Laut Angabe Einiger klirrten die Fenster (Oberlehrer J. Zajec). I8V4 11 m Döbernig (Dobrnic), Bezirk Rudolfswert, eine Erschütterung (Oberlehrer M. Hiti). 19V 2 h m Gross-Gaber ein schwächerer Stoss, als eine Stunde vorher, ohne Getöse (Oberlehrer J. Zajec). I974 11 m Döbernig ein stärkerer Stoss als um 18V 4 h - Die Wandkarte wurde bewegt und man hörte ein unterirdisches Donnern (Oberlehrer M. Hiti). Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl.; CVIII. Bd. Abth. I. 7 98 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 19y o h in Ajdovec bei Seisenberg von Einzelnen gespürt ein Stoss mit langsamem Schaukeln durch ein paar Secunden. Erschütterung der Möbel. Einige flüchteten aus den Häusern (Pfarrer M. Poljak). 19 1 /., 11 in Seisenberg eine sehr leichte Erschütterung, von Einigen bemerkt (Oberlehrer F. Koncilija). 19 1 / 2 11 in Gottschee im 1. Stockwerke des Gymnasial- gebäudes ein leichtes Zittern N — S (Prof. H. Satter). Negative Nachrichten zum 12. Februar sandten folgende Stationen ein: Neudegg, Hönigstein, Waltendorf, Töplitz, Hinnach, Ambrus, Unterwarmberg, Altlag. Demnach zeigen die oben angeführten Meldungen vom 1 2. Februar zwei schwache, wenig ausgedehnte Erschütterungen an, welche in dem Terrain zwischen dem Oberlaufe der Gurk und dem ihr zufliessenden Temenitzbach sich abgespielt haben. Die von dort ausstrahlenden Bodenwellen waren in dem süd- westlich anschliessenden Kalkplateau zwischen der Gurk und der Stadt Gottschee nicht mehr kräftig genug, um körperlich wahrnehmbar zu sein. Die Wellen des zweiten Bebens erstarkten aber in dem weniger consolidirten Boden der tertiären Kohlen- mulde von Gottschee und traten daselbst als fühlbare leichte Erschütterung auf. 16. Februar, 1 l h 47 m in Pres ka (Bezirk Umgebung Laibach) ein leichter Erdstoss mit unterirdischem Dröhnen gefühlt von mir und den Schülern im Schulzimmer des 1. Stockwerkes. Ebenerdig wurde der Stoss nicht bemerkt (Schulleiter A. Sonc). 18. Februar, 1 U/o 1 ' in Seisenberg eine sehr gelinde, kaum fühlbare, nur von Wenigen bemerkte Erschütterung nach SW (Oberlehrer Fr. Koncilija). 19. Februar, 15 h 30 m in Hermsburg (Bezirk Loitsch) ein ganz schwaches Beben von vier Personen gespürt, es war eine Erschütterung mit gleichzeitigem sanften unterirdischen Rollen (Oberförster J. Nowak). 20. Februar, 2 h in Peuc eine 18 s dauernde Vibration, die mich weckte, worauf ich die Dauer der schwachen Bewegung am Pulse abzählte. Diese Vibration wurde auch von den In- wohnern des Nachbarhauses deutlich wahrgenommen. Drei Stunden später, am E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 99 20. Februar, 5 h ebendaselbst, erfolgte eine circa 10 s dauernde Vibration, welche ich wach im Bette wahrnahm (k. k. Förster K. Seh eben ig). 20. Februar, einige Minuten vor 5 h in Sturje bei Haiden- schaft nach der Behauptung Einiger ein schwacher Stoss (Gemeindesecretär A. Seh legi). 20. Februar, 5 h 57 m , Beben von Cividale. Am 20. Februar erfolgte circa 6 h ein umfangreiches, zer- störendes Beben, welches sein Epicentrum bei Cividale in Italien hatte und das Gebiet von Görz-Gradisca verquerend, nach Krain ausstrahlte. In der Chronik für Görz-Gradisca findet man die aus diesem Lande eingelangten Einzelmeldungen an- geführt. Hier folgen die Berichte aus Krain, geordnet nach den Verwaltungsbezirken. 20. Februar, Bezirk Adelsberg. 5 h 50 m in Sturje bei Haidenschaft allgemein bemerkt ein Schaukeln mit darauffolgendem Stoss in der Richtung E — W durch 2 — 3 S , Richtung beurtheilt aus der Beobachtung schwin- gender Gegenstände (Gemeindesecretär A. Schlegl). 5 h 59V 2 ra m St. Veit bei Wippach ein Beben durch 3 S . Die Weckeruhr und die Lampe auf dem Kasten vernehmlich er- schüttert, in den Mauern krachte es (Oberlehrer J. Raktelj). 5 h 50 m in Goce ein ziemlich starker Stoss durch 4 S , NW bis SE, voran ein dumpfes Getöse (Schulleiter F. Mercina). 20. Februar, Bezirk Loitsch. 6 h 5 m in Ober-Idria fast allgemein bemerkt eine Erschütte- rung (Zittern) N — S durch l s mit gleichzeitigem schwachen Sausen. Mehrere Personen wurden aus dem Schlafe geweckt. In der Pfarrkirche verspürten im Schiffe während der Predigt bloss einzelne Personen eine schwache Erschütterung, hin- gegen empfanden jene auf dem Chor allgemein ein Beben, wobei die Thüren gerüttelt wurden, die Fenster klirrten und die im Kasten befindlichen Musikinstrumente schepperten (k. k. Pro- birer F. Janda). — 6 h Beben E — W, starke Erschütterung der Möbel und Fenster (Schuldirector A. Novak). 100 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Circa 5 h 45 m in Peuc, im Bette wachend, beobachtet ein schnelles Schaukeln durch 2— 3 S , welchem circa l a / 2 s ein leichtes Zittern folgte. Der Stoss schien von S gekommen zu sein, nach der Empfindung beim Schaukeln des Bettes beurtheilt. Ohne Geräusch. Knarren der Thüre, Erschütterung der Möbel, Klirren der Fenster. Die meisten Bewohner in Schwarzenberg, Zadlog, Godovic haben die Erschütterung wahrgenommen (k. k. Förster K. Seh eben ig). 5 h 53 m in Godovic ein mittelstarkes Beben WE, Krachen in den Mauern und dem Gebälke (Pfarrer A. Bobek). 5 h 59 m in Hotederschitz (Hotedersica) nur von einigen ruhenden Personen bemerkt. Im Bette wachend, verspürte ich ein leichtes verticales Auf- und Abschwanken des Bettes. Beim Fenster war ein leichter Knall zu hören. Es war das leichteste Beben von allen, die ich je vernommen hatte (Oberlehrer M. Kabaj). 5 h 48 m in Loitsch (Logatec) fast allgemein bemerkt ein Stoss anscheinend aus NE mit nachfolgendem dumpfen Getöse. Fenster und Thüren erschüttert (Oberlehrer J. Turk). 6 1 ' in Planina allgemein bemerkt eine wellenförmige lang- same Bewegung aus SE nach NW durch 3 S , Erschütterung der Möbel (Oberlehrer J. Benedek). Circa 6 h in Blöke bei Rakek erfuhr ich nach mehrfachen Erkundigungen von drei Personen, dass sie ca. 6 h einen fernen Donner und eine leichte Erschütterung der Thüre bemerkten. Die Bewegung war kaum als Beben zu erkennen (Oberlehrer J. Bozja). 20. Februar, Bezirk Laib ach und Umgebung. Circa 5 h 58'" in Laibach eine wellenförmige Bewegung, welche mich und andere Inwohner des Hauses aus dem Schlafe weckte. Krachen der Zimmerdecke, Richtung der Bewegung meridional (f.-b. Consistorialrath J. Smrekar, St. Peterstrasse 12, I. Stock). Einige Personen theilen mir mit, dass um 5 h 55 m eine schwache schaukelnde Bodenbewegung stattfand, verbunden mit einem leisen Ruck, Richtung EW, Dauer 1 — 3 S . Ich selbst E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 101 wurde durch dieselbe nicht aus dem Schlafe geweckt (Museum- assistent F. Schulz, Landesmuseum, Hochparterre). Einige Minuten vor 6 h in Cernuce von Wenigen eine an- geblich horizontale Erschütterung ohne Getöse wahrgenommen. Schlafende wurden nicht geweckt (Schulleiter J. Gregorin). 20. Februar, Bezirk Krainburg. 5 h 57 m in Bischoflack (Skofjaloka) von einzelnen eine wellenförmige Bewegung durch ein Paar Secunden gefühlt (Oberlehrer F. Papa). 6 h in Fessnitz (Besnica) mehrere einander rasch folgende Stösse aus NE ohne Wirkungen (Schulleiter J. Baraga). 20. Februar, Bezirk Radmannsdorf. 6 11 15 m in Kropp (Kropa) ein leichtes Beben anscheinend WE. Drei auf einander folgende Schwingungen durch 3 — 4 S ohne unterirdisches Getöse. Erschütterung der Gläser und Lampen, auch im Bette fühlte man die Schwingungen gut (Oberlehrer J. Korosec). 5 h 55 m (genaue Telegraphenzeit) in Wo chein er Feist ritz (Boh. Bistrica) von den meisten wachenden Personen verspürt ein Stoss aus SW durch 2 S , der die Tischlampe gehoben und geneigt hat, mit gleichzeitigem donnernden Geräusch. Der Lampenschirm rasselte. Beobachtet ebenerdig im Gebäude, neben dem Tische gestanden (k. k. Postmeister M. Bevc). 5 h 58 m in Sava bei Assling ein wellenförmiges Beben aus W ohne Getöse durch 5 S (Oberlehrer J. Medic). 20. Februar, Bezirk Stein. 6 1 ' in Theinitz (Tunjice) im Schulhause nicht gefühlt, wohl aber am Fusse des Theinitzer Berges in einem Hause, welches auf lehmigen Boden steht. Daselbst fielen in Folge der Erschütterung die Stubenvögel von den Sprossen herab und die Zimmerdecke soll einen Sprung erhalten haben (Schulleiter J. Pintar). 5 h 55 m in Ob er- Tuch ein (Gor. Tuhinj) durch 3 S ein leich- tes Vibriren SW — NE mit dumpfem Dröhnen, kein Klirren der Fenster, keine sonstige Wirkung (Schulleiter F. Malensek). 102 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 20. Februar, Bezirk Gurkfeld. 6 h 15 m in St. Margarethen (Smarjeta) bei Weisskirchen ein verticaler Stoss, welcher uns aus dem Schlafe weckte. Klirren der Fenster (Oberlehrer W. Gebauer). 20. Februar, Bezirk Gottschee. -h-gm (g- enaue Bahnzeit) in Schalkendorf bei Gott- schee ein Beben bemerkt vom Kohlenwerksdirector in einem Zimmer des ersten Stockwerkes im Bette ruhend. Aber auch die Arbeiter, welche eben zur Schicht auf den Bau ausfuhren, spürten und sahen die Erschütterung, und zwar alle. Es war ein Schlag von unten, genaue Richtung NNW — SSE, er währte 4 — 5 S . Ein heulendes donnerndes Geräusch ging voran. Das Rasseln während des Stosses war stark. Bilder in schwin- gender Bewegung. Angst unter den Leuten. Pferde zitterten. Der grosse Haushund (Dogge) winselt hinterdrein noch die längste Zeit. Schutthalden sollen in dieser Zeit sich gesenkt haben. Merkwürdigerweise ist dieses Beben in der 1 km ent- fernten Stadt Gottschee von Niemandem gespürt worden (Prof. H. Satter nach Angaben des Kohlenwerksdirectors A. Kom- posch). Folgende Stationen lieferten zum 20. Februar negative Nachrichten: Kronau, Lengenfeld, Neumarktl, Stein, Möttnig, Littai, Gurkfeld, Nassenfuss, St. Barthelmä, Rudolfswert, Gross- Gaber, Watsch, St. Marein-Sap, Ambrus, Senosetsch. Das Epicentrum sowie die westliche Hälfte der Schütter- fläche des zerstörenden Bebens von Cividale, welches in Görz am 20. Februar 5 h 57 m Telegraphenzeit beobachtet wurde, liegt in Italien. Es obliegt uns nun die Wirkungen und die Ausbrei- tung der Erscheinung in Görz-Gradisca und Krain, also in der östlichen Hälfte der Schütterfläche, übersichtlich darzustellen. Eine kurze Schilderung des Schauplalzes der heftigsten Äusserung der unterirdischen Kraft möge vorausgesendet werden. Cividale liegt am Nordostrande der diluvialen und alluvialen Ebene des italienischen Friauls am Nadisone- Flusse, dort, wo derselbe aus den Flyschhügeln der Mte. Maggiore- Gruppe der Julischen Alpen in die Ebene tritt. Gemäss einer telegraphischen Depesche der in Triest erscheinenden Zeitung E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 103 »Piccolo« wurden durch das Hauptbeben (angeblich 5 h 47'") in der kleinen Stadt Cividale fast alle Häuser beschädigt (20.000 Lire Schaden); viele Rauchfange sind gefallen; die Kirchen mussten gesperrt werden. Ein zweiter Stoss erfolgte um 6 h 45 m , ein dritter um 12 h 34 m ; beide waren schwach. In Udine wird als Zeit der Haupterschütterung 5 h 57 m angegeben, sie bewirkte ein starkes Schwanken der Häuser, aber keinen Schaden. Ein zweiter Stoss wurde daselbst um Q 1 / 2 h nur vom Seismographen verzeichnet. Einige behaupten, heisst es weiter in der ange- zogenen Quelle, dass circa 2 h ein Stoss vorausgegangen sei. Dieser Vorläufer der Hauptstörung wurde auch im Görzer Gebiete, ja sogar noch in Peuc bei Idria in Krain beobachtet. Die Meldungen über andere leichte Vorbeben h , 3 h , 4 h , 5 h findet man in unserer Chronik angeführt. Für die Eintrittzeit der Haupterschütterung ist die Angabe von Görz als die zuver- lässigste anzunehmen, welche mit jener von Udine überein- stimmt, demgemäss 5 h 57 m . Hiezu passen die Meldungen von Laibach: 5 h 58 m und Gottschee: 5 h 59 m , wenn man sich mit einer angenäherten Zeitbestimmung begnügt. Unter allen unseren Stationen, welche einen Bericht ein- gesendet haben, liegt auf österreichischem Gebiet dem Epi- centrum am nächsten die Ortschaft Dolegna, nämlich nur 8 km südöstlich von Cividale. Der von dort eingelangte Bericht be- merkt ausdrücklich, dass das Beben keine die Gebäude schä- digenden Wirkungen zurückgelassen habe. Dagegen hatte die Erschütterung Energie genug, um im Isonzo-Thale, im öster- reichischen FriauL im grössten Theile des Wippach- und Idria- Thales allgemein bemerkt zu werden und Schlafende zu wecken. Diese Gebiete bilden eine breite Zone, welche die stärkst er- schütterte Fläche der Umgebung von Cividale in einem Bogen umfasst. Am weitesten scheint dieselbe von dem Bebenherde in östlicher Richtung auszugreifen, reicht daselbst etwa bis Kirchheim und Idria. Die nächste Zone umfasst ein Gebiet, in welchem das Beben noch allerorts, wenn nicht allgemein, so doch von mehreren Personen wahrgenommen wurde (Flitsch, Wocheiner Feistritz, Kropp, Bischoflack, Loitsch, oberes Wip- pachthal). Jenseits dieser Zone wurde das Beben in noch schwächerem Grade und nur mehr in einigen Orten beobachtet. 104 Mitthe.ilungen der Erdbeben-Commission. Es entsteht so ein äusserster Gürtel, welchem das obere Save- Thal, ferner das Laibacher Becken, sowie die Südhälfte des Loitscher und Adelsberger Bezirkes angehören. Eine unerwar- tete Erweiterung erfährt diese Zone durch einige anscheinend ganz isolirt und zumTheil in Folge eigenartiger Bodenbeschaf- fenheit auffallend heftig erschütterte Orte. So vor allen Schal- kendorf bei Gottschee am Rande einer tertiären Kohlenmulde, ferner St. Margarethen bei Weisskirchen, am Saume der terti- ären Bucht von Landstrass, schliesslich Obertuchein in dem von Brüchen durchsetzten Hügelland auf der Südseite der Steineralpen. Am 5. Februar war eine seismische Störung von einer Stelle des Laibacher Beckens ausgegangen. In westlicher Rich- tung strahlte sie bis über Görz hinaus. Wenige Tage nachher, am 20. Februar, schritt eine Bebenbewegung von Cividale (welches von Laibach nicht viel weiter entfernt liegt als Görz) aus nach allen Richtungen der Windrose, also um bis Laibach zu gelangen den entgegengesetzten Weg in östlicher Richtung fort. Es erscheint naturgemäss, dass die diesmal von der Erre- gungsstelle mit grösserer Heftigkeit ausgehende Bewegung einen grösseren Umfang erreichte und bis über die genannten äussersten Punkte Gottschee, St. Margarethen, Tuchein sich fortzupflanzen vermochte. Mit dieser Proportionalität der Ener- gie am Epicentrum und der Ausbreitung derselben auf der Erd- oberfläche ist die Annahme vereinbar, dass die Herdtiefe in beiden Fällen keine wesentlich verschiedene war. 20. Februar 16 h 15 m MEZ in Laib ach ein sehr schwacher Stoss durch 7 3 s . 21. Februar 18 h 50'5 m MEZ ebendaselbst eine sehr schwa- che wellenförmige Bewegung durch l s (f.-b. Consistorialrath J. Smrekar). 23. Februar 2 h in Möttnig (Motnik) im ersten Stockwerke im Bette liegend, wach, eine wellenförmige Bewegung mit fol- gendem dumpfen Getöse. Nur vom Berichterstatter beobachtet (Besitzer K. Kriznik). 24. Februar von l h bis 6 h in Peuc habe ich mehrere kurze, sehr schwache Vibrationen im Bette ruhend beobachtet (k. k. Förster K. Seh ebenig). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre L898. 105 24. Februar circa 23 h 20 m in Mötnig von einigen Personen bemerkt zwei wellenförmige Stösse aus SYV. klirrende Fenster, Erschütterung der Möbel, voran ein starkes dumpfes Getöse (Besitzer K. Kriznik). 25. Februar von 20 h bis Mitternacht in Peuc im Bette ruhend kurze schwache Vibrationen bemerkt (k. k. Förster K. Seh eben ig). 25. Februar circa 22 h in Hinnach (Hinje), Bezirk Rudolfs- wert, ein schwacher wellenförmiger Stoss N — S, Klirren des Glasgeschirres auf dem Kasten (Schulleiter P. Borstnik). 25. Februar circa 23 h 28 m in Ratschach (Radeee), Bezirk Gurkfeld, von Einzelnen ein Stoss mif dumpfem Getöse bemerkt. In einem Hause Klirren der Gläser im Kasten (Pfarrer J. Za- gorjan). 26. Februar 4 h 20 m in Peuc eine ziemlich starke Vibration durch 18 s , 4 11 40 m desgleichen durch 12% 13 h 45 m ebenda- selbst eine Erschütterung von kurzer Dauer. Von mehreren Bewohnern der Umgebung beobachtet. Zittern der Gebäude (k. k. Förster K. Seh eben ig). 27. Februar 15 h 52 m in Laibach eine Erschütterung. Un- sichere Beobachtung (f.-b. Consistorialrath J. Smrekar). 28. Februar 4 h bis 6 h in Peuc, im Bette ruhend, zwei schwache Vibrationen, 8 — 10 s dauernd beobachtet (k. k. Förster K. Scheb enig). III. März 1898. 1. März 2 h 30 m in Hermsburg (Bezirk Adelsberg) ein gleichmässiges Zittern, laut Angabe des oben erwähnten Forst- aufsehers »solange man auf 5 zählt,« ich selbst spürte aus dem Schlafe erwachend nur das Ende. Nicht sehr starkes Klirren der Fensterscheiben (Oberförster J. Nowak). 2. März 3V 2 h in Peuc schwache Vibration durch 12 s . 2. März 5 h ebendaselbst desgleichen durch 19 s . 2. März 22 h ebendaselbst eine ziemlich starke Erschüt- terung. 4. März von 22 h bis 5 März 5 h habe ich ebendaselbst mehrere schwache kurze Vibrationen beobachtet (k. k. Förster K. Schebe nig). 106 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 4. März 13 h 40 m in Laibach eine Erschütterung. Un- sicher e Beobachtung (f. -bisch. Consistorialrath J. Smrekar). 5. März 2 h 15 m in St. Margarethen bei Weisskirchen (Bezirk Gurkfeld) von Einzelnen verspürt (vom Berichterstatter ebenerdig im Bette) eine wellenförmige Erschütterung durch einige Secunden, zugleich mit einem sturmähnlichen Rauschen (Oberlehrer W. Gebauer). 6. März l h 30 m in Peuc und 6 h ebendaselbst vier kurze schwache Vibrationen. 7. März h 20 m ebendaselbst zwei schwache Vibrationen durch je 15 s . 8. März 3 h ebendaselbst eine Vibration durch circa 16 s . 8. März 4 h 30 m ebendaselbst desgleichen durch circa24 s . 8. März 6 h 28 m ebendaselbst zwei nach einander fol- gende Vibrationen von je circa 14 s . Alle diese Beobachtungen im Bette ruhend gemacht (k. k. Förster K. Schebenig). 9. März 3 h 30 h in Obertuchein (Gorenji Tuhinj), Bezirk Stein, von einigen zur Zeit wachenden Personen ebenerdig ein kurzer Stoss S — W, zugleich mit fernem gelinden Getöse beob- achtet (Schulleiter F. Malensek). 9. März 21 h in Möttnig blos von mir und meinem Nach- bar im ersten Stockwerke am Tische sitzend etwa zehn Er- schütterungen SW — NE durch eine Minute zugleich mit gelin- dem tiefen Getöse beobachtet. Schwingen der Gewichte einer Pendeluhr (Besitzer K. Kriznik). 10. März 16 h 15 m in Laib ach schwächste Erschütterung von 7 2 s Dauer. Unsichere Beobachtung (f. -bisch. Consistorial- rath J. Smrekar). 11. März 3 h in Hermsburg eine Erschütterung durch 4 bis 5 S von drei Personen gespürt, die übrigen erwachten nicht. Man hatte das deutliche Gefühl als ob das Bett wagrecht hin und her bewegt würde, gleichzeitig ein anwachsendes, hierauf abnehmendes, nicht heftiges dumpfes Rollen. Leichtes Rollen noch nach der Bewegung vernehmbar (k. k. Oberförster J. Nowak). 11. März 15 h 45 m in Krainburg (Kranj) beobachtete ich einen schwachen Erdstoss E — W circa 2 S zugleich mit unter- irdischem Rollen. Auch eine andere Frau, die in einem anderen E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1S98. 107 Hause wohnt, nahm das Gleiche wahr (Schulleiterin Fanny Jugovic). 15. März 9 h 55 m Ob er- Tuch ein von Einzelnen bemerkt, sechs Stösse im Zeitraum von fünf Minuten, mit Intervallen von je einer Minute jedesmal ein leichtes Schaukeln durch je circa 3 S in nicht bestimmbarer Richtung, zugleich gelindes Getöse. Die Schulkinder erschraken (Schulleiter F. Male nsek). 23. März circa 20V 2 h Beben im Bezirke Gottschee gemäss folgenden Meldungen: 20 h 36 m in Gottschee ein Sausen, darauf ein Stoss an- geblich S — N oder umgekehrt. Ich selbst spürte den Stoss als ob er nach unten ginge. Fenster klirren, Thüren krachen, star- kes Gepolter im Hause, donnerndes Getöse mitten in der Bewe- gung, die etwa 2 — 3 S dauerte (Prof. H. Satter). 20 h 29 m (Bahnzeit) in Schalkendorf bei Gottschee ein Knall, dann ein Donnern, hierauf ein 2 S dauernder Stoss durch V 2 S von E — W wellenförmig gehend, vernommen von allen Be- wohnern des Hauses, welches auf tertiären Kohlenschiefer steht. In der Stadt Gottschee von den meisten Bewohnern verspürt (Bergwerksverwalter A. W. Komposch). 20 h 35 m in Lienfeld ein anscheinend verticaler Erd- stoss, verbunden mit donnerähnlichem Getöse (Oberlehrer J. Windisch). 20 h 38 m in Stalzern mehrere wellenförmige Erdstösse N — S, 2 S . Klirren der Fenster (Schulleiter F. Högler). 20 h 40 m in Rieg eine ganz geringe Erschütterung S — N (Schulleiter J. Ostermann). 20y 2 h in Gross-Laschitz (Velike Lasce) von Einzelnen eine leichte kaum wahrnehmbare Erschütterung beobachtet (Oberlehrer K. Simon). 20 1 / 2 h in Tabor bei Travnik ein unbedeutendes Getöse von einzelnen Personen verspürt (Oberlehrer J. Sedlar). Folgende Stationen beantworteten die Fragekarte zum 20. März negativ: St. Canzian bei Auersperg, Gutenfeld, Pölland bei Ortenegg, Soderschitz, Reifnitz, Dolenja vas. bei Reifnitz. Ebenthal, Altlag, Nesselthal, Unter-Deutschau, Banjaloka, Fara bei Kostel, Vinica, Osilnica, Morobitz, Masern. 108 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Es handelt sich also um ein locales Beben, welches in Gottschee Thüren und Fenster vernehmlich erschütterte und von den meisten Bewohnern der Stadt verspürt wurde und ähnlich in Lienfeld und Stalzern aufgetreten zu sein scheint. Bereits in Rieg, 8kwi SW von Gottschee, wurde es nur als geringe Erschütterung bemerkt. Die Zone ganz schwacher Wahrneh- mung mit vorwiegend negativen Berichten scheint auch in die- sem Falle eine ziemliche Breite erlangt zu haben, da noch in Gross-Laschitsch, 28km. NW von Gottschee, eine »kaum wahr- nehmbare Erschütterung« beobachtet werden konnte. In Trav- nik, 22 km. WN W von Ciottschee, vernahmen einzelne Personen ein unbedeutendes Getöse, aber keine Bodenbewegung. 25. März 23 h 45 m inPeuc schwaches Beben 2 S , ohne Getöse. 26. März 22 h in Peuc Vibration, etwa 10 s . 27. März 4 h 20 m in Peuc schwache Vibrationen, etwa 8 bis 1 1 8 dauernd. 4 h 30 m in Peuc schwache Vibrationen, etwa 8 bis ll s dauernd. <)'' 30 m in Peuc schwache Vibrationen, etwa 8 bis ll s dauernd. 28. März h 30 1 ' 1 in Peuc schwache Vibrationen, etwa 10 s dauernd. 29. März l h 45 m in Peuc schwache Vibrationen, etwa 15 s dauernd. 29. März 7 h in Peuc schwache Vibrationen, etwa 12 s dauernd. 30. März l h 15™ in Peuc schwache Vibrationen, etwa 15 s dauernd. 30. März l h 35'" in Peuc schwache Vibrationen, etwa 12 s dauernd. 30. März 2 h 10 m in Peuc schwache Vibrationen, nur kurz und schwach. 30. März 4 h 20™ in Peuc schwache Vibrationen, etwa 20 s dauernd. 30. März 4 h 35 m in Peuc zwei schwache Stösse nach- einander. 30. März 21 h 30 m in Peuc Vibration, lang und stark dauernd. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 109 Diese Vibrationen wurden im Bette ruhend beobachtet und sofort notirt. In Folge der fortwährenden schwachen Vibra- tionen zweifelte ich an der Thatsächlichkeit derselben. In Er- manglung eines Instrumentes stellte ich neben dem Bette einen grossen Compass sowie mehrere spiralige Drähte auf. Beim Erscheinen der Vibrationen wird nun wirklich der Compass unruhig und die Drähte werden in leichte zitternde Bewegung versetzt (k. k. Förster K. Seh eben ig). IV. April 1898. 1. April, o h in Peuc starke Vibrationen durch etwa 18 s . 2. April, 3 h 15 m in Peuc schwache Vibration. 2. April, 5 h 50 m in Peuc schwache Vibration. 4. April, 4 h 15 m in Peuc schwache Vibration durch etwa 14— 18 s . 4. April, 5 h 30 m in Peuc. 7. April, 3 h 45 m in Peuc zwei schwache einanderfolgende Stösse von je 1 / 4 S . Bemerkung zu den Beobachtungen vom 27. März bis April bereits oben angeführt (k. k. Förster K. Schebenig). 1 1. April, 3 h 40 m in Peuc ziemlich starke Vibration. 1 1. April, 3 h 45 m in Peuc ziemlich starke Vibration. 12. April, 3 h 10 m in Peuc ziemlich starke Vibration, im Bette ruhend beobachtet (k. k. Förster K Schebenig). 12. April, 19 h 30 m und 20 h 1.8 m aus der Provinz Udine ausgestrahlte Beben gemäss folgenden Meldungen: 19 h 30 m in Schalkendorf bei Gottschee eine ganz leichte Erschütterung in einem Hause bemerkt (Kohlenwerksverwalter A. Komposch). Anscheinend die local verstärkte Ausstrahlung einesBebens, welches aus dem Görzer Gebiet (vgl. Chronik desselben) von Görz und Pecine gemeldet wird. Eine analoge Verstärkung fand am 20. Februar 5 1 ' 59 m statt (siehe oben die Daten zu die- sem Tage). 12. April inSturje bei Haidenschaft von Mehreren ge- spürt eine Erschütterung. Die Zimmerthüre zitterte durch 6 S (Besitzer J. Budihna). 110 Mittbeilungen der Erdbeben-Commission. 12. April, 20y 4 h in Senosetsch (Senozece) nach Angabe anderer Personen ein wellenförmiger Stoss. Voran ein dumpfes Getöse. Erschütterung der Möbel (Oberlehrer L. Abram). 12. April, 2072 h in Ober-Idria ein Beben (Gewerkschul- director A. Novak). 12. April, girca 21 ft in Kropp ein von Einigen bemerktes Beben. Richtung angeblich SW — NE. Gelindes unterirdisches Getöse (Oberlehrer J. Korosec). 12. April, 20 h 18 m in Schalkendorf bei Gottschee, bemerkt von allen Personen des Hauses und auch im Nachbarhause ein langsames Schaukeln S — N, beurtheilt durch die Beobachtung einer Hängelampe durch 2 S , leises Krachen der Thüre und Klirren der Gläser, nachfolgend ein leises Rauschen (Bergwerks- verwalter A. Komposch). Zu den Beben vom 12. April lieferten negative Nachrichten folgende Stationen Krains : Idria, Peuc, Laibach, Reifnitz, Stein, und Kirchheim im Görzer Gebiet. Die vorstehenden vier positiven Meldungen beziehen sich auf das Beben, welches am 12. April 20 !l 18 m , von einer Erre- gungsstelle im Gebiete von Cividale in Italien ausgehend, fast das ganze Gebiet von Görz-Gradisca (siehe Chronik desselben) körperlich wahrnehmbar erschütterte und von dort auch in die angrenzenden Theile Krains ausstrahlte. Idria, Sturje und Senosetsch hängen mit der Görzer Schütterarea ohne Zweifel in Continuität zusammen. Kropp und Gottschee erscheinen jedoch isolirt erschüttert in gleicher Weise wie Gottschee an demselben Tage, nur eine Stunde vorher (19V 2 h ) und früher schon am 20. Februar. Beide Orte liegen nämlich diesmal in jener äussersten Zone der Schütterfläche, in welcher die seis- mische Energie bereits dem Erlöschen nahe, körperlich nicht mehr wahrnehmbar sich fortpflanzt. Wenn sie aber hiebei über besonders nachgiebige Stellen schreitet, etwa wenig consoli- dirte junge Ablagerungen oder von Brüchen durchsetzte Ge- steinsmassen, so kann die in solidem Felsboden völlig gedämpft fortschreitende Bebenbewegung wieder körperlich fühlbare Wirkungen hervorrufen. In der That liegt Kropp nahe dem Ab- bruch des Jelovca-Plateaus, und Schalkendorf in einer tertiären Kohlenmulde. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 1 1 1 13. April, lß h in St. Martin bei Stein von mir und ande- ren Personen im Freien beobachtet ein dumpfes Dröhnen (Schulleiter F. Zore). 13. April, 17 h in Tuch ein fernes dumpfes Getöse (Schul- leiter F. Malensek). 15. April, 5 h 50 m in Peuc schwacheVibration (k.k. Förster K. Seh ebenig). IG. April, 5 h 26 m in Laib ach kurzer, schwacher, senk- rechter Doppslstoss. Unsichere Beobachtung (f.-bisch. Con- sistorialrath J. Smrekar). 16. April, 20 1 / 2 h in Slavina bei Adelsberg nach Angabe Einiger ein leichtes Beben mit unterirdischem Getöse (Zeit- schrift »Slovenec«). Vorbeben des 17. April. 17. April, 19 h 52 m in Soder schitz (Sodrazica) nur von einzelnen ruhig sitzenden Personen wahrgenommen ein schwa- ches Vibriren durch einige Secunden in der Richtung E — W, diese beurtheilt nach dem schwachen Knarren der Thür und Klirren der Fenster. Auch Erschütterung der Kästen und Klei- derstöcke. 17. April, nach 22 h ebendaselbst desgleichen (Lehrer M. Verbic). 17. April, 19 x /o h in Seisenberg nach Angabe einiger Per- sonen ein leichter Stoss (Oberlehrer F. Koncilija). 17. April, 21 h 6 m in Krainburg vermeine ich einen Erd- stoss verspürt zu haben (Schulleiterin F. Jugovic). 17. April, circa 22 h in Laib ach leichte Erschütterung. Ich hatte das Licht bereits ausgelöscht, da vernahm ich wie ein Glas, welches neben der Flasche stand, klirrend an dieselbe anschlug. Ich machte Licht. Das Klirren wiederholte sich noch- mals, dennoch löschte ich das Licht aus und schlief ein (Be- zirksschulinspector Prof. F. Levec). 17. April, 227 2 h in Hin je bei Seisenberg ein von Einigen bemerkter leiser, kurz andauernder Seitenstoss N — S, Klirren der Gläser (Schulleiter P. Borstnik). 17. April, circa 23 l1 in Laibach ein ganz leichter Erdstoss (Spediteur M. Perles). 112 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 17. April, zwischen 22 h 30 m und 23 h 50 in Bischoflack vernahm ich im Bette wachend 3 — 4 sehr leichte, zitternde Erd- stösse (Oberlehrer F. Papa). 17. April, 23 h in Moräutsch nach Angabe einiger Perso- nen eine leichte Erschütterung (Oberlehrer J. Tom an). 17. April, vor dem Hauptstosse in Möttnig ein leichter Stoss (Besitzer K. Kriznik). Hauptbeben des 17. April. Am 17. April, 23 h 50 m erfolgte ein Erdbeben, welches, vom Laibacher Becken ausgehend, fast ganz Krain und seine nächste Nachbarschaft in N, E und W körperlich wahrnehmbar erschüt- terte. Hier folgen die Berichte hierüber, geordnet nach den Verwaltungsbezirken. 17. April, Bezirk Radmannsdorf. Vor 24 h in Kronau (Kranjska gora) von Einigen ein Erd- beben bemerkt (Oberlehrer J. Bregar). 23 h 45 m in Sava ein Erdstoss S — N so stark, dass Einige aus dem Schlafe geweckt wurden. Klirren des Geschirres in den Kästen, Knarren der Thüren (Oberlehrer J. Ale die). 23 1 / 2 h in Veldes (Bled) ein kurzer ( 1 / 2 S ), ziemlich starker Stoss mit sturmähnlichem Brausen (Oberlehrer F. Rus). 23 h 47 m in Görjach (Gorje) bei Veldes ein Erdstoss N— S, 2— 3 S (Oberlehrer J. Zirovnik). — 23 3 / 4 h ebendaselbst ein ziemlich starkes Beben, welches so Manchen aus dem Schlafe geweckt hat. NW — SE, 3 — 5 S . Begleitend unterirdisches Getöse, Klirren der Fenster (Zeitschrift »Slovenec«). 23 h 35 m in Woch ein er- Fe istritz (Bohinjska Bistrica) zwei ziemlich starke Stösse SW — NE, durch 4 S von Rollen begleitet (k. k. Postmeister AI. Bevc). Vor 24 h in Vigaun (Begunje) von Einigen bemerkt eine Schwankung durch l s . Klirren der Fenster (Oberlehrer V. Zaverl). Einige Alinuten vor 24 h in Kropp (Kropa) wurden Viele aus dem Schlafe geweckt durch ein Dröhnen, hierauf erfolgte E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 1 13 eine schaukelnde Bewegung, Klirren der Fenster und Gläser, Erschütterung der Betten. In den Betten konnte man gut wahr- nehmen das Anwachsen und Anschwellen der Welle. Dauer 4\ Richtung NW— SE (Oberlehrer J. Koros ec). 17. April, Bezirk Krainburg. Vor 24 h in Neumarktl (Trzic) Erdstoss E— W, Klirren der Fenster, Knarren der Thüren (Lehrer J. Okorn). 23 h 55 m in Kovor allgemein bemerkt, indem die Leute aus dem Schlafe geweckt wurden, ein Seitenruck E — W durch 2 — 3 S mit folgendem Getöse. Klirren der Fenster (Schulleiter M. Debelak). Einige Minuten vor 24 h in Gorice von Vielen bemerkt zwei schwache schaukelnde, hierauf ein starker, alsdann wieder zwei schwache, an Intensität abnehmende Stösse aus S, voran ein leichtes Getöse. Klirren der Fenster, Schwanken der Wand- bilder (Schulleiterin Ther. Kovacic). Vor 24 h in Zarz (Sorica) von Vielen bemerkt drei Stösse durch 3 — 5 S und unterirdisches dumpfes Getöse. Hie und da Klirren der Fenster (Schulleiter J. Armic). 231149m j n Fessnitz (Besnica) allgemein wahrgenommen, indem aus dem Schlafe geweckt, ein langsames Zittern aus N durch 30 s vorher, gleichzeitig und kurz hernach ein Getöse. Erschütterung der Fenster und Möbel. Hie und da in den Mauern ein leichter Riss. Einige Ortsbewohner machten Licht, die Meisten verblieben ruhig (Schulleiter J. Baraga). 23 h 52 m in Krainburg (Kranj) allgemein wahrgenommen ein Stoss, der mich (IL Stockwerk) aus dem Schlafe weckte. Ein kurzer Schlag von der Seite, Richtung E — W, Dauer 4 S , vorher und hernach ein Getöse. Erschütterung der Fenster und Möbel (Schulleiterin Fr. Jugovic). — 23 h 39 m ebendaselbst ein starkes Beben; innerhalb 10 s unterschied ich zwei namhafte Stösse. Namhafter Lärm (Gymnasialdirector J. Hub ad). • Ein kurzes leichtes Beben, nur von Wenigen bemerkt (Zeit- schrift »Slovenec«). 23 h 55 m in St. Martin bei Krainburg ein wellenförmiger Erdstoss, welcher Alle aus dem Schlafe weckte. Ziemlich star- kes Klirren der Fenster (Oberlehrer M. Bregant). Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl; CVJII. Bd., Abth. I. 8 114 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 23 h 50 m in Bischoflack (Skofja loka) ein allgemein wahr- genommenes Beben. Es war ein wellenförmiger Stoss durch 2 — 3 S , N — S, gleichzeitig ein dumpfes Getöse. Die Stubenvögel und der Hund in meiner Wohnung im Erdgeschosse blieben ruhig. In höheren Gebäudetheilen wurde das Beben stärker gespürt (Oberlehrer F. Papa). 23 h 50 m inFlödnigg (Smlednik) allgemein wahrgenommen ein Stoss E — W durch 2 — 3 S mit dumpfem Getöse, welches den Berichterstatter aus dem Schlafe weckte. Krachen der Mauern, Schrecken unter der Bevölkerung (Pfarrer J. Karl in). 17. April, Bezirk Stein. 23 h 45 m in Komenda allgemein bemerkt eine wellenför- mige Erschütterung SW — NE durch l s , voran ein Donnern durch l7 2 s (Oberlehrer J. Mesner). Starkes wellenförmiges Beben mit donnerartigem Getöse. Die Leute zum grösstenTheile aus dem Schlafe geweckt (Zeitschrift »Slovenec«). 23 h 56 m in Theinitz (Tunjice) allgemein wahrgenommen ein Beben, das die Leute vom Schlafe weckte. Zwei einander folgende Stösse SE — NW durch 3 S , voran ein unterirdisches dumpfes Getöse. In einem Hause ist etwas Tünche von der Zimmerdecke herabgefallen, anderwärts erhielt die Tünche blos Sprünge (Schulleiter J. Pintar). 23 h 52 m in Stein (Kamnik) ein allgemein wahrgenommenes Beben. Ich wurde durch das vorangehende dumpfe Getöse aus dem Schlafe geweckt. Drei einander folgende Stösse mit wellen- förmigem raschen Schaukeln SW — NE (nach dem Gefühle be- urtheilt). Dauer 2 — 3 S . Man hörte ein Rasseln wie von einem W 7 agen (P. O. S.F. Hieronymus Knoblehar). — Erschütterung der Thüren und Fenster (Zeitschrift »Slovenec«). 23 h 45 m in St. Martin bei Stein ein allgemein wahrgenom- menes Beben. Das vorangegangene dumpfe Getöse weckte mich aus dem Schlafe. Wach geworden, verspürte ich eine leichte wellenförmige Bewegung SW — NE durch 3 S . Erschüt- terung des Hauses, kein Knarren der Mauern. Das Getöse ver- lor sich nach der Erschütterung (Schulleiter F. Zore). 23'' 4.")'" in Ober-Tuchein (Gorenji Tuhinj) allgemein wahrgenommen eine Erschütterung SW — NE durch 5 S , zugleich E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 189S. 115 mit starkem Getöse. Klirren der Gläser und Fenster. Im Schul- zimmer erhielt die Mauer über dem Fenster einen Riss. Die Leute verliessen die Betten und machten Licht (Schulleiter F. Malen sek). — Dumpfes Getöse, leichtes Vibriren durch 15 s , Klirren der Fenster, sonst nichts (Zeitschrift »Slovenec«). 23" 55 m in Möttnig (Motnik) fast allgemein aus dem Schlafe geweckt durch zwei Stösse von unten und eine wellen- förmige Bewegung; voran, gleichzeitig und hernach ein dum- pfes Getöse. Vom Kozjak, also vom W her, vernahm man noch lange nach dem Beben ein Rauschen (Rauschen der Wälder? Bemerkung des Referenten). Die seit dem letzten Beben ver- putzt gewesenen Mauersprünge klafften wieder. Die Leute er- schraken. Das Wasser des Möttnig-Baches rauschte wie bei jedem grösseren Erdbeben. Die Leute, welche N von Möttnig auf Felsboden angesiedelt sind, geben an, dass die zwei Erd- stösse fast so stark waren wie zu Ostern (14. April) 1895 (Be- sitzer K. Kriznik). Circa 23 h 41 m in Egg (Brdo) allgemein wahrgenommen ein Seitenstoss, hierauf zitternde Bewegung SE — NW durch 3 — 4 8 . Gleichzeitig ein schwaches Getöse und ein Rasseln wie von einem schwerbeladenen vorüberfahrenden Wagen. Erschütte- rung der Möbel, Krachen der Mauern und des Gebälkes. Eini- ger Schrecken unter der Bevölkerung (Pfarrer J. Bizjan). 23 ü 50 m in Moräutsch (Moravce) ein allgemein wahrge- nommenes Beben. Ich wurde dadurch aus dem Schlafe ge- weckt. Es war eine wellenförmige Bewegung NW — SE, beur- theilt nach der Bewegung des Bettes und der Herkunft des Ge- töses. Letzteres ging der Erschütterung voran. Erschütterung der Möbel (Oberlehrer J. Tom an). Einige Minuten vor 24 h in Goricica zwei Stösse. Der Erd- boden schien sich unter den Füssen zu heben. Die Leute stan- den auf, verschiedene Gegenstände fielen von den Wänden (Zeitschrift »Slovenec«). 23 h 47 m in Domzale ein Donnern und Zittern durch 4 S (Oberlehrer F. Pfeifer). 23 h 57 m in Mannsburg (Menges) fast allgemein gespürt ein Stoss von unten und gleich darauf zwei Erschütterungen anscheinend aus SW, voran und gleichzeitig ein dumpfes 8* 116 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Getöse. Krachen der Mauern und des Gebälkes. Von einigen Dächern fielen Ziegel herab. Gläser fielen von den Gestellen herab, desgleichen eine Porcellanfigur. Die Leute wurden all- gemein wach und erschraken. Keine Beschädigung der Mauern (Oberlehrer L. Letnar). 23 h 45 m in Aich (Dob) fast allgemein aus dem Schlafe ge- weckt durch eine rüttelnd schaukelnde Bewegung aus NE durch 3 S , in der Mitte am heftigsten. Voran durch ebenfalls 3 S ein nicht sehr dumpfes Getöse, welches erschien gleichwie wenn grosse Stücke der Schneelage vom Dache nacheinander abrutschen würden. Eigenthümlich war es, dass das Rütteln in gleichen Intervallen vor sich ging wie das vorangehende Getöse, welches zu Beginn der Erschütterung aufhörte. Erschütterung der Fen- ster und Möbel, Krachen der Mauern. Jemand, der sich im Freien befand, gibt an, wahrgenommen zu haben, dass es im Erdboden unmittelbar vor dem Getöse krachte (Oberlehrer M. Janezic). 23 h 50 m in Jauchen (Ihan) zwei starke Stösse SW — NE, der erste l s , der zweite 2 S . Die Bevölkerung, aus dem Schlafe geweckt, machte Licht und war sehr erschreckt (Schulleiter V. Sadar). 23 h 49 m in Tersain (Trzin) allgemein wahrgenommen ein Seitenstoss aus SW durch 2 S , vorangehend ein Getöse. Erschütterung der Möbel. Fenster und Gläser klirrten un- bedeutend. Einige Leute verliessen die Betten (Schulleiter L. Blejec). 23 h 45 m in Lustthal (Dol) ziemlich starkes Beben 14 s , Erschütterung der Fenster und Thüren (Zeitschrift »Slovenec«). 23 h 55 m in Woditz (Vodice) allgemein bemerkt, vom Be- richterstatter ebenerdig, lesend im Bette, ein einziger Stoss, sicherlich der stärkste seit 14. April 1895. Er kam anscheinend aus NE, doch ist die Bestimmung unsicher. Gleichzeitig ein Getöse und Krachen in den Mauern und im Gebälke durch 5 — 7*. In mehreren Zimmern fielen der Bewurf und die Tünche, alte nicht verputzte Sprünge in den Mauern erweiterten sich. Man machte Licht, betete und weinte, unbeschreiblicher Schrecken. Die Hunde begannen zu bellen, die Rinder spran- gen erschreckt vom Lager auf. Ein leichtes Vibriren wurde von E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 1 I t vielen Personen schon in den vorangegangenen Tagen nach dem Eintreten des Regenwetters bemerkt (Pfarrer S. Zuzek). 17. April, Bezirk L i 1 1 a i. Einige Minuten vor 24 h in Kolovrat ein Getöse, alsdann drei Stösse in der Richtung E — W und schliesslich starke Er- schütterung aller Gegenstände (Schulleiter J. Janezic). 23 h 54 m (Bahnuhr, M.E.Z.) im Bahnhof Littai (Ortschaft Grazdorf, linkes Saveufer) allgemeines Erwachen in Folge eines starken Erdstosses anscheinend aus N mit nachfolgendem leichteren Stoss und geringem Schaukeln durch l s , voran und während der Erschütterung etwa 1 s ein Donnern. Klirren der Gläser. Meine zwei Hunde sind vom Polster in die Mitte des Zimmers gesprungen und waren sehr unruhig (Stationschef J. Jenko). 23 h 47 m (Uhr verglichen) in Littai (rechtes Saveufer) ein Stoss N — S, welcher Viele aus dem Schlafe weckte. Die Bewe- gung war eine zitternde durch 3 S , voran ein dumpfes Dröhnen. Vom Berichterstatter wurde das Beben bemerkt, während er sich ebenerdig in grosser geräuschvoller Gesellschaft befand (Oberlehrer J. Verbic). 23 h 50 m in Stanga bei Littai weckte das starke Beben viele Leute aus dem Schlafe. Richtung NW — SE. Vorangehend und nachfolgend dumpfes Getöse (Zeitschrift »Slovenec«). 23 h 45 m in Heil. Kreuz bei Littai ein Beben. Die Thüren wurden gerüttelt, einige Ortsbewohner verliessen die Betten und machten Licht (Zeitschrift »Slovenec«). 23 h 51 m in Sagor (Teplitz), Kohlenwerk, wurden die Schla- fenden durch einen ziemlich heftigen Stoss geweckt (Ingenieur Seh üll er). 23 h 53 m in Ho titsch (Hotic) allgemein wahrgenommen zwei einanderfolgende Stösse. Die Bewegung war zuerst lang- sam, zuletzt stark, wirbelartig, Richtung aus N — VV, Dauer 7 S , voran ein Getöse. Klirren der Fenster, Bevölkerung erschreckt (Pfarrprovisor M. Absec). 23 h 45 m in Kressnitz (Kresnice) fast allgemein bemerkt, viele aus dem Schlafe geweckt durch zwei unmittelbar auf- einanderfolgende Stösse mit schaukelnder Bewegung, voran 1 18 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. ein Geräusch. Klirren der Fenster und Gläser, Krachen des Gebälkes, Erschütterung der Möbel, besonderes der Bettstätten (Schulleiter J. Wochinz). 23 3 /4 h in Zaljna ein Beben, welches von Vielen, und zwar Wachenden bemerkt wurde, aber Niemanden aus dem Schlafe weckte. Drei einander folgende Seitenstösse aus W, inzwischen ein Schaukeln (Zittern), Dauer 6 S , voran und gleichzeitig ein fernes Donnern. Erschütterung der Thüren und Fenster (Schul- leiter J. Svetina). Circa 23 h 50 m in Gross -Gab er (Veliki Gaber) fast all- gemein bemerkt zwei einander folgende Seitenstösse, angeblich aus NW, durch einige Secunden, voran ein Getöse. In den oberen Stockwerken Erschütterung beweglicher Gegenstände auf den Kästen, Klirren der Gläser. In den Dörfern standen die Leute aus den Betten auf (Oberlehrer J. Zajec). 23 h 55 m in St. Veit ein Beben durch 3 S W— E (Schulleiter J. Kremzar). 17. April, Bezirk Gurkfeld. 23 h 50 m in Ratschach (Radece) von Einzelnen bemerkt, eine leichte Erschütterung, SW — NE. Klirren der Fenster. Der Berichterstatter wurde durch das Beben nicht aus dem Schlafe geweckt (Pfarrer J. Zagorjan). Circa 24 h in Nassenfuss (Mokronog) nur von einer eben wachenden Person eine Erschütterung des Bettes und Klirren der Fenster bemerkt. Alle Anderen, bei denen ich mich erkundigte, gaben eine negative Antwort (Notariatscandidat J. Rohr mann). 23 h 50 ra in St. Barth elmä beobachtet von zwei im Bette wachenden Personen. Es waren zwei horizontale Vibrationen von je 4 — 5 S Dauer, getrennt durch eine Zwischenzeit von 10 ,n . Erschütterung des Bettes und der Thür. Auch eine Person im Dorfe Stranje beiVrhpolje in unserer Pfarre bemerkte das Beben, sonst Niemand (Mitgetheilt durch Oberlehrer F. Saje). 17. April, Bezirke Laib ach, Stadt und Umgebung. 23 h 50 m in Mariafeld (Devica Marija v Polju) ein wellen- förmiges Beben durch 5% angeblich W — E. Schlafende wurden durch dasselbe geweckt (Schulleiter F. Kavcic). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 119 23 h 50 m in Zeyer (Sora) allgemein wahrgenommen ein Seitenstoss aus SE (beurtheilt durch das Gefühl und durch die Beobachtung in Schwingen gerathener Gegenstände). Dem Stoss folgt ein gleichförmiges Schaukeln und Zittern SE — NW, Gesammtdauer 3 S . Vorangehend, gleichzeitig und noch nach dem Stosse ein Getöse. Erschütterung der Möbel (Schulleiter M. Potocnik). 23 h 50 in Preska allgemein beobachtet zwei Erdstösse, welche ich im Erdgeschosse stehend als vertical empfand. Nach dem ziemlich starken Getöse zu schliessen, war die Richtung SE — NW. In einem Hause erhielt die Zimmerdecke einen Sprung. In den Stallungen erhob sich das lagernde Vieh (Schulleiter A. Sonc). 231144m j n Cernuce ein starker Stoss, 2 S , mit kanonen- schussartigem Knall. Kein Schaden (Schulleiter J. Gregor in). 23 3 / 4 h in St. Veit ob Laibach allgemein wahrgenommen ein Schlag oder wellenförmiger Druck von unten nach aufwärts. Richtung SW — NE. Voran und gleichzeitig mit dem Stosse ein Getöse durch 3 S . Klirren der Gläser. In einigen Häusern lösten sich Theile des Mauerbewurfes ab. Starkes Bellen der Hunde (Lehrer A. Sitsch). 23 h 50 m in Jezica ein allgemein wahrgenommenes Beben, da es das stärkste nach Ostern 1895 war. Schlafende wurden durch dasselbe geweckt. Zwei Stosse von unten rasch nach- einander, der zweite stärker, beide während der Erschütterung, welche wellenförmig war. Richtung SE— NW. Gleichzeitig ein Getöse, Dauer sicherlich 10 s . Die Erschütterung der Möbel und das Krachen des Gebälkes hörte man im Erdgeschosse, viel mehr noch in höheren Gebäudetheilen. Schrecken unter der Bevölkerung, Einige flüchteten aus den Häusern (Schulleiter A. Zibert). 23 h 50d=7 3 m M. E. Z. in Laibach starker Doppelstoss, 5 — 7 S dauernd, die anfänglichen 4 — 5 S ungleich heftiger, wellen- förmig. Ich wurde aus dem Schlafe geweckt, daher fühlte ich nicht den senkrechten Stoss. Auf freiem Felde wurde nach schussähnlichem Getöse zuerst ein senkrechter Stoss, dann wellenförmiges Schütteln wahrgenommen (fürstbisch. Consisto- rialrath J. Smrekar). 120 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Ein anderer Bericht aus Laibach meldet: »23 h 50 m ein sehr starker Erdstoss, Dauer 3 S , nach meinem Empfinden nicht vertical, sondern horizontal schwingend. Richtung S — N oder umgekehrt. Starkes Getöse. Pendeluhr, W — E schwingend, stehen geblieben. Vielfach Mörtelabfall. Eindruck — weil Nacht — zumeist sehr allarmirend. Grosser Theil der Bevölkerung aufgestanden, Manche begaben sich ins Freie. Dieser Stoss entschieden weit stärker wie jener am 5. Februar d. J., doch jedenfalls schwächer als am 15. Juli v. J. Ich war wach, las im Bette. Stoss kam rapid, ohne akustische Vorzeichen, wie sonst oft bemerkt. Gleichzeitiges schussähn- liches Dröhnen. Auch im Freien allseits bemerkt« (k. u. k. Lieu- tenant d. R. L. Suppantschitsch). Ein dritter Bericht besagt: »23 h 50 m (Bahnzeit) wurde ich durch ein starkes Beben und den dadurch verursachten Lärm aus dem Schlafe geweckt. Die Thüre wurde gerüttelt, die Möbel erschüttert, die Gläser auf dem Tische klirrten, in der ganzen Wohnung war ein grosses Gepolter. Von den Dächern flogen Bruchstücke von Dach- ziegeln, nicht aber ganze Dachziegel. In den Mauern wurden die verputzten Risse der früheren Erdbeben neuerdings sichtbar. Diesmal sind neue Sprünge nicht entstanden. Die Bevölkerung sehr erschreckt. Die meisten gingen nicht mehr zu Bett, sondern erwarteten angekleidet den Morgen. Die Wohnung verliess man jedoch nicht« (Bezirksschulinspector Prof. F. Levec). Ein vierter Bericht lautet im Auszuge: »23 h 49 m 20 s (nachher mit der Bahnuhr verglichene und corrigirte Zeit) wurde ich durch ein Beben aus dem Schlafe ge- weckt, welches von allen Bewohnern Laibachs wahrgenommen wurde. Es war eine wellenartige Bewegung mit einem Ruck. Nach den im Landesmuseum umgefallenen Gegenständen zu urtheilen, dürfte der Stoss die Richtung W T — E oder umgekehrt gehabt haben. Das Beben war mit einem Knall verbunden. Das neuerbaute k. k. Postgebäude hat kleine Sprünge erlitten, ähnlich dürften andere Häuser betroffen worden sein« (Museums- assistent F. Schulz). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 121 Ein fünfter Bericht vermeldet: 03h 4@m e j n allgemein wahrgenommenes Beben. Der erste Stoss war senkrecht, hierauf folgten wellenförmige Schwin- gungen SW — NE, Gesammtdauer 3 — 4 S . Unterirdischer Donner (Spediteur M. Perl es). Tageszeitungen entnehmen wir folgende Darstellungen: 23 h 50 m ein 5 S dauerndes, mit unterirdischem Geräusch verbundenes Erdbeben. Richtung S — N. Ausser Mörtelsprüngen an alten Mauerbruchstellen dürfte kein wesentlicher Schaden zu verzeichnen sein. Ein Theil der Bevölkerung ward stark erregt (»Grazer Tagespost«). Man schreibt aus Laibach: Die Bevölkerung unserer Stadt wurde heute wenige Minuten vor Mitternacht durch ein ausser- ordentlich starkes Erdbeben aus dem Schlafe aufgeschreckt. Der kurze, von SW nach NE verlaufende Stoss war von mäch- tigem unterirdischen Rollen begleitet. Zahlreiche Bewohner flüchteten ins Freie oder verbrachten die Nacht, zur Flucht bereit, in wachem Zustande. Ein weiterer Stoss ist indess bis 7 h Früh nicht nachgefolgt. Vom Gemäuer löste sich vielfach der Mörtel los;- ein grosser Schaden ist jedoch — soweit bis jetzt bekannt — nicht vorgekommen (»Grazer Tagespost«). 23h 4gm e ^ n ver ticaler Stoss durch 3 S ; der grösste Theil der Bevölkerung wachte erschreckt auf. Kein Schaden (Zeitschrift »Slovenec«). 23 3 / 4 h in Rudnik allgemein wahrgenommen zwei rasch aufeinanderfolgende Stösse von unten, der zweite stärker. Die Gewichte einer Pendeluhr schwangen E — W. Dauer des ersten Stosses l s , nach 2 S der zweite Stoss von 2 S Dauer. Nach letzterem hörte man ein unterirdisches, N — S fortschreitendes Getöse. Die Bevölkerung war sehr erschreckt (Schulleiter J. Petric). 23 h 50 m in Inner- Gorica (am Laibacher Moor) soll eine Kirchenglocke angeschlagen haben (fürstbisch. Consistorialrath J. Smrekar). 23 3 / 4 tl in Pres er ein starkes unterirdisches Getöse, in Folge dessen die Leute erwachten. Während desselben erfolgte durch 3 S ein starkes Schaukeln des Erdbodens, welches jedoch nicht durch heftige Stösse verursacht erschien. Richtung 122 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. desselben SE — NW. Sämmtliche Möbel geriethen in starke wiegende, nicht schüttelnde Bewegung (Oberlehrer A.Likozar) Circa 24 h in Brunndorf (Ig) ein 7 S dauerndes Beben SE — NW. Das Glöckchen am Haiisthor, ebenso ein zweites klingelten. In einigen Häusern Mörtelabfall. Kein Schaden, viel Schrecken (Cooperator Dr. J. Mauring). — Wellenförmiges Beben N— S durch 2 S , im Freien weniger als in den Häusern wahrgenommen (Oberlehrer F. Trost). 24 h in St. Kanzian bei Auersperg. Alle aus dem Schlafe geweckt durch eine starke wellenförmige Bewegung mit gleich- zeitigem starken Getöse. Heftige Erschütterung der Möbel (Schulleiter J. Cerar). — 23 h 58 m Beben S — N mit schwachem unterirdischen Getöse, Dauer 1 1 / 2 S , Klirren der Fenster (Zeit- schrift »Slovenec«). 231143m m g t Marein-Sap allgemein wahrgenommen gleichförmige Seitenstösse aus NW (nach dem Gefühle be- urtheilt), vorangehend und gleichzeitig ein unterirdisches Getöse. Erschütterung der Möbel, welche mich aus dem Schlafe weckte. In der Pfarrkirche fiel etwas Tünche ab. Die meisten Orts- bewohner verliessen das Bett und machten Licht. Einige flüchteten ins Freie (Oberlehrer J. Borstnik). 23 h 48 m in F r a n z d o r f (Borovrica) allgemein wahrgenommen ein Beben nach vorangehendem starken Getöse (Lehrer A.Pirc). — Ziemlich starker Stoss durch 5 S mit starkem Getöse. Derselbe war bei uns der stärkste seit Ostern 1895. Kein Schaden, auch kein besonderer Schrecken, da die Mehrzahl der Bevölkerung gerade im besten Schlafe war (Zeitschrift »Slovenec«). 23 h 48 m in Ober-Laibach (Vrhnika) allgemein wahr- genommen ein gleichförmiges Zittern durch 2 S , Klirren der Fenster, Lärm, in einem alten Hause etwas Mörtelabfall (Lehrer A. Luznik). 23 h 48 m in Dobrova bei Laibach sehr Viele aus dem Schlafe geweckt durch einen raschen Stoss von unten, hierauf ein Hin- und Herschwanken des Erdbodens, zuletzt eine momentane kurze Vibration, Gesammtdauer 2 l / 2 s . Vor und nach dem Beben je l s ein unterirdisches dumpfes Getöse, wie von fernem Sturmwind, Krachen in den Mauern, starkes Knarren der Dachgerüste, Klirren der Fenster, Schwingen der Hänge- E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 123 lampen, alte Mauern erhielten da und dort fadendünne Risse, hie und da etwas Mörtelabfall. Ziemlicher Schreck unter der Bevölkerung. Im Dorfe Kozarje bei Dobrova fielen von drei Dächern bereits vorher zersprungene Dachziegel herab, in einem Hause fiel im Dachzimmer ein Wandbild zu Boden, und in einem Zimmer des Erdgeschosses stürzte eine Statuette vom Kasten (Oberlehrer M. Rant). 23 h 45™ in Billichgratz ein 6 S dauerndes, wellenartiges Beben, S — N, drei Stösse, von denen der mittlere der stärkste war (»Laibacher Zeitung«). 23 h 55™ in Horjul Erdbeben mit unterirdischem Getöse. Kein Schaden, aber genug Schrecken (»Laibacher Zeitung«). 17. April, Bezirk Rudolfswert. 23 h 50 m in St. Laurenz a. d. Temenitz ein Beben W — E, welches Möbel und Fenster vernehmlich erschütterte (Schul- leiter J. Vozel). 23V 2 h i n Rudolfswert ein nur von Wenigen bemerktes Beben, die dadurch aus dem Schlafe geweckt wurden. Er- schütterung der Mauern und Klirren der Fenster (Gymnasial- professor J. Fajdiga). 23 h 55 m in Stauden (Grm) bei Rudolfswert von Einigen wahrgenommen ein Beben. Schaukeln aus W dreimal im Zeit- raum einer Stunde, das erste kräftig, die beiden anderen schwächer, jedesmal durch kaum l s . Erschütterung des Bettes und des Ofens (Lehrer der landvv. Schule A. Lapajne). 23 3 / 4 h in Seisenberg (Zuzemberk) ein Beben, welches Viele aus tiefem Schlafe weckte. Es war ein Stoss, wellenförmige Bewegung NW— SE (nach der Empfindung und durch Beob- achtung bewegter Gegenstände beurtheilt) durch 2 S . Voran ein dumpfes Geräusch, gleichwie wenn ein schwer beladener Wagen umfällt; es dauerte länger als das darauffolgende Beben (Oberlehrer F. Koncilija). 23 h 58 m in Waltendorf (Valtavas) von Einzelnen bemerkt ein langsames Schaukeln S — N (nach dem Gefühle) durch l s und ein dumpfes Getöse durch 4 S . Erschütterung der Möbel (Schulleiter F. Dular). 124 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Circa 24 h in Ajdovec bei Seisenberg ein vielfach be- merktes Beben. Einige wurden durch dasselbe aus dem Schlafe geweckt (Pfarrer M. Poljak). 17. April, Bezirk Gottschee. 231159m in Gottschee nur von einer Person beobachtet zwei rasch aufeinander folgende Schaukelstösse SW — NE durch 2 S , nach vorangehendem Rasseln (Kohlenwerksverwalter A. Komposch). 23 h 50 m in Reifnitz (Ribnica) von wenigen Personen gespürt ein Stoss N — S (nach Gefühl) durch 3 S und ein Getöse (Pfarrdechant F. Dolinar). 24 h in Gutenfeld (Dobre polje) ein Erdbeben mit drei Stössen (Oberlehrer M. Hudovernik). 17. April, Bezirk Loitsch. 23 h 50 m in Blöke bei Rakek ein nur von Einigen be- merktes Beben. »Ich wurde aus leichtem Schlafe geweckt, als der ferne Donner herangelangt war, alsdann folgte durch 3 bis 4 S eine gelinde Erschütterung, W — E. In einem Hause des Nachbardorfes hörte man ein leises Erklirren des Küchen- geschirres, sogar ein Fenster ging auf« (Oberlehrer J. Bozja). 23 h 50 m in Rakek leichtes Beben durch 3 S (Zeitschrift »Slovenec«). 23 3 / 4 h in Haasberg bei Planina allgemein wahrgenommen eine langsam schüttelnde Bewegung S — N (nach Gefühl), nach vorherigem donnerartigen Rollen. Klirren der Fenster, Schwingen von hängenden Gegenständen. Die Bevölkerung theilweise auf- geregt (Schlossgärtner J. Kuchler). 23h 47m (Bahnzeit) in Hotederschitz (Hotedersica). »Ich war wach und habe seit Ostern 1895 kein Beben so genau beobachten können als dieses. Vorerst Hess sich ein sehr gelindes, unterirdisches dumpfes Getöse durch 2 S vernehmen. Hierauf folgte ein sehr leichter Stoss von unten hinauf. Alsdann setzte sich das Getöse fort, wie vorher, und zwar durch 2 S . Nun empfand ich wieder einen Stoss gleich dem ersten. Beide Stösse sehr kurz, höchstens 1 / 4 S , versetzten das Federbett in sehr leichte, einmalige wiegende Bewegung. Gesammtdauer E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 125 der seismischen Erscheinung höchstens 5 S . Die sehr empfind- lichen Fenster klirrten nicht« (Oberlehrer M. Kabaj). Vor 24 h in Godovic durch mehrere Secunden ein Beben mit starkem Getöse, Klirren der Fenster, Krachen des Gebälkes (Zeitschrift »Slovenec«). 23 h 51™ in Idria von sehr vielen Bewohnern der Stadt bemerkt ein Schlag, dem ein einmaliges Erzittern, anscheinend E — W, durch 2 S folgte. Einige Personen hörten zuvor ein Gerassel, wie von einem schnell fahrenden Wagen. Rütteln der Thüren, Rasseln der Tischlampe. Mehrere wurden aus dem Schlafe geweckt (k. k. Probirer F. Janda). — 23 h 55 m Beben mit Getöse. Eine leicht im Schloss liegende Thürging auf (Gewerk- schuldirector A. Novak). Circa 24 h in Iderskilog, Zadlog, Iderska Bela und Um- gebung nach vorangehendem dumpfen Getöse eine Erschütte- rung 2 S . Knarren der Zimmerthür und des Dachgerüstes. Laut Mittheilung verlässlicher Personen (k.k. Förster K. Sehe benig). 17. April, Bezirk Adelsberg. 23 h 50 m in Adelsberg ein leichtes wellenförmiges Beben durch l 1 /.? 8 (Schulleiter St. Primozic). 24 h in Slavina ein Beben (Zeitschrift »Slovenec«). 23 3 / 4 h in Senosetsch (Senozece) ein kräftiger, 3 S dauern- der, wellenförmiger Stoss nach vorangehendem Dröhnen. Er- schütterung des Geschirres. Laut Angabe Anderer (Oberlehrer L. Abram). Circa 23 1 / 2 h in Podkraj ein kurzer horizontaler Stoss aus NW mit unterirdischem Donner (Schulleiter E. Mark ose k). 23 h 50 m in Fuzine bei Sturje-Haidenschaft ein Erdstoss, bemerkt von der Fabriksbesitzersfrau Nussbaum, welche erschreckt ihren Gemal weckte. Sonst von Niemand wahr- genommen (Gemeindesecretär A. Seh legi). Negative Berichte zum 17. April lieferten die Stationen: Möttling, Adlesici, Osilnica, Reifnitz, Dornegg (Trnovo) bei Illyrisch-Feistritz, Gurkfeld, Ratschach. Das Erdbeben vom 17. April, 23 u 50 m ist das grösste, seis- mische Ereigniss des Berichtsjahres in Krain. In der stärkst betroffenen Region des Laibacher Beckens verursachte es zwar 126 Mitteilungen der Erdbeben-Commission. keinen Schaden an Gebäuden; es verbreitete sich aber über fast ganz Krain und die angrenzenden Theile der Nachbar- länder in N, E und W. Im W wurde es noch in Udine als äusserst schwaches Beben beobachtet. Demgemäss gehört das Beobachtungsmateriale mehreren Referatsbezirken an, und eine Zusammenfassung wird erst möglich sein, wenn die Jahres- berichte der betheiligten Länder vorliegen werden. Zeitungs- meldungen Hessen erkennen, dass das Beben in einem grossen Theile Untersteiermarks beobachtet wurde, trotz der für die Wahrnehmung ungünstigen Eintrittszeit in mitternächtlicher Stunde. Auch die oben angeführten Meldungen unseres Stations- netzes in Krain stellen es ausser Zweifel, dass die Schütterarea eine vom Laibacher Becken aus nach Osten hin gestreckte Gestalt besitzt. Dem Wesen nach ist also das Beben vom 17. April, 23 h 50 m , offenbar eine der zahlreichen Betätigungen ebendesselben Erdbebenherdes, von welchem die verwüstende Erschütterung des 14. April 1895 ausgegangen war. 18. April, circa 07 2 h , Beben im Laibacher Becken etc. 18. April, gleich nach h in Fessnitz (Besnica) ein dumpfes Getöse und eine kaum fühlbare Erschütterung (Schul- leiter F. Baraga). 18. April, nach h hörte man in Laibach unterirdisches Getöse, ein Stoss erfolgte nicht (Zeitschrift »Slovenec«). 18. April, 07 4 h in St. Veit ob Laibach ein Getöse von Einigen gehört (Schulleiter A. Sit seh). 18. April, 0y 2 h in Aich (Dob) von Einigen ein leichter Stoss gefühlt (Oberlehrer M. Janezic). 18. April, circa h 30 m in Goricica eine leichte Erschütte- rung (Zeitschrift »Slovenec«). 18. April, h 30 m in Ober -Tuch ein eine Erschütterung durch 1 / 2 S , mit gleichzeitigen Knall (Schulleiter F. Malensek). 18. April, nach h in Möttnig ein Vibriren des Erdbodens von Einigen bemerkt (Besitzer K. Kriznik). 18. April, 0' 1 29 m in Littai ein kurzer leichter Stoss von Einigen bemerkt (Oberlehrer J. Verbic). Vorstehende Meldungen beziehen sich anscheinend auf dasselbe seismische Ereigniss: ein Nachbeben zu der kurze E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 127 Zeit vorher erfolgten Haupterschütterung. Durch dasselbe ist das Laibacher Becken gelinde betroffen worden. Es mag besonders beachtenswerth sein, dass dieses Nachbeben auch von Obertuchein und Mötting gemeldet wird. Dadurch wird es wahrscheinlich, dass die Schütterfläche aus dem Laibacher Becken über das Tucheiner-Thal ostwärts sich fortsetzt, daher in ihrem Gesammtumriss volle Ähnlichkeit mit der kurz vorher erschütterten Area besitzt, also wohl demselben Erregungs- herde enstammt. Nachstehende Meldungen signalisiren noch Nachbeben. Sie sind jedoch zu vereinzelt, um Lage und Schütterfläche erkennen zu lassen. 18. April, in Seisenberg geben Mehrere an, noch nach dem Stosse vom Vortage 23 3 / 4 h einige Stösse vernommen zu haben (Oberlehrer F. Koncilija). 18. April, l h 40 m in Littai von Einzelnen verspürt ein leichter Stoss (Stationschef (J. Jenko). 18. April, l h 45™ in Marein-Sap ein Stoss durch l s (Oberlehrer J. Borstnik). 18. April, circa 3 h in Neumarktl von Einigen eine Er- schütterung E — W verspürt (Lehrer J. Okorn). 18. April, 3 h in Laib ach ein sehr leichter Stoss (Spediteur M. Perles). 18. April, 2 h 54 m in Dobrova bei Laibach ziemlich starkes unterirdisches Getöse ohne Stoss (Oberlehrer M. Rant). 18. April, 2 3 / 4 h in Heil. Kreuz bei Littai eine Erschütterung (Zeitschrift »Slovenec«). 18. April, circa 4 h in Kropp eine Erschütterung, viel schwächer als h . Knarren der Thüre, Klirren der Fenster (Oberlehrer J. Korosec). 18. April, circa 5 h in Senosetsch nach Angabe anderer Personen ein kräftiger wellenförmiger Stoss E — W, vor dem- selben ein Getöse (Oberlehrer L. Abram). 21. April, Mitternachts in Peuc eine starke Vibration. 22. April, 3 h 10 m ebendaselbst eine schwache Vibration. »22. April, circa 19 h 40 m ebendaselbst ein starker Stoss durch l s , ohne Vorgetöse, während ich im Erdgeschosse mit Familie bei Tische sass. Erschütterung der Sessel, Schwingen der Hängelampe. Im Nachbarhause wurde auch das Knarren 128 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. der Thüre und Klirren der Fensterscheiben vernommen. Eine ebenerdig am Boden sitzende Person sagt aus, dass sie durch das Beben gerüttelt wurde. Als Richtung urtheile ich SE« (k. k. Förster K. Seh eben ig). 23. April, 9 h in Möttnig von einer Person ein Getöse und eine leichte einmalige Schwingung bemerkt. Überdies von zwei Personen im Freien wahrgenommen. Eine von diesen stand unter einen Kirschbaum und vernahm einen einem Pfiff ähnlichen Schall, welcher von oben, gleichsam aus dem Baume, zu kommen schien. Darauf erfolgte ein Erdstoss von unten durch einen Augenblick. Gleichzeitig und noch lange hernach vernahm man auch den Schall. Durch den Stoss wurden die Bäume erschüttert (mitgetheilt durch Besitzer K. Kriznik). 23. April, Nachts (Stunde nicht angegeben) in Walten- dorf (Valta vas) bei Seisenberg ein sehr schwaches Beben (Schulleiter F. Dular). 24. April, 27 2 h in Gross-Laschitz (Velike Lasce), Bezirk Gottschee, ein leichter. 24. April, circa, 3 h ebendaselbst ein kräftigerer Erdstoss, so dass leichte Bilderständer umfielen. Beide Stösse begleitet von unterirdischem Getöse (Zeitschrift »Slovenski Narod«). 24. April, 23 h 15 m in Rudolfswert ein Erdstoss (Ober- lehrer K. Kristof). — Verticalstoss ohne Getöse (Gymnasial- professor J. Fajdiga). 24. April, 23 1 // in Stauden (Germ) bei Rudolfswert von Einigen bemerkt ein leichter Stoss aus SE. Krachen in der Mauer (Lehrer in der landwirtschaftlichen Schule A. Lapajne). 24. April, 23 3 / 4 h in Kropp, von zwei Personen bemerkt, nach vorangehendem unterirdischen Rauschen aus W eine Erschütterung, ähnlich jener vom 18. d. AI. (mitgetheilt durch Oberlehrer F. Koros ec). 25. April, 4 h 40 m in Peuc eine schwache, kaum 1 s dauernde Erschütterung. 25. April, 5 h 10 ra ebendaselbst schwache Vibration (k. k. Förster K. Schieben ig). 25. April, 21 h 1 3 • 3 m M. E. Z. in Laibach momentaner sehr schwacher Stoss (zuckend), Stehpult erknistert (fürstbisch. Consistorialrath J. Smrekar). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 129 26. April, 22 VJ' in Ajdovec hei Seisenberg eine Er- schütterung (Pfarrer M. Poljak). 30. April, 17 h 23 -5 m M. E. Z. in Laibach schwaches Oscilliren SW — NE, l s . Unsichere Beobachtung (fürstbisch. Consistorialrath J. Smrekar). V. Mai 1898. 2. .Mai, 21 h 30 m in Möttnig (Motnik) bloss vom Bericht- erstatter bemerkt (sitzend und lesend im 1. Stockwerke) ein wellenförmiger Stoss aus SW mit gleichzeitigem und durch 10 s nachfolgendem Getöse. Getöse ohne Erschütterung wird von den Leuten öfters bemerkt (Besitzer K. Kriznik). 6. Mai, 3 h in Peuc eine schwache, circa 20 s dauernde Vibration, welche einzelne Personen der Umgebung spürten. Ich beobachtete dieselbe im Bette ruhend. 7. Mai, 5 h ebendaselbst eine schwache Vibration von circa 25 s , welche ich ebenfalls im Bette ruhend beobachtete. 11. Mai, 2 11 25 m ebendaselbst eine schwache Vibration von circa 25 s . 1 1. Mai, 4 h 20 m ebendaselbst desgleichen. 15. Mai, 23 h 45 m ebendaselbst eine schwache, 14 s dau- ernde Vibration (k. k. Förster K. Sehe benig). 27. Mai, 2 h 29 m in Gurkfeld (Krsko) ein leichtes, 5 S dau- erndes Beben. 27. Mai, 2 h 44 m ebendaselbst desgleichen, 4 S dauernd (Zeitschrift »Slovenski Narod«). VI. Juni 1898. 4. Juni, 187o'\ Beben an der Temenitz gemäss folgenden Meldungen. 18 h 30 m in St. Veit bei Sittich allgemein wahrgenommen ein verticaler Stoss aus SW durch 2 S (Schulleiter J. Kremzar). 18 h 35 m in Gross- Gab er in den Gebäuden allgemein, im Freien nicht wahrgenommen zwei Stösse mit einer Zwischen- zeit von nahezu l m . Es waren Seitenstösse aus E mit wenige Augenblicke andauerndem Zittern, welches beim zweiten Stoss schwächer war. Vorher und theilweise gleichzeitig mit der Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl.; CVIIJ. Bd., Abth. I. 9 130 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Erschütterung Klirren des Geschirres im Küchenschrank (Ober- lehrer J. Zajec). \8 1 / 2 h in Catez bei Treffen drei leichte Stösse, der erste vertical, die beiden anderen wellenförmig (Schulleiter P. Po- gacnik). Gegen Abend in Döbernig (Dobrnic) von Vielen ein unterirdisches Getöse vernommen, ähnlich dem Rollen eines schweren Wagens; eine Erschütterung wurde jedoch nicht gefühlt. In einem Hause bemerkte man ein Klirren des Küchen- geschirres (Oberlehrer M. Hiti). • Auf Anfrage sandten zum 4. Juni negative Berichte folgende Stationen: St. Martin bei Littai, Polica bei Weixelburg, Neudegg (Mirna), Treffen, Gurk, St. Marein-Sap. Das schwache Beben vom 4. Juni, \o 1 / 2 h , trat somit in Unterkrain im Gebiet eines Karstflusses, der Temenitz, auf. Es erschütterte eine entlang der Temenitz, also NW — SE, im Streichen des Karstgebirges gestreckte elliptische Fläche von etwa 23 km messender Längsaxe, während die Queraxe etwa 13 km beträgt. 1 Im Bereiche der Schütterarea folgte alsbald ein Nachbeben, über welches nur die nachstehende Meldung einlief: 10. Juni, circa 24 h in Catez drei ziemlich kräftige, wellen- förmige Erdstösse (Schulleiter P. Pogacnik). 12. Juni, 20 h 33-0 m mitteleurop. Zeit in Laibach zwei schwache, senkrechte Stösse innerhalb 2 S , Thürknistern, kein Getöse (fürstbisch. Consistorialrath J. Smrekar). 13. Juni, 3 h 30 m in Möttling (Metlika) von Einzelnen ver- spürt ein kurzer Stoss, l s , SW — NE (Oberlehrer V. Burnik). 15. Juni, 21 1 //, Beben an der Poik. 21 h 15 m in Rakek nach Aussage von Ortsbewohnern ein unterirdisches Rauschen und Getöse und hierauf eine leichte Bodenbewegung (mitgetheilt durch Oberlehrer J. Pozenel). 1 Valvasor berichtet, dass am 10. März 1689 um 4 1 ' in Krain sich ein gewaltiges Erdbeben erhob, welches an der Temenitz am allerheftigsten auftrat. Es hat viele Kirchen gänzlich ruinirt, etliche Kirchthürme über den Haufen geworfen, auch in manchen Schlössern grossen Schaden angestiftet etc. Citirt bei Mitteis, Erderschütterungen in Krain. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 131 21 h 15 m in Adelsberg (Postojna) angeblich ein leichter Erdstoss (Schulleiter St. Primozic). 21 h 15 m in Slavina bei Adelsberg von Einigen bemerkt ein Erdstoss von unten mit gleichzeitigem Schall, ähnlich einem Schuss, oder als ob im unterirdischen Keller eine Stellage um- gefallen wäre (Pfarrer J. Sajovec), — Ein verticaler Stoss mit starkem Getöse, als ob ein Theil des Hauses eingestürzt wärt- (Zeitschrift »Slovenec«). 21 h 15 m in St. Peter allgemein bemerkt ein kräftiger Stoss aus N mit starkem, gleichzeitigen Getöse (Oberlehrer M. Kalan). 2 1 x / 2 h in Suhorje bei Ostroznobrdo angeblich von Einigen ein unbedeutender Erdstoss bemerkt (Schulleiter F. Cuk). Dieses Beben vom 15. Juni, circa 21 1 / 4 '\ wurde laut auf Anfrage eingelangten Berichten nicht gefühlt in: Haasberg, Zirknitz, Babenfeld (Babino polje), Klana, Masun, Dornegg, Ostrozno brdo, Vreme, Senosetsch, Podgrad (Castelnuovo in Istrien), Präwald, Kosana. 17. Juni, 21\ Beben an der Poik. 21 h in Adelsberg verspürten Einige ein Getöse und einen leichten Erdstoss (Zeitschrift »Slovenec«). 21 h in Slavina gemäss Mittheilung eines Beobachters ein unterirdisches Getöse (mitgetheilt durch Pfarrer J. Sajovec). 18. Juni, circa 3 l / 2 h , Beben an der Poik. 3y 2 h in Rakek gemäss Angabe der Nachbarn ein unter- irdisches Rauschen und Getöse und darnach eine leichte Boden- bewegung (Oberlehrer J. Pozenel). 4 h in Zirknitz (Cerknica) von Einigen bemerkt ein leichter Stoss mit Getöse (Oberlehrer J. Dermelj). [Im Originalberichte wird dieses Beben dem 17. Juni zugeschrieben. Wahrscheinlich aus Versehen. Ref.] 3 h 25 m in Oblak (Blöke) bei Zirknitz nur von wenigen wachenden Personen verspürt eine leichte Erschütterung W — E. Ich selbst wurde dadurch aus dem Halbschlafe geweckt (Ober- lehrer J. Bozja). 9* 132 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 3 h 25 m in Adelsberg ein verticaler Stoss, welcher Schlafende weckte, da er das Bett heftig erschütterte. Richtung W — E, nachfolgend ein Getöse (Schulleiter St. Primozic). — Ein 10 s dauerndes Getöse aus S, darauffolgend ein Stoss, welcher uns in unangenehme Schwingungen versetzte, Fenster und Thüren laut vernehmlich erschütterte (Zeitschrift »Slo- venec«). 3V 2 h m Senosetsch (Senozece) ein leichtes Beben, worüber ich, nach mehrfacher erfolgloser Umfrage, in einem Hause folgende Mittheilung erhielt: Es war ein leichter Stoss durch 3 S , nach vorangehendem dumpfen Getöse. Die Möbel wurden erschüttert. Eine halbe Stunde darauf folgte ein kräf- tigerer, 5 S , also länger dauernder Stoss (Oberlehrer L. Abram). 3 h 30 m in Slavina ein von Allen, die nicht in gar tiefem Schlafe waren, gefühltes Beben. Ich selbst wurde dadurch ge- weckt (1. Stockwerk). Es war ein Seitenstoss aus S (nach Gefühl) durch 2 S mit Getöse, welches mit der Erschütterung aufhörte. Krachen der Mauern, Knarren der Thüren, Klirren der Fenster. Die Bevölkerung erschreckt. Das Beben wurde auch in Adelsberg, an der oberen Poik, in St. Peter, in Zagorje und Grafenbrunn wahrgenommen. Einige vermeinen nach dem ersten Stoss einen zweiten unbedeutenden wahrgenommen zu haben (Pfarrer J. Sajovec). 3 h 35 m in St. Peter ein von den am Bahnhof im Dienste befindlichen Personen allgemein, sonst von Einigen bemerktes Beben. Ich selbst wurde dadurch (im Erdgeschosse) aus dem Schlafe geweckt. Es war ein verticaler Stoss aus N durch 2 S mit starkem Getöse. Starke Erschütterung der Mauern (Ober- lehrer M. Kai an). Circa 4 h in Ostrozno brdo von Einigen bemerkt eine schaukelnde Bewegung. Dasselbe verspürte jenseits der kraini- schen Landesgrenze in Preloze (Istrien) der Messner auf dem Wege in die Kirche. Kein Getöse (Schulleiter F. Cuk). 3 h 50'" (Bahnzeit) in Masun von allen erwachsenen Per- sonen verspürt ein Beben, durch welches sie geweckt wurden. Es war ein kurzer Seitenruck E— W (nach Gefühl) durch 2 S bis 3 S . Unterirdisches Rollen. Klappern der Thüren (Oberförster E. Schollmayer). E. v. Mojsi.sovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 133 3 h 35 m in Dorn egg (Trnovo) bei Illir.-Feistritz ein Getöse mit nachfolgendem Erdstoss, Dauer l s . Leichtes Klirren der Fenster, Erschütterung des Geschirres in den Schränken (Ober- lehrer M. Zarnik). o h 10 m in Hermsburg eine schwache Erschütterung. Drei Stösse von unten in 3 S , verbunden mit einem von S nach N verlaufenden Rollen. Klirren der Fenster etc. Schlafende wurden nicht geweckt (Oberförster J. Nowak). [Im Orginalbericht vom 26. Juni wird dieses Beben dem 15. Juni zugeschrieben. Wohl aus Versehen. Ref.]. Dieses Beben wurde nicht beobachtet in folgenden Sta- tionen: Haasberg, Babenfeld (Babino polje), Klana in Istrien, Kosana, Vreme, Präwald (Razdrto), Podkraj. Die angeführten Berichte zeigen an, dass in den Tagen 15. — 18. Juni in Innerkrain ein bemerkenswerther, obwohl in seinen Wirkungen unbedeutender Bebenschwarm stattgefunden hat. Hiebei erfolgte die Haupterschütterung zum Schlüsse, am 18. Juni, 3V 2 h . Ein Überblick über das von derselben betroffene Terrain lehrt, dass die am stärksten erregten Stellen längs der Linie Adelsberg— Slavina — St. Peter — Dornegg sich aneinanderreihen, also in der schmalen Poikmulde und am Ostrande der an- schliessenden Rekamulde. Hier, wahrscheinlich in der Gegend von Slavina oder St. Peter, ist die Stelle über dem Ausgangs- punkte der unterirdischen Kraft zu suchen. Entsprechend dem Streichen der Mulden ist die Schütterfläche langgestreckt in der Richtung NNW— SSE. Sie misst vom Nordrand des Adelsberg— Präwalder Thalkessels bis Klana 50 km. Den Breitendurchmesser kann man auf etwa 40 km veranschlagen, wenn man in die — schematisch genommen — elliptische Schütterfläche die Stationen Rakek, Zirknitz und Oblak ein- bezieht und nicht etwa einen 30 km breiten Hauptantheil der Bebenarea entlang der Axe Adelsberg— Klana annimmt, von dem aus eine bei Adelsberg ostwärts vordringende Ausbuchtung die genannten drei Stationen in sich einverleibt. Da die Ein- trittszeit der seismischen Störung der Beobachtung ungünstig war, so kann die Randzone der erschütterten Fläche kaum hin- reichend bestimmt umgrenzt werden. 134 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Bemerkenswert!} ist die Beziehung des Epicentrums der Erderschütterung vom 18. Juni zu dem geologischen Aufbau des betroffenen Gebietes. Die Rekamulde Innerkrains bezeichnet das Stück einer Dislocationslinie, welche durch ihre bedeutende Längenerstreckung für den geologischen Bau der östlichen Küstenländer des adriatischen Meeres maassgebend ist, wie bereits in unserer vorjährigen Chronik (Mittheilungen der Erd- beben-Commission, 1897, S. 1 10) in Erinnerung gebracht wurde. Die Poikmulde ist ein Seitenzweig der Hauptlinie. Dieselbe ist in tektonischer Beziehung eine Synclinale, deren Ostflügel steil aufgerichtet ist, während dessen Fortsetzung in der Rekamulde in einem weiter gediehenen Stadium des Faltungsvorganges überkippt erscheint. Nichts liegt näher als die Annahme, dass die Erschütterung vom 18. Juni die mechanische Folge- erscheinung der local in einem Ruck ausgelösten Spannungen ist, welche den Faltungsvorgang noch in der Gegenwart fort- zusetzen bestrebt sind. Die vorausgegangenen Erschütterungen vom 15. Juni, 21 h 15 m , und 17. Juni, 21 h , sind als Bethätigungen ebendesselben Bebenherdes anzusehen, die jedoch eine geringere Intensität erlangt haben. VII. Juli 1898. 5. Juli, 20 1 / 2 h > locales Beben bei Lees. 20 h 25 m in Lees (Lesce), Bezirk Radmannsdorf, ein von Wenigen bemerkter leichter Stoss SE — NW. Erschütterung der Uhr (Schulleiter J. Sem er!). 20 1 / V 1 (Original 19V 2 h ) m Brezovica bei Kropp wurde das Beben nur in einem Hause von ruhig sitzenden Personen bemerkt. Man hörte ein Rauschen, hierauf ein wiederholtes gelindes, knarrendes Anstossen der Thüre. In Kropp nicht beobachtet (Oberlehrer F. Korosec). 23. Juli, 6' 1 35 m (Bahnzeit) in Jezica ein leichter Stoss NW — SE mit Getöse im Freien und in Gebäuden wahr- genommen (Schulleiter A. Zibert). 28. Juli, 20 h 21 m in Dobrova bei Laibach vom Bericht- erstatter vor dem Hause sitzend, und sonst von Einzelnen E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 135 wahrgenommen ein kanonenschussähnlicher Knall durch 2 S , NE — SW verlaufend, in der letzten 7o s ein sehr leichter Stoss. Gelindes Klirren der Fenster. — Auch in den umliegenden Dörfern Gabrova, Kozarje, Podsmereka, Svica, Hrusevo und Brezje bemerkt (Oberlehrer M. Rant). Die letztgenannten zwei Beben in Cernuce nicht beob- achtet (Schulleiter J. Gregorin). VIII. August 1898. 2. August, 5 h 44 m in Krainburg (Kranj) wachend im Bett ein leichter Stoss E — W. Erschütterung der Thür und der Fenster (Schulleiterin F. Jugovic). 5. August, 1 l h 20 m in Trebelno bei Treffen eine Erschütte- rung aus SW durch einige Secunden mit begleitendem unter- irdischen Getöse (Zeitschrift »Slovenski Narod«). 22. August, circa 4 h , Beben im Bezirke Littai gemäss folgenden Meldungen: 3 h 57 m (Bahnzeit) in Littai (Litija) ein Beben, welches die meisten Bewohner aus dem Schlafe rüttelte, mit nach- folgendem Getöse. Krachen der Holzbaracke des Wächters (Stationschef J. Jenko). 4 h in Sava ein Erdstoss (Pfarrer M. Molek). 4 h in Ho titsch ein von Vielen bemerkter, wellenförmiger Stoss ohne Getöse. Klirren der Fenster, Krachen der Mauern (Pfarrprovisor M. Absec). 4 h in Watsch (Vace) ein von Einzelnen verspürter, leichter Erdstoss, NE — SW, mit gleichzeitigem Getöse (Schulleiter F. Nagu). 3 a / 2 h i n Kressnitz (Kresnice) ein leichter Erdstoss ohne Getöse; von mir selbst nicht gespürt (Schulleiter J. Wochinz). Das Beben, welches am 22. August, 3 h 57 m , Littai und Umgebung im Umkreise von vielleicht 25 km Durchmesser merklich erschütterte, wurde nicht gespürt in folgenden Orten : Sittich, Lipoglav, Polica, Salloch, Jezica, Dobrova, Franzdorf. '136 Miltheilungen der Erdbeben-Commission. 30. August, circa 23 1 / 2 h , Beben im Bezirke Littai und in Zirknitz. 23 h 39 m in Littai ein von Wachenden allgemein bemerktes Beben. Einige wurden dadurch aus dem Schlafe geweckt. Einem einleitenden leichten Schaukeln folgte ein kräftiger Stoss von unten. Kein Getöse (Oberlehrer J. Verbic). 23 h 37 m in Sava ein kurzer Erdstoss (Pfarrer M. Molek). 23 h 56 m in Watsch ein leichter Stoss NE— SW mit gleich- zeitigem Getöse (Schulleiter F. Nagu). 23 h 30 m in Zirknitz von Einzelnen bemerkt ein leichter Stoss mit kurzem Getöse ans E. Klirren des Glasgeschirres (Oberlehrer K. Dermelj). Zu diesem Beben sandten negative Berichte die Stationen : Lipoglav, Dobrova, Jezica, Franzdorf, Loitsch. Der oberwähnte Bericht von Salloch (Stationschef J. Ressmann), datirt vom 31. August, erwähnt nichts von einem Beben des Vortages. Die Erschütterung vom 30. xAugust scheint eine Wieder- holung jener des 22. August zu sein. Auffallend ist die Wahr- nehmung derselben in Zirknitz, in einer Entfernung von 45 km SW von Littai. 31. August, 6 h 15 ,n in Jezica nur ein unterirdisches Ge- töse (Schulleiter J. Zibert). IX. September 1898. 2. September, 3 h 25 m in Aich (Dob) nur von Wachenden ein leichtes Zittern durch 3 S mit gleichzeitigem anschwellenden Getöse vernommen (Oberlehrer M. Janezic). 2. September, circa 3y 9 h in Tersain (Terzin) nur von ein- zelnen wachenden Personen verspürt ein leichter Stoss. Eine Person sagt aus, durch das Getöse und das Klirren der Fenster der Dachstube aus dem Schlafe geweckt worden zu sein (Schul- leiter L. Blejec). 2. September, 15 3 / 4 h in Aich angeblich ein Getöse (Ober- lehrer AI. J anezic). 3. September, l i / 2 — 2 h in Masun nur von einer Person (1. Stock, im Bette) ein gleichmässiges und regelmässiges E. v. M oj siso vics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 137 Zittern durch eine halbe Stunde, welches durch eine Tisch- lampe angezeigt wurde, vernommen. Dieselbe stand so nahe an der Wand, dass der Schirm die ganze Zeit wie ein Glöckchen tönte. Ein gleiches Phänomen zeigte sich circa 1 Wochen vor dem grossen Laibacher Erdbeben; ein zufällig gleichgestelltes W 7 aschbecken tönte und surrte fast eine Stunde lang (Ober- förster E. S c h o 1 1 m a y e r). 3. September, 3 h 18 m in Aich (Dob) von Einzelnen gefühlt ein leichter Seitenruck aus SW. Gleichzeitig ein kanönenschuss- ähnliches Getöse mit dreimaligem, immer schwächer werdenden Widerhall. Gesammtdauer l s . Etwa 2 m später hörte man neuer- dings einen schussähnlichen Schall ohne Widerhall und ohne Erschütterung (Oberlehrer M. Janezic). 3. September, 19 h 11™ in Laib ach schwaches, l s dauerndes senkrechtes Beben. Unsichere Beobachtung (fürstbisch. Con- sistorialrath J. Smrekar). 4. September, circa 2 1 / 2 h in Kraxen ein von einigen Per- sonen bemerkter starker Stoss; in einem Hause bewirkte er einen Sprung in der Mauer. — In Egg von Niemand bemerkt (mitgetheilt durch Pfarrer J. Bizjan). 7. September, l h 46 m , Beben im Laibacher Becken und dem östlich anschliessenden Hügelland. 7. September, Bezirk Krainburg. l h 50 m in Zirklach (Cerklje) ein von sehr Wenigen be- merktes unterirdisches Dröhnen, aber keine Erschütterung (Oberlehrer A. Km et). 7. September, Bezirk Stein. l 3 / 4 h in Woditz (Vodice) allgemein bemerkt ein Beben, welches fast die gesammte Bevölkerung aus dem Schlafe rüttelte. Man verliess die Betten und machte Licht. Ein kurzer starker Stoss durch 5 S ohne schaukelnde Bewegung mit gleich- zeitigem Getöse und Lärm. Starkes Krachen des Dachstuhles des Pfarrhofes und der Kirche. Pferde erschreckt, Hunde bellten, ein gezähmtes Reh begann aufgescheucht herumzulaufen. — 138 Miitheilungen der Erdbeben-Commission. Seit meinem letzten Bericht (17. April) empfanden einzelne Personen wiederholt schwache Erdstösse, welche nicht notirt wurden (Pfarrer S. Zuzek). l h 40 m in Theinitz (Tunjice) ein Beben, welches eine so kräftige Erschütterung des Bettes bewirkte, dass der Bericht- erstatter dadurch erwachte. In einem Hause sollen neue Mauer- risse entstanden sein (Schulleiter J. Pintar). — Beben mit unterirdischem Getöse (Zeitschrift »Slovenec«). l h 42 m in Komenda mittelstarkes Beben mit einem Getöse, welches einem fernen Donner glich (Zeitschrift »Slovenec«). l h 45 m in Stein (Kamnik) allgemein bemerkt zwei einander folgende starke, kurze Seitenstösse durch 2 S , N — S. Krachen der Mauern. Im Kloster kurz vor dem Beben allgemeines Er- wachen (P. O. S. F. Hieronymus Knoblehar). l h 45 m in Domzale ein Beben, welches die Schlafenden weckte. Dauer 3 S , ziemlich starke Erschütterung und fernes Donnern (Oberlehrer F. Pfeifer). Circa 1V 2 in Aich (Dob) ein Beben, welches die Meisten aus dem Schlafe weckte. Ein starker Stoss von unten, aus NW herangelangt, darauffolgend ziemlich heftige Erschütterung. Ein dumpfes Dröhnen schwoll bis zum Stoss an, hierauf ab. Ge- sammtdauer 4 S . In ebenerdigen Häusern fiel etwas Tünche ab; in einigen Häusern entstanden zwar unbedeutende, doch neue Sprünge. Einige Leute flüchteten aus den Häusern, die Mehr- heit verliess die Betten (Oberlehrer M. Janezic). l h 53 m in Jauchen (Ihan) allgemein beobachtet ein Beben, welches den Berichterstatter im ebenerdigen Zimmer aus dem Schlafe weckte. Ein Stoss mit gleichförmiger Bewegung, NE — SW (nach dem Schwingen der Hängelampe), nach voran- gehendem Getöse durch 2 S Erschütterung der Möbel. Schrecken unter der Bevölkerung (Schulleiter V. Sa dar). l h 44 m in Egg (Brdo) bei Lukowitz allgemein bemerkt ein Stoss, l s , von unten und aus W mit zweimaliger verticaler Vibration, 1 — 2 S . Sturmähnliches Sausen, Krachen der Mauern und des Gebälkes, Erschütterung der Möbel und Thüren. Von einigen Häusern fielen Ziegel vom Dache, in der nahen Filial- kirche in Raholce fiel eine Verzierung von der Kanzel. Einiger Schrecken unter der Bevölkerung (Pfarrer J. Bizjan). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1S98. 139 1 :; /' in St. Martin bei Stein allgemein bemerkt ein Beben, welches den Berichterstatter im ebenerdigen Zimmer aus dem Schlafe weckte (Schulleiter F. Zore). Kurz vor 2 h in Glogowitz (Blagovica) ein fast allgemein bemerktes Beben. Auch den Berichterstatter weckte das starke Getöse, welches dem verticalen Stosse folgte (Pfarrer L. Skufca). l 1 / 2 h in Möttnig (Motnik) nur vom Berichterstatter (im Halbschlafe) und vom Pfarrer ein Stoss von unten, Richtung SW — NE mit nachfolgendem Getöse. Die übrigen Ortsbewohner verschliefen das Beben (Besitzer K. Kriznik). l h 47 m in Tersain (Trzin) ein Beben, welches einige Per- sonen aus dem Schlafe weckte, aus S, sehr leichter Stoss mit Getöse (Schulleiter L. Blejec). Circa 2 h in Lustthal (Dol) ein starker Erdstoss. Erschütte- rung beweglicher Gegenstände auf den Tischen und Schränken (Zeitschrift »Slovenec«). 7. September, Bezirk Littai. l 3 / 4 n in Watsch (Vace) von Einigen gespürt ein wellen- förmiger Stoss aus NE mit Getöse. Leichte Erschütterung der Möbel (Schulleiter F. Nagu). Circa 2 h in Kressnitz von einer Person wahrgenommen ein donnerartiges Geräusch ohne Erschütterung (Schulleiter J. Wochinz). l 3 / 4 h in Hotitsch (Hotic) von Vielen bemerkt ein wellen- förmiger Stoss (Pfarrprovisor M. Absec). 7. September. Bezirke Laibach und Umgebung. l h 38 m in Cernuce mittelstarkes, Beben l s , mit geringem Getöse. Von Vielen bemerkt (Schulleiter J. Gregor in). I' 1 50 m in Jezica von Vielen bemerkt ein verticaler Stoss SW— NE, fortschreitend durch 3 — 4 S . Voran ein ziemlich star- kes unterirdisches Getöse. Ziemlich andauerndes Schaukeln der Betten (Schulleiter A. Zibert). l h 45 m in Laibach mehrseits bemerkt ein schwacher Stoss nach vorangehendem unterirdischen Getöse (k. k. Lieu- tenant d. R. Suppantschitsch. — l h 46 m MEZ, 2 S dauernde 140 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. senkrechte Erschütterung mit Getöse (f.-bisch. Consistorialrath J. Smrekar). l h 44 m in Rudnik von Einzelnen bemerkt ein Erdstoss S — N mit Getöse (Schulleiter J. Petric). Das Beben wurde nicht gespürt in folgenden Orten: Rat- schach, Krainburg, St.. Martin bei Krainburg, Bischof lack, Flöd- nigg (Berichterstatter, Pfarrer J. Karl in, war zur Zeit des Bebens wach, vernahm jedoch keine Spur davon), Zeyer, Dobrova, Lipoglav, Polica bei Weixelburg, Cemsenik, Franz im Bezirke Cilli in Untersteiermark. Alle Berichterstatter bemerken ausdrücklich, dass sie ihren negativen Bericht auf Grund mehr- facher Umfrage einsenden. Eine Viertelstunde nach der Haupterschütterung trat eine unbedeutende seismische Erscheinung ein. über welche fol-' gende zwei Meldungen berichten: 7. September, circa 2 h in Aich angeblich nochmals ein Getöse und eine leichte Erschütterung (Oberlehrer M. Janezic). 7. September, 2 h in Jezica ein dumpfes unterirdisches Dröhnen (Schulleiter A. Zibert). Unter den Erderschütterungen, welche als Nachwirkungen des zerstörenden Hauptstosses vom 14. April 1895 in Oberkrain aufgetreten sind, ist das Beben von l 3 / 4 n des 7. September 1898 eines der bemerkenswerthesten. Wenn man das Schüttergebiet desselben kartographisch darstellt, so zeigt sich der Umriss als eine eiförmige Fläche, deren Längsachse etwa durch die gerade Verbindungslinie der Orte Zwischenwässern und Tro- jana gegeben ist und annähernd einen westöstlichen Verlauf hat. Das breitere Ende des Ovals liegt über der Laibacher Diluvialebene, das schmälere über dem Hügellande, welches vom Ostrande der Ebene gegen Trojana und weiterhin gegen Trifail und Tüffer hinzieht. Dem Westrand der Congiomerat- und Schotterebene angrenzende Orte, wie Krainburg, Bischof- lack, Zeyer, Dobrova lieferten bereits negative Berichte, des- gleichen wurde das Hügelland der Umgebung von Trifail nicht mehr in nächtlicher Stunde wahrnehmbar erschüttert, da Franz und Cemsenik verneinende Meldungen einsandten. Die Quer- dimensionen des Schütterovals sind durch die positiven Be- richte und im Süden durch die negative Correspondenz von E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1S98. 141 Polica, sowie das Ausbleiben einer Meldung von den Statio- nen Littai, Sava und Sagor ausreichend bestimmt. Conform dem Umriss der äussersten Zone schwacher Wahrnehmung des Bebens folgen sich die Umgrenzungen der innern durch heftigere Wirkung gekenzeichneten Abstufungen bis zu der stärkst erschütterten Region, welche durch die Meldungen der zwei Stationen Aich und Egg bestimmt wird. Zwischen oder in der Nähe dieser beiden von einander 6 km entfernten Orte ist di-e Stelle über dem Ursprungsorte des Erdbebens von 1 3 /. ü des 7. September zu suchen. Die Ausbreitung desselben hat eine unverkennbare Ähnlichkeit mit jener des Hauptstosses des Osterbebens. Das Schütteroval des Bebens vom 7. Septem- ber deckt sich nahezu mit dem Umriss der »Zone sehr starker Beschädigung (stellenweise Deckeneinstürze etc.)« in F. E. Suess' Isoseismenkarte des Osterbebens 1895 von Laibach in dessen bekannter meisterhaften Monographie (Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt 1896). 25. September, 7 h 7 m in Tscher nembl (Cernomelj) ein Beben mit unterirdischem Getöse (Zeitschrift »Slovenec«). X. October 1898. 10. October, circa 8 3 / 4 , Beben im Laibacher Becken. gh 4Qm j n ^icn (Dob) ein von Einzelnen bemerktes leises Zittern E — W durch 5% mit vorangehendem und gleichzeitigem dumpfen Getöse. Im Schulzimmer (ebenerdig) vernahmen wir alle die Erscheinung, obgleich ich eben im Sprechen begriffen war (Oberlehrer M. Janezic). 8 3 / 4 h in Woditz (Vodice) von Vielen bemerkt ein Stoss mit Getöse in der Dauer von 3 S (Pfarrer S. Zuzek). gh 4Qm - m jefica nach Angabe anderer Personen eine Er- schütterung mit Getöse (Schulleiter A. Zibert). Dieses Beben wird als nicht beobachtet gemeldet: in Stein, Glogowitz, Watsch, Salloch, Kressnitz, Cernuce, Flödnigg, Oberburg (Südsteiermark). Von Laibach langte kein Bericht ein, die Erschütterung trat also dort nicht wahrnehmbar auf. Ein Beben am 13. October veranlasste folgende Nach- richten. 142 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 13. October, circa 1 / 2 h , in Grad i sc e nächst St. Martin bei Stein, eine Erschütterung nach Mittheilung eines Beobachters (Schulleiter F. Zore). Eine Stunde hernach löste sich der Hauptstoss des Tages aus. 13. October, circa l 1 /^ 1 , Beben im Laibacher Becken und dem östlich anschliessenden Hügellande. 13. October, Bezirk Stein. I 1 ' 18 m in Woditz (Vodice) ein Schaukeln mit kräftigem Stoss, begleitet von Getöse, welches von Vielen für einen Donner gehalten wurde, da ein Regen im Anzüge war. Doch haben -Viele auch die Erschütterung wahrgenommen. Der Dach- stuhl knarrte, die Hunde bellten, ein zahmes Reh sprang auf- gescheucht auf. Während der verflossenen regnerischen Witte- rung traten wiederholt leichte Schüttler ein, die aber wegen des Donners nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnten (Pfarrer S. Zuzek). l h 13 m in Tersain (Trzin) allgemein wahrgenommen ein Seitenruck aus S durch l s nach vorangehendem Getöse. Er- schütterung der Betten und Möbel, Erwachen der Ortsbevöl- kerung (Schulleiter L. Blejec). l h 24 m in Jauchen (Ihan) von W T achenden allgemein wahrgenommen ein Zittern durch 3 S mit gleichzeitigem Getöse. Ungewöhnlichen Eindruck machte es* auf die Bevölkerung, dass vor der Erschütterung bei heiterem Himmel zwei Blitze wahr- genommen wurden (Schulleiter V. Sadar). l h 15"' in Aich (Dob) ein Beben, welches Viele (den Be- richterstatter im ebenerdigen Zimmer) aus dem Schlafe weckte. Es war ein Seitenruck aus E durch 2 S , welcher eine dreimalige Hin- und Herbewegung des Bettes bewirkte. Kurz vorher und gleichzeitig ein Getöse. Klirren der Fenster und des Geschirres, Knarren der Thüren und des Bettes, Erschütterung der Möbel, Krachen in den Mauern und dem Gebälke (Oberlehrer M. Ja nezic). lV 4 h in Egg (Brdo) bei Lukowitz fast ausnahmslos von Allen wahrgenommen — da man aus dem Schlafe geweckt E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 143 wurde — ein Stoss von unten mit darauffolgender Erschütte- rung; vorangehend und zum Theile gleichzeitig ein Dröhnen und Rauschen. In hölzernen Gebäuden krachte das Gebälk, in gemauerten klirrten hie und da die Fenster. Die Bevölkerung erschrak einigermassen, da sie in der Nachtruhe gestört wurde. verliess aber nicht die Betten (Pfarrer J. Bizjan). iy 4 h in Domzale leichtes Beben mit Getöse, 3\ Vorher ein Blitz bei heiterem Himmel (Oberlehrer F. Pfeifer). l h S m in Stein (Kamnik) ein von Vielen bemerktes schwa- ches Beben, doch war es nicht fähig Schlafende zu wecken. Berichterstatter wurde kurz vor dem Eintritt des Bebens wach. Es war ein Stoss SW — NE von l s , nach vorangehendem Getöse durch 2 S ; keine Wirkung auf bewegliche Gegenstände (P. 0. S. F. Hieronymus Knoblehar). l 1 / 2 h in St. Martin bei Stein von eben wachenden Perso- nen bemerkt nach einem Getöse eine Erschütterung des Bettes E— W, 3 S (Schulleiter F. Zore). [ b in Möttnig (Motnik) nur von einer Person wahr- genommen ein Seitenruck aus SW nach vorangehendem Ge- töse. Letzteres fünfmal solange dauernd als die momentane Erschütterung (Mitgetheilt durch Besitzer K. Kriznik). l h 8 m in Glogowitz (Blagovica) von den meisten Perso- nen wahrgenommen ein starkes Getöse durch 2 — 3 S , zum Schluss ein starker verticaler Stoss. Erschütterung der Möbel, im Pfarrhofe und in der Kirche wurden die verputzt gewesenen Mauerrisse wieder sichtbar. Das Getöse verlief anscheinend N— S (Pfarrer L. Skufca). 13. October, Bezirk Laibach. jh 9Qm - n j e 2 i c a. eine leichte Erschütterung mit unterirdi- schem Getöse (Schulleiter A. Zibert). lV 4 h in Sali och (Zalog) ziemlich starker Stoss ohne Ge- töse (Stationschef J. Resman). 13. October, Bezirk Littai. l h 10 m verspürte man in Kolowrat eine Erschütterung. zwei einander folgende Stösse E — W oder umgekehrt, 3 S , mit 144 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. begleitendem Getöse. Das Klavier im Zimmer stiess an die Wand an. Einige Saiten ertönten. Wachend wahrgenommen (Schullei- ter J. Zupancic). Negative Berichte zum 13. October l 1 // sandten: Watsch, Kressnitz, Cernuce und Oberburg in Südsteiermark. Die kartographische Darstellung auf Grund der vorliegen- den Stationsmeldungen lässt dieses Beben als eine völlige, nur etwas schwächere Wiederholung jenes vom 7. September l 3 / 4 h erkennen. Das Epicentrum ist dasselbe (Aich — Egg), die Art der Ausbreitung desgleichen, der Umfang um W T eniges kleiner. Auffallend stark erschüttert ist (wie gewöhnlich) Woditz, dies- mal anscheinend auch Glogowitz. Die aus Jauchen und Domzale gemeldeten Lichterschei- nungen vor dem Beben sind ohne Zweifel thatsächlich Blitze eines Gewitters, welches (gemäss Wahrnehmung des Referen- ten) in der Zeit zwischen und l h über dem Gebiete von Görz sich entlud und in der Richtung nach Krain fortzog. 17. October, circa l h 27 m in Laibach schwaches wellen- förmiges Beben, nach vorhergehendem Getöse (f.-bisch. Con- sistorialrath J. Smrekar). 18. October, circa 3 h in Jezica ein leichtes Beben W — E, 2 S , begleitet von Getöse (Schulleiter A. Zibert). Diese Erschütte- rung wurde nicht gefühlt in Cernuce (Schulleiter A. Gre- gor in). 25. October, 14 h 48 m 4 S MEZ, in Laibach sehr schwacher, senkrechter Stoss, 1 / 2 S , ohne Getöse (f.-bisch Consistorialrath J. Smrekar). XI. November 1898. 3. November, 5Y 4 h in Aich (Dob) von wenigen, ruhenden Personen wahrgenommen ein leichtes kaum fühlbares Zittern, 3 S , mit gleichzeitigem Getöse, als ob der Schnee vom Dache abrutschen würde (Oberlehrer AI. Janezic). 8. November, ll ü 39 m 20 s Bahnzeit in Schalkendorf bei Gottschee bemerkt ein ziemlich heftiges Schaukeln, 4 S , zum Schluss ein leichtes Zittern, 4 S , Richtung W — E, ohne Getöse, Klirren der Gläser im Schranke (Kohlenwerksverwalter A. Komposch). E. v. Mojsisovics. Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 145 Hiezu lieferten auf Anfrage folgende Stationen eine nega- tive Meldung: Reifnitz, Altlag, Rieg, Nesselthal, Unter-Deutschau, Ebenthal, Banjaloka, Vinica, Adlesici. 9. November, 16 : / 2 h in Unter-Idria ein von Vielen be- merkter Stoss mit gleichzeitigem Getöse, keine Wirkungen (Oberlehrer L. Puncuh). Diese Meldung bezieht sich auf ein wenig umfängliches Beben aus der Gegend von Kirchheim (siehe Chronik des Görzer Gebietes). IL'. November, circa 22y. 2 h , Beben im Bezirke Tscher- nembl. Nach 22 h in Tschernembl (Cernomelj) ein von Einzelnen (vom Berichterstatter im Freien) bemerkter Stoss, »als ob von einem Dache eine grosse Menge Schnee abgerutscht wäre« (Gemeindesecretär L. Bencic). 22 1 / 2 h in Doblice bei Tschernembl fast allgemein wahr- genommen ein Beben, welches uns aus dem besten Schlafe weckte. Ein Stoss mit Getöse wie bei einem fahrenden schwer beladenen Wagen. Das Getöse W — E fortschreitend (Schullei- ter J. Lokar). 22 1 / 2 h in Möttling (Metlika) von Einzelnen ein leichter Stoss bemerkt (Oberlehrer V. Burnik). Zu diesem anscheinend localen Beben des 12. November, circa 22 1 / 2 h , lieferten negative Meldungen die Stationen: Semic, Podzemelj, Adlesici, Altenmarkt bei Poljane (Bezirk Gottschee). 14. November, 10' 1 16 m MEZ, in Laibach ziemlich starker senkrechter Stoss, V 2 S , ohne Getöse. Unsichere Beobachtung (f.-bisch. Consistorialrath J. Smrekar). 27. November, 10V 2 h in Zeyer bei Zwischenwässern (Sora) allgemein bemerkt zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Stösse aus SW (nach Gefühl), 3 S , voran und gleichzeitig ein Getöse, ähnlich einem Rauschen. Berichterstatter war zur Zeit in der Kirche. Das Beben bewirkte eine Erschütterung der Fenster und Bänke (Schulleiter M. Potocnik). 29. November, 4 11 in Ho titsch und 30. November, 4 11 eb endaselbst von den meisten Orts- bewohnern wahrgenommen ein Stoss von unten (am 30. stärker , Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. ; CVIII. Bd., Ablh. I. 10 146 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 2 S , schien von Süden zu kommen, ohne Getöse (Pfarrprovisor M. Absec). 30. November, 4 h in Watsch (Vace) zwei Stösse rasch nacheinander. 30. November, 4 h 15 m ebendaselbst wieder ein Stoss. Alle drei bewirkten eine leichte Erschütterung der Möbel (Schulleiter F. Nagu). 30. November, 2 Ü 30 m in Sava ein leichter senkrechter Stoss, l s . Es schien als ob ein schwerer Gegenstand in einen tiefen Keller gefallen wäre (Stationschef A. Jug). Die Nachrichten aus den zwei letzten Novembertagen be- ziehen sich auf leichte locale Stösse in der Gegend von Watsch und Hötitsch, welche eine geringe Ausbreitung gefunden haben, deren Grenzen nicht näher verfolgt werden können. XII. December 1898. 2. December, circa 23 h 30 m , Beben im Hügellande östlich vom Laibacher Becken gemäss folgenden Meldungen: 2. December, Bezirk Stein. Circa 23 h 30 m in Petsch (Pece) wurden die Leute aus dem Schlafe geweckt durch einen starken Erdstoss, dass wir er- schreckt erwarteten, was noch kommen werde. Doch wieder- holte sich der Stoss nicht (Zeitschrift »Slovenec«). 23 h 20 m in Glogowitz (Blagovica) ein von den Meisten gefühltes Beben, welches den Berichterstatter aus dem Schlafe weckte. Es war ein kurzer Seitenruck aus N (nach Gefühl und nach der Verschiebung der Wandbilder beurtheilt) durch 2 S mit gleichzeitigem starken Getöse, Erschütterung des Bettes und der Möbel (Pfarrer L. Skufca). 23 h 30 m in St. Oswald wurden die Leute aus dem Schlafe geweckt durch einen sehr starken, 3 S dauernden Erdstoss, wel- chen ein Getöse begleitete, ähnlich dem Rasseln eines fahren- den Wagens (Zeitschrift »Slovenec«). 23 ll 30" 1 in Möttnig (Motnik) nur vom Nachtwächter wahr- genommen eine Bodenschwankung während des Gehens auf E. v. Mojsisovi es, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 1 -L der Strasse ohne Getöse. Sonst von Niemandem im Orte be- merkt (Besitzer K. Kriznik). 2. Decemher, Bezirk Littai. 23 h 30"' in Kolovrat von Wachenden gespürt ein kurzer Stoss aus E. Vor demselben ein Getöse, dessen Dauer ich nicht angeben kann, da ich während desselben wach wurde. Er- schütterung der Thür (Schulleiter J. Zupancic). 23 h 30 m in Watsch (Vace) von Vielen ein wellenförmiger Stoss bemerkt. Leichte Schwankung des Hauses (Schulleiter F. Nagu). 23 h 22 m in Sava eine leichte Erschütterung durch etwa 3 S . Richtung kann nicht angegeben werden (Stationschef A. Jug). 23 h 30 m in Kressnitz (Kresnice) von allen zur Zeit wa- chenden Personen verspürt eine von donnerartigem Geräusch begleitete Erschütterung. Eine auf dem Kasten befindliche Lampe zitterte sehr heftig (Schulleiter J. Wochinz). Negative Meldungen schickten die Stationen: St. Martin bei Stein, Ober Tuchein, St. Franz Xaver bei Oberburg in Steier- mark (Mittheilung des Besitzers K. Kriznik auf Grund verläss- licher Angabe einer zur Zeit daselbst wachenden Person), Ober- burg, Hrastnig, Franz, Tüffer und Trifail in Steiermark, Hotitsch, Salloch, Egg bei Lukowitz, Bischoflack. Das Beben vom 2. December hatte sein Epicentrum offen- bar in der Gegend der drei stärkst erschütterten Orte Petsch, Glogowitz und St. Oswald — also in der Nähe des Ursprungs- ortes der vorausgegangenen Erschütterungen des 30. und 29. November. Eine befriedigend genaue Umgrenzung der Schütterfläche gestatten die vorliegenden Meldungen nicht. Wenn man sie schematisch als kreisförmig auffasst, so kommt ihr ein Halbmesser von etwa 9 km zu. Von besonderem Interesse sind die Erschütterungen des 2. December und der vorangegangenen Tage insofern, als sie sich in jenem Hügellande abspielten, welches von der Laibacher Ebene ostwärts gegen Tüffer hinstreicht, und bei dem Haupt- stoss des Osterbebens 1895 jene Linie bezeichnet, entlang welcher nach Suess »eine viel geringere Abnahme der 10* 148 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Erschütterungsintensität beobachtet werden konnte, als in irgend einer Richtung« (Suess, 1. c. p. 32). Seitdem hat eine Anzahl von Beben stattgefunden, die ohne Zweifel ihr Epicentrum im westlichen Endabschnitte dieses Hügellandes hatten. Schon am folgenden Tage, am 3. December, war der Stoss- punkt wieder westwärts übergesprungen, indem gemäss fol- genden Meldungen neuerdings die Laibacher Ebene erschüttert wurde. 3. December, 17 h 35 m , Beben im Laibacher Becken. 3. December, Bezirk L a i b a c h und Umgebung. 17 h 34*5 m in Laib ach nach vorgängigem Dröhnen schwa- ches wellenförmiges Beben, 2 S , SSE — NNW (fürst-bisch. Con- sistorialrath J. Smrekar). 17 h 35 m eine Bodenerschütterung von vielen Personen verspürt, nicht so sehr wegen ihrer Stärke als wegen des starken Rollens, welches die Erschütterung be- gleitete (B. wohl Prof. Belar, in der »Laibacher Zeitung«). 17 h 30 ni in Rudnik bei Laibach allgemein wahrgenommen (vom Berichterstatter ebenerdig sitzend und lesend) ein kurzer Seitenruck SE — NW (nach Gefühl), mit gleichförmiger Bewe- gung durch 2 S . Voran durch l s und gleichzeitig ein unterirdi- sches Getöse. Erschütterung der Möbel, Klirren der Fenster und der Glasgefässe auf dem Schubladkasten (Schulleiter J. Petric). 17 h 34 m in Salloch (Zalog) ein starker Stoss S— N, 2 S (Stationschef J. Resman). 17 h 35 m in St. Veit ob Laibach fast allgemein wahrge- nommen ein Zittern SW — NE (nach Gefühl), 2 N , merklich voran, gleichzeitig und eben merklich hernach, also in der Gesammt- dauer 2 1 /.> — 3 S ein Getöse, wie von einem rasch vorüberfahren- den Landauer. Keine Wirkungen, nicht einmal Schwingen von Hängelampen (Lehrer A. Sit seh). 17 h 45 m in Cernuce allgemein wahrgenommen ein Ge- töse und eine Bewegung durch l s . Erschütterung leichter Gegenstände (Leuchter etc.) auf den Kästen (Schulleiter J. Gre- gorin). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 149 3. December, Bezirk Stein. 17 h 30"' in Aich (Dob) von Vielen, auch im Erdgeschosse, bemerkt eine schaukelnde Bewegung mit gleichzeitigem und nachfolgenden Getöse. Berichterstatter hörte während des Ge^ hens wohl das Getöse, fühlte aber die Erschütterung nicht. Im Erdgeschosse vernahm man kein anderes Geräusch (Oberlehrer M. Janezic). 17 h 33 m in Egg (Brdo) bei Lukowitz ein Getöse von Allen, die nicht einer geräuschvollen Beschäftigung oblagen, vernom- men, die darauf folgende Erschütterung bemerkten nur ruhig sitzende Personen. Ich hörte das Getöse (I. Stockwerk, sitzend) durch 3 S und erwartete den Stoss. Noch während desselben verschwand das Getöse. Der Stoss verursachte ein gelindes Klirren der Eenster, starkes Krachen der Fensterrahmen und ein Knistern in der Mauer. Kein Knarren der Thür, keine Er- schütterung der Möbel, keine sonstige Bewegung. Die Fenster der Westseite klirrten zuerst, dann jene der Ostseite (Pfarrer J. Bizjan). 17 h 30 m in Moräutsch (Moravce) von Einigen eine sehr leichte Erschütterung, aber ein umso stärkeres Getöse wahr- genommen (Oberlehrer J. Tom an). 17 h 25 m in Woditz (Vodice) ein von der Mehrheit der Be- völkerung vernommenes starkes dumpfes Getöse und gleich- zeitig ein Stoss von unten und ein Schaukeln. Der Stoss schien aus NW zu kommen, beurtheilt nach der Bewegung der Lampe. Dauer 3 — 4 S . Krachen im Dachstuhle des Pfarrhauses und der Kirche. Der Herr Cooperator flüchtete aus dem Beichtstuhle in Folge der Schwankung desselben in den Pfarrhof (Pfarrer S. Zuzek). Negative Meldungen zum 3. December liefern: Zarz, Bi- schoflack, Krainburg, St. Martin bei Stein, Ober-Tuchein, Watsch, Hotitsch, St. Marein-Sap, Lipoglav, Preser, Bresowitz, Billich- gratz. Es erscheint somit festgestellt, dass am 3. December 17 h 35 m die Laibacher Diluvialebene sehr leicht erschüttert wurde. Die Umgrenzung der Schütterfläche folgt im S und W dem Rande der Ebene, vom Moor haben wir keine Nachrichten, 150 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. i m E bildet sie wie diese eine Ausbuchtung überAich und Egg; im N aber zieht sie quer über die Ebene und wurden Krainburg und St. Martin nicht mehr fühlbar bewegt. Es hat somit die Schütterfläche des 3. December genau den Umriss der pleisto- seisten Region des Osterbebens, und demnach ist wohl auch anzunehmen, dass die Äusserung der unterirdischen Kraft demselben Herde entstammt. In Folge besonderer localer Ver- hältnisse des Untergrundes scheint auch diesmal Woditz die Wirkung des Bebens in etwas verstärktem Maasse gefühlt zu haben. 7. December, circa h 45 m , Beben in der Umgebung von Kirchheim gemäss folgenden Meldungen: h 50 m in Kropp (Kropa) mehrere Personen aus dem Schlafe geweckt durch ein Beben. Man vernahm ein unterirdi- sches Getöse, hierauf durch 3 — 4 S eine Erschütterung der Betten und Möbel, sowie heftiges Klirren der Gläser. Richtung S— N oder SW— NE (Oberlehrer J. Korosec). Circa h 30 m in Zarz (Sorica) ein Beben, welches mehrere Personen aus dem Schlafe weckte. Es war begleitet von unter- irdischem Getöse und dauerte 6 — 8 S (Schulleiter J. Armic). Circa 2 — 3 h in Woch einer Feistritz (Bohinjska Bistrica) angeblich ein wellenförmiges Beben durch 3 S (mitgetheilt durch k. k. Postmeister M. Bevc). h 42 in in Peuc ein dumpfes windähnliches Geräusch, dem die Erschütterung in der Dauer von 5 — 6 S folgte. Das leise Zittern verschwand gleichzeitig mit dem Getöse. Auch in der Umgebung von einigen Personen wahrgenommen (k. k. Förster K. Schebenig). Über die vermuthliche Verbreitung und den Ursprung dieses Bebens sehe man die Bemerkung in der Chronik für Görz nach. 23. December, 17 1 ' 10- 8 m M.E.Z.. in Laib ach drei schwa- che, raschest (innerhalb l s ) folgende senkrechte Vibrationen (fürstbisch. Consistorialrath J. Smrekar). E. v. MojsisovicSj Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. lol b) Görz-Gradisca. I. Jänner 1898. 14. Jänner, 20 h 35 m , locales Beben der Stadt Görz und Umgebung. Am 14. Jänner wurde die Stadt Görz und ihre nächste Umgebung leicht erschüttert. Über dieses locale Beben langten folgende Meldungen ein: 20 h 35 m in Görz durch einen Augenblick ein Ruck in den Mauern meiner Wohnung im zweiten Stockwerke. Sonst von einzelnen Personen verspürt auch im Hochparterre. Der Stoss war schwächer als am 6. März 1897 (Realschul-Prof. Ferd. Seidl). 20 h 35 m in Solkan ein Ruck, von Einigen verspürt. Des- gleichen in Sveta Trojica bei Kronberg (Supplent A. Jug). 20 1 / 2 h in Ajsevica zwei Stösse von Einigen bemerkt (Lehrer H. Leban). 20 1 / 4 h in Vertojba ein schussähnlicher Knall, nicht allge- mein wahrgenommen (Oberlehrer J. Zorn). 20 h 36 m in St. Andrä bei Görz ein allgemein wahrgenom- mener verticaler Stoss mit Dröhnen. Leichte Erschütterung der Möbel (Oberlehrer L. Furlani). 20' 1 36 m inGabrije bei Rubije eine allgemein bemerkte wellenförmige Bewegung aus SW durch einen Augenblick, mit nachfolgendem starken Dröhnen. Klirren der Fensterscheiben, Schwingen der Gewichte von Pendeluhren (Schulleiter J. Kriz- mann). Nicht gespürt wurde die Erschütterung in: Gergar, St. Peter bei Görz, Bilje, Ozeljan, Rence, Doberdob, Opatje selo, Monfalcone, Ronchi, Fogliano, Sagrado, Medea, Aquileja, Ma- riano, Lucinico, Pevma. Es ergibt sich somit, dass 20 h 35 m ein gestreckt elliptischer Flächenraum der diluvialen, auf einer Flyschunterlage ruhen- den Ebene von Görz erschüttert wurde, ähnlich wie am 6. März 152 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 1897, doch gelinder. Die Längsachse des Schüttergebietes be- rührt mit ihren Endpunkten in NE und SW die Gebirgsumran- dung am Ausgange des Wippachthaies und misst etwa 12 km, während die Querachse nur halb so lang ist. Die lange, schmale Gestalt der Schütterfläche gibt der Ver- muthung Raum, dass der Herd der seismischen Störung kei- neswegs in grosser Tiefe zu suchen ist. Auch der Umstand, dass die Achse der erschütterten Area mit dem Laufe des Isonzo auf der Strecke Solkan-Görz-Sovodnje fast zusammen- fällt, scheint beachtenswerth. Auf dieser Strecke ist die Con- glomeratdecke durch den Isonzo eingeschnitten. Dort wo die letztere der wasserundurchlässigen Flyschunterlage aufruht, fliesst dem Isonzo der unterirdische Grundwasserstrom der Görzer Ebene zu. Hier ist offenbar dessen Geschwindigkeit die grösste, und demgemäss auch die erodirende Wirkung. Sobald durch die Auswaschung an der Trennungsfläche von Flysch und Conglomerat ein genügender Raum geschaffen und dem letzteren die unmittelbare Unterlage entzogen ist, bricht ein an den Isonzo angrenzender Streifen der Conglo- meratdecke ab, und es ist denkbar, dass durch dessen Anprall auf die Flyschbasis eine Erderschütterung von der Art der oben durch die Stationsmeldungen beschriebenen entsteht. Es wäre demnach auch klar, dass sich die Erscheinung nicht selten wiederholt. Man müsste aber auch erwarten, als blei- bendes Zeugnis derartiger Abbruche der Randpartien der Con- glomeratdecke letztere aus ihrer ursprünglichen horizontalen Lagerung in eine geneigte versetzt zu finden. Der Augenschein bestätigt nun diese Folgerung nicht. Allerdings sind nament- lich jene Stellen, wo am Isonzoufer an der Ftysch-Conglomerat- grenze Quellen hervorbrechen, durch Ansammlungen abge- stürzter Conglomeratblöcke (mitunter von Hausgrösse) bezeich- net. Es wäre aber trotz der grossen Erschütterbarkeit der Erd- rinde nicht leicht festzustellen, ob sich das Ablösen der Con- glomeratmassen unter Umständen vollzieht, die eine merkliche Erschütterung des Isonzoufers auf eine Erstreckung von mehr als 5 km. flussaufwärts und abwärts zu bewirken imstande wären. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 153 II. Februar 1898. 5. Februar, circa 15 h , vom Laibacher Becken ausgestrahlte Erderschütterung. 15 h in Görz in der Villa Via Dreossi eine leichte Er- schütterung (Fabriksdirector C. Sikowsky). Sonst in Görz nichts darüber bekannt (Prof. Ferd. Seidl). 15 h bei St. Peter nächst Görz. Auf einem Flyschhügel zwischen St. Peter und Rence im Freien stehend und beschäf- tigt spürte ich eine Bodenschwankung, die mein Körper mit- machen musste. Nacher las ich im »Slovenec«, dass gleich- zeitig in Laibach ein Beben stattgefunden hat. In St. Peter hat Niemand etwas verspürt (Besitzer J. Mervec). Persönliche Mit- theilung an den Referenten. Die übersichtliche Darstellung dieses vom Laibacher Becken ausgehenden Bebens ist in der Chronik für Krain enthalten. 19. Februar, 17 h 45 m in Görz von wenigen ruhenden Per- sonen unter günstigen Nebenumständen eine sehr leichte Er- schütterung bemerkt (Prof. Ferd. Seidl). 20. Februar, circa 0\ 2 h , 3 h , 4 h , 5\ Vorläufer des Bebens von Cividale. Bald nach h in Görz eine schwache Erderschütterung, gefühlt von wachenden Personen (Prof. Ferd. Seidl). h in St. Peter bei Görz eine Erschütterung. 2 h ebendaselbst desgleichen wachend beobachtet (Oscar Graf Christallnigg). 2 h auf dem Heiligen Berge bei Görz eine Erschütterung, schwächer als vier Stunden später (Besitzer J. Makarovic). 3 h in dem zum Tolmeiner Bezirk gehörigen Theil des Idriathales ein Beben (Zeitschrift »Soca«). 3 h in Medea von Mehreren eine Erschütterung verspürt (Oberlehrer V. Coos). Etwas nach 3 h in Görz eine ganz leichte Erschütterung nach Mittheilung von zwei Beobachtern, welche, im I. Stock- werk eines und desselben Hauses wohnend, durch sie aus dem Schlafe geweckt wurden. Die Fenster klirrten. Nach Angabe lo4 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. eines Beobachters in einem anderen Stadttheile vor 3 h Zittern der Fenster und Thüren. 4 1 ' hat ebendaselbst laut Angabe einzelner eben wachen- der Personen wieder ein derartiger Stoss stattgefunden (Prof. Ferd. Sei dl). 4 h in Medea angeblich eine leichte Erschütterung (Ober- lehrer V. Coos). Zwischen 4 und 5 h in Cormons ein leichter Stoss (Ober- lehrer A. Pizzul). 4 h in Cervignano und 4 h 45 m ebendaselbst je eine leichte Erschütterung (k. k. Gensdarmeriepostenführer F. Cebokli). 4 h in Tolmein ein leichter Stoss (Bezirksarzt Dr. E. G raffe). 20. Februar, 5 h 57 m , Erdbeben von Cividale. 20. Februar, circa 6 h erfolgte in der Provinz Udine des benachbarten Königreiches Italien ein zerstörendes Beben, welches — soweit man nach Zeitungsnachrichten urtheilen kann — sein Epicentrum in der Nähe von Cividale hatte. Die oben bereits angeführten Erschütterungen dieses und des vor- angehenden Tages sind als Vorbeben der Hauptbewegung aufzufassen. Cividale liegt in der Nähe der österreichisch-italienischen Reichsgrenze, in der Luftlinie nur etwa 23 km von Görz ent- fernt. Es ist daher begreiflich, dass die zerstörende Haupt- erschütterung über das ganze Gebiet von Görz-Gradisca aus- strahlte. Auch ein grosser Theil Krains wurde noch von der Bewegung ergriffen. Die von dort eingelaufenen Nachrichten findet man in unserem Referate über Krain. Allem Anscheine nach sind die Bebenwellen auf österreichischem Gebiete auch nach Kärnten, Triest und Istrien vorgedrungen. Ein orientirender Überblick über den auf Görz und Krain entfallenden Antheil der Schütterfläche wird in dem Referate über Krain im Anschluss an die Meldungen der Stationen gegeben. Hier folgen die aus dem Gebiete von Görz-Gradisca eingelangten Nachrichten auszugsweise und geordnet nach den Verwaltungsbezirken. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 155 ' Bezirk Tolmein. 6 h 2 111 in Breth (Log) nur in den höheren Theilen der Häuser bemerkt (vom Berichterstatter im zweiten Stockwerk, 8 — 10 m über dem Boden, im Bette liegend). Nur ein Stoss, in der Richtung NW — SE durch 5 — 7 S . Die Bewegung war ein langsames Schaukeln. Erschütterung der Möbel (Schulleiter F. Je 1 i n c i c). Circa 5 h 30 m in Flitsch (Bovec) von vielen, doch nur von wachenden, zumeist im Bette liegenden Personen ein Stoss wahrgenommen. Es ist nicht wahrscheinlich, dass derselbe fähig war, Schlafende zu wecken. Vor und nach dem Stoss hörte man ein kurzdauerndes Sausen, angeblich in der Richtung SE — NW. Stellenweise Klirren der Fenster und des Glas- geschirres (Oberlehrer Chr. Bratina). 5" 54 m in Logje bei Breginj eine Erschütterung. Ich war sehr ermüdet, da ich in dieser Nacht zweimal zu Kranken gerufen wurde, ich erwachte dennoch, als durch das Beben das Bett in starkes Schaukeln versetzt wurde. Leichte Stösse gab es schon vor dem 20. Februar (Pfarrvicar F. Guzelj). 5 h 55 m Tolmein (Tolmin) ziemlich allgemein wahr- genommen ein Beben, welches den Berichterstatter aus dem Schlafe weckte. Es waren drei schnell aufeinanderfolgende Stösse, von denen der letzte der stärkste war. Es schien ein Seitenruck gewesen zu sein, da Leute, die ihr Bett in der Rich- tung N — S haben, von der Erschütterung fast nichts merkten, hingegen am stärksten jene, welche in der Richtung E — W lagen. Heftiges Schütteln der Häuser. Die Einwohnerschaft nicht besonders erschreckt (Bezirksarzt Dr. E. G raffe). 5 h 55™ in Tolmein (Tolmin) allgemein wahrgenommen, ausser im Freien und von ebenerdig Beschäftigten, zwei Stösse von unten, der erste schwach, der zweite stärker. Es war eine langsame, zuerst anwachsende, dann abnehmende Bewegung, bis schliesslich das Vibriren unfühlbar wurde. Richtung NW, erkannt durch die Beobachtung bewegter Gegenstände. Dauer 5— 6 S . Kein Schall, Klirren der Fenster und Gläser, die Wand- bilder sprangen wiederholt ab. Stark lärmende Erschütterung 156 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. der Möbel. Kein Krachen der Mauern und des Gebälkes. Schla- fende wurden geweckt. Einige verliessen die Häuser (Oberlehrer J. Sirca). 6 h 2 m in Kirchheim (Cerkno) allgemein wahrgenommen ein Stoss aus SE. Die Bewegung war ein Schaukeln. Dauer 2 S . Voran und zugleich ein Sausen (wie bei Wind) durch 3 S . Er- schütterung der Möbel. Aufrecht stehende Bretter fielen um (Oberlehrer A. Trebse). 5 3 / 4 h in Woltschach (Volce) ein sehr starker Stoss. Grosser Schreck (Zeitschrift »Edinost«). Circa 6 h in Otalez die Meisten durch das Beben aus dem Schlafe geweckt, Erschütterung der Betten und Möbel. Es war ein wellenförmiges Beben durch 3 S , NW — SE, voran ein Getöse. Starkes Krachen der Mauern, stellenweise löste sich der Bewurf ab. Einige haben schon vor 6 h eine leichte Erschütterung bemerkt (Schulleiter A. Sattler). Bezirk Görz. Circa 5 3 / 4 h wurden in Kanal die Bewohner allgemein aus dem Schlafe geweckt durch drei kurze Stösse, welche nur ebenerdig wenig oder gar nicht sich bemerkbar machten. Der erste Stoss E — W, der zweite entgegengesetzt, der dritte, schwache, S — N und zurück. Dauer 3 — 4 S . Gleichzeitig schwaches Getöse (Oberlehrer M. Zega). — 5 h 57 m (Tele- graphenzeit) allgemein verspürt ein Beben. Voran ein unter- irdisches Getöse, welches mit der Erschütterung insgesammt 3 S dauerte. Das Getöse und die Erschütterung erfolgten in der Richtung SW — NE. Rasseln der Gegenstände in den Wohnungen (k. k. Gendarmerie-Postenführer J. Ozbalt). Circa 5 3 / 4 h in Cepovan allgemein beobachtet zwei ein- ander folgende Stösse, der zweite stärker. Die Bewegung war ein Vibriren N — S, voran ein dumpfes Getöse (Schulleiter A. Mlekuz). 5 h 50 m in Ternovo bei Solkan zwei einander folgende Erdstösse durch 4 S , N — S, Erschütterung der Thüren und Betten. Laut Angabe anderer Personen war Nachts auch ein Stoss erfolgt (Pfarrvicar F. Kodric). K. v. Mojsiso vi es, Chronik der lüdbeben im Jahre 1898. J o7 51149m j n Kojko (Quisca) ein allgemein wahrgenommener Erdstoss NW — SE durch 3 — 5\ voran ein unterirdisches Geräusch (k. k. Gendarmerie-Postenführer F. Gregorcic). 5 h 57 m (Telegraphenzeit) in Görz eine Erschütterung; in den oberen Stockwerken klirrten die Fenster, die Möbel durch 2 — 3 S wellenförmig erschüttert, stellenweise Krachen in den Mauern und dem Gebälke. Viele wurden durch die Erschütte- rung aus dem Schlafe geweckt, aus der Kostanjevica-Kirche, welche auf einem Flyschhügel im Bereiche der Stadt steht, flüchteten die Leute ins Freie. Nur einige ebenerdig wohnende Personen bemerkten das Beben nicht. Keine bleibenden Wir- kungen (Prof. Ferd. Sei dl). — »Ein starker Erdstoss, scheinbar aus NW, mit folgenden Schwingungen des Fussbodens und schaukelnder Bewegung des Bettes, in dem ich lag« (Fabriks- director C. Sikowski, Villa Dreossi). 6 h in Kronberg ein unterirdisches Getöse, drei Stösse durch 6 S , Erschütterung aller Gegenstände; das Küchengeschirr an der Mauer klapperte (Schulleiter J. Copi). Circa 6"5 m in Vertojba in den oberen Theilen der Häuser von Wachenden allgemein gespürt, weniger ebenerdig; nach einem Stoss eine allmälig abnehmende, wellenförmige Be- wegung; das Haus wurde einigemale erschüttert. Dauer 2 S . Rasseln des Geschirres an der Mauer (Oberlehrer J. Zorn). 5 h 50 m in Schönpass (Sempas) zwei Stösse durch 2 S , der zweite stärker, SW — NE (Pfarrer B. Grca). 5 h 55 m in Gabrije bei Rubije-Sovodnje zwei allgemein beobachtete Stösse aus SW, der zweite stärker; Dauer 2 S , voran ein dumpfes Getöse. Erschütterung der Möbel (Schul- leiter J. Krizman). 5 h 56 m in Sovodnje ein von Wenigen bemerkter Stoss, l m darauf ein zweiter, fast allgemein beobachteter Stoss, welcher die Meisten aus dem Schlafe weckte. Der zweite Stoss bewirkte zuerst ein gelindes Schaukeln durch 5 S ; dasselbe wuchs an, war stark durch 3 S und nahm dann ab durch 2 S . Richtung E— W, beurtheilt nach dem Gefühl und nach der Bewegung der Wandbilder. Unmittelbar vor dem zweiten Stoss ein dumpfes Donnern. Ziemlich starke Erschütterung der Möbel, Krachen in den Mauern (Lehrerin Karoline Komac). lo8 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Circa 6 h in Ozeljan bei Schönpass eine fast langsam zu nennende Bodenbewegung mit drei Stössen, auch während des Gehens beobachtet; Erschütterung aller Gegenstände, besonders der Wandbilder (Schulleiter H. Leb an). 6 h 2 m in Cernice, fast allgemein wahrgenommen, ein gleichförmiges Schaukeln durch 2 — 3 S ; einiges Krachen in den Zimmerdecken (Oberlehrer Fr. Strnad). 5 h 50 m in Hai den schaft (Ajdovscina) ein allgemein ge- spürtes Vibriren durch 3 S , gelindes Knarren der Thüre (Ober- lehrer F. Bajt). 6 h in Reifenberg allgemein gespürt ein Schaukeln NW — SE durch l 1 2 S ; vorangegangen war 5' 1 45 m ein Stoss, laut Angabe Einiger ein dritter Stoss (Oberlehrer A. Poniz). Circa 5 3 / 4 h in Gabrije bei Haidenschaft, von Einigen gefühlt, drei einander folgende, wellenförmige, seitliche Stösse durch 2 — 3 S , Richtung E — W, beurtheilt nach dem Gefühl, sowie nach der Erschütterung des Bettes und der Thüren (Schulleiter F. Srebrnic). > Bezirk Gradisca. 6 h 2 m in Dolegna und den umliegenden Ortschaften, Golobrida, Mimik, Skerlje, Rutars und Nebola, allgemein, auch im Freien beobachtet ein heftiger, dumpfer, unterirdischer Donner durch 2 S , gleich darauf ein durch 3 — 4 S gleichmässig andauerndes Schaukeln des Erdbodens. Der erste Anstoss schien aus NE in der Form eines dumpfen Rollens gekommen zu sein. Anhaltendes stummes Hin- und Herwackeln der Häuser, ohne mit einem besonderen Geräusche verbunden zu sein. Kein Schaden an Gebäuden. Klirren der Fenster, Knarren der Thüren. Die Bevölkerung, aus dem Schlafe geweckt, blieb ruhig. Im benachbarten Orte Prepotto (Italien) sind in Folge der Erschütterung in der Kirche zwei Palmen vom Altare gefallen, und eine Heiligenstatue wurde gedreht (k. k. Gendarmerie- Postenführer H. Konz). 5 h 55'" in Medana allgemein wahrgenommen ein ununter- brochenes Zittern, 2 S . Dasselbe begann allmälig und hörte ebenso auf. Bald nach dem Beginn verspürte man den ersten, E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 159 stärkeren, vor dem Aufhören den zweiten, schwächeren Stoss. Herkunft der Stösse aus S, da zuerst die auf der Südseite, dann die auf der Nordseite des Zimmers hängenden Gegen- stände ins Schwingen geriethen (Oberlehrer A. Zorzut). 5 h 57 m in Cormons allgemein wahrgenommen zuerst eine suscultorische, hierauf eine undulatorische Bewegung durch 2 S aus ESE (beurtheilt nach der Schwankung des Bettes im zweiten Stockwerke). Voran ein Getöse. Erschütterung der Möbel und des Hauses. Die Bevölkerung blieb ruhig. Am 21., 22. und 24. jedesmal Morgens verspürte ich schwache Stösse, Stunde nicht mehr erinnerlich (Oberlehrer A. Pizzul). — 5 h 56 m ein allgemein, auch im Freien wahrgenommenes, wellenförmiges Beben N — S durch 4 S (k. k. Gendarmerie -Postenführer A. Vatovec). -h 571D j n M oraro allgemein bemerkt ein undulatorischer Stoss aus S durch 5— 6 S . Bevölkerung ruhig. Weder der Hund, noch die Vögel im Käfig (ebenerdig) beunruhigt (Schulleiter P. Nigris). 5 h 55Y 2 m in Ron chi allgemein wahrgenommen zwei Er- schütterungen, die zweite einige Minuten später. Schlafende geweckt. Es war ein Schaukeln NNW — SSE durch 3 S , voran durch 1 s ein schwaches Rollen. Einige Bilder wurden ver- schoben, die Kanarienvögel flatterten auf, die Bevölkerung blieb ruhig (Stationschef der Südbahn M. Pittner). 5 h 58 m in Medea allgemein wahrgenommen im Freien wie in den Häusern, auch von gehenden Personen; mehrere wurden durch das Beben aus dem Schlafe geweckt. Zuerst ein Stoss von unten, dann ein Schaukeln E— W, 4 — 5 S , gleichzeitig ein donnerartiges Geräusch. Klirren der Fenster, Schwanken des Bettes und anderer Möbel (Oberlehrer V. Coos). 5 h 48 m in Belvedere bei Aquileja ein massiger Stoss von 5 S Dauer (Don Domenico Veliscig). 5 h 57 m in Aquileja ein undulatorisches, allgemein ver- spürtes Beben. Schlafende geweckt, wohl auch ebenerdig. Klirren der Fenster, Schwanken der Betten, Thüren aufgerissen, im Museum nichts umgefallen (Leiter des Staatsmuseums Prof. H. Maionica). 1 60 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 5 h 59 m in Sagrado zwei aufeinanderfolgende, ziemlich starke, schaukelnde Erderschütterungen, SE — NW (k. k. Gen- darmerie-Postenführer A. Morth). 5 h 55 m in Gradisca von den meisten Bewohnern des Ortes wahrgenommen eine heftige, wellenförmige, mit Zittern anhebende Erderschütterung durch 5 S (k. k. Bezirksschul- inspector J. Pich). — ■ 5 h 55 m in den Wohnungen allgemein verspürt zwei einander folgende Stösse N — S (k. k. Gen- darmerie-Wachtmeister A. Pih). 5 h 55 m in Cervignano allgemein verspürt ein langsames gleichförmiges Schaukeln N — S. Die letzte Bewegung dauerte 2 S , die vorausgegangenen zwei Stösse nur Augenblicke. Rasseln der bewegten Gegenstände (k. k. Gendarmerie -Postenführer F. Cebokli). Circa 6 h in Monfalcone fast allgemein verspürt zwei wellenförmige Stösse in einem Zeiträume von 2 m . Dauer je l s , voran ein geringes Getöse, Erschütterung der Möbel (k.k. Grund- buchsführer A. Batelli). — 5 h 58 m allgemein wahrgenommen ein kurzer Stoss aus N mit unterirdischem Geräusch (k. k. Gendarmerie-Postenführer P. Pernat). Circa 6 h 10 m in Visco und den umgebenden Ortschaften allgemein wahrgenommen zwei Stösse und eine wellenförmige Bewegung (k. k. Gendarmerie-Postenführer J. Delmarco). Circa 6 h 10 m in Ajello desgleichen (k. k. Gendarmerie- Postenführer J. Sardagna). C\ b in Doberdob allgemein bemerkt zwei einander folgende Stösse, der erste sehr kurze Zeit, der zweite 2 S anhaltend. Die Bewegung war ein Zittern, Richtung N — S, beurtheilt durch die Beobachtung bewegter Gegenstände (Pfarrvicar A. Bratina). Bezirk Sesana (Sezana). 5 h 55 m in Komen allgemein wahrgenommen zwei Stösse E — W, begleitet von einem Rauschen. Klirren der Gläser. Schwanken der Wandbilder, Erschütterung der Möbel. Die Leute nicht beunruhigt (Oberlehrer A. Leb an). Als Nachbeben vom 20. Februar werden gemeldet: 20. Februar, 6 h 25 m in Gradisca eine sehr schwache Er- schütterung (k. k. Bezirksschuiinspector J. Pich). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 1 ' > ' 20. Februar, nach 7'' in Otalez (Bezirk Tolmein) haben Einige ein leichtes Beben bemerkt (Schulleiter A. Sattler). 25. Februar, circa 2 1 ' in Haidenschaft (Ajdovscina) vom Kaufmann Casagrande zwei leichte, verticale, aufeinander- folgende Erdstösse bemerkt; sonst von Niemand (Oberlehrer F. Bajt). III. April 1898. »?5. April, circa 16 11 in Logje bei Breginj ein Beben, doch erinnere ich mich dessen jetzt (24. April) nicht mehr genau« (Pfarrvicar F. Guzelj). 6. April. 22 1 /.,' 1 in Tolmein angeblich von Einzelnen verspürt eine leichte Erschütterung in den oberen Stockwerken (Oberlehrer J. Sirca). 6. April, circa 23 h in Pecine (Bezirk Tolmein) ein verticaler Stoss durch 3 S , Klirren der Fenster, Erschütterung der Möbel. Auch in Slap beobachtet (J. Mrak). 6. April, 23 1 / 2 h m Sta. Lucija ein Stoss von Wachenden gespürt, nicht von Schlafenden (Professor J. Kragelj). 6. April, 23 h 10 m in Cepovan von Einigen bemerkt ein Zittern 3 S und ein Knall (Schulleiter A. Mlekuz). 6. April, circa 23 h auf dem Heiligen Berge bei Görz von Wachenden eine Erschütterung bemerkt (Besitzer J. Maka- rovic). 7. April, 1 V 4 h in Cepovan ein Zittern durch 3 S , schwächer als am Vortage, von Einigen bemerkt, und ein Knall (Schul- leiter A Mlekus). 11. April, 23 h in Joanniz von einzelnen wachenden Personen ein gelinder Erdstoss von unten verspürt (J. Graf Strassoldo). 12. April, 19 u 40 m , Vorläufer eines Nachbebens von Cividale. 19 h 40 m in Görz von einzelnen Personen eine ganz leichte Erschütterung beobachtet. Erklirren des Geschirres durch einen Augenblick, Erschütterung der Tischlampe im zweiten Stock- werke. Schon IS 1 // will man in einem Hause eine Erschütte- rung verspürt haben (Prof. Ferd. Sei dl). 19 h 30 in Pecine eine leichte wellenförmige Erschütterung (Zeitschrift »Soca«). Sitzh. d. mathem.-naturw. CL; CV1II. Bd., Abth. I. H 162 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Die vorstehenden zwei Meldungen scheinen sich auf ein umfangreiches Beben zu beziehen, welches noch in Schalken- dorf bei Gottschee in localer Verstärkung als sehr leichte Er- schütterung auftrat (vergl. Chronik Krains). 12. April, 20 h 18 m Nachbeben des Bebens von Cividale. Das Beben, welches aus Görz und Pecine gemeldet wurde, war ein Vorläufer des schwachen Erdbebens, welches bald darauf im benachbarten Italien sich als Nachwirkung des Bebens von Cividale (20. Februar d. J., 6 h ) auslöste und über das Gebiet von Görz-Gradisca fortpflanzte. Hier folgen die hierüber eingelangten Meldungen, geordnet in der gewohnten Weise. Auch einige Punkte Krains wurden noch von der Be- wegung erreicht (siehe Chronik Krains). Über das Auftreten dieses Bebens in Italien hatte Prof. Teilini in Udine die Freundlichkeit, folgende briefliche Mit- theilung zu machen: »In Udine wurde das Beben um 20 u 25 m beobachtet, nach anderen Mittheilungen 20' 1 23 m . Der Stoss war kurz, aber nicht schwach, Richtung N — S. Auf den Strassen war das unterirdische Rollen hörbar und in den Häusern starkes Schwanken der Möbel und der Wände. — In Cividale wurde das Beben um 20' 1 15 s beobachtet, ein starker succussorisch- undulatorischer Stoss, 3 S andauernd. Fast alle Einwohner flüchteten auf die Strassen und kehrten nicht vor 22 h in die Wohnungen zurück. Im Gerichtsgebäude von Cividale zeigten sich Risse in den Wänden. Dieser Stoss war jedoch weniger heftig als jener vom 20. Februar 6 h , welcher ebenfalls Beschädi- gungen an Gebäuden und Verschiebungen in der Mauer des Gartens »Moro« in Cividale verursachte. — Das Beben vom 12. April wurde auch in anderen Ortschaften der Provinz Udine wahrgenommen. Am heftigsten und heftiger noch als in Civi- dale war es in Buja und Attimis. Am rechten Ufer des Taglia- mento wurde kein Beben beobachtet« (übersetzt aus dem Italienischen). 12. April, Bezirk Tolmein. 20 1 / 4 h in Soca eine Erschütterung gespürt, in Breth nicht mehr (Schulleiter E. Jclincic). R.v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre L898. 163 20 V2 11 in Flitsch (Bovec) fast allgemein bemerkt ein Stoss mit langsamer wellenförmiger Bewegung durch 2 S , SE — NW. voran ein dumpfes Getöse. Klirren in den Glaskästen. In gleicher Weise wurde das Beben in Breth beobachtet. Ich selbst befand mich in lauter Gesellschaft. Ich hörte wohl das Getöse, schrieb es aber einem Lavinensturz zu, da kein Gegenstand im Zimmer erschüttert wurde (Oberlehrer Chr. Bratina). 20 h 20 m in Karfreit (Kobarid) allgemein wahrgenommen eine etwa 12 s dauerndes, mit zwei aufeinanderfolgenden wellen- förmigen Erdstössen auftretendes Erdbeben anscheinend aus W. Kein Schaden (Gendarmerie -W T achmeister J. Uranic). — Viel- fach verspürt zwei Stösse, welche die Gebäude etwas erschütter- ten (Schulleiter A. Miklavic). 20' 1 20 m in Toi mein (Tolmin) von Einigen bemerkt (von mir selbst im Erdgeschoss sitzend) zwei aufeinanderfolgende, wellenförmige, langsame Bewegungen mit gleichzeitigem Getöse wie von einem vorüberfahrenden Wagen. Letzteres auch eben- erdig bemerkt, in den oberen Stockwerken eine leichte schau- kelnde Erschütterung (Oberlehrer J. Sirca). Nach 20 h in Logje bei Breginj eine Erschütterung (Pfarr- vicar F. Guzelj). 20 h 12 m in Breginj allgemein wahrgenommen ein verticaler Stoss, voran ein Gepolter wie von einem fahrenden Wagen. Hie und da Klirren. der Fenster und Gläser (Schulleiter A. Stres). 12. April, Bezirk Görz. 20 h 15 m in Rocinj zuerst ein Getöse, anscheinend aus dem Venezianischen, hierauf Erschütterung und Krachen der Möbel (Oberlehrer A. Pavlin). 20 h 18 m in Kanal von Vielen bemerkt ein wellenförmiger Stoss, anscheinend aus S, mit gleichzeitigem dumpfen Getöse. Stellenweise Klirren der Fenster, Erschütterung der Möbel, Knarren der Thüren (Oberlehrer M. Zega). Nach 20V 4 h in Gorenje polje allgemein bemerkt durch einen Augenblick ein Seitenstoss aus NE, voran ein dumpfes Getöse durch einige Secunden. Krachen der Mauern. Vorher und hernach kein Beben (Schulleiter T. Lukancic). 11* 164 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 20V 2 h in Plava fast allgemein gespürt ein Stoss aus NE und durch l s ein Getöse (Schulleiter K. Mlekuz). ' 20' 1 19 m in Kojsko (Quisca) nicht allgemein wahrgenommen ein leichter Erdstoss N — S durch 2 — 3 S , voran ein unterirdi- sches Geräusch (Gendarmerie-Postenführer J. Gregorcic). 20 h 14 m in Lucinico ein kurzer Seitenruck, circa 2 S , ohne Getöse von einzelnen Personen in den höheren Stockwerken bemerkt (Gendarmerie-Postenführer A. Sepich). 20 ll 18 m (Telegraphenzeit) in Görz von mehreren ruhenden Personen nicht bloss in den höheren Theilen der Häuser, sondern auch im Hochparterre eine leichte Erschütterung nach vorangehendem Dröhnen beobachtet. Stellenweise gelindes Erklirren der Fenster, Schwingen von Hängelampen, Schwanken von Flüssigkeiten in Gefässen (Prof. Ferd. Sei dl). 20 V 2 h in T r n o v o bei Solkan im ersten Stockwerke ein Stoss N — S. Die Wandbilder sprangen einmal ab (PfarrvicarF.Kodric). 20 h 29 m in Sovodnje ein allgemein bemerktes, ziemlich langdauerndes Beben. Erschütterung der Häuser, sämmtlicher an Wänden hängender Gegenstände. Klirren des Glasgeschirres (Lehrerin Karoline Komac). 20 h 19 m in Gabrije bei Sovodnje ein allgemein verspürtes Zittern aus SW durch 3 S , nach vorangehendem Getöse, Er- schütterung beweglicher Gegenstände. Hunde begannen zu bellen (Schulleiter J. Krizman). Circa 20 1 / 4 h in Cernice bei Schönpass eine nicht all- gemein bemerkte, leichte, schaukelnde Bewegung mit leichtem Getöse (Oberlehrer F. Strnad). 20 h 18 m in Dornberg fast allgemein wahrgenommen ein leichtes unterirdisches Getöse, Klirren der Fenster, Erschütte- rung der Kästen und der Zwischenwände (Lehrer A. Urbancic). 20 h 5 1 " in Unter-Reifenberg ein allgemein wahr- genommenes rasches Schaukeln NW — SE durch l 1 , 2 S . Klirren der Fenster, Knarren der Thüren, Erschütterung des Küchen- geschirres (Oberlehrer A. Poniz). 12. April, Bezirk Grad is ca. 20' 1 18 m (Uhr an demselben Tage nach der Eisenbahnuhr in Cormons gerichtet) in Dolegna in Gebäuden, wie im Freien E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 165 verspürt ein schwacher Erdstoss durch 1 s mit durch l s voran- gehendem und gleichzeitigem dumpfen, schwachen Donner. Der Erdstoss bewirkte in ein- bis dreistöckigen Gebäuden einen Druck von unten und erschütterte die Bauobjecte nur wenig; bewegliche Sachen setzte er nicht in schaukelnde Bewegung (Gendarmerie-Postenführer H. Konz). 2Qh 9Qm j n ;\T ec j ana un d umliegenden Dörfern von Vielen verspürt eine kurze wellenförmige Schwankung ohne Getöse, anscheinend aus NE. In einigen Gebäuden leichtes Klirren der Fenster (Oberlehrer A. Zorzut). 20 h 16 m in Cormons ein ziemlich heftiges, wellenförmiges Beben N— S durch 3 S in Gebäuden wie im Freien wahr- genommen (Gendarmerie-Postenführer A. Vatovec). - - All- gemein verspürt eine leichte Wellenbewegung W — E. Erschütte- rung der Möbel (Oberlehrer A. Pizzul). 20 h 19 m (Bahnzeit) in Cervignano in den oberen Stock- werken, nicht im Erdgeschosse, wahrgenommen ein gleich- förmiges langsames Zittern, nach Maassgabe des Gefühls an- scheinend NE— SW, Dauer 3 S . Begleitet von einem dumpfen Geräusche und schwacher Erschütterung der Fensterscheiben, Tischlampen etc. (Gendarmerie-Postenführer F. Cebokli). 20 h 15 m (Bahnzeit) in Visco ein theilweise bemerktes, leichtes Beben durch circa 7 — 8 S . Ein Stoss und eine wellen- förmige Bewegung E — W (Gendarmerie-Postenführer J. Del- marco). 20 h 30 m in Aquileja von einzelnen Personen bemerkt eine undulatorische Erschütterung. Angeblich um 21 h 30 m des- gleichen (Leiter des Staatsmuseums Prof. H. Maionica). 20 u 25™ in Medea im Freien wie in den Häusern all- gemein bemerkt ein Schaukeln von E nach W durch 3 S mit gleichzeitigem Donnern. Bilder, Uhren, Hängelampen erschüttert, Stubenvögel beunruhigt (Oberlehrer V. Coos). 20 h 20 m 45 s (Bahnzeit) in Ronchi vom grössten Theile der Ortsbewohner (auch ebenerdig) verspürt ein Zittern E — W durch 3 S , zugleich mit einem Rollen, wie von einem Wagen. Schwingen der Hängelampen. Geringes Krachen der Öfen und Kästen, Flattern der Stubenvögel (Stationschef J. Pittner). 166 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 2Qi» o\m (Bahnzeit) in Gradisca von den meisten Orts- bewohnern verspürt eine wellenförmige Erschütterung durch 4 S . In meiner Wohnung im zweiten Stockwerke eines isolirten Hauses wellenförmige Erschütterung der Sessel und anderer Gegenstände, Beunruhigung der Stubenvögel (Bezirksschul- inspector J. Pich). Nach 20 h in Devin (Duino) ein kurzer wellenförmiger Stoss mit dumpfem unterirdischen Dröhnen, nur von Einigen wahrgenommen. Jemand, der ebenerdig auf dem Boden sass, gelehnt an die Mauer, verspürte das Schwanken der letzteren (Oberlehrer J. Komac). 12. April, Bezirk Sesana. 2Qii 17m - m K omen e i ne leichte Erschütterung (Zeitschrift »Slovenec«). Negative Berichte zum 12. April lieferten folgende Stationen: Breth, Kirchheim, Podberdo, Sesana, Komen. 12. April, 21 h 30 111 in Aquileja angeblich eine leichte Erschütterung (Leiter des Staatsmuseums Prof. H. Maionica). 17. April, circa 2 1 / 2 h in Doberdob von Einzelnen bemerkt ein Zittern durch 40 s (Pfarrvicar A. Bratina). 17. April, circa 24 h ein vom Laibacher Becken ausgestrahltes Beben. Circa 24 h in Rocinj (Ronzina) vernahm eine Person ein Beben. Der Wandspiegel und die Möbel wurden erschüttert (mitgetheilt durch Oberlehrer L. Pavlin). 23 3 / 4 !l in Toi mein ein Beben, welches mich aus dem Schlafe weckte (erstes Stockwerk) und hierorts von Einzelnen wahrgenommen wurde. Es war eine leichte, langsame, wellen- förmige, zweimalige Schwingung, anscheinend NW — SE. Leichte Erschütterung beweglicher Gegenstände (Oberlehrer J. Sirca). 23' 1 50™ in Sta. Lucia durch 6 S ein unterirdisches Getöse aus S und gleichzeitig ein Vibriren der Erde, aber kein Stoss (Oberlehrer J. Gerzelj). !•;. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1S98. 167 23 n 50 m in Pecine bei Slap (Bezirk Tolmein) ein ziemlich starkes, undulatoriscb.es Beben, welches die Möbel und die Fenster erschütterte (Zeitschrift »Soca«). Etliche Minuten vor 24 h in Podbrdo ein von einigen Personen beobachtetes Beben von 5 S Dauer. Übereinstimmend melden sie: Horizontales Rütteln mit unterirdischem Getöse; kein starker Stoss. Die Fenster klirrten, leichtere Einrichtungs- stücke wurden erschüttert (mitgetheilt durch Pfarrer A. Zarli). 23 u 50 m in Kirchheim (Cerkno, Bezirk Tolmein) von Vielen bemerkt ein wellenförmiger Stoss aus SE (nach Gefühl) durch 2 S , nach vorangehendem Getöse, welches ähnlich war dem Sausen des Windes. Erschütterung der Möbel (Schulleiter A. Trebse). 23 h 50 m in Flitsch (Bovec) ein Beben, welches eine Person aus dem Schlafe weckte, sonst nur von Wenigen bemerkt wurde. Es war ein Stoss ohne Getöse. Keine Erschütterung der Möbel und Fenster (Oberlehrer Ch. Bratina). In Udine (Italien) war der Stoss nach Angabe einiger Personen äusserst schwach. Keine Zeitung erwähnt etwas von einem Erdbeben am 17. April (freundliche briefliche Mittheilung des Prof. Teilini in Udine). Die vorstehenden Berichte zu 17. April, circa 24 h , beziehen sich auf ein umfangreiches Beben, welches in Krain (siehe Chronik für Krain) auftrat, seine stärksten Wirkungen im Laibacher Becken entfaltete und gemäss obigen Meldungen stellenweise auch im Görzer Gebiete wahrgenommen wurde, trotz der für die Beobachtungen ungünstigen Eintrittszeit. Es überschritt die österreichische Reichsgrenze und wurde als äusserst schwaches Beben noch in Udine von einigen Personen wahrgenommen. 18. April, circa 3 h in Doberdob (Bezirk Gradisca) eine Erschütterung. Unsichere Beobachtung (Pfarrvicar A. Bratina). 19. April, 2 h 33'" in Gergar bei Solkan (Bezirk Görz) ein leichtes Schaukeln, W — E durch 25 s (Oberlehrer J. Budal). 19. April, 20 h 20 m in Logje bei Breginj (Bezirk Tolmein) ein ziemlich kräftiges Beben. In Mazarole (Masarolis, Provinz Udine, Italien, 7 km S von hier) soll am 19. die Kirche Sprünge erhalten haben (Pfarrvicar F. Guzelj). 168 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. IV. Mai 1898. 29. Mai, circa 5 h 50"' in Logje bei Breginj nur vom Bericht- erstatter verspürt eine leichte Schwingung, im Bette ruhend (Pfarrvicar F. Guzelj). V. November 1898. 9. November, circa 17'', Kirchheimer Beben. 16 1 ' 52' 11 in K i r c h h e i m (Cerkno) ein allgemein, auch im Freien wahrgenommenes Beben. Voran ein Getöse. Die Bewegung war eine schüttelnde von der Richtung E — W, 3\ Erschütterung der Möbel, Fenster, Thüren, Wandbilder. Einige flüchteten ins Freie (Oberlehrer A. Trebse). Circa 17 h in Otalez ein von auf den Feldern Beschäftigten allgemein, in den Wohnungen nicht allgemein bemerkter verti- caler Stoss mit kanonenschussähnlichem Knall (Schulleiter A. Sattler). Dieses Beben wurde auch in Unter-Idria in Krain beob- achtet und vermeldet (siehe Chronik Krains). 10. November, circa 3 h in Kirchheim von Einigen wahr- genommen ein leichtes Beben (Oberlehrer A. Trebse). 10. November, nach 19 h in Otalez von Einigen bemerkt eine sehr leise schaukelnde Bewegung (Schulleiter A. Sattler). Zu 9. und 10. November sendeten auf Anfrage negative Meldungen ein die Stationen: Podmelec, Podbrdo, Grahovo, Trebusa im Görzergebiet, und Ober-Idria, Trata, Sairach, Zarz, Davca, Vojsko in Krain. Auf Grund dieser Berichte kann man nur erkennen, dass das Beben vom 9. November, circa 17\ eine in Kirchheim und Otalez allgemein wahrgenommene Äusserung der unterirdi- schen Kraft war, jedoch höchstens einen Umkreis von etwa 10 km Halbmesser wahrnehmbar erschütterte. VI. December 1898. 7. December, circa 1 ' 45"\ Kirchheimer Beben. b 45'" in Kirchheim (Cerkno) ein allgemein, auch eben- erdig wahrgenommenes Beben, welches die Bevölkerung aus E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1 89S. 169 dem Schlafe weckte. Es war eine zitternde Bewegung nach vorangehendem Knall. Erschütterung der Fenster, Thüren und Möbel (Oberlehrer A. Trebse). Weitere Nachrichten über dieses Beben siehe in der Chronik Krains. Es scheint dasselbe entweder eine Wieder- holung der Erschütterungen vom 9. und 10. November gewesen zu sein oder von einem etwas nördlicher, näher dem Abbruch der Wocheiner Berge gelegenen Herde zu entstammen, und dürfte auf einem Umkreise von etwa 20 km Radius fühlbar gewesen sein. Es würde eine grössere Anzahl von Meldungen •veranlasst haben, wenn es nicht nächtlicher W T eile eingetreten wäre. VII. Gebiet von Triest. (Referent Herr Eduard Mazelle.) Im Beobachternetze hat im Jahre 1898 keine Änderung stattgefunden. Die durch Abgang einzelner Beobachter ent- standenen Lücken konnten sofort durch deren Nachfolger ergänzt werden, welche Herren in freundlichster Weise sich bereit erklärten, an den seismischen Beobachtungen theil- zunehmen. 1. Beben vom 5. Februar. Am Abend des 5. wurde Referent vom Stationschef des Südbahnhofes in Triest, Herrn Inspector Mahorcic, auf ein in Laibach vor 15 hl beobachtetes Erdbeben aufmerksam gemacht, wobei gleichzeitig bemerkt wurde, dass am Triester Südbahn- hofe nichts wahrgenommen werden konnte. Ebenso wurde von den Mitgliedern des Triester k. k. astronomisch-meteorologischen Observatoriums nichts bemerkt und auch eine Anfrage bei vielen Bekannten blieb resultatlos. Am Morgen des 6. lief jedoch ein ausgefüllter Fragebogen vom Besitzer der Krystalleisfabrik Herrn v. Ritter-Zähony, welcher die Erderschütterung in Barcola bei Triest verspürt hatte, ein. Auf das hin wurde den Beobachtern der wichtigsten Punkte des Triester Gebietes ein Fragebrief zugeschickt mit dem Ersuchen, eventuelle Angaben einzusenden. 1 Sämmtliche Zeitangaben beziehen sich auf mitteleuropäische Zeit. 1 i Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Telephonische und telegraphische Anfragen an den Leucht- turm, an das Telegraphen-Hauptamt und an die Telephon- centrale gerichtet, erhielten als Antwort, dass an keinem dieser Orte eine Erderschütterung bemerkt wurde. Auch auf die erwähnten brieflichen Anfragen liefen durch- . wegs Antworten ein mit der Bemerkung, nichts beobachtet zu haben. Nur der Schulleiter in Barcola, Herr Mösettig, glaubt aber um 19 h 2 m eine leichte Erderschütterung verspürt zu haben. Der Beobachter charakterisirt die Bewegung als eine zitternde, in der Dauer von ca. 3 S . Schallphänomen wurde keines gehört. Auch zwei Mitglieder seiner Familie bemerkten das- selbe Beben. Der Schulleiter in Servola, Herr Sovich, theilt mit, dass nach der Aussage von Schulkindern in der Nacht vom 5. auf den 6. zu einer nicht mehr festzusetzenden Zeit eine Erder- schütterung stattfand. Der 17jährige Bruder eines Schulkindes, aufgeweckt durch das Bellen des Wachhundes, hörte das An- schlagen der an der Wand hängenden Deckeln der Küchen- töpfe. Die Bewegung war von kurzer Dauer. Herr Dr. Gräfte, Inspector der k. k. zoologischen Station, meldet, nichts wahrgenommen zu haben. Auch auf See war nichts zu spüren, obgleich gerade zu dieser Zeit der Beobachter und sein Dienstpersonale auf dem Meere fischten. Dr. Gräfte theilt zugleich mit, dass auch bei dem Erdbeben verflossenen Jahres, welches in Laibach Verwüstungen anstellte und im Triester Gebiete meist als Erschütterung wahrgenommen werden konnte, keinerlei Wellenbewegung beobachtet wurde. Herr J. N. Krieger, Besitzer der Pia-Sternwarte, schreibt ebenfalls, nichts wahrgenommen zu haben, und theilt auch mit, dass die bei ihm aufgestellten Seismoskope keine Bewegung ankündigten. Aus der Eingangs erwähnten Mittheilung des Herrn v. Kitter-Zahony in Barcola ist zu entnehmen, dass genannter Herr 7 — 8 m vor 15 h eine Erschütterung wahrnahm, bei welcher mehrere Gegenstände der Zimmereinrichtung hörbar wackelten. Diesem Stosse folgten weitere schwächere Erschütterungen. Die Art der Beweffunir wird als ein Zittern ereschildert und der 1-;. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 1 i 1 Empfindung nach die Richtung mit N — S angegeben. Die Bewe- gung machte den Eindruck, als ob das Haus gerüttelt würde 2. Beben vom 20. Februar. Diese Erderschütterung wurde im Triester Gebiete an ver- schiedenen Orten beobachtet; auffallend ist es jedoch, dass ge- rade von den Bewohnern der Stadt verhältnissmässig viele die Bewegung verspürten, während vom Territorium fast lauter negative Meldungen einliefen. Herr Josef Bednarz, Vicedirector der Triester Filiale der österr. Creditanstalt, berichtet, zwar selbst nichts wahrgenom- men zu haben, dass jedoch nach Angaben Anderer um 6 h im Hause Carciotti, woselbst diese Bank untergebracht ist, eine Erschütterung in der Dauer einiger Secunden beobachtet wurde. Das Haus ist auf Pfählen gebaut. Geräusch wurde keines gehört, ebenso kein Schaden beobachtet. Demselben Herrn verdanken wir nachfolgenden Bericht aus Cividale (italienisches Friaul). 1 Einige Secunden nach 6 h wurde ein so starker Erdstoss beobachtet, dass er in der ganzen Umgebung wahrgenommen werden musste. Dieser Erschütte- rung, in einer Stärke wie sie schon mehrere Jahre hindurch nicht beobachtet werden konnte, folgte nach einer halben Stunde eine sehr schwache und gegen Abend mehrere schwache Bewegungen. Die erste Erschütterung soll l m gedauert haben, die fol- genden 1 — 2 S . Ausser dem Krachen des Gebäudes, dem Knar- ren der Thüren, dem Klirren der Fenster und anderer Gegen- stände, wurde ein donnerähnliches Geräusch gehört, welches der Erschütterung voranging. Vor diesem akustischen Phäno- men wurde ein blitzartiger Schein wahrgenommen. Mehrere Gebäude erlitten Beschädigungen. Ausser Sprün- gen, Spalten und Herabfallen des Mörtels von Zimmerdecken, wurden grössere Beschädigungen von der Franciscaner Kirche, welche sogar gesperrt werden musste und der sogenannten Teufelsbrücke gemeldet. Ein Brunnen, aus dem die ganze Nachbarschaft Wasser holte, da es frisch, gut und reichlich war, trocknete ganz ein, 1 Versrl. oben S. 154 u. fe. i i 1 .Mittheilungen der Erdbeben- Co mmission. während die Fontaine am Platze, welche früher nur spärlich Wasser gab, plötzlich einen reichen Abfluss zeigte. Viele Bewohner flüchteten aus den oberen Stockwerken in die ebenerdigen Räume, woselbst die meisten taglang verweilten, da ganz kleine Erschütterungen sich continuirlich wiederholten, namentlich des Abends. In den umliegenden Ortschaften wurde das Erdbeben auch verspürt, allerdings in etwas leichterer Form, 'darunter auch in Udine, woselbst es einige Secunden nach 6 h in schaukelnder Form auftrat und ca. 5 S andauerte. Herr Othmar Fischer, Beamter der hiesigen Handels- kammer, berichtet, dass er um 5 h 58 m (Zeit der öffentlichen Uhr der Griechenkirche) in seinerWohnung im Handelskammer- gebäude (Centrum der Stadt) eine stärkere und eine schwächere Erschütterung wahrgenommen habe. In beiden Fällen wurde zuerst ein Heben beobachtet, dem ein Senken folgte. Die Rich- tung wird auf Grund unmittelbarer Empfindung und einer Be- obachtung der Wasserflasche am Nachtkästchen mit NE — SW angegeben. Beide Erschütterungen dauerten mehrere Secunden. Ein unterirdisches Dröhnen ging beiden Bewegungen voran, und zwar in der Dauer mehrerer Secunden, jedoch länger als die Erschütterung selbst. Dann folgte ein Geräusch, wie wenn Wasser eine Höhlung füllen würde. Die Erderschütterung brachte eine Verschiebung leicht beweglicher Gegenstände mit sich, es konnte jedoch an Stellen, wo frühere Erdbeben deut- liche Spuren zurückliessen, diesmal keine Schädigung wahr- genommen werden. Vom Adjuncten des hiesigen naturhistorischen Museums, Herrn Anton Valle, lief die Mittheilung ein, dass er den Erd- stoss um 5 h 47 m 36 s in seiner Wohnung im Bette liegend wahr- genommen hatte. Die Zeitangabe ist unverlässlich, da die Uhr nicht verglichen wurde. Es wurde eine einzige Erschütterung verspürt. Die Bewegung nahm sich so aus, als ob ein starker Stoss der Thür versetzt worden wäre, und zwar aus einer südwestlichen Richtung. Die Dauer wird mit 1 s angegeben. Aus dem Kapuzinerkloster berichtet P. Alexander, dass um circa li 1 ' 2 m (Zeitangabe ohne Vergleich) in geschlossenen Localen, in horizontaler Lage, von sechs Personen eine einzige E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 1 < 3 Erschütterung beobachtet wurde. Die Bewegung wird als eine zusammengesetzte geschildert, und zwar als eine succusso- rische und eine undulatorische, in der Dauer von 3 S , der Rich- tung nach aus E kommend. Die Art der Bewegung wird so geschildert, als ob Jemand starken Schrittes auf einem elasti- schen Bretterboden ginge. Dieser Bewegung ging ein unterirdi- sches Dröhnen voraus. Schaden wurde keiner bemerkt. Bevor zu den Mittheilungen aus der Stadtperipherie über- gegangen werden soll, mögen noch die Beobachtungen zweier Collegen am Observatorium und meine eigenen Wahrnehmun- gen mitgetheilt werden. Mein College Dr. Ferd. Anton, durch den Erclstoss auf- geweckt, notirte nach seinem Taschenchronometer als Zeit des Eintrittes 5 h 58 m . Nach erfolgtem Vergleiche mit der Normaluhr unseres Observatoriums ergab sich ein Stand von -+- 10 s . Die Zeit zwischen dem ins Bewusstseintreten des Erdbebenstosses bis zum Ablesen der Uhr experimentell durch Wiederholen des Vor- ganges (Aufstehen, Zündholzanreiben) wird mit ca. 35 s ermittelt. Daher die Eintrittszeit mit 5 h 57 m 35=FlO s angenommen. Die Bewegungsform wird als ein gleichmässiges Schaukeln geschil- dert, welches nur ein Krachen der Möbel und Knistern der Wände hervorbrachte. Der zweite College, Herr Ing. Ad. Faidiga, wurde um ö h ,")7 m 30 s (corrigirte Zeit) durch den Erdstoss aus dem Schlafe geweckt, ohne eine eigentliche Erschütterung wahrgenommen zu haben. Es wurde blos ein Krachen des Fussbodens im Nebenzimmer bemerkt, als ob ein langer steifer Strick von der Zimmerdecke herabgefallen wäre. Die Dauer wird mit 1 s ange- nommen. Referent selbst beobachtete um 5 h 57 m 28 s (nach der Nor- maluhr des Observatoriums corrigirt), im Bette liegend, eine einzige Erschütterung in der Form eines starken gleichartigen Erzitterns mit einer Dauer von 2 — 3 S . Das vertical hängende Nachtlicht zeigte keine Spur einer Bewegung, ebenso auch die übrigen Hängelampen der Wohnung. Das mit der Erschütte- rung verbundene Geräusch war so, als ob in unmittelbarer Nähe ein Wagen vorübergefahren wäre. 1 / 4 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Von der Stadtperipherie und Umgebung langten nachfol- gende Berichte ein: Herr M. Franc es chetti, Beamter des österr. Lloyd, beobachtete um ca. 5 h 50 m im Bette wach liegend eine einzige wellenförmige Erschütterung in der beiläufigen Richtung von SE — NW, in der Dauer von 1 — *2 S . Herr Gustav Pach, Director der Dreher'schen Bierbrauerei, berichtet, um 5 h 58 m (corrigirte Zeit) im Bette liegend, nur eine Erschütterung, jedoch eine ziemlich starke, in der Form eines ununterbrochenen Rütteins in der Dauer von ca. 15 s beobachtet zu haben. Hoch würden Ant. L. Tempesta, Seelsorger des katho- lischen Friedhofes, berichtet, selbst nichts wahrgenommen zu haben, trotzdem er um 5 h 45 m aufstand, um ein Licht anzu- zünden. Nach Erkundigungen, die er freundlichst bei Nach- barn einholte, wurde diese Erschütterung in geschlossenen Räumen sowohl zu ebener Erde als im ersten Stocke verspürt, und zwar um ca. 6 h . Einige schildern dieselbe als eine sehr starke, Andere als eine schwache Erschütterung, jedoch Alle als eine wellenförmige Bewegung in der Dauer l s . Eine Bewegungs- richtung konnte nicht festgestellt werden, umsoweniger als keiner der freihängenden Gegenstände in Schwingungen gerieth. Herr Franz Drasch aus Pantaleone bei Triest nahm beim Tische sitzend einen kurzen Seitenruck in der Richtung N — S wahr. Geräusch wurde keines beobachtet, ebenso keine Bewe- gung von Hängelampen. Herr v. Ritter-Zähony (Barcola bei Triest) wurde 3™ vor 6'' (Zeit nach einem genau gehenden Chronometer) durch das Erdbeben aus leichtem Schlafe geweckt. Auch seine Frau wurde durch den Erdstoss geweckt. Es wurden zwei Erschüt- terungen unterschieden, und zwar erschien die Bewegung als ein Rütteln ungleichförmiger Art. Die Richtung, durch unmittel- bare Empfindung festgestellt, wird mit N — S angegeben. Herr G. Mosettig, Schulleiter in Barcola, berichtet, zwar selbst die Erschütterung nicht gespürt zu haben, doch wurde dieselbe von anderen Familienmitgliedern beobachtet. Die Ein- trittszeit wird mit 5 b 58 m angegeben, und zwar corrigirt nach dem Mittagszeichen des vorangehenden Tages. Diese Bewe- E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 1 < •' gung wurde im Orte von vielen Personen wahrgenommen. Die Mehrzahl unterschied Mos einen Stoss zur angegebenen Stunde, doch glauben Einige eine zweite äusserst schwache Erschütte- rung gegen 6 h 30 m annehmen zu können. Die Bewegung wird als eine leichte wellenförmige geschildert, in der Dauer von 4 — 5 8 . Schallphänomene, sowie besondere Erscheinungen wur- den im Orte nirgends wahrgenommen. Der Beobachter berich- tet nur über ein Klirren des Geschirres und eine Verschiebung einiger Wandbilder. Unmittelbar vor dem Erdstoss hüpfte ein Canarienvogel in seinem Bauer unruhig hin und her. Herr A. Valentic, Schulleiter in Opcina, meldet, dass in der ganzen Ortschaft Niemand ein Erdbeben beobachtet hatte. Nur eine Schülerin, am Bergabhange gegen Roiano (Ortschaft zwischen Triest und Barcola) wohnend, berichtete, dass ihre Eltern gegen 6 h einen Erdstoss verspürt hatten. Hochwürden J. Martelanz, Pfarrer zu Prosecco, schreibt, dass von ihm und einzelnen Personen der Ortschaft um 5 h 55 m (beiläufige Zeitangabe) eine einzige, kaum spürbare Erschütte- rung wahrgenommen wurde. Dieselbe wird als ein kurzer Seitenruck geschildert und als vom S kommend angenommen, in der Dauer von kaum 1 / 2 S . Ausser dem durch die Erschütterung des Gebäudes hervorgerufenen Geräusche wurde nichts gehört. Aus Zeitungsnachrichten lässt sich hervorheben, dass die »Triester Zeitung« für den 20. Februar um 5 h 58 m einen starken wellenförmigen Erdstoss, in der Richtung NNW zu SSE mel- det, dem eine halbe Stunde später ein schwächerer Erdstoss folgte. Der »Mattino« schreibt, dass in Triest um 5 h 55 m eine ziemlich starke Erschütterung, in der Richtung NNW zu SSE in der Dauer von 3 S stattfand. Um 6 h 25 m folgte ein zweiter äusserst schwacher Stoss. Aus dem »Piccolo« ist zu ersehen, dass eine fühlbare wellenförmige Erschütterung von vielen Personen um 5 h 59 m beobachtet wurde und nach der Aussage Mehrerer eigentlich zwei Erschütterungen unterschieden werden konnten. Zu erwähnen wäre noch, dass die Aufseher des Triester Leuchtthurmes eine deutlich wahrnehmbare Vibration der dreh- baren ziemlich schweren Linsencombination der Seeleuchte verspürten, und zwar gegen 6 h , in der Dauer von 2\ 176 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Meldungen, nichts wahrgenommen zu haben, liefen ein: vom Herrn Dr. G raffe (von der zoologischen Station in Triest- St. Andrea 1 ), von den Vorständen der Post- und Telegraphen- ämter, von der Fabrik vegetabilischer Öle aus Servola, vom Vorstande der Südbahnstation Grignano, von den Schulleitern in S. Croce, Trebich und Basovizza, wie auch vom Pfarrer in S. Croce. Wollten wir aus den hier mitgetheilten Beobachtungs- ergebnissen eine Schlussfolgerung ziehen, so müsste in erster Linie hervorgehoben werden, dass als annähernd richtige Zeit des Eintreffens der fühlbaren Erschütterung 5 h 57-5 m angenom- men werden darf. Die Bewegung muss als eine undulatorische, in der Dauer weniger Secunden betrachtet werden. Die Rich- tungsangaben weichen wie gewöhnlich sehr stark von einander ab, die grösste Wahrscheinlichkeit würde sich für eine Rich- tung von beiläufig N — S ergeben. Ein der Bewegung voraus- gehendes Dröhnen wurde von zwei Beobachtungsstellen ver- bürgt. 3. Beben vom 12. April. Dieses Erdbeben wurde im Triester Gebiete nur von wenigen Personen verspürt. Schon am Abend des 12. liefen Meldungen vom Telegraphen-Hauptamte und am nächsten Morgen von der Finanz-Expositur am Molo Sartoris, über einen gegen 20y 2 h wahrgenommenen Erdstoss ein. Von den Mit- gliedern des hiesigen Observatoriums hatte keines irgend eine Spur einer Bewegung beobachten können. Nach eingezogenen Erkundigungen wurde jedoch von einigen Personen ein Beben, in Form eines von unten kommenden Stosses von äusserst kurzer Dauer um 20" 22 m wahrgenommen. Die Leuchtthurm- aufseher spürten nichts davon. 1 Welcher jedoch die Liebenswürdigkeit hatte, einen eingehend aus- gefüllten Fragebogen seines Sohnes, Bezirksarztes in Tolmein, einzusenden; derselbe wurde dem Referenten für das Görzer Gebiet abgetreten, im Vereine mit anderen Erdbebenmeldungen verschiedener Gendarmerie -Postenführer, welche durch das hiesige Landes-Gendarmerie-Commando freundlichst über- mittelt worden waren. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 177 Von den eingelaufenen schriftlichen Mittheilungen wäre Folgendes hervorzuheben : Herr Regierungsrath E. Geleich, Director der nautischen Akademie, schreibt, dass er gegen 20' 1 20 m 5 S einen starken Ruck aus zwei Hebungen und einer dazwischenliegenden Senkung bestehend in der Richtung von N gegen S verspürte, mit der Dauer von nur l s . Der Beobachter sass ruhig im Fauteuil, war allein im Zimmer und ist Zeit, Dauer und Richtung als sehr genau zu betrachten. Die Hängelampe im Zimmer zeigte keinerlei Bewegung. Der Adjunct des naturhistorischen Museums, Herr A. Valle, theilt mit, dass er lesend um 20 h 21 m eine suecussorische Bewegung von circa 2 S Dauer verspürte. Ausserdem theilt genannter Herr mit, dass der Präparator des Museums dieses Beben auch bemerkte und dass die von ihm gehaltenen Vögel im Momente des Stosses erwachten und stürmisch herumflogen, mehrere Federn dabei verlierend. Der Lloydbeamte Herr Franceschetti, in der Nähe des Lloydarsenales wohnend, berichtet, dass seine Frau und seine Töchter zwischen 20 h 20 m und 20 h 22 m einen Erdstoss ver- spürten, dessen Bewegung als eine wellenförmige geschildert wird. Die Richtung wird mit NE — SW angegeben, die Dauer mit einer oder kaum etwas länger als 1 s angenommen. Ausser dem Knarren der Möbeln wurde kein Geräusch gehört. Der Schulleiter von Barcola, Herr G. Mosettig, theilt mit, das Beben zwar nicht selbst gemerkt zu haben, doch nach Mit- theilung anderer — in verschiedenen Theilen des Ortes wohn- haften — Personen für 20 h 20 m eine Erschütterung annehmen zu dürfen. Mit Bestimmtheit lässt sich nur ein einziger Stoss annehmen, trotzdem mehrere Bewohner meinen, später einen zweiten leichteren wahrgenommen zu haben. Die Bewegung wird als ein Seitenruck geschildert in der Richtung N — S, Dauer von 2 — 3 S . Alle Beobachter, bis auf einen, hatten nur das Krachen der Möbel entnehmen können; dieser Eine behauptet, ein unterirdisches Getöse gehört zu haben, und zwar soll dasselbe dem Beben vorangegangen sein mit einer Dauer, welche die des Stosses überschritt. Es wird ferners mitgetheilt, dass einige hängende Gegenstände etwas Sitzb. d. mathem.-natunv. CL; CVIII. Bd., Abth. I. 12 178 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. verschoben wurden und dass ein Beobachter zur kritischen Zeit am Tische lesend, sitzend, eine leichte Verschiebung des Tisches beobachtet habe. Es kann daher angenommen werden, dass diese Erschütte- rung vom 12. April im Triester Gebiete als eine kurze, stoss- förmige — in der Dauer kaum l s überschreitende — Bewegung zur Geltung kam, in der Richtung N — S, und zwar um 20 h 20 m . 4. Beben vom 2. Juli. Über diese Erdbewegung liefen von den Beobachtern des Triester Gebietes grösstentheils negative Berichte ein. Herr Othmar Fischer, Beamter der hiesigen Handels- kammer, schreibt, um 5 h 20 m eine heftige Erschütterung verspürt zu haben. Auch mehrere seiner Familienmitglieder machten die- selbe Wahrnehmung. Die Bewegung wird als eine succus- sorische angenommen, in der Richtung NW — SE. Nach genau einer Stunde sollen zwei seichte, kaum 1 s dauernde Hebungen stattgefunden haben in der gleichen Richtung NW — SE. Andere Personen vermuthen, dass der erste Erdstoss von einem donner- ähnlichen Rollen begleitet war. Der Oberinspector der k. k. Seebehörde und Hafencapitän Herr Kloss schreibt, dass diese Erschütterung von seiner Frau wahrgenommen wurde. Herr J. Bednarz. Vicedirector der Creditanstalt, theilt brieflich mit, am betreffenden Tage in Mailand gewesen zu sein, dass jedoch sein Sohn in Triest um 5 h 20 m die Beobachtung machte, dass ein Kanarienvogel, gegen seine Gewohnheit, sehr unruhig war. Herr J. N. Krieger, Pia-Sternwarte, meldet, im kritischen Augenblick in der Nähe des Läutewerkes des Seismometers I 1 gestanden zu sein, und trotzdem er durch das plötzliche Functioniren beider Seismoskope (I und II) auf diese Erd- bewegung aufmerksam gemacht wurde, nichts wahrgenommen habe. Die Zeit wird auf Grund der Angabe beider Seismometer mit 5 h 19 m 58 s angenommen, die Dauer mit 2 - 5 — 3 S . 1 Siehe vorjährigen Bericht, S. 173. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 179 Herr v. Ritter Zähony beobachtete im ersten Stockwerke seiner Villa im wachen Zustand um 5 h 20 m ein ungleichmässiges Zittern, aus W kommend, in der Dauer von 5 — 6 S . Es wurde nur ein leichtes Klirren einiger Gegenstände wahrgenommen, ohne irgend eine sichtbare Beschädigung später constatiren zu können. Schriftliche Mittheilungen, nichts gespürt zu haben, liefen ein von den Vorständen der Telegraphen- und Telephon- centrale, wie von den Vorständen der meisten Post- und Tele- graphenfilialämter des Gebietes, ferners vom Leuchtthurm- aufseher, vom Lloydarsenal, vom Kapuzinerkloster, von der zoologischen Station, von der Maschinenfabrik Stabilimento tecnico, von der Linoleum fabrik und vom Staatsbahnhofsvor- stand in S. Andrea, von der Fabrik vegetabilischer Öle bei Servola, von der Mineralölraffinerie in S. Pantaleone, von der metallurgischen Gesellschaft bei Servola, vom Director der Bier- brauerei Dreher im Boschetto, von den Schulleitern in Servola, Barcola, Cattinara, Basovizza, Trebich, Opcina, Prosecco und S. Croce, wie auch vom Pfarrer des letztgenannten Ortes. Negative Berichte sendeten noch der Commandant des Gar- nisonsspitales, Herr Oberstabsarzt Dr. Galambos, der Leiter der kaiserlichen Schlossverwaltung Miramar, Herr Ingenieur E. Swoboda, und der Stationsleiter der Südbahnstation in Grignano, H. Brumen. Aus allen diesen Mittheilungen lässt sich der Schluss ziehen, dass dieser Bewegung in Triest eine geringe Intensität zugeschrieben werden rnuss, mit der Dauer weniger Secunden, und dass die Zeit des Eintreffens mit 5 h 20 m angenommen werden darf. Die Erschütterung war eine wellenförmige aus der muthmasslichen Richtung ESE — WNW. 5. Beben vom 8. November. Um 3 /.il2 h wurde an den Referenten von Seite der Telephon- centrale die Anfrage gerichtet, ob nicht ein Erdstoss statt- gefunden habe, da es Einigen im Amte vorkam, als ob ein solcher um 1 l u 41™ gespürt worden wäre Kurz darauf lief auf der Telegraphenlinie des Observatoriums die Notiz ein, dass in Zara ein sehr starkes Erdbeben beobachtet wurde, dass aber 12* 180 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. im hierortigen Telegraphenhauptamte keine Erschütterung wahrgenommen werden konnte. Eine wellenförmige Bewegung wurde vom Berichterstatter, am Schreibtisch sitzend, gefühlt, und zwar, als ob auf einem weichen Teppich sitzend, unter demselben eine .Schlange sich plötzlich durchgewunden habe. Die Bewegung schien aus SSW zu kommen. Das Beben war jedoch nicht in der Lage, das Pfaundler'- sche Seismoskop in Thätigkeit zu setzen; aus dem sogleich entwickelten Curvenblatt des photographisch-registrirenden Rebeur-Ehlert'schen Horizontalpendel konnte als Zeit des Beginnes der seismischen Störung ll h 40 m angenommen werden. Eine Discussion der Photogramme wird, bei Bespre- chung sämmtlicher von diesem dreifachen Horizontalpendel registrirten seismischen Störungen folgen (Mitth. der Erd- beben-Commission Nr. XI). Dieses Beben vom 8. November ist für Triest entschieden als ein sehr schwaches zu betrachten. Trotz vielfacher Er- kundigungen konnten grösstentheils nur negative Mittheilungen erzielt werden. Man kann sagen, dass nur wenige Personen eine wellenförmige Bewegung wahrnahmen. Einen regelrecht ausgefüllten Fragebogen verdanken wir nur Herrn J. Bednarz, Vicedirector der Creditanstalt, mit der Angabe, dass einzelne Herren um circa ll h 40 m ein Zittern ver- spürt haben in der Dauer einiger Secunden. Geräusch war keines wahrnehmbar. Die in der Cassa haufenweise zu 25 Stück aufgestellten Goldmünzen, die früher ganz gerade standen, zeigten nach der Erschütterung ganz deutlich eine Neigung, eigentlich eine Verschiebung und Krümmung in der Richtung von NE gegen S. Es möge zum Schluss angeführt werden, dass Erd- bewegungen, welche sonst von Niemandem im Triester Gebiete verspürt wurden, von den Seismoskopen des Herrn J. N. Krie- ger, Pia-Sternwarte (siehe vorjährigen Bericht, S. 173) angezeigt wurden, und zwar: am 17. Februar um 8 h 26" 1 24" durch Seismoskop II, » 23. März » 12 3 30 II, 5. April »19 1 30 » I. am .>•> Juni » 23. » » 23. » » 23. » » 1. Juli E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1 S98. 181 um 17 1 ' ö'2 m 51 s durch Seismoskop I, » 9 '26 55 » I, » 11 18 20±5 S » .II, »18 7 20±5 S » II, » 10 9 30 s I. Die Zeitangaben beziehen sich auf ein Bordchronometer, dessen Stand mit dem Zeitball des hiesigen k. k. astronomisch- meteorologischen Observatoriums verglichen und demgemäss corrigirt wurde. VIII. Istrien und Dalmatien. i Referent Herr Adolf Faidiga, Assistent am k. k. astronomisch-meteoro- logischen Observatorium in Triest). Die Zahl der Beobachtungsstationen stieg im Jahre 1898 auf 122 mit 157 Beobachtern. Es langten 99 Erdbeben- meldungen (die über das Erdbeben vom 2. Juli im Gebiete von Sinj, sowie über die in diesem Monate erfolgten Nachbeben nicht mitgerechnet) über 46 Erdbebentage ein. Die Zahl der in obige Ziffer nicht eingerechneten Erdbeben- tage des Monates Juli beläuft sich auf 31. Mit Hinzurechnung dieser Bebentage zählte man daher im Ganzen im Referats- bezirke »Istrien und Dalmatien« 77 Bebentage. Die Daten über das Erdbeben vom 2. Juli im Gebiete von Sinj, werden in einem gesonderten Berichte von Herrn Faidiga mitgetheilt werden. Die Übersetzungen der in serbo-croatischer Sprache aus- gefüllten Originalberichte und Fragebogen besorgte auch im Jahre 1898 Herr Regierungsrath E. Gelcich. Nur während dessen Inspectionsreise nach Dalmatien übernahm diese müh- same Arbeit ein Schüler des Diöcesan-Convictes in Triest, welcher unter der Aufsicht des Directors dieser Anstalt, Herrn Dr. Jos. Ivanic, diese Aufgabe vorzüglich löste. Der Referent ist den genannten Herren für diese werthvolle Unterstützung zu besonderem Danke verpflichtet. 182 Mittheilungen der Erdbeben-Comrmssion. a) Istrien. 1. Beben (Seebeben) vom 23. Jänner. Aus Isola, Bezirk Capodistria, Beobachter Anton Cumar, Oberlehrer, wird mitgetheilt, dass, wie aus dem Journale der k. k. Seesanität zu entnehmen ist, zwischen 10 und 12 h in jenem Hafen und in der Umgebung ein alle 5 m sich wiederho- lender Fluthwechsel in der Höhe von 5 Fuss beobachtet wurde. Die Wellen kamen von der Punta Ronco (Süd). 2. Beben vom 20. Februar. Im Schloss Bellay, Bezirk Pisino, 31° 46' 32" östlich von Ferro, 45° 16' 14" nördliche Breite, 222 Meter über dem Meere, wahrscheinlich felsiger Untergrund, 6 h 7 m (Uhr nicht corrigirt, dürfte aber von der Bahnzeit kaum differiren), wurde vom Beobachter Hugo Steindl, Schlossverwalter, im ersten Stocke. im Bette liegend, eine wellenförmige, nicht bedeutende Schwin- gung in der Richtung NW — SE, durch unmittelbare Empfin- dung und durch das fortschreitende Geräusch bestimmt, ver- spürt. Dauer etwa l s . Ein unterirdisches dumpfes Geräusch schien der Bewegung vorauszugehen, welchem das Knistern der Mauern und das Krachen der hölzernen Kästen und Thür- verschalungen folgte. Nur vom Beobachter allein wahrgenom- men. Ausser dem Aufflattern eines Stubenvogels wurde sonst nichts bemerkt. 3. Beben vom 12. April. Pola, Schuttboden. Vom Beobachter Luigi Caenazzo, Schulleiter, wurde um 20 h 22 m (die Uhr um 12 h desselben Tages mit der Sternwarteuhr verglichen), im zweiten Stocke eines Hauses am Tische schreibend, ein von einzelnen Personen wahrgenommenes, aus einem kurzen Zittern bestehendes Erd- beben verspürt. Dauer 3 S . 4. Beben vom 18. Juni. In Podgrad (Castelnuovo) circa 4 h von Einzelnen ein ziemlich kräftiger Yerticalstoss beobachtet (Oberlehrer K. Bogatec). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 183 5. Beben vom 29. Juni. Von Monte Maggiore, Beobachter Job. Flanger, wird berichtet dass um 23 h 33 m ein Erdbeben in der Richtung S — W (?) und in der Dauer von 2 S beobachtet wurde. 6. Beben vom 2. Juli. Das Erdbeben von Sinj in Dalmatien wurde in Istrien blos aus zwei Orten, und zwar aus Piemonte im Bezirke Parenzo und von der Insel Sansego gemeldet. Wir verweisen diesbe- züglich auf den demnächst erscheinenden Bericht des Herrn Faidiga über das Beben von Sinj. 7. Beben vom 29. September. Auf dem Monte Maggiore, Beobachter Herr Joh. Flan- ger, wurde um 4 h ein Erdstoss wahrgenommen. 8. Beben vom 7. October. Aus Pola, Schuttboden. Vom Beobachter Luigi Caenazzo, Schulleiter, wurde um 22 h 23 m (die Uhr um 12 h desselben Tages mit der Sternwarteuhr verglichen), im zweiten Stocke an einem Tische sitzend und mit Lecture beschäftigt, ein von einzelnen Personen wahrgenommenes, aus einem Stosse beste- hendes Erdbeben verspürt. Es war ein Stoss von unten mit einer leichten wellenförmigen Bewegung. Es schien von NE zu kommen, nach der unmittelbaren Empfindung und nach der Bewegung einer Hängelampe bestimmt. Dauer ungefähr 3 S . Dem Erdbeben folgte ein leichtes Getöse in der Dauer von 2 S . Wirkungen sind keine zu verzeichnen. Vom grössten Theile der Bevölkerung wurde der Stoss nicht bemerkt. Aus Pola, Untergrund Schutt- und Felsboden, Beobach- ter Luigi Petronio, Lehrer der Knabenschule in Piazza Alig- hieri, wird mitgetheilt, dass um 22 h 21 m (Uhr zu Mittag dessel- ben Tages regulirt) ein aus einem Stosse bestehendes fast all- gemein verspürtes Erdbeben stattfand. Es war ein Stoss von unten in der Dauer von ungefähr l s . Ein Geräusch wurde 184 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. durch das Rütteln der Fensterscheiben und durch das Schütteln der Möbel hervorgerufen. Eine Person versicherte, ein Geräusch ähnlich dem eines entfernten fahrenden Wagens gehört zu haben. Am Tage nach dem Erdbeben forschte der Beobachter bei den Schülern über die Wahrnehmungen dieses Erdbebens. Die Meisten gaben an, den Stoss verspürt und ^das Klirren der Fensterscheiben gehört zu haben. Einer der Schüler, welcher mit dem Kopfe an einer Wand angelehnt schlief, wurde von dem starken Stosse plötzlich geweckt. In Lussingrande, Bezirk Lussinpiccolo, Untergrund Fels, Beobachter G. P. Scarpa, Schulleiter, um 22 h 30 m (Uhr nach dem Stosse verglichen) ein einziger, allgemein gefühlter Stoss, in der Dauer von 3 S . Bewegungsrichtung W — E. Er war succus- sorisch mit leichter Wellenbewegung. Nach dem Stosse hörte man ein circa 3 S dauerndes Geräusch, es schien wie ein Platzen einer Bombe. Kein Schaden. Die Bevölkerung verhielt sich im Allgemeinen passiv. In Cherso, Bezirk Lussinpiccolo, Bodenart Fels, wurde vom Beobachter Valentin Longo, Schulleiter, um 22 h 28 m (Tele- graphenzeit) im zweiten Stocke eines Hauses in sitzender Lage lesend, ein nur von einzelnen Personen, aus einem einzigen Stosse bestehendes Erdbeben wahrgenommen. Es war ein Zittern, in der Dauer von 1 / 2 S . Man hörte ein Getöse, welches dem Erdbeben folgte. Ein Hund, welcher im Augenblicke des Erdbebens beobachtet wurde, verhielt sich ruhig. 9. Beben vom 8. November. Aus Lussinpiccolo, Bodenart steinig, Beobachter Pavao Skopinic, k. k. Bezirksschulinspector, wird um 1 1 h 43 m ein einziger Stoss von unten gemeldet in der Dauer von 2 — 4 S , und nur von einzelnen Personen verspürt. Das Geräusch wurde nur durch die Bewegung der Gebäude hervor- gerufen. In Cherso, Bezirk Lussinpiccolo, Schuttboden, wurde vom Beobachter Valentin Longo, Schulleiter, um ll h 42™ (corrigirt) im ersten Stock eines isolirten Hauses im geschlossenen Zimmer beim Unterrichte stehend, ein einziger, von vielen Personen !•'.. v. Mojsi.so vi es, Chronik der Erdbeben im Jahre 1398. ISo verspürter Stoss von unten, von sehr kurzer Dauer wahr- genommen. Es war kein eigentliches Geräusch zu hören, ausgenommen dasjenige welches durch die Bewegung des Bodens, Fensterscheiben, Möbel etc. hervorgerufen wurde. Aus Pola, Schuttboden, wird vom Beobachter Luigi Caenazzo, Leiter der Schule in Piazza Alighieri, um 1 1 h 40 m 30 s (die Uhr wurde vorher mit der Sternwarteuhr verglichen), ein von einzelnen Personen verspürter Stoss, in einem Zimmer des zweiten Stockes, in sitzender Lage an einem Tische lesend, wahrgenommen. Es war ein Stoss von unten, dem eine leichte wellenförmige Bewegung folgte. Bewegungsrichtung scheinbar von SE, bestimmt nach der Empfindung des Beobachters. Dauer 5 S . Nach dem Stosse wurde ein kurzes Geräusch gehört. Ohne Wirkungen. Der grösste Theil der Bevölkerung verspürte den Stoss nicht, und Diejenigen die ihn vernahmen blieben etwas erschrocken. Auch von der Insel Sansego wird durch Herrn Zäza gemeldet, dass daselbst um 1 l 11 40 m ein iy 2 s andauernder Stoss wahrgenommen wurde, welcher mit einem wirbelnden Ge- räusch im Osten verbunden war. Die Mauern der Häuser zitter- ten. Richtung der Bewegung E — W. Vom Schlosse Bellay, Bezirk Pisino, Untergrund Fels, wird vom Beobachter Hugo Stein dl, Schlossverwalter, mitge- theilt, dass er um 1 l h 40 m im ersten Stockwerke beim Schreiben sitzend, ein Rütteln verspürt hatte. Dauer etwas über l s . Eine Hängelampe zeigte leichte kurze Schwingungen zwischen N und S. Ohne unterirdisches Geräusch. Thüren und Fenster klirrten. b) Dalmatien. 1. Beben vom 3. Jänner. In Pakostane bei Zara, steiniger Grund, Beobachter Ivan Pastrovich, Lehrer, hat zwischen 2 und 3 h ein Erdbeben statt- gefunden, welches allgemein wahrgenommen wurde. Es war einförmig, von einem donnerähnlichen Geräusche begleitet. und dauerte 2 — 3 S . Es wurde auch in der Umgebung verspürt. Beobachter schlief im zweiten Stocke. 186 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 2. Beben vom 17. Jänner. In Spalato, steiniger Grund, Beobachter Vido Petricevic, k. k. Gymnasialprofessor, wurde um 15 h 45 m im dritten Stocke des Gjannasialgebäudes während des Unterrichtes ein allge- mein verspürter Stoss wahrgenommen. Es war ein Stoss von unten, scheinbar aus SW. Zugleich mit dem Beben war ein Geräusch zu hören als wenn Jemand im vierten Stocke etwas geworfen hätte. Im Dorfe Grahote auf der Insel Solta, Bezirk Spalato, Bodenart zumeist steinig, theilt Beobachter Anton Mladinov p. Luke, Schulleiter, mit, dass um 15 h 35 m (nicht verglichen) ein Erdstoss allgemein verspürt wurde, und zwar schien es wie ein Kanonenschuss von unten. Bewegungsrichtung N — S nach unmittelbarer Empfindung. Dauer 2 S . Dauer des gleichzeitigen Geräusches 4 S . In den Häusern zitterten die Möbel. Auf den Feldern sind Steine von den Trockenmauern herabgerollt. Das Wasser in den Flaschen gerieth in Bewegung und hob sich auf der N und S Seite. Die Leute erschraken und sagten, das Beben wie einen Stoss unter den Füssen bis zum Kopfe gefühlt zu haben. Aus S. Pietro, Insel Brazza, Bezirk .Spalato, Bodenart Fels. Beobachter Domenico Rendic, Bürgermeister, Post- meister und Lloyd-Agent, meldet, um 15 h 38 m (Telegraphenzeit) im Caffeehause (unmittelbar am Meere), während er Caffe trank und rauchte, einen einzigen starken, succussorischen Erdstoss gespürt zu haben. Es war als ob in den oberen Stockwerken ein schwerer Gegenstand gefallen wäre. Der Stoss wurde allge- mein verspürt. Dauer 3 — 4 S . Dem Stosse folgte ein Getöse in der Dauer von 2 S . Kein Schaden. Der Himmel war wolkenlos, vollständige Windstille, das Thermometer zeigte 14°C. In Spalato, Bodenart Fels, Beobachter k. k. Hafencapitän Peter Pavicic, wurde um 15 h 37 m (nicht verglichen) ein im ganzen Amtsgebäude wahrgenommener, einförmiger Stoss ver- spürt. Beobachter sass am Tische beim Schreiben beschäftigt. Von der Bevölkerung fast allgemein verspürt. Es war ein Stoss von unten. Bewegungsrichtung S — N, bestimmt nach der Em- pfindung des Beobachters. Dauer circa 2 S . Es wurde ein mit E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 18/ dem Stosse gleichzeitiges Geräusch verspürt, und zwar wai dieses so zu vernehmen, als ob ein schwerer Kasten gestürzt wäre. In Folge dessen dachten auch Viele nicht gleich an ein Erdbeben. Kein Schaden und kein besonderer Eindruck in der Bevölkerung. In Milnä, Bezirk Spalato, Schuttboden, 60 cm über dem Meeresspiegel, Beobachter Eduard Siglic, k. k. Hafenbeamter, wurde auf dem Platze »Zalo« um 15 h 15 m (corrigirt) eine zitternde Erdbewegung verspürt in der Dauer von 3 S . Richtung W — E, nach der Empfindung des Beobachters. Geräusch gleich- zeitig mit dem Stosse. Keine Wirkungen. Die Bevölkerung verhielt sich gleichgiltig. 3. Beben vom 20. Jänner. Dicmo, Bezirk Sinj, Bodenart Thon. Beobachter Georg Tripalo, Schulleiter, hat um 13' 1 15 m auf dem Felde ein leichtes, sich 5 mal wiederholendes, mit Donnern begleitetes Beben ver- spürt. Bewegungsrichtung NE — SW. Das Phänomen wird mit »wellenförmigem Donnern« bezeichnet. Nach der Erdbe- wegung ein starker Borastoss.- 4. Beben vom 21. Jänner. Orahovac, Bezirk Cattaro, Untergrund steinig. Beobach- ter Peter Rafailovic, Pfarrer, meldet um circa 22 h ein allge- mein auch in der Umgebung verspürtes Erdbeben beobachtet zu haben. Es war einförmig. Dauer circa 1 — 2 S . Ein langes Donnern auch nach dem Stosse. 5. Beben vom 20. Februar. Imoski, Bezirk Imoski. Beobachter Ivan Uje vi c, Lehrer, vernahm um 22 h ein leichtes Beben in der Dauer von ö — 6 S . Richtung unbestimmt. 6. Beben vom 5. März. Gjevrske, Bezirk Sebenico, Untergrund steinig (in der Umgebung gibt es unterirdische Höhlen). Beobachter Spasenije Knezevic, Lehrer, verspürte um 20 h 12 m 30 s (Uhr nicht ver- glichen, aber wahrscheinlich 15 m zurück) im ersten Stocke des 188 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Schulgebäudes beim Unterrichte, drei von einzelnen Personen wahrgenommene Stösse in horizontaler Richtung, mit leichtem Beben und kurzen Erschütterungen. Bewegungsrichtung E — W. Dauer 3 S . Vor dem Beben ein unterirdisches Geräusch, welches etwas länger dauerte als das Beben selbst. 7. Beben vom 8. März. Orahovac, Bezirk Cattaro, Untergrund steinig. Beobach- ter Peter Rafailovic, Pfarrer, hat um ungefähr 16 h ein aus 2 Stössen bestehendes Erdbeben mit den Zwischenzeiten von 10 bis 15 s wahrgenommen, welches auch in der Umgebung von vielen Personen verspürt wurde. Es war einförmig. Dauer l s . Schwaches unbedeutendes Donnern zugleich mit dem Stosse. Hängende und liegende Gegenstände bewegten sich. Gravosa, Bezirk Ragusa, Untergrund Fels. Beobachter Anton Illich, k. k. Hafendeputirter, im Amtsgebäude am Meere, im ersten Stocke arbeitend, verspürte um 16 h 5 m einen starken und um 16 h 15 m einen leichten Erdstoss; beide wellenförmig und einförmig. Die Stösse wurden allgemein wahrgenommen. Bewegungsrichtung W — E. Diese konnte sehr gut nach der Reihenfolge der sich bewegenden Gegenstände bestimmt wer- den. Dauer des ersten Stosses über 2 S ; die des zweiten sehr kurz. Kein Geräusch, mit Ausnahme desjenigen durch die Be- wegung des CTebäudes und der Möbeln veranlassten, das sehr bedeutend war. Ein Getöse konnte vielleicht auch wegen des Wagenverkehres nicht gehört werden. Keine besondere Wir- kungen. Die Familienmitglieder erkundigten sich gegenseitig, was vorgefallen war. In Gravosa selbst wurden die Stösse stär- ker empfunden als auf den nahe liegenden Anhöhen. 8. Beben vom 11. März. Gradisca in der Bocche di Cattaro, Untergrund steinig. Beobachter Niko K. David ovic, Lehrer, fühlte im Schulge- bäude bei der Arbeit am Tische um 7 h 45 m (nicht verglichen) einen schwachen Stoss, einförmig. Die Schultafel hat förmlich den Stoss verrathen; nur von einzelnen Personen verspürt. Richtung SVV — NE. Dauer höchstens 6 S . Kein Geräusch. E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 189 9. Beben vom 12. März. Aus Calamotta, Bezirk Ragusa, Untergrund felsig. Beob- achter Franz Lettis, k. k. Lootse, verspürte im Amtszimmer, ebenso wie Andere im ersten und im zweiten Stocke, eine zitternde Bewegung, die auch von einzelnen Personen gefühlt wurde. Dauer circa 2 — 3 S . Nur ein geringer Schrecken unter den Bewohnern. Dieses Erdbeben ist das einzige, welches auf der Insel Calamotta seit dem 1. Jänner 1897 wahrgenommen wurde. 10. Beben vom 15. April. Orahovac, Bezirk Cattaro, Untergrund steinig. Beobach- ter Peter Rafailovic, Pfarrer, vernahm um 10 h 9 m zwei Stösse in der Zwischenzeit von 30 s ; einförmig, auch in der Umge- bung verspürt. Dauer eines jeden Stosses l s . Hängende und liegende Gegenstände bewegten sich. 11. Beben vom 17. Mai. Vallegrande, Bezirk Curzola, Bodenart steinig. Beobach- ter Luca Mladineo, Oberlehrer, vernahm im Wohnhause um 4 h 34 m (verglichen) einen allgemein auch im Freien gefühlten Stoss von unten, welchem ein Getöse durch V/ 2 S vorausging. Auch in der Umgebung wahrgenommen. Bewegungsrichtung E — W. Dauer 1\ Es wurde auch ein Gerassel von hängenden Gegenständen gehört. 12. Beben vom 27. Juni. Dicmo, Bezirk Sinj, Bodenart Thon. Beobachter Georg Tripalo, Schulleiter, hat um 23 h 30 m im Bette liegend einen Erdstoss verspürt, welchem ein donnerähnliches Geräusch vor- anging. Nach dem Geräusche zu schliessen, war die Bewe- gungsrichtung SW — NE. Das Bett wurde geschüttelt. Um 22 h 30 m fiel ein starker Regen, aber von kurzer Dauer. Es wehte Südwind. 13. Beben von Sinj vom 1. bis 31. Juli. Dieses Erdbeben, welches im Bezirke Sinj sich besonders stark kundgab und ganz bedeutende Schäden verursachte. 190 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. (der Hauptstoss ereignete sich am 2. Juli) wird in einem Specialberichte behandelt werden. 14. Beben vom 1. August. I. In Sinj wurde um 20 h 20 m ein 2 S dauernder, von N kommender, ziemlich starker Erdstoss verspürt, der mit Getöse begleitet war. II. In Bajagic bei Sinj wurden um 22 h 30 m und 23 h 30 m zwei schwache Stösse wahrgenommen. In Trilj bei Sinj nach 22 h starkes Beben, von Turjake (NW) kommend (mitgetheilt von Herrn Pfarrer von Trilj, Don Simeon Simonie). 15. Beben vom 2. August. In Trilj bei Sinj um 9 h 30 m ziemlich starker Stoss, Dauer 3 S . 16. Beben vom 3. August. In Trilj bei Sinj um 4' 1 10 m ein leichter Stoss, Dauer 2 S . 17. Beben vom 7. August. In Trilj bei Sinj verspürte Herr Stefan Alidenjak, Tech- niker in Sinj, als er sich dort um 6 h 12 m auf der Jagd befand, ein deutliches unterirdisches Krachen ohne Beben, welchem 2"' später ein dumpferes folgte. 18. Beben vom 8. August. In Sinj wurde um 21 u 15 m ein Dröhnen ohne Erschütterung verspürt. 19. Beben vom 9. August. I. In Crappano (Bezirk Sebenico), Untergrund Fels, berichtet der Guardian des Minoriten-Observantenklosters, P. Benedict Stancic, um ll h 10 m (vorher mit der Eisenbahnuhr verglichen) in einem Zimmer des ersten Stockes beim Lesen, stehend, einen einzigen Stoss verspürt zu haben. Von einzelnen Personen wahrgenommen. Es war ein starkes Rütteln in der Dauer von 3 S , begleitet von einem gleichzeitigen Geräusche; E. v. Moj siso vi es, Chronik der Erdbeben im Jahre 1S98. 191 letzteres schien wie vom Fallen eines grossen Fasses her- zurühren. II. In Sinj, felsiger Untergrund, Beobachter Stefan Mi de n- jakj Techniker, wurde um 23 h 45 m eine Erschütterung in der Dauer von 2 S verspürt. 20. Beben vom 10. August. In Sinj, felsiger Untergrund, Beobachter Stefan Midenjak, wurde um 2 h 12 m eine wellenförmige Bewegung in der Dauer von 3 S , mit Getöse verspürt. Die Erschütterung war an Inten- sität jener vom 9. Juli gleich. Viele aus dem Schlafe geweckt wurden unruhig. (Besonders stark in den Ortschaften Turjake, Kosute, Trilj und Vojnic verspürt.) 21. Beben vom 12. August. I. In Sinj, derselbe Beobachter, starker Stoss um 6 h 45 m , Dauer 2 S , mit Getöse. IL In Sinj, derselbe Beobachter, leichter Stoss um 12" 25 m , Dauer l s . 22. Beben vom 17. August. In Sinj, derselbe Beobachter, um 4 h 50 m ziemlich stark, Dauer 2 S , es erzitterten Fenster, Gläser wurden verschoben. 23. Beben vom 25. August. In Sinj, derselbe Beobachter, um 20 h 25 m , allgemein ver- spürter Stoss, besonders stark in Dicmo (Bezirk Sinj;. 24. Beben vom 26. August. In Sinj, derselbe Beobachter, um 20 h 18 m , Dauer 2 S ; in Jabuka und Vedrine stark. 25. Beben vom 29. August. In Sinj, derselbe Beobachter, um 5 h 15 m , Dauer 2 S , in Trilj stark. 26. Beben vom 4. September. In Sinj. derselbe Beobachter, um 21 h 10 m starkes Getöse ohne Erschütterung. 192 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. 27. Beben vom 6. September. In Sinj, derselbe Beobachter, um 7 h 22 m , Dauer 3 S , ziem- lich stark und allgemein wahrgenommen. 28. Beben vom 18. September. In Sinj, derselbe Beobachter, um S h 45 m , Dauer 2 S , leicht mit Dröhnen. In Dolac stark verspürt. 29. Beben vom 10. October. In Sinj derselbe Beobachter, um 18 h 46 m , Dauer 2 S , mit Getöse. In Spalato, Untergrund steinig, theilt Herr Vido Petri- cevic, k. k. Gymnasialprofessor, mit, um 18 h 54 s , ebenerdig ein allgemein gefühltes Beben gespürt zu haben. Bewegungs- richtung NE — SW, Dauer 1— 2 S . Am selben Tage ein starker Stoss wie am 2. Juli 1898 in den Dörfern Gardun, Vojnic und Kosute (Bezirk Sinj). 30. Beben vom 13. October. In Sinj, Beobachter Stefan Midenjak, Techniker, um 5 h 10 m , Dauer 2 S . Viele wurden aus dem Schlafe geweckt. 31. Beben vom 18. October. I. Spalato, felsiger Untergrund, Beobachter Peter Pavicic, k. k. Hafencapitän um 16 h 29 m , im ersten Stock- werke des Hafen-Capitanates in einer Fensternische ein einziger succussorischer Stoss. Allgemein gefühlt. Dauer 2 S . Der Stoss war von einem Rasseln begleitet. Vor und nach dem Stosse kein Geräusch. Kein Schaden und kein Eindruck auf die Bevölkerung. II. In Sinj, felsiger Untergrund, Beobachter Stefan Miden- jak, um 21 h 5'", sehr stark, Dauer 3 S ; versetzte die Bevölkerung in Aufregung. 32. Beben vom 19. October. In Sinj, derselbe Beobachter, um 20 h 45 m , 2 S Dauer, sehr leicht. E. v. Moj si so vi es, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 193 33. Beben vom 30. October. I. In Vrhgorac, Bezirk Macarsca. Untergrund steinig. Beobachter Franz Tonkovic, Pfarrer, berichtet über einen allgemein verspürten Erdstoss um 5 h 30 m , 4 S Dauer. Ein sehr starkes Geräusch Hess sich vor dem Beben und während desselben hören. Bewegungsrichtung E— W. Ein Geräusch war auch vom Schwanken des Gebäudes und der Möbel hervor- gerufen. II. In Sinj, felsiger Untergrund, Beobachter Stefan Miden- jak, um 14 h 35 m , 2 S Dauer, leichter Stoss. 34. Beben vom 2. November. In Sinj, derselbe Beobachter, um 19 h 20 m , Dauer 2 S ; wurde nur von wenigen Personen verspürt. 35. Beben vom 3. November. In Pakostane bei Zara, steiniger Untergrund, Beobachter Ivan Pastrovic, Oberlehrer, verspürte im Hause um 6 n (nicht verglichen) zwei leichte, allgemein wahrgenommene Stösse mit einem Intervalle von einigen Secunden. Ein Donnergeräusch folgte dem Beben. Zeitungsbericht des »Dalmata« (Zara) vom 12. November 1898. Es wird uns aus S. Filippo und Giacomo mitgetheilt: Am 3. 1. M. um 6 h ist hier ein Erdstoss beobachtet worden, welchem ein Getöse, gleich dem Fallen einer grossen Steinmasse, voran- ging. Der Stoss dauerte 2 S . 36. Beben vom 8. November. In Pakostane bei Zara (derselbe Beobachter) wurde um ll h 40 m ein starker Stoss verspürt; Bewegungsrichtung NE (?); undulatorisch; allgemein verspürt. Dauer einige Secunden. Ein donnerähnliches Geräusch folgte dem Stosse. Im nahen Orte Benkovac sind einige Hausmauern gesprungen. Aus Knin theilt Herr Dinko Giunio mit, um ll h 33 m (nicht verglichen) ein von einzelnen Personen beobachtetes Erdbeben verspürt zu haben. Es war einförmig und undula- torisch. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl .; CVIII. Bd., Abth. I. 13 194 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. In Zemuniku bei Zara, Beobachter Martin Paleka, Ober- lehrer, wurde um ll h 25 m ein auch in der Umgebung allgemein verspürtes Erdbeben beobachtet. Ein einziger Stoss; Bewe- gungsrichtung E — W. Vor dem Stosse unterirdisches entferntes Donnern. Dauer 5 — 6 S . Die Bevölkerung war vom Schrecken erfasst und befürchtete eine Wiederholung. Im nahen Dorfe Skabruje wurde die Kirche arg beschädigt und in zwei benach- barten Dörfern sind zwei Bauernhäuser zusammengestürzt. Aus Novigrad bei Zara, Karstboden, berichtet Herr Franz Vuletin, Lehrer, um ll h 45 m (mit Telegraphenuhr verglichen) einen auch in der Umgebung wahrgenommenen Erdstoss beob- achtet zu haben. Der Stoss begann zuerst leise und wurde bis zum Aufhören immer stärker. Bewegungsrichtung NE — SW. Dauer 5 S . Die Leute im Orte sagen, man habe noch nie so einen starken Stoss gefühlt. Ein Donnergeräusch ging dem Stosse voran, in der Dauer von6 s . Es liess sich zuerst schwach, dann stärker hören. Kein Schaden zu verzeichnen. Die Möbel ge- riethen in Bewegung. Ein Bauer, welcher sich gerade bei seinem Pferde befand, wurde von diesem im Augenblicke des Stosses beinahe gebissen. In Arbe, Bez. Zara, steiniger Untergrund, Beobachter Christian Marko vi c, Schulleiter, im zweiten Stocke des Schul- hauses, wurde um ll h 45 m (nicht verglichen) ein allgemein ge- fühlter Erdstoss beobachtet. Es war ein starker Stoss von unten mit gleichförmigen Schwingungen. Bewegungsrichtung N — S, aus der schwingenden Bewegung einer Lampe bestimmt. Dauer l s . Es wurde ein durch die Bewegung der Möbel hervorgeru- fenes Geräusch gehört. Es fielen auch Bilder von den Wänden. Dieses Erdbeben wurde auch in Pago gefühlt. Aus Nin bei Zara, Schuttboden, theilweise steinig, Beob- achter Pavao Zank i, Pfarrer, wird gemeldet, dass um ll h 36 m (nicht verglichen) im Hofe sitzend, ein auch in der Umgebung allgemein gefühlter Stoss wahrgenommen wurde. Wellenförmig. Bewegungsrichtung SW — NE auf Grund des Gefühles mehrerer Personen. Geräusch wie ein Kanonendonner aus der Ferne; es ging voran, währte und folgte dem Beben, alles zusammen durch 5 — 6 S . Die Gegenstände (Möbel etc.) haben sich sichtlich bewegt In kleineren Häusern ist der Mörtel abgefallen und sind E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 195 Sprünge in den Mauern entstanden. Schon vorhanden ge- wesene Sprünge haben sich erweitert. In einem Hause ist das Pendel der Wanduhr, welches NW — SE schwang, stehen ge- blieben. Die Fische sind aus dem Wasser gesprungen, die Pferde wurden scheu. Die Leute im Orte erschraken und Nie- mand erinnert sich- dort eines so starken Stosses. In Gorizza-Zaravecchia, Bez. Zara, Schuttboden. Be- obachter Don Marco Forbarina, Pfarrer, verspürte um ll h 35 m (einige Tage vorher mit der Platzuhr in Zara verglichen) im Hause, ebenerdig conversirend, einen allgemein gefühlten ein- förmigen wellenartigen Stoss. Bewegungsrichtung NW — SE, durch unmittelbare Empfindung bestimmt. Dauer 2 S . Das Ge- räusch war ein schrecklicher Knall, gefolgt von einem fürchter- lichen Getöse. Geräusch gleichzeitig mit dem Stosse. In den umliegenden Dörfern wurde dasselbe beobachtet. In Selve auf der gleichnamigen Insel, Bez. Zara, felsiger Untergrund, Beobachter Antonio Nach ich, Lehrer, wurde im ersten Stocke des Schulgebäudes, beim Schreiben, um 1 l h 37 m 30 s (die Uhr nachher mit der Telegraphenuhr verglichen; sie ging 4 m voraus) ein leichter, nur von wenigen Personen und vom Beobachter selbst gefühlter Stoss wahrgenommen. Es war keine Wellenbewegung, sondern nur ein Zittern, welchem ein leichtes donnerähnliches Geräusch voranging und während 8 S folgte. Nach unmittelbarer Empfindung des Beobachters schien der Stoss die Richtung S — N gehabt zu haben. Es wurde keine Bewegung an hängenden oder angelehnten Gegenständen be- obachtet. Dauer des Stosses 4 S . Kein Schaden. Der Beob- achter erfuhr, dass zwischen ll h 30 m und ll h 45 m sowohl auf der Insel Meleda, 14 Seemeilen SSE von Selve, als auch auf der Insel Ulbo, 5 Seemeilen ENE von Selve auch ein schwacher Stoss verspürt wurde. Orahovac bei Cattaro, steiniger Untergrund, Beobachter Peter Rafailovic, Pfarrer, um ll h 25 m ein allgemein auch in der Umgebung gefühlter Erdstoss; Bewegungsrichtung unge- fähr aus SE, aus der Bewegung hängender Gegenstände be- stimmt. Dauer 2 S . Nach Aufhören des Bebens ein fortgesetztes Donnern. Kein Schaden. 13* 196 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. In Razancu bei Zara, steiniger Untergrund, am Meere ge- legen, Beobachter Marcus Lukic, Lehrer, wurde um ll h 23 m (verglichen) ein allgemein gefühltes, sowohl in den Häusern als auch auf den Feldern wahrgenommenes Erdbeben verspürt. Es waren fünf Stösse, erster Stoss leicht, sodann drei starke, auf welche wieder ein leichter Stoss folgte. Bewegungsrichtung SW — NE, mittelbar und unmittelbar gemessen. Dauer aller fünf Stösse zusammen 4 S . Vor dem Beben wie ein starker Kanonen- schuss, hierauf constantes Donnern durch 3 S . Einige Mauern gesprungen. Einige Kinder konnten während der Stösse nicht stehen und sind umgefallen. Ein Kind verlor das Bewusstsein. Veranlasste allgemein grossen Schrecken. In Zlarin bei Sebenico, steiniger Untergrund, Beobachter Josef Stepancic, Oberlehrer, wurde im ersten Stockwerke des Schulhauses um ll h 45 m ein allgemein gefühlter Erdstoss wahrgenommen. Er war einförmig mit der Bewegungsrichtung W — E, aus der Bewegung der Gegenstände bestimmt. Dauer3 s . Donnergeräusch vor dem Beben durch 3 S . Zeitungsbericht des »Dalmata«: Um 1 l h 30 m wurde in Zara ein starker wellenförmiger Erdstoss mit der Bewegungsrichtung SE — NW wahrgenommen. Es dauert der Eindruck des Erd- stosses fort. Der erste succussorische Stoss hatte die Dauer von 3 S . Hierauf folgte ein zweiter wellenförmiger Stoss in der Dauer von 6 S . In Novigrad und in Bencovaz gibt es bedeutende Schäden. Auch in Obrovaz und in Zara wurden einige Häuser durch Mauerrisse leicht beschädigt. Der Eindruck unter der Bevölkerung ist bedeutend. Anderer Zeitungsbericht des »Dalmata«: Gestern, S.No- vember, wurde in unserer Stadt (Zara) ein sehr starkes succus- sorisches Erdbeben verspürt. Viele Personen flüchteten aus den Häusern. Man theilt uns mit, dass derselbe Stoss auch in Ben- covaz, Obrovaz und Novigrad, Ortschaften unweit von Zara, verspürt wurde. Die Naturerscheinung, wenn sie nur um ein Geringes länger gedauert hätte, würde auch in der Stadt Zara schwere Schäden angerichtet haben, wie solche in der Umgebung ziemlich beträchtlich sind. In Zemuniku wurde das Häuschen der Witwe Jurca Buljat zerstört. In Scabergne sind in mehreren Häusern die Mauern geborsten und die Pfarr- E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 197 kirche zu S. Luca ist so beschädigt, dass man Anstand nimmt, sie für den Gottesdienst offen zu halten. In Miragne in der Umgebung von Bencovaz wurde ein Herrenhaus beschädigt. 37. Beben vom 8. December. In Sinj, felsiger Untergrund, Beobachter Stefan Miden- jak, Techniker, um 23 h 58 m , Dauer 3 S , ziemlich stark. In Spalato, Santorinerde auf felsigem Untergrunde. Beob- achter Peter Pavicic, k. k. Hafencapitän, wurde um 23 h 56 m (M.E.Z.) im Gebäude des k. k. Hafencapitanates vom Schlafe geweckt. Ein einziger, scheinbar succussorischer Erdstoss. Bewegungsrichtung N — S. Dauer 2 — 3 S . Kein Geräusch. Zur selben Zeit wurde auch im Bezirke Sinj ein starkes Erdbeben verspürt. In Spalato, steiniger Untergrund. Beobachter Vido Petri- cevic, k. k. Gymnasialprofessor, verspürte um 23 h 58™, im ersten Stocke liegend, einen einzigen allgemein gefühlten Stoss, mit der Bewegungsrichtung NE — SW. Dauer 5 — 6 S . Zugleich mit dem Stosse ein unterirdisches Geräusch. In Sinj war der Stoss stärker als hier zu fühlen. 38. Beben vom 10. December. In Spalato, Santorinerde auf felsigem Untergrund. Vom Beobachter Peter Pavicic, k. k. Hafencapitän, um 2 h 20 m im Gebäude des k. k. Hafen-Capitanates wurde ein auch allgemein gefühlter Stoss verspürt. Viele Personen wurden aus dem Schlafe geweckt. In Sinj, felsiger Untergrund, Beobachter Stefan Miden- jak, Techniker, um 2 h 30 m , Dauer 2 S , ein stärkerer Stoss als jener vom 8. December. 39. Beben vom 12. December (I). In Sinj theilt derselbe Beobachter mit, dass um 5 h 15 m ein starker Stoss in der Dauer von 2 S verspürt wurde. Ein starkes 3 S dauerndes Getöse ging voran. Von zwei Häusern in der Richtung gegen Ervace rutschten einige Dachsteinplatten ab. Die Bevölkerung wurde stark beunruhigt; Viele verliessen die Wohnunsren. Dieses Beben wurde mit eben solcher Stärke 198 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. in Spalato empfunden und veranlasste die dortige Bevölkerung zum Verlassen der Wohnstätten. Zeitungstelegramme des »Piccolo« (Triest) aus Zara, 12. December. Im ganzen Erdbebengebiete wurde heute Früh um 5 h 30 m ein starker Erdstoss verspürt, welcher von einigen leichteren Stössen gefolgt wurde. Bis jetzt sind keine Nach- richten über Schäden eingelangt. Aus Sinj: Heute Früh um 5 h 20 m wurde ein sehr starker Stoss in der Dauer von 8 S wahrgenommen. Spalato, Santorin-Erde auf felsigen Untergrund. Beobach- ter Peter Pavicic, k. k. Hafencapitän, berichtet, dass er um 5 h 15 m (M. E. Z.) im zweiten Stocke von einem starken Erdstosse vom Schlafe geweckt wurde. Diesem Stosse gingen nach Mitter- nacht zwei andere leichtere voran. Das Beben war succusso- risch und gleichförmig und schien von N zu kommen. Die Richtung wurde nach der Empfindung des Beobachters selbst und auch von anderen Personen festgestellt. Dauer des Stosses 2 — 3 S . Es wurde auch ein wirkliches Getöse gehört in der Dauer von 1— 2 S , welches dem Erdbeben voranging. In einigen Häusern wurde beobachtet, dass die Zimmervögeln vor dem Stosse flatterten. Sonst kein Schaden. Die Bevölkerung ver- hielt sich ruhig. Der Stoss wurde auch auf den Inseln Brazza, Solta und Lesina, sowie im Gebiete von Sinj verspürt. In Spalato, steiniger Untergrund. Beobachter Vido Petricevic, k. k. Prof., verspürte im ersten Stocke, liegend, um 5 h 10 m einen allgemein gefühlten Stoss. Einige behaupten, zwei Stosse wahrgenommen zu haben; der Berichterstatter hat nur einen beobachtet. Stoss von unten, sodann undulatorisch. Dauer 2 — 3 ? . Geräusch der Möbel und der Gebäude. Man sagt dass l h vorher auch ein Stoss gewesen sei. In Sinj war das Beben sehr stark. In Macarsca, Schuttboden, im ersten Stocke eines Hau- ses am Meeresufer. Beobachter Paul Mar des sich, k. k. Hafen- deputirter, berichtet um 4 h 59 m , als er wach im Bette lag, ein Erdbeben in Form eines einzigen von unten kommenden Stosses gespürt zu haben. Es folgte hierauf eine leichte zitternde wellenförmige Bewegung. Nach der Empfindung des Beobach- ters schien die Bewegung von S zu kommen. Dauer circa 2 S . K. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 199 Kein Geräusch. Keine Wirkungen. Die Bevölkerung scheint beruhigt gewesen zu sein. In Gelsa, Bezirk Lesina, Schuttboden. Beobachter Ivan Ruzevic, Oberlehrer, im zweiten Stocke im Bette liegend, ver- spürte um 5 h 15 m (verglichen mit der Telegraphenuhr nach dem Stosse) einen allgemein wahrgenommenen Erdstoss undula- torisch; aus NE, aus der Bewegung der Gegenstände bestimmt. Dauer 2 S . Vor dem Stosse ein leichtes Donnern. Kein Schaden. Bevölkerung ruhig. In Risano, Bezirk Cattaro, steiniger Untergrund. Beobach- ter Nicolaus Mirovic, Lehrer, verspürte um 5' 1 20 ra zwei unmittelbar aufeinander folgende allgemein gefühlte Stosse. Dieselben waren succussorisch, gleichförmig mit der Bewegungs- richtung N — S (das Pendel einer Wanduhr stehen geblieben). Dauer l / 2 s . Geräusch der Möbel. Die Bevölkerung wurde beängstigt, weil der Stoss stark war. In Trau, Bezirk Spalato, Schuttboden. Beobachter Pavao Vucenovie, Oberlehrer, im ersten Stocke im Bette liegend, beobachtete um 5 h (nicht verglichen) einen allgemein auch in der Umgebung gefühlten einförmigen Erdstoss. Bewegungs- richtung N— E (?). Donnergeräusch gleichzeitig mit dem Stosse, die Bevölkerung wurde erschreckt. In Knin, steiniger Untergrund. Beobachter Dinko Giunio, Oberlehrer, verspürte im Bette liegend um 5 h (nicht verglichen) einen einförmigen Stoss in der Dauer von 2 S , welcher von ein- zelnen Personen auch in der Umgebung gefühlt wurde. Es wurde ein Geräusch gehört, das aber vom Erzittern der Möbel herrührte. 40. Beben vom 12. December (II). I. Risano, Bezirk Cattaro, Schuttboden. Beobachter Vinzenz Damiano vi ch, k. k. Lootse, fühlte im dritten Stock- werke des Gebäudes des k. k. Hafenamtes, im ruhigen Zustande, zwei allgemein verspürte Stosse, u. zw. den ersten um 1 7 h 7 m leicht, den zweiten um 17 h 9 m ziemlich stark (Uhr nach dem Be- ben mit der Telegraphenuhr verglichen). Die Stosse kamen von unten von N — S gerichtet. Dauer des ersten Stosses l s , die des zweiten 2 S . Den Stössen ging ein besonderes Geräusch wie ein 200 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Krachen voran, in der Dauer von 2 S . Keine Schäden. Die Be- völkerung wurde etwas beängstigt, beruhigte sich aber bald. In Orahovac bei Cattaro am Meere, steiniger Untergrund. Beobachter Peter Rafailovic, Pfarrer, berichtet, um 17 h 32 m drei unmittelbar aufeinander gefolgte Stösse, die allgemein auch in der Umgebung gefühlt wurden, wahrgenommen zu haben. Es war starkes einförmiges Beben. Bewegungsrichtung SE nach NW, aus der Bewegung der Gegenstände bestimmt. Dauer aller drei Stösse zusammen ungefähr 2 S . Gleichzeitig mit dem Beben ein augenblickliches starkes Donnern. Kein Schaden. Die Bevölkerung erschrak. IL Perzagno (Fraction Mrzep), Bezirk Cattaro am Meeres- ufer, felsiger Untergrund. Beobachter Franz Jelinek, k. k. Gen- darmerie-Wachtmeister (am 13. December von der eingerückten Patrouille gemeldet), theilt mit, dass um 18 h 15 m (nicht ver- glichen) im Hause des Gemeindevorstehers von verschiedenen Personen in stehender und in sitzender Lage während eines Gespräches ein starker Schlag von unten verspürt wurde, wel- chem ein starkes Zittern folgte. Das Beben wurde von mehre- ren Personen wahrgenommen. Bewegungsrichtung N — W r (?), durch unmittelbare Empfindung festgestellt. Dauer 4 — 5 S . Man hörte circa 8 S vor dem Schlage ein donnerähnliches Geräusch, als wenn ein Wagen vorbeigefahren wäre. Das Gebäude erzit- terte stark, ein. hängender Korb schaukelte. Die im Hause anwe- senden Personen geriethen in Furcht, und der Ortsvorsteher bekreuzte sich mit den Worten: »ja fällt denn das Haus zu- sammen!« 41. Beben vom 18. December. I. In Cattaro, Schuttboden auf felsigem Untergrund. Be- obachter Nicolaus Tom i eich, k. k. Hafendeputirter, wurde um 4 h 25 m (M. E. Z.) von einem suecussorischen Erdstosse vom Schlafe geweckt. Der Stoss wurde allgemein gefühlt, dauerte circa 2 S , und war von einem durch das Schwanken des Gebäu- des hervorgerufenen Geräusch begleitet. In Mula, Dorf bei Cattaro, steiniger Untergrund. Beob- achter Alexander Netzmeskal, Lehrer, verspürte um ungefähr 4 h 30 m im 1. Stocke, im Bette liegend, einen Stoss von unten. E. v. Mojsiso vics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 201 Allgemein gefühlt. Bewegungsrichtung NW — SE, aus der Bewegung einer Zimmerthüre, die sich von selbst geschlossen hatte, bestimmt. Dauer l s . Vor dem Stosse "hörte man starken Lärm. In Risano, Bezirk Cattaro, Schuttboden. Beobachter Vin- zenz Damianovich, k. k. Lootse, im 2. Stocke des k. k. Hafen- expositurgebäudes, wurde um 4 h 39 m (Uhr nachher am nahen Post- und Telegraphenamte verglichen) durch einen kurzen Seitenstoss vom Schlafe geweckt. Dauer circa 2 S . Geräusch vom Krachen des Gebäudes herrührend. In Risano, Bezirk Cattaro, steiniger Untergrund. Beob- achter Nicolaus Mirovic, Lehrer, ist durch einen allgemein gefühlten Stoss zwischen 4 h und 5 h aufgewacht. Es wurde nur ein Geräusch der Möbel und Thüren gehört. In Orahovac bei Cattaro, am Meeresufer, steiniger Unter- grund. Beobachter Peter Rafailövic, Pfarrer, theilt mit, um 4 h 25 m zwei Stösse verspürt zu haben. Der erste war einförmig, wellenartig; Dauer 3 — 4 S . l s später erfolgte wieder ein Stoss in der Dauer von 6 S . Bewegungsrichtung NW, aus der Be- wegung der Gegenstände bestimmt. Vor dem Beben ein kurz dauerndes Geräusch. Kein Schaden. NB. Am 12. December um 5 h 20 m und um 17 h 30 m , und am 13. d. M., um 19 h 50 m , sollen auch Erdstösse gewesen sein, jedoch alle sehr schwach. In Dobroto bei Cattaro, Untergrund Fels mit Erdschichte. Beobachter Hauptmann Gustav Tatra, Platzcommandant in Cattaro, theilt mit, dass im Hause des Obersten Schleiss in Dobroto und in der Wohnung des Oberstlieutenants Swatek im 2. Stocke in Cattaro, als beide Familien im Bette waren, um 4 Ü 30 m ein mittelmässiger Stoss von unten verspürt wurde. Dauer 1 — 2 S . Gleichzeitig mit dem Stosse wurde in Dobroto ein Gepolter in der Erde vernommen. In Cattaro wurde kein besonderes Geräusch gehört, ausser Klirren von Fenstern. Keine Schäden. II. In Orahovac bei Cattaro, am Meeresufer, steiniger Untergrund. Beobachter Peter Rafailövic, Pfarrer, berichtet, dass um 23 h 43 m dortselbst von einzelnen Personen ein ein- förmiges, wellenartiges Erdbeben beobachtet wurde. Bericht- 202 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. erstatter selbst hat den Stoss nicht wahrgenommen. Bewegungs- richtung NW — SE. Dauer 2 S . Geräusch durch die Bewegung der Gegenstände hervorgerufen. IX. Deutsches Gebiet von Tirol und Vorarlberg. Das Beobachternetz hat zwar in Folge von Todesfällen und Versetzungen manche Verluste zu verzeichnen, doch ist es dem Referenten, Herrn Prof. Dr. J. Schorn in Innsbruck gelungen, nicht nur die entstandenen Lücken zum grossen Theil auszufüllen, sondern auch die Zahl der Beobachtungs- stationen um 8 zu vermehren, so dass wir heute in Deutsch- tirol 164 Beobachter und in Vorarlberg 28 zählen. Im Jahre 1898 waren Erdbeben verhältnissmässig selten, indem Deutschtirol nur 12, und Vorarlberg bloss 4 Erdbeben- tage aufzuweisen haben, die sich auf die Monate März (3), April (1), Mai (2), Juni (1), Juli (1), August (1), October (2), November (2) und December (3) vertheilen. Mit Ausnahme des auch auf die Ostschweiz übergreifenden Erdbebens vom 14. Juni — und vielleicht auch des vom 3. November — dürften wohl alle anderen nur locale Erscheinungen sein, denn ihr schwaches, engbegrenztes Auftreten spricht hiefür. 1. Beben vom 8. März. Um 8 h 18 m erfolgte im Unterinnthal eine ziemlich heftige Erschütterung, worüber folgende Berichte vorliegen: Weerberg. Um 8 h 25 m wurde ein starkes Erdbeben wahr- genommen. 2 S lang schien es ein centraler Stoss zu sein mit einer Erschütterung, wie wenn der Schnee vom Kirchdach als Lawine heruntergefallen wäre. Dann aber erfolgten die Schwin- gungen und das Getöse in der Richtung SSE. Desgleichen wurde es in Vomp, Terfens und Kolsass wahrgenommen (Pfarrer Joh. Peer). — In Fritzens -Wattens (Stationschef Lichtensteine r) und im Gnadenwald (Lehrer Joh. Lech- leitner) wurde von einer Erschütterung nichts mehr verspürt. Schwaz. Vier Herren, die sich im ebenerdigen Tele- graphenbureau des Bahnhofgebäudes eben aufhielten, bemerkten um 8 h 18 m eine 5 — 6 S dauernde Erschütterung: ein Zittern des E. v. Moj siso vi es, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 203 ganzen Gebäudes mit gleichzeitig rollendem Donner, wie wenn ein Bahnzug auf gefrorenem Boden »unter- und abginge«. Von den anwesenden Personen verspürten zwei die Erschütterung von SE nach NW, die beiden anderen in umgekehrter Richtung. Die Fenster klirrten heftig. Vier Streckenarbeiter, 100m gegen N von der Station beschäftigt, haben die Erschütterung heftig ver- spürt; der Boden zitterte, Richtung quer durch das Thal: SE nach NW. Vier Arbeiter im Frachtenmagazin (Holzbau) nahmen die Erscheinung in gleicher Richtung wahr (Stationschef Carl Prack). Schwaz. Im grossen Hausgange des Bezirkshauptmann- schaftsgebäudes verspürte der Berichterstatter, eben im Begriffe, denselben zu durchschreiten, eine zusammenhängende Er- schütterung. Die Bewegung war als verticales Zittern von schwächerem Beginne, starkem Anwachsen und schwächerem Verlaufe wahrzunehmen und ähnlich dem Getöse einer von der Nordseite des Daches herabfallenden grossen Schneemasse, nur in sehr verstärktem Maasse, so dass Beobachter glaubte, es kämen alle Schornsteine herab. Hiebei erzitterte das ganze Gebäude, der Stoss schien von NNE zu kommen, richtiger, sich von dort her fortzupflanzen. Die Anfangserschütterung dürfte a /2 S ' die stärkere Haupterschütterung mehr als 2 S und das Verlaufen der Bewegung wieder gegen l s angedauert haben. Die Erscheinung war von fast lawinenartig donnerndem, in derselben Weise verlaufendem Geräusche begleitet, welches durch die vom Gange ins Freie führende Balkonthüre zu ver- nehmen war, während das Zittern des Gebäudes ' für sich ein anderes Geräusch bildete. Nicht befestigte Gegenstände bewegten sich (klirrten). Die Vögel zwischen den Winter- fenstern sassen lange Zeit nachher ganz erschreckt, aber ruhig auf den Zweigen. Das Erdbeben dürfte im Markte all- gemein wahrgenommen worden sein (k. k. Bezirkshauptmann A. Kneussl). Schwaz. Im 3. Stocke eines auf drei Seiten freistehenden Hauses der Paradiesgasse des Marktes verspürte man um 8 h 15 m eine circa 6 S währende Erschütterung. Es war ein während der ganzen Dauer der Bewegung gleichmässiges Zittern zu bemerken. Teller und Fensterscheiben klirrten 204 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. leichtere Gegenstände geriethen in Bewegung; ebenso klirrten und bewegten sich auf Nägeln an der Wand hängende Schlüssel. Die Bewegung war offenbar von S nach N gerichtet, da ein leicht beweglicher, hölzerner Wäscheständer sich heftig in dieser Richtung bewegte. Gleichzeitig vernahm man ein Ge- räusch, das mit gleichmässigem unterirdischen Rasseln und Rollen vergleichbar war. Leichtere Gegenstände geriethen ins Schwanken, auch die grossen elektrischen Bogenlampen auf der Strasse bewegten sich. Allgemein im Orte wahrgenommen (k. k. Hauptsteuereinnehmer Edwin Pöltz). Schwaz. Im zweiten Stocke des ca. 20 w vom Innflusse entfernten Wohnhauses beobachtete der Berichterstatter um 8 h 18 m eine ca. 2 S andauernde, vom donnerähnlichen Geräusch begleitete Erschütterung. Die Bewegung war gleich drei Schlä- gen von unten: ein schwächerer und ein stärkerer schnell auf einander folgend, darauf nach ganz kleiner Pause ein leichterer Stoss. Stossrichtung wohl von S her. Leichtere Gegenstände geriethen ins Schwanken. Das Erdbeben wurde wohl nur von einzelnen Personen nicht wahrgenommen.. Auch im Schwazer Bergbaue war die Erschütterung wahrzunehmen. Mehrere Ar- beiter verglichen das Getöse mit einem auf 100 m Entfernung abgefeuerten Schusse, andere meinten, eine Abrutschung oder einen theilweisen Einsturz eines Seitenstollens wahrgenommen zu haben (Cassier des Schwazer Bergwerks-Vereines Otto Franc k). Schwaz, k. k. Metallbergbau. Um 8 h 17 m wurden so- wohl im Berghause am Unterbaustollen als auch an den Beleg- orten bis zu 600 m von der Erdoberfläche während der Arbeit in der Grube von sämmtlichen Personen zwei Erschütterungen beobachtet, und zwar mit einem Intervalle von 2 — 3 S . »Ober- tags« anhaltendes Zittern des Gebäudes, diesem vorangehend ein Stoss; in der Grube machte es auf die Mannschaft den Ein- druck, als ob in grosser Entfernung die Firste der Strecke auf mehrere Meter Erstreckung eingegangen wären. »Obertags« Hess sich die Stossrichtung nicht bestimmen; in der Grube schien der Stoss vom W zu kommen (durch Vermittlung des k. k. Bergwerksverwalters Alois v. Koschin in Brixlegg einge- sandte Beobachtung des Grubenaufsehers Emanuel Snep). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 20o Die k.k. meteorologische Beobachtungsstation in Schwaz- Sch wader (Beobachter J. Grub er) meldet, dass um 8 t 28 m ein Erdbeben beobachtet wurde, welches man auch 1500 munter der Erde wahrgenommen habe. Stift Fiecht bei Schwaz. In zweitem Stocke des Kloster- gebäudes nahm der Beobachter am Pulte lehnend um 8 h 20 m einen Erdstoss mit nachfolgendem Rütteln wahr. Die Feder der Schlaguhr kam ins Klingeln. Das ca. 2 S andauernde Klappern der nur locker in ihrem Schlosse liegenden Zimmerthür zeigte die Stossrichtung SE — NW an. Der Erschütterung folgte ein auch im Freien wahrgenommenes Dröhnen, wie von einer ab- rutschenden Dachlawine herrührend, das 3 S gedauert haben mag. Die Vögel im Käfig flatterten ängstlich mit aufgesperrtem Schnabel umher, und der zahme Thurmfalke, der häufig halbe- stundenlang draussen am Fensterbalken sitzt, flog schleunigst davon. Das Erdbeben wurde im Hause und im Freien von Allen verspürt; die Zöglinge in der Schule stutzten und erblassten. P. Leo bemerkte es sogar auf der Rodel, von St. Georgenberg herunterfahrend. Diesem sagte der Waldhüter, der während des Erdbebens im Walde auf einem Baumstamme sass, dass es ihn eine Spanne hoch aufgeworfen und darnach ordentlich gerüttelt habe (Convictslehrer P. Bonifaz So hm O. S. B.). Jenbach. Auf der Bahnstation selbst wurde das Erdbeben nicht verspürt, wohl aber im Dorfe, ferner in der Pertisau, in Scholastica (Achenthai) und in Strass (am Eingange ins Ziller- thal), wo es sich durch Klirren der Fenster, Geschirre etc. be- merkbar machte (Stationschef Hermann Wie r er). Achenkirch im Achenthaie. Um 8 h 9 m (nach der Tele- graphenuhr in Achenkirch) beobachtete der Berichterstatter in der Kirche einen kurzen Seitenruck von E her mit gleichartiger Erschütterung von ca. 3 S Dauer und begleitet von dem Ge- räusch eines donnerartigen Einsturzes. Die Fenster der Sakri- stei klirrten, die Kinder schauten alle erstaunt in die Höhe. Das Erdbeben wurde von mehreren Personen in der Kirche und auch noch i 1 / 2 km weit von der Kirche wahrgenommen (Lehrer Norbert Knoll). Rotholz: Im Gebäude der landwirtschaftlichen Landes- anstalt verspürte der Berichterstatter um 8 h 15 m eine anschei- 206 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. nend mehr von unten kommende, anfangs schwache, aber rasch ansteigende zitternde Erschütterung von ca. 1 s Dauer. Sowohl das subjective Gefühl wie die Beobachtung von Hängelampe und Barometer deuten auf die Richtung NE — SW, also auf die Richtung des Thaies. Das gleichzeitige Geräusch schien mehr vom Gebäude selbst zu kommen und war ähnlich dem Rollen einer vom Dache fallenden Schneelawine. Einzelne auf schma- len Stellen befindliche Gegenstände, wie Blumenstöcke, stürzten herab (Director der landwirtschaftlichen Landesanstalt Dr. J. Tollinger). Fügen. Im Amtsgebäude des Bezirksgerichtes beobach- tete der Berichterstatter um 8 h 37 m (Ortszeit) eine Erschütterung, die sich als ein Schlag (knallartig) von unten mit folgendem donnerartigen Getöse von l s Dauer äusserte. Durch unmittel- bare Empfindung sowie durch Bewegung des Geschirres in Kästen und Credenzen, besonders in den höheren Stockwerken, Hess sich die Stossrichtung als von E nach W gehend fest- stellen (k. k. Landesgerichtsrath und Bezirksgerichtsvorstand Max Tribus). Stumm. Um S h 22 m wurde von einzelnen Personen ein centrales, einige Secunden andauerndes, massig starkes Erd- beben wahrgenommen (Dr. Haffner). Zell am Ziller. Das Erdbeben wurde hier nur von einigen Personen — vom Berichterstatter selbst nicht — wahrgenommen (Lehrer Andr. Kr ei dl). May erhofen. Nur zwei Personen glauben um die frag- liche Zeit eine Erschütterung verspürt zu haben (k. k. Forst- und Domänen Verwalter Franz Lessnag). Brixlegg. In der Platzinspection der Südbahn verspürte der Berichterstatter während der Aufnahme einer Depesche um 8 h 21 m eine ziemlich gleichartige, ca. 5 S andauernde Er- schütterung, ähnlich der, welche ein schwerer, über eine mit Koppeln gepflasterte Strasse fahrender Wagen erzeugt. Der Stoss pflanzte sich von S nach N fort. Es schien, als ob ein schwerer Train eben die Station passiere, und zwar so deut- lich, dass der Berichterstatter sich erhob und hinauseijte, um zu sehen, ob nicht ein aussergewöhnlicher Zug verkehre (Ver- kehrsassistent Josef v. Pul ci an i- Glücksberg). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 20/ Brixlegg, Fahlerzbergbau Gross- und Kleinkogl. Um 8 h 15 m wurde im Grosskogler Berghause und an den Belegorten des Gross- und Kleinkogler Bergbaues bis zu 400m von der Bergoberfläche während der Arbeit in der Grube von sämmtlichen Personen eine 2 — 3 S andauernde Erschütterung wahrgenommen. Die Bewegung »Ober Tags« war schaukeiför- mig; in der Grube machte es den Eindruck, als sei in einem von der Belegschaft entfernten Grubentheile die Erschütterung dadurch entstanden, dass sich in einem der dortigen Verhaue von der Firste ein grösseres Gesteinsstück losgelöst hätte und auf die feste Sohle aufgefallen wäre. »Ober Tags« schien die Erschütterung von NE zu kommen; in der Grube war die Rich- tung nicht bestimmbar. Das der Erschütterung vorangehende und nachfolgende Geräusch dauerte jedesmal l s (durch Vermitt- lung des k. k. Bergwerksverwalters Alois v. Kosen in ein- gesandte Beobachtung des Grubenaufsehers Georg Hoch- w immer). Brandenberg. Ungefähr um 8 h 20 m erfolgte eine ca. 3 S andauernde Erschütterung. Es war als wenn eine schwere Kugel über den Zimmerboden rollen würde (Lehrer Haas er). Die Richtung des starken Rollens ging von W gegen E (k. k. Forst- und Domänenverwaltung). In Rattenberg (Lehrer Joh. Prosser), Alpach (Lehrer Ant. Baumgartner), Breitenbach (Lehrer Joh. Emberger), Kundl (Schulleiter Alois Jöchl) und Wörgl (Comm. Vertreter der k. k. Staatsbahn Karl Stiefler) wurde das Erdbeben nicht mehr be- merkt. 2. Beben am 26. März um circa h 45 m in der Umgebung Merans, im Vinschgau und im Gebiete von Nauders. Folgende Berichte liegen hierüber vor: St. Pankraz im Ultenthale. Ungefähr 10 ra vor l h begann plötzlich bei sonstiger Ruhe und Stille unter anwachsendem brummenden, dumpfen Rollen das Haus des Beobachters zu erzittern, so dass die hölzernen Wände desselben zu krachen anfingen. Es dauerte solange, dass man etwa 4 — 5 zu zählen vermochte (Correspondenz in Nr. 26 des »Burggräfler«). Meran. Gegen l h soll in der Stadt ein Erdbeben verspürt worden sein (Notiz in Nr. 38 der »Meraner Zeitung«); der 208 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Erdbeben -Berichterstatter jedoch konnte trotz aller Umfrage über ein Erdbeben in Meran und nächster Umgebung nichts in Erfahrung bringen .(Leiter der gewerblichen Fortbildungsschule Alois Menghin). Partschins. Von mehreren Ortsbewohnern wurde bei- läufig um h 45 m eine Erderschütterung in der Richtung N — S wahrgenommen (Lehrer Josef Blaas). St. Leonhard im Passeier. Die um h 47 m in mehreren Häusern des Ortes verspürte Bewegung war eine rollende in der Dauer von 2--3 s , endend mit einem Stosse. Das dem Stosse vorausgegangene Geräusch war das eines rollenden Wagens. Die Mobilien wurden bewegt, die Vögel wurden un- ruhig (k. k. Bezirksrichter Dr. AI. Wo 11). Schi anders. Um l h verspürte man in der Gegend von Schlanders zwei lange (eine »halbe Minute« währende), mittel- mässige Stosse in der Richtung des Thaies von E nach W. Die Pfannen in der Küche klapperten (Correspondenz in Nr. 26 des »Burggräfler«). Mittelvinschgau (ohne nähere Ortsangabe). Am 25. grosser Schneefall, dem am 26. um h 55 m ein Erdbeben folgte, das aus zwei rasch aufeinanderfolgenden Stössen bestand, die von einem dumpfen, unterirdischen Getöse begleitet waren. Uhren blieben stehen, kleine Gegenstände, die nicht auf solider Basis ruhten, drohten umzufallen (Correspondenz in Nr. 26 des »Burggräfler«). Kort seh bei Schlanders. Gegen l h erfolgten zwei Stosse, so stark, dass sich leichte Gegenstände im Zimmer bewegten, die Pfannen in der Küche klapperten, ebenso die Schindeln auf den Dächern. Der Stoss war nicht wellenförmig, sondern wie ein Puff. Die Stossrichtung war von E nach W dem Thal ent- lang (Lehrer Ig. Adam). Laas. Vom Berichterstatter und vielen anderen Personen wurde um h 47 m eine starke, 6 S andauernde Erschütterung verspürt, die sich in gleichmässigem Zittern kundgab und, von E kommend, nach W verlief. Donnerähnliches Geräusch begleitete gleichzeitig die Erschütterung. Diverse Gegenstände in den Wohnungen zitterten, die Vögel flatterten in den Käfigen hin und her. Nach Angaben mehrerer Personen ging dieser E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 209 Erschütterung 15 m früher eine leichtere voran (k. k. Fachschul- director Heinrich Lenz). Nach einer Laaser Correspondenz in Nr. 38 der »Meraner Zeitung« wurde das Erdbeben nur am linken Etsch-Ufer wahr- genommen. Gl ums. Ungefähr um V 2 l h wurde eine Erschütterung verspürt, doch konnte Niemand deren Richtung angeben (Dr. Ferd. Plant). Sulden. Um h 47 m wurde von 5 Personen eine Erd- erschütterung beobachtet, deren Richtung von N nach S gewesen sei (Pfarrer Jos. El ler). Trafoi. Nur von einer einzigen Person wurde um die fragliche Zeit ein Erdbeben verspürt. Es war von ganz kurzer Dauer und nicht stark (Expositus Gottfr. Prieth). Benedictinerstift Marienberg (Gemeinde Schlinig). Im Klostergebäude wurde eine Erschütterung nur von einer Person wahrgenommen. Die Bewegung war stossartig, während des ganzen Verlaufes gleichartig und von SSE— NNW gerichtet. Anhaltendes Rollen begleitete gleichzeitig die nicht ganz »eine Minute« währende Erschütterung. Ein Krachen der Oberdecke des Zimmers wurde bemerkt. In dem eine Viertelstunde ent- fernten Orte Burgeis scheint der Stoss mehr bemerkt worden zu sein, denn es standen während der Nacht viele Personen auf (Pater Albert Raffeiner O. S. B.). Graun. Um 1 / 2 \ Xl wurde ein ziemlich starker, 3 — 4 S an- dauernder Erdstoss verspürt (Gemeindearzt J. Alb er). Langläufers. Ungefähr um 3 / 4 l h bemerkte man eine thaleinwärts gerichtete Erderschütterung, die mit dumpfem Rollen verbunden war. Nauders. Ungefähr um h (?) wurde von einzelnen Be- wohnern eine circa »2 — 3 m « andauernde, von E kommende Erschütterung bemerkt, und zwar ein ununterbrochenes Zittern, wie wenn eine Lawine vom Berge stürzt. Blumengeschirre klirrten (Schulleiter Urban Sanctjohanser und k. k. Tele- graphenaufseher Peter Blaas). — Obige Zeitangabe dürfte nach den Beobachtungen im benachbarten Martinsbruck wohl auf einen Irrthum beruhen Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl.; CVJI. Bd., Abth. I. 14 210 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Marti nsbruck. Im Zollamtsgebäude bemerkten einzelne Personen um h 55 m zwei innerhalb einiger Secunden auf- einanderfolgende Erschütterungen, und zwar eine mehrere Secunden andauernde wellenförmige Bewegung, welche in ihrem zweiten Acte mit Krachen der Zimmerwände endete. Stossrichtung von NE nach SW. Aufschlagen des Kopfes an die Bettrücklehne (k. k. Zoliamtsleiter Heinrich Stolz). In Vilpian (Schulleiter A. Bachmann), Taufers im Münsterthale (k. k. Zolleinnehmer Jos. Pitsch), Stilfs (Pfarrer Joh. Jos. Schöpf) und Ried im Oberihnthal (k. k. Kanzlist Joh. Hofer) wurde das Beben nicht mehr beobachtet. 3. Beben am 28. März. Um 20 h 45 m wurde in Windischmatrei von einigen Personen eine schwache Erderschütterung in der Richtung SW — NE wahrgenommen (Schulleiter Joh. Nutzinger). Eine Correspondenz in Nr. 29 der »Brixner Chronik« berichtet hierüber: Kurz nach 20 b 30 m fand ein circa 30 s lang- dauerndes, von S nach N hin sich erstreckendes Erdbeben statt. In Virgen (Pfarrer Jos. Pabst), St. Jakob in Defereggen (Lehrer Vincenz U n t e r k i r c h e r), S t. Ve i t in Defereggen (Lehrer Kasp. Leitner), An ras (Lehrer Joh. Kai er), Lienz (k. k. Be- zirksarzt Dr. Wörle) und Kais (Gutsbesitzer Joh. Hut er) wurde hievon nichts bemerkt. 4. Beben am 10. April. Um 3 h 40 m wurden wieder in Windischmatrei von einzelnen Personen zwei aufeinanderfolgende Stösse mit darauf- folgender Wellenbewegung in der Richtung von SW nach NE und von 3 — 4 S Dauer wahrgenommen. Stubenvögel fielen von ihren Sitzen und flatterten längere Zeit in den Käfigen herum. Gegenstände schwankten (Schulleiter Joh. Nutzinger). Eine Correspondenz in Nr. 12 der »Lienzer Zeitung« be- richtet noch, dass die Bewohner unsanft aus dem Schlafe gerüttelt wurden. In Virgen (Oberlehrer Joh. Bacher), St. Veit in Defe- reggen (Lehrer Kaspar Leitner), Hopfgarten in Defereggen (Lehrer Rupert Hopfgartner), Lienz (k. k. Bezirksarzt E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 21 1 Dr. Wörle) und in Kais (Gutsbesitzer Job. Hut er) wurde keine Erschütterung beobachtet. 5. Beben vom 6. Mai. Circa um 14' 1 10 — 1 l m fand in der ganzen Schweiz, Savoyen und im östlichen Frankreich ein Erdbeben statt, welches auch in Bregenz beobachtet worden war. Von anderen vorarlbergischen und tirolischen Orten sind keinerlei Meldungen eingelangt. 6. Beben vom 12. Mai. Um 17 h 10 m wurde in Kufstein im Freien und in Gebäuden in allen Stockwerken von den meisten Personen eine zitternd schwankende, ungefähr 2 S währende Bewegung wahrgenommen, wobei man zwei Stösse unterscheiden konnte, die von W nach E zu gehen schienen. Die Erschütterung war gleichzeitig mit einem Geräusch verbunden, das einzelne Beobachter mit nahem, schweren Flug einer Schaar Tauben verglichen. Die Erschütterung schien vom Rollen eines schwer beladenen Wagens veranlasst zu sein. Die Fenster zitterten, ja selbst im Gebälke krachte es. Ein auf dem Geleise stehender Bahn- bediensteter glaubte, dass eine schwere Locomotive an ihm vorbeifahre (Schulleiter Franz Kurz). 7. Beben vom 7. Juni. Gegen 5 1 ' wurde in der Ostschweiz, in Lichtenstein und im Rhätikon-Gebiete Vorarlbergs ein ziemlich heftiges Erd- beben wahrgenommen, worüber folgende Beobachtungen be- kannt wurden: Vaduz. Um 4 h 46 m wurde ein heftiger, von SE nach NW gehender, concentrisch wirkender, circa 3 — 4 S dauernder Erd- stoss verspürt. Im Orte wurde ein Kamin umgeworfen, ferner wurden bei einigen Häusern Mauer- und Deckenrisse beob- achtet. Das Erdbeben wurde auch von Leuten verspürt, die um diese Zeit schon im Freien mit Mähen beschäftigt waren. Das mitfolgende Geräusch wurde allgemein als Explosionsdetonation aufgefasst (Dr. Rudolf Schädler). 14* 212 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Feldkirch. Um 4 h 49 m wurde allgemein von Personen, die wach waren, eine zitternde und während der ganzen Dauer gleichartige Bewegung von 4 — 5 S Dauer wahrgenommen, wobei man 6 Erschütterungen von je 1 / 2 S Dauer unterscheiden konnte. Manche Personen haben eine schaukelnde Bewegung wahr- genommen, der in einem von NE gegen SW gerichteten Bett im wachenden Zustande liegende Beobachter aber nicht, woraus er schliesst, dass seine Bettstelle in ihrer Richtung von der Be- wegung ergriffen wurde. Der Berichterstatter selbst nahm ein Geräusch nicht wahr, andere Personen jedoch glaubten ein der Erschütterung vorausgegangenes Getöse, ein Krachen, wahr- genommen zu haben. Manche Leute wurden geweckt, Fenster und Thüren sollen bewegt worden sein. Auch in der Umgebung, unter Anderem auf einem 100 m höher gelegenen Weiler, beob- achtete man das Beben (k. k. Professor Jos. Kiechl). Feldkirch. Gegen 5 h wurde in der Stadt ein ziemlich heftiges Erdbeben verspürt. Es waren zwei, wie es schien, wellenförmige Stösse, von welchen der zweite, schwächere, in sehr kurzer Zwischenzeit folgte. Das Erdbeben verursachte Fensterklirren und schreckte viele Leute aus dem Schlafe. In Ragatz (Schweiz) wurde um dieselbe Zeit ein ziemlich heftiges Erdbeben mit der Richtung von SE nach N wahr- genommen (Notiz in Nr. 1 33 der »Vorarlberger Landeszeitung«). Feldkirch. Gegen 5 h wurden in der Stadt zwei ziemlich starke Erdstösse in der Richtung von E nach W gespürt (Notiz in Nr. 48 der »Feldkircher Zeitung«). Gisingen bei Feldkirch. Um 4 h 45 m verspürte man all- gemein eine Erschütterung von einigen Secunden Dauer. Es war ein Rollen und Zittern, wie wenn ein schwerer Gegenstand im Hause umgefallen wäre. Das Haus des Berichterstatters zitterte noch nach .dem Aufhören des Geräusches, das dem von SW kommenden Stosse voranging (Pfarrer Joh. Peter Düringer). Tisis (Lehrerseminar) bei Feldkirch. Im Seminar merkte man nichts vom Erdbeben, auch die Schulkinder erzählten nichts hievon. Mündlich erfuhr der Berichterstatter noch vom Lehrer Schauert, dass es in Brand, am Ausgange des Brandnerthaies, von vielen Leuten bemerkt wurde, und zwar in E. v. Mojsisovi es, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 213 west — östlicher (oder ost — westlicher) Richtung: quer durchs Thal. Es war, wie wenn der Wind durchs Laub rauscht. Nach der Meinung des Berichterstatters scheint dieses Erdbeben in der Richtung des Rhätikons verlaufen zu sein (Prof. Fr. Xaverius Stelzel). Rank weil. Um 4 h 50 m bemerkten im Orte einzelne Per- sonen ein Erdbeben; am Bahnhofe jedoch wurde nichts wahr- genommen (k. k. Stationsvorstand Othmar Bertel). Göfis bei Feldkirch. 10 m vor 5 h wurde ein schwaches Erdbeben wahrgenommen (Correspondenz in Nr. 33 des »Vorarl- berger Volksblattes«). Frastanz (Bahnstation). Um 4 h 51 in wurde zuerst ziemlich allgemein eine Erderschütterung von 1 — 2 S Dauer wahr- genommen, die sich als ein zweimaliges Schaukeln mit gleich- zeitigem Rauschen bemerkbar machte. Das Geräusch war, als wenn ein Zug in die Station einführe. Es ging der Erschütterung voraus. Die Stossrichtung war westlich (k. k. Stationsvorstand Chr. Wiederin). Frastanz. Etwa vor 5 h wurden zwei rasch aufeinander- folgende Erdstösse in der Richtung von SE nach NW verspürt, wovon der letztere bedeutend stärker war und Möbel in zitternde Bewegung versetzte (Correspondenz im »Anzeiger für die Be- zirke Bludenz und Montafon«, Nr. 25). Nenzing. Im Bahnstationsgebäude wurde von Niemandem ein Erdbeben beobachtet, wohl aber im benachbarten Gais, von wo durch die Bemühungen des Herrn Stationsvorstandes Josef Latzel nachfolgender Bericht einlief: Gais bei Nenzing. Von mehreren Personen wurde um 4 h 55 m (um einige Minuten der Eisenbahnuhr vorausgehend) eine stärkere und gleich darauf eine schwächere stossartige Erschütterung mit scheinbarer Richtung von S nach N wahr- genommen. Die ganze Erschütterung dauerte etwa 2 8 . Dem ersten Stosse ging ein starkes Rauschen, durch das der Bericht- erstatter erwachte, voraus (Procurist und Director der Baum- wollfabrik der Firma Douglass: Cornelius Buder). Thüringen. Nur in zwei Häusern wurde um die fragliche Zeit eine Erschütterung ohne Geräusch wahrgenommen. In einem Hause bemerkte eine Person Klirren der Fenster. Im 214 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Freien arbeitende Leute verspürten nichts (Oberlehrer Gebhard Kremmel). Bludenz. Ungefähr um 4 h 50 m — kann auch 2 — 3 m früher gewesen sein, Correctur durch Zufall verhindert — verspürte der Berichterstatter zwei durch eine gute Secunde von einander getrennte Erschütterungen, von denen die erstere eine etwa l s währende, wellenförmige Bewegung war, wie sie etwa heftige Stösse von der Tiefe hervorrufen, während die zweite sich mehr als auffälliges Zittern von a / 2 s Dauer äusserte. Stoss- riehtung der Empfindung nach E — W (k. k. Bezirksschul- inspector und Bürgerschuldirector Fleisch). Brand. Um 4 h 50 m zwei ziemlich starke Stösse ungefähr in südöstlicher Richtung bemerkbar (Pfarrer A. Dönz). Bürserberg. Um 5 lL wurde ein circa 4 S dauerndes Erd- beben verspürt (Correspondenz in Nr. 133 des »VorarJberger Volksblattes«). Dal aas. Die Frau des Berichterstatters nahm im ersten Stocke des Stationsgebäudes, gegen 5 h durch die Bewegung erwachend, ein von W nach E verlaufendes wellenförmiges Schaukeln des Bettes von 2 S Dauer wahr. Der im Parterre amtirende Berichterstatter konnte nichts beobachten (k. k. Stationsvorstand Rud. Ratzka). In Meiningen (Pfarrer Lorenz Duelli), Victorsberg (Pfarrer A. Spiegel), Kl aus -Weil er (Oberlehrer Joh. Jos. Hau sie), Götzis (k. k. Stationsvorstand H. Hosp), Bezau (Oberlehrer Gasser), Au (Pfarrer L. Berchtold) und Schruns (Ortsschulrath Ant. Fitscb) wurde das Erdbeben nicht mehr verspürt. 8. Beben am 3. Juli. Auf der alten Stosslinie Thauer — Arzl — Mühlau — Inns- bruck erfolgte gegen 21 1 / 2 h e,ne leichte Erschütterung, die wohl wieder in Arzl ihr Centrum hatte. In Innsbruck wurde das Erdbeben nur von wenigen Personen verspürt; im ersten Stocke eines am Pfarrplatze befindlichen Gebäudes, kurz vor 2 1 1 / 2 h , gleichzeitig von drei Personen zwei schwache centrale Stösse (Katechet Wechn er); im dritten Stocke ebendaselbst um 21 h 17"' zwei schwache, E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 21o centrale Stösse ohne Geräusch mit 1 s Zwischenzeit, wobei der zweite etwas schwächer war (Prof. Wiedemayr); endlich im Parterre eines Hauses in der Fallmerayerstrasse nach 21 h ein leises Zittern ohne Geräusch (Prof. Rudolf Böckle). In Müh lau wurde es von mehreren Personen um dieselbe Zeit als eine von W nach E verlaufende, ziemlich starke Er- schütterung beobachtet (k. und k. Oberstlieutenant v. Payr). In Arzl wurde von mehreren Personen, die im »Stern- graben« sassen, circa um 21 h ein heftiger, von W nach E gerichteter Stoss wahrgenommen, wobei sie auch ein kurzes dumpfes Getöse zu hören vermeinten. In T hau er beobachteten die beiden Cooperatoren um L'l 1 t h zwei leichte Erschütterungen, welche in kurzem Intervall aufeinanderfolgten (Pfarrer Georg Ausserlechner). In Hall (Lehrer Kühl wein), Tulfes (Lehrer AI. Kössler), Matrei (Beneficiat AI. May r), Wüten (Dr. Sc hör n) und Völs (k. k. Stationsvorstand Ziffer) wurde nichts mehr bemerkt. 9. Beben am 15. August. Um 1 l h 15™ wurde in Seilrain (Rothenbrunn) in Häusern und im Freien — so im Weiler »Danöben« und »Lechen« — eine Erderschütterung verspürt, die von SW kam und ungefähr 3 S dauerte. Sehr kurzes, doch deutlich wahrnehmbares Rollen ging der Erschütterung voran, jedoch ohne Zwischenpause bezüglich der Erschütterung. Die Bewegung selbst äusserte sich als gleichmässiges Zittern (Schulleiter Fr. Karl Pfeifer). Auch im höher gelegenen Weiler Neder wurde es als »Rumpier ohne Rüttler« wahrgenommen. Am stärksten soll es im Freien (»Brueder Au«) verspürt worden sein. Erdbeben — sehr fraglich — am 19. September. Eine Correspondenz der »Neuen Tiroler Stimmen« be- richtet in Nr. 216 aus Hall: »Am Montag zur Mitternachtszeit wurde nach kurzer Zwischenzeit zweimal nach einander ein mehrere Secunden andauerndes Erdbeben verspürt, welches sich in Erschütterungen von Thüren und Fenstern mit unter- irdischem Getöse kund that«. Mündliche und schriftliche Erkundigungen in Hall (Prof. P. Jul. Gremblich, Lehrer Kühl wein und Südbahnofncial 216 Mittheilungen derErdbeben-Commission. Stillebacher) und im Nachbarorte Thauer (Pfarrer G. Ausser- lechner) ergaben ein völlig negatives Resultat, so dass obige Notiz wohl auf einen Irrthum zurückzuführen sein dürfte. > 10. Beben am 2. October. Um 19 h 4 m und 21 h 35 m wurden im Brennergebiete zwei Erschütterungen beobachtet, worüber Folgendes vorliegt: Gries am Brenner. Ungefähr um 19 h und 21 h 30 m ver- spürten auf der Bahnstation im Telegraphenbureau, im Wächter- signalhäuschen und in den Wohnzimmern, ferner im Dorfe Gries die meisten Personen ein gleichartiges Zittern von einigen Secunden Dauer mit einem Geräusche, gleich wie bei einer Erdabrutschung (Stationsaufseher Jos. Anker). Obernberg. Um 2 1 h 38 m wollen mehrere Personen ein Erdbeben, bestehend in drei Secunden andauernden Stössen, begleitet mit unterirdischem Rollen in der Richtung von SE nach NW, und um circa l / 2 Stunde später ein zweites, 5 S an- dauerndes, von gleicher Art wie ersteres bemerkt haben (Pfarrei- Thomas Mössl). Brenner. Im Pfarrhause verspürte man um 19 h 4 m und um 21 h 35 m ein fortlaufendes Rollen von ungefähr 2 S , beziehungs- weise 4 — 5 S ununterbrochener Dauer, mit gleichzeitigem rasselnden Geräusche (Pfarrer Isidor Alvera). Gossensass. In Gebäuden des Ortes fühlten mehrere Personen um 21 b 30 m ein gleichartiges, 4 S andauerndes Zittern in der Richtung von E nach W. Das Geräusch äusserte sich als anhaltendes Donnern (Schulleiter Detter). Ausserpfitsch. Um 19 h 15 m wurde von den meisten Personen des Ortes eine 4— 5 S andauernde Erderschütterung in der Richtung von W nach E wahrgenommen. Dieselbe bestand in einem Stosse, dem ein kurzes Donnern folgte (Pfarrer Peter Alvera). In Steinach, St. Jodok (Pfarrer Obersanner), Schelle- berg (Stationsleiter Mittelberger) und Sterzing (Capuziner- lector P. Zierler) wurde von der Erschütterung nichts bemerkt. 11. Beben vom 5. October. Um 5 h 43 ra bemerkte der Berichterstatter in St. Pankraz (Ultenthal) im zweiten Stock eines freistehenden Hauses ein E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. - 1 < fernes tiefes Donnern, als ob man mit einem schweren Fuhr- werke über einen hohen Stadeltennen fahren würde. Das ferne, etwa 3 S andauernde Poltern (ohne Zittern oder Stoss!) schien von W oder NW herzukommen. Eine Selbsttäuschung ist aus- geschlossen (Dr. A. Tinzl). Über dieselbe Erscheinung berichtet der »Burggräfler« in gleicher Weise. 12. Beben vom 3. November. Rankweil. Nr. 254 des »Voralberger Volksblattes« enthält folgende Correspondenz: »Rank weil 7. November. Soeben lese ich in einem Wiener Blatte, dass am 3. d. M. in Italien ein Erdbeben verspürt wurde, welches auch hier um die nämliche Zeit bemerkt wurde; denn um 10 m vor 5 h wurde Schreiber dieses am selben Tage aus dem Schlafe geweckt. Es war ein kurzer Stoss, da,ss er zuerst glaubte, es sei eine andere Ursache, welche das Haus erschütterte«. In Rankweil (Stationsvorstand Bertel), Feldkirch (k. k. Professor Kiechl), Kl aus -Weil er (Oberlehrer Johann Josef Hau sie) und Tisis (Prof. Fr. Xavertus Stelzel) über dieses Erdbeben eingezogene Erkundigungen ergaben ein negatives Resultat; nur in Alten Stadt bei Feldkirch will eine Frau auch einen Stoss verspürt haben. 13. Beben 28. November. Um 3' 1 14 m wurden in D Öls ach (Bezirk Lienz) von wenigen Personen zwei heftige Stösse mit 3 S Zwischenzeit bemerkt. Dem zweiten Stosse folgte ein leichteres Rütteln von 9 — ll s Dauer. Richtung anscheinend von SE nach NW (Schulleiter Jos. Defr egger). Da am selben Tage auch in dem weit entfernten Ausser- pfitsch (bei Sterzing) etwas vor l h und um 4 U 25 m abermals von einigen Personen ein »Rumplen«, »als ob ein Erdbeben gewesen wäre«, bemerkt wurde, zog Referent aus dem ganzen Zwischengebiete Erkundigungen ein, erhielt aber von sämmt- lichen angegangenen Beobachtern: Kapuzinerlector P. Zier ler in Sterzing, Stationsvorstand Hillbrand in Grassstein, Schulleiter Ed. Hillebrand in Villnöss, Decan Peter Pallua 218 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. in Enneberg, Lehrer Fr. Oberhollenz er in St. Johann in Ahm, Stationschef Moriz Kubin in Toblach, Canonicus Hieron. G ander in Irinich en, Schulleiter V. G oll er in Sexten, Pfarrer Niederwanger in Abfalter sbach, Lehrer Joh. Kaier in Anras und k. k. Bezirksarzt Dr. Wörle in Lienz negativ lautende Antworten. 14. Beben vom 9. December. Um 18' 1 24 m bemerkten 15 — 20 Personen in Seefeld im Freien bei einem Spaziergange eine donnerähnliche Erschütte- rung, die sich als ein Druck von unten in der Dauer von 3 — 5 S äusserte. Druck und donnerähnliches Geräusch waren gleich- zeitig. Zwei Schlittschuhläufer theilten dem Beobachter nach- träglich mit, dass um dieselbe Zeit, circa 18 h 30 m das Eis des zugefrorenen Sees an mehreren Stellen Stösse erhielt, aus welchen nur für einige Augenblicke Wasser hervorquoll (Lehrer Jos. Seh wein est er). In Scharnitz (Lehrer Jos. Mariner), Oberleutasch (Pfarrer Joh. Sponring) und Reu th (Pfarrer Mai r) verspürte man nichts hie von. 15. Beben vom 24. December. Ungefähr um 17 1 /, 1 ' wurde im nördlichen Gebiete der Ötzthaler- und Stubaieralpen eine Erderschütterung verspürt, worüber folgende Berichte einliefen: Ridnaun. Beiläufig um 17 h 30™ Ortszeit (die Uhr dürfte circa 10 — 15 m gegen die Bahnuhr zu spät gehen) wurde vom Berichterstatter in der Kirche stehend, ferner von seinen im Pfarrhofe ebenerdig sich aufhaltenden Hausgenossen, sonst nur noch von wenigen anderen Personen des Ortes eine von SE kommende Erschütterung wahrgenommen. In der Kirche war es, als wenn von* der Höhe etwas herabrollen würde, im Pfarr- hofe ebenso, nur glaubte man, es würden die Fenster zu klirren beginnen. Die im ganzen Verlaufe gleichartige Erschütterung dauerte beiläufig 1 / 2 Minute. Das Geräusch, dem beim Auffallen einer Dachlavvine entstehenden ähnlich, war mit der Erschütte- rung gleichzeitig (Pfarrer Joh. Mayr). E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 219 Neustift im Stubai. Um 17 h 30 m wollen einige Personen eine schwache Erschütterung wahrgenommen haben (Lehrer Benedict Pedevilla). St. Sigmund im Sellrainthale. Im ganzen Orte wurde ungefähr um s /±\8 h (nach Kemater Bahnuhr) ein continuirliches Zittern mit verstärkter Erschütterung am Ende, begleitet von unterirdischem, ziemlich starken polternden Rollen in der Richtung von NE — SW wahrgenommen. Geräusch und Er- schütterung, so ziemlich rasch aufeinanderfolgend, währten 2 — 3 S . Die Vögel flatterten in den Käfigen (Pfarrer Gottfr. Konrath). Gries im Sulzthal (Nebenthal des Ötzthales). Ungefähr um 17 h 35 — 40 m wurde ein Erdbeben beobachtet, begleitet von donnerähnlichem unterirdischen Getöse. Die wellenförmige, circa 1 — 2 S andauernde Bewegung schien die Richtung von W nach E zu haben (Caplan Aldabert Reisigl). Längenfeld. Trotz Umfrage konnte der ständige Beob- achter (Uhrmacher Serafin Arnold) keine positiven Daten erlangen. Ein Correspondent des »Bote für Tirol und Voralberg« berichtet jedoch aus Längenfeld in Nr. 297: »Am heil. Abend wurde um 17 h 50 m ein Erdbeben verspürt. Fenster und Häuser wurden erschüttert«. Umhausen. Um 17 h 35 m wurde ein ganz kurzes Erdbeben verspürt, das den Eindruck eines über eine Brücke fahrenden Wagens machte und von Sausen begleitet war. Gegen NE, un- gefähr 200 in vom Dorfe entfernt, war der Eindruck erheblicher (Pfarrer Schmid). Ötz. Hier wurde nichts bemerkt (Pfarrer Alois Matt). Bahnhof Station Ötzthal. Um 17 h 35 m wurde vom Be- richterstatter während des Telegraphirens und noch von eini- gen anderen Personen eine einzelne schwache Erschütterung mit gleichzeitigem dumpfen, unterirdischen Rollen — wie beim Vorbeifahren eines schweren Fuhrwerkes — scheinbar in der Richtung von SW — NE und in der Dauer von höchstens 2 S beobachtet. Einzelne Glockenschläge am Läutewerk, ferner das Ausbleiben der Zeichen während des Telegraphirens waren die einzigen bemerkbaren Wirkungen des Erdbebens, während die 220 Mittheilungen der Erdbeben-Commission. Nadel der Boussole bereits vor der Erschütterung in rotirende Bewegung gerieth (k. k. Stations-Assistent Isnenghi). Bahnstation Silz. Hier war das Erdbeben vom Bahn- stationsgebäude in linker Richtung gegen die Kühtheieralpe zu fühlbar, u. zw. als kurzer dröhnender Stoss, dann Rollen von E — W. Dauer 1 X / 2 S (k. k. Stationsvorstand Lugauer). Bahnstation Roppen. Um 17 b 25 m wurde von einzelnen Personen eine einmalige, schaukelartige Erschütterung beob- achtet, die von NW kam und einige Secunden währte. Rasseln- des Geräusch folgte unmittelbar der Erscheinung (k. k. Sta- tionsvorstand Georg Gatt). Bahnstation Im st (k. k. Stations-Vorstehung) und im Markte Imst (k. k. Landesgerichtsrath R. v. Trentinaglia) wurde nichts bemerkt. Jerzens (Pitzthal). Der Berichterstatter selbst nahm zwar nichts von einem Erdbeben wahr, wohl aber andere vertrauens- würdige Personen, u. zw. um 17 h 45 m (Lehrer A. Le titsch). Kaltenbrunn (Kaunserthal). Ungefähr 1 7 x / 2 h wurden mehrere Erdstösse wahrgenommen, die eine ähnliche Erschüt- terung hervorbrachten, wie eine zu Thal gehende Lawine. Dauer circa 2 S (Pfarrer Jos. Prieth). Nach mündlichen Mit- theilungen wurde auch noch in Kauns (Kaunserthal) kurz nach 17 h 30 m auf dem Kirchenchore während des Gottesdien- stes allgemein ein »Rumpier« mit seitlichem Stoss von SSW verspürt. In Ried (k. k. Kanzlist Joh. Hofer), Prutz (Pfarrer P. Bernhard), Nassere it (Pfarrer Schöpf), Telfs (Privat K. Daum), Solde n (Pfarrer Gottfried Klucker) und im ganzen Wippthale wurde nichts mehr verspürt. 16. Beben am 27. December. Nr. 294 des »Vorarlberger Yolksblattes« bringt folgende Erdbebennotiz: Götzis, 27. December. Heute verspürte man in hiesiger Gegend etwas nach ll h ein ziemlich heftiges Erdbeben. Die Erschütterung war so stark, dass einzelne Häuser zitterten und die Leute angstvoll zusammenliefen, um zu sehen was los sei. K. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. --'-1 Zöglinge des Lehrerseminars in Tisis bei Feldkirch be- richten, dass man dasselbe Erdbeben nur noch in Hohenems und Dornbirn (Oberdorf) beobachtet habe, u. zw. als eine kurze Erschütterung in ostvvestlicher Richtung (Prof. Fr. Xaverius Stelzel). Weitere mündliche Mittheilungen und durch Oberlehrer Joh. Jos. Häusle in Klaus, Stationsvorstand Bertel in Rankweil und Stationsvorstand Gorbach in Hohenems eingesendete Erkundigungen ergaben ein negatives Resultat. X. Tirol, italienische Gebiete. Der Referent Herr Prof. Jos. Damian in Triest erstattet folgenden Bericht: Von den 53 Beobachtern des Jahres 1897 ist einer (Ca- valiere de Pizzini in Ala) gestorben, einer übersiedelte, wofür ein anderer gewonnen wurde. Einzelne sind versetzt worden, ohne dass sie dem Referenten hievon Mittheilung gemacht haben. Es kann die Befürchtung nicht unterdrückt werden, dass solche Fälle öfters eintreten dürften. Mit Dankbarkeit muss anerkannt werden, dass der Director der Mori-Arco- Rivabahn, Julius Mühle isen, die Stationsleitungen dieser Bahn aufgefordert hat, die Erdbeben-Beobachtungen der k. Akademie der Wissenschaften zu fördern. An dieselben wur- den in Folge dessen Fragebogen gesendet. Im abgelaufenen Beobachtungs-Jahre sind nur über zwei Beben Meldungen eingelaufen. 1. Beben vom 4. März. Um 22 u 10 m fand in Riva am Gardasee ein Beben statt. Die Station liegt auf Alluvialboden. Die allgemein wahrgenom- mene Erschütterung bestand in einem stärkeren Stoss, dem ein schwächerer nachfolgte. Nach dem Hauptstosse trat ein schnelles Zittern (Schaukeln) ein, diesem folgte ein schwaches nach. Die Richtung des Stosses scheint von Südosten gekom- men zu sein. Diese Richtung deuteten auch die Schwingungen einer Hängelampe an, die mit der Magnetnadel orientirt wur- den. Die Vibrationen des ersten Stosses dauerten 2 — 3 S , die 222 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. des zweiten ungefähr 2 S . Ein dumpfes Rollen, wie Gewitter- rollen, ging dem ersten Stosse voran; eine nervenkranke Dame dachte anfangs, es habe sich von der Spitze der Rochetta ein Felsstück losgelöst und sei wie eine Steinlawine den Abhang herabgerutscht. Das Geräusch ging der Erschütterung voraus. In der Villa des Beobachters krachten einzelne Möbelstücke, nahe beieinander stehende Gläser klirrten und die Hängelampe gerieth in Schwingungen. Die Bevölkerung verhielt sich ruhig, nur die Fremden waren etwas erregt. Die Haushunde neben der Villa winselten (Dr. med. Christoph von Härtungen). In Arco wurde ungefähr um 22 h 30 m ein ziemlich starkes, nur kurz anhaltendes Beben beobachtet. Richtung von Westen nach Osten. Bewegung wellenförmig (Arthur Wildgrub er, k. k. Postverwalter). Vom Beobachter in Pregarina lief keine Meldung ein. Predazzo. In der Nacht vom 4. auf den 5. März haben einzelne Personen des Ortes starke Erschütterungen der Erde wahrgenommen (Agreiter). 2. Beben vom 2. October. Um 5 h 30 m wurde in Arco eine ziemlich starke Erderschüt- terung verspürt. Der Beobachter wurde vom Schlafe aufgeweckt. Auch andere Beobachter der Stadt haben die Bewegung des Bodens wahrgenommen (A. Wildgruber, k. k. Postverwalter). Von den Stationsleitungen der Mori-Arco-Rivabahn, von Riva und Pregarina liefen keine Nachrichten ein. XI. Böhmen, deutsches Gebiet. In Folge der Übersiedlung des Herrn Prof. Dr. F. Becke nach Wien ist in der Person des Referenten ein Wechsel ein- getreten, indem Herr Prof. Dr. Victor Uhlig in Prag die Func- tionen eines Referenten übernahm. Herr Prof. Uhlig erstattete nachstehenden Bericht. Von den 251 Beobachtern des Jahres 1897 sind im Laufe des Jahres 1898 zwei gestorben, und ein Beobachter ist über- siedelt. Somit kamen im Ganzen 3 Beobachter in Wegfall, da- gegen wurden 16 Beobachter neu gewonnen, so dass gegen- E. v. Moj siso vics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 223 wärtig 267 Beobachter fungiren. Die Zahl der Stationen ist von 230 im Jahre 1897 auf 237 im Beobachtungs-Jahre gestiegen. Entsprechend der Weisung der Erdbeben-Commission vom 21. December 1898 wurden 2500 Stück Fragebogen und Auf- rufe an den Landesschulrath für Böhmen zur Vertheilung an die Lehrerschaft der deutschen Volks- und Bürgerschulen über- mittelt. Seine Excellenz der Herr Statthalter von Böhmen, Graf Coudenhove hat die thunlichste Förderung der Erdbeben- Beobachtung in freundlicher Weise zugesagt, desgleichen die Post- und Telegraphendirection in Prag. Im Jahre 1898 sind im deutschen Gebiete Böhmens nur zwei Erdbeben zur Beobachtung gelangt. 1. Beben vom 18. April. Bleistadt. Um 2 h 45 m nahm Herr Dr. med. R. Fuchs in Bleistadt in seiner Wohnung mehrere Erschütterungen in der Richtung von Westen nach Osten wahr, denen ein rasselndes Geräusch nachfolgte. Das Beben wurde ausser von dem Beobachter auch noch vom Herrn Pfarrer Kaspare k bemerkt. 2. Beben vom 31. December. Brambach. Zu Folge der Meldung des Herrn Beobach- ters in Asch, Herrn Bürgerschuldirector Karl Albert i, ist in Brambach und Rohrbach bei Asch in der Nacht zum 31. De- cember gegen Y^' 1 ein Erdstoss bemerkt worden. Derselbe war von donnerähnlichem Rollen begleitet und machte die Fensterscheiben erzittern. Die Richtung war von Nordost nach Südwest. XII. Böhmen, böhmisches Gebiet. (Referent Herr Prof. Dr. Wo ld rieh in Prag.) Im Laufe des Jahres 1898 änderten mehrere Beobachter ihren Wohnort und wurden durch neue Persönlichkeiten er- setzt. Selbständig meldeten sich zehn Beobachter aus noch nicht im Beobachtungsnetze vertretenen Orten. Anlässlich der »Melniker Detonation« vom 8. April wurden an vierzig neue Beobachter aus verschiedenen Orten Mittel- und Nordböhmens 224 .Mittheilungen der Erdbeben-Commission. gewonnen, und das Interesse für die neue Beobachtungsorgani- sation stieg bedeutend, so dass gegenwärtig das Netz des böhmischen Beobachtungsgebietes an 310 Stationen zählt. Über Auftrag der »Erdbeben-Commission« wurden je 3200 Exemplare des Aufrufes und des Fragebogens an den k. k. Landesschulrath für das Königreich Böhmen betreffs Ver- keilung derselben an Volks- und Bürgerschulen mit böhmi- scher Unterrichtssprache übergeben; auch für den Herrn Referenten Prof. Dr. Makowsky in Brunn wurden die für den gleichen Zweck nöthigen Exemplare in böhmischer Sprache besorgt. Aus dem Beobachtungsgebiete des Referenten langten nur Berichte über die am 8. April 1898 beobachtete unterirdi- sche Detonation von Melnik ein; sonst wurde nichts wahr- genommen. Diese gewiss beachtenswerthe und nicht unwichtige Detonation, welche in drei Gebieten: im Melniker, im Turnauer und im Neu-Paka-Josefstädter Gebiete fast gleichzeitig beob- achtet wurde, wäre sicherlich unbeachtet und unregistrirt ver- laufen, wie wahrscheinlich manche frühere solche Erschei- nungen, wenn die Organisation der Erdbeben-Commission nicht bereits fungirt hätte, zumal mit dieser Detonation keine inten- siveren Erderschütterungen verbunden waren. Über diese Er- scheinung liegt bereits ein eingehender Bericht gedruckt vor. 1 Der am selben Tage (8. April) eingetretene Erdrutsch bei Klape ist wohl tektonischen, aber keineswegs seismischen Ursprungs; derselbe hängt mit bedeutenderen atmosphärischen Nieder- schlägen zusammen und bereitete sich seit längerer Zeit vor, da er schon im Herbste des Jahres 1897 begann. Über denselben habe ich in den Schriften der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften in Prag eine eingehende Abhandlung ver- öffentlicht. XIII. Mähren und Schlesien. Nach dem Berichte des Referenten Herrn Prof. Alex. Makowsky in Brunn hat sich im Berichtsjahre weder im 1 Bericht über die unterirdische Detonation von Melnik in Böhmen vom 8. April 1898, von J. N. Woldr ich. Mittheilungen der Erdbeben-Commission. IX. Diese Sitzungsberichte, Bd. CVII, Abth. 1, S. 1179. F.: v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. 220 Stande der Beobachter eine Veränderung ergeben, noch sind dem Referenten Nachrichten über seismische Erscheinungen in Mähren und Schlesien zugekommen. XIV. Galizien. Der Referent Herr Prof. Dr. Ladislaus Szajnocha in Krakau berichtet, dass im Laufe des Jahres 1898 weder irgend ein Erdbeben in Galizien beobachtet wurde, noch irgend eine Veränderung im bisherigen Stande der Beobachter stattgefunden habe. XV. Bukowina. Auch dieses Land hat sich im Berichtsjahre als ein immunes Gebiet erwiesen, da nach den Mittheilungen des Herrn Referenten Oberbaurathes Anton Pawlowski in Czerno- witz von keinem Punkte des Landes Meldungen über Erdbeben einliefen. Der Stand der Beobachter hat sich gegen das Jahr 1897 etwas erhöht, indem fünf neue Beobachter gewonnen wurden. Vier von diesen Beobachtern ergänzen das Beob- achtungsnetz in der karpathischen Region der Bukowina in erwünschter Weise. Nachtrag. Erst nach Abschluss der Chronik der Erdbeben lief die verspätete Mittheilung der k. k. meteorologischen Beobach- tungsstation G o 1 1 r a d (Steiermark) ein, dass daselbst am 5. December 1898 um 14 h 50 m von mehreren Personen ein Erdbeben bemerkt wurde, welches etwa 3 S dauerte und die Richtung W — E erkennen liess. Mit Hinzurechnung dieses Bebens erhöht sich (vergl. S. 34) die Zahl der Erdbebentage des Jahres 1898 auf 208. Mit Hinzurechnung des auf S. 201 erwähnten Stosses vom 13. December 1898 in Orahovac bei Cattaro, welchen der Herr Referent für Dalmatien nicht als selbständiges Beben in die Chronik aufgenommen hatte, würde sich die Zahl der Erdbebentage des Jahres 1898 auf 209 erhöhen. Es ist wohl Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl.; CVIII. Bd., Abth. I. 15 226 E. v. Mojsisovics, Chronik der Erdbeben im Jahre 1898. selbstverständlich, dass auch diese Ziffer nur als ein Minimal- werth angesehen werden kann, da die Berichterstattung nur in jenen Ländern eine annähernd vollständige ist, wo, wie z. B. in Krain und Görz, der Referent einen unausgesetzten Contact mit den Beobachtern aufrecht erhält und sie wiederholt zur Berichterstattung auch ganz schwacher seismischer Erschei- nungen ermuntert. Inhalt. Seite Allgemeiner Bericht 33 I. Niederösterreich 37 II. Oberösterreich 53 III. Salzburg 55 IV. Steiermark 57 V. Kärnten 79 VI. Krain und Görz 82 VII. Gebiet von Triest 169 VIII. Istrien und Dalmatien • 181 IX. Deutsches Gebiet von Tirol und Vorarlberg 202 X.- Italienische Gebiete von Tirol • 221 XI. Böhmen, deutsches Gebiet 222 XII. Böhmen, böhmisches Gebiet 223 XIII. Mähren und Schlesien 224 XIV. Galizien 225 XV. Bukowina 225 Nachtrag 225 227 XI. SITZUNG VOM 20. APRIL 1899. Erschienen: Denkschriften, Bd. G7 (1899). — Sitzungsberichte, Bd. 107, Abth. II. a., Heft IX und X (November und Deccmber 1897). Herr Dr. Julius Tandler in Wien spricht den Dank für die ihm bewilligte Subvention zur Ausarbeitung des II. Theiles seiner Arbeit über die Schädelarterien aus. Herr Dr. Oskar Nagel in Wien übersendet ein versiegeltes Schreiben behufs Wahrung der Priorität mit der Aufschrift: »Über Ei w e i s s « . Das w. M. Herr Intendant Hofrath F. Stein dachner berichtet über eine neue Uromastix- Art, U. simonyi, welche während der arabischen Expedition der kaiserlichen Akademie von Herrn Prof. 0. Simony in Südarabien sowohl in den gebirgigen Umgebungen von "Azzan, als auch — und zwar in besonderer Häufigkeit und seltener Grösse — in dem nördlich von Ras Fartäk gelegenen Weihrauchgebiete beobachtet wurde. Im letzteren nährt sich dieses träge, ausschliesslich pflanzen- fressende Nachtthier nach zuverlässigen Mittheilungen der Ein- gebornen vorwiegend von den Blättern des Weihrauchbaumes. Das w. M. Herr Dr. E. Weiss überreicht eine Abhandlung von Hofrath Prof. Dr. W. Tinter, betitelt: »Bestimmung des Azimuthes der Richtung: Obs ervatori um der k. k. tech- nischen Hochschule Wien (Punkt 4) — Leopoldsberg und Bestimmung der Meereshöhe einzelner Punkte des Observatoriums«. Herr Dr. Egon v. Oppolzer, I. Assistent der k. k. Stern- warte in Prag, übersendet eine vorläufige Notiz über eine neue Methode, Fadenantritte zu beobachten. 15* 228 Herr k. und k. Linienschiffslieutenant Theodor Scheim- pflug überreicht eine von ihm und Herrn Max Stotter ver- fasste Abhandlung: »Temperaturmessungen im Queck- silberbergwerke von Idria«. Herr Leopold Kohn überreicht eine von ihm in Gemein- schaft mit Herrn Otto Bleier im II. chemischen Universitäts- laboratorium in Wien ausgeführte Arbeit: »Über ein all- gemein verwendbares Verfahren der Dampfdichte- bestimmung unter beliebigem Drucke« (I. Mittheilung). Selbständige Werke oder neue, der Akademie bisher nicht zugekommene Periodica sind eingelangt: Hildebrand Hildebrandsson, Dr. H. et Teisserenc de Bort, L. : Les bases de la Meteorologie dynamique, histo- rique-etat de nos connaissances. Paris, 1898; 8°. Lais, P. Giuseppe: Tre nebulose fotografate recentemente alla Specola Vaticana. Rom, 1899; 8°. Schumann, Dr. W.: Die Verbreitung der Cactaceae im Ver- hältniss zu ihrer systematischen Gliederung. (Aus dem Anhang zu den Abhandlungen der königl. preuss. Aka- demie der Wissenschaften zu Berlin vom Jahre 1899.) Berlin, 1899; 4°. Vallot, J.: Annales de l'Observatoire meteorologique, physique et glaciaire du Mont Blanc. Tome III. Avec figures et 14 reproductions photographiques. Paris, 1898; Gross-8°. Weinek, Dr. L.: Photographischer Mondatlas, vornehmlich auf Grund von focalen Negativen der Lick-Sternwarte im Maassstabe eines Monddurchmessers von lOFuss. Heft V (Tafel 81 — 100 in Lichtdruck). Prag, 1899. Woldrich, J. N.: Geologische Studien aus Südböhmen. I. Aus dem böhmisch-mährischen Hochlande. Das Gebiet der oberen Nezärka. (Archiv der naturwissenschaftlichen Landesdurchforschung von Böhmen, Bd. XI, Nr. 4.) Prag, 1898; 8°. — Sesuti u klapeho z roku 1898. (Vestnik kral. ceske spolec- nosti näuk. Trida mathematicko-prirodovedeckä, 1899, II.) Prag, 1899; 8°. Die Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe erscheinen vom Jahre 1888 (Band XCVII) an in folgenden vier gesonderten Abtheilungen, welche auch einzeln bezogen werden können: Abtheilung I. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Krystallographie, Botanik, Physio- logie der Pflanzen, Zoologie, Paläontologie, Geo- logie, Physischen Geographie, Erdbeben und Reisen. [ Abtheilung II. a. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mathematik, Astronomie, Physik, Meteorologie und Mechanik. ?Abtheilung II. b. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der Chemie. tAbth eilung III. Die Abhandlungen aus dem Gebiete der Anatomie und Physiologie des Menschen und der Thiere, sowie aus jenem der theoretischen Medicin. Dem Berichte über jede Sitzung geht eine Übersicht aller in derselben vorgelegten Manuscripte voran. Von jenen in den Sitzungsberichten enthaltenen Abhand- lungen, zu deren Titel im Inhaltsverzeichniss ein Preis beigesetzt Jäst, kommen Separatabdrücke in den Buchhandel und können durch die akademische Buchhandlung Carl Gerold's Sohn (Wien, I., Barbaragasse 2) zu dem angegebenen Preise bezogen werden. Die dem Gebiete der Chemie und verwandter Theile anderer Wissenschaften angehörigen Abhandlungen werden auch in besonderen Heften unter dem Titel : »Monatshefte fürChemie und verwandte Theile anderer Wissenschaften« heraus- gegeben. Der Pränumerationspreis für einen Jahrgang dieser Monatshefte beträgt 5 fl. oder 10 Mark. Der akademische Anzeiger, welcher nur Original-Auszüge oder, wo diese fehlen, die Titel der vorgelegten Abhandlungen enthält, wird, wie bisher, acht Tage nach jeder Sitzung aus- gegeben. Der Preis des Jahrganges ist 1 fl. 50 kr. oder 3 Mark JUN 3 1901 IV o^- SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. CVIII. BAND. V. HEFT. JAHRGANG 1899. — MAI. ABTHEILUNG I. ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE D'xLR MI.\ER\I OGiE, £ KRYSTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE, PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE, ERDBEBEN UND REISEN. (MIT 4 KARTEN, '6 TAFELN UND 9 TEXTFIGUREN.) "*-~V*^§jr?£sP^" WIEN, 1899. AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATSDRUCKEREI. IN COMMISSION BEI CARL GEROLD'S SOHN, BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN INHALT des 5. Heftes Mai 1899 des CVIII. Bandes, Abtheilung' I der Sitzungs- berichte der mathem.-naturw. Classe. Seite XII. Sitzung vom 4. Mai 1899: Übersicht 231 Enderlein G., Die Respirationsorgane der Gastriden. (Mit 3 Tafeln.) [Preis: 70 kr. = 1 Mk. 40 Pfg.] 235 Jäkowatz A., Die Arten der Gattung Gentiana, Sect. Jhylacites Ren. und ihr entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhang. (Mit 2 Karten, 2 Tafeln und 1 Textfigur.) [Preis: 75 kr. = 1 Mk. 50 Pfg.] • . 305 Mazelle E., Mittheilungen der Erdbeben-Commission der kaiser- lichen Akademie der Wissenschaften in Wien. XI. Die Ein- richtung der seismischen Station in Triest und die vom Horizontalpendel aufgezeichneten Edbebenstörungen von Ende Aagust 1898 bis Ende Februar 1899. (Mit 8 Text- figi-cfl,) [Preis: 50 kr. = 1 Mk.] 357 Seidl F., Mittheilnnron der Erdbeben-Commision der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. XII. Übersicht der Laibacher Osterbebenperiode für die Zeit vom 16. April 1895 bis Ende December 1898. [Preis: 35 kr. = 70 Pfg.] . 395 XIII. Sitzung vom 12. Mai 1899: Übersicht 431 Becke F., Optische Orientirung des Anorthits vom Vesuv. (Mit 1 Tafel.) [Preis: 20 kr. = 40 Pfg.] ^.434 Hoernes R., Mittheilungen der Erdbeben-Commission der kaiser- lichen Akademie der Wissenschaften in Wien. XIII. Bericht über das obersteirische Beben vom 27. November 1898. (Mit 2 Karten.) [Preis: 55 kr. = 1 Mk. 10 Pfg.] 443 XIV. Sitzung vom 18. Mai 1899: Übersicht 471 Preis des ganzen Heftes: 2 fl. 50 kr. = 5 Mk. — Pfg. JUN 8 1901 SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. CVIII. BAND. V. HEFT. ABTHEILUNG I. ENTHÄLT DIE ABHANDLUNGEN AUS DEM GEBIETE DER MINERALOGIE, KRYSTALLOGRAPHIE, BOTANIK, PHYSIOLOGIE DER PFLANZEN, ZOOLOGIE, PALÄONTOLOGIE, GEOLOGIE, PHYSISCHEN GEOGRAPHIE, ERDBEBEN UND REISEN. 16 231 XII. SITZUNG VOM 4. MAI 1899. Erschienen: Sitzungsberichte: Bd. 107, Abth. I, Heft VIII— X (October bis December 1898), womit nun der Druck dieses Bandes in allen Abthei- lungen abgeschlossen ist.- 1 — Monatshefte für Chemie, Bd. 20, Heft III (März U Das k. und k. militär-geographische Institut übersendet ■eine Studie über die Niveauveränderungen im Gebiete von Laibach von k. und k. Oberlieutenant Julius Gregor, betitelt: »Trigonometrische Höhenbestimmung des Punktes Uran schitz (Ras ica) im Erdbebengebietevon Laibach«. Der prov. Secretär legt folgende zwei Arbeiten von Herrn Karl Garzarolli-Th urnlackh in Prag vor: 1. »Über die Einwirkung von Benzylidenanilin auf Brenztraubensäure und ihren Äthylester«. 2. »Über die Einwirkung von Brenztraubensäure auf Malonsäure (Synthese der Itaconsäure«). Die Marine-Section des k. und k. Reichs-Kriegs-Mini- steriums übermittelt den von Herrn k. und k. Linienschiffs- capitän Paul Edlen v. Pott verfassten »Beschreibenden Theil« der Expedition S. M. Schiff »Pola« in das Rothe Meer (Südliche Hälfte) September 1897 bis März 1898. Der Referent der Erdbeben -Commission der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, Herr Eduard Mazelle, über- sendet einen Bericht über die in Tri est am Rebeur-Ehlert'schen Horizontalpendel im Monate April 1899 beobachteten Erdbeben- störungen. 16* 232 Herr Johann Meissner in Budapest übersendet eine Notiz über einen nach ähnlichen Gesetzen wie ein Pendel schwin- genden Kreis. Das w. M. Herr Prof. H. Weidel legt folgende im I. chemi- schen Laboratorium der Universität in Wien ausgeführte Arbeiten vor: I. »Über den Bindungswechsel bei den Homologen des P h 1 o r o g 1 u c i n s « , von R. R e i s c h. II. »Über ein Condensationsproduct des Trimethyl- phloroglucins«, von J. Cecelsky. III. »Über Brasilin und Hämatoxylin«, von J. Herzig. Das w. M. Herr Hofrath Fr. Steindachner berichtet über eine von Herrn Prof. 0. Simony während der südarabischen Expedition in Sokotra entdeckte neue Sepsina-Art. Das w. M. Herr Hofrath L. Boltzmann legt folgende Arbeiten vor: 1. »Über die Wärmeentwicklung durch Foucault- sche Ströme bei sehr schnellen Schwingungen«, aus dem physikalischen Institute der k. k. Universität in Innsbruck, von Prof. Dr. Ignaz Kieme ncic. 2. »Über die Bewegung einer Saite unter der Ein- wirkung einer Kraft mit wanderndem Angriffs- punkt«, von Dr. M. Radakovic in Innsbruck. Das w. M. Herr Hofrath V. v. Ebner überreicht eine Abhandlung aus dem histologischen Institute der k. k. Uni- versität in Wien, betitelt: »Zur Entwicklung der Vogel- hypophyse«, von Constantin J. Economo. Das c. M. Prof. J. M. Pernter überreicht eine vorläufige Mittheilung über die blaue Farbe des Himmels. Herr Dr. St. Bern heim er in Wien legt die Ergebnisse seiner experimentellen Studien zur Kenntniss der Bahnen der synergischen Augenbewegungen beim Affen und. der Beziehungen der Vierhügel zu denselben, vor. 233 Herr O. Abel, Assistent am geologischen Institute der k. k. Universität in Wien, legt eine Abhandlung vor, welche den Titel führt: »Untersuchungen über die fossilen Plata- nistiden des Wiener Beckens«. Selbständige Werke oder neue, der Akademie bisher nicht zugekommene Periodica sind eingelangt: Hirschberg, Dr. J.: Handbuch der gesammten Augenheil- kunde. XII. Band: Geschichte der Augenheilkunde. Leipzig, 1899; 8°. Poincare, H.: »Scientia«. La theorie de Maxwell et les oscilla- tions Hertziennes, Chartres; 8°. 235 Die Respirationsorgane der Gastriden von Dr. Günther Enderlein in Leipzig. (Mit 3 Tafeln.) (Vorgelegt in der Sitzung am 3. Februar 1899.) Die wesentlichen Differenzen, welche die Organisation der in den Magen einiger pflanzenfressenden Säugethiere parasitär lebenden Östridenlarven im Vergleich mit den Larven der übrigen Östriden und der Muscarien im Allgemeinen aufweist, veranlassten mich zu einer eingehenderen anatomischen und histologischen Untersuchung jener interessanten Thiere. Die directe Anregung war eine grössere Anzahl von ziemlich erwachsenen Larven von Gyrostigma sumatreiise Brauer, die ich aus dem Magen eines im Leipziger zoologischen Garten verendeten Exemplars von Rhinocerus lasiotis Sclater erhielt, das erst kurze Zeit vorher aus Sumatra eingetroffen war. Ein Theil der Larven wurde zu einem Versuch verwendet, die Imago zu züchten. Leider misslang derselbe jedoch, obgleich für nöthige Feuchtigkeit gesorgt wurde. Die Larven starben innerhalb weniger Tage. Jedenfalls hatten sie doch noch nicht das nöthige Entwicklungsstadium erreicht. Der andere Theil wurde theils frisch untersucht, theils conservirt. Wie bei allen entoparasitär lebenden Thierformen, bei denen sich ja in Folge des Mangels der directen atmosphäri- schen Luft eine tiefgreifende Anpassung in respiratorischer Hinsicht nothwendig macht, so weisen auch die Gastriden eine so weitgehende Complication der Athmungswerkzeuge auf, dass sie als Extreme ihres Typus hingestellt zu werden ver- dienen. Von den Untersuchungen an diesen Thieren sind denn auch diejenigen der respiratorischen Organe unter Hinzuziehung auch der übrigen Typen dieser Thierform eingehender behandelt 236 G. Ender lein , und zusammengefasst worden. Ihr Resultat ist diese Abhand- lung, die sowohl die vergleichende Anatomie, Histologie und Physiologie, als auch in einigen Punkten die Entwicklungs- geschichte und Entwicklungsmechanik berücksichtigt. Objecte der Untersuchung. Die Seltenheit der Infection von Gastrus -Arten bei Pferden in der Stadt bereitete zunächst einige Schwierigkeiten betreffs Erlangung lebenden Materials, doch erhielt ich nach einigen Bemühungen eine grössere Anzahl Larven aus der Pferde- schlächterei des Schlachthofes und des zoologischen Gartens. Meist waren es Pferde vom Lande, die sich also auf der Weide befunden hatten, an deren Magenwänden Gastrus- Larven sich befanden. Leider ist es mir nicht gelungen, jüngere Stadien von Gastrus lebend zu erhalten, es waren stets die dritten Larvenstadien. Ja, selbst in den Besitz von conservirten jüngeren Stadien zu gelangen, schlug trotz den grössten Bemühungen fehl, mit Ausnahme von vier Exemplaren des zweiten Stadiums, von denen zwei unter einer grossen Anzahl Larven an einem Stück Magenwandung vom Pferde aus der Sammlung des zoologischen Institutes festsitzend gefunden wurden. Es scheint die Entwicklung der beiden ersten Stadien äusserst rasch vor sich zu gehen; denn wie sollte man sich sonst die Thatsache erklären, dass bei der ungeheuren Häufigkeit und Massen- haftigkeit des Auftretens dieser Thiere in manchen Gegenden und bei der grossen Anzahl von Forschern und Beobachtern, die sich mit ihrer Lebensweise und Entwicklung beschäftigten, das erste Stadium nur wenigen Autoren vorgelegen hat, so Joly und Nu man. Letzterer bildet dieses auch ab. Das zweite Stadium scheint ausser von Nu man, der es erwähnt, eben- falls nur von Wenigen gesehen worden zu sein. Ausserdem gelangte ich in den Besitz einer Puppe und einer Puppenhülse, welche mir das Verständniss der Function einiger Theile sehr erleichterten. Da im Laufe der Untersuchung constatirt wurde, dass die verschiedenen Species der Gattung Gastrus in ihrem anatomi- Respirationsorgane der Castriden. - ,J " sehen Bau keine wesentlichen Differenzen aufwiesen, so sind die Arten selbst grösstenteils nicht getrennt gehalten. Nur wo sich diese geringen Abweichungen zeigten, sind die Artnamen angeführt worden. Die Hauptmasse des untersuchten Materials gehört den Species Gastrus equi Fabricius und Gast ms haemorrhoidalis Linne an. In zweiter Linie lagen die schon oben angeführten Gyro- stigma sumatrense Brauer vor, die Brauer in den Achtziger Jahren beschrieb. Die Imago selbst ist noch unbekannt, doch vermuthet Brauer, gemäss einer brieflichen Mittheilung, dass sie sehr wahrscheinlich mit Spathicera Corti zu identificiren ist, die das Gastrus-Geädev besitzt. Durch die Güte des Herrn Prof. Dr. Fr. Brauer in Wien erhielt ich gegen Abschluss der mikroskopischen Arbeiten die beiden noch fehlenden, durch ihre Verschiedenheiten der Orga- nisation sehr wesentlichen Typen: Gyrostigma rhinocerontis bicomis Brauer und Cobboldia elephantis Brauer, das erstere Thier in einem Exemplar, das letztere in zwei Exemplaren zu freier Verfügung gestellt. Dieses äusserst interessante und seltene Material versetzte mich in die Lage, die Untersuchungen bedeutend zu erweitern und zu verallgemeinern. Auch betreffs biologischer Fragen und Literatur unterstützte derselbe mich mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit, für welche ich dem ge- nannten Herrn auch an dieser Stelle noch meinen besten Dank sage. Gyrostigma rhinocerontis bicomis stammt aus dem Magen des Rhinoceros bicomis. Diese Species repräsentirt, ähnlich wie Gyrostigma sumatrense, eine extreme Form der Anpassung. Besonders in die Augen springend sind die ausserordentlich vergrösserten Stigmenplatten, die auf beiden Seiten die Arcaden in Form dreier mäandrischer Bänder vielfach verschlungen auf- gewickelt zeigen. Auch bei dieser Form ist die Fliege selbst noch unbekannt. Eine sehr interessante Abweichung findet man schliesslich bei der Cobbotdia elephantis Brauer (Cobb.) aus dem Magen von Elephas indiens. Von dieser Art gelang es Brauer die Imago zu züchten, und er beschreibt sie in der Gedenkschrift der kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien im Jahre 238 G. Enderlein 1896 (Beiträge zur Kenntniss aussereuropäischer Östriden und parasitischer Muscarien). Die lebhafte schwarze Fliege mit rothgelbem Kopfe zeichnet sich von den übrigen Östriden durch ihren Fühlerbau aus, indem nämlich das dritte Fühlerglied sehr gross und breit ist und dasselbe im Leben vorgestreckt gehalten wird, während die anderen Östriden ihre meist in Gruben versteckt liegenden kurzen Fühler selten heraustreten lassen. Ihr Flügelgeäder ist durch die Anwesenheit einer Spitzenquer- ader von allen übrigen Gastriden verschieden und zugleich sehr ähnlich dem der Musca domestica. Sie erinnert auch im Leben an eine echte Musca. Cobboldia loxodontis Brauer hatte ich nicht zur Ver- fügung, doch ist sie nach Brauer der Cobboldia elephantis so nahestehend, dass sich wesentliche Differenzen kaum ergeben würden. Alle bisher in den Magen von Vertretern der Perissodactyla (Pferd, Esel, Zebra, Rhinoceros) und der Proboscidea (Elephant) gefundenen Östriden fasse ich hier unter Gastriden zusammen. Es sind folgende Arten bis jetzt beschrieben worden, einige nur im Larvenstadium, und zwar die mit * versehenen. Der Wirth ist hinter dem Thier angegeben, dahinter das Vaterland. Cobboldia elephantis B r. Elephas indicus. Indien. — loxondontis B r. Elephas africanus. Afrika. Gastrus haemorrhoidalis L. Pferd. Europa, Nordamerika. — nigricomis Low. Krim. — snbjacens W 1 k. Pferd. Nordamerika. — lativentris Low. Europa. — flavipes Oliv. Esel. Südeuropa. — in er ih is Brauer. Pferd. ■ Europa, Nordamerika. — cqni Böhmi I, B r a u e r. Zebra (Equus Böhmi). Afrika. — pecorum Fabr. Pferd. Europa. — eqni Böhmi III, Br. Zebra. Afrika. cqni Böhmi II, Br. Zebra. Afrika. — veter inus Clark Pferd. , Europa. (nasalis). — eqni Fabri eins. * Gyrostigma sumatrense Br. rhinocerontis bi- cornis Br. Pferd, Esel. Europa, Asien, Afrika, Nordamerika. Rhinoceros sumatren- Sumatra. sis und lasiotis. Rhinoceros bicornis. Afrika. Respirationsorgane der Gastriden. 2'od Historischer Überblick. Die Literatur über Gastriden im Allgemeinen beschränkt sich nur auf die Gattung Gastrus. Gyrostigma und Cobbohiiq sind anatomisch noch nicht untersucht, abgesehen natürlich von den beschreibenden Arbeiten über die Gattungs- und Art- charaktere dieser Formen, die sich bei den systematischen Untersuchungen Braue r's ergaben. Obwohl nun die Zahl der Forscher und Beobachter, die sich mit der Gattung Gastrus beschäftigten, ziemlich gross ist, so gibt es doch nur wenige Arbeiten, welche ihre Anatomie behandeln. Leider sind die respiratorischen Organe trotz ihrer sehr abnormen Verhältnisse, ja vielleicht gerade in Folge der- selben, sehr lückenhaft bekannt, und es herrscht eine Anfangs geradezu verwirrende LJnklarkeit in der Erkennung dieser Organe. Verleidet durch die eigenthümlichen Lebensbedin- gungen und Lebenserscheinungen in den Athmungsverhält- nissen dieser Organismen hat sich ein origineller, ja fast un- glaublicher Missgriff in der Deutung derselben von Anfang an eingeführt, der sich weder anatomisch, noch histologisch begründen lässt, und fast durch die ganze Literatur erhalten. Es handelt sich um die Deutung der Stigmenplatte als Kiemenapparat. Doch davon bei den einzelnen Autoren aus- führlicher. Der erste Autor, der sich mit dem Bau und der Function unserer Athmungsorgane beschäftigte, ist Bracy Clark. Der- selbe scheint in seiner im Jahre 1797 veröffentlichten, systema- tischen, eingehenden Abhandlung wenigstens von der Function der Stigmenplatte eine richtige Vorstellung gehabt zu haben. Er schreibt: »When these (the lips) unfold, or are removed with the knife, a plate of horny or cartilaginous consistence is seen, having six semicircular lines, with their points opposed to each other«, weiter unten: »That the air is admitted by these means, is proved by immersing one of the larvae of this class of insects in a vassel of water; when a bubble may be extri- cated by pressure, and may be distinctly seen forming in the water, and 011 removing the pressure the bubble will be again entirely re-absorbed«. 240 G. Enderlein, Nach ihm ist es Nu man in seiner Arbeit über die Bremsen- larven im Magen der Pferde, die 1833 in holländischer Sprache erschien und 1837 von L. G. Hartwig ins Deutsche über- tragen wurde, welcher sich in eingehender Weise mit den eigenthümlichen Athmungsvorgängen der Gastrus-Larven be- schäftigte. Er brachte Gastrus-havven in verschiedene Gasarten und bestimmte in sehr umfassender Weise ihre Lebensdauer in denselben. Die wesentlichen Resultate sind etwa folgende. Die Larven lebten in Sauerstoff etwa vier Tage, in Kohlensäure und Wasserstoff etwa drei Tage, in Stickstoff vier Tage und in Schwefelwasserstoff \ 1 / 2 Stunden. Das Resultat dieser und einer mikroskopischen Untersuchung war, dass er die Stigmen- platte als dem Organismus direct Sauerstoff zuführend deutete, also nicht als Verschlussapparat, was sie wirklich ist. Seine Worte sind hierüber: »Am hinteren Ende wird der Körper durch eine sehr harte, hornige Platte geschlossen, welche aus sechs halbzirkelrunden Streifen, deren Enden einwärts gekehrt ein- ander gegenüberstehen, gebildet sind. Diese Streifen sind an den Seitenrändern mit Bläschen versehen, die mit Luft gefüllt sind; sie können daher als Lungen oder Kiemen betrachtet werden und scheinen die Respirationsorgane des unvollkom- menen Insectes zu sein«. Von ihm stammt also jener Fehlgriff der Deutung, der sich so verhängnissvoll zeigen sollte. Nun musste aber auch noch eine Öffnung für den Apparat gefunden werden, denn die Platte war ja nach ihm nach aussen völlig durch eine Chitinschicht abgeschlossen-. Diese wurde denn auch in der Mitte des im Mittelfelde liegenden Höckers gefunden, der in Wirklichkeit nichts als eine blosse Vertiefung zeigt. Auf S. 19 schreibt er: »Jene einander gegenüberliegenden Kiemen- streifen sind durch ein Häutchen vereinigt, in dessen Mitte sich eine Öffnung befindet, welche zu einem allgemeinen Aus- leerungscanal der Luft aus dem Körper dient«. Die Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass er, was schon erwähnt wurde, jüngere und jüngste Stadien von Gastrus -Arten beschreibt und abbildet. Oken kennt die Arbeit von Numan nicht. In seiner all- gemeinen Naturgeschichte, die 1835 erschien, erwähnt er nichts von der Möglichkeit einer Kiemenathmung. Der Satz: »Der Respirationsorgane der Gastriden. 24 1 Schwanz hat hinten eine Scheibe mit sechs Löchern, welche sich wie ein Beutel zusammenziehen kann, wodurch das Ein- dringen der Darmsäfte verhindert wird« (Bd. 5, S. 769) beweist dies, abgesehen von der verfehlten Deutung der Stigmenfalten, zur Genüge. Eine eigentliche anatomische und histologische Unter- suchungunternahm erst Schröder van der Kolk. Das Resultat derselben ist eine umfangreiche Arbeit, betitelt: »Memoire sur l'Anatomie et la Physiologie du Gastrus equi«, die im Jahre 1845 in Amsterdam in den Verhandlungen des Königlich Nieder- ländischen Institutes erschien. Sie behandelt die Gesammt- anatomie der Gastms -Larven. Betreffs der Athmungsapparate führt er nun die Anschauungen Numan's weitgehend durch. Die Platte am Körperende theilt er in zwei Abtheilungen, in die Kiemenplatte (lame branchiale) mit den Kiemenbögen (arcades branchiales) und in die in der Mitte gelegene Stigmenplatte mit dem Stigmenloch, das er als für Luftathmung eingerichtet deutet. Ja, er geht so weit, dass er an diesem Luftloch Schliess- muskel beschreibt. Seine Kiemenplatte communicirt mit der äusseren Luft nicht, trotzdem er die Härchen an den Spalten sah. Diese Spalten hielt er aber nochmals für überdeckt. Eine Deutung derselben war ihm natürlich unter solchen Umständen nicht möglich (S. 90). Das spongiöse Chitinwerk beschreibt er als Netz, die Klammern als dunkle Streifen, später nochmals als unvollkommene Scheidewände, welche die »Kiemencanälchen« in Kammern theilen. An diesen Kiemencanälen hängen auch seine »Kiemenbläschen« (vesicules branchiales ou organes respiratoires aquatiques), die, ebenso wie die »Kiemenplatte«, sich noch in der heutigen Literatur zuweilen finden. Den Inhalt der Bläschen hält er für das Medium, das den Sauerstoff auf- nimmt. Die eigenthümlichen Zellen, welche von Tracheen- capillaren durchsetzt werden, findet er auch und nennt sie »Lungenbläschen« (Vesicules poulmonaires), den ganzen Com- plex der Zellen »Lungen« (poumons), S. 99. Eigenthümlicher- weise beschreibt er die vorderen Stigmen als drüsige Organe, in die Tracheen einmünden. Er schreibt von den beiden Seiten- tracheen: »Elles consistent en deux troncs principaux, se termi- nant en tubes glanduläres brunätres, fermes ä l'extremite (S.85). 242 G. Enderlein, Auch er hat ein zweites Stadium in den Händen gehabt, erkennt es jedoch nicht als solches, sondern schreibt es der Species Gastrus haemorrhoidalis zu (S. 87). Joly behandelt in seiner 1850 erschienenen Arbeit Gastrus equi F. im Larvenstadium (auch im ersten Stadium), Gastrus haemorrhoidalis L. und einige andere Östriden (Cephalomyca, Hypoderma) in allen Entvvicklungszuständen. Er erkennt im Gegensatz zu Schröder van der Kolk die Stigmennatur der beiden Vorderstigmen. Leider lag mir die Arbeit nur im Aus- zuge vor. 1858 erschien eine weitere Arbeit über die Östriden von Schwab, allerdings im Wesentlichen systematisch. Die Stigmen- platte, die er Steissplatte nennt, erkennt er allerdings als für Luftathmung eingerichtet. Die Arkaden beschreibt er als halb- mondförmige concentrische Linien, wovon jede mit braunen Pünktchen besetzt ist. Diese sind seiner Meinung nach die Luft- löcher oder Poren. Was die vorderen Stigmen anbetrifft, so nennt er sie bei der Larve »Blindsäckchen«, bei der Puppe »Hörnchen«. Er meint, dass sie erst bei der Puppe ihre Function beginnen und hält sie für die einzigen Athmungsorgane der Puppe. Eingehende Untersuchungen macht er über die Lebens- dauer der Larven in verschiedenen Flüssigkeiten, also unter Abschluss von der atmosphärischen Luft. Die Resultate mit Brunnenwasser will ich hier angeben: Von 26 Larven, die untersanken, starben 5 nach 6 Tagen, 12 nach 11 Tagen und 9 nach 14 Tagen. Auf diese Erscheinungen, welche diese Ver- suche, als auch die von Numan zum Gegenstand haben und welche für das Verständniss der Athmungsvorgänge sehr wesentlich sind, wird später zurückgegriffen. Einen bedeutenden Fortschritt in der Kenntniss der Ge- sammtanatomie der Gasti"us-La.\'ven lässt die in den Jahren 1860 — 1862 erschienene Arbeit von Scheiber erkennen, die unbedingt als die eingehendste Arbeit über diese Thierform hingestellt werden kann. Sehr umfassend ist besonders das Nervensystem behandelt. Leider ging Scheiber bei den Unter- suchungen der Respirationsorgane von den Anschauungen aus, die Schröder van der Kolk in seiner Arbeit durchgeführt hatte, und so gingen jene Fehlschlüsse Numan's auch in diese Respirationsorgane der Gastriden. 243 Arbeit über. Er hält die Gastrus-Larven für vorwiegend wasser- athmende Thiere. Die Irrthümer Schröder van der Kolk's betreffs der Schliessmuskel im Mittelfelde der Stigmenplatte erkennt er, ebenso die spongiöse Natur der beiden braunen Körper am Vorderende und ihre Function als Stigmen. Das Stigmenloch im Mittelfelde glaubt er experimentell dadurch nachgewiesen zu haben, dass er Larven in heisses Wasser warf. Die vom Hinterende der Larve aufsteigenden Luftblasen sollen nun der vermeintlichen Stigmenöffnung entstammen. Schröder van der Kolk, ebenso auch Nu man thun das- selbe vermittelst einer Luftpumpe, wobei sich die Larven in Kalkwasser befinden. Schon Brauer weist aber auf die Un- möglichkeit einer sicheren Beobachtung hin. Scheiber zerlegt die ganze Platte in drei Schichten. Seine Vertheilung der ein- zelnen Plattenelemente in diese drei Schichten ist jedoch histo- logisch nicht begründbar. Den Ring und die Luftkammer beschreibt er genau, allerdings findet sich ein, wenn auch unwesentlicher Irrthum, der auch von Schröder van der Kolk stammt, dass die beiden Tracheenstämme des Darmes von der ventralen Seite der Luftkammer aus gehen, während sie in Wirklichkeit bei allen Gastriden in der Mitte der vorderen Wand entspringen, und zwar dicht unter den Seitenstämmen. Die Tracheenzellen (die Lungenbläschen Schröder van der Kolk's) deutet er genetisch als metamorphosirte Fettzellen, functionell ganz richtig als athmungsvermittelnde Elemente in der umgebenden Blutflüssigkeit (nicht als Vorrathskammer für Aufbewahrung von Luft). Er sagt: »Es muss demnach jedes Bluttheilchen während der Vollendung einer Kreisbahn zwei Tracheencapillarenbezirke, gleichsam zwei verdünnte Sauer- stoffschichten passiren, um den für die Lebensenergie dieser Thiere passenden Grad des Stoffwechsels unterhalten zu können«. Ferner untersuchte er die Histologie der äusseren Körperhaut, wo er zwei Schichten, und der Tracheenwandung, wo er drei Schichten constatirt. Hierauf werde ich bei der Ausführung wieder zurückkommen. Zu derselben Zeit erschien auch die Schrift Meinert's, eine Kritik von Schröder van der Kolk's Arbeit, die in respiratorischer Hinsicht die Vorstellung der Kiemenathmung 2-14 G. En d erl ein , bestreitet (S. 112 — 115). Begründet wird es durch die chitinöse Beschaffenheit der Platte, durch das Auffinden von Längs- schlitzen in den Arcaden, die eine Communication des inneren Luftraumes nach aussen bewerkstelligen und durch die That- sache, dass ein centrales Loch in der Platte nicht vorhanden ist. Er hält dieses scheinbare Loch für eine verdünnte Haut- stelle, an der bei jungen Larven die Mündung einer später schwindenden Drüse gelegen ist. Allerdings ist die Arbeit doch nicht eingehend genug, um einen Zweifel vollständig zu be- seitigen und Klarheit über diese Dinge zu schaffen. In derselben Richtung ist auch die Untersuchung Brau er's (Beitrag zur Kenntniss des Baues und der Function der Stigmenplatten der Gastrus-Larven), der experimentell und durch makroskopische Beobachtungen sich der Meinung Meinert's anschliesst, dass die Gastrus-Larven reine Luftathmer sind. Einen weiteren Beweis hiefür bringt Brauer durch morpho- logische Untersuchungen gelegentlich der Bearbeitung der Larven von Cobboldia elephantis; 1 bei diesen, wie bei den übrigen Formen weist er ebenfalls wie Meine rt die Längs- schlitze der äusseren Arcadenmembran im Gegensatz zu Schröder van der Kolk und Schreiber nach. Von jener Zeit ab liegt keine weitere Bearbeitung der Anatomie von Gastrus vor. Erwähnen will ich nur die Arbeit von Kran eher über den Bau der Stigmen bei den Insecten, in der auch die Stigmen der Gastrus-Larven einige Berücksich- tigung finden. Von weiteren Arbeiten allgemeineren Inhaltes, in denen auch Gastrus-Larven behandelt werden, sind besonders die Untersuchungen von Portschinsky und De Meijere (Über zusammengesetzte Stigmen bei Dipterenlarven, 1895) hervor- zuheben. De Meijere weist nach, dass das erste Stadium nur eine Stigmenöffnung hat, was Brauer bestätigt (Beiträge zur Kenntniss der aussereuropäischen Östriden etc., 1896), das zweite je zwei 2 von diesem Loch nach aussen liegende Schlitze 1 Fried. Brauer, Nachtrag zur Monographie der Östriden. IV. Über Cobboldia elephantis, in Wiener Entomologische Zeitung, VI, Heft 8 (30. Oct. 1SS7). - Diese Fonnenverschiedenheiten der Stigmen bei den drei Stadien weist Leuckart schon 1858 an Pupiparen und 1861 bei Muscidenlarven nach. Respirationsorgane der Gastriden. 245 (Arcaden), und dass das neue Stigma bei der Häutung einfach dadurch entsteht, dass sich die neuen Spalten ausserhalb der ersten bilden und das alte durch Zusammendrängen nach innen geschlossen und überhäutet als runde Narbe zurück- bleibt. Die so bis zur Stigmenplatte des dritten Stadiums sich erhaltenden Reste des primitiven Stigmenloches vom jüngsten Stadium sind die Veranlassung zur Annahme des centralen Stigmenloches, welche Anschauung ja Seh ei b er und noch eingehender Schröder van der Kolk vertreten hat. Diese Zusammenstellung der bisherigen Literatur über unseren Gegenstand gestattet einen genügenden Überblick über die bedeutenden Meinungsverschiedenheiten, die sich betreffs der Athmung von Gastrus und der Function der einzelnen Theile geltend gemacht haben, und es erschien als wünschens- werth, der Deutung dieser Verhältnisse mit Hilfe der modernen Technik eine bestimmtere Form zu geben. Methoden der Untersuchung. Die ausserordentlichen Schwierigkeiten, welche das Mate- rial in technischer Hinsicht, besonders in Betreff des Färbens und Schneidens der Objecte darbot, geben die Veranlassung, einen Überblick über die Methoden dieser mehr praktischen Seite der Behandlung, die sich im Laufe der Untersuchung herausgebildet haben und hauptsächlich angewendet wurden, dieser Arbeit beizufügen. Was zunächst die Fixation anbetrifft, so wurden die Larven in einer Sublimatlösung conservirt. Weitaus die besten Resultate lieferte eine Behandlung in folgender "Weise: Die Thiere wurden frisch in eine Mischung von einem Theil con- centrirter Sublimatlösung und zwei Theilen 96procentigem Alkohol bei einer Temperatur von 55 — 60° C. gebracht. Diese Temperatur wurde einige Zeit erhalten und dann langsam auf einem Sandbad vermindert. Bei einer geringen Menge der Conservirungsflüssigkeit konnte auch eine höhere Temperatur angewendet werden, da das Object die Flüssigkeit selbst Leuckart, Die Fortpflanzung und Entwicklung der Pupiparen, nach Beob- achtungen axiMelophagus ovinus. Halle, 1858; Die Jugendzustände der Musciden- larven, im Archiv für Naturgeschichte, 1S61, Theil I, S. 60. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl.; CVIII. Bd., Abth. I. 17 246 G. Ender lein, abkühlte, besonders ehe sie durch die dicken Chitinpanzer durchdringen konnte. Behufs Auswaschung des überschüssigen HgCl 2 wurden sie nach Verlauf von 1 — 2 Stunden in 96pro- centigen Alkohol gebracht, dem einige Tropfen Jodlösung zugesetzt wurden, und zwar so lange, bis 1 keine Entfärbung der jodhaltigen Flüssigkeit mehr eintrat. Für eine Untersuchug auf Fett wurden einzelne Theile, z. B. die Tracheenzellen, lebend in eine viertelprocentige Lösung von Überosmium- säure gebracht, bis sich daranhängende Fettzellen lebhaft schwarz gefärbt hatten. Theile dieser Tracheenorgane wurden auch lebend den Dämpfen einer einprocentigen Lösung von Überosmiumsäure ausgesetzt. Diese gaben besonders schöne Bilder. Um diejenigen Exemplare des dritten Stadiums, welche ganz geschnitten werden sollten, um die einzelnen Organe in den natürlichen Lagerungsverhältnissen nebeneinander histo- logisch untersuchen zu können, zum Färben und Schneiden vorzubereiten, wurden sie von ihrer Chitinhülle befreit, da dieselbe sowohl dem Mikrotom, als auch den färbenden Ingre- dienzien einen bedeutenden Widerstand entgegenstellte. Zu diesem Zwecke wurde vom zweiten Ringe angefangen, erst dorsal längs mittelst einer geraden Scheere dicht unter der Haut geschnitten, und dann wurde die Haut rings um den Körper vorsichtig abgezogen, und zwar in dünnen Streifen bis ungefähr in die Mitte des Körpers. Dann wurde vom Hinter- ende aus begonnen, indem man die feinere Haut rings um die Stigmenplatte abschnitt und nach vorn zu wieder allmälig Streifchen abhob und abzog. Die cuticulare Bedeckung des Kopfes und des ersten Ringes, ebenso die Stigmenplatte bieten dem Mikrotom keine Schwierigkeiten und können daher daran- gelassen werden. Am besten eigneten sich zu diesem Ent- häuten Larven, die lebend schnell sehr heiss conservirt wurden, weil sich jedenfalls die Hypodermis von den darunter- liegenden Organen bei dieser Behandlung losreisst. Die so ihrer Hypodermis und Cuticula beraubten Individuen gestatteten nun ein leichtes Eindringen der färbenden Lösungen und ein sicheres und gleichrriässiges Mikrotomiren, selbst bei sehr dünnen Schnitten. Respirationsorgane der Gastriden. 247 Vorzügliche Färbungen wurden durch Hämatoxylin, ebenso durch Säurecarmin und Boraxcarmin erreicht. Doch genügten diese Färbungsmittel nicht für Chitin. Für dieses mussten die intensivsten Farbstoffe benützt werden. Mit Erfolg wurde Gentianaviolett und Alkoholfuchsin verwendet, nebenbei auch Methylenblau. Zu einer Differenzirung der einzelnen Chitin- schichten gab eine Färbung von Bleu de Lyon mit einer Nach- färbung durch Paracarmin vorzügliche Bilder. Diese letzteren Farben, ebenso wie die Anilinfarben, wurden fast nur auf .Schnitten selbst angewendet. Bleu de Lyon wurde mit 70pro- centigem Alkohol abgespült, worauf mit 90procentigem Alkohol schnell nachgespült wurde. Beim Einbetten kam eine härtere Sorte Paraffin mit der Schmelztemperatur von 58° zur Verwendung, da dies dem Chitin mehr Widerstand entgegenbot. Für Gebilde, die fast gänzlich aus Chitin bestehen, wie die Stigmenplatte und die Vorderstigmen, genügte schon eine Viertelstunde, um das Object ganz mit Paraffin zu durchtränken. Zur Herstellung der dünnsten Schnitte und Schnitt- serien kam ein Mikrotom von Jung in Anwendung. Es gelang mit demselben, Schnitte durch die ganz chitinöse Stigmenplatte bis zu 2y 2 [x Dicke, bei den Vorderstigmen im Querschnitt in einzelnen Fällen bis 2 \x Dicke herzustellen. Wenn auch der Paraffin schnitt bei dieser ganz beträchtlichen Dünne sich stark zusammenfaltete, das spongiöse Chitin erhielt dem Schnitt seine natürliche Form. Zur Untersuchung der Lagerungsverhältnisse, besonders der einzelnen Elemente in der Stigmenplatte, durften die Schnitte nicht dünner als 20 ja angefertigt werden. Gewöhn- lich reichte eine Dicke von 25 — 30 jx vollkommen aus und gab die klarsten und übersichtlichsten Bilder. Das Aufkleben der Schnitte erfolgte durch Collodium- nelkenöl, mehr aber noch durch Albuminglycerin. Zum Ein- schluss kam Canadabalsam, auch Glyceringelatine zur Verwen- dung. Als Einschlussmittel für frisches Material eignet sich besonders Glycerin, für Dauerpräparate wieder Glyceringelatine. Die frischen Larven selbst wurden in physiologischer Kochsalzlösung präparirt, aus der dann die einzelnen Theile leicht unverändert entnommen werden konnten. l /* 248 G. Enderlein. Allgemeine Topographie der Respirationsorgane. Trotz der durch die ungewöhnliche Lebensweise bedingten Modifikation ist die Zugehörigkeit der Gastriden zu den Musca- rien nicht zu verkennen; es handelt sich eben nur um eine entsprechende Anpassung an eine neue Lebensbedingung. Ebenso sind die einzelnen organischen Elemente, trotz ihrer grossen Variationsfähigkeit, doch bei den einzelnen Vertretern dieser Gruppe nicht so verändert, dass man sie nicht auf- einander zurückführen könnte. Alle Vertreter besitzen elf Körpersegmente, wie sie von Gastrus bekannt sind, von denen das erste (vom Kopf aus gezählt) durch Verschmelzung zweier ursprünglich getrennter Segmente entstanden ist. Der Vorderrand der Segmente ist theilweise mit einer oder mehr Reihen Dornen besetzt. Die Art und Weise der Bedornung wird theilweise zur Charakterisirung der Arten benützt. Die einzelnen Segmente sind lateral zum Theil wulstig gefaltet, zwischen ihnen finden sich zuweilen Zwischenwülste, wie bei Cobboldia vom fünften bis achten, bei Gyrostigma vom vierten bis achten Segment. Das elfte Segment, welches das Körperende bildet, stülpt sich nach innen zu einer ringförmigen wulstigen Ealte ein, der äusseren Stigmen falte (Eig. 1, asf), die im Inneren nochmals eine kleinere und schmälere Falte, die innere Stigmenfalte (Fig. 1. isf) abgibt und schliesslich in den Rand der Stigmen- platte (Fig. 1, p) übergeht, nachdem sie noch dicht vor der Platte eine sehr kleine Falte nach dem Körper zu gebildet hat, die in Form einer Rinne sich um das ganze hintere Stigma zieht, die Ringfurche (Fig. 1, /-/und Fig. 13, rf). Die beiden Stigmenfalten können sich durch einen später noch ausführlich zu besprechenden Mechanismus ganz über der Stigmenplatte lippenähnlich schliessen, was Schröder van der Kolk veranlasste, sie Lippen zu nennen. Die innere Stigmenfalte besteht bei der Gattung Gastrus hauptsächlich aus zwei Lappen, von denen der eine dorsal, der andere ventral steht, und die sich von da aus aufeinander zu über die Stigmen- platte ziehen. Bei Gyrostigma ist im Wesentlichen nur der ventrale Lappen ausgebildet. Ebenso bei Cobboldia, wo der Respirationsorgane der Gastriden. 249 dorsale gänzlich verschwindet, der ventrale dagegen zieht sich flächenartig nach hinten zu aus, endigt schliesslich in zwei spitze, kegelige, geringelte, zapfenähnliche Warzen (Brauer), die rechts und links von der Medianlinie stehen, und bildet durch seine langgestreckte flächenartige Ausbildung für die sehr schräg nach der ventralen Seite geneigte Stigmenplatte eine vorzügliche Deckung. In ähnlicher Weise läuft die dorsale Lippe der äusseren Stigmenfalte in je zwei ebenfalls lateral stehende solche Warzen aus. Zwischen jenen Stigmenfalten steht nun die bei den ein- zelnen Formen mehr oder minder geneigte chitinöse Stigmen- platte (Fig. 1, p). Schon bei oberflächlicher Betrachtung erinnert sie recht an den Typus der Muscarien. Die drei Spalten, die von der Medianlinie aus rechts und links beim dritten Stadium stehen, haben sich mehr oder weniger der Medianlinie genähert und so eine zusammenhängende Platte, eben die Stigmenplatte, gebildet. Durch das Bestreben, den Spalt nach Möglichkeit zu vergrössern, bildete sich bei den meisten Formen eine concentrische Krümmung der Stigmenspalten, und zwar so, dass die Bogen nach innen zu offen sind, wie z. B. bei Gastrus cqni (Fig. 3). Dies veranlasste Schröder van der Kolk, sie mit Arcaden zu bezeichnen. Diese Arcaden bilden bei Gyro- stigma sumatrense durch eine weitgehende Verlängerung der Spalten eine S-förmige Biegung (Fig. 4), um schliesslich bei der extremsten Form, bei Gyrostigma rhinocerontis bicomis in eine wunderliche, mäandrische, vielfach gewundene Figur über- zugehen (Fig. 5). Während die Länge einer Arcade bei Cobboldia etwa 1*3 mm beträgt, erlangt sie durch die Krümmung bei Gastrus haemorrhoidalis eine Länge von 1* 6 mm, bei Gastrus equi von l'75mm, bei Gyrostigma sumatrense von 5 - 6 ;//;//, um schliesslich bei Gyrostigma rhinocerontis bicomis die ausserordentliche Länge von etwa 13 mm zu erreichen. Sehr wenig vom Typus der Muscarien abweichend ist die Lage der Arcaden bei Cobboldia, die fast parallel auf jeder Seite der Mittellinie liegen (Fig. 2). Eine grössere Krümmung zeigt schon Gastrus haemorrhoidalis, und diese einfache Krümmung erreicht ihren Höhepunkt bei der Gattung Gastrus in Gastrus equi, wo die inneren Arcaden fast spitzwinklig in der Mitte 250 G. Enderlein, geknickt sind, während die beiden übrigen in starker Krümmung auf jeder Seite diese umgeben (Fig. 3). Das zweite Stadium der Muscarien hat bekanntlich nur zwei Arcaden auf jeder Seite, so auch Gastrus. Fig. 6 zeigt die ganze Stigmenplatte eines zweiten Stadiums von Gastrus haemorrhoidalis. Alle Abbidungen der Stigmenplatten sind in gleichem Verhältniss vergrössert, und zwar in zehnfacher Ver- grösserung. Ausser dieser zuletzt erwähnten ist in allen Fällen nur die rechte Hälfte der Stigmenplatte abgebildet. Die Stigmenplatte, die im Wesentlichen ein complicirtes System von Stützvorrichtungen und Verschlusseinrichtungen bedeutet, wird im Larvenkörper nach vorn zu von einem grösseren Hohlraum, der Luftkammer (Fig. 1, lk) begrenzt. Die Hinterwand derselben ist also die dem Kopf zu gerichtete untere Fläche der Stigmenplatte, die Vorderwand ist concav und ihre Hohlfläche der Luftkammer zugewendet. In dieser Kammer steht hinten dicht hinter der Stigmen- platte ein streifenartiger Ring (Fig. 1 und 13, v) aus spongiösem Chitin, der, gleich einem Diaphragma parallel zur Stigmen- platte gestellt, diese verdeckt. Mit der breiteren Basis inserirt er auf der Wand der Luftkammer. Auf der dorsalen und ven- tralen Seite bildet der Ring in der Mitte je einen grösseren Zapfen. In der Medianlinie nähern sich die Enden dieser beiden Zapfen (Fig. 3 — 5, z) so, dass sie nur einen kleinen Zwischen- raum zwischen sich lassen. In ihrer ganzen Länge setzen sich die Zapfen an die Stigmenplatte an, auf ihnen ruht gewisser- massen die Stigmenpatte und stützt sich in ihrer Mitte auf sie. Die Vorderwand der Luftkammer ist der Ausgangspunkt sämmtlicher nach dem Körper zu gerichteter Tracheen- stämme (Fig. 1). Fig. 7 zeigt schematisch die rechte Hälfte dieser Wand mit den Ausgangslöchern für die Tracheen. In der Mitte der Wand entspringen zunächst die beiden normalen Seitentracheen (Fig. 1 und 7, 5/). Dicht unter den- selben (nicht ventral, wie Schröder van der Kolk und Scheiber angeben) inseriren zwei Darmtracheenstämme (Fig. 1 und 7, dt), und rings um diese vier Öffnungen finden sich noch auf jeder Seite vier sehr weite Löcher. Die acht Tracheenstämme, die sich aus diesen erheben, verzweigen sich Respirationsorgane der Gastriden. -251 gleich von ihren Ausgängen aus äusserst vielfach, indem sie nach allen Seiten Äste abgeben, zuweilen schon dicht an ihrer Basis; die Ausgangslöcher der grösseren dieser Äste sind in der schematischen Zeichnung (Fig. 7) mit berücksichtigt. Durch diese reichliche Abgabe von Seitenästen verjüngen sich diese mächtigen Stämme schnell und reichen mit ihrer conischen Gestalt (conische Tracheenstämme) nicht sehr weit in dem Körper nach vorn, sondern erreichen nur etwa l / 3 der Ge- sammtlänge desselben. Diese grosse Anzahl von Tracheen- ästen geben nun wieder viele ganz kleine Zweige ab, die in regelmässigen Abständen dem Ast entspringen (Fig. 21). An diesen Zweigen hängt dann schliesslich je ein kleines, rund- liches Körperchen, die Schröder van der Kolk und spätere Beobachter Lungenbläschen nannten und sich bei genauerem Betrachten als Zellen von ziemlich bedeutender Grösse ergeben (Fig. 21, tz). Da sich die Tracheen als Capillaren in sie hinein verzweigen, mögen sie hier Tracheenzellen genannt werden. Eine eingehendere Behandlung werden sie im speciellen Theile erfahren. Alle diese Verhältnisse zeigen sich bei allen Gastriden in sehr ähnlicher Gestaltung, die Differenzen werden später erörtert. In gleicher Weise verhält es sich auch mit den Darm- tracheenstämmen. Bei allen Formen zeigen sich gleiche Verhältnisse. Zum besseren Verständniss gebe ich hier einen kurzen Überblick über den Darmtractus. Scheiber theilt ihn in folgende Stücke ein: Der Oesophagus bildet nach seinem Durchdringen durch die Hauptganglionmasse einen kugel- förmigen Vormagen. Der enge Ausgang desselben erweitert sich sofort und bildet den langen Chylusmagen, der sich bis zur Einmündungssteile der vier malpighischen Ge fasse erstreckt (von denen sich zwei vor der Mündung vereinigen). Von hier aus beginnt der Dünndarm, der in den kurzen Dickdarm übergeht. Dieser endigt schliesslich in den sehr engen Mastdarm, der ventral dicht unter der Luftkammer hingeht und innerhalb der inneren Stigmenfalte direct unter der Stigmenplatte in der Medianlinie mündet. Die beiden Darm tracheenstämme geben nun zunächst eine Anzahl schwacher Gefässe an den Dickdarm ab. Da der Dünndarm in der Mitte 252 G. Enderlein, einen Knick bildet, so läuft der linke Darmtracheenstamm von den Malpighischen Gefässen aus längs des Dünndarmes bis zur Mitte ' desselben, wobei er zahlreiche Gefässe nach denselben entsendet. Der rechte Stamm dagegen läuft längs der hinteren Dünndarmhälfte, und zwar von hinten angefangen bis zur Mitte. Anders verhält es sich mit den Seitentracheenstämmen, bei ihnen zeigen sich grössere Differenzen. Bei Gastrus und Gyrostigma liegen die Verhältnisse folgendermassen: Nicht weit hinter dem Ausgangspunkte gibt der Seitentracheenstamm einen starken Ast nach dem Herz und den dorsal gelegenen Muskeln ab. In jedem Segmente werden nun, und zwar haupt- sächlich nach der ventralen Seite, Äste abgegeben, die allerdings wieder einen Zweig nach der dorsalen, drei dagegen nach der ventralen Seite entsenden. Der erste derselben schickt ein feines Luftgefäss nach dem Hauptganglion. Alle Tracheen verzweigen sich schliesslich dendritenförmig in feinste Röhrchen. Vorn mündet der inzwischen sehr eng gewordene Stamm, nachdem er jedoch noch einen dünnen Ast nach dem Kauapparate ab- gezweigt hatte, in einen chitinösen Luftsack, dessen vorderes Ende die Stigmenöffnungen tragen. Dieser Luftsack ist bei Gastrus 1 mm (Fig. 26), bei Gyrostigma rhinocerontis bicomis L5 mm und bei Gyrostigma sumatrense 3 mm (Fig. 29) lang. Über den Stigmenlöchern findet sich eine trichterförmige Einstülpung der Körperhaut, der Trichter (Fig. 26 und 29, tri). Er ist bei den verschiedenen Formen verschieden lang, bei Gastrus besitzt er eine Länge von etwa - 2 mm, bei Gyro- st ig ma -Arten ist er länger, und zwar erreicht er bei Gyrostigma rhinocerontis bicomis die Länge von fast 1 mm. Die Mündung dieses Trichters befindet sich am Vorderrande des zweiten Seg- mentes, an der Grenze zwischen erstem und zweiten Segment. Eine wesentliche Modification bietet Cobboldia dar, bei der übrigens auch der Ring fast gänzlich fehlt. Hier rücken nach vorn zu die Seiten tracheenstämme dorsal näher zusammen, und die Aste erweitern sieh zu langen vvurstförmigen Tracheen- blasen (Fig. 8), die ausserhalb des Fettkörpers, allerdings in denselben hineingedrückt, unter der Körperwand von der dor- salen nach der ventralen Seite sich erstrecken. In jedem Respirationsorgane der Gastriden. 253 Segmente ist es je eine auf jeder Seite. Am Ende ziehen sie sieh durch allmälige Verengung in eine Spitze aus und vertheilen sich schliesslich in die ganz normal verlaufenden dendriten- förmigen Capillarbüschel. Die Verdickung findet gleich nach dem Austritt aus dem Tracheenstamme plötzlich statt. Wir haben es hier augenscheinlich mit luftaufbewahrenden Be- hältern zu thun, mit Luftreservoiren, die, wie wir später sehen werden, den Mangel anderer luftaufbewahrender Vor- richtungen im Gegensatze zu den Gastrus- und Gyrostigma- Arten in dieser Richtung ergänzen. Die vorderste dieser Tracheenblasen ist von geringerer Dicke und geht schliesslich, wie bei den anderen Formen, aber ohne Zertheilung in Nebenäste, in den Luftsack des Vorder- stigmas über. Dieses hat bei Cobboldia die geringe Länge von :! , mm. Der Trichter ist äusserst kurz und weit. Bevor nun zur Behandlung der einzelnen Elemente im Speciellen übergegangen werden soll, muss eine Untersuchung sowohl des Baues der äusseren Körperhaut, als auch der Tracheenwandung unserer Gastriden vorausgeschickt werden, da die Kenntniss dieser Dinge zu einem Verständniss der histo- logischen und genetischen Verhältnisse sich unumgänglich nothwendig macht. Bau der äusseren Körperhaut. Die äussere Körperhaut zerfällt im Wesentlichen in zwei Schichten (Fig. 9), und zwar sind es: 1. Eine epitheliale Schicht, die Hypodermis, 2. eine von dieser gebildete Schicht, die Cuticula. Die Hypodermis. Sie wird von einer einzigen Zellschicht gebildet, in der bei unseren Thieren meist verhältnissmässig spärlich Kerne zerstreut liegen (Fig. 9, hy und khy). Die Kerngrösse variirt massig, sie enthalten meist mehrere Kernkörper. Das Hyalo- plasma der Zellsubstanz ist reichlich von Spongioplasma durch- setzt. Mit ziemlicher Gleichmässigkeit zieht sich diese Schicht 254 G. Enderlein, über den gesammten Körper weg und zeigt nur an denjenigen Stellen, wo sich eine dickere Cuticula gebildet hat, eine reich- lichere Kernansammlung und grössere Dicke. Zuweilen ist sie auf weite Strecken sehr dünn ausgezogen und zeigt äusserst wenig Kerne. In einigen wenigen Fällen verdickt sich auch die Innenmembran der Hypodermiszellen chitinartig, und es bildet sich eine meist sehr dünne innere Cuticula, die Basalmembran (Fig. 9, bm). Die Cuticula. So ähnlich und gleichartig die verschiedenen Stellen der Hypodermis sind, so verschieden und mannigfaltig zeigt sich die Cuticula. Nicht nur, dass sie in ihrer Dicke an den ver- schiedenen Körperstellen ganz bedeutend variirt, sondern sie bietet auch in ihrer Erscheinung grosse Mannigfaltigkeit dar. Im Wesentlichen lässt sie sich in zwei Schichten zergliedern: a) Die Faserschicht. Sie liegt der Hypodermis direct auf und bildet eine zuweilen sehr dicke Lage von feinen faserigen Chitinlamellen (Fig. 9, a), deren Färbbarkeit und Dichte der Lagerung der Fasern von innen nach aussen zunimmt. Die meist parallelen Fasern können entweder ganz glatt sein, oder sie sind wellig, was meist der Fall ist, zuweilen sogar sehr stark und eng gewellt (Fig. 27, wf). Hin und wieder sind körnige Elemente eingelagert. Stets ist sie farblos. b) Die äussere Cuticularschicht. Sie ist homogen und structurlos (Fig. 9, b). Farbstoffe nimmt sie äusserst schwer an und auch nur die intensivsten, hauptsächlich an ihrem basalen Theile. Bleu de Lyon färbt sie schwach, und zwar entsteht bei einer Doppelfärbung von Bleu de Lyon und Para- carmin eine schöne Contrastfärbung: die Faserschicht färbt sich roth, die äussere Cuticula, besonders in ihren basalen Theilen, dagegen blau. Ihre natürliche Farbe variirt sehr. Meist ist sie schwach gelblich, es finden sich jedoch alle Übergänge bis zum tiefen Braun, im Gegensatze zur Faserschicht, die stets farblos ist. Die Neigung der äusseren Cuticularschicht, sich zu ver- dicken, ist gering; es ist der Fall hauptsächlich an den Dornen, die aber auch mehr durch eine mächtige Verdickung der Faser- schicht und durch eine höckerähnliche Ausstülpung der Hypo- dermis entstehen. In vielen Fällen wird sie nach innen zu stark Respiiationsorgane der Gastriden. ...).) körnig (Fig. 9, k) und sie ist dann in dieser Zone, besonders auf ihrer der Faserschicht aufsitzenden Basis, stärker färbbar. Eine Färbung der äussersten Zone dürfte kaum gelingen. Eine besondere Eigenthümlichkeit ihrerseits ist es noch, dass sich an einigen Stellen auf ihr Höcker befinden, die sich zu kleinen, zuweilen auch verzweigten Chitinstäbchen und -Härchen vergrössern können. Dies ist an den Wandungen der Ringfurche der Fall (Fig. 13, //). Durch beide Schichten hindurch erstrecken sich hier und da von der Hypodennis aus feine Röhrchen, die Poren- canälchen, die plasmatische Fortsätze der Hypodermiszullen enthalten. Bau der Tracheenwandungen. Die Tracheenwandungen, genetisch ja auch ectodermale Bildung, stimmen in ihrem Bau trotz mannigfacher Verschieden- heiten im Wesentlichen mit dem der äusseren Körperhaut überein. Wieder sind es zwei Hauptschichten: 1. die epitheliale Schicht oder Matrix: 2. die Cuticularschicht. Die Matrix. , (Fig. 10, mx). Ihre Übereinstimmung mit der Hypodennis ist ziemlich bedeutend, doch macht sich eine grössere Variabilität bemerk- bar. Auch hier drängen sich manchmal die Kerne dichter zusammen und bilden eine sehr dicke Matrixschicht. Meist ist sie reich an Spongioplasma, das sich bei einigen Arten, besonders bei Gyrostigma sumatrense, zu besonderer Mächtigkeit ent- wickelt hat. Bei dieser Form zeigt sich auch an einigen Stellen sehr stark entwickelt die auch bei der Matrix zu beobachtende Basalmembran oder Stützmembran (Fig. 10, bm), die sich auf dem Schnitt in Form eines ziemlich breiten, hyalinen, structur- losen, ungefärbten, stark lichtbrechenden Bandes dem Beob- achte!" darbietet. Die Cutieularsehieht. Auch an den Tracheen ist deutlich eine Trennung in zwei Schichten zu beobachten. 256 G. Enderlein, a. Die Faserschicht. Ihre Erscheinung hat grosse Ähn- lichkeit mit der Faserschicht der äusseren Körperhaut, nur ist ihre Mächtigkeit meist viel geringer (Fig. 10, a). An Stellen, wo sie sich der darüberliegenden Schicht dichter anschmiegt, ist ihre Existenz immer noch unzweifelhaft zu erkennen, besonders da, wo sich zufälligerweise beim Conserviren die obere Schicht mechanisch abgespaltet hat. Die einzelnen Fasern sind vielfach dichter gelagert, wie bei der Faserschicht der Körpercuticula. ß. Die den Spiral faden führende Chitinschicht. Diese der äusseren Cuticularschicht der Körperhaut ent- sprechende Schicht (Fig. 10, ß) gibt durch bedeutende Modi- ficationsmöglichkeit der Variationsfähigkeit und somit der Zuchtwahl ein ganz hervorragendes Mittel in die Hand, sich durch Auswahl und Vervollkommnung des Zvveckmässigsten den Lebensbedingungen möglichst anzupassen. Es hat denn auch diese Schicht, wie wir später sehen werden, zur Entwick- lung der absonderlichsten Gebilde Anlass gegeben, und so ist denn auch eine eingehendere Betrachtung derselben völlig begründet. Die Grund Substanz dieser Schicht besteht zunächst aus einem färbbaren, hyalinen und farblosen Chitin, das die meist viel dichteren und stärker lichtbrechenden Spiralleisten in sich führt (Fig. 10, sf). Sie umgibt diese allseitig in schwachen Schichten und wird von einer meist sehr dünnen Membran, der Grenzmembran (Fig. 10, gm), nach dem Lumen der Trachea zu, begrenzt. Diese Membran ist stark färbbar, auch mit den gewöhnlichen Farbstoffen und umhüllt diese Chitinschicht in allen ihren Unregelmässigkeiten, Auszackungen, tiefen Ein- senkungen etc., die ja durch die mannigfaltige .Stärke und Form der Spiralfäden bedingt ist. Der Spiralfaden selbst ist in sich völlig gleichartig. Sein Liehtbrechungsvermögen ist ziemlich stark. Was die Farbe anbetrifft, so ist er meist glashell, geht aber auch in gelbe, bei grösserer Verdickung sogar in bräunliche Färbung über. Im Querschnitte lässt er eine reichhaltige F\:>rmverschiedenheit erkennen. Meist ist es eine Eiform, deren Spitze dem Lumen Jer Trachee zugekehrt ist, oft aber auch eine Ellipse, eine Spindel, die sich schliesslich, an Grenzbezirken vielfach Respirationsorgane der Gastriden. 25 1 zerklüftet, eng zusammendrängt und so eine blätterartige An- sammlung von dünnen Chitinlamellen repräsentirt (Fig. 10, sf; Fig. 13, spf). Es kommt dann zuweilen noch eine Zerspaltung der Lamelle hinzu, und es entsteht so eine dichte Anhäufung von Chitinblättehen und Chitinstäbchen, die ihren genetischen Zusammenhang mit dem Spiralfaden ohne Betrachtung der Übergänge schwer erkennen lassen. Aber in allen Fällen ist der Chitinfaden und seine Derivate unfärbbar, oder er zeigt wenigstens nur einen äusserst schwachen Anflug von Färbung. Alle drei Schichten der Tracheenwandungen werden dünner und dünner, je mehr sich die Trachee selbst verengt und ver- ästelt. Kurz vor ihrer Auflösung in Capillaren verlieren sie auch die Spiralfäden, und schliesslich vereinigen sie sich zu einer einzigen, nach dem Ende zu immer dünner werdenden Schicht. Die Intima der Capillare ist also durch eine äusserst geringe Chitinisirung charakterisirt, ein Umstand, der als eine wesent- liche Begünstigung der functionellen Bedeutung dieser Organe zu betrachten ist. Die Stigmenplatte. Wie schon früher erwähnt wurde, ist die Stigmenplatte chitinöser Natur. Es finden sich jedoch auch in geringem Maassstabe zellige Elemente, aus denen in letzter Linie die ganze Stigmenplatte hervorgegangen ist. Schon bei oberfläch- licher Betrachtung sieht man eine Zergliederung in ein helles Mittelfeld (Fig. 3 — 5, m), an das sich auf jeder Seite nieren- förmig die drei Arkaden anschliessen, die eine braune Chitin- färbung besitzen. Die Aussenmembran. Die Aussenfläche der Platte ist eine dünne Membran, die von der äusseren Cuticularschicht b der Körperbedeckung (Fig. 12 und 13, b) gebildet wird und entsprechend den sechs Arkaden sechs Längsspalten, Ar- kadenspalten oder Schlitze (Fig. 11, /; Fig. 12 und 13. /> auf- weist, welche in derselben Lage alle ihre Biegungen und Ver- schlingungen, in der Mitte jeder Arkade verlaufend, verfolgen. Die Weite des Spaltes ist meist etwa 0"005 mm, die Länge der- jenigen der Arkade selbst gleich. Die Spaltenränder sind bei allen Formen dicht mit äusserst feinen Chitinhärchen 2o8 G. Enderlein, (Fig. 11, h) besetzt, die durchschnittlich eine Länge von O0025 mm besitzen. Bei Cobboldia sind sie jedoch bei weitem kürzer und weniger dicht angeordnet. Auf der dünnen Aussen- membran setzen sich die Chitinhärchen als feine, erhabene Linien fort (Fig. 11, //'), die sich theilweise in gewissen Ab- ständen vereinigen, und zwar gerade über je einer jener braunen Querlinien, die schon beim äusseren Betrachten der Stigmen- platte mit einer Lupe in den Arkaden auffallen, und die wir später als mechanische Apparate, als die Klammern, weiter kennen lernen werden. Die von Schröder van der Kolk beschriebene undurchbrochene Haut ausserhalb dieser Aussen- membran ist jedenfalls eine Ansammlung von Schleim gewesen, der beim Conserviren der Larve nicht entfernt worden ist. Gerade in der Mitte zwischen den einzelnen Arkaden- spalten bildet die Aussenmembran enge und nicht sehr tiefe Kinnen, die Längsrinnen (Fig. 11 — 13, Ir), die also in ihrer ganzen Länge parallel zu den Arkaden laufen. Es sind somit auf jeder Seite zwei solcher Längsrinnen vorhanden. Die Ent- fernung von einer dieser Längsrinnen bis zu einem Arkaden- spalt beträgt bei Gastrus equi etwa 0* 1 mm, variirt jedoch bei den einzelnen Formen; bei Gyrostigma ist die Entfernung- geringer, bei Cobboldia grösser. Bei Gastrus equi beträgt also die Entfernung von Längsrinne zu Längsrinne oder, was die- selbe Entfernung ist, von Arkadenspalt zu Arkadenspalt etwa • 2 mm. Die Stützbalken. Direct unter den Längsrinnen liegen feste, dick chitinöse Balken, die Stützbalken, welche der ganzen Platte einen festen Halt geben. Sie haben auf dem Querschnitt Ähnlichkeit mit einem gleichseitigen Dreieck, dessen eine Seite auf der Aussenmembran basirt. Die dieser Seite gegenüber- liegende Spitze ist körperlich gedacht natürlich eine Kante, die somit parallel zur Längsrinne verläuft (Fig. 12 und 13, sb). Bei Cobboldia weicht diese Gestalt insofern ab, dass die nach innen zu liegende Kante sich mehr abrundet und verbreitert (Fig. 14, sb). Bei Gyrostigma snmatrense schliesslich verdickt sich der Chitinbalken seitlich und bildet so quer geschnitten ein Rechteck, dessen längere Seite der Aussenmembran anliegt und dieser zur Stütze dient. Respirationsorgane der Gastriden. 259 Diese vier Stützbalken gehen am Rande der Stigmenplatte in eine feste chitinöse Stützleiste (Fig. 13, stl) über, welche die Platte rings umgibt und ihr Festigkeit gewährt. Auch die inneren beiden Arkaden besitzen an ihrer Innenseite eine wenn auch schwächere Stütze in dem etwas verdickten Rande des schon erwähnten Mittelfeldes. Die Höhe der Stützbalken von der Aussenmembran nach innen zu ist bei Gastrus equi 0*09 nun. bei Gyrostigma sumatrense 0-12 mm, bei Gyrostigma rhino- cerontis bicornis O'OSmm, bei Cobboldia 0*1 mm im Durch- schnitt. Die Klammern. Um nun auf den weiteren Bau der Stigmenplatte einzugehen, greife ich aus den Arkaden irgend eine beliebige heraus, z. B. eine mittlere Arkade. Schon bei einer äusserlichen Betrachtung bemerkt man unter der Aussen- membran in bestimmten Abständen kleine, braune Querlinien (Fig. 2 — 6), die zu mannigfacher Deutung Anlass gegeben haben. Vielfach werden sie als Querleisten, dann auch als Chitinstäbchen (Krancher) erklärt. Brauer schreibt ihnen die Function zu, das Lumen der Arkade zu erhalten und nennt sie Chitinstege (Brauer, Nachträge zur Monographie der Oestriden, 1887). Betrachten wir zunächst auf diese Elemente eine Arkade des abdominalen Stigmas bei Musca. Hier haben die Chitin- stege augenscheinlich die Form von Chitinstäbchen, die sicher als stützende Elemente functioniren, denn sie erstrecken sich quer durch das langgestreckte Stigmenloch und erhalten so das Lumen desselben. Anders bei Gastnts. Hier ist absolut keine Ähnlichkeit mit Chitinstäbchen zu bemerken. Es sind vielmehr halbkreisähn- lich gebogene solide Klammern (Fig. 12 und 16) aus einem äusserst festen, spröden und elastischen Chitin von brauner bis dunkelbrauner Färbung. Wie sollte aber eine gebogene Klammer als Stütze gegen seitliche, nach innen gerichtete Kräfte wirken können? Das wäre eine sehr unzweckmässige Verwendung mechanischer Principien. Während die Kraftleistung der Stab crfen, indem sie eben von aussen nach innen gerichteten Kräften entgegenwirken, nach aussen gerichtet ist, ist es bei dein Klammern gerade umgekehrt. Hier soll nach aussen wirkenden Kräften entgegengearbeitet werden, die Richtung ihrer Kraft- 260 G. Enderlein, leistung ist also nach innen. Eine genaue Betrachtung der Arkaden, besonders auf dem Querschnitte, zeigt nun, dass bei Gastrus equi die Verhältnisse sich folgendermassen gestalten: Unterhalb des Stigmenspaltes in der ganzen Länge einer jeden Arkade liegt in einem Abstände von etwa 0*05 — 0-06 mtn eine Anzahl von etwa 30 Stück Klammern, die quer zu dem Spalt gelagert sind, und deren Arme auf beiden Seiten des Stigmen- spaltes auf der Aussenmembran inseriren, und zwar breit und fest mit' dieser vereinigt und in der Richtung der Kraftwirkung stark verbreitert sind (Fig. 13 und 16). Jetzt sieht man denn auch ihre Function klar und deutlich. Sie halten' durch ihren mehr oder minder federnden Bogen oder Bügel die Ränder des Stigmenspaltes fest zusammen, so dass dieselben nicht über ein gewisses Maass von einander entfernt werden können. Die Zweckmässigkeit dieser Verhältnisse liegt vor Augen. Es würde, wenn es an einer verschliessenden mechanischen Einrichtung mangelte, schon bei einer geringen Biegung der Platte, was ja bei ihrem grossen Umfange leicht eintreten kann, sich ein bedeutendes Klaffen des Stigmenspaltes geltend machen, und sofort würden Flüssigkeitsmengen von dem die Platte umgebenden Mageninhalt in das Innere der Platte eindringen und so in die Luftwege gelangen. Dies würde aber die Platte selbst unbrauchbar machen und ihre Zweckmässig- keit sehr fraglich erscheinen lassen. Ihrer Form und Anzahl nach bieten die Klammern mannigfaltige Verschiedenheiten dar. Gastrus equi. Bei dieser Species finden sich in jeder Arkade, die eine Länge von Ylhmm besitzt, etwa 30 Stück. Die Breite dieser Klammern beträgt durchschnittlich ■ 1 1 mm, ihre Höhe 0*05 mm. Die Enden der beiden Arme (Fig. 12 und Fig. 13) inseriren mit ihrer Innenseite dicht am Stigmenspalt, mit ihrer Aussenseite neigen sie sich etwas nach unten und basiren auf den Ausläufern der Stützbalken (Fig. 12). Dies ist ihre breiteste Stelle; nach unten zu verengen sie sich allmälig, sich gegen einander zuwendend, und vereinigen sich schliess- lich senkrecht unter dem Stigmenspalte zu einem rhombi- schen Täfele hen (Fig. 16, vir. Fig. \2,fb), das von der Seite betrachtet, wie in Fig. 12, als Verschmälerung der Arme erscheint. Da man in dieser Ansicht durch die Fläche des Respirationsorgane der Gastriden. 2b 1 Täfelchens blickt, so sieht man dasselbe in dunklerer Färbung. In dieser Lage erkennt man auch mehr seine Function als federnder Bügel. Von oben betrachtet, entweder direct auf die Stigmenplatte, indem man es durch richtiges Einstellen mit der Mikrometerschraube deutlich durch die Aussenmembran hin- durch erkennen kann, oder an Flächenschnitten durch die ganze Platte sieht man es in seiner wahren Gestalt. Auf diese Weise sieht man auch die Form der Arme selbst im Quer- schnitt, es ist eine nicht zu dünne Spindelform. Kurz vor der Vereinigung zu den Täfelchen bilden die Arme einen ge- schwungenen Vorsprung nach innen. Dieser Vorsprung ist meist glatt, zuweilen aber in eine feine Spitze ausgezogen. Die Klammer umschliesst so mit ihren Armen eine herz- förmige Öffnung. Fig. 16 zeigt eine solche Klammer schräg von oben gesehen. Gastnts liaemorrhoidalis. Diese Form besitzt in jeder etwa 1 • 6 nun langen Arkade ungefähr 20 Klammern, die in einem Abstände von 07 — 0-08 mm voneinander aufgestellt sind. Sie bilden einen etwas engeren Bogen, als bei Gastrus equi, und zwar besitzen sie eine Breite von etwa 0"09;«/;/ und ersetzen so dadurch und durch eine etwas grössere Stärke die geringe Anzahl. Gyrostigma sumatrense. Die sich hier geltend machende Verlängerung der Arkaden (Fig. 4) bis auf 5*6 mm macht schon eine grössere Anzahl (140) von Klammern in jeder, in Abständen von 0*04 mm. voneinander, nöthig (Fig. 17). Sie sind denen der Gattung Gastrus sehr ähnlich, besitzen eine Breite von 0'lmm und eine Höhe von - 04 mm und weichen von ihnen morphologisch nur insofern ab, als die rhombischen Täfelchen des Bügels an ihren beiden Spitzen sich seitlich in feine Chitinfäden ausziehen, die in die Spitzen der nächsten Klammern übergehen (Fig. 17, clif). So hängen also sämmtliche Klammern durch diese Chitinfäden an den rhombischen Täfel- chen zusammen. Das Chitin, aus dem sie bestehen, ist spröder, fester und dunkler als bei denen der Gastrus- Arten. Gyrostigma rliinocerontis biconüs. Die ausserordentliche Verlängerung der Arkaden bis auf 13 mm (Fig. 5), die ja schon die merkwürdige, mäandrisch zusammengeschlungene Figur Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl.; CVIII. Bd., Abth. I. 18 262 G. Enderlein, veranlasste, erhöht die Anzahl der Klammern zu der stattlichen Menge von durchschnittlich 370 Stück, die sich auf die ganze Länge einer Arkade ziemlich gleichmässig in Abständen von 0-035 mm vertheilen. Ihre Breite beträgt 0' 075 mm, ihre Höhe 0'03mm. Eine wesentliche Modifikation macht sich im Bau des Bügels (Fig. 18 und 19, bg) bemerkbar, indem sich nämlich keine Verbreiterung in ein rhombisches Täfelchen vor- findet; die beiden Arme gehen vielmehr gleichmässig im Bogen ineinander über, wie es sich von der Seite in Fig. 19 zeigt. Diese Vorrichtung beschränkt die Möglichkeit einer schwachen federnden Biegung der Klammern bis auf ein äusserst geringes Maass und veranlasst, in Verbindung mit einer noch grösseren Härte, Sprödigkeit und Verdunklung des Chitins, eine ganz bedeutend erhöhte Starrheit, die sich gerade bei dieser umfang- reichen Platte als besonders zweckmässig erweisen dürfte. Cobboldia elepkantis. Scheinbar wesentlich anders bieten sich diese Verhältnisse bei der Form aus dem indischen Elephanten dar, doch ist eine genetische Übereinstimmung bei genauerem Betrachten nicht zu verkennen und eine Deutung als Modifikation des Typus ist ohne Schwierigkeit möglich. Das Auffallendste ist zunächst, dass immer nur ein halber Bogen vorhanden ist. Diese Halbbögen oder Halb klammern (Fig. 14, hb) stehen auf jeder Seite eines Arkadenspaltes in einer Anzahl von etwa 30 Stück, die einen Zwischenraum von ungefähr 0*04 111111 zwischen sich lassen. Ihre Höhe ist ziemlich bedeutend, und zwar 0-12 mm. Alternirend zu diesen finden sich gegenüber eine gleiche Anzahl, jeder Halbbogen steht gerade in der Mitte vom Zwischenraum zwischen zweien der anderen Seite. Diese Halbbögen verjüngen sich nach unten zu gleichmässig und endigen in einem Chitinstrang (Fig. 14, es), der alle Enden miteinander verbindet, indem er, in Zickzack- linie senkrecht unter dem Arkadenspalt von einem Halbbogen zum anderen gehend, die ganze Länge der Arkade durchläuft. Im Querschnitte zeigt dieser Strang eine ovale Form (Fig. 14). Es fragt sich nun, wo die anderen Hälften der Klammern geblieben sind. Sind die anderen Hälften etwa verschoben oder sind sie verkümmert? Beobachtet man nun die einem Halb- bogen gegenüberliegende Stelle genau, an der die andere Respirationsorgane der Gastriden. 263 Hälfte vorhanden sein müsste, so findet man denn in der That kleine, braune, chitinöse Vorsprünge, die zuweilen auch grössere Zacken bilden, mit Fortsätzen nach unten. Dies sind die Rudimente der anderen Klammerhälften (Fig. 15, rkb). Dass sie es wirklich sind, kann man daraus zur Genüge ersehen, dass sie sich ausnahmsweise zu vollkommenen Halbbögen ent- wickeln können, die sich dann unten beide zu ganzen Klammern vereinigen, ja es bildet sich sogar an dieser Stelle im Chitin- strang jene Verbreiterung zu einem rhombischen Täfelchen. Eine solche Stelle ist schematisch in einem Aufblicke schräg von oben in Fig. 15, k abgebildet. Unter den normalen Halb- bögen findet sich eine solche Ausnahme, die nun wieder den Typus der übrigen Formen repräsentirt. Im entgegengesetzten Sinne findet es sich auch, und zwar nicht selten, dass die Rudimente gänzlich verschwinden. Diese Halbbögen, gewöhn- lich aus einem helleren Chitin bestehend, das höchstens am oberen Ende dunkler wird, besitzen eine Höhe von 0-12 ;//;//. Der Zwischenraum von dem äussersten Punkte der Insertions- stelle bis zu einem Rudiment oder, was dasselbe ist, die Breite einer der ausnahmsweise sich findenden Klammern beträgt 0* 15 min. Bei dem zweiten Stadium werden durchgängig ganz ähn- liche Verhältnisse sein. Dieses Stadium hat bekanntlich nur zwei Arkaden auf jeder Seite. Allem Anscheine nach dürfte die Anzahl der Klammern in einer jeden Arkade derjenigen bei der erwachsenen Larve gleich sein, wenigstens ist dies bei den beiden im zweiten Stadium untersuchten Formen bei Gastnis eqni und haemorrhoidalis der Fall. Die Breite der Klammern beträgt hier 0'04wm, ihr Abstand von einander - 03 /;//// (Fig. 6). Nachdem die Gleichartigkeit dieser Organe festgestellt worden ist, soll nun zunächst die innerste Wand der Stigmen- platte unter den Arkaden einer eingehenden Untersuchung unterworfen werden. Das spongiöse Chitingerüst (Stützwerk). Die nach unten gerichtete Kante der Stützbalken sowohl, wie die Ränder der die Platte umringenden Stützleiste, als auch die stützenden Ränder der das Mittelfeld bildenden Platte sind dicht mit einem 18* 264 G. Enderlein. spongiösen Chitinwerke besetzt, das bei den verschiedenen Arten eine verschiedene Ausbildung und Mächtigkeit hat. Am einfachsten ist es bei Cobboldia (Fig. 14, sp). Es sind kleine Chitinbäumchen von einer Höhe von 0'04 mm. Sie ent- springen alle der am meisten nach innen zu gelegenen Chitin- schicht der Platte. Es ist eine sehr dünne, unfärbbare Schicht. Von ihr aus erheben sich lange Pfeiler, die eine grosse Anzahl von Ästen abgeben. Dieselben vereinigen sich theilweise mit den Ästen der benachbarten Chitinbäumchen, theilweise endigen sie in kleine Verdickungen (diese Verdickungen sind jedoch nicht zu verwechseln mit den bei abgeschnittenen Ästen erscheinenden Verdickungen; dies sind nur optische Er- scheinungen). Ihre Farbe ist durchwegs die bräunlichgelbe Chitinfärbung. Die übrigen Arten haben in dieser Beziehung eine ziem- liche Ähnlichkeit; aus diesem Grunde sollen die Verhältnisse dieses spongiösen Chitingerüstes bei Gastrus klargelegt werden, wo sich die schönste und deutlichste Ausbildung vorfindet. Von der Kante eines Stützbalkens erheben sich starke Chitin- pfeiler, Stützpfeiler (Fig. 12, chp), in grösserer Anzahl. Im Ausgangspunkte stehen sie zunächst senkrecht auf ihrer Basis, biegen sich aber bald nach der Innenseite der Platte, um kurz darauf sich wieder der Aussenseite in ihrer Biegung zuzuwenden. Im Ganzen entfernen sich jedoch die Pfeiler immer mehr von der Aussenseite der Platte und endigen schliesslich dicht in der Nähe der Endigung des gegenüberliegenden Pfeilers, der auf dem benachbarten Stützbalken basirt. In ähnlicher Weise stehen so im Ganzen meist vier solcher Pfeiler sich auf dem Querschnitte gegenüber. Die übrigen Pfeiler endigen an der Innenfläche der Platte, ohne sich in ihren Endpunkten nahe- zutreten, doch correspondirt ihre gegenseitige Lage so, dass sie im Sinne ihres Bogens auf einander zustreben und man leicht das fehlende Stück des Bogens zu ergänzen in der Lage ist. Die Endigungen der sich treffenden Pfeiler sind kleine Bäl la- chen, die sich gegenseitig stützen. Ebenso sind die Pfeiler unter sich durch Querbalken en (Fig. 12, qb) gestützt, die meist senkrecht zu diesen stehen. Ist dies nicht der Fall, so gabeln sich diese Qucrbälkchen einfach oder mehrfach, unter- Respirationsorgane der Gastriden. -DO einander wieder Verbindungen eingehend; in letzter Linie lassen sich jedoch alle mit Hilfe des Parallelogramms der Kräfte zu einfachen Querbalken vereinigen, die dann alle senk- recht zu den Pfeilern stünden. Dicht hinter dieser Lage von Pfeilern befindet sich wieder eine solche Lage, dieser völlig ähnlich, und so fort durch die ganze Arkade hindurch. Alle diese Lagen sind wieder durch kleine Querbälkchen zwischen sich gegeneinander gestützt. An jenen Stellen, wo sich nun eine Klammer über dem spongiösen Chitingerüste befindet, hängt von der äusseren Kante derselben eine äusserst dünne, fast farblose, unfärbbare oder höchstens nur schwach färbbare Chitinlamelle (Fig. 12, cht) herab. Unter dem rhombischen Täfelchen der Klammer ver- schmälert sie sich zu einem wenig breiten, verbindenden Bande, so dass im Wesentlichen zwei Lappen entstehen. Mit ihren Aussenrändern inseriren diese Lappen auf den Stützbalken, ihre unteren Ränder gehen in ein spongiöses Netz von feinen Chitinfäden (Fig. 12, n) über, das von dem Bälkchensystem des spongiösen Chitingerüstes lamellenartig ausgeht. Diese Chitin- lamelle ist jedenfalls die Veranlassung zur Annahme von Kiemenbläschen seitens Schröder van der Kolk's gewesen. Nicht vorhanden ist diese Lamelle bei Cobboldia, stets jedoch ist sie bei Gastrus und Gyrostigma sumatrense und in viel stärkerem Maasse bei Gyrostigma rhinocerontis bicomis ent- wickelt, wo sie sich in Form eines fast gleichbreiten Bandes zwischen den beiden Stützbalken erstreckt, ohne eine Ver- schmälerüng unterhalb des rhombischen Täfelchens zu erfahren, indem sich der Mitteltheil der Lamelle nicht spongiös wie bei Gastrus entwickelt. Zu dieser Entwicklung werden diese Bänder noch die Function des Zusammenhaltens neben den Klammern übernehmen, darauf weisen auch feine Linien und Erhebungen in der Richtung des Bandes hin. Das System der Chitinpfeiler mit ihren Querbälkchen bietet bei Gyrostigma viel Übereinstimmung dar. Die Pfeiler sind bedeutend stärker entwickelt, bei Gyrostigma sumatrense ist ihre Anzahl im Querschnitte auch grösser, da ja hier die basale Fläche des Stützbalkens stark verbreitert ist, und zwar bis zu einer Breite von 0*09 mm. 266 G. En derlein. Was hat nun aber dieses complicirte System von Pfeilern und Bälkchen funct ioneil für eine Bedeutung? Vereinigen wir zunächst einmal alle die Querbälkchen, die sich gabeln, zu ihren Resultanten und verschieben sie so, dass die einzelnen Stückchen sich zu Linien verbinden lassen, so erhalten wir ein System von zwei Curvenschaaren, von denen alle Curven in ihren gemeinsamen Punkten sich einander senkrecht schneiden. Bekanntlich nennt man nun Curvenschaaren, die sich unter irgend einem gegebenen Winkel schneiden, Trajectorien und alle Kraftlinien sind ebenfalls Trajectorien. und zwar Tra- jectorien im engeren Sinne, da sie sich rechtwinklig schneiden. Unser Querschnitt Fig. 12 zeigt nun auch schon ohne jene Ver- einigung der gegabelten Querbälkchen eine auffallende Ähn- lichkeit mit solchen Trajectorien, und dies bestärkt die Ver- muthung und lässt es unzweifelhaft erscheinen, dass hier ein den mechanischen Principien in weitgehendem Maasse ange- passter Organisationspunkt vorliegt. Für das Individuum würde das in diesem Falle gleichbedeutend mit einer sehr zweck- mässigen und ausserordentlichen Materialersparniss sein. Die Wirkungsweise dieser Einrichtung wäre demnach folgendermassen zu erklären: Die ganze Chitinplatte der äusseren Plattenschicht, die an ihren Spalten fest durch die Klammern zusammengehalten wird, ist die Basis für die Pfeiler- bögen, die man mit Brückenbögen vergleichen kann. An ihr sitzen sie frei, in den hinter der Stigmenplatte gelegenen Luft- raum hineinragend. Bei der Brücke steht die von aussen kommende zu überwindende Kraft senkrecht nach den Bogen- wölbungen zu; die Richtung der Kraftleistung ist also entgegen- gesetzt, senkrecht von den Bogenwölbungen w r eg nach aussen. Ähnlich ist es bei unserer Stigmenplatte. Würde sie so gebogen, dass sie in der Richtung der Körperaxe nach hinten (also nach aussen) sich wölbt, würden also so gerichtete Kräfte parallel zur Körperaxe auf sie einwirken (z. B. würde ein seitlicher Druck auf das Hinterende der Larve solche Kraftrichtungen auslösen, ebenfalls eine durch Muskelthätigkeit bewirkte Ver- engerung des letzten Körpersegmentes), so ständen diese senkrecht auf den Wölbungen unseres Bogensystems der Chitinpfeiler. Diese wirken nun in gleicher Weise, wie es die Respirationsorgane der Gastriden. ^' )( Brückenbogen thun, einer ihrer Länge. Stärke, Biegung und Anzahl entsprechenden Kraft entgegen. Die Wirkungsweise ihrer Kraftleistung ist also bei nicht zu starkem Druck auf- hebend oder vermindernd. Sie wird noch erhöht durch die Beschaffenheit des Chitins, aus dem das Stützwerk besteht. Es ist eine sehr biegsame und zähe Modification des Chitins von bräunlichgelber Farbe. In Folge dieser Elasticität der Substanz kann man auch annehmen, dass das spongiöse Chitingerüst auch einen Druck nach innen zu bis zu einem gewissen Grade wird überwinden können, doch findet sich noch eine specifisch dieser Function angepasste Einrichtung, auf die ich bei Behand- lung des »spongiösen Ringes« zu sprechen komme. Nun bliebe bloss noch übrig, einen Versuch zu finden, um nachzuweisen, dass aus geraden Linien wirklich jene Curven entstehen können. Ihre einfachste Form repräsentirte sich in Cobboldia; hier waren es gerade Pfeiler (Fig. 14), die sich nach allen Richtungen senkrecht zur Basalfläche, der Oberfläche des Stützbalkens, anordnen. Ähnlich wird es in der ursprünglichen Bildungsform bei der Gattung Gastrus gewesen sein, denn ihre Arten bilden in dieser Hinsicht einen phylogenetisch höheren Entwicklungsgrad als die Arten von Cobboldia. Zum Zwecke dieses Versuches wurde eine Lamelle von Plastilin (oder auch Thon) zwischen zwei Glastäfelchen gespannt. Von zwei sich gegenüberliegenden Punkten der Glastafeln wurden gerade Linien in die weiche Masse gefurcht, die bis zu den Schnitt- punkten mit den gegenüber in entsprechenden Richtungen aus- gehenden Geraden verlängert wurden. Nun sollten Kräfte ange- wendet werden, die senkrecht auf die entstandenen Spitzen einwirkten. Diese Kräfte würden sich, da die Basis der Lamelle fest und unveränderlich gedacht werden muss, in seitlich wirkende Kräfte auflösen. Man dreht also die beiden Platten um die Endpunkte der festen Basis nach aussen in der Weise, dass die plastische Lamelle oben angezogen und gedehnt wird, und in der That, es entstehen ganz ähnliche Curven, wie sie von dem spongiösen Chitingerüste her bekannt sind. Wie schon aus der morphologischen Erklärung hervor- geht, befindet sich also unter dem Arkadenspalt ein lang- gestreckter Luftraum, der durch die von den Klammern herab- 268 G . E n d e r 1 e i n , hängenden Lamellen in partiell abgeschlossene Fächer getheilt wird. Diese communiciren miteinander durch die in der Mitte der Lamellen befindlichen Chitinnetze, sowie durch die zwischen den Armen der Klammern befindlichen Öffnungen; nach innen stehen sie ferner durch das spongiöse Chitingerüst mit der Luftkammer in Verbindung, durch welches die Luft in das Körperinnere einzudringen vermag. Das Mittelfeld. Zwischen den Arkaden und von ihnen eingeschlossen, liegt in der Mitte der Stigm