^ 3^ A t "^J^ ■{Pf .rS::!. -y :^ ^■% :4rf-o^s. !.r^ ^,* Beiträge zur Kenntnis der Land- und Süßwasserfauna Deutsch-Südwestafrikas Ergebnisse der Hamburger deutsch-südwestafrikanischen Studienreise 1911 Herausgegeben von W. Michaelsen (Hamburg). Band L Mit 8 Tafeln und 1 Karte, sowie 7 Kartenskizzen lind 58 Abbildnuseii im Text HAMBURG L. FRIEDEKICHSEX & CO. 19U— 1916. Alle Rechte vorbehalten. IJriiek von .). .T. Auo-nstiii in GUickstadr und Hamlniro:. Inlialtsverzeieliiiis des I. Bandes. Herausffegeben 1914: '^^ ^ Seite Vorwort des Herausgebers 1 — 4 W. Michaelsen (Hamburg), Keisobericht (mit 1 Karte und 15 Abbildungen im Text) 5—53 K. Khaepelin (Hamburg), Bryozoa (mit 1 Tafel) 55 — 69 Y. Sjöstedt (Stockholm), Isoptera (mit 1 Tafel und 2 Ab- bildungen im Text) 71 — 92 0. VAN Douwe (München), Copepoda anit 1 Tafel und 1 Karten- skizze im Text) <)3— 103 K. Kraepelix (Hamburg), Skorpiones und Solifugae (mit 6 Abbildungen im Text) 105— 1 31! W. Michaelsen (Hamburg;, ( )ligo cliae ta (mit 1 Tafel, soA\de 1 Abbildung und (i Kartenskizzen im Text) 137 — 182 Gy. Szepligeti (Budapest), Hymenoptera I: Braconidat^ . 183 — 191 G. Enderlein (Stettin), Hymenopt era II: Archihymenidae (mit 1 Tafel und 1 Abbildung im Text) 193—199 J. J. Kieffer (Bitsch j , H y m e n p t e r a III : S e r p h i d a e (P r o c - totropidae) 201 — 207 G. Enderlein (Stettin) , H y m e n o p t e r a IV : I c h n e u m o n i d a e (mit 6 Abbildungen im Text) 209 — 233 N. Annandale (Calcutta), Spongillidae (mit 1 Tafel) 235 — 249 J . Weise (Warmbrunn) , C 1 e o p t e r a I : (' h r y s m e 1 i d a e und Coccinellidae 251 — 275 H. Bickhardt (Kassel), Coleoptera II: Histeridae 277 — 282 M. Pic (Digoin) , Coleoptera III: M ala c o d ermata et Bruchidae 283—288 P. Lesne (Asniere), Coleoptera IV: Lyctidae 289 — 292 Ch. Kerremans (Brüssel), Coleoptera V: Buprestidae . . . 293 — 303 J.Moser (Berlin), Coleoptera VI: Cetonidae 305—309 jy Iiilialt.sverzeidinis. Herausgegeben 1915: s^it^ Max Bernuauer (Hörn in Xied erÖsterreich), Coleoptera Vll: Staphylinidae 311 — 321 Fr . Werner (Wien) , R e p t i li a u n d A m p h i b i a (mit 1 'J'afel und 1 Abbildung im Text) 323 — 376 Herausgegeben 1910: G.Steiner (Zürich -Thalwili, Nematodes (mit 26 Abbildungen im Text) 377—411 H. Friese (Schwerin i. M. i. Hymen o p t c r a Y : A p i d a e (mit 1 Tafel) 413— 4.V2 Michaelsen : Land- und Süßwasserfauna Deutsch-Südwestafrikas, __|: 2 0- 2 5° 1 rf^^H'I^^X^,;;^ ^ <../i-' J S{^^' m. : "•":'> - ^ y ] ::%, I y^ w ^, . (irvoffontein ,.'■'■'' Otawifontän ^ .■"(^'*'S '.•'■' :;t^ -Cr--^ ^, „.. /" .y '" \ \-, "V-,/''" 20' "-^s / Q.-'' "■■""- ^ - i ^^osondyvmho _ ■■" ■ Ömaruru „« " ,'■ ..■■■' .^J^'oÜmbih -^Jkähandja^ ■ ■t.r. J\ ^wajwpiniinfi •■? ....'■•■■■ (/. -l "' V'"^'';,' Ai^"''*"' '■■ ? \ /i Deut.sch Südwestafrika ' o ~-~ i :::-^ - ^'^ ^^ ^ U Ilaiiplfundorto •^ des verarbeiteten zoologischen Materials 2S o % IK. BO O U,0 50»ta 25; i?«- hunstanl flt^ßfrttlen nUjteiiruJ tuiiifeeogen und du nur arity/tiUg nießrndt SeniLSier tHi.ytrre/ aüid piinktierl o ■ c- Bt o ^ t. ^ ^ ^v-i) .yTi,;-V\^^ ^C^^l^ X: 15° 20' ClS" BAinburg, L ?rl«n (Gegenstand jener Untersuchimg bilden die Faunen der drei in die südlichen Meere hineinragenden Kontinentalspitzen, des südlichsten Südamerikas, Südaustraliens und Südafrikas. Die durch Bestimmung und ]>eschreibung des gesammelten Materials erweiterte syste- matische Kenntnis von diesen Faunen soll uns in den Stand setzen, etwaige erdgeschichtliche Beziehungen zwischen denselben, wie sie von manchen Forsehern vernmtet oder als tatsächlich bestehend hingest<'llt wurden, auf- zuklären. Für diese Untersuchung konnnt nicht nur die Tierw<'h des Landes imd des Süßwassers in Betracht, sondern auch die der Küstenmeere, und zwar hauptsächlich der westlichen, die von kalten Meeresströmungen, je einer Abzweigung der den Süd])olarkontinent umkreisenden Westwind-Trift, durchzogen werden. Diese bieten naturg(>mäß die meiste Aussicht für den Nach- weis ein(!S etwaigen Hinaufreich ens der für die in Frage kommenden Probleme bedeutsamen subantarktischen Meeresfauna an dies(m kontinentalen Süd- spitzen. Aus diesem Grunde wurden hauptsächlich die A\'est-l)istrikte dei- drei kontinentalen Südspitzen als Forschungsgebiet gewählt, bei der ersten Reise außer Feuerland, der äußi'rsten Südspitze. hau])tsächlit'h der west- patagonisch(> Smyth Channel imd Süd-Uhile, bei der zweiten Reise außer dem Albany-Bezirk hauptsächlich die südliche Hälfte der Westküste Australiens von Bus.selton bis zur Sharks Bay und bei der dritt<>n Reise Südwest- Afrika mn der ^lündung des ( )ranje-Flusses Ins Swakopnuind. 2 ^^'. Michaelsen. Wälirend In den Vcn-öffontliclningoii über die Sauniihingon meiner beiden ersten Reisen ' ) die Tierwelt von Kontinent und Meer nicht gesondert worden ist, soll in d(^n Veröffentlichungen über die Ausbeute meiner afrika- nischen Heise eine Sonderung dieser beiden biologischen Abteilungen er- folgen. Es hat sich nämlich als ratsam herausgestellt, die in Betracht zu ziehenden Gebiete für diese beiden Abteilungen ganz verschieden zu begrenz(»n. Für die Abteilung der Land- und Süßwassertiere wird die politische Grenze unseres südwest-afrikanisclien Schutzgebietes maßgebend s(>in, und die be- treffenden Untersuehungserg(^bnisse sollen als ..Px'iträge zur Kenntnis der Land- und Süßwasserfauna I) e u ts c h - Süd w estafr i kas , Ergebnisse der Hamburger de u ts c h - sü d we stafrikan I s ch en Studienreise 11)11" veröffentlicht werden. Für die ^Vbtellung der Me(n"es- tiere soll dagegen ganz Westafrika von Kap Verde bis zm- Mündung dcv-^ ( )ranje-Flusses In Betracht genommen, und damit auch die Meeresfauna unserer anderen westafrikanischen Kolonien in den Kreis der Forschung gezogen werden, und zwar aus folgendem (Jrunde. Das Hamburger Natiu-- historische Museum hat das Glück gehabt, große und wertvolle Sammlungen von den verschiedensten Hafen})lätzen des nördlIch-subtro})ischen und di's tropischen Westafrikas zu erhalten und betrachtet es als Ehrenpilicht, diese reichen Sammlungen der Wissenschaft zugänglich zu machen. Als Beamter dieses Museums übernahm Ich g(m die Aufgabe, die wissenschaftliche Be- arbeitung dieses Materials in die Wege zu leiten. Zusammen mit den von mir in dem Küstenmeer Deutsch-Südwestafrikas erbeuteten Sammlungen bildet dieses Material eine so reiche Vertretimg der Meeresfauna ganz West- afrikas, wie wohl kein anderes Mu*iemn sie besitzt. Die Hebmig dieses Schatzes ist um so dringlicher, als die Küstenfauna Westafrikas, von einzelnen bevorzugten Plätzen abgesehen, noch sehr wenig erforscht ist. Diese Ver- hältnisse rechtfertigen es, daß ich dem Sammelwerk über dxo Land- luid Süßwasserfatma Deutsch-SüdAvestafrikas ein solches über die marine Tier- welt von ganz Westafrika an die Seite stelle luid miter dem Titel ,,Bei- träge zur Kenntnis der Meeresfauna W e s t af r I ka s" in glelchi'in V ( 'rlage herausgeb e . Ein solcher Plan, wie er schheßlich zur Herausgabe dieser ^^'erke l'iihrte, kann niclit wohl durch die Kraft inid .Arbeit eines EInzehien seiner ') Ergebnisse der Hamburger Magalliaensisdien Sanimelreise 1892/93, berausgegebeii vom Naturliistorischen Museum zu Hamburg, Hamburg. L. Fkiederiohsen & Co. (Abge- sclilossen, 3 Bände). Die Fauna Hüdwest-Australiens, Ergebnisse der Hamburger südwest- australischen Forschungsreise 1905, herausgegeben von Prof. W. Mhuaelsex und Dr. H. Hahtmeveh. .Jena, GrsiAV Fischeh. (Vierter Band im Druck). Vorwort. 3 Vorwirklichimg cntgogcn geführt werden. Es bedarf dazu der Beiliilf(> vieler. So habe ich auch bei diesem Unternehmen rieben für Unterstützvmgen verschiedenster Art zu danken. Zu größtem Danke bin ich in erster Linie einem Hollen vSenat und der P)ürgerschaft meiner Vaterstadt ver- pflichtet für die Bewilligung der (rcldmittel, deren es zur Ausführung der Reise mid zur ])ruckb\gung der Ergebnisse bedurfte, insbesondere Seiner Magnifizenz Herrn Bürgermeister von Melle für das wohlwollende [nter(»sse, welches er diesinn Unternehmen entgeg<'nbrachte, und die viel- seitige Förderung, die er ihm zuteil werden ließ. Wie den vaterstädtischen Uegierungsfaktoren, so bin ich auch dem (i o u v ern ement des deutsch- südwestafrikanischen Schutzgebietes für weitgehende Unterstützung zu großem Danke verpflichtet. Herzlichen Dank schulde ich ferner Herrn Prof. Kr.\epelix, Direktor des Xaturhistorisehen Museimis, für vielfache tatkräftige Förderung meines Unternehmens, zumal durch ]?(\schaflung der ganzen wissenschaftlichen Ausrüstung, sowie» dem Professorenrat d(»s Ham- burg i s c h e n K o 1 o n i a 1 i n s t i t u t s für die Avarme Befürwortimg bei der von ihm in die Hand genommenen Einw erbung der Geldmittel für die Reise und für die \ erötfentlichung der Ergebnisse. Herzliclu'n Dank habe ich noch vielen, vielen abzustatten, die als Privatpersonen hüben und di'üben das Unternehmen durch Rat und Tat gefördert und die Reise damit zu einer ersprießlichen und angenehmen gemacht haben. Es ist nicht angängig, die Namen all dieser Freunde aufzuführen, und es widerstrebt mir, durch eine bestimmte Auswahl das Maß der Freundschaftsdienste einer gewissen Kritik zu unterziehen, war dieses Maß A'ielfach doch lediglicli durch den Mangel ausreichender (ielegenheit beschränkt. Eine Ausnahme aber sei mir gestattet. Ich kann es nicht unterlassen, meinen innigsten Dank der Wo ermann-Lini o auszusprechen, s<'tzte mich doch erst die ganz erhebliche Fahrpreis-Ermäßigung, die mir von der Direktion gewährt wurde, in den Stand, die Heimi'eise auf dem ( )stwege auszuführen und an dii- Durchquerung Südafrikas einen Ausflug ins Herz Rhod<'sias, nach den unbeschreiblich großartigen imd schönen Victoria-Fällen anzuscliließen, und damit die Natur des Landes kinmen zu lernen, in das liinein sich der Nordost-Zipfel unseres Schutzgebietes, der ( 'aprivi-Zipfel, erstreckt i()st-Ende des (_'aprivi-Zij)fels nur noch ca. 70 km von den Victoria-Fällen entfernt). Ich möchte aber diese pekiuiiäre Erleichterung nicht einmal in erste Linie steUen; war doch für den Hauptteil meines Unternehmens viel wichtiger noch die tatkräftige Unterstützung an Ort und Stelle bei der Ausführung der marinen Forschung, zu der mir die W'oermann-Linie in liberalster W(>ise iiu-e Dampfer zur \'erfüeung stellte: ferner die weito(»hende (rastfrenndschaft, die wir in di^u AV. Mkhaelskx. Häusern der \\'()('rmauii-Liuie geiiiol-^cn durften, und die vielen wertvollen Ratscliläge und Empfohlnngon. Unter letzteren waren besonders wlchtio die an die befreundete^ und mit der Woerniann-Linie Hand in Hand arbeitende Firma WoEUMANx, Brock & Co., deren B(^ziehungen sieh über das ganze Schutz- gebiet erstrecken, und deren Gastfreundlichkeit im Inlande die der auf die Küstenplätze beschränkten Woermann-Linie vertrat. Ich darf Avohl meine innigste Danksagxmg an die Firma \^'oermaxn, Bro( k & Co. der der ^^ oer- mann-Linie gewidmeten anschließen. Reisebericht von W. Michaelsen (Hambui-o j . Mit 15 Abbildungen im Text und 1 Kartenskizze. über kein außereuropäisches Land ist während der h'tzten Dezennien in Deutschland so viel oeschrieben und geredet worden wie über Deutsch- Südwestafrika. Nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Jungfrauen haben sich verpflichtet gefühlt, ihrt^ Erlebnisse luid Erfahrungen in diesem Lande einem weiteren Lt^ser- und Hörin'kreise vorzutragen. Ja, nicht niu- Leute, die dagewesen sind, auch Leute, die das Land nie gesehen haben, wie Gustav Frensen, haben vorzügliche SacluMi darüber geschrieben. Bei dieser Sachlage ist es kaum möglieh, viel Neues über dies (lebiet vorzu- bringen, und die Zeit eines viermonatlichen Aufenthalts genügt nicht für tiefgründige Forteile über Land, Leute und Lebensverhältnisse. Auch kanu ich nicht über romantische Falu-ten in bisher imbekannte Wildnisse be- richten. Es bedurfte nicht solcher kostspieliger Unternehmungen. Mein Forschungsobjekt, die Fauna der Kleintiere, ließ sich eben so gut in der Kähe der Kulturliniim erlangen wie in kultm-ferneren Gebieten: denn so dick ist die Kultur hier noch nicht aufgetragen, daß sie den ursprünglichen Zustand der Kleintierwelt wesentlich beeinträchtigt hätte. Selbst in nächstei- Nähe der Städte, Eisenbahnen und Heerstraßen liegen Gebiete, die sich die ganze LTsprüngiichkeit im Charakter ihrer Flora und Kleintierwelt be- wahrt haben. Freilich, die Kulturflüchter, zumal die größeren Säugetiere, waren fast ganz entwichen: aber auf diese kam es mir auch nicht an. Man kann nicht zu gleicher Zeit auf Großwild pürschen imd auf den Lisekten- fang gehen. Schießgewehr und Schmetterlingsketscln^r vertragen sich nicht miteinander. So gern ich als Zoologe auch (unmal das afrikanische Groß- wild in freier Wildnis beobachtet hätte, so mußte ich doch darauf ver- zichten, meinen Arbeitsplan daraufhin zuzurichten. Die Zeit war gemessen, und in dieser Zeit mußte ich möglichst viele weit auseinander liegende Distrikte möglichst intensiv durcliforschen. Es galt also, schnell und leicht erreichbare Stationen zu wählen, und diese Notwendigkeit fesselte mich an die Nachbarschaft der Eisenbahnlinien. Es kann sich demnach im vor- liegenden Reisebericht hauptsächlich nur um die Schilderung des Eindrucks handeln, den Deutsch-Südwestafi'ika in biologischer und landschaftlicher J^ W. Ml( IIAKI.SKX. Hinsicht — beide ( iesiditspunkte stehen Ja in inniger IJezielnui«;' mitein- ander — auf mich gemacht hat. Mancher Kenner ch's Landes mag mir nach dem Lesen dieser Scliilde- i'ung den \'ur\\iirl" machen, daß sie» zn rosig gefärbt sei, dal-j ich die Schatten- seiten im Charakter des Landes vernacldässigt habe. Diesem Vorwnrf zn begegnen, will ic-h von vorn herein zngeben, dal-J ich bei der ästhetischen ßetrachtnng mid IJeschreihnng subjektiv verfahren bin. A\'ie köimte ich auch anders. ^\ ir halben die Schrecken des Landes, unerträglichen Sonnen- brand und Durst, nicht erfahren, ^^'ir sind durch die Ungunst im Charakter dt'i^ Landes nicht persönlich getrotten worden, und besondere Strapazen haben wir nicht zu ertragen l)ranchen. \\ ir konnten das Schöne und Interessante, das misere Kolonie dem offenen Auges und unbekümmerten Herzens durch das Land })ilgernden Forscher darbietet, ungetrübt in uns aufnehmen. Unzutrett'end sind meine Darstellungen ■ — das darf icii be- hau])ten — sicherlich nicht, wemi auch die Auswahl dei" geschilderten Szenen subjektiv gefärbt ist. Daraus darf mir Avohl kaum ein Vorwurf gemacht werden. Die Schrecken und Schattc^nseiten des Landes sind so vielfach einseitig geschildert worden, daß es mir angebracht erscheint, mm aucli einmal die vielen Lichtseiten im ( ^larakter des Landes besonders hervorzuln'ben. Der Avissenschaftlichen W'ahi'haftigkeit ist mit diesem Hin- weis (lenüge geschehen. Die (Grundlage für diese Schilderung ist leider sehr beschränkt. Es war mir nicht vergönnt, mehr als einen I)rucliteil vom Kinge der Jahres- zeiten in Deutsch-Südwestafrika zu verleben. Meine Keisezeit fiel in den Winter, und dieser AA^inter Avar nicht normal. Die H(>genzeit des Sommers 1910/11 hatte nur so geringe Niederschläge gebracht, daß das Jahr 1911 sieh s(dir zu imserem Nachteil und dem der vSanmielausbeute zu einem ausgesprochenen Troc-kenjahr entwickelte. In manchen Distrikten war der Uegen ganz ausgeblieljen. WO wir hottten und hotten durften am Ende der kalendarischen Ivegenzeit saftig grünen (iraswuchs anzutretten, zeigte sich mis ein Bild dürrer, ausgetrockneter \\"interste])})e. Die folgende Schihb-rung könnte füglich ti-ett'end betiteh werdi'ir. ..Ein Trockenjahr- W i n t e r in I )eutsch-Südwestafrika." Es haben mir manche Kenner 'des Landi's — Xicht-Zooh;)gen — ihr Ui'fremden darüber ausges])rochen, dal-5 ich gerade die ungünstigte Jahres- zeit, in der fast das ganze Tierleben erstorljen und alles in den Winter- schlaf versenkt sei, füi- nu'ine 'l'ätigkeit ausgewälilt habe, während tioch die wärmere Ivegenzeit mit ihrer l>lütenpracht und ilirem ü))pigen Tierleben (!in(^ weit gTößere Ausbeute verspi'ochen hätte, kiiime man doch an Sommer- Keisebericlit. ',) aboudon der Insektonseliwärmc ■wegen kaum im Freien beim Lampeu-schein sitzen und brauche nur immer zuzugreifen unter den Massen, die einem ungesueht zntiiegen. Ich hatte natürlich meine besonderen Oründe für die Wahl der nur si-heinbar ungünstigen winterlichen Jahreszeit. Jeder Monat hat seine biologischen Besonderheiten. Die leichter zugänglichen Formen, die während der Sommerzeit ein so lebensreiches faunistisches Bild dar- bieten, können auch von Laien gesammelt werden und sind zum grölBteu Teil schon gesammelt worden. Während der scheinbar toten Winterzeit ist aber bisher mu- wfMiig gesammelt Avorden. Dem Fachmann, der die Tiere in ihren Sehlupfwinkeln, zumal im ^^ interquartier aufsucht, bietet die kälti're Jahreszeit manches, was er im Sommer kaum erbeuten würde. Manches Eideclislein. das bei seiner Hurtigkeit in der warmen Zeit kaum zu erhaschen ist. liegt im Winter halb er.starrt unter einem Stein oder Fels- block und kann jetzt ohn(> besondere Mühe gefangen werden. Zimial für die meisten Süßwasser- und Feuehtland-Tiere. und auf diese fahndete ich ganz besonders, ist dei' \\'inter. oder A'ielniehr die Trockenperiode die ge- eignetste Zeit. Das mag paradox klingen, ist aber leicht (Erklärlich. Diese Süßwasser- und Feuchtland-Tiere wie z. B. gewisse Schnecken und Oligo- chäten (Regenwürmer imd Verwandte; können nur dort leben, wo dauernd Wasser bezw. feuchter Boden vorhanden ist. Nun suche man aber während der Regenzeit, wenn ganze sonst dürre Distrikte überschwemmt und die später bis auf geringe Wasserlöcher wieder eintrocknenden Flußläufe in ganzer Erstreckung Wasser führen, in diesem Wasserreichtum nach den spärlichen Stellen, an denen sich das Wasser dauernd das ganze Jahr über hält. Die kleinen, weit zerstreuten Tümpel und Teiche, die in der Trockenzeit ausdauerten, und die die Kernpunkte und Reservoire der Süßwasserfauna darstellen, waren im AVinter leicht aufzutinden und boten mir tatsächlich eine Ausbeute, wie ich sie im Sommer sicherlich nicht er- langt hätte. Der AMnterfeldzug bietet eine ganz andere, nur in gewisser Hinsicht ärmere, in anderer Hinsicht dagegen wertvollere Ausbeute als ein Sommerausiiug. Ein anderes Bedenken kommt hinzu. In dem Reichtum der sommerlichen Tierwelt pllegen einzelne Ti(n'-Arten sehr zu überwiegen und in enormen Massen aufzutreten. Es ist selbst für den Fachmann, der nicht auf allen Spezialgebieten gleichmäßig genau orientiert sein kann, schwer, unter diesen Massen sogenannt(n- gemeiner Arten, die den Blick ablenken und das Auge ermüden, stets die richtige Auswahl zu treifen und die spärlich nebenher gehenden Seltenheiten zu entdecken. Im ärmeren Winter kann er dagegen fast alles mitnelmien, ohne sich mit Baiast zu be- laden. Gern hätte ich zwar neben der Winterausbeute auch eine Sommer- 20 W. Michaelsen. ausbeute mitpenommen, und zu diesem Zwecke habe ich den Beginn der kSammelperii)de vor das Ende der kab'ndarischen Kegenzeit geb'gt. Hier aber durchkreuzte höhere Gewalt, die oben erwähnte klimatologisch(» Ab- normität des Sommers 1910/11, meine Pläne. Die Regenzeit, wenn von einer solelien in diesem Sommer überhaupt geredet w^erden konnte, war vorzeitig beendet. Wenn ich trotz dieser Ungunst der äußeren Verhält- nisse mit der Ausbeute zufrieden sein darf, so verdanke ich dies vor allem der Beihilfe, die mir bei meiner Arbeit zuteil g(^worden ist. Ich darf diesen Hilfskräften, meiner Keisegenossenschaft, wohl einen besonderen Aljschnitt ,, Personalien" widmen. Ich köimte diesen Abschnitt auch ,.die K äf e r ch e n - S amml un g" überschreiben, denn das ist der scherzhafte Titel, der meiner Begleitung von humorvollen Südwestafrikanern gegeben worden ist. ]Sachdem ich bei meiner ersten Reise die Urwälder Feuerlands habe einsam durchschweifen müssen, Avar es ein hochgeschätzter (lewinn, daß sich mir bei der zweiten Forschungsreise durch Südwest-Australien ein treuer Gefährte, Herr Dr. R. Hartmeyer, anschloß. Noch besser meinte es das Schicksal mit mir bei dieser dritten Reise nach Deutsch-Südwestafrika — Kollege Hartmeyer wird mir diese Einschätzung nicht verübeln — , denn bei dieser di'itten Reise begleiteten mich drei liebenswürdige Damen, die ihre Wanderlust in den Dienst der Wiss(mschaft stellen wollten, zunächst meine Frau, den Kollegen von der Tunicaten-Forschung diu-ch die interessante Gattung Agnesia be- kannt, hervorragend im Auffinden von Minutien. dann ihre Freundin Fräulein Hedwk; Liyken aus Hamburg und deren Base, Fräulein Karla Kerlen aus Arnsberg i. Westf., beide den Minutien minder hold, aber vor- züglich begabt im Fange laufenden Kleinzeugs vmd fliegender Insekten. Dieser Begleitimg verdanke ich es, daß sich diese dritte Reise zu der an- genehmsten gestaltete. Es war ein v(»rgnüglich(,'s UmherscliAveifen, ein eifriges Suchen und Sammeln, ein interessiertes Besichtigen und Vergleichen der einzelnen Ausbeuten. Ich muß meinen Gefährtinnen das Zeugnis aus- stellen, daß ihr Eifer bis ziuu Schluß rege blieb. Es erweckte beinahe Unmut, als ich auf der Rückfahrt bei kleinen Streifzügen in ostafi'ikanischem Gebiet kund gab, daß die Damen Jetzt nicht nu'hr zu sammeln brauchten. ßeisebericlit. ] J Die Küste und das 3Ieer. In wenigen kStunden sollen wir nach langer kSeereise, die nm- durch einen kurzen Aufenthalt auf dem sonnigen Eiland (iran Canaria unterbrochen wurde, wieder festen Boden betreten, deutsch-afrikanischen Boden! Schon rasselt der Anker in die Tiefe. Swakopmund in Sicht! Aber wo V Dort im Osten liegt eine dichte Xebelbank, sonst ringsum nur dic^ unruhigen Wogen des Atlantischen Ozeans und darüber der blaue Himmel. In jener Xebelbank muß das lang ersehnte Land lif^gen, und bald enthüllt es ah-h auch unseren Blicken. Die höher steigende Sonne besiegt den Küstennebei. Zuerst einzelne, immer breiter werdende Durchblick»-, und bald darauf liegt die Küste frei vor uns. ein wunderbares sonnenbeleuchtetes, farbenprächtiges Panorama. In der jetzt kristallklaren Luft liegen die Häuser der Stadt scheinbar regellos hineingesti-eut in den blendend weißgelben Sand des tiachen, gen Osten sanft ansteigenden Landes, in der Mitte, zwischen der kleinen alten und der gToßen neuen Mole, dicht gedrängt, weiter außen aber zerstreut, wie eine bunt zusammengewürfelte schlecht zusammengehaltene Herde, kleine und größere Schu]ipen und Häuser. zierHche \'iHen. Paläste imd schlanke tiu*martige Gebilde. Den Hint(^rgTund des Panoramas bildet linkerseits der scheinbar dicht hinter der Stadt aufsteigende, tatsächlich noch viele Kilometer landeinwärts liegende vielzackige Felsenzug des Pössing. dessen beleuchtete Flächen sich in Avarmem Hellrot scharf von dem leuchten- den P)lau des Himmels abheben, wäluvnd die tiefen Schluchten und die Schattenseiten dunkel violett erscheinen. \'orn scheidet die scharfe, aber bewegliche Linie des schneeig weißen Brandungsgischtes das Land vom Wasser. Aber hiermit ist die Mannigfaltigkeit des Bildes nicht erschöpft. Währ(>nd sich das Land links so weit der Blick reicht in einförmiger (Tleich- mäßigkeit hinzieht, gewährt <'s rechterseits einen ganz anderen Anblick. Hier treten die berüchtigten Wanderdünen der Namib bis an das Meer heran und werfen durch ihr gegen das Himmelsblau scharf abstechendes Orangegelb einen neuen Farbenton in das schon farbenreiche Bild. Selbst das Grün felilt nicht ganz. Wenigstens entdeckt das mit dem Feldstecher bewaftiiete suchende Auge hier und dort zwischen d(m Häusern der Stadt frisch-gTÜne Büsche, augenscheinlich in künstlich bewässerten (4artenanlagen. Und dort, der dunkelgrüne Streif, der sieh zwischen die orangegelbe Dünen- landschaft und den weißgelben Sand des Flachlandes einschiebt, ist das nicht auch Buschwerk? Wirklich, der Feldstecher verrät auch hier im Freiland anseheinend ziemlich üppigen Buschbestand. Das ist das Swakop- 12 W. MlCHAKhSEN. Fi.U'. 1. Meeresstraiid und A\'aiiderdnnen liei S\vako])nuind. Ivivicr, so Ijclchrt uns ein (Jrtslvundi^cr, das l)('tt d(\s Swakop-Flusscs, das zwar nur scltfMi, einmal im Laufe mehrerer Jahre, Wasser zum Meere führt, al)er d(U'h sovi(^l (Jnuidwasser beliäh, dal-] sieh hiei- dauernd ein ziemlich üppiger Pllanzenwuchs halten kann. Und dieses ganze sonnige, farbensatte I>ild umfaßt das als ,,öde und trostlos" verschriene SAvakopmund. Wahrlich. es muß ein Mensch ohne Farbensinn gewesen sein, der dieses ungünstige und unzutreffende Ui'teil in die Welt gesetzt Tuid verbreitet hat. A\'ohl verliert das Vnld stellenweise viel von seinem Reize, wenn man seine Einzelheit(ni in der Nähe anschaut, wenn man in den staubigen Straßen der inneren Stadt den Ausblick auf die malerische Umrahmung verliert oder, im Schweiße seines Angesichts durch den lockeren Sand watend, den Sinn für Naturschönheiten zeitweilig einbüßt. Anderseits gewinnen viele Einzelheiten bei näherer Betrachtung. Ich denke hierbei besonders an eine Strand- Wanderung auf dem angefeuchteten festen Ebbestrande, an d(>r Meeresseit(^ die tosende, schneeig schäumende Brandung, die in r(\gel- mäßigem Pulsschlag auf die sanfte Sandbösclumg herauf rollt und, sich überstürzend, unsere Füße zu beiu'tzen sucht, an der Landseite die rein orangegelben Dünenhügel mit ihren reinen, sanft gebogenen FUichen und den scharfen, in schönem Linien geschweiften Kämmen. Ich denke aucii an das Idyll des Swakoi)-l>ivieres mit seiner Unu'alunung von üppigen, in satt(^m Dunkelgrün glänzenden r)ocksdorn('/v//cm//;-^Büschen und seinem dicjiten Besatz von fieiscliigen, h'iiclitend grün und rot gefärl)ti'n, an den Keisebericlit. 13 ( Uassclimalz iiiLscror Meeresküsten eriuneruden Mesemhvyantliernum, mit seinen Lagunen, in deren glatter Oberfläche sich eine »Schar rosaroter Flamingos spiegelt. Ich dcnike an eine Karrenlahrt dieses hübsche Swakop-Rivier anfwärts zur ,,Ei(^rfarm'' (4oanikontes, eine Fahrt, die diu'ch den Eigen- willen eines Maultieres recht scherzhafte Unterbrechungen und Verzögerungen erlitt. Und dazu das gesellige Leben im Ort! Wahrlich, ich habe ödere und lanoweiligere Orte auf d(^r AVeit kennen oeh'rnt, auch an der Südwest- er o ■ • afrikanisclu'n Küste (Wallisch-Bay fff). .Vber ich bin mit meinen Gedanken der Sehilderimg von unseren- An- kunft vorangeeilt. Noch sind wir an Bord des ,, Adolf Wo ermann". \\ o\\\ streckt 8wakopmund mit der langen neuen Mole gleichsam verlangend seinen Arm nach uns aus, aber es erreieht mis bei weitem nicht, und ein Näher- gehen ist der Llntiefen wegfni für unser Schilf gefährlich. Wir müssen uns also einem der von kleinen Schleppern gezogenen Leichter anvertrauen. Aber wie hineingelangen V \\ uehtig hebt und senkt er sich längsseits unsert-s Dampfers auf den ozeanischen A\ ogen. Das sonst übliche Einsteigen übei' das Fallreep ist ausgeschlossen. Der Leichter würde es in den ersten Minuten zermalmen. Die Woermann-Linie weiß auch hier Rat. Eine der an Land zu befördernden Damen wird höflichst aufgefordert, sich auf i'inen mit hoher l\üek<'nwand und bequemen Armli^hnen versehenen Korbstuhl zu setzen, der unten auf ein quadratisches Brettgestell aufgeschraubt ist. \ Ou den Ecken dieser Basis gehen vier feste Taue aus, die, sich oben \'er- einend, in ein langes Drahtseil auslaufen. Vier Herren stellen sich auf dii' vier Bretter der Basis, sieli an den Tauen festhaltend, vnid nun wird der ganze Apparat durch das über einen Winschenkopf laufende kSeil langsam in die Höhe gehoben. Die ^^'insehe di'eht sich rasselnd nach außen, inicl (ünige Sekunden schwebt die lebende Fracht außenbords frei in der Luft Der Fahrkorl) senkt sieh, und mit großem Geschick, unter rechtzeitiger Lockerung des Seiles, wird er auf den schwankenden Boden des Leichters niedergesetzt. Bitte aussteigen! Wohl gibt es beim Nied(n*setzen des Fahr- korbes auf den Leichter einen kleinen Stoß, und mancher der Herren hat sich auch wohl einmal an der Bordwand gescheuert, aber ein erheblicher Unfall soll bei dieser Art des Ausbootens noch nicht vorgekonnnen sein. Selbst in dunkler Nacht bei der unsicheren Beleuchtung durch einige elek- trische Lampen sahen wir eine Familie mit kleinen Kindern auf diese Weise ungo^fährdet übersetzen. Eine Mutter hätte die Kleinen nicht behutsamer und sicherer im Arm tragen können, wie der wackere Hafen-Oftizier der Woermann-Linie. Nachdem wir es einmal kennen gelernt hatten, zogen wir diese frachtmäßige B(>förderung durchaus dem Hinuntergehen über das 14 W- MiCHAKl.SEN. mehr od(>r uiindcr wackligo Fallreep vor. Etwas wcnio-er Umstände macht man mit don dunkelfarbigen Passagieren, Kru-Negcrn und Kaplan d-Kaft*ern, die in den Hafenstädti^n unseres Hchutzgebietes als Arbeiter verwendet Averden. l)i(\se werden diitzendweise in (»ines der großen Fraehtnetze ge- ))aekt, und unter Kreist'h(»n und Schreien — mehr vor A^ergnügen denn vor Angst — entleert sicli das luiten angekommene Netz seines zappelnden, kollernden und balgenden Inlialts. ]S^ur in sehr seltenen Fällen ist das Meer xov Swakopmund so ruhig, daß das Ausbooten über das Fallreep möglich ist. Selbst das Anlandsetz(»n an der Mole kann meist nur auf jene Weise alisgeführt werden. Der Ankommende lernt bei diesem Landen gleich eine recht traurige Besonderheit unseres südwestafrikanisch im Schutz- gebietes kennen. Das ist das Fehhni guter Häfen. Selbst der beste unserer Häfen, in der Tat der einzige, der di(\se Bezeichnung verdient, der Hafen von Lüderitzbucht, kann dieser Ausbootimgsmethode nicht ganz entraten. Da Dampfer mit größerem Tiefgänge nicht in das Innere des Lüderitz- buc-hter Hafens einlaufen können, müssen sie dicht hinter dem Hafen-Ein- gang zu Anker gehen, wo sie dem noch kaum verminderten Anprall der durch den Eingang hereinrollenden Wog(Mi ausgesetzt sind. In Swakopmund fanden wir freundliche Aufnahme in der ..Ritter- burg", der stattlichen, von einem wohlgepliegten Gärtchen umfaßt(>n Villa der Woermann-Linie. Hier lernten wir zum ersten Mal die berühmte afrika- nische Gastfreundschaft und in den Herren Gustav Winckeljiann, dem Generalvertreter der Woermann-Linie, iind H(»rrn Klein die liebenswürdigsten Gastfreunde kennen. Mir kam diese Gastfreundscliaft um so melir zu statten, als ieli gleich nach meiner Ankunft in Swakopmund voiu Arzt ins Bett ge- schickt wurde. Ich hatte mir an jjord des ,, Adolf Wo ermann", an dem die für deutsche Dampfer so charakteristische Keinlichkeit in einer täglichen l'nterwassersetzung des Promenadendecks zum Ausdruck kam, durch Aus- gleiten auf dem schlüpfrigen liodeii eine Sehnenzerrung am rechten Knie zugezogen, die nur durch vollständige Ruhe gründlich luid schnell geheilt werden konnte. In einem Hotel hätte icli sicher nicht di(^ freimdliche Rücksicht und gute Pflege ünden können, wie sie mir in der Ritterburg" zuteil wurde. Leider nahm die mir aufg(>zwungene zehntägige Ruhe uns einige der kostbarsten Spätsommer-Tage, die gerade für Studien im Inlande wertvoll gewesen Avären — für die Meeresforschung ist die Jahreszeit nicht von erheblichem Belang — . (Tanz verloren ist diese Zeit allerdings nicht. Wie ToRSTEXsox von der Sänfte aus seine siegreiclien Schlachten leitete, so ich von meinem Ruhelager aus die Sammelausflüge meiner Begleiterinnen. Zum Präpariersaal wurde das Lazar(»tt. Die ganze Ebbestrand-Fauna von Eeisebericht. ] 5 ►Swakopniund wurde mir zugctragon, sodai3 ich genug zu sichton und zu konservieren hatte. Swakopmund bildete das Hauptquartier für die Erforschung der marinen Küstenfauna im mitth'ren Teil Deutsch-Südwestafrikas. Außer den Strandwanderungen von Swakopmund aus gaben mir zwei Fahrten auf dem Küstendampfer „Linda Wo ermann", zu denen mich Herr Winckelmann in liebenswürdigst(^r Weise einlud, Gelegenheit, auch andere Punkte der Küste, Walfisch-Baj ixnd Sandhsch-Hafen, kennen zu lernen. Die Küste des nördlichen und mittleren Deutsch-Südwestafrikas ist zum vorwiegenden Teile eine sogenannte Ausgleichsküste. Die millionen- jährige zerstörende Wirkung der Brandung hat die meisten der ursprüng- lich h(n"vorragenden Teih^ der Küste abgetragen, die Felsen zu Blöcken. lvies(>n imd Sauden zm-malmt und mit diesem Abbau-Material die zurück- weichenden Buchten ausgefüllt oder durch Sandnehrungen abgeschlossen, bis schließlich eine einförmige, mehr oder weniger gTadlinige Sandstrand- Küste entstand. Das pflanzliche, und infolgedessen auch das tierische Leben an einem solchen Sandstrand ist sehr ärmlich. Die lockeren, von der Strömung stetig verschobenen, von den Wogen hin und her und übereinander gewalzten Sandmassen bieten den sich festsetzenden Pflanzen imd Küsten- tieren keinen genügenden Anhaltspunkt und dalnn- auch den verschiedenen kriechenden und schwimmtmden Tieren, die sich im Gewirr und Wurzel- werk von Pflanzen und zwischen festgewachsenen Tieren zu verbergen pflegen, keine Wohngelegenheit. An einigen Stellen der Küste ist es den Brandungswogen aber nocli nicht gelungen, die Felsenvorsprünge gänzlich abzutragen. Hier ragt das felsige Skelett des Landes noch fi-ei ins Meer hinaus und bietet mit seinen festen Felswänden, mit den Klüften und Höhlungen dieser Felsen und den durch Block- und Stein-Anhäufungen gebildeten Verstecken einer charakte- ristischen Tierwelt Gelegenheit zur Entfaltung. Ein solcher für den Zoologen günstiger Küstenpunkt flndet sich gleich südlich von Sw^akopmxmd, jenseits der Mündung des Swakop-Rivieres. Hier erlangte ich eine recht ansehn- liche Ausbeute. An der Unterseite d(>r Steine, in den Klüft(m und Spalten der Felsen haften zierliche Seerosen luid unfcirmliche Manteltierc» (Ascidiem, deren von einer warzigen, braimen, sohllederartigen Haut (dem Mantel) umhüUter orangegelber Weichkörper der an der alten Mole angelnden Jugend von Swakopmund als vorzüglicher, beqiu^m zu erlangender Fisch- köder dient.') An den Felsen sitzen rosarote Secqjocken und, sich fest ') Dieselbe Ascidien-Art, Pi/ura stolonifera (Heller), wird in Kapstadt und Durban lind vermutlich auch in anderen südafrikanischen .Seestädten massenhaft gesammelt, und die ]ß W. MullAELSKX. ansaugend, vcrscliicdcnc Napf- und Strand-Schncrkcn. Safrangelbe und ziegelrote Weiclisclnvännne überziehen die frei üljer Höhlungen liegende Tuterseite der Steine. Sabellen mit |nir})urrot gebändertein Kienienapparat. blutrote und orangegelbe Terebellen (beides Köhrenwüriner oder sedentäre l*olvehäten; haben ihre lederartigen oder pergamentenen Höhren in die Spalten der Felsen eingesehmi(>gt. Zahlreiehe U'ürnun-, See- und Schlangen- sterne. Sec^gurken (Holothurien) und Asseln krieehen an luid zwischen dem W'urzelwerk der Algen und Manteltiere, und in den Acpiarium-artigen Becken der ausgehöhlten Felsplatten huschen flinke Taschenkrebse, wasserhelle (larneelen und bunte Fischchen, und in den dunkelsten Höhlungen laiu'rn achtarmige Kraken auf Beute. Eine ähnliche Tierwelt, oder richtiger eine bestimmte Auswahl aus einer solchen Felsenstran d-Ti erweit, weisen alle künstlichen Ansatzgelegenheit(ni auf, wie sie sich an kultivi(>rter Küste tinden, so das Pfahlwerk d<'r Molen und die Bojen, die eine läng(Te Reihe \(tn Jahren ungestört im A\'asser gelegen haben. Herr Deti.evsen, der Kapitän der ,, Linda Woermann", war so liebenswürdig, mir mit der ^^'insche eine der großen alten Bojen der Heede von Swakopmund an Bord heljen zu lassen, eine mühselige, aber ersprießliche Arbeit. Der nu'hrere Zentimeter dicke Besatz von Alg(^n, Moostierchen, Manteltieren und Seepocken, von dem ich mit einem meißelartigen Instrument große Plaggen abheben konnte, ergal) eiiu' reiche Ausbeute an kleinen und kleinsten Tieren, die in ihm A\'ohmmg, Schutz und Nahrung fanden. Be- sonders massenhaft traten hier kleine Ziegenbock-Krebschen (Oaprelliden) auf. die ich an andern ("h-tlit-likeiten stets nin- vereinzelt fand. Pecht spärlich und nur wenig umfangreich scheinen in di(\spm Küsten- bezirk die (iründe mit feinem weichen Schlick oder Mud zu sein, wie sie sich gern in ruhigeren Ihu'hten ausbilden. Fiuen derartigen Schlickgrnnd mit recht charakteristischer, wemi auch arnuT Tierwelt bot mir die ^^ al- t'i sc h - Pa V. Durch zwei Fahi'ten auf der ,, Linda Woermann" lernte ich die l)ritische Fnclave Waltisch-Pay kemu'U. das ,,(iretna (h-een' unserer Kolonie, wo sich liebende Deutsch-Südwester ohiu' Umstände und Legiti- niati()nspa]»iere für ö sli elielic-lien k(innen, ein X'erfahren, das sehr beliebt i>t und, wie ujan mir sagte, die hauptsächlichste Kimiahineipu'lle dieser kapläiulisclicn Kolonie liihlen soll. Der ca, 40 km weite Pitt Non Swa- kopnnuid nacli W'alHsch-Pay auf deuj festen Sande des Kljbestrandes — während der Fintzeit ist diesei- Strandweg unpassici'bar, weil das Meer dann an manchen Stellen bis an den Kuß der bobeii Hünen herantritt rosenkranzförniig- iiuf Bindfäden .■uito<>z(i;;x'neii Weichkörper dieser Tiere bilden liier eine sei cliavakteristisclie Ausriistunu' der /.um fang- ausziehenden t'iseher. Reisebericht. \ 7 — Ist allerdings ein recht zweifelhaftes Vergiaügen, und als Ausflugsort für Hochzeitsreisende will mir Walfisch-Bay auch nicht recht gefallen. Ich kenne an der ganzen Küste kein öderes Nest. Die Dünen, die bei Swakopmund das Landschaftsbild so interessant gestalten, treten hier weit zurück, landwärts nur niedrige, einförmige Sandwüste, auf der man schutz- los dem Sandgebläse, das der scharfe Südwestwind über die kahle Fläche hinfegt, ausgesetzt ist, auf diesen Sand aufgesetzt vier oder fünf graue Häuser, ein Landschaftsbild, (irau in Grau, in das nur Himmel und Meer manchmal einen leuchtenderen Farbenton einfügen. In dem durch eine lange niedrige Sandnehrung abgeschlossenen Hafen von Wallisch-Bay führte ich verschiedene Dredgezüge aus, die eine zwar arme, aber sehr interessante Sehlickfauna ergaben. Besonders interessant war der Fund eines ungemein charakteristischen Mud-Tieres, einer kleinen kugeligen, glashellen Ascidie mit langem, feinem und dichtem Bart-Anhang zur Verankerung im weichen Schlick. Ich nannte sie zu Ehren der Reederei, als deren (last ich diese Fahrten machte, Kiigyra Woermanui. Diese ruhigen Buchten mit Schlick- und SandgTund sind der bevor- zugte Laichplatz für vieh^ Art(Mi von Seetischen. Herr Wixckelmann ließ durch die Bootsmannschaft unter Vorspann einiger zwanzig Kru-Neger vom Strande aus einige Fischzüge mit dem Zugnetz (A^'ade) ausführen. Über- raschend reich war die Ausbeute. Fast hundert zappelnde und um sich sclilagende Fische brachte jeder Fischzug an den Strand, verschiedene Arten kleiner Haitische, Seekatzen (Callorhynchus), Kochen, Rüsselrochen oder Sandkruiper ( Rhinohates) , Panzerwelse (Arms), Knurrhähne (Trigla), Meeräschen (Mugil) und als (^delste der Edeliische auch zwei Zungen, von denen ich allerdings nur die kleinere für meine Sammhuig reservieren durfte, denn — ich sah es an den ängstlich gespannten Blicken meiner Freunde — um das prächtige, fleischige größere Exemplar wäre es doch zu schade gewesen. Schweren Herzens habe ich sie unserem SchiÖskoch zur spezielleren Behandlung überlassen. Es liel übrigens auch für die Kru- Jungs, die ihrerseits ganz besondere, von uns Europäern mißachtete Lieb- linge unter den verschiedenen Fisch-Arten hatten, eine reiche Mahlzeit ab, und an ihrem Eifer bei der Hantierung des Netzes, sowi(^ ihrem frölilichen (xejohle ließ sich erkennen, daß sie von dieser Beute ebenso befriedigt waren wie der Schiffskoch und ich. Bei der Nahrimgsarmut der pflanzen- losen und tierarmen Schlick- und Sandgründo muß dieser enorme Fisch- reichtum auffallen. Die Fische kommen zweifellos wenigstens zum gTößten Teil nur zeitweilig, zum laichen, in diese seichteren Küstengewässer. Ihre eigentHche Heimat ist die offene See. Dieser Fischreichtum ist übrigens 2 Michaelsen, DeutsGli-Südwestalrika. Ig W. MiCHAELSKN. tür dab< ganze Uebiet des an der Küste kSüdwestafrikas von Süden her entlang" streichenden kalten Benguela-Stromes charakteristisch. Er beruht auf" dem Reichtum dieses Strömungsgebietes an frei schwimmender Ur- nahrung, dem Plankton, und bildet seinerseits die Grundlage für die üppige Entfaltung eines anderen, höheren Tierlebens an dieser Küste, für den Reichtum an Fischfressern, nämlich an Robben und vielen Heevögeln, w'w Kormoranen, Tölpeln, Seeschwalben und hauptsächlich an Pmguinen, die in Scharen von Tausenden auf kleinen der Küste vorgelagerten Insehi nisten, imd von denen weiter miten noch die Rede sein wird. Eine der beiden Fahrten nach Walfisch-Bay wiu-de noch etwas Aveiter südwärts ausgedelnit, bis nach San dfis eli-Haf en, einer Bucht derselben Art Avie Walfisch-Bay, aber bedeutend kleiner, und daher noch mehr als jene der Veränderung durch Sand-Verschiebimgen ausgesetzt. Vor Jahren hatte sich hier eine Gesellschaft zur Ausbeutung des Fischreichtums nieder- gelassen und eine Konservenfabrik gegründet. Das Unternehmen schlug jedoch fehl. Wir sahen das jetzt verödete Gebäude der Konservenfabrik noch am Ufer des Sandfisch-Hafens steh(ni. Leid(>r konnten wir auch mit Booten nicht in den Sandfisch-Hafen einlaufen. Eine ununterbrochene Linie weiß-schäumender Brandung zog sich von der Nehrung bis zur Fest- landsküste hin, nh-gends eine noch so kleine Lücke; Sandfisch-Hafen war geschlossen, wenn nicht durch vollständiges Auswachsen der Nehrung, so doch durch eine Barre, hoch genug, um eine Brandungswelle zu erzeugen und die Zufahrt ganz unmöglich zu machen, ein weiteres anschauliches Beispiel für die V^eränderlichkeit dieser Küste und für die Ungunst der Lan dungs v erhältniss e . Für das Studium des südlicheren Küstendistriktes bildete Lüde ritz- bucht unser Hauptquartier. Auch hier fanden wir wieder gastliche Auf- nahme im Hause der Woermann-Linie, und auch hier verschaffte uns d(>r Vertreter der Woermann-Linie, Herr Heydemann, reiche Gelegenheit zu kleineren Seefahrten. Mit der Dampfbarkasse führte er uns zu der Pinguin-Insel, wahrscheinlich so genannt, weil dort keine Pinguine nisten, ferner nach dem von einer furchtbaren Brandung umtosten Diaz- Felsen, dem äußersten Vorsprung des felsigen, die Lüderitzbucht im Süden abschließenden Höhenzuges, bei dem vor Jahrhunderten der erste Europäer, der Portugiese Diaz, mit seinen Scharen dieses damals ganz un- Avirthche Land betrat und als Denkmal seiner Landung ein großes eisernes Kreuz aufrichtete. Dieses Kreuz, jetzt durch ein hiilzernes ersetzt, ist leider 1864 von Engländern nach Kapstadt entführt worden, wo es nun im South African Museum zwischen grauenhaft ausgestojjften Lfiwcn und Hyänen K'cisebericlit. 19 Fio'. '2. Pinoiiin-Kolonieu auf der Halifax-Insel. und anderen Kuriositäten trauernd seiner stnrimnupeitsehten Heimat mit dem weiten Ausblick auf die stahlblaue wogende 8(M' gedenkt. Und weiter hinaus führte uns Herr Heydemann, nach der von den Engländern in Besitz genommenen Guano-Insel Halifax, der Insel der Pinguine. Zu Tausenden und aber Tausenden nisten hier diese nützlichen Tiere, durch einen breiten Meeresarm vor den eier- und brutraubenden Schakalen geschützt, nicht gestört durch die kleine Schar der hier mit ihnen hausenden Menschen, die ihnen nur das nehmen, was sie nicht mehr brauchen, und zugleich für die Reinhaltung ihrer Nistplätze sorgen. Diese Pinguine sind eine gar possierliche Clesellschaft, im Wasser flink und gewandt, auf dem Lande langsam und unbeholfen. Sie scheuen den Menschen diu'chaus nicht, imd haben auch keinen Grund dazu: denn sie stehen unter besonderem Schutz der kapländischen Regierung", dürfen nicht geschossen und nicht ihrer Eier und Brut beraubt werden. Zumal die brütenden Tiere erheben sich auch bei nächster Annäherung des Menschen nicht vom Gelege. Einzelne Tiere scheinen etwas weniger phlegmatisch zu sein; sie fauchen und knurren bei unserer Annäherung und hacken auch wohl mit dem Schnabel nach unseren Füßen. Ungemein komiseh sah zumal ein anscheinend allein stehender älterer Herr aus, als er sich knurrend und schnarrend vom Xest erhob, offenbar mehr über unsere Neugier geärgert als ernstlich beunruhigt, dann sein Bettzeug — wollte sagen die zwei oder drei Fetzen Seetang, mit denen ov sein Nest ausgepolstert hatte, in den Schnabel nahm und auszog. 20 '^^'- Michaelsex. lim sieh eine andere Nisthöhle zu suchen. Ab und zu Avarf er nocli ärgerliche Blicke zurück auf die widerwärtige Menschen-Gesellschaft, die ihn in seinem Nachmittagssehläfchen gestört liatte. 80 watschelte er dahin — hopsa, alter Herr, stolpern Sie niclit! Sie treten ja immer auf" den See- tang-Lappen. Nehmen Sie den Lappen doch etwas kürzer in den Schnabel! I>('i diesen Dampfer-Fahrten konnten auch ergiebige Dredgezüge in tlcn äußeren wie inneren T(>ilen des Hafens ausgeführt werden, die eine interessante Schlickfaima, unter anderen zahlreiche Exemplare ein(^r kleinen Seefeder (Pennatulide ) ergaben. Zur Erforschvnig der Küstenfauna wurden von Lüderitzbucht aus Strandwanderungen unternommen, südwärts nach dem Schlickstrand der Redford-Bucht und dem Lüderitzhafen, dem beliebtesten Aufenthaltsort der nach Schlammwürmern und -Muscheln suchenden Flamingos, nach Norden in den Bereich des Nautilus-Berges, wo die Küste abwechselnd Sand- und Felsenstrand darbot. Die günstigsten Bedingungen für die Entfaltung einer Felsenstrand-Fauna bot aber die Haifisch-Insel, jene kleine unmittelbar vor Lüderitzbucht an der Westseite des inneren Hafens gelegene, durch eine Brücke mit dem Festlande verbundene Quarantäne-Insel, in deren z(>rklüfteten Felsen die schönsten Natur-Aquarien mit einer mannigfaltigen, bunten Tierwelt zu finden sind. Eine ganz besondere Facies zeigte die Küste des Außenhafens eb<'n südlich von der ob mit ganz glatten, schlüfrigen Wänden in den tonartig festen Sehlamm gegraben hatten. Eine ganz besondere und verhältnismäßig reiche Tierwelt lebte in einer bei Lüderitzbucht recht gut ausgebildeten biologischen Orthehkeit, nämlich in dein Detrituswall des höchsten Flutstrandes, in und unter den von den Uraiidungswellen an Lantl ges])ülten l'angmassen. Außer ver- schiedenen kleinen tyi)ischen Meer(>sstrands-\\'iii'mern (Encliyträiden und Reisebericht. 21 marinon Tubiüciden), Flohkrobson (Gamiiiaridon) und Meer-Asseln (Öphae- romiden) fanden sich hier verschiedene eigentümliche Land- Asseln (Oniscoiden), also Verwandte uns(nvr Kellerasseln. Diese Tiere von Lüderitzbuclit dürfen eigentlich nicht mehr als Land-Asseln bezeichnet wt^rden, denn sie haben sich ganz dem Leben am Meeresstrande angepaßt. Es ist eine auffallend große Tylos-Avt, eine mit sondin-barem Stachelapparat ausgerüstete Deto-Xvt (oder einige solche?) und eine der flink hin huschenden Ligia-Arten. Diese Lebensgemeinschaft ist bei Lüderitzbucht viel reicher und mannigfaltiger ausgebildet als im Bereich von Swakopmund und Walfisch-liay, wo ja die Armut der Sandgründe an Wasserpflanzen für die Bildung eines dauernden und zusammenhängenden Detrituswalles am Strande nicht ausreicht. Wenn ich. die obigen Einzelschilderungen zusammenfassend, mein Urteil über die Meercstierwelt der Küste von Deutsch-Südwestafrika ab- geben soU, so muß ich zunächst feststellen, daß diese Tierwelt im vor- legend felsigen Bereich von Lüderitzbucht viel reicher und mannigfaltiger ist als im vorwiegend sandigen Bezirk von Swakopmund und Waliisch-Bay, daß also die Ti(^rarmut des letzteren Bezirkes zweifellos vorwiegend auf dem Mangel an günstigen Ansatz- und Wohngelegenheiten beruht, nicht auf Verhältnissen der Temperatur des Meerwassers und des Reichtums an Lr- nahrung (Plankton) in der oftenen See vor diesen Küst(uidistrikten. Für einen bedeutsamen Unterschied in den letzteren Verhältnissen, dii^ im Be- reich des ganzen B e n g u e 1 a - S t r o m (^ s annähernd gleich sind, liegen jene verschiedenen Disti-ikte (ünander zu nahe, und der Fischreichtum auch in jenen Distrikten mit vorwiegendem Sandsti'and zeigt geradezu, daß die Charaktere der off(men See vor beiden Küstendistrikten di(^ gleichen sind. Im ganzen mag der faunistische Reichtum der deutsch-südwestafrikanischen Küsten etwa dem der Nordsee einschließhch der schottischen und west- norwegischen Küste entsprechen. Ihri^m Charakter nach scheint sieh dies(> marine Tierwelt unserer Kolonie, soweit ich es beurteilen kann, an di(> Tierwelt des ka])ländischen Meeres eng anzuschließen, erreicht jedoch bei weitem nicht deren Reichtum, zu dem ja viele aus dem warmen Indischen Ozean mit der Agulhas-Strömung vordringende Warmwasser-Formen bei- tragen. Die Küsteng(nvässer unseres südwestafrikanischen Schutzgebietes beherbergen dagegen augenscheinlich eine fast reine und daher ärmere Kaltwasser-TierAvelt. Eine genauere und sicherere F<\ststeUung dieser fau- nistischen Verhältnisse nmß aber bis zur Erledigung der mssenschafthchen Bearbeitung des gesammelten Materials dahinot 'stellt bleiben. '2-2 AV. MUHAELISKN. Fipj. 3. »Sandige .'^trei-ke der .Nniiiili lu'i Koliiianiislr einmal einem Sandsturm hat Stand halten müssen. Wie ein Sandgebläse wirkt er und spielt sicher- lich eine Hauptrolle bei der Ausziselierung der charakteristischen Ober- llächenformen und bei der Zerstörung der Felsen und Gebirge der Namib. Gleich in der Nähe von Lüderitzbucht. etwas nördlich von der Stadt nahe der Küste, hat man Gelegenheit, an den zu Tage tretenden Felsen die Wirkung dieses Sandgebläses zu studieren. Es hat hier die frei aufragen- den Felsen zu den eigentümlichsten Gestalten ausmodelliert, die Aveicheren Teile und Schichten weggeätzt, und dadurch Höhlungen und Kannelierungen gebildet, die von den wid(»rstandsfähigeren härteren Teilen gesimsartig über- ragt oder in Gestalt von Säulen und häufig von sonderbaren, Tier- und Menschengestalten nachahmenden Formen ausgeschmückt sind. Für mich als TiergeogTaphen war natürlich die Namib, in der oin für die Verbreitung der Tierwelt im subtropischen Südafrika so bedeutsamer landschaftlicher und biologischer ( *harakter das Maximum seiner Ausprägung tind<'t, von besonderem Interesse, und zumal eine Vergleichung der Namib mit ihrer nördlichen Schwester, der Sahara, die ich im Winter 1895/9() bei kleinen Streifzügen von Kairo. Luxor inid Assuan aus auch durch persönliche Anschauung kennen lernen konnte. In ihren landschaftlichen. Avie auch in ihren faunistischcn und tloristischen Verhältnissen unterscheidet sicli die Namib fundamental A'on di(»ser nordafrikanischen Wüste. Die Namib ist viel mehr Wüste als die Sahara. In der Namib lindim sich tatsächlich weite Strecken, in denen man vergeblich nach phanerogamen Pflanzen sucht. 24 ^^ • Michaelsex. Zumal etwas landeinwärts von dem sclmialen Küstenstreifen, der noch unter dem Einfluß der Küstennebel steht, liegen derartige ganz kalile Distrikte, so z. B. bei Kolmannskuppe, der berühmten Diamant -Fundstätte. Hand in Hand mit dieser floristischen Armut geht natürlich auch eine faunistische Armut. Hinter dieser wüstesten Wüste beginnt die charakteristische Wüsten- vegetation, im allgemeinen nach 'Osten mehr und mehr zunelunend, ent- sprechend der Annäherung an die östliche Quelle der Niederschläge und entsprechend der Hebung des Landes, die eine Ausscheidung des geringen Wassergehalts der Luft ermöglicht. Sowohl in der Fauna wde in der Flora zeigt die Namib besonders auö'allende Erseheinungen. In der Tierwelt ist vor allem der sonderbare Sandwatgecko, Palmatogecko Rangei, aufi^allend, tnn (lecko mit Watfüßen, mit denen er nun aber nicht im Wasser watet, sondern im lockeren Sande. Unt(n- den Pflanzen ist als eigentümlichste Form di(^ Welwitschia mirahillü zu nennen. Li der A'egetation der Namib sind ferner auch Pflanzen mit fleischigen Stämmen, sogenannte Stammsukkulenten, bemerkenswert, wie die Milchbusch-Euphorbie, die einem ganzen Distrikt ihren Charakter aufdrückt, [n der Sahara sucht man vergebens nach solchen Eigentümlichkeiten, und vor allem charakteristisch ist für diese nordafrikanische Wüste das Fehlen typischer Stammsukkulenten. Die Anpassung der Flora an die Wasserarmut des Bodens und der Luft besclu'änkt sich hier auf die übrigen Einrichtungen zur Aufsaugung des geringsten Wassergehalts und seiner Aufstauung in den Pflanzen. Wie der Botaniker Fitting in einem Vortrag über ,,Die Wasser- versorgung der Wüstenpflanzen" ') ausführte, spielt unter diesen Anpassungs- einrichtungen der Sahara-Pflanzen eine dem osmotischen Druck der Zellen entsprechende ungewöhnliche starke Saugkraft d(^r Wurzeln eine Hauptrolle. Die Ursache dieser besonderen Vegetationscharaktere der Sahara, besonders des Fehlens der Stammsukkulenten, sucht Fittixc; in besonderen Lebens- verhältnissen, in noch fragliehen physikalischen und chemischen Besonder- heiten des Bodens, meint dagegen die Annahme historischer Ursachen ab- lehnen zu sollen. Ich kann mich hierin meinem botanischen Kollegen nicht anschließen. Wir dürfen wohl annehmen, daß in solch weiten und phvsio- graphisch so mannigfaltig ausg(>bildeten Gebieten wi(> die Sahara und die Namib jede besondere Veranlagung der Wüstenpflanzen wenigstens in kleinen Strecken ihr Auskommen fände. Meine tiergeogTaphischen Studien haben mich, im Gegensatz zu Fitting, dahin geführt, für die Unterschiede zwischen Namib und Sahara eine rein historische Ursache anzunehmen, und ich ') Gehalten zu Hamburg am 10. Jan. I!)i;), kurzer Bericht in: Verh. iiaturw. Ver. Hambiirg, CS) XX, p. XXXVII. Reisebericht. 25 glaiibe, daß sich auch die Horistischen Unterschiede in gleicher Weise er- klären lassen. Ich sehe die Ursache für die Verschiedenheit in den Lebens- formen der Xamib und der Sahara in dem verschiedenen geologischen Alter dieser beiden Wüsten. Die Namib ist eine geborene Wüste. Südafrika ist ein geologisch sehr alter, und in langen geologischen Perioden nur wenig veränderter Klotz. So lange er, annähernd so wie jetzt, in das südliche Meer vorragte, muß er einen Teil der Westwind- Trift abgefangen und als Kaltwasserströmung an seiner We.stkü.'s läßt sich nachweisen, daß si(> diese Grenzfunktionen nicht lediglich als Wüste, sondern für lange geologische Perioden als Meer ausgeübt hat. Die Sahara ist als Wüste zweifellos viel jünger als die Namib. Der größte Teil des Gebietes der jetzigen Sahara war noch vom Meere überspült zu einc^r Zeit, als Süd- afrika schon lange seine jetzige Gestalt annähernd gewonnen hatte, und es ist fraglich, ob das Gebiet der Sahara, als (>s landfest wurde, sofort als Wüste in die Erscheinung trat. Manche Tatsachen weisen darauf hin, daß dieses Gebiet noch in jüngerer geologischer Periode ein günstigeres, feuchteres Klima besaß als zur Jetztzeit. Aus ihrer relativen geolo- gisclien Jugendlichkeit erkläre ich die Eigenart ihrer faunistisehen und floristischen Verhältnisse und damit den Unterschied dieser Ver- hältnisse von denen der geologiscli alten Namib. Die Lebensformen der Sahara hatten nach dieser, meiner Anschauung noch gar keine Zeit, sich in solch tiefgründiger Weise dem Wüstenleben anzupassen, wie die oben erAvähnten Kinder der Namib. Es kann wohl kaum einem Zweifel unterHegeii. daß die Pflanzen der Sahara ganz leiclite und demgemäß in kürzerer Zeit zu erAverbt'nde Anpassungen aufweisen. Plattsukkulenten zum PK'is[)iel kommen doch auch in anderen klimatischen Bezirken vor. Zumal der MiM-resstrand ist reich an derartigen und anderen hüchteren Anpassungen. Aiu-h die von Frrrixc; erörterte, in der Sahara vorherrscliende Kategorie der \\'üst<'nan))assungen, die Steigerung der osmotisclu'U Zugkraft, kann ich nur als buchte Anpassung ansehen: handelt es sich doch um eine Eigen- schaft, die nachgewiesenermaßen innerhalb einer und derselben Art großen Schwankungen unterworfen, also varial)el und leicht steigerungsfähig ist. Auch für diese Kategorie von \\'üstenpflanzen mag der Meeresstrand Material liefern: deini auch der Salzgehalt des Meeresstrandes bildet bei sein<'n Pflanzen die gleichen stark hygrosko])ischen Fähigkeiten aus, wie sie \(»n i*flanzen des fast trockenen Wüstenbodens verlangt werden. Dort ist die starke Hygroskopie des Salzgehaltes im Boden zu ülx'rwiiiden, hiei- die starke Adhäsion der äußerst dünnen \\'asserscliichten an den einzelnen Kiirnern des anscheinend staubtrockiien Pxxlens. Ks kann einer jungen ^^'üsre iiichl schwer fallen, in kurzer Zeit eine Heiseliericilt. 27 rciclic Flora derartiger Mooresstrands-Anpassungcn zu sich hcranzuziohon. Es drängte sich mh- die Frage auf, ob nicht überhaupt der Meeresstrand als Ausgangspunkt für die Besiedelung einer jungen Wüste eine wesentliche Ivolh^ spi(>le. Die Beantwortung dieser Frage muß ich aber den Botanikern überlassen, falls sie sie überhaupt für diskutierbar halten. Selbst dem Laien auffallend ist jedenfalls eine gewisse Habitus-Ähnlichkeit zwischen MeeresstrandspflanzfMi und gewissen Wüstenpflanzen. In den meisten Schilderungen und Reiseberichten von Deutsch-Süd- westafrika findet man die Xamib als entsetzlich öde und langweilig ver- schrien. So mag sie auch dem erscheinen, dem sie sich lediglich als Hindernis auf dem ^^^'ge nach dem ersehnten fruchtbareren Buschwaldlande des Innern entgegenstellt, dem, der sie in mühseliger mehrwöchentlicher Wanderung mit dem Ochsenwagen zu durchqueren hat und all ihre Ge- fahren und Strapazen. Sand und Sandsturm, Sonnenbrand, Nachtfrost und Wassermangel, durchkosten muß. In rein landschaftlicher Hinsicht kann dieses Urteil keine Allgemeingültigkeit beanspruchen. Ich meinerseits kenne keine Landschaft, deren Eigenart mich so gepackt hätte, wie diese Wüste. Nicht öde ist sie, wohl starr: aber gigantisch in ihrer Starrheit. Doch dem einsam Wandernden enthüllt sie ihr Sphinxgesicht: Der Morgen des di'itten Schöpfimgstages, b<'Vor (j^ras und allerlei Kräuter dem Boden entsprossen. So mag es auf der Erde ausgesehen haben, bevor zum ersten ^lal Lebewesen dem Frmeere entstiegen und sich an ein Landleben ge- w(ilinten. Nicht langweilig wirkt das Fehlen einer frisch-grünen \'eg(>tation. Es wird voll aufgewogen durch die satte Farbensymphonie der nackten F<4sen und Sande. Vom hellsten (irau bis zum intensiven Braunrot und tiefen Schwarz, so die Felsen und Klippen, dazwischen die blendend weißen bis fahlgelben, sich weit hinzi<'henden Sand- und Kiesfelder und auf ihnen die glatten Dünen njit den schönen Linien ihrer scharf geschnittenen, grazil geschwungenen Kämme, deren Avarmes, reines Orangegelb sich von dem Dunkelblau des Himmels in schönem Kontra.st abhebt. Ich hatte hier stets das Gefühl, als passe ein grüner Strauch oder ein bewaldeter Abhang gar nicht in dieses Landschaftsbild hinein: wenigstens entbehrt man das Grün hier nicht. Erst wenn man aus diesem Wüstenbezirk wieder in Gebiete mit üppigerem Pflanzenwuchs zurückkehrt, koumit einem auch jener Mangel an gTÜnbelaubter Vegetation zum Bew^ißtsein. Ich erinnere mich noch, mit weh'hem Staunen wir Ijei der Fahrt von Lüderitzbucht landeinwärts das erste Grün in den Schluchten des (iebirges vor Aus betrachteten, und es waren doch nur einige spärliche Hackesdornbüsche. Geradcjzu über- wältigend aber wirkt das smaragdene Kleid, in das die liebliche Kapstadt 2y W. Michaelsen. (üngoliüllt ist, wenn man nach längerem Aufenthalt in Lüderitzbueht dort- liin kommt. Wir aber wollen zunächst noch in Deutsch-Südwestafrika bleiben und nun weiter ostwärts schreiten, dem Savannenlande des Innern zu. Das Buscliwald-Gebiet des Innern. Langsam ansteigend, trägt der Eisenbahnzug uns von SAvakopmund durch die Namib, leider nicht auf dem interessanten, ab(U' als Bahnlinie ungünstigeren alten Weg am Swakop entlang über Jakalswater nach Karibib, sondern auf dem alle romantischen g(^bii'gigen Partien vermeidenden Höhen- weg nördlich vom Khan-Kivier nach Usakos. Zunächst öde, in weiten Strecken ganz pHanzenlose Sand- und Klippenwüste, deren Einförmigkeit nur durch einzelne in weiter, weiter Ferne am Horizont auftauchende Berg- kämme gemildert, sowie manchmal durch ein kleines Stationsgebäude ge- stört wird. Diese Stationsgebäude wollen so gar nicht in das Landschafts- bild hineinpassen ; sie sehen so puppenhaft, so hineingesetzt aus, um so mehr, als auch ihre ,,Gärtchen" mit den Rabatten aus zahlreichen in den Sand eingebohrten Flaschen und mit den 6, 8 oder 10 in peinlicher Symmetrie angepflanzten glatt- und weißstämmigen Aloen, die g(u-adezu einer Nürn- berger Spielzeugschachtel entnommen zu sein sclunnen, so sehr an di(^ spielerischen Produkte aus Kinderhand erinnern. Einen weit natürlicheren Eindruck machen die in einiger Entfernung vom Stationsgebäude stehenden kupp eiförmigen Eingeborenen-Hütten, die wie Gruppen gToß(»r Termiten- hügel aussehen. Nur kurze Rast ist uns an diesen Stationen g(»gönnt, und weiter geht der Zug, langsam genug, um uns die Möglichkeit zu geben, interessante Einzellieiten der vorbeiziehenden Landschaft während dru- Fahrt zu erkennen: Da sehen wir weite Felder, auf denen zahh-eich zerstrn, an anderen Stellen Gruppen der fast kugeligen, graugi-üncm, leider ungenießbaren Früchte ein(>r Wassermelonen-Art, die Ix'inahe wie Gelege von Emu-Ei<'rn aussehen, und bald auch die sonderbaren, für die Namib charakteristiscluMi Milch- büsche, fast halbkugelige, besenartig stru])pige und anscheinend blattlose Stengelsträuclier einer Wolfsmilch-Art, umgaukelt von lünzelnen kleinen weißen Schmetterlingen, den einzigi'u vom Eisenbahnzug aus erkennbaren Vertretern des Tierlebens der Namib. Langsam ändert sich jetzt der Charakter der Landschafl und der Vegetation. Wir nähern uns Usakos. Die Berge, zumal südlich das Khan- Reisebericht. 29 (Tebirgo. das der alten Staatsbahn Swakopmimd — Karibib so violo Sclnvicrig- koiton bot. rücken näher heran. Spärliche Büschel trocknen Grases und kleine krüppelige Dornsträucher, die gegen die Wüste vorgeschobenen Aus- läufer der Buschwald- Vegetation des Hochlandes, die im eigentlichen Gebiet der Namib ganz auf die schmalen Gräben der Eiviere beschränkt waren, treten hier aul" flachem Bodc^n auf und deuten darauf hin. daß wir uns der Dornbusch-Landschaft des Innern nähern: aber erst dicht vor Usakos ge- winnt diese Buschwald- Vegetation die Vorherrschaft. Die Dornsträucher werden ansehnlicher, und zwischen ihnen dichtet sich der Graswuchs zur Steppe. Ein breites grünes Band durchzieht südlich von der Bahnstrecke die Landschaft. Beim Näherkommen sehen wir. daß es von großen, üppig belaubten Bäumen von häutig eichenartigem Wuchs, von Akazien, gebildet wird, und dort, mitten in diesem grünen Buschwaldstreifen, dem Khan- Kinder, erblicken wir einige wenigstens in der Fernsicht schmuck aussehende niedrige Häuser, eine kleine Farm. Auch der Himmel hat sein Aussehen geändert. Das reine Blau des Wüstenhimmels hat sich allmählich ver- schleiert, und vor Usakos hat sich dieser Schleier zu dichten Wolken zu- sammengeballt, aus denen strichweise ein kräftiger Eegen herunterfällt, der letzte Segen der spärlichen diesjährigen Regenzeit, dir» hiermit Abschied nimmt, leider \'iel zu früh für den Farmer imd für uns. Es war ein würdiger Abschied, verschönt durch einen Sonnenunter- gang, wie ihn nur die Regenzeit so großartig hervorzubringen vermag. Xiemals vorher, und auch nachher nicht, haben Avir eine derartige Farben- pracht des Abendhimmels und der abendlichen Landschaft erlebt, vne sie sich uns bei dem Sonnenuntergang des 20. April von dem freien Platz in Usakos mit seinem schönen Rundblick darbot. In allen Farbentönen vom Erdbeer-Rot bis zum intensiven Violett leuchteten die AVolken: goldglühende Feuergarben schoß im Westen die hinter einem blendend goldig umsäumten Wolkenrande stehende Sonne strahlenförmig zum Horizont hernieder, und de^r freie Himmel an der Ostseite glühte in einer Farbe, wie wenn ein helles Licht durch klaren Tokaier hindurchscheint. Und nun der Wieder- schein dieser himmlischen Farbenpracht auf den Bergen, die Usakos wie in einen Kessel einschließen. Hier vermählte sich das helle Rot des Ge- .steins mit dem farbigen Licht, das der Himmel ausstrahlte, zu feenhaften Farbenmrkungen, welche durch das tief dunkle Violett der Schatten in Schrunden und Tiefen noch stärker hervorgehoben Aniirden und nur mit einem Alpenglühen verglichen werden konnten. Alles, auch der Platz, auf dem mr standen, mit den hell getünchten Häusern, und auch wir selbst waren wie gebadet in farbigem Licht, nirgends ein farbloses oder mißfarbenes 30 W. Ml( IIAK1..SKN. Fig. 4. Die Onianiru-Kiipjie (während des Krieges Signalstation); im ^'ordergrnnde Soldaten - Gräber. Fleckchen. — Audi während der winterlichen Trockenzeit haben wir ol't schöne und prächtig»' Dämmerungserscheinungen in Deutsch-Südwestafrika beobachtet. Keine aber erreichte die Pracht dieses Sonnenunterganges am Ende der Regenzeit. Bemerkenswert erschien mir auch die für den Breitengrad fUsakos liegt noch etwas nördlich vom iJ'i" südl. Breite) auf- fallend lange Dauer dieses Phänomens, das schon einsetzte, als die Sonne noch am Himmel stand, wenn auch schon nahe dem Horizont. Aber auch bei nüchterner Tagesbeleuchtung hat die Landschaft des südwestafrikanischen Hochlandes ihre Reize, selbst während der winterlichen Trockenzeit, und nur von dieser kann ich reden. Der (Jharakter der Landschaft ist aber in den verschiedenen Regionen unseres Schutzgebietes nicht ganz gleichartig. In der mittleren Region, die wir in der Linie von Usakos über Karibib lind ( )kahandja nach Windhuk. imd w(>iter östlich bis ins (liebiet des Weißen Nosob (Otjituezuj kennen lernten, zeigen di(» aus Urgestein, Granit und Gneis, bestehenden Gebirge meist sehr schroffe Formen mit zum Teil steil aufgerichteter Schichtung, und dabei die charakteristischen Erosions- formen dieser Gesteine, beim Granit vorwiegend abgerundete, wollsackartige, beim Gneis mehr scharfkantige Blöcke. Die Verwitterungsprodukte der Gebirgsmassen sind, der eigenartigen klimatischen Natur des Landes (ent- sprechend, nicht weit fortgeschwemmt, sondern bedecken als Schottermassen Reisebericht. 31 Fig. .). Das Osona-WJildchen bei Okahandja. die Haelicn Partien zwischen den Gebirgon und Bergen und umhüllen den Fuß derselben. Vielfach erheben sich daher kleinere Berge — tatsächlich nur die Gipfelpartien von J^ergen odc^r Gebirgen, deren untere Partien von den Schottermassen bedeckt sind — ganz imvermittelt aus der Ebene und gewäliren die schön.sten Fern- und Pundblicke, me die Omaruru-Kuppe, der Kaiser Wilhelm-Berg bei Okahandja und andere, die daher auch während des Krieges als Signalstationen eine bedeutende Rolle spielt(>n. Diese Kuppen laden geradezu zur Besteigamg ein, und es galt uns fast als Pflicht, bei jeder unserer Stationen zunächst von dem Gipfel einer nahe gelegenen Kuppe aus unser neues Jagdrevier zu rekognoszieren. Weit hin dehnt sich z^\ischen diesen Bergen vmd GebirgfMi die mit goldgelbem oder silberglänzendem Grase bedeckte Ebene, die nur ausnahmsweise von reiner (Trassteppe eingenommen wii'd, meist aber einen mehr oder weniger dichten Dornbusch-Bewuchs aufweist, und zwar vorwiegend von Akazien, einzelnen zerstreuten Sträuchern oder größeren Bäumen von der Stattlichkeit unserer europäischen Waldbäume. An manchen Stellen rücken diese Bäume so eng aneinander, daß sich ihre Kronen zusammenscliließen imd ein echter ^^'ald (mtsteht, so das berühmte Osona-Wäldchen bei Okahandja. Als schönster Baum der mittleren Region ist wohl der besonders in der Nähe von Rivieren (über Grundwasser) manchmal in dichten Beständen auftretende Anabaum (Acacia albida) zu bezeichnen, der uns durch seinen prächtigen Wuchs und durch den Lindenblüten-Duft seiner gelblichen Kätzchen, die 32 W. Michaelsen. Fi»-. 6. Alof rubrolutea bei Wiiulliuk. wir in winterlicher Zoit (Ende Mai) bei ( )kaliandia in voller Jilüte antrafen, an unsere heimatliche Linde erinnerte. Einen Hauptschnuiek der Irühwinter- lichcn Landschaft bildet (nicht nur in der mittleren Region, sondern auch in der südlichen und der nördlichen; die raidistämmige Aloe (Aloe rubrolutea) mit ihren mächtigen Rosettenköpfen und den hoch aufragenden, von zahl- n'ichen l(>uchtend-ziegelroten Blüten besetzten Blütenständen. Zumal als Krönung der von bunten Flechten gefärbten imd von niedrigem Krautwerk verbrämten wüst durcheinander geworf(men Klippen und Blockpackungen — sie kommen auch im flachen Busehfeld vor — bilden sie oft ungemein malerische (Gruppen, belebt durch das Summen d<'r von ihren Blüten an- gelockten Insekten und durch das feine Zirpen der sie Kolibri-artig um- schwirrenden bunt gefiederten Blumensauger. Li geringem Maße nehmen auch gewisse Tierc^ an der Schaffimg eines besonderen Landschaftsbildes tiul, und zwar durch Errichtung grcißerer, in die Augen fallender Bauten. Besonders die Bauten der Termiten müssen hier erM^ähnt Averden, und zwar sowohl die in der nördlichen Hälfte I )eutsch-Südwestafrikas vorherrschenden spitz-kegelförmigen Riesenbauten der Gattung Termes, wie auch die besonders im Osten und Süden ange- troffenen') kleineren ku|)pelförmigen Bauten der Gattung JEutermes, die ') Im mittleren 'I'eil unseres Gebietes, so bei Okahandja, kommen beide Formen vor. Reisebericht. 33 Fig. 7. Termiteii-Bau der Gattuug- Teriaes, bei Okaliandja; im Hintergründe der Kaiser Wilhelm-Berff. häufig ziemlich naho und zalilreich beieinander stehen und dadurch den ( )berflächen-Charakter einer Steppe beeinflussen können. Wenngleich ich sie nur in der später zu besprechenden nördlichen Region angetroffen habe, so Avill ich doch hier auch der Spinnen einer Art „Q/r^opÄoya" Erwähnung tun, die, in indi^-iduenreichen Kolonien zusammenlebend, ganze Gebüsche mit ihrem dichten weißen Gespinst überziehen, ähnlich dim Gespinsten ge-«asser Raupen in unserer Heimat, doch in weit größerem Maßstabe, so daß das Gebüsch von weitem aussieht, als sei es mit winterhchem Reil" überzogen.^) Nicht unerwähnt dürfen schheßlich di«' großen Nester gcA^isser Vögel bleiben, nämlich die riesigen, klumpigen Kolonie-Nester des Siedel- sperlings und die kleineren, aber meist in größerer Zahl an einzeln .stehen- den Bäumen angebrachten Nester gemsser Webervögel, die von weitem den Eindruck machen, als trage jener Baum eigentümliche große Früchte. Das Wasser spielt in diesem Landschaftsbilde nur eine geringe Rolle. Die Flußbetten oder Ri\'iere sind in der winterlichen Trockenzeit AA'asserleer und durchziehen das Buschland als locker-sandige oder kiesige, meist nackte, zum Teil von sogenannter unechter Baumwolle oder anderen schnell aufschießenden Pflanzen locker überw^icherte Straßen. Aus der Vogelperspektive, von der Kuppe nahe liegender Höhen betrachtet, sehen ') Siehe unten auf Seite 39 die Abbildung Fig. 11 vom Otjikoto-See mit derartigen von Cyrthophora übersponnenen Sträuchen. O Michaelsen, Deutsch-Süd westafiika. 34 \\'. MlClIAELh^KX. Fip;. 8. Akazie mit Nestern von Wel>ervögeln. sie fast wie wirkliche Flüsse aus, doeli nur für den, der ledig'lieh ihre Linienführung ins Auge faßt und niclit bedenkt, daß das Wasser im Land- schaftsbilde vorwiegend den dunkleren Ton liefert imd nur streekenwcuse, iniu']'halb der besonderen Spiegelungsrichtung, so hell erscheint, wie hier die Sand-Ki^'iere in jeder beliebigen Richtung, in ihrem ganzen Verlauf. (Irößere Teiche und Seen finden sich in der mittleren Kegion Deutsch- Südwestafrikas meines Wissens nur als Ergebnis künstlicher Aufstauung. Die natürlichen ausdauernden, auch in der Trockenzeit anzutreffenden Ge- wässer beschränken sich auf wenige dauernd fließendes zum Teil warmes oder gar heißes Wasser führende Quellen und Bäche (z. I>. Windhuker Quelle) und auf kleinere Tümpel und Wasserlöcher, die in den tieferen Stellen der Riviere übrig bleiben oder sich hinter Schwellen und in tiefereu Klüften des Urgesteins halten. Die beste Gfdc^genheit zum Studium der verschiedenartigen Süßwasser- vorkommnisse bot uns ein uu'hrtägiger Aufenthalt auf der Regi(>rungs- farm Neudamm, ca. 40 kju östlich von W'indhuk gelegen. Da ich Neu- damm als Hauptquartier für das Studiiun der interessanten und bisher wenig erforschtem Süßwass(>rtierwelt meinen Kollegen besonders empfehlen möchte, so will ich auf diesen Ausflug etwas näluu" eingehen. Man erreicht Neudamm \(>ii Windhuk aus per Maultierkarre bequem in 5 Stunden — nein, nicht l)iM|uein; 5 Stunden in einer schlecht gefederten Maultierkarre auf den bis Keiseheriulit. 35 Fig. il. Künstliches, durch Reisigbündel markiertes Wasserloch im sandig'en Swakop-Eivier bei Osona. i(Hzt noc-li sehr primitiven douti^fh-südwot^tafrikanisflicii Straßon kann nicht wohl als eine bcqucmo Sache bezeichnet werden, zninal nicht, wenn man wie wir zu sechsen (außer uns \'ier Europäern mit d<^r wissenschafthchen Ausrüstung noch ein Hottentott-Fahrer und (nn Herero -Peitschenmann) ong gedrängt auf der Karre hocken muß. Da zur Zeit dieses Ausfluges in Windhuk gm-ade der Landesrat seine erste Sitzung hatt(» imd zugleich die Farmerver(ünig"ung tagte, so konnte uns wegen der abnorm gesteigerten Ansprüche an die verfügbaren Verkehrsmittel nur eine einzige Maultier- karre zur Verfügung gestellt Averden. Trotzdem gehört die Fahrt von \\ indhiik nach Neudamm durch das liebliche hügelige Gelände östlich von Windhuk mit den prächtigen Ausblicken auf das näher und näher rückende Auas-Clebirge zu den landschaftlich schönsten, die wir in Deutsch-Südwest- afrika unternehmen konnten. Di(^ Regierungsfarm Neudamm liegt in einer breiten Mulde, deren Rand sich nordw(>stlich zu der steil aufragenden Neu- dammer Kuppe und ihren Nebenbergen erhebt. Die tiefste St(>lle der Mulde ist durch ein(m Felsriegel unvollkommen abgesclilossen. Ein Durch- bruch durch diesen Felsriegel gestattete früher dem aus weitem Gebiet in dieser tiefsten Stelle der Mulde zusammenfließenden Wasser freien Abfluß nach dem Seis-Rivier, aus dem es dann in den Elefanten-Fluß und mit diesem in den Unterlauf des Nosob und in den Oranje-Fluß gelangte. Durch einen hohen und breiten geniauerten Staudamm mit abschließbarem 36 W. Michaelsen. Wasserdurclilaß hat man nun diesen Durchbrueh geschlossen und das ober- luilb des Felsrieg(>ls zusammenfließende Wasser zu einem See aufgestaut, der selbst in diesem abnorm trocknen Jahr noch ein recht stattliches Wasserquantum enthielt. Am hohen Ostufer dieses Stausees liegt das schmucke Häusch(ni des Farmverwalters und Jederseits in einiger Entfernung davon ein Fremdenhaus, d(M-en eines uns gute Unterkunft bot. Dpt Zweck dieser Regierungsfarm ist die Avifzucht eines großen Bestandes von Rindern, die den Farmern zur Bestückung ihrer Farm zu einem festen, verhältnis- mäßig sehr geringen Preise abgelassen werden. Die Fremdenhäuser sollen in erster Linie den Rinder kaufenden Farmc^rn zur Wohnung dienen, nehmen aber gelegentlich auch andere Gäste auf, zwar nicht in der Art eines Gasthofes. Ein in gut gemeinten, aber etwas holperigen V(»rsen ab- gefaßtes Zimmerplakat weist darauf hin, daß man sich freundlichst als Gast betraclit(^n möge, dessen geringe pekuniäre Leistung lediglich eine Deckung der Verpflegungskosten bedeute, und der sich deshalb gefälligst sein Bett selbst zurichten und seine Stiefel eigenhändigst putzen möge. Von diesem Haupt- quartier aus unternahmen wir viele Ausflüg(> in die nähere» inid fernere Um- gebung, die reich an den verschiedensten Süßwasser-Ortlichkeittm ist. Da ist zunächst der große Stausee, dann zahlreiche kleine Tümpel als Über- reste der diesen Stausee speisenden Flüsse. Ähnliche Tümpel, die sich aber durch ihren üp})igen Besatz mit größeren phanerogamen Wasserpflanzen auszeichnen, und w(4che dadurch einer besonders reichen Süßwasserfauna die Existenzbedingungen geben, liegen in einem sich etwas nördlich von Neudamm im Gebiet der Farm Frauenstein hiuzifdienden Rivier, das einen Zufluß zum Seis-Rivier markiert. Eine ganz fügenartige Örtlichkeit bietet ferner ein enges Felsental nördlich von der Neudammer Kuppe mit einer ganzen Reihe von felsigen Wasserlöchern, die zum Teil eine beträchtliche Tiefe b(>sitz(Mi und intV)lgedessen auch in der trockensten Trockenzeit aus- dauern. Durch eine kurze Ochsenkarren-Fahrt nordwärts über die ni(>drige Wasserscheide des Elefantenfluß-(xebietes hinüber konnten wir schließlich auch einen lohnenden Ausflug nach Otjituezu am Rivier des Weißen Nosob ausführen, und so auch die großen Wasserstellen dieses Rivieres unter- suchen. Die geräumige, sich an der ganzen Front unseres Neudamnier Wohnhauses hinziehende Steinveranda bot uns einen sehr günstigen Raum zum Untersuchen, Präparieren und Verpacken der auf dies(»n Ausflügen ge- womienen Auslx'uten. Den Wert eines derartigen in nächster Nähe des Arbeitsfeldes liegenden Arbeitsplatzes kann ganz nur dei- schätzen, der auf weiten Ausflügen zu Pferd oder im Rüttelwagen eine nur vorläuflg und un- genügc^nd verpackte Sammlung hat zusammenschütteln und in traurige Bruch- Reisebericht. 37 ^m\i!yr^. € Fig. 10. Laubwald des Nordgebietes mit Biiscliniann-Siedelung bei Tsumeb. stücke zerfallen sehen. Nur der vorsichtig wandelnde Fußgänger kann cini' im offenen Felde verstaute Sammelausbeute unverselu't heimbringen. Die nördliche Region Deutsch-Südwestafrikas unterscheidet sich land- schaftlich von der mittleren hauptsäehhch durch den Charakter ihrer Vegetation. Fährt man mit der Otavi-Bahn über Otjiwarongo, die Station des Waterberg-Bezirks, hinaus nordwärts, so wandelt sich bald das lloristische Bild. Die kleinlaubigen Dorn-Sträucher und -Büsche treten zurück, und dornlose großlaubige Büsche und Bäume gewinnen allmählich die Vorherrschaft. Zur Zeit unserer Anwesenheit, im herbstlichen Juni, zeigten diese Laubbäume eine mehr oder wi^niger weit vorgeschrittene Herbstfärbung; sie prangten in den verschiedensten Farbentönen vom Grold- gelb bis zum Braunrot, und gewährten im Verein mit dem verschieden- farbenen Untergrund das Bild einer farbenfrohen sonnigen H«^rbstlandschaft. Die bunte Färbung des Untergrundes wurde in weiten Strecken stark durch ein im trocknen Zustande hell-graurotes Steppengras beeinflußt. Bei Groot- fontein treten zu den dicotyledonen Laubhölzern sogar echte, einheimische (nicht durch den Menschen angepflanzte) Palmen (eine Fächerpalmen-Art, Hyphaena) hinzu und führen uns dcnitlich zum Bewußtsein, daß wir uns hier in tropischer Region beflnden. Etwa 15 km südlich von Grootfontein bildet diese Fächerpalme auch einen größeren waldartigen Bestand. In der nächsten Umgebung von Grootfontein tritt sie aber nur in kleinen engen Gruppen 38' W. MlCHAELSKX. auf. dif hier und da "anz un^•('rmitt
aufragon und mit ihren graugrünen, trocknen, meist arg zerzausten Blattfächern einen ziemlich klägiichi^n AnbUck darbieten. Sie entsprechen so gar nicht dem Bilde üppiger, in Sümpfen, an Flüssen und Seen aufschießender Tropen- vegetation, das man gemeiniglich mit dem Bogriff der Palme verbindet. Sie sehen so verdorrt vmd verdurstet aus. Eine besondere Üppigkeit zeigt die Vegetation des Nordgebietes aber an den kleinen konstant fließenden Bächen, wie einer zum Beispiel in Grootfontein den Gouvernements-Park durchfließt und ihn zu cim-r auch in der Trockenzeit ü})pig grünenden und blühenden ( )as(' inmitt(Mi der trockntm Steppe umwandelt. In großen Strecken des Nordgebietes besteht der Boden aus Kalkstein. In diesen Kalkstein-Distrikten, typischen Karstgebieten, findet man stellenAveise Süßwasser-Örtlichkeiten von ganz eigenem Charakter, an- scheinend zuflußlose Seen mit ganz schroffen, stellenweise senkrecht abfallenden oder gar überhängenden Steilufern. Wir konnten von Tsumeb, der bedeutendsten Kupfererz -Mine Deutsch -Südwestafrikas, in bequemer Tagesfahrt einen dieser eigentümlichen Seen besuchen, den < )tjikoto-See, dem die Tsumeb-Mine das zum Betriebe nötige Wasser durch ein Pumpwerk und eine ca. 14 Kilometer weit ül)erland geführte Wasserleittmg entnimmt. Xach schneller, 1 'A^ ^tündiger Fahrt auf einer verhältnismäßig guten, ebenc^n Sti'aße, durch den in bunten Farben leuch- tenden herbstliclien Buscliwald, erreichten wir den See. der erst sichtbai" wird, wenn man diclit an seinen Band herantritt. In seiner üppigen Wald- umrahmung, mit seinen schroffen, zu den bizarrsten Formen ausgefressenen Kalkstein-Ufern und seinem tiefen, klaren Wasser mit meist spiegelglatter, nur stellenweise durch eine leichte Brise gekräuseltem Oberfläche gewährt er ein malerisches Bild, das um so überraschender und erquicklicher wirkt, als man in dieser trocknen Savanne eine derartig bedeutende offene Wasser- masse nicht vermutete, und das Wasser ist doch die ganze Sehnsucht des Südwestafrikaners — .,Nach W^asser drängt, am Wasser hängt doch alles", so könnte man hier Grefchens Seufzerspruch variieren. Nur an einer Stelle ist der Wasserspiegel des Sees auch für turnerisch nur mäßig begabte zu- gänglich. Zweifellos stellen diese Seen, ^de der Ot)ikoto-StH> und der etwa 20 Kilomet(n- südwestlich von ihm gelegene Ginas-See, Decken- Kinbrüche \on unterirdischen Höhlungen dar, die, wie in anderen Karst- Gebieten, unter Auflösung d<'s Kalksteins durch einsickerndes Regenwasser oder Grundwasser entstanden sind. Nach Mutmaßung von Kennern des Gebietes sollen sich derartige mit Wasser gefüllte vmterirdische Höhlen meilenweit hinziehen und eine \'erl)indunK der olx'i-Häclilich Aveit isolierten Reisebericlit. 39 ■^ ^^jfP^ nDMMii^^j .»»^jUfe jBft^ ' \i. > j^C^vftfluoin^S^^HI m . j^ '^^^Imi9M^I 'il' * ■■J '^ m Im^mm mi' ^PBrSXRüfl Fig. 11. Der Otjikoto-See; rechts im Yordergrunde einigte Büsclie mit Kolonie-Gespinsten der Spinne Cyrthophora. Soon herstellen. Sie sehließen dies daraus, daß Fischchen din- gleichen Art (eine Cichlide der Gattung Paratilapia) in den verschiedenen 8i'en auf- treten. Ich konnt(> mich durch eigenen P\ang davon überzeugen, daß im Otjikoto-See und im Bach von ( )tavifontein die gleiche kleine Cichliden-Art vorkommt. Nach zwei verschiedenen, anscheinend voneinander unab- hängigen Aussagen, die ich leider nicht bis zu ihrfm Quellen zurück ver- folgen kann, soll auch ein blinder Fisch, also wohl ein in unterirdischen Gewässern beheimatetes Tier, in einem dieser Seen gefunden worden sein. Diese Aussagen erscheinen mir besonders beachtenswert, als sie von Männern stammen, die mit den biologischen Besonderheiten unterü-discher (icAvässer nicht vertraut sind. Gegen die südliche Region Deutsch-Südwestafrikas ändert sich das Landschaftsbild in ganz anderer Weise, als Avie wir es bei der Wanderung nach Norden beobachteten. AVohl ändert sich auch gegen Süden der Charakter der Vegetation, aber nicht so gründlich, nur graduell, nur insofern die Hochvegetation an Üppigkeit abnimmt. Während nordwärts (üne Großlaubvegetation die Dornvegetation verdrängt, behält diese letztere südwärts ilu'e Vorherrschaft aufrecht. Aber es tritt liier an Stelle des Dornbuschwaldes eine Zwergbuschsteppe. Dieser Rückgang der Vegetation ist jedoch nicht so allgemein, daß hier in der Südregion min größere Bäume ganz fehlten. An einzelnen günstigen Plätzen erreiehen auch hier 40 W. Michaelsen. Fig;. 12. Tafelberg-Landschaft bei .Seelieini am Uroßen Fischfluß. i>"('Aviss(' Akazien, wie clcr Kauicldornbauiu, noc-li recht stattlichon Wuchs, und auch eine große Ah)e, die eigentümliche, vielfach gabelig v(^rästelte Aloe dichotoma mit ihrer großen, aus zahlreichen Blattrosetten bestehenden Krone schmückt die Landschaft. Im allgemeinen zeigt aber die freie Ebene nur uiedrigtMi und spärlichen Zwergbusch-Bestand, wenn sie nicht gar von reiner Grassteppe eingenommen wird. Hehr auffallend ist andererseits der geologische S o n d er charakt er im Landschaftsbilde der Südregion. Hier im KSüden unserer Kolonie sind dem Urgestein diskordant jüngere, horizontal geschichtete (J esteine aufgelagert, und diese verursachen ganz andere Erosionsformen Avie das in d(>r mittleivn und in dem größten Teil der nördlichen Eegion zutage tretende Urgestein. Die Verwitterung bildet aus diesen horizontal geschichteten Gesteinslagen charakteristisch geformte» Tafelberge mit regelmäßig horizontaler Kuppc^nfläche, stufenförmigen Ab- sätzen und scharfen, häuüg senkrecht abfallenden Steilrändern. (Die gleichen geologischen Verhäknisse linden sich übrigens auch in einem großen Distrikt des nordwestlichen Teiles unserer Kolonie, im Kaoko-Felde.) Besonders deutlich kommt dieser geologische Charakter dort zur Anschauung, wo die Erosion in besonders scharfer Weise eingesetzt hat, dort, wo größere Flüsse sich ihr fast canonartiges Bett in dif^se (iesteinsmassen eingegraben haben. Diese canonartigen Flußbetten mit vorwiegend felsiger Sohle, in denen das Wasser nicht wegsickern kann, enthalten auch sehr interessante Süßwasser- Ortlichkeiten. In den tieferen Stellen des Flußbettes hält sich das Wasser ßeisebericht. 41 Fig. 13. Steilufer an einem See-artigen Daiiergewässer des Großen Fischflusfes bei Seelieini. auch während dor Trockenzeit und bildet hii'r zum Teil sehr «roße aus- dauernde 8een. Eine Fahrt von Seeheim aus südwärts das Rivier des Grroßen Fischflussos entlang, zu der uns unsere freundlichen Wii'te, der Eisen- bahnkommissar Herr Rintelex und der Proviantamtsnieister Herr Behrexds (eingeladen hatten, gab uns den wertv^ollsten Einblick in die landschaftlichen Verhältnisse dieser Region. Es \var eine recht tolle Fahrt. Die Ausfalu't bei Tageslicht auf dem sogenannten Wege — ein derartiger Weg beruht lediglich darauf, daß in der betreffenden Linie schon einmal eine Karr(e gefalu-en hat, deren Radspuren stellenweise noch erkennbar, meist aber nicht mehr erkennbar sind — war sehr holperig, ging aber progTanimäßig vonstatten. Der Aufenthalt am Endziel, einem gToßen, von üppigem Busch- werk und dichten Binsen umrahmten See inmitten des von senkrecht ab- fallenden Felsen eingeschlossenen Flußbettes, war ungemein lohnend. Die üppige Binsenvegetation bot einer interessanten Tierwelt Unterschlupf, einer Tierwelt, die sich im nackten Flußbett bei der scharfen Strömung des ab- kommenden Fkisses nicht Avürde halten können, und von der in anderen, vegetationslosen Wasserstellen des Großen Fischflusses auch nichts zu finden ist. Auch landschaftlich Avar dieser Aufenthalt sehr lohnend. Den Glanz- punkt bildete die farbenprächtige Szenerie des Sonnenunterganges, als sich die vom Abendrot hell purpurn getönten Felswände im klaren Wasser des 4-2 W. Michaelsen. i>rün uiuraliinton Sees wicdcrspicgolton. M'ir mußten aber das Abwarton dif^scs Glanzpunktes mit brträchtlirhen Unbcquomlichkeiten, einer Heimfahrt bei stockfinsterer Nacht, bezaUen. Oh, diese Heimfahrt! Unsere Gefähr- tinnen zwar hatten es noch gut. Ihr Führer, der anscheinend in dunMer Xaclit ebenso scharf sehen konnte wie bei Tage, konnte den ,,Weg" inne- hahcn. und so liatten sie an Unbequemlichkeiten höchstens einige nicht weiter l)ea('htensw(^rte Klippenstufen von '/2 bis % Fuß Höhe auszuhalten. V\\v aber kamen vom ,,W(\ge" ab. Es ist mir noch heute unfaßlich, daß bei dieser Falirt über unbekanntes und, für mich wenigstens, unsichtbares Klippengelände nur das von mir mit ca. 90 Kib) belastete Sitzbrett brach, die Räder der Karre und das Übrige aber heil bUeben. Auch daß di(> Karre nicht umkippte, ein in Deutseli-Südwestafrika übrigens im allgemeinen nur als belangloser Zwischenfall eingesehätztes \\)rkommnis, ist wohl als Ix'sondere Gunst des Schicksals anzusehen. Die größte Genugtuung aber bereitete mir der Umstand, daß icli die mit besonderer Sorgfalt in meiner Uuscntasche verstaute Ausbeute vom See un\'ei-s("hrt heim braelite. Die Tierwelt. Die Eigenart der Tierwelt eines Landes wird bedingt einerseits durch die g e o 1 o gi s c h e G e s c h i c h t e des Landes, d. li. die während der verschie- denen geohtgischenrerioden vorhandenen Ausbreitungs-bezw. Einwanderungs- möglichkeiten, und andererseits dureh die p li y s i o gr ap hi s c h e n Ver- hältnisse, die Lebensbedingungen, die das in Frage kommende Land den verschiedimen Tiergruppen darbot. Während das historische Moment gewissermaßen das breite Material liefert, bewirkt das phvsiographische Moment eine Art Auslese aus diesem zur Verfügung stehenden Material. Die Art und Weise, wie die Ausbreitung und Ansiedelung einer Tierart vor sich geht, ist hauptsächlich von der Lebensweise des Tieres abhängig, von dem Medium, in dem es lebt, und von der Fähigkeit, gewisse mit der Auslji-citung verl)undene SonderNcrhältnissc zu ertragen. Demnach ist auch das llesultat der verschiedenen Ausbreitungen, nämlich die Jetzige geo- graphische Verbreitung d<'r Tiere, von der Lebensweise der Tier(> abhängig und nur unter Berücksichtigung der Verschiedenheiten in din- Leb(>nsAveise verständlich. Landtiere. In i'inem so trockenen Klima, wie Deutsch-Südwestafrika es aufweist, und bei der damit zusamnu-nhängenden Spärlichkeit offejien Wass(n's, überwiegen natürlich solche Tiere, die während keiner Periode J\' Reisebericht. 43 ihres Lobc^ns unmittelbar an offenes Wasser oder Feuchtigkeit gebimden sind, nämlich einesteils Tiert^ denen wie Schlangen, Eidechsen und vielen Insekten der Wassergehalt ihrer Nalirung vollständig genügt, und anderen- teils Tiere, die Avie Säugetiere imd Vögel durch eine ausgiebige Wander- lahigkeit in den Stand gesetzt sind, ihr tägliches Bedürfnis nach Wasser durch Aufsuchen weit zerstreuter Wasserstellen zu befriedigen. Die Zahl dieser Tr o ck enland- Tiere ist denn auch in vmserem Gre?)iet enorm, soAvohl nach Individuen wie nach Arten gerechnet. Aber auch solche Tiere, die in einer gewissen Periode ihres Lebens, etwa im Eier- und Larven- stadium, an offenes Wasser gebunden sind, also amphibische Tiere, wie Frösche und gewisse Dipteren (Mücken), trifft man auf dem Lande nicht eben selten, manchmal wenigstens der Individuenzahl nach massenhaft an. Sehr spärlich sind dagegen die Landtiere, die ich als F(uichtland-Ti er e bezeichne, die stets einer gewissen Feuchtigkeit des Aufenthaltsortes be- dürfen und bei vollständiger Eintrocknung zugrunde gehen. Land-Planarien fehlen in Deutsch-Südwestafrika (vielleicht mit Ausnahme des Caprivi-Zipfels, den ich hier nicht mit berücksichtige) anscheinend ganz. Regenwürmer (abgesehen von alh^n eingeschleppten in (lärten und anderen kultivierten Örtlichkeiten) sind nur in sehr spärlichen Vorkommnissen im Nordgebiet fGrootfontein und AA'aterberg- Distrikt) sowie hart an der SüdgTenze (am ( )ranje-Fluß) gefunden worden. Auch die Tiergruppen, die feuchte Ört- lichkeiten bevorzugen ohne gerade Feuchtland-Tiere zu sein, wie Laud- schnecken ') und Landasseln, sind verhältnismäßig spärlich vertreten. In geographischer Hinsicht, in ihrer Bedeutung für die Ab- grenzung imd Charakterisierung tiergeographischer Gebiete, sind die Feucht- land-Tiere und die sich an diese biologische Gruppe anschließende Gruppe der feuchte Örtlichk(>iten bevorzugenden Tiere von hervorragendster Wichtig- kint. Die Trockenland-Tierc^ zeigen zum gTößttni Teil eine sehr weite Ver- breitung nicht nur der Gattung, sondern auch der Art. Für ilire Ausbreitung gibt es im allgemeinen innerhalb des Kontinents keine Schranken. Wohl sind auch viele Arten der Trockenland-Tiere in ihrem Vorkommen sehr beschränkt. In diesen Fällen beruht aber der Charakter der Verbreitung zumeist auf gewissen speziellen Lebensbedingungen. Ein Insekt, das an eine ganz bestimmte Futterpflanze gebunden ist, zeigt in seinem Vorkommen natürlich die gleiche Beschränkung wie jene Futterpflanze. Ein Tier, das 'j Manche Landschnecken, die die Fähigkeit besitzen, ihre Schalenöffnung- während der Trockenzeit durch einen Deckel luftdicht abzuschließen und ihren weichen Körper da- durch vor dem Austrocknen zu schützen, dürfen geradezu zu den Trockenlandtieren gerechnet werden. 44 ^^ • MiCUAKLSEN. wie der Sandwat-Gecko ( Fabuatofjecko J\angel), durchaus auf das Lcbon im lockeron Sande angewiesen ist, kann sieh nicht über den Bereich der Dünen des Wüstenstreil'ens der Namib hinaus verbreiten. Es zeigt zugleich, daß eine durch lange Zeiträume liindurch geführte Beschränkimg auf einen verhältnismäßig kleinen Lebensl)ezirk auch bei Trockenland-Tieren zur Aus- bildung besonderer, auf einen kleinen Bezirk bescliränkter Gattungen füliren kann. Derartige Verhältnisse mögen, wenn auch in ihrem Verlauf nicht immer so offensichtlich, noch vielfach zur Bildung endemischer Gattungen auch bei echten Trockenland-Tieren gefülu-t haben. Derartigt> Lebensbedingungen sind aber zu speziell und zu mannigfaltig, um zur all- gemeinen Cliarakterisierung geographischer Gebiete verwendet werden zu können. In Hinsicht auf die Trockenland-Tiere stellt sich demnach Deutsch- Südwestafrika als ein integrierendes, nicht in bedeutsamen Zügen sieh ab- sondernder Teil des ganzen südlich gemäßigten bis subtropischen Afrikas dar. Ganz anders stellt sich das Bild geographischer Gebietsteilung bei Betrachtung der Feuchtland-Tiere dar. Für diese, hauptsächlich die Land- Planarien und Regenwürmer, bildet das trockene und regenarme Land vom Küstenrand der Namib bis zum Ostrand der Kalahari, wenn nicht noch weiter ostwärts, eine absolute Verbrt'itungssi-hranke, durch die das Kapland vom tropischen Afrika abgetrennt Avird. Tatsächlich finden wir diese TiergTuppcm im Kaplande durch ganz andere Gattungen und sogar Familien vertreten wie im tropischen Afrika. Von Regenwürmern linden wir im Kaplande hauptsächlich die Gattung Microchaetus (auf Südafrika, östlich bis zum Zidulande, besclu-änkt), die Sektion der Chilotacea (mit ähnlicher Ver- breitung in Afrika, außerdem in Chile, Süd-Patagonien und Feuerland), und im äußersten Südwest- Winkel einige Arten der phyletisch ältesten Gattung Acanthodrilus (übrigens weltweit verbreitet in zersprengten Relikten-Gebieten). Im tropischen Afrika finden wir dagegen die ganz anderen Unterfa m ilien angehörenden Eudrilinae, Trigastrinae und Ocnerodrilinae. Ähnlich verhält es sich mit den Land-Planarien. Hier steht der rein kapländischen Gattung Artiocotylm die rein tropisch-afrikanische Gattung Ofhelosoina gegenüber, und die im tropischen Afrika auftretenden, übrigens im in domalay isch- australischen Gebiet Aveit verbreiteten Gattungen Febiiatoplana und Bolicho- plana scheinen im Ka})land<' ganz zu fehlen. Nur in dem klimatisch für Feuchtland-Tiere etwas günstigeren Oststreifen Südafrikas seilen wir ein spärliches Vordrängen tropisch-afrikanischer Feuchtland-Tiere in das süd- afrikanische Gebiet hinein, so (nnen Eudrüinen, Nemertodrilus Kellnerl (einziger Gattimgsgonosse in Mosambique) in der Oranje-Kolonie und hart an der Südgrcnzo in Deutsch-Südwestafrika, wohin (u- zweifellos durch Reisebericht. 45 \ Crbrcitung am stets Wasser führenden (.)ranje-Fluß abwärts gelangt ist. Für die Charakterisierung der Fauna hab«»n aber derartige .spärliche Ein- dringlinge keine Bedeutung. In Hinsieht auf Feuchtland-Tiere ist demnach Deutsch-Südwestafrika der Hauptsache nach ein Gebiet ohne endemische Formen. Der Nordrand, wenigstens der Caprivi-Zipfel, wird dem tropisch- afrikanischen Gebiet zugereclinet werden müssen, denn es ist höchstwahr- scheinlich, daß die einige Kilometer ostw^ärts vom Ostende des Caprivi- zipfels (bei den Victoria-Fällen) am Sambesi gefimdene Eudriline Platy- (Irilus Agnes und einige anscheinend endemische Ocuerodrilinen auch im deutschen Gebiet am Sambesi vorkommen. Die im nördlichen Teile unserer Kolonie bei Grootfontein imd im Waterberg-Bezirk gefundenen Ocuero- drilinen, also der tropisch -afrikanischen Fauna angehörig, sind ziemlich wcnt verbreitete Arten, also als Eindringlinge aus tropisch- Afrika anzusehen. Für die Charakterisierung der Fauna haben sie nur eine untergeordnete Bedeutung. Eine ähnliche, wenn auch deutlich abweichende geographische Be- ziehung zeigen gewisse Tiere, die feuchte Örtlichkeiten bevorzugen, ohne geradezu Feuchtland-Tiere zu sein, nämlich die Landschnecken. (Über die noch nicht bearbeiteten Landasseln kann ich eine geographische Feststellung noch nicht geben.) Wie schon oben (Fußnote auf Seite 45) bemerkt, ge- haben sich viele Landschnecken wie echte Trockenland-Tiere. Ihre Gattimgen sind kosmopolitisch (wie Scnlptaria von den Helicidae, Leiicodilus von den Pupidae und Subulina von den Stenogt/ridae), oder doch (wie Achntina) vom tropischen Afrika bis ins Kapland hinein verbreitet. Andere Gattungen dagegen zeigen eine sehr besclu-änkte Verbreitung und sind charakteristisch für Deutsch-Südwestafrika und das angrenzende Gebiet der Kalahari, so die Gattung Z^orcasm, eine der phyletisch ältesten HeKciden der auf Australien. Ceylon, Madagaskar und Südwe.stafrika einsclüießlich des Kaplandes be- scliränkten Unterfamilie Acavinae, so die Gattungen Eburnea (Xeiocerastus) und LeucocMloides (Pupoides) der hauptsäclüich paläarktischen, aber in einem Zweige über Abessinien und Ostafrika bis nach Südwestafrika reichenden FamiHe Buliminidae (Enidae). Für diese Landschnecken, deren Ausbreitung durch ein trockenes Klima und durch wasserarme Landstrecken erschwert Avird, ist Deutsch-Südwestafrika samt Kalahari also ein Gebiet der Isolierung, die zur Bildung besonderer Gattungen führte, für Dorcasia geradezu ein Rückzugsgebiet, in dem sich diese phyletisch alte Form halten konnte. Fassen ^A^r diese geographischen Ergebnisse zusammen, beachten wir vor allem die absolute Scheidung, die das Trockenland Namib — Kalahari zwischen der südafrikanischen und tropisch-afrikanischen Fauna der Feucht- 4(3 ^^ . Miohaelskx. land-Tiere gebildet hat, so kommen wir zu dem Sclihxß, daß diesen physio- graphischen Verliältnissen, die zn den erörterten tiergeographischen Eigen- heiten geführt haben, ein rcclit bohes geologisehes Aher, eine große Konstanz im Laufe der hetzten geologischen Perioden, ziigescJu-icben werden muß, das gleiche Ergebnis, zu dem im speziellen die Betrai-btung des Charakters der Fauna und Flora der Namib führte (vergi. oben Seite 27). Wassertiere. In meinen Erörterungen über die Fauna des Baikal-Sees ') habe ich den überrascbenden Iveichtum dieses großen und bis 1800 m tiefen Sees an end(>mischen. zum Teil phvletisch sehr alten Tiei'formen auf sein hohes, von d(^r Devon-Periode datierendes geologisches Alter und seine Beständigkeit im Laufe der hetzten geologischen Perioden zurückgeführt. Geologisch jüngere Seen b(dierbergen eine entsprechi'nd ärmere luid phylotisch jüngere^ endemische Fauna. Es ist demnach \(n\ vornherein zu vermuten, daß wir in den sehr kleinen, im geologischen Sinne ephemeren Süßwässern unseres südwestafrikanischen (irebietes höchstens eine spärliclie endemische Süßwasser-Fauna antretfen Averdeii. (irößere, und zumal ge- ologisch ältere Landseen, die als Magazine für die Erhaltung (>iner alten und als Bildungsstätte für eine jüngere endemisclu» Süßwasser-Fauna hätten dienen können, fehlen ganz, ebenso wie alle konstant tli(^ßenden Flüssi' (abges(^hen von den Grenzflüssen im Norden und im Süden i. Die Betrach- tung der mitgebrachten Ausbt^ute scheint die oben ausgesproelu^ne Vei-- mutung zu bestätigen. Soweit ich es beurteilen kann, handelt es sich zu- meist um weitverbreitete, zum Ted fast kosmopolitische Gattungen und Arten, wie bei don Oligochäten (Nais, Paranais imd Aulophorus), den Planarien (Mesostoina), den Hirudineen ((jlo! Isidora) und den Brvozofm (LopJwpv- della, Pbmiatella). Süßwasserschwämme sind bisher nicht beobachtet worden. Fische kommen (abgesehen von eingeführtenj anscheinend mii- in dem mit dem Oranje-Fluß in Verbindung stehenden Großen-Fiscli- fluß und im . dir» kleinen limicolen Oligochäten ihre weite, zum Teil kosmopolitische Vei-breitung der Fähigkeit verdanken, als Eier im festen Kokon durch Wasservögel eine wenigstens kleine Strecke Überland von einem Tümpel zu einem ander(>n versclileppt werden zu können. Die derberen Blutegel mögen selbst als aus- gewachsene Tiere, etwa an ausfliegenden Wasserkäfern haftend, eine längere Luftfahrt überstehen. Von einem Gattungsgcmossen des Mesosto7na^) habe ich schon früher die Behauptung aufgestellt, daß er zweifellos durch \ er- sclileppung seiner Eier durch Vögel oder Wasserkäfer in eini' ephemere Wasserlache auf d(U- Kuppe eines Granithügels bei Boorabbin in Südwest- Australien gelangt sei. Auch eine Verschleppung durch den Menschen mag viel zur gelegentlichen Verbreitung der Süßwass(>r-Tiere und zur Besi(>delung weit isolierter Tümpel beitragen. In diesem wasserarmen Lande verläßt kein Herero oder Hottentotte bei weiteren A^'anderungen eine Wasserstelle, ohne seine Kalabasse mit Wasser und dem darin lebenden Kleintier gefüllt zu haben, und bei d(»r Neu-Füllung in der nach langer Wanderung zunächst erreichten Wasserstelle werdr-n mit dem Rest des mitgebrachten Wassers leicht wohl derartige mitgeschleppte Tiere. Eier ()d(n- Kokons in die neue Wasserstelle geschüttet. Besonders günstig sind die Lebensverhältnisse in unserem Gebiet natürlich für solche Wassertiere, deren Eier zur Entwick- lung geradezu einer Austrocknung bedürfen, für die Phvllopoden, die in prächtigen Formen die kleinen Süßwass(>rtümpel l)eleben. ') Mesostoma MichaeUeni Axxie Weiss = ..Planaria?-', W. Mkhaei.sex, Die Tierwelt Südwest- Australiens und ihre geographischen Beziehungen. In: Mitt. Geogr. Ges. Hamburg, XXII, p. 17. 48 ^^ • MiClIAELSEX. 7\iiffällig" ist (nnv Eigenheit in der ^"ert eilung der 8 ü 13 was s er- Tiere. Häutig sind zAVtn nahe beieinander gelegene Tümpel oder Wasser- löcher ganz versehiedcn bestockt, ohne daß ein ausreichender Grund für diese Verschiedenheit aus dem Charakter der Wasserstellen zu ersehen Avär(% handelte es sich doch um Wasserstellen, die im gleichen und gleich- mäßig gestalteten Rivier oder in einer gemeinsamen Felsenspalte dicht bei- einander lagen. Da fand ich in dem einen Tümpel prächtige Branchipus und Limnadia neben einer großen Copi^poden-Art und einigen Ostracoden, in einem Schwestertümpel Mvi-iaden von Daphniden neben einigen winzigen Copepoden, sonst nichts, in einem kleineren Felsenwasserloch melirere lilutegel, einige Wasserwanzen und zahlreich(> Mückeularvfm, in einem be- nachbarten zwei Bryozoen-Arten, sonst nichts. Besonders merkwürdig er- schien mir dieses Vorkommen der beiden Bryozoen. Die eine, Plumatella punctata, wuchs lediglich an der Felswand an einer Seite des Wasserloches, die andere, Lophopodella capensis, saß in etwa 20 kleinen Kolonien an der Oberseite eines einzigen kleinen, etwa kindskopfgroßen Steines. Dutzende von ebensolchen und annähernd gleich großen Steinen lagen rings umher bei diesem Brvozoen-Stein, anscheinend in durchaus gleichwertiger Lage: auf keinem derselben fand sich auch nur eine einzig(^ Brvozoen-Kolonie. Diese eigentümliche Art der Verteilung der verschiedcmen Tierformen auf die gleichartigen Wasserstellen v(^rmehrt den Eindruck des Zufälligen in der BeStockung und der ephemeren Natur dieser Wasserstellen und spricht dafür, daß bei der Besiedelung derselben die gelegentliche und zufällige Einschle})])ung eine große liolle spielt. Der Sambesi-Distrikt von Kliodesia; Heimfalirt. Wir hatten die mittlere IJegion, den Norden und den Süden unseres Schutzgebietes kennen gelernt, aber jener in seiner Natur so stark vom Hauptgebiet abweichende östliche Anhang des Nordgebietes, derCaprivi- Zipfel, war uns unzugänglich geblieben. Wir beschlossen deshalb, uns ihm auf dem durch Fisenbahnen zugänglich gemachten W(^ge von der anderen Seite zu nälieni, um wenigstens jenen rein tropischen Sambesi- Distrikt kennen zu lei'iien, der, kaum 70 Kilometer vom Ostende des Caprivi- Zipfels entfernt, uns auch \-on der Natur dieses äußersten Winkels unserer Kolonie einen Beorifi' o(>hen konnte. Bot uns diese Fahrt nach dem Reisebericht. 49 mittleren Sambesi doch zugleich Grelegenheit, das großartigste Naturschau- spiel Afrikas, die Victoria-FäUe, zu sehen. Nach einem 14tägigen Aufenthalt in der smaragdenen Kapstadt fuliren wir mit der Rhodesia-Eisenbahn bis ins Innerste Südafrikas — 5 Tage und 5 Nächte im Eisenbahnwagen bei nur zweimaliger wenigstündiger Fahrt- unterbrechung in Kimberlev und Bidawajo, ein Vorhaben, trostlos in der Voraussicht, aber durchaus nicht schlimm, ja, ganz gemütlich, in der Aus- führung; man gewöhnt sich schnell an den Zwang räumlicher Besclu-änkung bei weitem, wechselndem Ausblick. Durch romantische Felsentäler, über öde, steinige Karroo und unübersehbare flache Grassteppen, sowie durch ti'ocknen lichten Buschwald fülnte uns der Zug. Erst am letzten Tage der Falu*t, nördlich von Bulawavo, der Hauptstadt Süd-Rhodesias, nimmt die Vegetation einen üppigeren Charakter an. Die Bäume werden höher und schließen sich zu einem dichten Hochwalde, dem Trockenwalde Mittelafrikas, zu- sammen. Unter den verschiedenartigen, mit den bizarrsten Klapperschoten, Kürbis-artigen Kapseln und holzigen Birn-, Ei- und Leberwiu-st-förmigen Früchten behangenen Bäumen ragt vor allem der Affenbrotbaum oder Boabab hervor, ein Elefant unter den Genossen des Waldes. Auch hier herrscht noch winterliche Trockenheit. Die Bäume und Büsche prangen im buntfarbigen Herbstlaub. Einige, so der Affenbrotbaum, haben ihr Laub abgeworfen und strecken die kalilen Zweige gen Himmel. Das Tierleb en ist hier, im winterlichen Trockenwalde, selbst kaum einen Kilometer vom großen Wasser, dem Sambesi, entfernt, sehr spärlich. Kaum mehr als einige Fliegen sind bei oberflächlicher Suche zu entdecken. Ein regeres Leben herrscht jetzt nur im unmittelbaren Bereich des Wassers, und diesem streben wir zu, nicht nur im mssenschaftlichen Interesse. Von der Bahnstation ,, Victoria falls" und dem in seiner Nähe liegen- den Hotel, die man in anerkennenswerter, Aveiser Einsicht kilometerweit von den FäUen entfernt errichtet hat, führt ein wolilgeebneter Weg zu den offiziellen Aussichtspunkten. Wir aber verlassen diesen Weg und gehen auf einem kaum erkennbaren Negerpfad, den ein Gras schneidender Barotse uns verraten hat, gerade auf unser Ziel los, durch einen mit fast manns- hohem trockenen Grase bestandenen Steppenstreifen in den üppig grünen- den, dämmerigen Galeriewald hinein. Ein feiner Sprühregen — oder ist es nur Nebel? — schlägt uns entgegen, es tropft von den Blättern, und vorsichtig müssen wir im Waldesdunkel unseren sclunalen Pfad verfolgen, denn rechts und links droht tiefer Morast. Ein eigentümliches Brausen, oder vielmehr ein tönendes Summen in äußerst tiefer Tonlage, das uns bis ins Innerste vibrieren macht, erfüllt den Raum, eine Stimmung und Klang- 4 Michaelsen, Deutsch-Süd westafrika. 50 W. Michaelsen. Fig. 14. Klippenreiches Flacliwasser des Sambesi diclit oberhalb der Victoria- Fälle, Fundort verschiedener Süßwasserschwäninie und -Bryozoen. färbe, me sio am Anfang(^ des Eheingold-Vorspicles liorrseht. Durch eine breite Lücke im dichten Laubwerk Hütet jetzt das Tageshcht blendend, imd jener vibrierende Ton in V(^rstärktem Brausen lierein. Wir treten hinaus und stehen plötzHch am senkriK-ht abstürz(^nden Rande einer tiefen, breiten Schlucht, und driib(>n, da stürzen sie hinunter, die mächtigen, gischtig schäumenden Wasser des Sambesi, brausend und donnernd, als ob das Meer sich in einen Erdenschlund hinabwälze, und verschlungen scheint alles zu sein; wir können an unserem Standpunkt weder die Tiefe des Erdenschlundes ermessen, noch den Abflui3 des Wassers aus der scheinbar allseitig geschlossenen Schhu-lit erk dieses Gigantenrons niebt niebr vor Aug(>n haben. J(^tzt verstehen wir auch die Bezeichnung, die die Eingeborenen diesc^m Phänomen gaben: Mosiwatunja = der donnernde Rauch; verhüllt dieser ,, donnernde Rauch" Reisebericht. 51 mB^Hl^lE.^^ W^BBL'' / 1 / A/^ ' rW i4 ^ k^J^ l"" 1 ^"at^^SL '^^ * Ww'^ ' - -"' _ •. hEAf '**' 1 1 '*"!l?*'^^Sffl^^^S^S«»»ft "^*äS;ii^; Fig. 15. Am .Sambesi oberhalb der \'ictoria-Fälle, Fundort des Platydrilus Agnes und der ^-IZma sp. den Wasserlall doch für Monate vollständig, nämlieh während der ganzen Jalu-eszeit, in der der Sambesi die ungeheuren Wassermassen der tropischen Sommerregen in seinem weiten Quellgebiet sammelt imd abwärts führt. Es ist nicht ratsam, die Fälle zur Zeit dieses Wasserreichtums zu besuchen. Die aus der Tit^fe der Schlucht herausgeworfenen Sprühnebel-Massen sind dann so enorm, daf3 man die Fälle überhaupt nicht zu Gesicht bekommt, oder doch höchtens nur die Kanten der kleineren Seitenfälle, die durch kleine waldige Inseln am Rande der Absturzkante von dem Hauptfall ge- sondert sind. Ist der Gesamtanblick der FäUe vom gegenüberliegenden Regenwalde aus, von avo sich der Hauptfall in seiner ganzen Breite dar- stellt, gigantisch und überwältigend, so bieten doch einzelne Teile der Fälle, zumal, Avenn sie sich bei größerer Entfernung in ilirer prächtigen tropischen Umrahmung zur Schau stellen, auch liebliche Bilder. Vor aUem lieblich aber sind die Ufer des See-artig verbreiterten Sambesi mit ihrem Palmenschmuck oberhalb der Fälle. Ich weiß da ein gar lauschiges Plätz- chen, eine winzige von Binsen und Papyrus umrahmte, von dichtem Baum- und Buschwerk versteckte seichte Bucht; ein vom Ufer niedergebrochener, weit über das Wasser hinüberragender, aber noch im vollen Blätter- imd Blütenschmuck prangender Baum diente uns als Sitz und Arbeitstisch, auf dem die aus dem Grundschlamm heraufgeholte Ausbeute gesichet und verstaut wairde. Hier sah ich zum ersten Male lebende Vertreter (Platy- drilus Agnes) der in ihrer wunderbaren und mannigfaltigen inneren Orga- nisation so interessanten Eudrilinen, einer tropisch-afrikanischen Regenwurm- Gruppe, di(> seit Jaliren eintvs meiner hauptsächlichsten Forschimgsgegen- 4* 52 W. Michaelsen. stände bildete, die ich aber bis dahin nur an totem Material studieren konnte. Hier fand ich auch, als in ilirem südlichsten Vorkommen, die Gattung Alma wieder, deren nördlichster Vertreter (Alma iiilotica) mich vor Jahren nach Ägypten zog (natürlich nur als mehr zufällige Veranlassung, nicht als alleiniger Zweck der Reise). Ich konnte durch diese und andere Funde feststellen, daß der Bezirk des mittleren Sambesi die südliche Grenze des tropisch-afrikanischen Terricolengebietes, dessen südliche Ausdehnung bisher unbekannt war, bildet.') Es ist kaum [zweifelhaft, daß auch die Nordkante Deutsch-Südwestafrikas, wenigstens im Bereich des Sambesi, noch zum tropisch-afrikanischen Gebiet gehöre; denn so wie wir die gleichen Arten noch melu'ere Kilometer weiter flußavifwärts bei der Insel Kandahar fanden, so werden sie auch noch einige weitere fünfzig Kilo- meter flußaufwärts im deutsch -südwestafrikanischen Sambesi - Bezirk zu finden sein. Leider konnte ich diesen Bezirk nicht erreichen. Eine Kanu- Falirt nach der genannten Insel Kandahar brachte uns demselben so nahe wie die zur Verfügung stehende Zeit und Gelegenheit gestattete, ließ aber immer noch etwa fünfzig Kilometer zwischen uns und der östlichsten Ecke unseres Schutzgebietes. Der achttägige Aufenthalt an den Victoria-Fällen bildete den Höhe- punkt unserer Erlebnisse. Mit dem Abschied von diesem schönen Erden- fleck, dem schönsten und interessantesten, den ich auf meinen verschiedenen Reisen kennen gelernt habe, begann imsere Heimfahrt. Diese fülirte uns noch üoer viele sehenswerte Punkte in Rhodesia, Transvaal und Natal und gab mir Gelegenheit, die naturgeschichtlichen Museen in BulawavO' Pretoria, Pieter-Maritzburg und Durban zu besuchen und Beziehungen zu meinen Fachgenossen in diesen Städten (wie vorher in Kapstadt) anzu- knüpfen. Auch mancher interessante und ergiebige Sammelausflug wurde noch unternommen, so besonders von Durban aus nach verschiedenen Orten der natalensischcn Küste, so z. B. nach Isipingo mit seinen prächtigen tier- reichen, Aquarium-artigen Felsenbecken des Ebbestrandes, di(> mir einen lelu-reichen Einblick in die üppige und farbenprächtige LitoraLfauna des Indischen Ozeans gestatteten. Die Heimfahrt über den ,, Ostweg" bot uns ') Das oben, bei der Erörterung der Tierwelt von Deutsch-Südwestafrika erwähnte Vorkommen eines Eudrilinen, Nemertodrilus Kellneri, in der Oranje-Kolonie und im Süd- Distrikt von Deutsch-Südwestafrika spricht nicht gegen diese Feststellung, denn es handelt sich bei diesem um einen sogenannten „vorgeschobenen Posten", einen „Weitwanderer", während bei der Umgrenzung der eigentlichen Gebiete nur endemische Arten mit beschränkter und unzweifelhaft selbständiger Verbreitung berücksichtigt werden dürfen. Keisebericht. 53 femer Grelegenheit, viele andere Küstenplätze Ostafrikas, vor allem Sansibar, Daressalam, Tanga und Mombassa zu sehen. Über all diesen kurzen Besuchen lag aber die Unrast der Heimkehr, die keinen längeren Aufenthalt mehr zuließ. Die auf dem nächsten Wege, dem ,, Westwege", heimgesandte Sammelausbeute von Deutsch-Südwestafrika zog mein Sinnen nordwärts, der Heimat zu. Am 23. Oktober kamen wir wolilb ehalten in Hamburg wieder an, und liier fand ich auch meine Aus- beute unverselu-t vor. Nicht ein einziges der mehr als tausend Gläser und Gläschen war zerbrochen, ein Ergebnis sorgsamer Verpackungskunst, das selbst das meiner südwest-australischen Reise, bei der 2 kleine Gläser zerbrochen und ausgetrocknet ankamen, noch übertraf. Ob der wissen- schaftliche Wert dieser Ausbeute die mancherlei Mühen und Kosten der Reise lohnen wird, werden die folgenden Blätter mit den wissenschaftlichen Bearbeitungen dieses Materials erweisen müssen. Bryozoa Karl Kraepelin (Hamburg) . Mit 1 Tafel. Unsere Kenntnis der afrikanischen Süßwasserbrvozoen setzt bekanntlich erst mit dem Jahre 1890 ein, wo Stuhlmann bei seinem ersten Besuch des dunklen Kontinents nicht weniger als 4 verschiedene Arten erbeutete, nämlich Fredericella sultana hei Ale'S.andrien, Plumatella 7'epens und emargi7iata, sowie eine von mir irrtümlicherweise als Pectinatella carteri Hyatt bestimmte Art bei Bibisande zwischen Tabora und dem Victoria-See (Vgl. 1, 2, 3, 4i). Für die beiden Plumatella-Arten wurde dann bald, teils durch weitere Funde Stuhlmann's, teils durch Untersuchungen Meissner's (3, 4, 5) von Statoblalsten an Muschel- und Schneckenschalen {Aetheria, Paludina) eine ausgedehntere Verbreitung im Victoria-See, Albert-See, Albert Edward-See, im Gesamtlauf des Nil, im Niger- und Senegalgebiet nachgewiesen, während KiRKMAN (6) 1901 das Vorkommen von Fredericella sultana auch im Equefa River in Natal feststellte. Mit einer neuen, fünften Bryozoen-Art, der den Gymnolaemen zugehörigen Arachnoidia raij-lankasteri aus dem Tanganyka- See, machte uns dann 1901 J. E. S. Moore bekannt (7). Besonders wertvoll aber waren die Beiträge, die Ch. Rousselet 1904 und 1907 zur Kenntnis der Moostierfauna lieferte (8, 9), indem er nicht nur aus Rhodesia eine neue, der Gattimg Lophopus nahe stehende Form (Lophopodella thomasi) beschrieb (8), sondern auch als Bewohner des Tanganyka-Sees außer Pluma- tella repens und Arachnoidia ray-lankasteri noch die neuen Arten Fredericella cunningtoni) Plumatella tanganyikae und Victorella symbiotica feststellte (9). Damit war die Zalil der afrikanischen Süßwasserbrvozoen auf 9 gestiegen, denen dann J. Sollas 1908 als zehnte Art noch einen Lophopus capensis hinzufügte. Die jüngste Arbeit von G. Ulsier (12) berichtet über die Bryozoen- ausbeute der 1. Innerafrikanischen Expedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg, ohne wesentlich Neues zu bringen: dagegen ist es, wie schon hier bemerkt werden mag, Prof. Michaelsen gelungen, in Deutsch- Südwestafrika noch eine 11. Art, nämlich die Plumatella punctata Hahc, aufzufinden und damit die Zahl der afrikanischen Süßwasserbryozoen auf dieselbe Höhe zu bringen, wie die der europäischen (mit 2 Paludicella-, ') Die Zahlen verweisen auf das Literatur- Verzeichnis am Schluß. 58 Karl Kraepelin. 1 Victorella-, 1 Fredericella-, 4 Plumatella-, 1 LopJiopus-, 1 Pectinatella-, ] Cristalella- Art) . Nur 4 davon dürften mit europäischen Formen identisch sein, während 7 für die afrikanische Fauna spezifisch sind. Da auch die Fauna Indiens nur etAva 11 Arten aufweist, so wird man zahh-eichere Neu- entdeckungen in Afrika schwerlich mehr zu erwarten haben. In JJeutsch-Südwestafrika , von wo bisher Süßwasserbryozoen überhaupt noch nicht bekannt waren, hat Michaelsen 5 Arten nachgewiesen, deren Besprechung hier folgt. FrederiUa sultana (Blbch.). 1774 Tubularia sultana Blumenisacii in: Gott. Mag. I. p. 117. Fundangabe: Rh o de sia, im mittleren Samb esi dicht ob erhalb der Vict oria- Fälle ; W. Michaelsen, 18. Aug. 1911. Diese in Europa, Nordamerika, Südamerika (Brasilien, Patagonien) und Australien (Neu Südwales) verbreitete Art war bisher aus Afrika nur von Alexandrien (durch Stuhlmann) und aus dem Eque fa- River in Natal (durch Kirkman) bekannt. Michaelsen sammelte sie anSteinen bei den Victoria- Fällen des Sambesi. Liegen diese auch noch etwa 60 — 70 Kilometer vom Caprivi-Zipfel entfernt, so wird man die Art nach diesem Befunde doch als zum Faunengebiet unserer Kolonie betrachten dürfen. Die Exemplare gleichen in jeder Hinsicht der typischen Form. Die Kolonien sind noch verhältnismäßig jung, doch finden sich schon vereinzelte Statoblasten entwickelt, die allerdings fast um '/g kleiner erscheinen, als solche von Exemplaren der Eibfauna. — Die F. cunningioni Rouss. des Tanganyka-Sees hat der Unterlage dicht anliegende, vielfach anastomosierende, im Querschnitt flach ovale Zweige, die völlig transparent, aber dick mit Sand inkrustiert sind. Sie wurden aus 10 und 20 Faden Tiefe herauf- geholt und stellen daher, wie Loppens (11 p. 158) meint, wohl nur eine Varietät der Fr. sultana dar. Auch diese» tritt ja, wie Hyatt schon 1869 von amerikanischen Formen berichtete, unter Umständen mit völlig hyaliner Ektocyste auf; auch vermag sie in beträchtlichen Tiefen zu leben, wie AsPEu für die; Schweizer Seen nachwies. Bryozoa. 59 Plumatella repens (L.) emend. 1758 Tubipora repens Lixxe im Syst. nat. Ed. X p. 790. 1887 Plumatella polumorpha Kraepelix in : Abh. Jsatw. Ver. Hamburg X., Deutsche Süß- wasserbrj'ozoen p. 122. Fundangabe: Xeudamm: W. Michaelsen, 10. Mai 1911. Die äußerst vielge-staltige, geradezu kosmopolitische Plumatella reinns (L.), für die ich 1887 in irrtümlicher Auffassung der Nomenklaturregeln den neuen, weil weit umfassenderen Xamen PI. polymorpha vorsclilagen zu sollen glaubte, scheint namentlich im äquatorialen Afrika weit verbreitet zu sein (Bibisande, Victoria-See, Albert-See, Albert Edward-See nach Stuhlmanx, Tanganyka-See nach Rousselet, Flußgebiet des Nil, des Niger und des Senegal nach Meissner). Aus Deutsch SüdAvestafrika liegt mir nur ein einziger SchAvimmi'ing- statoblast vor, den Michaelsen bei Neu dämm sammelte. Das typische Verhältnis von Breite zur Länge (] : 1,2) läßt aber kaum Zweifel zu, daß es sich wii-klich um diese Art handelt. Plumatella eniarginata Allm. emend. 1843 Plumatella emarginata Allmas in Rep. Brit. Ass. 1843. 1887 Plumatella princeps Kraepelix in Deutsche Süßwasserbyozoen I p. 119. Fundangabe: Groß er Fisch flu ß etwas südlich von Seeheim, an Schilfstengeln; W. Michaelsen, 18. Sept. 1911. Auch diese Art, deren 1887 von mir aufgestellter Name P. princeps zu Gunsten des älteren, allerdings weniger umfassenden fallen muß, ist kosmopoli- tisch, also bereits in sämtlichen Erdteilen nachgewiesen. In Afrika scheint ihre Verbreitung im wesentlichen mit derjenigen von P. repens zusammenzufallen (vgl. Meissner 3, 5j. Schubotz sammelte sie im Lohango-See, westlich vom Victoria-See, nahe der Westgrenze Deutsch -Ostafrikas (Ulmer 12, p 287). Aus Deutsch -Südwestafrika ist die Art bis jetzt nur bei Seeheim am Gr. Fischfluß im Süden der Kolonie beobachtet worden, wo sie Michaelsen an Schilfstengeln sammelte. Die Stöcke sind hirschgeweihartig verzweigt, der Unterlage anliegend, ohne frei aufgerichtete Äste. Die Ektocyste ist verhältnismäßig zart, wenig inkrustiert und weiß ; Kiel und Furche treten nicht oder nur wenig hervor (var. striata nach Allman). Die ziemlich spärlich entwickelten Schwirmnringstatoblasten entsprechen in ihren relativen und selbst in iliren absoluten Maßen durchaus denen der 60 Karl Kraepelin. Eibfauna (Breite : Länge = 1:1,7); die sitzenden »Statoblasten überAviecren an Zahl und zeigen keine Besonderheiten. Die ähnliche, aber wolil als selbständige Art anfzufassc^nde Fl. fmticoxa Allman ist in Afrika noch nicht beobachtet. Die zur phiUppinensis-GTU^])e gehörige, durch starke Chitinisierung der Ektoeyste ausgezeichnete PL tanga- nyikae Rouss. kommt nach Annandale (Freshwater 8ponges, Hydroids and Polyzoa in: Fauna of British India, 1911, p. 225) auch in der Nähe von Bombay vor; sie wurde von letzterem Autor 1908 (Rec. Ind. Museum II, pag. 169j als PI. homhayensis Ann. beschrieben. Pluniatella punctata Hancock. Tafel I, Fig. 10. 1850 Plumatella punctata Hancock in: Ann. Mag. Nat. Hist. (2) V. p. 200. Fundangabe: Neu dämm, in f<üsigem Wasserloch hinter der Neu- dammer Kuppe, an der Felswand; W. Michaelsen, 14. Mai 1911. Es ist nicht zu leugnen, daß diese bereits aus Europa, Indien, Nord- und Südamerika bekannte Art einen von den übrigen Plumatellen ziemlich abweichenden Habitus besitzt, indem infolge der hyahnen Beschaffenheit der Ektoeyste die Ausbildung aufrechter Zweige völlig felilt und dadurch ein Zusammenlagern der Polypide in der gemeinsamen, der Unterlage dicht anhaftenden vmd oberseits nur kurz buckeiförmig sich vorAVölbende Mündungskegel tragenden Cystidröhre bedingt wird (Vgl. Taf. I, Fig. 10). Da aber auch bei anderen Arten die Ektoeyste oft recht zartwandig ist, auch die Bildung aufrechter Sprosse ganz oder fast ganz unterdrückt sein kann (z. B. bei PL javanica Krpln.), so glaubte ich bereits 1887 in meiner Mo- nographie der Auffassung Jullien's (Monographie des Bryozoaires d'eau douce in: Bull. Soc. Zool. France X, 1885; nicht beipflichten zu sollen, der unsere Art zum Typus einer besonderen Gattung Hyalimlla erhoben hatte. Besonders maßgebend war für mich seiner Zeit noch die Tatsache, daß der Gesamthabitus des Wachstums der Plumatelle punctata doch im wesentHchen an den der übrigen PlumateUen sicli anscliließt, insofern es sich auch bei ihr um gestreckte, in ilirem Wachstum unbegrenzte und ilirer Verästelung keiner erkennbaren Norm unterworfene Cystidröhren handelt, die als Gesamtkolonie eine äußerst wechselnde Formgestaltung zeigen. Schwieriger wurde die Frage, als dann Ridley (Journ. Linn. Soc. v. 20 p. 61) 1887 eine neue Bryozoe aus Australien beschrieb, die von ihm den Namen Bryozoa. Q\ Lophopus leiidenfeldi erliielt. Diese Art hatte ovale bis runde Statoblasten, ähnlich den Plumatellen, schloß sich aber in ihrem Wachstum melir der Gattung Lophopus an, indem die Kolonien sich als kleine, in ilirem Wachstum begrenzte hyaline Platten darstellten, aus denen die einzelnen Polypide in anscheinend regelmäßiger Anordnung wie aus einer gemeinsamen Gallert- masse hervortreten. Diese an Lophopus erinnernde Gestalt und Wachs- tumsform war es, die Ridley zur Einreihung seines Fundes in die Gattung Lophopus veranlaßte. Allein bereits Rousselet (8 p. 49) machte 1904 hier- gegen mit Recht das Bedenken geltend, daß nunmelu" der bisherige Gattungs- charakter der Gattung Lophopus, der in der kahnförmigen Zuspitzung der Statoblasten liegt (vgl. Tafel I Figur 7), völlig verwischt sei, und LoppENS (11, p. 162) hat dann in Anerkennung dieses Einwandes die RroLEv* sehe Bryozoe aus der Gattung Lophopus entfernt imd sie der wieder hervor- geholten alten JuLLiEx'schen Gattung Hyalinella eingereiht, welche nach ihm nunmelir die beiden Arten H. punctata und H. lendenfeldi umfaßt.') Als befriedigend kann dieser Ausweg gewiß nicht gelten, da einerseits nach dem oben Gesagten die H. punctata durch kein scharfes generisches Merkmal von der Gattung Plumatella abzugrenzen ist, andererseits aber die beiden durch Loppens in seiner Gattung Hyalinella vereinigten Arten zum mindestens in ihrem Wachstum eine ausgeprägte Verschiedenlieit zeigen, die in Verbindung mit Unterschieden in den Statoblasten ganz wolil eine generische Trennung zu rechtfertigen scheinen. Ich glaube mich da- her der von Annaxdale 1910 (Rec. Indian Mus. Y, p. 40) und 1911 (Fresh- water Sponges, Hydroids and Polyzoa in: The Fauna of British India, p. 212) vertretenen Ansicht anschheßen zu sollen, nach welcher Plumatella punctata Hancock nach wie vor der Gattung Fhanatella verbleibt, der „Lophopus" lendenfeldi Ridley aber zum Typus einer besonderen Gattung Australella erhoben \vii-d. Wir gelangen damit zu einer befriedigenden generischen GHederung aller um die alte Gattung Lophopus sich gruppierenden Formen: die Gattungen Stolella und Stephanella sind beide charakterisiert durch ihre Stolonenbildung, Lophopodella durch den Besatz mit Dornen an den beiden Polenden der Statoblasten, Lophopus durch die kahnlormige, beidendig zu- ') Wenn Loppens daneben den Lophopus jheringi, Meissner (Zool. Anz. 1893, p. 260) wegen seiner sechseckigen Statoblasten bei der Gattung Lophopus beläßt, so ge- schieht dies ganz gewiß zu Unrecht, da jene vermeintliche Sechseckigkeit ein Kunstprodukt war, wie ich bereits 1893 (2) darlegte. Ist daher der L. jheringi vielleicht auch nicht den tisch mit L. lendenfeldi, so unterscheidet er sich doch jedenfalls nicht durch die Form der Statoblasten von ihm. Erst eine Nachuntersuchung des L. lendenfeldi, dem EiDLEY „stolonenartige Loben-' zuschreibt, wird volle Klarheit über die beiden in Rede stehenden Arten brinfcen können. 62 Karl Kraepelin. gespitzte Form der Statoblasten. Australella Aväre dann diejenige Gattung, die sich durch das Felden der Stolonen') wie durch ovale unbedornte Statoblasten von den vorgenannten unterscheidet, dabei am meisten der Gattung PlumateUa und ins(>ndcrh«üt der P. punctata sich anscliließend. Sie unterscheidet sich aber scharf von allen Plumatellen durch das be- grenzte, zur ausgeprägten Rosettenform der Kolonie führende Wachstum, Avelehes dem von Lophopodella und Lophop>us entspricht, wie auch durch Art und Gestaltung der Statoblasten. Sitzende Statoblasten, die nunmehr bei allen Plumatella- Arten nachgewiesen sind (vergl. weiter unten), treten bei ilir nicht auf; die ovalen oder fast runden Schwimmringstatoblasten aber besitzen eine Größe, welche die aller bekannten riumatcIla-Arten nahezu um das doppelte übertrifft (vgl. Tafel I Fig. 9, Statoblast von AiifJiopodella capensis (Sollas) var. jnichaelseni ii. var. Tafel I Fig. 4, 6 und 11. 1908 Lophopiis capensis Sollas, in: Ann. Mag. Nat. Hist. (8) II p. 264. Fundangabe: Neu darum, in felsigem Wasserloch hinter der Neudammer Kuppe an einem Stein; W. Michaelsen, 14. Mai 1911. Es war zweifellos ein sehr glücklicher Gedanke Rousselets (8), sowohl von den Formen mit ringsum gleichförmig bedornten Statoblasten {Cristalella Fectinatella), wie von denen mit völlig unbedornten, bezw. nur beidendig zugespitzten Statoblasten ( Plumatella, Lopliopns) alle diejenigen Arten ge- nerisch zu trennen, deren Statoblasten bei gestreckter Form nur an den beiden Pol enden mit mehr oder weniger zahlreich entwickelten Dornen besetzt sind (vgl. Taf. I Fig. 1 — ^5). Daß diese Dornen bei einer Art zu- weilen krankhaft verkümmern, wie Annandale (Further Note on a Polyzoon from the Himalava in: Rec. Ind. Mus I,, 1907) beobachtete, kann den Wert dieses Gattungscharakters nicht wesenthch beeinträchtigen. Die am längsten bekannte Art dieser von Röusselet 1904 (8) als Lophopodella in die Wissenschaft eingeführten, wahrscheinhch i :i allen ihren Arten der freien Ortsbewegung fähigen Gattung ist eine bereits im Jahre 1859 von Carter als Lophopiis sp. abgebildete (Ann. Mag. Xat. Hist (5) III p. 341), dann von Hyatt als Pectinatella carteri beschriebene (Comm. Essex Inst. V) Form von Bombay, die später in etwas abweichender Form von Oka auch in Japan aufgefunden und von ihm als Pectinatella davenporti neu benannt wurde (Ann. Zool. Jap. 1907 p. 117i. Mit einer zweiten Art, der Lophopodella thomasi aus Südafrika, machte uns 1904 Röusselet (8) bekannt, mit einer di-itten, ebenfalls südafrikanischen Art, der L. capensis, Frl. J. Sollas (10) im Jahre 1908, und als äderte Art habe ich die von Stuhlmann bereits 1890 im äquatorialen Afrika entdeckte Form hier aufzuführen, die ich seiner Zeit (1, p. 65) als Pectinatella carteri Hyatt bestimmte, nunmehr aber als eigene Art ansprechen zu sollen glaube. Die Gattung Lophopodella erscheint somit heute geradezu als die eigentliche Charaktergattung der afrikanischen Brvozoenfauna, die an Artenzahl der Gattung Plumatella gleichkommt, im Gegensatz zu dieser kosmopolitischen Gattung aber fast ausschließlich afi-ikanisch ist und nur mit einer Art in die orientaHsche Region hineinreicht. Ob und inmefern die einzelnen Arten in ihrem Wachstum und Habitus, ihrer Ektocyste, ilii-er Tentakelkrone etc. stärker ausgeprägte Verschieden- heiten zeigen, ist bei der Spärlichkeit des vorliegenden Untersuchungs- materials zurzeit noch nicht zu entscheiden; die Statoblasten aber bieten 64 Kakl Kraepelin. so charakteristische Unterschiede, daß ein Erkennen nicht schwierig ist, ja, daß man die 4 Formen ganz wohl als gut voneinander abgegliederte Stufen einer geradhnigen Entndckelungsreihe betrachten kann. Die folgende Tabelle mag die Unterschiede der 4 Statoblastenarten in knapper Form zum Aus- druck bringen: A. Statoblast an jedem Polende mit niu- einem einzigen, großen, stachel- artigen Dorn, der jederseits der ganzen Länge nach mit 14 — 16 gebogenen Häkchen besetzt ist (Taf. I, Fig. 4, 5). Kapland, Deutsch- Südwestafrika. L. ca^yensis (Sollas). B. Statoblast an jedem Polendo mit einem Kranz von 3 — 20 ver- hältnismäßig kurzen Dornen (Taf. I, Fig. 1 — 3), deren Hakenbesatz sehr verscliieden ist. I. Die Polenden des Statoblasten jederseits stark kalmartig ver- jüngt, dann plötzlich konkav ausgerandet mit vorgezogenen Ecken (Fig. 3). Auf der konkaven Polkante stehen jederseits 3 — 4 (selten bis 6) gerade, dicke Dornen, die jederseits der ganzen Länge nach äußerst dicht mit 20 und melir Häkchen besetzt sind (Fig. 3 a). Kolonie bis 5 cm lang und 3 cm breit. Sahsbury in Rhodesia. L. thomasi Rouss. IL Die Polenden der Statoblasten sind jederseits nicht oder nur wenig verjüngt, entweder konvex gerundet (Fig. 2) oder breit geradlinig abgestutzt (mit nur wenig vorgezogenenEcken; Fig. 1). Auf den Polkanten jederseits meist 7 — 20 Dornen, die jeder- seits nur mit 2 — 6 Häkchen besetzt sind (Fig. 1 a und 2 a). Kolo- nien nur bis 2 cm lang. a) Polenden des Statoblasten breit geradlinig gestutzt, die Polkanten mit dem Seitenrande des Statoblasten fast einen rechten Winkel bildend (Fig. 1). Zalil der Dornen an jeder Polkante etwa 6 — 8, die Dornen winzig, mit nur 2 — 3, selten bis 4 Häkchen jederseits (Fig. 1 a). Deutsch-Ostafrika.') L. stuhlmanni n. sp. b) Polenden dos Statoblasten konvex gerundet oder doch nur schwach gestutzt und sehr stumpfwinklig in den Seitenrand übergehend (Fig. 2). Zahl der Dornen an jedem Pol 8 — 20, der Einzeldorn mit mtnst 3 Häkchen jeders(»its (Fig. 2 a), bei einer japanischen Varietät mit G — 8. Indien (Bombay, Himalaya), Japan. L. carteri (Hyatt). ') Beschreibung und Erörterung sielie unten, .Seite 66. Bry-ozoa. 65 In Deutscli-Südwestafrika ist von den vorstehend charakterisierten Arten bisher nur eine aufgefunden, und zwar von Michaelsen, der sie an einem Stein in demselben Wasserloche bei der Neudammer Kuppe nordöstUch von Windhoek sammelte, an dessen Felswand auch die Plumatella punctata erbeutet wurde. Auf den ersten Blick wird man geneigt sein, die Art mit L. capensis (Sollasj zu identifizieren; eine nähere Untersuchung ergibt aber doch geAvisse anscheinend konstante Unterschiede, so daß ich es für ge- boten halte, die deutsch-südwestafrikanische Form von der typischen Kap- landform als Varietät, als L. capensis var. michaelseni, abzutrennen. Über Gestalt und Größe der Kolonien von L. capensis macht Frl. SoLLAs, der nur ein einziges Exemplar, und zwar ein lebendes, zur Ver- fügung stand, keine Angaben; ich ergänze nach dem MiCHAELSEN'schen Material daliin, daß die Einzelkolonien in kontrahiertem Zustande im all- gemeinen flache, rundlich ovale Polster von etwa 1 ,5 cm Länge und 0,8 cm Breite darstellen, die der Unterlage in der Mitte fest aufhegen und eine gelatinöse Beschaffe nlieit zeigen. Aus einem mittleren weiten Stammrohr stralilen gegen die Peripherie allseitig kurze, abermals verzweigte Seiten- äste aus, die dicht gedrängt nebeneinander die kegelförmigen Mündungen der einzelnen Polypide tragen, wie es in Taf. I, Fig. 11 darzustellen ver- sucht ist. Der Rand der Kolonie mit seinen gedrängten kegelförmigen Vorwölbungen erinnert unwillkürlich an die dichte Verzweigung eines Blumenkohlkopfes. Die Zalü der Tentakel soll nach Frl. Sollas in einem Falle 57, in einem andern 70 betragen haben; ich habe an meinem konser- Aierten Material keine Nachprüfung vorgenommen. Die Statoblasten der typischen L. capensis werden von Frl. Sollas eingehend geschildert und auch abgebildet (Fig. 5). Es geht daraus hervor, daß der mächtige Dorn an jedem Polende weit über '/g so lang ist me der Längsdurchmesser des Statoblasten (0,32 : 0,80 mm) und gerade V2 ^^ lang Avie der Querdurchmesser desselben (0,32 : 0,64 mm). An jeder Seite trägt der Dorn nach Ausweis der verschiedenen Zeichnungen — im Text findet sich keine Angabe darüber — 9 bis 11 bogig" abwärts gekrümmte Häkchen, die sich auf einer vom Dorn auf die Seitenrandlinie des Stato- blasten übergehenden zarten Kontur als Reihe kurzer selbständiger Häkchen fortsetzen sollen (Taf. I, Fig. 5). Ist nun diese letztere Darstellung auch wolil mit Sicherheit auf einen Irrtum des Zeichners zurückzufüliren, da solche Cliitinthäkchen nach ihrer Entv\dckelungsgeschichte nur unterhalb der zarten peripherischen Restmembran ehemahger, den Cliitinapparat des Schwimmrings ausscheidender Randzellen entstehen können, so zeigen doch die andern, offenbar korrekt beobachteten Daten Abweichungen von den 5 Michaelsen, Deutsch-Siidwestafrika. gg Karl Kkaepelix. Befunden bei den südwestafrikanischen Exemplaren, die schwerlich als indi^dduelle Variation aufzufassen sind. In erster Linie kommt hierbei die Länge des Poldoms in Betracht, der bei zahlreichen untersuchten Exem- plaren von Südwestafrika stets nur etwa '/i ^^^ Länge des Statoblasten (et\\'a 0,19:0,75) und nur V3 seines Querdurclmiessers betrug (Taf. I, Fig. 4). Sodann erscheint die Zahl der Haken (Taf. I, Fig. 4a) jederseits des Dorns bei der var. michaelseni merklich größer als bei der typischen Form vom Kap (14 — 16 jederseits gegen 9 — 11); die Form der Cliitin- kapsel ist fast kreisrund, nicht gestreckt oval, wie bei der Hauptform, und die Seitenrandlinie des Schwimmrings erscheint nicht als einfache Ellipse, sondern ist jederseits nahe den Polenden merklich konkav eingebogen (Taf. I, Fig. 4). Aus allen diesen Abweichungen, die sich, wie gesagt, bei sämtlichen untersuchten Statoblasten in gleicher Weise zeigten, halte ich die Aufstellung einer besonderen Varietät um so mehr berechtigt, als ja auch bei der LophopodeUa carteri gerade im Hinblick auf die verschieden- artige Ausbildung der Dornen neben der Hauptform von Bombay noch ausgeprägte Varietäten — var. himalayana vom Himalaya und var. Javenporti aus Japan — unterschieden werden müssen. Bemerkt sei sclüießhch noch, daß die mir vorliegenden Statoblasten der L. capensis michaelseni, obwolil sie im übrigen ihre volle Reife erlangt zu haben schienen, doch noch ausnahmslos jene feine Chitinhaut als Über- zug über die Poldornen mit iliren Häkchen trugen, die als letzter Rest des zur BUdung des Hakenapparates verwandten Zellmaterials anzusehen ist. Selbstverständlich können die Häkchen der Dornen erst in Funktion treten, wenn diese zarte Haut sich abgelöst hat. Von Interesse sind auch gewisse Entwickelungsstadien des Statoblasten, in denen die Poldornen nur erst als schwache kegelförmige Zuspitzungen des Schwimmrings an den beiden Polenden erscheinen (Taf. I, Fig. 6). Diese Stadien erinnern unwillkürlich an die fertigen Statoblasten unseres heimischen Lophopus cristalliuus (Taf. I, Fig. 7) und deuten auf engere phylogenetische Beziehungen hin, die zwischen beiden Gattungen bestehen dürften. LophopodeUa stuhlniatmi n. sp. I82d Pectinate IIa carteri (nonHyatt) KraepelininD. SüßwasserbryozoenIIp.62. Im Anschluß an die Süßwasserbryozoen Deutsch-Südwestafrikas lasse ich hier eine kurze Erörterung über diese jetzt als neue Art erkannte tropisch-afrikanische Form folgen. Bryozoa. Q'J Lophopodella stuhhnanni n. sp. stellt offenbar eine Mittelform dar zwischen L. thomasi und L. carteri, zum mindesten in der äußeren Form der Statoblasten : Die kahnförmige Verjüngung derselben an den beiden Polenden bei L. tliomad ist nur noch scliAvach angedeutet, die konkav geschweifte Polkante ist zu einer geradlinigen geworden, wälirend die vor- gezogenen Ecken oder doch der stark -oinkHge Übergang dieser Kante in den Seitenrand im Gegensatz zu der konvexen Rundung bei L. carteri noch erhalten gebheben ist. Auch in der Zahl der Poldornen steht L. stuhlmanni zie mli ch in der Mitte zwischen L. thomasi und carteri, wo- hingegen sie in Bezug auf die Zalil der Häkchen an den Einzeldornen meist hinter den beiden genannten Arten zurück bleibt. Bis vor kurzem waren von dieser Art nur die wenigen Statoblasten bekannt, die Stuhlmann 1890 im trockenen Flußbett beiBibisande zwischen Tabora und dem Victoria Nyanza zusammen va\i Plumatella repens nndi emai'f^inata sammelte. Die ungenügende Beschreibung der L. carteri und das Fehlen verwandter Formen ließen mich 1893 ("2) diese Statoblasten als zu L. carteri gehörig ansprechen, was ich nach dem jetzigen Stande unseres Wissens über die Formen der Gattung Lophopodella nicht mehr aufrecht erhalten kann. Neuerdings dürften nun durch Schubotz auch Kolonien der L, stuhlmanni erbeutet sein und zwar im Mohasi See westlich vom Victoria See noch im Gebiete von Deutsch-Ostafrika. Ulmer (12) berichtet von zwei an dünnen Pflanzenstengeln wachsenden Kolonien von 1 '/o bis 2 cm Länge, mit gelbHch hyaliner Ektocyste und — in kontraliiertem Zu- stande — als stumpfe Kegel aus dem Coenoecium schräg hervortretenden Zooecien. Leider waren beide Kolonien ohne Statoblasten, doch machen Habitus und Fundort es in hohem Grade wahrscheinhch. daß ^\\r in ihnen die L. stuhlmanni vor uns haben. Literatar. (Nur über afrikanische Süßwasserbryozoen.) 1. 1893 Kraepelin, K. : Die deutschen Süßwasserbryozoen. IL Nachtrag p. 65 in: Abb. Natw. Ver., Hamburg. Bd. 16. 2. 1893 Kraepelin, K.: Über afrikanische imd südamerikanische Süßwasser- bryozoen in: Verh. Natw. Ver., Hamburg 1893, p. 14. 3. 1893 Meissner, M.: Beitrag zur Kenntnis der geographischen Verbreitung der Bryozoen-Gattung Plumatella in Afrika in: Zool. Anz. 1893, Nr. 430. 63 Karl Kradpelin. 4. 1893 Meissner, M. : Die Moostiere Ostafrikas in: Die Tierwelt Ostafrikas. Bd. IV. Berlin 1898. 5. 1897 Meissner, M. : Weiterer Beitrag zur Kenntnis der geogr. Verbreitung derSüßwasser-Bryozoen-Gattung Plumatella in: Zool. Anz. 1897, Nr. 531. 6. 1901 KiRKsiAN, Th.: The Rotilera ofNatal in : Journ.R.Micr.Soc.l901, p.232. 7. 1903 Moore, J. E. S.: The Tanganyika Problem. London 1903. 8. 1904 RoussELET, Gh.: On a new fresh-water Polyzoon from Rhodesia, Lophopodella thomasi n. g. n. sp. in: J. Quekett Micr. Club, p. 45 — 56. Mit 1 Tfl. 9. 1907 RoussELET, Gh.: Zoological Residts of the tliird Tanganyika Expe- dition, conducted by Dr. W. A. Gunnington 1904 — 05 in: Proc. Zool. Soc. 1907, p. 250—7. Mit 2 Tfl. 10. 1908 SoLLAs, B. J. : A new Freshwater Polyzoon from S. Afriea in: Ann. Mag. Nat. Hist. (8) 2, p. 264—273. 11. 1908/09 LoppENS, K.: Les Bryozoaires d'eau doucc in: Ann. Biol. lacustre, III p. 141—183. 12. 1913 Ulmer, G.: Stißwassor-Bryozoen von Aequatorial-Afrika in: Wiss. Ergeb. D. Zentr. Air. Exp. 1907 — 08 unter Führung Adolf Friedrichs, Herzog zu Mecklenburg. Bd. IV, p. 285 — 290. Tafelerklärniig". Tafel I. Alle Statoblasten sind bei annähernd der gleichen Vergrößerung ge- zeichnet, um die gegenseitigen Größenverhältnisse klar hervortreten zu lassen. In den Figuren 6 — 9, bei denen nur die Größe und der Umiiß zur Darstellung gebracht werden sollte, ist die ZeUstruktur des Schwimmrings nicht mitgezeichnet. Fig. 1. Statoblast von Lophopodella stuhlmanni n. sp.; ca. 55 : 1. — la ein Dorn stärker vergr. ; 200 : 1. Fig. 2. Statoblast von Lophopodella carieii (HyATr); ca. 55:1. — 2 a ein Dorn stärker vergr. ; 200: 1. Fig. 3. Statoblast von Lophopodella thomad Rouss; ca. 55 : 1. ■ — 3 a ein Dorn stärker vergr.; 200:1. Fig. 4. Statoblast von Lophopodella capensis michaelseni n. var. ; ca. 55:1. — 4a ein Dorn stärker vergr.; 200: 1. Fig. 5. Statoblast von Lophopodella capensis typica (Sollas); ca. 55:1. Bryozoa. 69 Fig. 6. Unreifer Statoblast von Lophopodella capensis micliaelseni n. var. ; ca. 55 : 1. Fig. 7. Statoblast von Lophopus cristallinus Pall.; ca. 55 : 1. Fig. 8. Statoblast von Plumatella punctata Hanc; ca. 55 : 1. Fig. 9. Statoblast von Australella jheringi (Meissner); ca. 55 : 1. Fig. 10. Stück einer Kolonie von PZM?fta^e^/aj9Mwc^arlappen viel schmäler, vorn nicht, oder ganz wenig, ausgerandet, Seiten dünn, scheibenälmlich; Mesothorax um '/]4 schmäler, schmal queroval, mit dünnen, verbreiterten, ziemlich geraden, nach vorn etwas konvergierenden, mit breit abgerundeten Hinter- ecken versehenen Seiten; Hinterrand schwächer eingebuchtet als beim Pro- thorax; Metathorax noch etwas schmäler, mit mehr geraden Seiten, die hinten einen abgr siiul bedeutend breiter, mit größeren, dünnen Seitenteilen. Die Thoracalschilder sind ferner hinton viel mehr eingebuchtet, besonders der Metathorax, d(^r bei H. mossamhicus hinten fast ganz abgerundet, kaum bemerkbar eingebuchtet ist, erscheint liier l)reit und ziemlicli tiel' eiiigel)uclitet. Unten" den großen Exemplaren liegt ein Stück von der (iröße des //. mossanihicns vor, aber auch hier sind die Thoracalscliilder von nngegebi'ner Form. Isoptera. 75 Arbeiter. Diese erscheinen denen des H.- mossambicus völlig zu ähneln. Die größten haben eine Kopfbreite von 4,2 mm. Biologie. „Im Hause" (Dr. Fock) und dem umliegenden waldartigen Gartenlande. I^sainmotermes allocerus Silv. Silvestri, Jenaische Denkschriften XIII p. 73, 1908. [Gr. und kl. Soldaten und Arbeiter.] Image alata (adhuc ignota): supra nigro-brunnea, abdomine supra paulo, subtus evidenter dilutiore ; capite ovali, supra medium macula alba puntiformi instructo ; epistomate flavido, fronte dilutiore; oculis parvulis; diametro ^3 spationis inter oculos et marginem inferiorem capitis ; ocellis parvulis, valde approximatis, '/g diametris modo ab oculis remotis ; antennis 15-articulatis, articulo basali duplo longiore quam secundus, articulo tertio minimo, articulo quarto et quinto longitudine eadem, ultimo ovali; prothorace ovali, antice paulo applanato, medio exciso; margine posteriore meso- et metathoracis postice curvato, medio non exciso; femoribus et tibiis fuscis, tibiis apice cum tarsis pallidis; segmentis ventralibus posticis exceptis medio linea alba; alis opacis, in spiritu hyalinis, venis parum distinctis; mediana alse anticse de submediana Oriente. Exp. alar. 14, long. c. alis 9,5, long, alte 7,2, lat. alfe 1,7, corp. c. cap. 5 mm. Fundangaben: Lüderitzbucht, inNesternin festerem (zusammengebackenen?) Sande unter Steinen; W. Michaelsen, 20. Juli 1911 (zahlreiche Imagines, mehrere Soldaten und Ai'beiter). Kuibis ; W. Michaelsen, 15. Juli 1911 (2 Soldaten und melirere Arbeiter). Typen im Mus. Hamburg und Mus. Stockholm. Geflügelte Imago. Kopf und Thoracalschildcr glänzend braunschwarz, Hinterleib oben etwas heUer; Beine stark dunkel beraucht, die Spitze der Schienen und die Tarsen blaß; Bauchplatten etw^as heller braun als die Dorsalplatten des Hinterleibes, mit Ausnahme d(^r letzten, einfarben, in der Mitte mit einer feinen hellen Linie, die an trockenen Exemplaren kaum zu sehen ist; Fühler und Palpen bräunhch, mit hellen Gelenken; Epistom gelblich, deut- lich heUer als der übrige Kopf; Kopf oval, nach vorn nur wenig verengt, um 2/5 länger als breit; Scheitel mit hellem Zentralpunkt; Epistom oval, hinten gebogen, vorn breit abgeschnitten und etwas eingebogen, doppelt so breit wie lang, gelblich mit dunkler Mittellinie, Augen mit großen Fazetten, sehr klein, wenig abstehend, nur zwei mal so breit wie die Ocellen, ihr Durchmesse- um -j^ der Breite der Wangen ; Ocellen oval, sehr nahe an die Augen gestellt, von ihnen nur so Aveit wie um '/e üu'es Durch- messers getrennt; Prothorax oval, vorn etwas abgeplattet mit kleinem 76 Yng\"e Sjöstedt. bogenförmig abgesetztem, vorn in der Mitte etwas ausgeschnittenem Vorder- lappen; Fühler 15-gliedrig, das Basalglied doppelt so lang me das 2., das 3. am kleinsten, das 4. und 5. gleichgroß, so lang wie das 2. aber mehr kugehg; die folgenden allmälilich etwas größer, dann allmählich kaum bemerkbar kleiner, die zwei letzten sclmaäler, Endglied langgestreckt oval, so lang AA^e das Basalglied; Meso- und Metathorax hinten bogenförmig, in der Mitte nicht ausgeschnitten; Kopf und ThoracalschUder glänzend, nur mit einzelnen Haaren; Beine stark dunkel beraucht, die Spitze der Schienen und die Tarsen blaß; Flügel opak-glashell mit schwach her- vortretender etwas gelblicher Aderung, schmal, fast gleichbreit; Vorder- ilügel etwas schmäler; Mediana und Submediana sind mu- Einbuchtungen in der Membrane ; Mediana der Vorderflügel undeutlich, fast ver- schwunden, nur durch einige unregelmäßig" wellige Fragmente vertreten; Mediana der Hinterflügel gerade, Submediana der Vorder- und Hinterflügel mit zalih-eichen Zweigen bis an die Spitze des Flügels. SpanuAveite 15, Länge mit Flügeln 9,5, Länge der Flügel 7,2 — 7,5, Breite der Flügel 1,7 Körper mit Kopf 5 mm. Von P. fuscofemoralis Sjöst. wird diese Luago folgendermaßen unter- schieden: -j- Fühler 16-gliedrig, Schienen hell, Schenkel dunkel; Ocellen um -/g ihres Durehmessers von den Augen getrennt. P. fuscofemoralis. -] — |- Fühler 15-gUedrig, Schienen und Schenkel dunkel; Ocellen nur um Ye ihres Durchmessers von den Augen getrennt. P. allocerus. Soldaten. Unter den vorliegenden Soldaten sind drei deutlich getrennte Formen vorhanden. SiLVESTRi hatl. c. größere und kleinere Soldaten und Arbeiter best-hrieben. Von den größeren Soldaten liegen mir 9 Cotypen vor, die indessen nicht mit den von Silvestri angegebenen Maßen stimmen. Gr. Soldat (nach Silvestri) Kopf ohne Mandiben 2, Kopf breite 1,9, Maudibeln 1,7 mm. Gr. Soldat (nach den Cotypen) Kopf ohne Mandibeln 1,7, Kopfbreite 1,6, ]\Iandibeln 1,35 mm. Gr. Soldat (nach dem vorliegc^nden Material) Kopf ohne Mandibeln 1,7, Kopf breite 1,6, Mandibeln 1,35 mm. SiLVESTRi's kl. Soldat stimmt im Großen und CJanz(>n mit der vor- liegenden Zwischenform übereiu: Isoptera. 77 Nach Sii-VESTRi: Kopf, ohne Mandibehi 1,45, Kopfbreite 1,22, Man- clibeln 1,14 mm, Vorliegende Zwischenform: Kopf, ohne Man dib ein 1,40, Kopfbreite 1,25, Mandibeln 1,15 cm. Diese Zwisehenform hat indessen oft nach außen deutlich verjüngte Fühler, während Silvestri diese als „apicem versus non attenuata" angibt. Bei einem Exemplar sind sie ziemlich gleichbreit. Dagegen hat die hier (wie bei Acanthotermes acanthothorax) vorkommende dritte, bisher un- beschriebene Soldatenform nach außen nicht verjüngte Fühler. Diese sind 13-gliedrig, das 2. Glied wenig länger als das 3., das so lang wie das 5. erscheint; das 4. etwas kleiner als die anliegenden; Endglied ziem- lich kurz oval, wenig schmäler als die vorhergehenden. Länge 4,5, Kopf mit Mandibeln 2,1, Kopf ohne Mandibeln 1,1, Kopf- breite 1, Mandibeln 1 mm. Teriines (Termes) Midi a eisen i n. sp. Tafel II, Fig. 1, 10. Imago alata: supracastaneaveldilutior; ventre brunneo-flavido ; tibiis fusco-adumbratis ; capite ovali, antice angiistato, '/,3 longiore quam inter apices oculorum lato, medio excavato, crista rotundata longitudinali ; epistomate capitis colore, modice inflato, longitudine ocelloruni; oculis magnis, fere rotnndis; ocellis late ovalibus, modu ','5 diameti'is ab oculis remotis; antennis 19-articulatis, articulo secundo minimo, tertio longo, longitudine articuli basalis; prothorace semicirculari, postice applanato et patilo incurvato, antice paululo angulatim incnrvato, V20 latiore quam caput cum oculis; alis opaco-hyalinis, paulo flavescente adum- bratis, venis costalibus brunneo-flavidis ; mediana et submediana alse anticae basi alae ipsius separatis. Exp. alar. 77 — 78, long. c. alis 42, long. aXve 35 — 36, lat. alse 10, corp.c. cap. 19 — 20 mm. Fundangaben: Okahandja; G. Fock, 1910 (einige geflügelte Imagines). Okahandja; W. Michaelsen, 27. Mai 1911 (1 Königin, 1 gr. Soldat, 4 kl. Soldaten, 2 gr. Arbeiter). Onjatu; O. Hentschel, August 1909 (melu-ere hundert Soldaten und Arbeiter). Farm Okosongomingo am Kleinen Waterberg; H. Thomsen, Aug-ust 1912. Dieser Art gehören wahrscheinlich auch 3 Königinnen von der Farm Okapchuri bei Okasise (M. v. Rudno-Rudzinski, 7. September 1911) an. Typen im Mus. Hamburg und Mus. Stockholm. 78 Yngve Sjöstedt. Geflügelte Imago. (Tafel II, Fig. 1.) Kopf und Thorax rotbraun, Hinterleib oben etw^as heller, unten \del heUer, braungelb; Beine etwas mehr horngelb und besonders die Schienen dunkel schattiert; Kopf oval, nach vorn verengt, um 2/, 3 länger als zwischen den Augenspitzen breit; Scheitel etwas konkav mit einem niedrigen, ab- gerundeten Längskiel; Augen ziemlich groß, kurz oval, fast kreisrund; OceUen kurz oval, gerade halb so breit wie die Augen, nur um Vs ihres Durchmessers von den Augen getrennt; Epistom von der rotbraunen Farbe des übrigen Kopfes, vorn gerade, hinten gebogen, von vorn nach hinten so lang wie der Durchmesser der Ocellen; Fühler 19-gliedrig, das 2. Glied am kleinsten, das 3. viel länger als die anliegenden, so lang -wie das Basalgiied; vom 4. an die Glieder zuerst ziemlich gleich groß, kurz oval, fast rund, dann allmälilich etwas größer, nach unten verengt, länger, nach außen etwas schmäler, Endglied schmal oval, so lang wie das vor- letzte Glied; Prothorax halbkreisförmig, mit etwas abgeplatteten Seiten, hinten breit, etwas eingebuchtet; von vorn gesehen der Vorderrand etwas winkelig eingebuchtet, um '/an breiter als der Kopf mit Augen; Meso- und Metathorax hinten breit, der erstere etwas mehr, winkelig, eingebuchtet, der letztere schmäler, bogenförmig; Flügel hyaKn-opak, schwach gelblich angehaucht, Costaladern bräunlich gelb, Subcosta heller; vom hinteren Teil der Subcosta einige kleine Adern durch das Subcostalfeld; Mediana und submediana der Vorderflügel gehen getrennt von der Schuppe aus. Spannweite 77 — 78, Länge mit Flügeln 42, Länge und Breite der Flügel resp. 35 — 36 und 10, Körper mit Kopf 19 — 20 mm. Diese große und schöne Art steht T. bellicosus vind T. natalensis am nächsten, hat aber breitere Flügel imd einen breiteren Prothorax, der breiter — bei den anderen schmäler — als die Breite des Kopfes zwischen den Augen ist. Von T. gratus, der einen breiten Prothorax hat, iinterscheidet sich diese neue Art u, a. sofort durch die großen Ocellen, die von den Augen durch einen Abstand von nur um '/s ihres Durchmessers getrennt sind, bei T. gratus dagegen viel weiter abstehen. Wie die Soldaten zeigen, steht die Art dem T. bellicosus am nächsten. Königin. Diese ist am Kopf und Thorax etwas heUer rotbraun als die anderen und die Schienen der Beine sind nur wenig dunkler. Sie ähnelt sonst der des T. bellicosus. Prothorax in natürlicher Lage gerade so breit wie der Kopf zwischen den Augenspitzen. Länge des Hinterleibes 67, Breite desselben 20 mm. Größerer Soldat. (Taf. II, Fig. 10.) Von demselben Aussehen wie der größere Soldat des Termes belli- cosus, aber bedeutend kleiner. Der Prothorax ist verhältnismäßig breiter, Isoptera. 79 nitr um 7,2 schmäler als der Kopf (bei T. hellicosus etwa Y« ^^^ ^^^r Breite des Kopfes). Ferner ist das 3. Fühlerglied kürzer als bei T. helli- cosus, deutlich länger aber nicht ganz doppelt so lang wie das 2. Die einen spitzen Winkel bildenden Frontalrinnon tief, und das dazwischen- liegende Dreieck ziemlich hoch. Totallänge 15, Kopf mit Mandibeln 7,5, Kopfbreite 3,9, Mandibeln 2,2 mm. Kleinerer Soldat. Ähnelt sehr dem des T. hellicosus, der Kopf ist aber etwas schmäler und verhält sich am Prothorax wie 40:37, bei T. hellicosus wie 45:37. Das 3. Fühlerglied ist nur selir wenig länger als das 2; bei T. hellicosus ist das 3. Glied deutlich länger als das 2. Länge 9, Kopf mit Mandibeln 5, Kopfbreite 2,6 mm. Größerer Arbeiter. Ähnelt dem des T. hellicosus. Füliler 18-gliedrig. Länge 7, Kopf- breite 2,5 mm. Biologie. In kegelförmigem festem Bau (Michaelsen). Ternies (Termes) nataleusis Hav. Sjöstedt, Monogr. p. 102, Nachtr. p. ,50. Fundangabe: Okahandja: W. Michaelsen, 28. April 1911 (1 kl. Soldat, mehrere gr. und kl. Arbeiter). Als Anhang möge hier eine neue Tei'mes-Art aus Abessinien be- schrieben werden. Termes herus n. sp. Tafel II, Fig. 6. Image alata: corpore fere nigro, pedibus paulo dilutioribus ; capite ovali, antrorsum angustato, •',',4 longiore quam inter apices oculorum lato; oculis modicis, ocellis satis parvis, ovalibus, distantia ','5 minore diametro ab oculis remotis; antennis 19-articulatis, articulo tertio longitudine basalis, secundo paulo minore quam quarto; prothorace seraicirculari, '/]j angustiore quam caput inter apices oculorum, antice incurvato, medio exciso, postice paulo applanato et incurvato ; mesothorace postice rotundato et paulo incurvato ; metathorace postice curvato, medio late applanato vel paululo incurvato ; alis opaco-hyalinis venis costalibus brunneo- flavidis; mediana et submediana alae anticse basi alse ipsius separatis. Exp. alar. 69 — 70, long. c. alis 38, long, alfe 32 — 32,5, lat. alae 7,5 — 6,8, corp. c. cap. 18 mm. Fundangabe: Abessinien, Dire-Daua, 320 Kilometer von Djibouti entfernt. Typen im Mus. Stockhohn. Q D * R gQ Yngve Sjöstedt. Geflügelte Imago. Tafel II, Fig. 6. Der ganze Körper schwarzbraun bis schwarz, Beine zum Teil etwas heller, braungelblich angehaucht; Fühler und Palpen rotbraun mit hellen Gelenken, Bauchsegmente einlarben schwarzbraun, die zwei oder drei oberen in der Mitte heller; Kopf fast vöUig glatt, oval, nach vorn verengt, um '/,4 länger als zwischen den Augenspitzen breit; Scheitel deutlich konkav mit einem kurzen abgerundeten Längskiel; Epistom von derselben dunklen Farbe wie der übrige Kopf, ziemlich klein, nur wenig aufgeblasen, vorn abgeschnitten, hinten gebogen; Augen kurz oval, vorn kaum bemerkbar abgeplattet, ziemlich flach gewölbt; Oc eilen kurz oval, ziemlich klein, um Vs weniger als die Länge ihres Durchmessers von den Augen ge- trennt; Wangen gerade so breit wie der Zwischenraum zwischen Augen und Ocellen; Fühler 19gliedrig, das BasalgHed so lang wie das 3. Glied, das 2. Glied etwas mehr als halb so lang wie das 3., das 4. kaum länger als das 2.; die Glieder nach außen zuerst ziemlich gleich groß, nach der Spitze zu ein wenig schmäler; Endglied oval, so lang wie das vorletzte Glied: Prothorax um Y,, sclmiäler als der Kopf z\\äschen den Augen- spitzen, halbmondförmig mit breit abgerundeten Vorderecken und einge- bogenem, in der Mitte etwas mnklig ausgeschnittenem Vorderrand; Hinter- rand herabgebogen, in der Mitte abgeplattet und etwas eingebogen; Meso- thorax hinten abgerundet, in der Mitte deutlich eingebogen; Metathorax hinten bogenförmig, in der Mitte schwach eingebuchtet; Prothorax ringsum behaart, sonst fast glatt; Meso- und Metathorax ganz glatt, Dorsalschüder des Hinterleibs glatt, an den Hinterrändern fein, kurz und ziemlich dicht behaart; Beine dicht behaart, besonders Schienen und Tarsen; Flügel fast glasheU-opak, kaum bemerkbar gelblich angehaucht, mit rötHchgelben Costaladern, vom hinteren, unteren Teil der Subcosta bis an die Spitze der Flügel ein paar kleinere Adern; Mediana und Submediana der Vorder- flügel gehen getrennt von der Schuppe aus. Spannweite 69 — 70, Länge mit Flügeln 38, Länge der Flügel 32 — 32,5, Breite der Flügel 7,5 — 7,8, Körper mit dem Kopf 18 mm. Diese dunkle Art steht Termts bellicosus am nächsten, unterscheidet sich aber von ihm leicht durch die fast schwarze Farbe des ganzen Körpers. Der Kopf ist viel größer, die Ocellen kleiner und weiter von den Augen getrennt, der Hinterrand des Metathorax ist bogenförmig, in der Mitte breit abgeplattet und schwacli eingebuchtet, bei T. bellicosus dagegen deutlich winkelig ausgeschnitten, mit abgerundeten stumpfwinkeligen Seiten. Isoptera. 81 Königin. Gelblich weiß, ohne dunkle Punkte, Länge 72, Hinterleib 60 mm lang und 16 mm breit. Termes (Odontotermes) focUianus n. sp. Tafel II, Fig. 11 und 12. Fundangabe: Okahandja: G.Fock, 1909 (1 kl. und 4 gr. Soldaten, 1 gr. Arbeiter). Typen im Mus. Hamburg und Mus. Stockholm. Größerer Soldat. fTaf. II, Fig. 11 und 12.) Kopf dunkler oder etwas heller rotbraun mit dunkler Kehle, oval, etwas rektang"ulär zusammengedrückt, mit schwach gebogenen, nach vorn etwas konvergierenden Seiten, breit abgerundeten Hinterecken und flach gebogenem Hinterrand, flach gewölbt, glatt und glänzend; Stirn flach, breit eingedi'ückt mit kurzem, niedrigem Kiel und von dort sclii-äg nach vorn ausstrald enden kurzen feinen erhabenen Linien: am WaUe der Konkavität der Stirn jederseits ein deutlicher, punktförmiger Eindruck; Epistom flach, vorn schwach gebogen, fast gerade abgeschnitten: Oberlippe zungenförmig, in der Spitze mit einzelnen Haaren; Mandibeln glänzend schwarz, kräftig, von ihrem breiteren dunkel rötHchem Basalteil durch eine Rinne deuthch begrenzt, kurz, schwach scherenförmig gebogen, an der Spitze etwas kräftiger gebogen; Innenrand jederseits mit einem deutlichen Zahn; von der Seite gesehen sind die Mandibeln schwach nach oben ge- richtet; Mentum sehr breit, bandförmig, in der Mitte kaum bemerkbar erweitert, vorn deutlieh verengt, Vorderraud breit, gerade abgeschnitten; die Kehlpartie herabgesenkt, so daß sie mit Ausnahme des Vorderteils von der Seite deutlich sichtbar ist: Fühler ITgliedrig, bis an die Spitze gleichmäßig dick; das Basalglied am größten und A^de das 2. zylinderisch, das 3. etwas kürzer als die anliegenden; die folgenden fast kugelig, in der Mitte der Fülder die Glieder etwas größer; Prothorax sattelförmig '"^oo so breit wie der Kopf, Vorderlappen von der Vi 3 Breite der Hinterlappen, in der Mitte sehr deuthch breit herzförmig ausgeschnitten. Vorderecken breit abgerundet, Hinterrand flach gebogen, in der Mitte breit und selir deutlich eingebuchtet, gut doppelt (genauer ', ,3) so breit wie lang; Mesothorax "/,3 so breit wie Prothorax, oval, hinten flach eingebuchtet: Metathorax nicht vöUig (genauer '-/13) so breit wie der Prothorax, kurz, hinten breit, sehr flach gebogen; Beine gelblich; Kcirper und Beine ziemhch spärlich behaart. Länge 12, Kopf mit Mandibeln 5,7, Kopfbreite 3,5 mm. Steht zwischen T. fidens und T. monodon. 6 Michaelsen. Üeutsch-Südwestafrika. g2 Yngve Sjöstedt. Kleinerer Soldat. Kopf mit Mandibeln 4 mm, Kopfbreite 2,2 mm, dunkel kastanien- braun, wde der größere gebaut, Fühler 17-gliedrig, Mandibeln verhältnis- mäßig etwas feiner und länger, Stii-n nicht so stark konkav, Hinterrand des Metathorax sehr flach gebogcm, fast gerade. Größerer Arbeiter. Kopf einfarben ziemlich hell braun, nur die Stirn etwas blasser, kreisrund, von den Seiten schwach zusammengedrückt, in der Mitte konkav mit einer ringförmigen Grube; Epistom kaum heller, schmal oval, wenig aufgeblasen, 2/. so lang wie breit, längs der Mitte mit einer dunklen Linie, jederseits von einem kleinen dunklen Fleck begrenzt; die zwei ersten Zähne der Mandibeln gleich groß; Fühler gelblich, nach außen etwas dunkler, 19-gliedrig, das 3. Glied am kleinsten, das 4. nur wenig größer, so lang wie das 5., das 2. so lang wie das 3. und 4. zusammen, das Basal- glied ungefähr so lang wie die drei folgenden zusammen, in der Mitte der Fühler die Glieder etwas größer, nach außen wieder etwas kleiner; End- glied doppelt so lang wie breit, oval; das 3. und 4. Glied nicht scharf getrennt, so daß man die Glieder für 18-gliedrig ansehen könnte. Prothorax sattelförmig, Vorderlappen etwas triangulär, zusammengedrückt, in der Mitte deutlich ausgeschnitten. Länge 5, Kopf breite 1,95 mm. Termes (Odoiitotermes) vehobothensis n. sp. Tafel II, Fig. 3. Imago alata: siipra castanea, capite pauIo obscuriore, ventre et pedibus pallide bruuiiescente-flaviflis, unicoloribus; capite ovali, antrorsum valde angustato, paulo longiore quam inter apices oculonim lato ; medio puncto prominulo vix conspicuo et macula pallidiore; oculis magnis, ocellis lata ovalibus, diametro dimidio ab oeulis remotis ; antennis 19-articulatis, articulo basali longitudine duorum seciuentium, articulo tertio paulo minore secundo et (liiarto; ])rotliorace semicirculari, latitudine vix cai)itis cum oculis, postice applanato et paulo incurvato; lobe antico parvulo, medio vix exciso; alis brunneo-adumbratis, costalibus obscu- rioribus; mediana et sulimediana alfe anticse basi junctis, petiolo venis 4 — 5 instructo. Exp. alar. 71, long. c. alis 39, long, alaä ant. 3;:5, lat. alai ant. 1), corp, c. cap. lö mm. Fundangaben: Okahandja; W. Michaesen, 28. April 1911 (1 Königin). Uehoboth; K. Wegeleben, 1912 (2 geflüg. Imagines). Typen im Mus. Hamburg und Mus. Stockholm. Geflügelte Imago. Tafel II, Fig. 3. Oben ziemlich dunkel rotbraun, Kopf ein wenig dunkler; Bauch- segmente horngelb, von derselben Farbe wie die Beine; Kopf oval, nach Isoptera. 83 vorn deutlich triangulär verengt, ganz wenig länger (um '/g) als zwischen den Augenspitzen breit (d. h. 3,2 nun) ; Stirn mit einer winzig kleinen Erhabenheit und von dort nach vorn einem kurzen, kaum sichtbaren Kiel; Epistom klein, wenig gewölbt, wie die Oberlippe heller, braunrötlich, schmal oval, hinten flach gebogen, vorn ziemlich gerade mit dünnem, weißlichem Vorderrand, längs der Mitte mit einer dunklen Linie; Augen ziemlich groß und abstehend, fast kreisrund; Ocellen kurz oval, um die halbe Länge ihres Durchmessers von den Augen getrennt; Wangen so breit wie der Zwischenraum zwischen Augen und Ocellen; Augen doppelt so breit wie der längere Durchmesser der Ocellen; Fühler 19-gliedrig, das Basal- glied so lang wie die zwei folgenden Glieder zusammen, das 3. etwas kleiner als die anliegenden; das 2. cylindrisch, so lang wie das mehr ab- gerundete 4. Glied; nach außen die Glieder allmählich etwas gTößer, dann etwas schmäler, Endghed gut zweimal so lang wie breit, ziemlich schmal oval; Prothorax ungefähr um '/j, schmäler als der Kopf zwischen den Augenspitzen, halbkreisförmig mit sehr kurzem Vorderlappen, hinten abge- plattet und schwach eingebogen, Vorderrand etwas eingebogen, in der Mitte nicht oder kaum bemerkbar ausgeschnitten; Meso- und Metathorax hinten etwas winkelig ausgeschnitten mit avifgeworfenen Rändern; Flügel deuthch bräunhch angehaucht mit dunkleren Costaladern und pomeranzen- gefärbter unregelmäßiger Linie unter der äußeren Hälfte der Subcosta; Mediana und 8ubmediana der Vorderflügel an der Basis vereinigt, der Stiel mit 4 — 5 Zweigen; vom äußeren Teil der Subcosta keine deutliche Adern schräg nach unten gegen die Spitze der Flügel. Spannweite 71, Länge mit Flügeln 39, Länge der Vorderflügel 33, Breite derselben 9, Körper mit Kopf 15 mm. Ich halte für sehr möglich, daß diese Art sich als die Imago des T. fockianus erweisen wird. Sie steht der Imago des T. badius sehr nahe, ist aber größer, wie auch der Soldat des T. fockianus, obgleich bedeutend größer, dem des T. badius sehr ähnelt. Beide stammen aus Deutsch-Süd- westafi'ika. Von 7'. badius unterscheidet sich die Imago nicht nur durch bedeutendere Größe, sondern auch durch die Lage der Ocellen, welche von den Augen um die halbe Länge, bei T. badius etwas weniger als um die ganze Länge ihres Durchmessers getrennt sind. Königin. Eine vorliegende anscheinend hingehörige Königin gehört jedenfalls typisch der 6a(iit/s-Gruppe an. Sie ist an den Seiten dicht dunkel gefleckt nnd sehr groß. Länge des Hinterleibes 105 nun. Breite desselben 25 mm. Sie stammt aus Okahandja wie die Soldaten und Arbeiter des T. fockianus. g4: YnGVE SjÖSTEDT. Ternies (Odontotermes) badius Hav, SjÖSTEDT, MonogT. p. 110, Naclitr. p. 33, 56. Fundangaben: Farm Paulinenhof (südl. von den Auasbergen, ca. 36 km östlich von Windhuk; W. Wichaelsen, 18. Mai 1911 (melirere große und kleine Soldaten und Arbeiter). Otjituezu am Weißen Nossob; W. Michaelsen, 13. Mai 1911 (Sol- daten und Arbeiter). Größerer Soldat: Kopf mit Mandibeln 5,85, Kopfbreite 2,80 mm. Kleinerer Soldat: Kopf mit Mandibeln 4, Kopfbreite 2,1 mm. Terfnes (Odontotermes) vulgaris Hay. SjÖSTEDT, MonogT. p. 113, Nachtr. p. 26, 35, 58. Fundangabe: Okahandja; G. Fock, 1909 (1 Königin, Nymphen, Soldaten und Arbeiter). Termes (Odontotermes) latericius Hav. SjÖSTEDT, MonogT. p. 124, Nachtr. p. 35, 64. Fundangaben: Tsumeb; W. Michaelsen, 13. — 19. Juni 1911 (1 Soldat, einige Arbeiter). Windhuk; W. Michaelsen, 29. April bis 8. Mai 1911 (einige Soldaten und Arbeiter). JEhitermes (Cubitennes) pretoriensis u. sp» Tafel II, Fig. 8 und 13. Fundangabe: Transvaal, Pretoria. Typen im Mus. Stockholm und Mus. Pretoria. Soldat. (Tafel II, Fig. 8, 13). Kopf heU rotgelb, kurz rektangulär, fast quadratisch, nach hinten kaum bemerkbar verengt, mit geraden Seiten, gebogenem Hinterrand und breit abgerundeten Hinterecken; Stirn sehr hoch, von hinten gesehen einen abgerundeten rechten Winkel bildend, Stirnrand scharf; Stirngipfel in der Mitte deutlich wulstig vorgezogen^ so daß er die Fontanelle überdeckt; Fontanfdle mit feinem Borstenkranz; Oberlippe kurz und breit, nach vorn erweitert, vorn breit eingebuclitet, so daß nur zwei kurze Prozessen die Gabelspitzen bilden; Vorderrand mit Haaren besetzt; Fühler 13-gliedrig; das Basalglied grob, nacli unten an der Innenseite veriMigt, etwas länger als die zwei folgenden Glieder zusanuuen; das 3. Glied länger als die Isoptera. 85 anliegenden: das 2. und 4. gleich lang; nachdem die Glieder allmählich viel länger imd nach unten stark verengt, die letzten am längsten, ungefähr drei mal so lang wie breit; Mentum fast gleichbreit, etwas vor der Mitte erweitert dann etwas verengt, vorn breit abgesöhnitten ; von der Seite ge- sehen etwas wulstig herabschiebend, ohne Prozesse; Mandibeln schwarz, fein und schmal, ziemlich schwach einwärts gebogen; Vorderlappen des Prothorax viel kleiner als der Hinterlappen, ziemlich breit gebogen, in der Mitte nicht oder kaum bemerkbar ausgerandet; Körper und Beine weiß. Länge 3, Kopf mit Mandibeln 2 — 2,20, Mandibeln 1, Kopf breite 0,85 mm. Die kleinste bisher bekannte Cubitermes- Art. Kommt in der Über- sicht (Rev. zool. afric. II, fasc. 3, 1913 p. 376) bei: o Kopfbreite 1,10 — 1,50 mm (folgendermaßen: oo Kopfbreite 0,85 pretoriensis Sjöst). Arbeiter. Kopf weiß, fast vöUig kreisrund; Epistom ungewöhnlich groß und wulstig aufgeblasen, oval, hinten breit gebogen, vorn abgeschnitten, die Seiten breit abgerundet; jederseits ist das Epistom von einem kleinen braunen Fleck begTenzt; Fühler 14-gliedrig, das Basalglied gut so lang wie die zwei folgenden zusammen, das 2. etwas größer als das 3., das 4. am kleinsten, das 5. so groß wie das 2; vom 5. an die GHeder nach außen allmählich viel größer, Endglied am längsten, langgestreckt oval, nach außen verjüngt; der erste Zahn der Mandibeln viel größer als die anderen; Prothorax ungefähr um ' /^ schmäler als der Kopf, sattelförmig, Vorder- und Hinterlappen gleich groß, Vorderlappen ohne Einsclinittt in der Mitte; der ganze Körper weiß mit einzelnen Haaren, Füliler und Epistom schwach braungelbhch angehaucht, Abdom mit schwarz durch- leuchtenden Eingeweiden. Länge 4, Kopfbreite 0,80 mm. JEiitermes (Hamitermes) ruiiconifev Silv. Hamitermes runconifer Silvestei, Jenaische Denkschrift Bd. XIU, pag. 77 (1908). Fundangaben: Okahandja; W. Michaelsen, 27. April 1911 (1 Soldat, mehrere Arbeiter). Neudamm; W. Michaelsen, 10. — 15. Mai 1911 (Soldaten und Arbeiter). Biologie: In Textfigur \a und \h auf Seite 89 ist ein Nest dargestellt, in welchem Hamitermes runconifer angetroffen wurde. „Es will mir aber fraglich erscheinen," sagt Michaelsen, „ob das Nest tatsäcldich von Hami- termes rimconifer angefertigt wurde. Das Nest war größtenteils leer (Winterzeit), nur in einem Winkel saßen Termiten. Nei Neudamm fand ich viele ganz leere Bauten, und in einem Hamitermes runconifer, in einem gg Ykgvk Sjöstedt. anderen ebenso auss oh endi^ n Eutej^mes ti'inercoides. Sollte der Bau nicht aucli der ^Vrt Eutermes trinervoides angehören und nur nachträglich von Hamitermes runconifer besetzt sein?" Vielleicht ist Eutermes trinervoides der eigentliche Baumeister. Mir liegt ein selir ähnliches Nest aus Australien vor, das von einer Art mit Nasuti-Soldaten (yno bei E. trhiervoides) gebaut ist. Eiiter^ues gfootfonteinsis n. sp. Tafel II, Fig. 2, 5. Fundangabe: Grootfontein; W. Michaelsen, 7. — 11. Juni lUll (melu-ere gT. und kl. Nasuti und Arbeiter). Typen im Mus. Hamburg und Mus. Stockholm. Größerer Nasutus (Tafel II, Fig. 2, 5.) Kopf rotgelb mit etwas dunklerer Nase, die nicht ganz auf derselben Linie wie der Scheitel liegt; von oben gesehen der Kopf ziemlich kreis- rund, nach vorn verengt; Hinterrand der Fülilergruben vor der Mitte des Kopfes gelegen (6:5); Fühler 13-gliedrig, das 3. Glied '/s länger als die anliegenden, das 2. und 4. Glied gleich lang, Basalglied '/^ kürzer als die zwei folgenden zusammen; die mittleren Glieder ungefähr doppelt so lang vAq breit; nach außen die Glieder etwas kleiner; Endglied oval, so lang wde das vorletzte Glied; Vorderlappen des Prothorax etwas abgeplattet und in der Mitte deutlich aber seicht abgerundet und mit feiner längsgehender MitteLrinne; Hinterlappen bogenförmig; Vorderlappen abstehend, jederseits an der Basis mit einem kleinen dunklen Fleck, und etwas gTößer als der Hinterlappen. Länge 3,5- — 4, Kopf 1,95, Kopfbreite 1,15, Kopfhöhe0,66mm. Diese neue Art ist in die Übersicht (MonogT. Nachtr. p. 39) folgender- maßen einzuführen: A Vorderrand des Prothorax in der Mitte etwas ausgeschnitten. O Größer. Länge des Kopfes 1,95 — 2 mm. \ Das 2. Fühlerglied kürzer als das 4. ; Vorderlappen des Prothorax dunkler als der Hinterlappen; Nacken mit dunkler Längslinie. E. salebrithorax. ■\-f Das 2. Fühlerglied so lang wie das 4. Vorder- und Hinterlappen rotgelb; Nacken ohne dunkle Längslinie. JE, grootfonteinsis. OO Kleiner. Länge des Kopfes 1,50 mm. Das 2. Fühlerglied gleich lang oder etwas länger als das 4. ; Vorderlappen des Prothorax von derselben rotgelben Farbe wie der Hinterlappen. £. usambarensis. Kleinerer Nasutus. Klein und schmächtig; Kopf fast rotgclb mit sehr dunkler, an der Spitze rötlicher Nase, von oben gesehen oval, nach vorn verengt; Nase Isoptera. 87 und Scheitel nicht auf einer Linie; Hinterrand der Fühlergruben hinter der Mitte des Kopfes (20:24); Fühler 13-gHedrig, das Basalglied kaum so lang wie die zwei folgenden Grlieder zusammen, das 2. ungefähr so lang wie das 4., das 3. \'iel länger als die anliegenden, etwas länger als das Basal- glied; Vorderrand des Prothorax bogenförmig in der Mitte nicht aus- gerandet, aber bisweilen mit einer kurzen kaum bemerkbaren Rinne ver- sehen; Länge 3, Kopf 1,60, Kopfbreite 0,70, Kopfhöhe 0,50 mm. Kommt in der Übersicht (Monogr. Nachtr. p. 39j neben E. oeconomus, kl. Nasutus. -|- Kopffarbe rotbraun, Kopfbreite 0,60 mm. E. oeconomus. -| — j- Kopffarbe hellrotgelb, Kopfbreite 0,70 mm. E. grootfonteinsis. Größerer Arbeiter. Kopf rotbraun mit drei in der Mitte zusammenlaufenden weißen feinen Linien, kurz rektangulär-oval, mit ziemlich geraden Seiten, an den Kiefern am breitesten; Epistom viel heller, gelbhch, doppelt so breit wie lang, hinten gebogen, vorn ziemlich gerade, ziemlich aufgeblasen, mit heller Längslinie in der Mitte; Fühler 14gliedrig, weiß, schwach gelblieh ange- haucht, das 3. Glied deuthch länger als die anliegenden, das 2. und 4. gleich lang, das Basalglied um '/4 kürzer als die zwei folgenden zusammen; nach außen die Glieder allmählich länger, etwas mehr als doppelt so lang wie breit; Endglied langgestreckt oval, kürzer als das vorletzte; die zwei ersten Zähne der Mandibeln klein, gleich groß: Vorderlappen des Prothorax abstehend, nach unten verengt, in der Mitte sehr deuthch aus- gerandet. Länge 5, Breite des Kopfes 1,25 mm. Kommt in der Übersicht (Monogr. Nachti-. p. 45 1 E. salebrithorax am nächsten. Kleinerer Arbeiter. Viel kleiner als der größere. Länge 3, Kopfbreite 0,70 nun. Fühler weiß, mit dickeren Gliedern, das 2. Glied so lang wie die zwei folgenden, das 4. am kleinsten, ringförmig und unvollständig abgeschnürt; auch das 5. — 7 breiter als lang, bisweilen auch mehrere; das vorletzte am größten, End- glied langgestreckt oval, ^riel schmäler als das vorletzte. JEtitertnes trinervoides Sjöst. Sjöstedt. Ent. Tidskr. 1911. p. 187 Torläufig in die Übersicht eingeführt; Denkschr. Mat.-Nat.-Kl. Kaiserl. Akad. Wiss. Wien. Bd. LXXXVIU, p. 720 (1913). Aus dem Kapland. Fundangabe: Xeudamm; W. Michaelsen, 10.— 15. Mai 1911 (zalilreiche gToße und kleine Xasuti vmd Arbeiter). Okahandja; W. Michaelsen, 27. April 1911 (dasselbe). 33 Yngve Sjöstedt. Biologie: ,,Aus einem kupp eil ormigen Nest aus fester Erde". Dieses soll nach Michaelsen dem in nebenstehender Textfigur abge- bildeten Nest von Okahandja vollkommen geglichen haben. In dem hier abgebildeten Nest wurden aber nur Arbeiter von Hamitermes runconifer SiLv. gefunden, allerdings nur in einem kleinen Winkel, während das Nest sonst leer war. Vielleicht ist Hamitermes runconifer nur als sekundärer Einmieter, dagegen Eutermes trinervoides, der in gieiclien Nestern angetroffen wurde, als der Erbauer anzusehen (vergl. die Angabe unter Hamitermes runconifer, oben p. 85). Euternies dispar Sjöst. Sjöstedt, Monogr. Nachtr. p. 40, 107. Fundangabe: Okahandja; W. Michaelsen, 28. April 1911 (2 Nasuti, mehrere Arbeiter). Die Fühler sind meist 13 gliedrig, das 3. Glied sehr lang, doppelt so lang wie das 2.; bisweilen sind die Füliler 14 gliedrig, indem dann das lange 3. Glied in der Mitte geteilt ist. Das 2., 3. und 4. Glied sind dann gleich lang. In diesem Fall ist diese Art in die Übersicht der mit 14 Füliler- gliedern versehenen Arten (Sjöstedt, Ent. Tidskr. 1911, p. 187) zwischen E. rhodesiensis und E. tritiervoides einzuführen. Die vorliegenden Exem- plare messen: Kopf 2, Kopfbreite 1,10, Kopfhöhe 0,80. Hinterrand der Fühlergruben gerade an der Mitte des Kopfes gelegen. Euterfnes hentscheliauus ii. sp. Tafel II, Fig. 4, 7. Fundangabe: Otjosondyombo am Eiab; O. Hentschel, Juli 1909 (mehrere hundert Nasuti und Arbeiter). Typen: im Mus. Hamburg und Mus. Stockholm. Größerer Nasutus. (Taf. II, Fig. 4, 7.) Kopf rotgelb mit scliwarzer, langer, schmaler, in der Spitze roter Nase, die nicht ganz auf der Linie des Scheitels liegt; Kopfseiten stark abgerundet, so daß der Kopf etwas breiter als lang erscheint; Hinterrand der Fühlergruben viel hinter der Mitte des Kopfes gelegen (3:4); Nacken mit feiner etwas eingedrückter Mittellinie ; Fühler 14 gliedrig, das 2. GUed am kleinsten, fast halb so lang wie das 3., Basalglied so lang wie das 3., das deutlich länger als das 4. erscheint; das 4. und 5. gleich groß; nach außen die Glieder unbedeutend größer und dann wieder etwas kleiner; Isoptera. 89 ''■'M ^^MiUteliä- .™ '^'"' ■- ......,,ia ^ Fig. 1. Termitennest aus fest gebackener Erde von Okahandja, in einem Winkel bewohnt von Hamitermes runronifer; <^J = Nest von der i^eite, bj = Hauptlängsschnitt des Nestes mit künstlichem Erdboden. 9Q Yngve Sjöstedt. Endglied ziomlich kurz oval, t>ü lang wie das vorletzte. Prothorax sattelförmig, Vorderlappen ziemlich gleich lang wie der Hinterlappen, in der Mitte schwach eingekerbt. Länge 5 — 6, Kopf 2,45, Kopfhöhe 0,80, Kopf- breite 1,25 mm. Kleinerer Nasutus. Kopf rotgelb mit langer, feiner, schwarzer oder schwärzlicher, in der Spitze rötlicher Nase, die nicht ganz auf einer Linie mit dem Scheitel liegt, von oben gesehen kurz oval, nach vorn etwas verengt; Fühler 14 gliedrig, das 2. Glied am kleinsten, etwa halb so lang wie das 3.; das 3. und 4. Glied gleich lang, das 5. etwas länger; in der Mitte der Füliler die Glieder schmal, dreimal so lang wie breit, nach außen kleiner, End- glied oval; Vorderlappen des Prothorax in der Mitte schwach ausgerandet. Länge 3—3,5, Kopf 1,85, Kopf höhe 0,54, Kopfbreite 0,85. Die Nasuti dieser Ai-t sind in die Übersicht der mit 14 güedrigen Fülilern versehenen Nasuti (Entom. Tidskr. 1911, p. 186) folgendermaßen einzuführen : O Kopfbreite unter 1 mm. /\ Die mittleren Fühlerglieder dreimal so lang wie breit. =j^ Länge und Breite des Kopfes 1,G8 — 1,70 resp. 0,66 mm. E. geminatus kl. Nasutus. =1==^ Länge und Breite des Kopfes 1,85 und 0,85 mm. E. hentschelianus kl. Nasutus. OO Kopfltreite über 1 mm. j^ Das 3. Fühlerglied deutlich bis viel länger als das 4., etwa doppelt so lang wie das 2. -\- Nase kurz, vom Hinterrand der Fühlergruben ^/^ kürzer als der übrige Kopf; Kopf rotbraun, Nacken ohne Längsrinne. E. geminatus gr. Nasutus. -) — \- Nase sehr lang, vom Hinterrand der Fühlergruben '/j länger als der übrige Kopf; Kopf rotgelb. Nacken mit feiner Längsrinne. E. hentschelianus gr. Nasutus. Größerer Arbeiter. Kopf rotbraun mit drei weißen in die Mitte zusammenlaufenden Linien, Epistom, Mundteile, Beine und Körper weiß, gelblich angehaucht; von oben gesehen ist der Kopf rund, von den Seiten zusammengedrückt, an d(!n Kiefern am breitesten, Nacken schwach gebogen; in der Mitte des Ko})fes eine deutliche Grube; Epistom groß, oval, hinten gebogen, vorn abgeschnitten, doppelt so breit wie lang, jederseits von einem braunen Fleck begrenzt; Fühler 15 gliedrig, das 3. Glied länger als die anliegenden, das 2., 4. und 5. gleich lang; das Pjasalglied kürzer als die zwei folgenden zusammen; die mittleren Glieder mehr als doppelt so lang wie breit (5:2), Endglied langgestreckt oval; die zwei ersten Zähne derMandibeln gleich groß, sehr klein; Prothorax sattelförmig, Vorderlappen länger als der Isoptera, 91 Hinterlappen, in der Mitte ziemlich tief ausgeschnitten. Länge 6, Kopf- breite 1,5 mm. Kleinerer Arbeiter. Kleiner, besonders der Kopf; Kopf mehr abgerundet als beim größeren Arbeiter, an den Kiefern am breitesten; Fühler 15 gliedrig, das Basalglied so lang wie das 3. und 4. zusammen; das 2. kürzer als die zwei folgenden zusammen; das 3. und 4. gleich lang, das dritte nach innen verengt; bis- weilen sind diese zu fast einem langen Glied vereinigt, so daß die Fühler 14 gliedrig erscheinen. Länge 4, Länge und Breite des Kopfes resp. 1,35 und 1,15 mm. Eutermes rufonasalis Sjöst. Sjöstedt, Revue zool. africaine, vol. II, fasc. 3, p. 383 (1913). Fundangaben: Wiudhuk; W. Michaelsen, April-Mai 1911 (zahlreiche gr. und kl. Nasuti und Arbeiter). Farm Paulinenhof, südlich am Auas-Gebirge, ca. 36 km östlich von Windhuk; W. Michaelsen, 18. Mai 19n. Wie in der Originalbeschreibung schon angegeben worden eine mit E. agricola äußerst nahe verwandte Art. Einige der vorliegenden Nasuti haben eine ziemlich stark dunkle Käse und kommen dann E. agricola selir nahe. Die Art ist von Katanga beschrieben. Euterfnes coarctatus Sjöst. Sjöstedt, Monogr. Nachtr., p. 41, 106. Fundangabe: Kalkfeld, 48 km NNO. von Omaruru: \V. Michaelsen, 5. Juni 1911 (3 Nasuti). Stockhohn, Naturhistorisches Reichsmuseum, am 18. Nov. 1913. Tafelerklärung. Tafel II. Fig. 1. Termes (Termes) Michaeiseni n. sp. Oefl. Imago Vi. Fig. 2. Eutermes grootfonteinsis n. sp. Nasutus, Kopf von oben, vergr. Fig. 3. Termes (Odontotermes) rehobothensis n. sp. Gefl. Imago Vi- Fig. 4. Eutermes hentschelianus n. sp. Nasutus, Kopf von oben, vergr. 92 Yngve Sjöstedt. Eutermes grootfonteinensis n. sp. Nasutus, Kopf von der Seite, vergr. Termes herus n. sp. Gefi. Image '/,. Eutermes hentschelianns n. sp. Nasutus, Kopf von der Seite, vergr. Eutermes (Cuhitermes) /^rßfortV/isis n. sp. Soldat, Kopf von oben, vergr. Ilodotermes macrothorax n. sp. Soldat */,. Termes (Termes) Michaelseni n. sp. Soldat '/, . Termes (Odontotermes) fockianus n. sp. Soldat '/, . Termes (Odontotermes) fockianus n. sp. Soldat, vergT. Eutermes (Cuhitermes) pretoriensis n. sp. Soldat, Kopf von der Seite, vergT. Fig. 5. Fig. 6. Fig. 7. Fig. 8. Fig. 9. Fig. 10 Fig. 11 Fig. 12 Fig. 13 Michaelsen, Land- und Süßwasserfauna D.-Sn: Afrikas: Sjüsicdf, Isoptera. Taf II. V. SjöstoUt Kiuiclistcdl & Co., ll.imbinj L. Friedcrichsen & Co., Hamburg. Erst den letzten Jahren war es vorbehalten, insbesondere durch die Bearbeitung der Sammelausbeute von Oscar Neumann, Leonh. Schültze, der deutschen Zentralafrika- und der englischen Tanganyika-Expedition und anderer etwas Licht in die Entomastrakeniauna des dunklen Erdteils zu bringen. Freilich stehen die bisherigen Ergebnisse in keinem Verhältnis zu dem imensen Gebiet, das hier in Frage kommt. Aus diesem Grunde muß aucli das durch Michaelsen von der Hamb. deutsch-südwestafrika- nischen Studienreise 1911 mitgebrachte Copepodenmaterial, so gering es in quantitativer Hinsicht auch ist, — es bestand aus 8 Gläschen, deren Inhalt sehr gut in Alkohol konserviert war — als willkommene Ergänzung der bisherigen Resultate angesehen werden. Der zoogeogi*aphische Gesichts- punkt, soweit ein solcher bei dem geringen Umfang des Materials in Be- tracht kommen kann, wird am Schlüsse dieser Arbeit gewürdigt, werden. Hinsichtlich der Arten und Fundstellen der bisher aus dem Gebiet bekannt gewordenen Tiere diene nachstehende Zusammenstellung AoT im Südwestafrikanischen Schutzgebiet bisher gefundenen Copepoden. Groot- fontain Otjitue- zu am Weißen Nosob Farm Frauen- stein bei Neudamm Neue] amm Groß- Bruck- Karoß- berg- ') See- heini Kuibis CeittroiHtgidae Paradiapto)nus Schult zei Do UWE • • + + + • Paradiaptomus falcifer (Loven) • ^ + + • • • • • Diaptomus colonialis n. sp. • + + + + + • 4- + Diaptomus meridianus DOUWE^) T üyclopidae Cydops diaphanus + Fischer Cydops Leiickarti Claus + • • + • • - • • ') Auf den dem Herausgeber zugänglichen Karten als Gr. Brukaros-Berg oder Gr. Brukkaros-Berg bezeichnet. ^) VAN DouwE „Copepoda" in: Schültze, Zool. und authropol. Ergebnisse einer Forsch. Reise im westl. u. zentralen Südafrika 1903 — 1905; V. Band 1912, 96 C. VAN DOUWE. Fain. Centropjigidae. Gen. Paradiaptomus G. 0. Sars. 1845 liroteas Loven. 1895 Paradiaptomus G. O. Sars. 1898 Lovenula Schmeil. 1899 Broteas G. O. Sars. 1907 Paradiaptomus G. O. Saks. JParadiaptotnws Schultzel Douwe. 1912 Douwe „Copepoda" in: Schulze, zool. u. anthropol. Ergebnisse etc. V. Band, p. 26. Tafel IV. Fundangaben: Xoudamm, in 2 ver.schiodenen Wasserstellen; W. Michaelsen, 9. Mai 1911 Farm Frauenstein bei Neudamm, in einem Tümpel; W. Michaelsen, 12. Mai 1911. Die mehrfach in geschlechtsreifen Exemplaren vorhandenen Tiere stimmen genau mit den von Schultze in der Kalahari gesammelten überein. Paradiaptoinus falvifey (Loven). 1845 Broteas falcifer Loven in: Svensk. Vetensk. acad. Handl. tabl. 6. 1898 Lovenula falcifera Schmeil, Copepoda, I. Gymnoplea in: Tierreich. 1904 Lovenula mea Gurney in: Proc. zool. Soc. London, vol. 2, tab. 18. 1912 Paradiaptomus falcifer Douwe, „Ostafrikanische Süßwassercopepoden" in Zool. Jahrbücher, System. 13d. 33. Fundangaben: Otjituezu am Quellfluß des Weißen Nosob, in einem flachen Tümpel; W. Michaelsen, 13. Mai 1911. Farm Frauenstein bei Neudamm, in zwei verschiedenen Tümpeln; W. Michaelsen, 12. Mai 1911. Dieser durch seinen Bau und seine Entdcckungsgescliichte interessante Copepode hat sich zum erstenmal auch in unserem Gebiete an drei Stellen vorgefunden. Gen. Diaptomus Fischer. JJiaptoiiitts ('olotti'alis ii. sp. Tafel III, Fig. 1 — 11. Fundangaben: ()tjituezu am (^Kirlltlul.) des Weißen Nosob, in einem flachen Tümpel des Ki\iers; W. Michaelsen, 13. ]\Iai 1911. Neudamm und Farm Frauenstein bei Neudamm, in verschiedenen flachen Tümpeln; W. Micuaelsen, 12. Mai 1911. Copepoda. 97 Kuibis, in einem künstKchen, eingemauerten Wasserloch; W. Michaelsen, 15. JuK 1911. Seeheim, in einem dauernd Wasser haltenden, von Binsen eingefaßten See im Ri%ier des Großen Fischflusses; W. Michaelsen, 19. Juli 1911. Vorliegend in zalilreichen geschlechtsreifen Exemplaren, zimi Teil vergesellschaftet mit Paradiaptomus falcifer (Loven). Beschreibung: Der sclilanke Cephalothorax (Tafel III, Fig. 1) erreicht seine gi-ößte Breite etwa in der Mitte des Körpers und geht ohne besonders auffallende Yersehmälerung in das vom vorletzten Segment nur undeutlich gescliiedene 6. Segment über. Letzteres ist beiderseits ziemlich gleichartig und nur wenig nach hinten ausgezogen, die Sinnesdornen sind klein, der linke hakenförmig nach unten, der rechte horizontal abstehend. Abdomen: Beim Weibchen (Tafel III, Fig. 1) dreigliedrig; hier ist das erste Segment linksseitig proximal hervorgewölbt, im distalen Teil des rechtsseitigen Randes sitzt die Genitalööhung, die von einem halbkreis- förmigen Deckel, der eine eigentümliche Randkerbung besitzt, überdacht ^\ird (Tafel III, Fig. 4, 5). Beim Männchen (Tafel III, Fig. 3j büdet die linke Randpartie des 1. Segments einen charakteristischen Doppelwulst, ähnlich wie wir ihn vom Diaptomus Doriai Rich. kennen. Das 2. Segment ist das längste, das 5. (letzte) Segment kurz, etwa so lang wie das erste. Die kurzen, beim Männchen gerade abgestutzten Furkalglieder sind am Innenrand fein behaart. Der rechtsseitige Fiu-kalast des Weib- chens (Tafel III, Fig. 2) ist etwas kürzer als der linke. Die Vordorantennen erreichen, an den Körper angelegt, kaum den Hinterrand des 1. Abdom. Segments. Am 10. GHed der genikuHerenden Antennen (Tafel III, Fig. 6) ist ein kleiner, dem folgenden Segment ange- drückter, am 11. Segment ein ebenso großer senkrecht abstehender Dorn; nur das 13. Segment trägt den bekannten großen Dorn. Das letzte Glied (Tafel III, Fig. 1) endigt in einen hyalinen daumen- förmigen Fortsatz. Hinterantennen und Mundglieder zeigen keine bemerkenswerten Verhältnisse. Der Maxilliped weist in den mittleren Gliedern eine feine Randbedornung auf (Tafel III, Fig. 8). 5. Fußpaar des Weibchens (Tafel III, Fig. 9): Das erste Glied des Außenastes sclilank, etwa 2 '/a mal so lang als breit, etv\'as länger als das folgende, die Endklaue tragende GHed. Die Endklaue ist fast gerade, nur an der Spitze etwas gebogen und mit A'erschieden starken Zälmen besetzt. Am proximalen Außenrand ein starker Dorn unter dem das 3. Außenastglied angefügt ist, das neben einem sehr kräftigen langen Dorn 7 Michaelsen, Deutsch-Süd westafrika. 98 C. VAN DOUWE. innenseits (un kleines Dörnchen trägt. Der Innenast eingliedrig, länger als das 1. Anßenastsegment, an der Spitze ein Kranz feiner Haare und zwei lange, geschwungene Borsten. 5. Fußpaar des Männchens (Tafel III, Fig. 10, 11): Rechter Fuß: Das zweite Basale ist stark bauchig aufgetrieben und an der Innen- seite mit kurzen dichtstehenden Dornen bewehrt. Das 1. Außenastglied oblong, seine distale Innenecke ist in einen langen, geraden Chitinfortsatz ausgezogen. Das 2. schlanke Glied trägt kurz über dem schwach ge- bogenen Greifhaken einen kleinen Außenranddorn. Der Innenast, weit über das erste Außenastglied reichend, ist etwa trommelschlägelähnlich ge- bildet, und an der Spitze mit feinen Haaren besetzt. Linker Fuß (Tafel III, Fig. 11): Innenast fehlt; der Außenast besteht aus einem in ein Polster ausgezogenen Gebilde, das mit feinen und an der Randpartie mit starken, kurzen Dornen besetzt ist. An der Basis dieses Polsters entspringt ein za])f('nförmiger Vorsprung, der eine kurze, gedrungene Klaue trägt. Außerdem sind noch ein paar dornartige Vorsprünge vorhanden, bezüglich deren Anordnung am besten auf die Abbildungen verwiesen wird. Der prall am Abdomen anliegende Eiballen trug eine große Zahl Eier. Größe: Männchen ca. 1,0 mm, Weibchen ca. 1,4 mm. Bemerkungen: Das Tier gehört zum Formenkreis derjenigen Diaptomiden Afrikas, die am männlichen, fünften Fuß paar einesteils durch die wulstige Auftreibung des 2. Basah» und den rudimentären Außenranddorn des 2. Außenastgliedes, andernteils durch den in ein Sinnespolster endigenden und mit Klauendornen besetzten Innenast repräsentiert werden. {^D. uieridi- anus DwE., D. aethiopicus Daday.) Fain. Cyclo pidae. Gren. Cyclops 0. F. Müller. Cyclops diaphanns Fischer. Fundangabe: Farm Frauenstein beiNeudanim, in einem flachen Tümpel; W. Michaelsex, 12. Mai 1911. Diese bisher nur vereinzelt auftretende Form tritt uns in Afrika zum zweiten Male im gleichen (Jebict entgegen. Copepoda. 99 Cyclops Leuckai'ti Claus. Fundangaben: Grootfontein: W. Michaelsex, 11. Juni 1911. Keudamm, in flachen Tümpeln; W. Michaelsen, 9. Mai 1911. Verbreitung der Copepoden-Arten (speziell Centropagidae) in Südafrilta. Zeichenerklärung: O Diaptomus. Ol D. capensis Saes: Kapstadt. Oj D- Purcelli Särs: Kapstadt. O3 D. orientalis Krädt: Richmond (Xatal). O4 D. meridianus Docwe: Groß-Bruckkaroßberg O5 I>. colo- nialis n. sp. : Neudamm, Kuibis, Seeheim. O Ädiaptomus. Ol A. natalensis Cooper: Verschiedene Fundstellen bei Port Natal. D Par ädiaptomus. d P. faleifer (Loten): Port Xatal, Kapstadt, Kronstad, Bloomfontein und Neudamm. D2 P. lamellatus Sars : Kapstadt, Br. Richmond. C3 P. Schultzei Dovwe: Letlake, Pitsane, Steinkopf und Neudamm. ^4 P. similis Douwe : Kalahari (Pitsane). In der vorstehenden Kartenskizze wurde das Vorkommen der in geograpliischer Hinsicht bedeutimgsvollen Centropagiden, soweit sie aus Afrika bis jetzt südlich vom Wendekreis des Steinbocks bekannt geworden sind, eingetragen. Was ihre hier vor allem interessierende Verbreitung in unserer südwestafrikanischen Kolonie anbetrifft, so sehen wir aus der Karte, daß durch das vorbesprochene Material, zu dem einzigen, bisher von da bekannt gewesenen Diaptomus meridianus Douwe neben einem 7* 100 C. VAN DOUWE. weiteren, neuen Vertreter dieser Gruppe noch zwei Angehörige der für Südwestafrika typischen Paradiapto7rms(-Lovenula) Gruppe treten. Wenn somit auch das Gesamtbild der südafrikanischen Centropapidenfauna keine wesentHche Verschiebung durch die neuvorliegenden Befund»^ erfahren hat, so geben diese immerhin eine beachtenswerte Erweiterung unseres Wissens in Bezug auf das Vorkommen der letzterwähnten Gruppe. Wie in neueren Arbeiten nachgewiesen, geht das in Kapland wairzelnde Genus Paradiaptomus am Ostrande des afrikanischen Kontinents ziemlich weit nach oben und erreicht seine nördlichste Verbreitungsgrenze zur Zeit in der Massaisteppe unserer ostafrikanischen Kolonie. Das hier erstmals nachgewiesene Auf- treten von zwei Arten dieser Gattung im südwestafrikanischen Schutz- gebiet läßt vermuten, daß weitere Nacliforschungen uns mit dem Übergreifen der Gattung in den äquatorialen Gürtel über Südwestafrika hinaus bekannt machen werden. Jedenfalls lehren uns die bisherigen Funde, daß wir im Genus Para- diaptomus keine eigentliche Plankton-Form, sondern eine für die eigen- tümlichen biologischen Verhältnisse der südafrikanischen „Wasserpfannen" typische Copepoden-Gattung sehen müssen. Die Familie der Cyklopiden bietet uns auch auf Grund des vor- Hegenden Materials keine neuen geographischen Gesichtspunkte. Die eine von den beiden vorgefundenen Arten: C. Leuckarti, ist eine kosmopolitische Copepodenart; die andere: C. diaphanus, wurde südlich des Saharagürtels bereits einmal festgestellt und zwar ebenfalls in unserem Schutzgebiet. Im allgemeinen gewinnt man den Eindruck — soweit man heute schon darüber urteilen darf — daß man es hinsichtlich der südafrikanischen Cyclopiden zwar mit wenigen Arten aber innerhalb dieser mit weitgehenden Variationen zu tun hat, wofür insbesondere die Befunde von Sars aus dem Tanganyika') ein beweisendes Beispiel abgeben. Die dritte große Gruppe der freilebenden Süßwasser-Copepoden — Harpacticidae — ist im vorHegenden Material nicht vertreten. ') 1909 Sars, G. O., zoolog. Kesults of tlie third Tanganyika Exped. contucted by Cunington 1904 — 1905 in: Proc. zool. Soc. London. Copepoda. JQJ Literatur über die Copepodenfanna Afrikas. 1891 Barrois, Sur trois diaptomus nouveaux des environs du Caire; Rev. biol. nord France T. V. 1890 Blanchard, R., et Richard, J. Sur les crustacees des Sebkalis et des chotts alger; Bull. Soc. zool. France T. XV. 1890 Blanchard, R., et Richard, J., Faune des lacs sales d'Algerie; Mem. de la Soc. zool. France, T. IV. 1893 BouRXE, G. C, Crustazeen von Zanzibar; Zool. Anzeiger Nr. 411. 1904 Brady, G. S., on Entomostraca collect, in Natal: Proc. zool. Soc. London vol. VI— VIII. 1907 Brady, G. Stewardsox, on Entomostr. coU. in Natal; Ann. Kat. Govern. Zool. Mus. London, vol I. 1908 Brehm. V., Entomostraken aus Tripolis u. Barka; zool. Jahrb. Systematik., Band XXVI. 1909 Brehm, v., Zur Kenntnis der Copepodenfanna von Deutsch-Kamerun. Zool. Anz. Band XXXIV. 1909 Brehm, v.. Ein neuer Cyklops aus Deutsch -Kamerun; Arch. für Hydrobiol- und Planktonkunde. Band V. 1906 Cooper, W. A., Notes on a new species of Gymnoplea from Richmond, Xatal South Afr. Ann. Xatal Zool. Mus. London, vol I. 1907 Daday, E. von, Planktontiere aus dem Viktoria Xyanza: Zool. Jalirb. Systematik. Band XXV. 1910 Daday, E. von, Die Süßwasserfauna Deutsch-Ostafrikas; Zoologica, Heft 59. 1910 Daday, E. von, Species aliquot novae Entomostr. Copepoda; Arch. Zoolog, vol I. 1912 DouAA'E, C. VAN. Ostafrikan. Süßwassercopepoden; Zool. Jalu'b. Syste- matik. Band XXXIII. 1912 DouwE, C. VAN, Copepoden des ostafr. Seegebietes; Wissensch. Er- gebnisse der Deutsch. Zentr. Air. Exped. 1907—08. Band IIL 1912 DouwE. C. VAN, Neue Süßwassercopepoden aus Südafrika; Schultze, Zool. und anthrop. Ergebnisse einer Forsch. Reise im westl. und zentr. Südafrika. 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Copepoda. 103 Tafelerklärung. Tafel III. Fig. 1—11: Diaptomus colonialis n, s^, Fig. 1. Weibchen von oben. Fig. 2. Fiirka des Weibchens. Fig. 3. Abdomen des Männchens. Fig. 4. Abdominalsegment des Weibchens, dorsal. Fig. 5. Genitalklappe des Weibchens. Fig. 6. Mittelstück der genikulierenden Antenne. Fig. 7. Endsegment der gen. Antenne. Fig. 8. Mittelstück des Maxilhpeds. Fig. 9. 5. Fußpaar des Weibchens. Fig. 10. 5. Fußpaar des Männchens. Fig. 11. 5. hnker Fuß des Männchens von der Hinter-(Rücken-)seite. Michaelsen, Land- und Süßwasserfauna, D.-Sw. Afrikas: Van Douwc, Copcpoda. Taf. HI. van Douwe srez. Kii.irksteJi .'V- Co., Hamburg L. Friederichsen & Co., Hambun .^ Skorpiones und Solifugae bearbeitet von K. Kraepelin (Hamburg). Mit 6 Abbildungen im Text. Skorpiones. Die ersten Nachrichten über Skorpione Deutsch-Südwestafrikas ver- danken wir Karsch, der im Jahre 1879 (2) 'j zwei „Lepreus'' -Arien (Uroplectes) aus dem mittleren Teil des Gebiets beschrieb, die im Zoologischen Museum in Berlin eingegangen waren. Unsere heutige Kenntnis der Skorpionen- fauna der Kolonie stützt sich, abgesehen von melir gelegentlichen Auf- sammlungen, die iliren Weg in die europäischen Museen bezw. in das der Capstadt fanden, vornelimlich auf die Ausbeuten dreier Forschungs-Expe- ditionen, die im Laufe der letzten zwei Jalirzehnte von den Herren H. ScHixz, Leoxhard Schultze und W. Michaelsex unternommen wurden. ScmNz bereiste das ganze Gebiet von AngTa Pequena bis zum Lande der Mossamedes im Norden und weit in die Kalahari im Osten im Auftrage des Herrn Lüderitz während der Jahre 1884 — 86. Seine Skorpionen- Ausbeute wurde 1887 von E. Simon (3) bearbeitet, der 7 neue Arten be- schrieb, deren eine allerdings mit einer bereits von Karsch benannten identisch ist. Auch Leonhard Schlltze, dessen Eeise in die Zeit von 1903 bis 1905 fällt, sammelte aulBer in einem großen Teile des deutschen Kolonial- gebiets in den südlich und östlich sich anschließenden Ländern: das von ihm zusammengebrachte Material an Gliederspinnen, das ich 1908 (15) be- arbeitete, muß als außergewöhnlich reich bezeichnet werden und gibt mit seinen 13 Skorpionen-Spezies zum erstenmal ein verhältnismäßig klares Bild über den Formenreichtum dieser Gruppe und über deren geographische Verteilung in den weiten Landschaften Deutsch-Südwestafrikas. Die letzte Forschungsreise, die von W. Michaelsen, fällt in das Jahr 1911; ihre Aus- beute, in weit kürzerer Zeit zusammengebracht als die der früheren Expe- ditionen, ist nicht ganz so reich, als die ScHULTZE-sche, erhöht aber die Zalü der Alten auf 16. so daß ^viv heute, unter Hinzurechnung von 5 durch andere, gelegentliche Sammler im Gebiete beobachteten weiteren Arten, die Gesamtzahl der in der Kolonie sicher vertretenen Arten auf 22-) ') Die Zahlen verweisen auf die Literatur am Schluß. *) Es ist vielleicht der Himveis von Interesse, daß annähernd ebenso viele Skorpionen- arten auch in Deutsch-Ostafrika vorkommen. Während aber die deutsch-südwestafrikanischen 108 K. Kraepelin. bemessen können. Das in don bekannteren und kulti\derteren Teilen des Landes diese Zabl bei weiterer Durchforschung noch erheblich steigen werde, ist kaum anzunehmen. Dagegen läßt sich erwarten, daß in den östHchen, an das Betschuanaland anstoßenden Gebieten noch manche der Kalahari eigentümhche Formen sich linden werden, wie dies die Reise Penthers (13) und der Vorstoß Leonhard Schültze's in das Betschuanagebiet walirscheinlich machen. Ebenso dürfte der bis fast zu den Victoriafällen nach Osten sich erstreckende Caprivizipfel noch einige der in Ostafrika verbreiteten Gattungen (Opisthacanthus, Cheloctonus) und Arten beherbergen. Die Skorpionenfauna Deutsch-Südwestafrikas schließt sich eng an die- jenige des Kaplandes an, ist aber erheblich artenärmer. NamentHch der Oranje-Fluß scheint für viele Arten des Kaplandes die NordgTenze zu bilden. Sehen wir ab von der Gattung Cheloctonus, die, wie ich vermute, irrtümlich für Deutsch-Südwestafrika angegeben wurde, so handelt es sich nur um die 5 Genera JButhus, Parahuthus, Uroplectes, Opisthophtlialmus und Hadogenes, welche — mit Ausnahme von Buthus — das Zentrum ihrer Verbreitung im Kaplande haben, wenngleich die meisten von ihnen namentlich im Osten des Kontinents mit einzelnen Formen noch weit nach Norden gehen. Wie sehr vom Süden her die Artenzahl in den ver- schiedenen Gattungen abnimmt, erhellt am besten aus dem Beispiel der Gattung OpistJiopJithalmus, die im Kaplande durch etwa 25 — 30 Arten, in Deutsch-Südwestafrika aber nur noch durch 8 Arten und am nördlichsten Punkt iln-er Verbreitung, in Deutsch-Ostafrika, gar nur noch durch 2 Arten vertreten ist. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei der Gattung Uroplectes. — Die unsere Kolonie bewohnenden Arten sind nur zum kleineren Teil mit denen vom Kaplande oder denen östlicherer Gebiete identisch; die größere Hälfte besteht aus Formen, die für Deutscli-Südwestafrika spezifisch sind oder doch nur wenig nach Süden, Norden oder Osten über dessen Grenzen hinausgreifen. Wie der Oranje-Fluß augenscheinlich schon für eine ganze Reihe von Formen des Kaplandes die Nordgrenze ilu-er Verbreitung darstellt, so zeigt sich eine weitere Abnahme der Artenzahl von Süden nach Norden auch innerhalb unseres südwestafrikanischen Kolonialbesitzes selbst. Für das Groß-Namaland, als den südlichsten Teil der Kolonie, sind im ganzen bisher 16 Arten von Skorpionen nachgewiesen, für den mittleren Teü, also das Damaraland, 11 Arten (von diesen nur 5 Arten identisch mit den Arten sich auf nur 5 Gattungen verteilen, besitzt Deutsch-Ostafrika deren 10. Beiden Ge- bieten gemeinsam sind die Gattungen Buthus, Parabuthus, Uroplectes und Opisthophthalmus ; die Arten sind sämtlich verschieden. Skorpiones und Solifugae. 109 südlichen Artonj, wälirend aus dem Ovambo-Lande im Norden bisher nur 2 Arten als die letzten nördlichen Ausläufer der überreichen süd- afrikanischen Fauna vorliegen. Die — übrigens recht formenarme — Charakterfauna des tropischen Westafrika mit ihren Bahycurua- und Panc?i?Hl aber zeigt der Truncus drei mehr oder weniger stark ausgeprägte Längsbinden, denen dann auch oft eine dunkle Zeichnung auf dem Cephalo- thorax, an den Kanten der Beine etc. entspricht. Die Zahl der Kamm- zähne schwankt beim cf von 22 — 29, beim Q von 20 — 27. Uroplectes carinatus Poe. Der typische U. carinatus mit aucli in den ersten Candalsegmenten gekörnten unteren Medialkielen und nicht umgeformtem Kammgrundzahn beim Q gehört wohl ausschließlich dem Kaplande an und dürfte nicht in das Gebiet von Deutsch-Südwestafrika hineinreichen. Dagegen hat ScHUETZE von Lüderitzbucht eine Form heimgebracht, die ich seiner Zeit (15, 1908) als U. carinatus karrooicus PuRC. bezeichnete, sowie eine andere aus dem südlichen Hererolande, die mir dem U. carinatus schlecktet iVvRC. zvi entsprechen scheint. Auch die von Schultze nur für die Kalahari nach- gewiesene, von mir U. carinatus inediostriatus genannte (15, p. 257) Form ist inzwischen im mittleren Teil unseres Gebiets (Okasise, Ojosondyombo, Owikokorero) beobachtet worden. Nach dem unter U. planimanus Ge- sagten, möchte ich fast glauben, daß diese drei, durch kurzen, breiten Kammgrundzahn beim Q ausgezeichneten Formen eher dem U. planimanus, als dem U. carinatus anzureihen sind, falls sich überhaupt eine Trennung beid(^r Arten aufrecht erhalten läßt. Die von mir im „Tierreich" (12, p. 59) gemachte Angabe, daß auch der U, triangulifer Thor, in Deutsch-Südwestafrika heimisch sei, beruht aller Wahrscheinlichkeit nach auf einer irrtümlichen Fundortsangabe der mir vorliegenden Stücke. Vermutlicli ist die Art durchaus auf das süd- östliche Afrika (Port Elizabeth, Basutoland, Transvaal) beschränkt. Skorpiones und Solifugae. 115" Gen. Opisthophthalmus C. L. Koch. Obgleich die Gattung Opisthophthalmus nördlich des Kaplandes selir sclinell an Artenzalil abnimmt (vgl. S. 108), so ist sie mit ilu-en 8 zum Ted indigenen Arten doch die artenreichste Skorpionengattung unserer Kolonie. 5 von diesen Arten scheinen ausscliheßlich dem Süden des Gebiets anzu- gehören. Ojjisthoplialniiis opiuatus (Sim.). ScHiNTz erbeutete zuerst diese Art und zwar im Lande der Mossa- medes, jenseits der NordgTenze unseres Gebiets. Erst durch Michaelsen ■^viu-de sie für Deutsch-Südwestafrika aus der Umgegend von Windhuk und Rehobot festgestellt. Da mir- außerdem noch ein Exemplar von Gibeon im Gr. Namalande vorliegt, so ist das Vorkommen der Art durch das ganze Gebiet Avahrschoinlich. Beim (/ sind übrigens die Rückenplatten des Abdomens fein gTanidiert, nicht fein nadelstichig und glatt, wie ich im ,, Tierreich" (12, p. I30j auf Grund des mir vorhegenden Q angab. Auch ist beim cf die Handbreite nur etAva ebenso groß wde die Länge der Hinterhand. Opisthoplithalnius ivalilbergi (Thor.). Wie beim Parahuthus brevimanus (Thor.) der \:on Thorell (1, p. 112) auf Wahlbergs Autorität hin angegebene Fvmdort ,,Caffraria" walu'schein- hch auf einem IiTtum beruht oder nm- ganz allgemein für ,, Südafrika" zu nelmaen ist, so gilt dasselbe auch für den 0. icahlbergi, dessen Verbreitung augenscheinhch ebenfalls auf den Westen Südafrikas bescliränkt ist. Purcell (10, p. 139j erwähnt sein Vorkommen südlich des Oranjellusses im Gr. und Kl. Buschmannlande. In Deutsch-Südwestafrika aber ist er von Warm- bad im äußersten Süden (Schlxtze) bis Rehobot und Osire im Damara- land beobachtet worden. OpisthophthaltHiis carinatus (Ptrs.). Diese Ait hat wolil den größten Verbreiterungsbezirk von allen Opisthophthalmus- Arten, da sie vom Buschmannlande im Süden etwa bis zum 15 '^^ s. Br. nach Norden geht, und dabei keineswegs auf den Westen des Kontinents bescliränkt ist, sondern sicher nach Osten dm-ch die Kala- hari bis Rhodesia und weiter sich verbreitet. Li Deutsch-Südwestafrika gehört sie zu den häufigsten Formen, namenthch im mittleren Teil des •WQ K. Keaepelin. Gebiets. Von sicheren Fundorten nenne ich: Gibeon, Grootfontein, Windhuk, Okahandja, Okasise, Omaruru, Neudamm und Tsumab. Opisthophthahnas schultzei Krpl. Diese von Schultze entdeckte Art (15, p. 262) ist bisher nur aus dem Süden des Gebiets bekannt und zwar von Kubub. Opisth oph th altmis undulattis K rp 1 . Die Art wurde mit der vorigen von Schultze (16, p. 263) bei Kubub im Gr. Namalande erbeutet. Opistiiophthalmus intercedens Krpl. Auch diese Art ist bisher nur von Kubub durch Schultze (15, p. 265) bekannt geworden. OpisthophthalTnus flavescens Pure. Das einzige Exemplar, welches Purcell 1898 (9, p. 7) bei seiner Be- schreibung vorlag, stammt von der Walfisch-Bay. Auch Schultze hat ein Exemplar von demselben Fundorte heimgebracht. Daneben besitzt das Hamburger Museum noch ein Exemplar von Ababis aus dem Herero- lande. Die Art dürfte also, gleich den 3 vorhergehenden, streng indigen sein. Opisthophthalnius gigas Pure. Dieser Skorpion bewohnt nach Purcell (9, p. 7; 10, p. 155) zunächst weite Gebiete südlich des Oranje-Flusses (Kenhardt Division, Kl. Nama- land und Gr. Buschmannland), reicht aber auch in den Süden unserer Kolonie hinein, wie die Fundorte Warmbad f Purcell) und Kuibis (Michaelsen) beweisen. Von andern Formen südlich des Oranje-Flusses, deren Yerbreitimg sich \äelleicht noch bis in den Süden unserer Kolonie erstreckt, kommen in Betracht: 0. ate?\ gr^anifrons, pallipes, schlechferi, granicande und peringuei, die sämtlich bereits für das Kl. Namaland nachgewiesen sind. Von östlichen, durch Penther bereits im Britisch-Betschuanaland beobachteten Arten sind 0. macer und 0. glahrifrons zu nennen, die möglicherweise von der Kalahari her bis in das deutsch-südafrikanische Gebiet vordringen. Skorpiones und Solifugae. 117 Gen. Hadogenes Krpln. Die Arten dieser Gattung erscheinen noch nicht genügend geklärt, um die bisherigen Fund Ortsangaben ohne Nachprüfung zur Festlegimg ihrer geographischen Verbreitimg verwerten zu können. So weit ich bis jetzt zu urteilen vermag, kommen in Deutsch-Südwestafrika 2 Hadogenes- Arten vor, die ich als H. taeniurus (Thor.) und H. tityrus (Sim.) bezeiclinen zu sollen glaube. Hadoffenes taeniurus (Tlior.). Als Vaterland dieser Ai't gibt Thorell (1, p. 258) bei seiner Be- schreibung nur ,, Südafrika" an, doch stammt das Original wohl, wie Purcell. (14, p. 206) andeutet, von Damaraland. Die Art dürfte vorwiegend, wenn nicht ausschließlich, dem Westen des Kontinents angehören, da sie von H. troglodytes (Ptrs.) sicher spezifisch verschieden ist (glatte Blase, geringere Kammzalü). Das Hamburger Museum besitzt Exemplare, die vermuthch zu dieser Art gehören, von Ababis im Hererolande, so daß ihr das Bürgerrecht in unserer Kolonie dadurch gesichert erscheint. Die von ScHULTZE bei Kamaggas im Kl. Namalande erbeuteten Exemplare hin- gegen, welche ich vordem (15, p. 267) hierher rechnete, sind wahrscheinhch als Vertreter einer neuen Art aufzufassen. Die Formen der Gattung sind aber zurzeit so wenig geklärt, daß ich darauf verzichten will, die schon jetzt vorhandene Unsicherheit durch Aulstellung neuer Arten zu vermehren. Hadogenes tityrus (Sim.). Es ist wohl anzunelimen, daß die Originalexemplare dieser von Schinz zuerst heimgebrachten Art innerhalb des Gebietes unserer Kolonie ge- sammelt wiu'den, wenngleich Simon (3, p. 383) dies nicht ausdrücklich her- vorhebt. Nachdem dann Schultze zalilreiche Exemplare bei Kubub im Gr. Namalande erbeutete, und auch ein vom Kaiser Wilhehn-Berg bei Windhuk stammendes Exemplar im Landesmuseum zu Windhuk als H. tityrus bestimmt werden mußte, ist das Vorkommen der Art in Deutsch- Südwestafrika außer Zweifel gestellt. Es ist sogar Avalu'scheinlich, daß wir in ilir eine rein indigene Spezies imserer Kolonie zu erblicken haben. Die Gruppe der Pedipalpi ist bisher in Deutsch-Südwestafrika noch nicht nachgewiesen. 128 K. Kkaepelin. Literatur. 1. 1877 Thorell, Th. : Etudes scorpiologiques in: Atti Soc. Ital. v. 19. 2. 1879 Karsch, F. : Skorpinologische Boiträgp in: Mt. Münch. entom. Ver. v. 3. 3. 1887 Simon, E.: Arachnidos recueillis dans le sud de l'Afrique par le docteur Schinz in: Ann. Soc. ent. 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F.: New South Afriean Scorpions in the coUection of the South Afriean Museum in: Ann. South. Air. Mus. I p. 433—438. 12. 1899 Kraepelin, K.: Scorpiones et Pedipalpi in: ,,Das Tierreich". Lief. 8. 13. 1900 Penther, A. : Zur Kenntnis der Arachnidenfauna Südafrikas (Scorpiones) in: Ann. K. K. Naturh. Hofmus. Wien XV p. 153 — 163. 14. 1901 Purcell, W. F.: On some South Afriean Arachnida belonging to the Orders Scorpiones, Pedipalpi and Sohfugae in: Ann. S. Afr. Mus. II p. 137—225. 15. 1908 Kraepelin, K.: Skorpione und Solifugen in: L. Schultze, Forschungs- reise im westl. und zentralen Südafrika 1903 — 1905. Jena, G. Fischer, p. 247—282. Skorpiones und Solifiigae. 119 Solifugae. Unsere Kenntnis der Solifugen -Fauna Deutsch-kSüdwestafrikas ist noch jüngeren Datums als die der kSkorpionenfauna: Im Jalu-o 1899 konnte ich (1)') auf Grvmd des mir von verschiedenen Museen zur Be- stimmung überwiesenen Materials 7 für die Wissenschaft neue Arten aus dem in Rede stehenden Gebiet beschreiben und 2 Jahre später im „Tier- reich" (Lief. 12, PalpigTaden und Solifugen) im Ganzen 13 Arten als zur deutsch-südwestafrikanischen Fauna gehörig aufführen. Etwa um dieselbe Zeit, 1899 bis 1903, erhielten wir durch Purcell in einer Reihe von Ar- beiten (2, 3, 5) Aufklänmg über die Solifugenfauna des Caplandes, wobei auch gelegenthch Fundorte aus unserer Kolonie Berücksichtigung fanden. Neben manchen bereits früher beobachteten Arten Keferte dann die Aus- beute von Leonhard Schultze (6) aus den Jaliren 1903 — 1905 zw(n für unser Gebiet neue Arten, und noch ergiebiger in dieser Hinsicht war die Studien- reise MiCHAELSENs im Jahre 1911, so daß Avii- heute, unter Hinzurechnung einiger weiterer, mehr gelegentlich den Sammhmgen von Berlin und Ham- burg zugeflossener Eingänge, die Gesamtzahl der in Deutsch-Südwestafrika nachgewiesenen Solifugen auf mindestens 23 beziffern können. Bei der Hurtigkeit und der nächtlichen Lebensweise vieler Solifugen ist jedoch anzunelmaen, daß diese Zahl bei weiterer Durcliforschung des Gebiets noch erheblich wiachsen wird. Älinlich der Skorpiouenfauna schließt sich auch die Solifugenfauna Deutsch-Südwestafrikas eng an diejenige des Kaplandes an, deren Reich- tum sie ebenfalls bei weitem nicht erreicht. Die Galoodiden fehlen ganz; aus der gToßen Familie der Solpugiden sind die Solpuginae, ganz ^\ie im Kaplande, nur durch die Gattung Solpuga vertreten, während aus der Sub- familie der Daesiinae und Karscldinae die Gattungen Daesia, Blossia, Glii- viopsis, Lipophaga {== Pseudoblossia) und Ceroma namhaft zu machen sind. Die Gattimg Hexisopus als Vertreter der Famüie der Hexisopiden ergänzt den Bestand der Gattungen, der sieh somit im ganzen auf 7 beläuft gegen etwa 12 des Kaplandes. Alle 7 Gattungen von Deutsch-Südwestafrika sind auch im Kaplande vertreten. Von den in letzterem Gebiet bisher beob- achteten 66 Arten kommen 9 auch in unserer Kolonie vor, die daneben dann noch etwa 14 indigene Arten besitzt. Innerhalb der Kolonie treten die Solifugen namentlich im Groß Xamalande imd im Damaralande auf. ') Die Zahlen verweisen auf die Literatur am Schluß der Arbeit. J20 ^- Kraepelin. AA'älirend sie nach Norden ganz außerordentlich an Artenzahl abnehmen. Nördlich von Deutsch-Südwostafrika, also in Angola, den Kongostaaten, Kamerun etc. entlang der ganzen AVestküste des Kontinents bis Marokko, sind Solifugen fast unbekannt. Nur ein einziges Q einer Solpuga- Art (S. hutleri) ist von Pocock aus dem Kongogebiet beschrieben worden; doch kann es sich hierbei sehr wohl um Verschleppung oder irrige Fund- ortsangabe handeln, zumal die Art mit einer in Ostafrika verbreiteten identisch zu sein scheint. Von den 6 in Deutsch-Ostafrika vertretenen 8olifugen-Gattungen sind 4 mit denen Deutsch- Ostafrikas identisch, näm- lich Solpuga^ Daesia, Gluviopsis und Ceroma] die Arten aber sind sämtlich verschieden. Der Zusammenhang beider Faunen wird zweifellos durch den Umweg über das Kapland vermittelt. Bei der nachfolgenden Aufzählung der bisher im Gebiete beobachteten Arten wird es sich, sofern nicht neue Arten zu besclu-eiben sind, vornelmilich um eine Aufzählung der aus den Forschungs-Expeditionen, sowie aus dem Material der Museen zu Berlin und Hamburg sich ergebenden Fundorte handeln. Dem Museum zu Berlin bin ich für freundliche Darleihung des in Betracht kommenden Materials zu lebhaftem Danke verpflichtet. Fam. Solpugidae. Gen. Solpuga A. Licht. Gegenüber den etwa 30 Solpuga-Ärten des Kaplandes (einschließlich Transvaal) ist die Fauna Deutsch-Südwestafrikas arm zu nennen. Immerhin dürfen wir schon heute etwa 12 Arten dieser Gattung als Bürger unserer Kolonie in Anspruch nelimen, d. h. also über die Hälfte aller bisher im Gebiete beobachteten Solifugenformen. Hölpuga lethalis C. Koch und *S*. venator Poe. Diese beiden häufigsten Vertreter der gewaltigen, lehmgelben Soh- fugen Südafrikas werden am besten gemeinsam besprochen, da sie mor- phologisch und geogTaphisch sehr enge Beziehuug(»n zueinander zeigen. Was zunächst ihre Unterscheidungsmerkmale betriift, so beschränken sie sich bei den Q, wie es scheint, ganz ausscliließHch darauf, daß bei S. lethalis der dorsale Oberkieferfinger 2 Zwischenzähne zu ti-agen pflegt, Skorpiones und Solifugae. 121 bei S. venator aber nur einen. Da mm gar nicht so ganz selten der eine Oberkiefer eines Individuums mir einen, der andere aber zwei Zwischenzähne zeigt, so ble bt es in diesem Falle dem Ermessen des Be- obachters überlassen, ob er von einer S. lethalis mit einseitig verkümmertem ersten Zwischenzahn sprechen soll, oder aber von einer S. venator, bei welcher einseitig noch ein rudimentärer erster Zwischenzahn zur Ausbildung gelangt ist. Etwas glücklicher liegen die Verhältnisse bei dem (f. In betreff der Zwischenzähne — ob jederseits 2 oder jederseits 1 oder endlich einerseits 2, andererseits 1 — herrscht allerdings bei ihnen dieselbe Variabi- lität wie bei den Q ; aUein die im typischen Falle recht ausgeprägte Ver- scliiedenheit des Flagellum wird in der Eegel eine sichere Bestimmung ermöglichen: Dasjenige von aS. letlialis reicht mit seinem fragezeichenartig geschweiften Ende meist erh(>blieh über den Augenhügel nach hinten und trägt kurz vor dem Ende einen spitzen Seitenzahn, während dasjenige von S. venator meist kaum bis zum Grimde des Oberkiefers nach hinten reicht und vor dem Ende keinen kSeitenzahn besitzt. Die sigillarien-artige Skulptur der Oberfläche des Flagellum, die ich früher auf S. hthalis be- scliränkt glaubte, findet sich in ähnlicher Weise auch bei *S. venator. Linder variieren nun auch die im Obigen für beide Arten angegebenen Merkmale in verschiedener Richtxmg. So kann z. B. die bogige Einsenkung des Fl agell ums vor dem Ende augenscheinlich bei beiden Arten fast völlig felilen, so daß dann der Verlauf des Flagellums auch in seinem Endteü fast vöUig gerade ist; störender noch aber ist die augenscheinlich recht große Variabilität in der Länge des Flagellum. Nehmen "VNÖr an, wie es ja wohl gerechtfertigt erscheint, daß der spitze Seitenzahn vor dem Ende das eigentlich Charakteristische des /^^/iaZis-Flagellum sei, so müssen yvir wohl oder übel zugeben, daß es /(?if/^aZ^■s-Exemplare gibt, deren Flagellum bei weitem nicht den Hinterrand der Mandibeln erreicht, andererseits aber auch w«afor-Exemplare, deren Flagellum noch erheblich über den Augen- hügel zurückreicht. Es ließe sich aber vielleicht auch die gegenteilige Auffassung vertreten, daß das Auftreten des Seitenzahnes etwas mehr Sekundäres sei, und daß man demnach eine Form mit auffallend langem Flagellum trotz des fehlenden Seitenzahnes dennoch als *S. letlialis, eine andere mit kurzem, aber ein Seitenzähnchen tragendem Flagellum als S. venator anzusprechen habe. Ich halte indes diese letztere Auffassung nicht für richtig und bezeichne dementsprechend ein Exemplar der Ham- burger Sammlung wegen des beiderseits gut entwickelten Seitenzahnes am Flagellum als 5. lethalis, obwohl dies Flagellum ungemein kurz und fast gerade ist, und obwolil in jedem der beiden dorsalen Oberkiefei-finger nur 122 ^- Kraepelin. ein einziger Zwischenzalm — bei einer allerdings auffallend gToßen Zwischenlücke — vorhanden ist. Jedenfalls geht aus den vorstehenden Darlegungen hervor, daß die Unterscheidung beider Arten unter Umständen recht schwierig, ja beim bloßen Vorhandensein von Q, geradezu unmögUch sein kann. Es werden daher auch Fundortsangaben über diese Arten immer mit einer gewissen Vorsicht aufzunehmen sein. Purcell sagt in seinen Schriften über die kapländischen Solifugen (2, p. 409), daß man «S. lethalis im allgemeinen als die westliche, S. venator dagegen als die östliche, in den Gebieten ohne Winterregen vorkommende Art bezeichnen könne; nur im Grroß- Buschmannlande kämen beide miteinander vor. In Deutsch-Südwest- afrika liegen die Verhältnisse schon insofern anders, als hier Winterregen überhaupt nicht mehr auftreten. Soweit ich aus dem mir vorliegenden Material scliließen kann, gehört S. lethalis hier melu* dem mittleren Gebiet, S. venator aber vornehmlich dem Süden an. S* lethalis hegt mir vor von den Fundorten: Ababis, Okasise, Okahandja, Windhuk, aber auch von Rehoboth und sogar von der Spitzkoppe bei Keetmanshoop. S» venator ist festgestellt bei Warmbad, Churutabis, Keetmans- hoop, Kabus, Kuibis, Lüderitzbucht, Gibeon und Rehoboth. Solpuya nionteiroi Poe. Diese auch von der Delagoa-Bai und aus der Kalahari bekannte, in der Größe fast den beiden vorgenannten gleichkommende, aber schlankere Art ist in den mittleren Teilen unserer Kolonie nicht selten. Als südlichster Punkt ihres Vorkommens erscheint zurzeit Windhuk, dem sich nördlich die weiteren Fundorte Okahandja, Okakena, Osire und Großfont ein anschließen. Die $ erkennt man, abgesehen von den 2 Z-wdschenzähnen im Oberkiefer, dem Fehlen der Zylinderb ersten am Protarsus der Maxülar- palpen und der schmutzig gelbweißen Behaarung des Abdomens, auch an dem meist gebräunten Vorderrande des Cephalothorax. Holijuga schleehteri Pure. Von dieser Art, welclu' 1899 von Purcell von Naroep im Groß- Busclimannlande Ijcscliricbeu wurde, ist bislier nur ein cf^ bekannt ge- worden, das durch die Form des Flagellums, die stattlichem Größe und den Besitz von 2 Zvvisclieuzähncn im dorsalen Mandibularhnoer sich eng an Skorpiones und Solifugae. 123 die S. serraticornis von Rhodesia anschließt, aber der gestreckten bogigen Spitze des dorsalen Mandibidarfingers entbehrt. 3Iii- liegen nun 2 (/ einer Solifugen-Art vor, und zwar eines von Kuibis, ein zweites aus Lüderitz- bucht, die diu-chaus der Beselireibung Purcells entsprechen, mit der ein- zigen Abweichung jedoch, daß beide Exemplare nur einen Zwisehenzahn im dorsalen Mandibularfinger besitzen. Bei der Variabilität, welche gerade diese Zwischenzähne auch bei anderen Arten zeigen (vgl. S. lethalis und venator), glaube ich dieser Abweichung von der tv^pischen Form kein aUzu großes Gewicht beilegen zu sollen und möchte daher beide Exemplare dem Formenkreise der S. schlechteri zuordnen. Erst ein reicheres Material wird die Entscheidung darüber bringen können, ob diese Auffassung richtig ist. Solpuga hastata Krpln. Das einzige bisher bekannte cf dieser Art stammt aus dem Grroß- Xamalande ohne nähere Fundortsangabe. Solpuga chellcoi'tiis Licht. Fundangabe: Xord-Distrikt am Okawango zw. 10^* und 21V2° O. L.; V. Zastrow, 1912—1913. Diese Art ist im Kap lande weit verbreitet und zwar von dessen südlichen Gebieten (z. B. WillowTnore) bis in das Klein-Namaland. Aus Deutsch-Südwestafrika liegt mir nur ein einziges Q vor, welches Herr V. Zastrow am Okawango im äußersten Nordosten unserer Kolonie im Eingange zum Caprivi-Zipfel erbeutete. Es ist dies zugleich der einzige Fundpunkt einer Solifuge im Norden von Deutsch-Südwestafrika. Solxniga hvevipalins Pure? Obwohl die bisher nur im weibHchen Geschlecht bekannte Art von Naroep im Groß-Buschm annlande durch die Bezahnung des dorsalen Mandibularfingers recht gilt charakterisiert erscheint, bin ich' doch nicht ganz sicher, ob ein mir vorliegendes ASo^|:>w^a-Weibchen von Nuiehas im Groß-Namalande mit ilu- identisch oder nur nächst verwandt ist. Von den 3 wdnzigen Vorderzähnchen des dorsalen Mandibidarfingers ist der 3. neben den 4., größeren gerückt; hinter letzterem folgen dann 3 winzige Zwischenzähne Avie bei der Hauptform. Im ventralen Mandibularfinger ist ein Zwischenzahn nicht erkennbar. Die lange seidige Behaarung der Grundglieder des 4. Beinpaares erscheint zimi größten Teil abgescheuert; 124 K. Kkaepelin. die charakteristische zimmtbraune Berandimg der Rückenplatten des Ab- domens entspricht aber durchaus der Schilderung Purcells, ebenso die un- gewöhnhche Kürze der Maxillarpalpen. Auch hier wird erst ein reicheres Material volle Klarheit bringen. ({ Solptiga striata n. sp. Fundangabe: Farm Voigtsland, ca. 38 km östlich von Windhuk; W. Michaelsen, 19. Mai 1911. Kur mit Widerstreben entschließe ich mich, unter diesem Namen ein einzelnes Solpuga-W eihahe^a. zu beschreiben, welches Michaelsen auf Farm Voigtsland, 38 km östhch von Windhuk gesammelt hat. In Hinblick auf die charakteristische Färbung des nur 11 mm (ohne Mandibeln) langen Tierchens kann es aber wohl keinem Zweifel unterUegen, daß wir es hier mit einer bisher noch unbescliriebenen Form zu tun haben. Die Mandibeln sind schmutzig gelbbraun mit je 3 dunkelbraunen Längs- streifen; der Cephalothorax ist ebenfalls gelbbraun, aber zu beiden Seiten breit dunkelbraun beraucht, der Augen- hügel ist schwarz. Der Rücken des Abdomens zeigt auf schmutzig-lehmgelbem Grunde 3 breite schwarze Längs- streifen, einen medianen und zwei laterale, die erst im vorletzten Segment zusammenfließen (Fig. 1). Die Bauch- })htten sind schnuit'^iu lehmgelb, aber die letzten 5 zeigen eine schwarze Berandung. Die Malleoli sind deutlich, aber ziemlich schmal braun berandet. Maxillarpalpen und Beine sind dorsal dunkelbraun, ventral in den Grund- Fig. 1. gliedern hell. Der dorsale Mandibularfinger ist normal Solpuga striata U.S., Q, gebogen und bezahnt, mit nur einem Zwischenzahn. Tibia Körpervon oben; 6:1. ^ndProtarsus des Maxillarpalpus ohne Zjlinderborsten, nur mit langen Fadenhaaren und Gabelhaaren besetzt. Genitalplatten nicht nach hinten vorgezogen. — Über die Verwandtschaft dieser Art mit andern Arten wird erst nach Auffindung des (f Pin sicheres Urteil zu gewinnen sein. Vielleicht schließt sie sich an die Gruppe der S. lateralis an. Solpu(fa furcifera Krplii. Diese im männlichen Geschlecht durch ihr am Ende gabelspaltiges Flagellum ausivezeichnete Art ist bisher nur innerhalb der Grenzen Deutsch- Skorpiones und Solifugae. 125 Südwestafrikas boobachtot und zwar ausschliolBlich im Damaralando. Die Q scheinen verhältnismäßig sehen zu sein, -«^irden aber schon 1908 (6, p. 277) von mir besclirieben. Als Fundorte vermag ich anzugeben: Osire, Wind- huk, Rehoboth, Walfisch-Bay, sowie „südliches Hereroland". Solpuga sp. äff. furcifera Krplu. Fundangabe: Rehoboth; K. Wegeleben, Mai 1913. ? Okahandja: W. Michaelsen, 27. — 28. April 1911. V Waldau, W. Michaelsex, 4. Juni 1911. Von Rehoboth liegt mir ein 5o/pw^a-Weibchen vor, daß zwar in Größe und Färbung (Rückenplatten des Abdomens schokoladenbraun) mit S. furcifera übereinstimmt, aber doch vielleicht von ihr verschieden ist: der dorsale Oberkiefertinger zeigt nur einerseits 2 Zwischenzähne, wie S. furcifera, andererseits jedoch nur einen; außerdem ist der Protarsus des Maxillarpus, im Gegensatz zu S. furcifera, mit zerstreuten Zylinder- borsten besetzt. — Vielleicht gehört hierher auch je ein sehr jugendliches 2 von Okahandja und Waldau, die zwar der Zjlinderb ersten am Protarsus entbeliren, aber in jedem der beiden dorsalen Oberkieferfinger nur einen Zwischenzahn besitzen. Ob es sich bei diesen Abweichungen von «S. furcifera nur um individuelle Variation handelt, oder aber um art- liche Unterschiede, kann erst ein reicheres, auch Männchen umfassendes Material lehren. Solpuga alcicortiis n. sp. Fundangabe: Keetmannshoop; W. Krause, Aug. 1912. Von dieser im männlichen Gesclilecht äußerst charakteristischen neuen Art liegt mir ein cf und ein Q von Keetmannshoop vor, die Herr W. Krause gesammelt und dem Hamburger Museum überwiesen hat. Die Färbung ist schmutzig hell rostbraun, die Mandibeln zeigen dorsal je 2 dunklere Streifen, auch die Maxillarpalpen und die Hinterbeine sind etwas dunkler braun. Der Truncus des (f ist 17 mm lang, der des Q 24 mm. Der dorsale Oberkieferfinger des cf i-'^t vorn etwas bogig gekrümmt und trägt auf der Schneide 2 mäßig große Vorderzähne, nach größerer Zahnlücke einen winzigen Zwischenzahn und einen mäßig großen Haupt- zahn, dem dann noch 3 kleine äußere Wangenzähne folgen (Fig. 2 a). Von den 3 inneren Wangenzähnen ist der erste sehr gi'oß. Unterer Oberkiefer- finger normal bezahnt, mit 2 Hauptzälmen und einem Zwischenzahn. 126 K. Kraepelin. <^-gn- Flagellum etwa über dem 2. Vorderzahn inseriert und von hier aus schräg nach vorn gerichtet, dorso-ventral zusammengedrückt, sich dann aufwärts wölbend und verbreiternd, um schließlich in 3 verscliieden ge- stalteten Zipfeln zu enden, von denen zwei bogig nach hinten gerichtet sind (Fig. 2 a Seitenansicht; Fig. 2 b Vorderansicht). Der verbreiterte Teil mit seinen 3 Zacken erinnert entfernt an die Form eines Elchgeweihs. Auf der Dorsal- fläche trägt der Oberkiefer distal nur lange Dornborsten, kleine Dornen. Auch der ( 'ephalothorax ist liinten lang beborstet. Das Ab- domen ist dorsal zerstreut mit kurzen Borsten besetzt. Femur und Tibia des Ma- xillarpalpus sind lang be- borstet; der Metatarsus trägt unters eits auch Zylinder- borsten und längs der Mittellinie eine schmale Scopula. Dorsal stehen nur Borsten und Haare. — Dem Q felilen leider beide Maxülarpalpen, so daß über das Fehlen oder Vorhandensein von Zylinderborsten nichts ausgesagt werden kann. In der Färbung gleicht es dem (f\ der dorsale Mandibularfinger besitzt nur 1 Zwischonzahn. Solpuga picta Krpln. Die eigentümlichen, kammförmig gestellten Keulenhaare am Metatarsus und Tarsus des 2. Beinpaares deuten darauf hin, daß wir in dieser Art einen von den übrigen Soljmga-Arten höchst abweichenden Typus vor Augen haben. Um so mehr ist es zu bedauern, daß das cf noch immer nicht bekannt ist. Nur 2 Q. mit dem Fundorte ,,Damaraland" liegen bis jetzt vor, deren eines fast gleichzeitig mit der Veröffentlichung der S. picta von PuRCELL als /S. nigrobraccata beschrieben wurde. a) ^ b) Fig. 2. Solpuga alcicornis n. sp. a) Mandibel des (f mit dem Flagellum von der Seite. bj Flagellum von vorn. Solpuga schultzei Krpln. Auch von dieser, der S. picta durch den Besitz von kammförmigen Keulenhaaren am 2. Beiapaar nächst verwandten Art ist bisher nur das Q Skorpiones und Solifugae. 127 in einem Exemplar bekannt geworden. Schultze sammelte es bei Rooibank im Gebiet der Walfisch-Bay. Gen. Daesia Karsch. Von der bereits seit 1880 aus Nordafrika und den Küstenländern des Roten Meeres bekannten Gattung Daesia stellte sich erst seit 1899 heraus, daß sie im äußersten Süden Afrikas ein zweites Zentrum der Verbreitung unter Entwickelung einer ganzen Reihe eigenartiger Formen besitze. Von diesen sind zwei auch in Deutsch-Südwestafrika sicher nach- gewiesen, von denen eine indigen zu sein scheint, wälirend die andere auch in der Kapkolonie auftritt. Daesia hottentotta Krplu. Dies ist bei weitem die häufigste Daesia-Art in unserer Kolonie; sie liegt mir namentlich aus dem Damaralande von zalilreichen Fundorten vor, verbreitet sich aber auch bis in das Groß Namaland. Zu nennen sind: Osire, Okahandja, Owikokorero, Waldau, Karibib, Usakos, Spitzkopjes, Windhuk, Rehoboth, Hoachanes, Keetmanshoop. Daesia nainaqua Krpln. Diese Art wurde zunächst aus dem Groß Namalande von mir be- schrieben. Später sammelte sie Schultze auch bei Steinkopf im Klein Namalande. Ob Daesia holbei Purc. von Bulawayo im Matabeleland wirklich in Groß Namalande vorkommt, wie ich im ,,Tierreich" (4, p. 97) ange- geben, ist mir wieder zweifelhaft geworden. Andrerseits ist es nicht unwalu-scheinHch, daß noch einige weitere südafrikanische Arten {D.pallida^imc., betschuanica Kupi^yi., schultzei Kspi^^i.) im Gebiet unserer südwestafrikanischen Kolonie anzutrefien sind. Gen. Blossia Sim. Von dieser Gattimg gilt in erhöhtem Maße, was über die geogra- phische Verbreitung der Gattung Daesia gesagt wurde: Der einen, schon 128 K. KUAEPELIN. 1880 von Simon beschriebenon nordafrikanischen Art stehen heute fast ein Dutzend Arten aus dem Süden des Kontinents gegenüber. Aus Deutsch- Südwestafrika kenne ieh zur Zeit nur 2 Arten, die beide indigen sein dürften. Blossia falcifera Krpln. Diese zuerst von Schultze erbeutete Art scheint in der Umgegend von Windhuk nicht selten zu sein. Auch von IS eudamm unweit Wind - huk Hegt sie mir vor und ebenso von Tsumab. Blossia fliHhriata ii. sp. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika: v. Trotha (Mus. Berhn). Von dieser neuen Art U<^gt mir nur ein defektes (/ des Berliner Museums mit der Etikette „Deutsch-Südwestafrika, v. Trotha leg." vor. Obgleich die Maxillarpalpen fehlen, glaube ich die Form wegen ilu-es durchaus eigenartigen Flagellums doch besclu-eiben zu sollen. Die Färbung der Mandibeln ist gelbrot, die des Cephalothorax etwas dunkler, die des Ab- dominah-ückens gelblich, aber braun überlaufen. Die Beine sind hellgelb, Femur und Tibia des 4. Bein- paares aber seitlich bleich schokoladenfarbig be- " raucht. Die Mandibeln sind dorsal mit Dornen Fiff. 3. Blossia fimbriata ^ , , .. o- i i ^ r i ,, ,., , ' , . besetzt, vorn maliig gebogen und tragen auf der n. sp., Mandibel des (/ mit _ ' !->!-.& & dem Flagellum von der Schneide 2 gleich große Vorderzähne, denen Seite; bei * Randsaum des 1 kleiner Zwischenzahu, 1 größerer Hauptzahn und Flagellums stärker ver- 3 ^^ißerst winzige Wangenzähne folgen. Die Zähne größert. des ventralen Mandibulariingers sind niedrig. Das Flagellum ist gestreckt und etwa über dem 4. Zahn inseriert, sein* beweglich und leicht aufrichtbar. Aus stilartigem Grimde erweitert es sich zu einem kurz Hasrhenförmigen, mit ovaler Öffnung versehenen Hohlraum, der dann in einen lang lauzetthehen, etwas geschweiften Endfortsatz ausläuft (Fig. 3). An seinem Aorderen Rande ist dieser End- fortsatz der ganzen Länge nach mit einem zarten, gefransten Saum besetzt (beim * der Randsaum stärker vergT.). Der Cephalothorax trägt auf der Fläche kurze Dornen, am Hinterrande einen Kranz von langen Domen. Die Rückenphatten des Abdomens sind am Hinterrande mit Querreihen Skorpiones und Solifagae. 129 zarter Dornen besetzt. Am 2 und o Segment der Baiichplatten des Ab- domens finden sich je 4 dicke, etwas gebogenen Fleischborsten. Von südlich des Oranjefluß heimischen Arten, die ^-ielleicht noch in unserer Kolonie zu finden wären, sind B. clunigera Krpi.x. und namaqiiensis PuRC. zu nennen. Die Gattungen Hemihlossla und Melanohlossia des Kaplandes und der Kalahari sind bisher in Deutsch-Südwestafrika noch nicht beobachtet. Gen. Gluviopsis Krpln. Die von den Küstenländern des Roten Meeres bis nach Vorderindien verbreitete Grattung Gluviopsis wurde 1901 von Purcell (3, p. 219) als auch zur Fauna Südafrikas gehörig bezeichnet imd zwar auf Grund eines ein- zelnen Individiums irf), das ihm von Styrkraal südlich vom Orange-Fluß im Norden der Kenhart Division zugegangen war. Er hat dieses Exem- plar als Gl. australis beschrieben. Auch mir liegen 3 Exemplare von verschiedenen Fimdorten vor, die ich nur der Gattung Gluviopsis zurechnen kann, ohne indes, da es sich durchweg um Weibchen handelt, mit Bestimmtheit angeben zu können, in welcher Beziehung sie zum G. australis Purc. stehen. Nur eines der 3 Exemplare dürfte im HinbHck auf seine Färbung mit einiger Sicherheit als das Q zu Purcells G. australis (f anzusprechen sein; über die Stellung der beiden anderen glaube ich mich vorläufig eines abschließenden Urteils enthalten zu sollen. Gluviopsis australis Purc.J Fundangaben: Karibib; VV. Michaelsen, 23. — 26. April 1911. Kalkfeld, nördlich von Omaruru: W. Michaelsen, 5. Juni 1911 (var. "?, n. sp. '?) Das mir vorliegende $ von Karibib mit 9 mm langem Truncus besitzt lehmgelbe Mandibeln" und Cephalothorax. Das Abdomen ist eben- falls gelb, zeigt aber in den vorderen Segmenten eine leichte Bräunung. Der Femur der MaxiUarpalpen ist schwach beraucht, die Tibia tief dunkel- braun, während der Metatarsus, ganz, wie es Purcell von seiner G. australis beschreibt, in den Grundzweidritteln hellgelb, im Enddrittel aber nebst dem Tarsus dunkelbraun ist. Die Beine sind lehmgelb, nur Tibia und 9 Michaelsen, Dentsch-Südwestafrika. 130 K- Kraepelin. Protarsiis dos 1. und dos 4. Boinpaaros blai3 scliokoladonfarbig boraucht. Der normal gebogene dorsale Mandibularfinger trägt 2 starke Vorder- zähne, einen mäßig großen Zwischenzahn und 1 großen Hauptzahn, dorn dann noch 3 kleinere Wangenzähne folgen. Die inneren Wangenzähne sind groß. Im ventralen Mandibidarfinger ist der Zwischonzahn kaum an- gedeutet. Der Augonhügel zeigt einen gelben Medianstrich und vorn neben 2 starken Cylinderborsten einige kleinere Borsten. Die Tibia des Maxillar- palpus trägt an der Unterkante distal je 2 — 3 starke Dornen, zu denen wohl noch einer (beim vorliegenden Exemplar abgebrochen) in der pro- ximalen Hälfte kommt. Der Metatarsus an joder Kante ventral etw^a mit 5 Dornen. Der eingliedrige Tarsus dos 4. Boinpaaros ist ver- hältnismäßig kurz. Ein zweitos Q von Kalkfold (nördlich von Omaruru) zeigt den Vorderrand dos Cophalothorax etwas boraucht, die freien Ringe dos Cephalothorax und dio Rückonplatton des Abdomens einfarbig bloiehbraun, ziemlich scharf von der weißgolben Bindehaut und der Unterseite abgesetzt; der Fomvu- der Maxillarpalpon ist lohmgolb und nur am Endo gebräunt, dio Tibia ganz braun, ebenso der Metatarsus in der Grundhälfto, Avährond dio Endhälfto nebst dem Tarsus wieder hollgelb sind. Die Färbung der Beine und die Bezahnung der Mandiboln entspricht derjenigen dos Exemplars von Karibib; ebenso dio Bedornung der Tibia dos Maxillarpalpus. Der Metatarsus läßt einerseits ot^va 5, andererseits etw^as 10 kurze Dornen an der Ventralseite erkennen. Ob es sich hier nur um oin(» Varietät der erstboschriobonon Form handelt oder um eine s(»lbständigo Art, vormag ich bei der Unzulänglichkeit dos Materials nicht zu (Mitsclundon. Gluviopsis sp. Fundangabe: Swakopmund; Herlyn. JSichor verschieden von diesen beiden Exomplar<'n ist aber ein di'ittos Q von Swakopmund mit schokoladofarbiuion Mandiboln und Cephalothorax, gelbrotom, an den Hinterrändern dunkelbraunem Abdomen und fast einfarbig schokoladebraunon Maxillarpalpon (nur d(»r Grund des Femur ist hell) und dunkel berauchton Beinen. Dio Tibia des Maxillarpalpus trägt ventral nur 3 zarte Dornen nebst einzelnen Cylinderborsten und langen Borstenhaaren, der Metatarsus ventral jederseits etwa 5 zarte Dornen. Der eingliedrige Tarsus des 4. Boinpaaros ist etwa sechsmal so lang wie breit, während er bei den beiden vorbesprochenen Exemplaren nur etwa viermal so lang wie breit ist. Der Zwischenzahn nach den beiden Vorderzähnon Skorpiones und Solifugae. 131 im dorsalen Mandibularfingor ist äußorst \\dnzig und sitzt dorn Haupt- zahn dicht an, auf h'tztoren folgt noch ein zweiter Hauptzahn. Der Zwischenzahn im ventralen Mandibularünger ist ziemlich groß. — Bei der Unsicherheit der Stellung dieser Form glaube ich von einer Namengebung absehen zu sollen, doch schien es mir immerhin angebracht, auf das Vor- kommen solcher noch ungenügend b(^kannter Arten hinzuweisen. Gen. Lipophaga Pure. Im Jahre 1903 besclmeb Purcell (5, p. lOj die Gattiuig Lipophaga mit der Art L. trispinom von der Malmesbury Division im Kaplando. In dieselbe Gattung gehört, wie ich mich jetzt überzeugt zu haben glaube, die von mir 1908 (6, p. 280) beschriebene Pseudohlossia schultzei aus dem Klein Namalande, di(> also demgemäß als Lipophaga schultzei (Krpln.) zu bezeichnen wäre. Beide bisher bekannte Formen besitzen in der Tat am Ende des 1. Beinpaares mnzige Klauen, die allerdings nicht über den Haarbesatz herausragen. Das Flagellum des cf felilt; an dessen Stelle rinden sich nur einige stärkere Fiederborsten. Der Augenhügel trägt vorn 2 starke Dornen. Der Metatarsus des 2. und 3. Beinpaares ist dorsal mit 4 — 5 Dornen besetzt; die eingliedrigen Tarsen aller Beine haben unter- seits nur Borsten, aber keine Dornen, die Pulvillen am Grunde der Krallen sind winzig; die Mandibeln zeigen innenseits ausgeprägte Stridulationsriefen. Metatarsus der Maxülarpalpen ventral mit Cylinderborsten. — Die Gesamt- heit dieser Merkmale läßt erkennen, daß die Gattung in mancher Hinsicht zAvischen den Daesiinae und Karschiinae die Mitte hält, so daß es scliAver zu entscheiden ist, welcher von beiden sie zuzuordnen sei. Da ich nun auch noch bei anderen Gattungen der Daesiinae rudimentäre Krallen am Ende des 1. Beinpaares beobachtet habe (z. B. bei Gluviopsis), so scheint es mir, daß die Frage nach der Existenzberechtigung dieser beiden von mir seiner Zeit (1, p. 206j aufgestellten Unterfamilion einer erneuten Prüfung bedarf. Wenn die zwei bisher bekannten Arten der Gattung Lipophaga dem Kaplande angehören, so vermag ich jetzt noch über eine dritte Art zu be- richten, welche Michaelsex in Deutsch-SüdAvestafrika erbeutete, und die ich ihm zu Ehren als L. michaelseni bezeichnen will. Es handelt sieh um ein cf von Lüderitzbucht, dessen Besclireibung ich hier folgen lasse. Ob ein bei Okahandja gesammeltes Q zu ihm gehört, wie ich vermute, muß ich vorläufig dahin gestellt sein lassen. 9* 132 K. Kraepelin. lÄpophaga niichaelseiU u. sp. Fundangaben: Lüderitzbuclit, W. Michaelsen, 5. — 18. Jidi 191 1. (1 c/). y Okahandja; W. Michaelsen, 27.-28. April 1911 (1 Q., fraglich, ob zu dem (f von Lüderitzbuclit gehörig). Männchen. Einfarbig gclbweiß, nur die Spitze der Mandibelu rot, und der Cephalo- thorax am Vorderrnde dunkel beraucht; Abdomen, Maxilllarpalpen und Beine weißgelb. Dorsaler Mandibular fing er oberseits mit starken, z. T. abgestutzten (oder abgebrochenen?) Dornen, auf der ventralen Schneide mit sehr gi'oßem, alle übrigen Zähne an Mächtigkeit weit übertreffenden Vorderzahn nahe der Spitze (Fig. 4), auf den dann 2 weitere kleine A^jrderzähne, ein winziger Zwischenzahn und ein mäßig großer Hauptzahn folgen. Der ventrale Maudibularfinger den dorsalen an Länge überragend (wie bei L. trispiiwsa), mit 2 Hauptzähnen und mäßig großem Zwischenzahn (Fig. 4). C ephalothorax auf der Fläche mit kurzen Dornhöckern, an den Seiten mit längeren Dornen, am Vorderrande des 1. freien Thoraxsegments mit Reihe von etwa 6 langen Dornen. Rückenplatten des Abdomens mit nur sparsamen Dornborsten besetzt, vornehmlich auf der Mitte der Segmente; die Bauchplatten dicht kurz weißborstig. Femur der Maxillarp alp en vorn mit einigen längeren Dornborsteu, die Tibia ventral mit 4 — 5 starken Dornen (die des proximalen Teiles bei dem vor- li(\gend(>n Exemplar zum Teil abgebrochen), der Metatarsus ventral mit zahlreichen kurzen und langen Cy linderb ersten zwischen langen geraden Haaren, dorsal mit kurzen luid langen Borstenhaaren. ? Weibchen. Bei dem vielleicht zu diesem cf gehörigen 5 von Okahandja ist der Cephalothorax auf der Fläche fein braun genetzt, und die vorderen Rückenplatten des Abdomens z(ugen twas beraucht, ebenso am 4. Beinpaar die Tibia am Grunde und der Fenuu- am Ende. Im übrigen zeigt das Exemplar das helle Lehmgelb des (f. Entsprechend dem weiblichen Geschlechts- charakter sind M a n d i b e 1 n und C «41 h a I o t li o r a x nicht b(Klornt, sondern Fio;. 4. Lipophaga michaelseni Mandibel des (f. Skorpiones und Solifugae. 133 beborstet bezw. lang behaart; der dorsale Mandibularfingor trägt auf seiner Schneide keinen durch Größe hervorragenden ersten Vorderzahn, sondern der 3. Vorderzahn ist der größte (Fig. 5); der ventrale Mandibular- ünger ist nicht länger als der dorsale. Die Tibia des Maxillarpalpus zeigt an der ventralen Oberkante 3 stärkere Borsten, dazu andere lange Borsten; der Metatarsus entspricht dem des (/. Da nach dem Gesagten der von mir gewählte Name mit Sicherhcnt nur für das (/ von Lüderitzb ucht Geltung haben kann, so bin ich zurzeit auch nur in der Lage, die Männchen der drei nunmehr be- scliriebenen Lijjophaga- Arten in ihren Merkmalen scharf vonein- ander zu trennen. Es mag hierzu die folgende Übersicht dienen, wobei zu bemerken, daß die Q der L. schultzei sich natürlich, gleich den (f, ohne Schwierigkeit durch ihre gelbrote bis rostbraune fj^. 5. Lipophaga sp. (michaelseni Krpl?) Färbung (^rkennen lassen. Mandihel des Q. A. Truncus und Gliedmaßen gelbrot bis rostbraun. Dorsaler Mandibular- iinger so lang wie der ventrale, in der distalen Hälfte völlig zahnlos, die ersten dann auftretenden Zähne der Schneide selu- winzig. Tibia des Maxillarpalpus ventral nur mit 2 — 3 stärkeren Dorn- borsten. Kamaggas in Kl. Namaland. L. schultzei (Krpln.j cf B. Truncus und Gliedmaßen in der Grundfarbe bleichgelb, nur ober- seits auf Cephalothorax, Abdomen und Maxillarpalpen manchmal etwas dunkel beraucht. Dorsaler Mandibulariinger deutlich kürzer als der ventrale, fast bis zur Spitze auf der Schneide bezalmt. Tibia des Maxillarpalpus ventral mit 3 oder 5 starken Dornen. I. 1 . Aorderzalm des dorsalen Mandibulai-tingers sehr groß und dick, weit gTößer als die proximal darauf folgenden Zähne (Fig. 4j. Abdomen und Gliedmaßen rein weißgelb, nur der Cephalothorax am Vorderrande dunkel beraucht. Tibia des Maxillarpalpus in der Mitte ventral mit 3 starken Dornen, denen am Grunde noch 2 kleinere folgen; da- zwischen in der Endhälfte zahlreiche lange Zylinderborsten. Südliches Deutsch-Südwestafrika. L. ndchaclseni n. s^). cf IL 1 . Vorderzahn des dorsalen Mandibulaiiingers nicht größer als der di-itte. Cephalothorax, Rückenplattim des Abdomens 234 ^- Kraepelin. und Endglieder des Maxillarpalpus stark beraucht, auch Femur und Tibia der Beine an den Seiten. Tibia des MaxiUarpalpus im distalen Ende ventral mit 3 starken Dornen, aber ohne lange Zylinderborsten. Malmesbury Division im Kaplande. L. trispinosa Purc. (f Gen. CeromaKarsch. Die Gattung Cerom.a gf^hört vorwiegend dem Süden des afrikanischen Kontinents an, geht jedoch im Osten bis etwa zum Äquator nach Norden. In Deutsch-Südwestafrika ist mit Sicherheit bisher nur eine Art beobachtet worden, der ich noch eine zweite, bisher unbescliriebene Art liinzufügen kann. Ceroma inerime Purc. Von dieser Art sind bisher nur 2 c/ bekannt geworden und zwar von der Walfisch-Bay. Ceroma sclateri Purc, dessen (f aus dem Süden des Kaplandes be- schrieben wurde, wird schwerlich in Deutsch-Südwestafrika heimisch sein. Das von mir im ,, Tierreich" (Lief. 12, p. 133j hierher gerechnete Q aus dem Damaralande dürft(> wohl einer andern Art angehören. Ceroma focM n. sp. Fundangabe: Windlnik; W. Michaelsex, April bis Mai 1911 (1 cf) \'on dieser Art liegt mir zur Zeit nur ein cf von Wind hu k vor, das ich zu Ehren des um die Erforschung der dortigen Fauna hochver- dienten Herrn Dr. Fock in Okahandja benenn(\ Die Färbung der Man- dibeln ist lehmgelb mit je 2 — 3 braunen Längsstreifen. Der lehmgelbe Cephalothorax ist vorn und an den Seiten braun beraucht, der Augenhügel scliwarz. Das Abdomen erscheint dorsal graugelb, doch sind die hinteren Ivückenplatten an den Seiten dunkler umsäumt, und auch die Mittellinie zeigt hier einen dunkb'reii Schattenstricli; die liaucliseite ist hell lehmgelb. Der Femur der Maxillarpalpeii ist hell und nur am distalen Ende etwas beraucht, Tibia, Metatarsus und Tarsus sind einfarbig dimkel. Die Schenkel der Px'ine sind hell, die übrigen Glieder dorsal und außen schokoladen- farljeii beraucht. Der normal g(»bogene dorsale M andib ularfinger trägt auf der Schneide 2 starke Vorderzälnie, von denen der 2. der größere ist; es folo-t ein kleiner Zwisrheiizalm und ein dem 2. \"ord<'rzahn an Größe Skorpiones und Solifugae. 135 nahe kommender Hauptzahn, dem dann noch 3 kleinere Wangenzähne folgen (Fig. 6a). Das Flagellum, welches etwa über dem Zwischenzahn inseriert ist, erweitert sich aus kurz stilförmigem Grunde schnell zu einem breit keulen- oder kolbenförmigen Gebilde, das distal sich allmählich wieder verjüngt und schließlich mit einer kurz hakenförmigen Abwärts- biegung endigt (Fig. 6 b.) Das ganze Gebilde hat, namenthch von außen gesehen (Fig. 6 a), wo seine Insertion nicht sichtbar ist, etwa die Form einer Schinkenkeule; es wird in seiner Lage durch mächtige Dornen fest- gehalten, von denen 3 auf der dorsalen Firste des Mandibularfingers fFig. 6 a) das Ausweichen des Flagellums nach außen, ein noch erheblich stärkerer, «. b. Fig. 6. Ceroma focki n. sp. a) Mandibel des of, von außen gesehen. b) dorsaler Mandibularfinger des ^f ™it dem Flagellum, von innen gesehen. auf der Innenfläche der Mandibularfläche entspringender, nebst einem ent- fernt davon stehenden schwächeren, das Ausweichen nach inncMi verhindern (Fig. 6 b). Von einem ähnlichen Festlegimgs- oder Schutzapparat berichtet PococK schon bei C. pallidum aus dem Klein Namalande, doch ist er hier, wie auch das Flagellum, wesentlich anders gestaltet. J)ov ventrale Mandi- bulai-lingcr trägt zwischen 2 Hauptzähnen einen ziemlich großen Zwischen- zahn. Femur, Tibia und Metatarsus der Maxillarpalpen sind mit kurzen Borstenhaaren und dazwischen mit langen Haarborsten besetzt; Dornen und Cylinderb ersten fehlen. Der Pulvillus der Endtarsen ist fast bis zum Grunde gespalten. Länge des Truncus 10 nmi. 136 K. Kraepelin. Faiii. Hexisopidae. Gen. Hexisopus Karsch. Von den sonderbaren und höchst seltenen Ilexisopus-Axien sind bis- her 3 in unserer südwestafrikanischen Kolonie beobachtet worden; d. h. nahezu die Hälft*^ der bisher aus d(^r Familie (mit Einschluß der Grattung Chelipus) überhaupt beschriebinien Arten. Hexisopus nigrolunatus Krpln. Bisher ist nur 1 (f aus dem Damaralande bekannt geworden. Hexisopus infuscafus Krpln. Bisher nur 1 cf von der Walfisch-Bay. Hexisopus lanatus (C. L. Koch.) Diese auch der Faiuia des Kaplandes angehörige Art, bewohnt das Groß Namaland unserer Kolonie. Mir li(>gen Exemplare von Keetmans- h o p und K a b u s vor. Literatur. 1. 1899 Kraepelin, K.: Zur Systematik der Solifugen in: Mt. Mus. Ham- burg XVI, p. 197—258. 2. 1899 PuRCELL, W. F.: New and little known South African Solifugai; in the Collection of the South African Museimi in: Ann. South Mr. Mus. I, 3, p. 381—432. 3. 1901 PuRCELL, W. F.: <,)n some South African Arachuida belonging to the Orders Scorpionc^s, Pedipalpi and SoHfuga«' in: Ann. South Afr. Mus. II, 6, p. 137—224. 4. 1901 Kraepelin, K.: Palpigradi und Solifugae in: „Das Tierreich" Lief. 12. 5. 1903 Pl'rcell, W. f. : Description of New (lenera and Species of South African Solpugida(^ in: Ann. South Afr. Mus. 111, 1, p. 1^ — 12. 6. 1908 Kraepelin, K.: Skorpione und Solifugae in : L. Sihultze, Forschungs- reise im westl. und zentr. Südafrika 1903—05. Jena 1908, p. 247—282. Oligochaeta von W. Michaelsen (Hamburg). Mit 1 Tafel, 6 Kartenskizzen und 1 Abbildung im Text. Es sind bisher keine Oligochäten von Deutsch-SüdAvestafrika bekannt geworden. Das in den folgenden Blättern erörterte, meist von mir selbst, zum Teil auch auf meine Anregung von Freunden meiner Bestrebungen gesammelte Material bildet mit 16 Arten den Grundstock einer Oligochäten- Fauna Deutsch-Südwestafrikas. Wenngleich auch von vornherein anzu- Tiehmen ist, daß unsere Kolonie mit ihrer Armut an konstant A^'asser enthaltenden Ortlichkeiten eine nur sehr spärliche Oligochäten-Bevölkerung beherbergen kann, so dih-fen wir ihre Oligochäten-Fauna doch nicht als durch diese 16 Arten erschöpft ansehen. Zumal die Nordkante mag im Bereich ihrer konstant fließenden Grenzflüsse, des Kunene, des Okawango und des Sambesi, noch manche weitere Art aufweisen. Von dem Bezirk des Sambesi, der Nordkante des östlichen Caprivi-Zipfels, dürfen wir dies so gilt me sicher annehmen. Ich habe eine sehr kurze Strecke vom Ost- ende des Capri^d-Zipfels entfernt, ca. 50 — 70 Kilometer flußabwärts, am Ufer des Sambesi, oberhalb der Victoria-Fälle bis zur Insel Kandahar zahlreiche Oligochäten (6 Arten) gefunden. Es erschiene sonderbar, wenn diese Arten hier gerade ihre westlichste Verbreitung fänden. Es ist nicht zweifelhaft, daß sie sich, wenigstens zum gi'ößten Teil, auch noch die 50 Kilometer weiter am Sambesi entlang verbreiten, also auch im deutschen Sambesi-Bezii-k vorkommen. Da wir demnach diese Arten fast sicher auch als deutsch-südwestafrikanische ansehen dürfen feine derselben, Gordiodrilus Luykerleni, ist auch in Deutsch-Südwestafrika im Waterb erg-Bezirk gefunden worden), so habe ich sie in der folgenden Zusammenstellung der (oligo- chäten Deutsch-SüdAvestafrikas mit aufgeführt. Fraglich ist es andererseits, ob wir auch von einigen im nördlichsten Kaplande, also nahe der Süd- grenze unseres Gebietes gefundenen Arten vermuten dürfen, daß sie auch in unserer Kolonie gefunden werden möchten. Es handelt sich hierbei um zwei Microcliaetus-Avten, also typisch kapländische Formen, die bei Kamaggas in Klein-Namaland gefunden worden sind. Dieser Fundort ist, wenn auch nicht weit vom Oranje-Fluß, also der deutsch-südwestafrikanischen Grenze entfernt, doch durch vollständiges Trockenland \on dieser Grenze getrennt. Hier liegen die Verbreitungs Verhältnisse also ganz anders als am Sambesi, wo die Ufer des Flusses einen kontinuierlichen Feuchtland- 1 40 ^^ • Michaelsen. Streifen, also eine leicht gangbare Verbreitungslinie darstellen. Bevor nicht der sichere Nachweis des Vorkommens einer Microchaetus- Art in deutsch-südwestafrikanischem Gebiet erbracht ist, müssen wir Klein-Nama- land als die nördliche Grenze dieser Gattung, und damit des süd- afrikanischen Terrikolengebietes, ansehen. Wie durch Aufnahme der Rhodesia-Gligochätcn die geographische Grenze, die diesem Werke gesetzt ist, nicht ganz genau inne gehalten wurde, so wird durch Aufnahme dreier Meeresstrands-Arten die biologische Grenze etAvas überschritten. Diese Oligochäten des Meeresstrandes hätten eigentlich in dem Schwesterwerke, „Beiträge zur Kenntnis der Meeresfauna Westafrikas," behandelt werden müssen. Eine Sonderung dieser marinen oder, vielleicht besser gesagt, euryhalineu ( )ligochäten von den Land- und Süsswass erformen ist jedoch nicht ratsam, handelt es sich doch wahrschein- lich nur um junge Anpassungen ursprünglich kontinentaler, aber zugleich euryhaliner Tiere an eine nahrungsreiche, aber durch den Wechsel des Salzgehaltes für die meisten kontinentalen Tic^'e unzulängliche und deshalb nur geringe Konkurrenz zulassende örtlichkeit. Das geht schon daraus hervor, daß die meisten der in Frage kommenden Arten Gattungsgenossen in kontinentalen Örtlichkeiten besitzen, wenn sie nicht gar selbst, wie Enclvjtraeus alhuhis Henle und LuuibriciUus lineatas (Müll.), auch in terrestrischen oder Süßwasser-Örtlichkeiten vorkommen. Auch gehen diese Formen anscheinend nicht in beträchtliche Meerestiefen, sondern halten sich an die Nähe der Küsten, wenn sie nicht geradezu an den Meeresstrand mit seinem DetritusAvall gebunden sind.') Hinzu kommt, daß die Zahl der in Frage kommenden marinen oder eurjhalinen Ai-ten so gering ist, daß sich die Behandlung in einer Sonderarbeit kaum lohnen würde. Die Anfügung der marinen (Jligochäten an die kontinentalen und ihre Veröffentlichung in den „Beiträgen zur Kenntnis der Land- und Süß- wasserfauna Deutsch-Südwestafrikas" hat eine weitere Folge. Bei der Beschränkung dieses Werkes auf die Grenzen unseres südwestafrikanischen Schutzgebietes und bei strenger Innehaltung dieser Grenzen würde ein Kameruner Meeresstrands-Oligochät, Michaelsena Mangeri n. sp., gewisser- maßen „unter den Tisch fallen". Um dies zu vermeiden, füge ich die Be- schreibung dieser Art und die Erörterung über Art und Gattung als An- hang an diese Arbeit an. ') Eine Zuordnung gewisser Meeresstrandstiere zu den Verwandten vom Lande und vom Süßwasser wird in diesem M'erke auch bei anderen Tiergruppen, z. B. bei den Oniscoiden oder Laudassein, vorgenommen werden. Anmerkung des Herausgebers. Oligochaeta. 141 Mit Einschluß jener am mittleren Sambesi nachgewiesenen Arten, die zweifellos wenigstens zum größten Teil, wenn nicht sämtlich, auch im deutschen Sambesi-Distrikt anzutreffen sein werden, erhalten wir folgende Liste deutsch-südwestafrikauischer Oligochäten : Naididae. Paranais tnultispinus n.si^., aquatil, Windhuk-Bez., endemisch? Gattung weltweit verbreitet. Nais pseudoobtusa (Piguet) var.? aquatil, Windhuk-Bez., weit verbr., Gattungfast kosmopolitisch. Aulophorus africanus n. sp., aquatil, Windhuk-Bez. u. Gr. Fischfluß, endemisch? Gattung weltweit verbreitet. Tubificidae. Limnodrüoides Winrkelmanni n. sp., marin, S.- bis M.-Küstenbez., endemisch? Gattung weit verbreitet (Mittelmeer). Limnodrüus alpestris Eisen, aquatil, Grootfontein-Bez., weltweit verbr., Gattung fast kos- mopolitisch. Euch ytraeidae. Lumbricillus verrucosus (Clap.), marin., S.-Küstenbez., weltweit verbreitet (N.- u. S. -Atlantik), Gattung fast kosmopolitisch. Michaelsena georgiana (Mich.), marin, S.-Küstenbez., weit verbreitet (Süd-Georgien), Gattung weltweit verbreitet. Alluroididae. Atluroides tangani/ikae Bedd., amphibisch, Sambesi-Bez., weit verbreitet (Tanganyika), Gattung tropisch-ostafrikanisch. 3Ieffascolecidae. Acanthodrilinae. Microscolex phosphoreus (AiiT.DvG.), terrestrisch, Windhuk-Bez., peregrin, weltweit verschleppt. Trigastrinae. Dichogaster Annae (Hokst), terrestrisch, Waterberg- u. Okahandja-Bez., pergrin, tropisch W. -Afrika, Comoren, Java. Ocnerodrilinae. Gordiodrilus Luykerleni (Mich.), amphibisch, Sambesi u. Waterberg-Bez., mäßig weit ver- breitet, Gattung tropisch-, west- bis ost-afrikanisch, Gordiodrilus Chuni Mich., amphibisch, Sambesi-Bez., endemisch, Gattung tropisch-, west- bis ostafrikanisch. Ocnerodrilus occidentalis Eisen, amphibisch, Gr. Fischfluß-Bez., peregrin. Pygmaeodriliis rhodesiensis Mich., amphibisch, Sambesi-Bez., endemisch, Gattung tropisch- bis gemäßigt-ostafrikauisch. Pygmaeodrilus arausionensis Mich., amphibisch, Grootfontein-Bez., ziemlich weit verbreitet (Oranje-Kolonie), Gatttung tropisch- bis gemäßig-t-ostafrikanisch. ] 42 W. MlCHAELSKN, E u d rilinae. Platydrilns Agyies Mitn., terrestrisch, Sambesi-Bez., endemisch, Gattung tropisch-afrikanisch. Nemertodrilus Kellneri Mich., terrestrisch, Oranje-Fluß-Bez., in geringem Maße peregrin (Oranje-Kolonie), Gattung tropisch- bis südlich-subtropisch-afrikanisch. Glossoscolecidae. Criodrilinae. Alma sp., aquatil, Sambesi-Bez., Gattung tropisch- bis nördlich subtropisch-afrikanisch. Lunihi'icidae. Helodrilus caliginofrnd(> Abliandlung übci- dio Oligocliäton Deutscli-Südwest- afrikas bildet den Abschhif3 einer Reihe von Vt^röffentlichungon, in denen ich das von mir in Südafrika gesammeko Material zusammen mit dem Material der von mir besuchten südafrikanischen Museen bearbeitet habe '). Es erscheint mir angebracht, mit diesem Abschluß eine Zusammenfassung der in dies(Mi Arbeiten gewonnenen Ergebnisse zu verknüpfen; gewährt ein(^ solche Zusammenfassung doch zugleich ein klares Bild vom Charakter der Terrikolenfauna unseres südwestafrikanischen Schutzgebietes. Von hstindien und Zentralamerika endemisch, setzt, den Atlantischen Ozean überspringend, in Westafrika, und zwar in Gambia, Portugiesisch - Guinea, Sierra Leone und Liberia, gleich in voller Macht (nn. Ihr Gebiet durchsetzt jedoch nur in der nördlichsten Zone Mitt<^l- afrikas den ganzen Kontinimt, und zwar von den genannten Distrikten bis zu den Galla-Ländern, Abessinien und Harar. Weiter südlich scheint sie nur bis an den ostafrikanischen Graben (Ruwenzori bis Ruanda und Nyassa-Land) ostwärts zu gehen. Die südliche Erstreckung des Dichogaster- Gebiotes ist markiert durcli die Funde von Blantyre in Britisch-Nyassa-Land, ,, Oberlauf des Kongo" und Fernand Vaz in Französisch-Kongo. Es wäre ja möglich, daß endemische Dicliogaster noch südlich von dieser Linie ge- funden werden. Beachtenswt^rt ist jedoch, daß eine reiche Ausbeute vom unteren Kongo (Chiloango, Mayili) wohl mehrere cmdemische Eudrüinen, jedoch nicht eine einzige endemische Dichogaster- Art aufwies. Das Gebiet der Eudrilinae (Kartensk. 3) deckt sich nicht genau mit dem von Dichogaster. Es erstreckt sich ostwärts in ganzer Breite, von Erythraea über Harar, Britisch- und Deutsch-Ostafrika bis Mosambique (Mündung des Sambesi), bis an den Lidischen Ozean, den es jedoch nicht überspringt. Westwärts da- gegim reicht es nicht so weit wie das ZHchog aste >--(T('h'wt. Li Kamerun sind Eudrilinen noch vorherrschend, in Togo aber sind sie schon spärlicher und in West-Liberia rindet sich die westlichste Art als anscheinend weit isolierter Vorposten. Südwärts reicht das Gebiet der Eudrüinen viel weiter als das der Gattung Dichogaster. Sichere endemische Eudrilinen -Vorkommnisse kennen wir vom Mündungsgebiet des Sambesi, vom mittleren Sambesi (Victoria-Fällej und von Lunda (näherer Fundort von Preussiella lundaensis Mich, unbekannt. Dazu kommt noch der weite Vorstoß des oifenbar etwas peregrinen Neniertodrilus Kellnert Mich, nach der Oranje-Kolonie (Bloem- fontein) und dem ()ranje-Fluß-Distrikt Deutsch-Südwestafrikas. Für die Gebietsbegrenzung kann das Vorkommen dieser Art sich(^rlicli nicht in Frage kommen, ebensowenig wie das des Eudriloides durbanensis Bedd. Es ist nicht einmal sicher, ob diese in den Kew gardens zu London an Pflanzen aus Natal entdeckte Art tatsächlich aus Natal stammt, noch un- sicherer ist die endemische Natur dieses fraglichen Vorkommens. Wir müssen demnach den Sambesi-Distrikt als die Südgi-enze des eigentlichen Eudi-ilinen-Gebiets ansehen. 244 ^^ • MiCHAELSEK. Dio .südafrikanische T e r r i k o 1 e n f a u n a hat mit der geschil- derten tropisch-afrikanischen nichts gemein. Das südafrikanische Gebiet ist charakterisiert hauptsächlich') durch die beiden Gruppen: 1. Gattung Microchae.tus (Unterfam. Microchaetinae der Fam. Glossoscolecidae), die ganz auf dieses südafrikanische Gebiet beschränkt ist, und 2. die Sectio Chilotacea (Unterfam. Acatithodrilinae der Fam. Megascolecidae), die das südlichste Afrika mit dem südlichen Südamerika, dem magalhaensisch-chilenischen Gebiet, gemeinsam hat. (Ob eine Chilotacee von der Kapverdeschen Insel San Antonio hier endemisch sei, und gewissermaßen eine weit im Norden liegende Brücke zwischen den beiden jetzt auf die Südspitzen von Süd- amerika und Afrika beschränkten Sondergebieten der Ohilotaceen darstelle, ist fraglich.) Diese beiden Terrikolengruppen nehmen, soweit wir bis jetzt wissen, nahezu die gleichen Disti-ikte ein, ohne sich jedoch in der Art ihrer Verbreitung durch diese Distrikte zu gleichen. Die zugleich im südlichsten Südamerika verbreiteten Ohilotaceen (Kartensk. 5) herrschen an der Südkante Kaplands und hier zumal in den westlichen Distrikten vor. Sie bilden in der Art ihrer geographischen Verbreitung also eine Parallele zu der Trigastrinen- Gattimg Dichogaster des tropischen Afrikas. Nach Osten hin werden die Ohilotaceen spärlicher imd, was bedeutsam ist, durch Arten vertreten, die eine etwas weitere Verbreitung haben, also in geringem Maße peregrin sind. Im Gegensatz hierzu ist die Gattung Microchaetus (Kartensk. 6) im Osten Südafrikas vorherrschend, wenn sie auch in einigen wenigen Arten bis an die Atlantischen Distrikte Kaplands vorgedrungen ist. Die Nordgrenze der Gebiete dieser typisch südafrikanischen Terrikolengruppen wird im Westen durch einige Funde in Kh>in-Namaland, eben südlich vom Oranje-Fluß, markiert, im östHchen Teil durch Funde am Vaal-Fluß und im südlichen Transvaal (eine auch in Natal vorkommende, also in geringem Maße peregrine Ohilotacee), sowie durch zahlreiche Funde in Natal und Ziduland (mehrere rein endemische Microchaetus-Ärtcn und wenige in geringem Maße peregrine Ohilotaceen). Fraghch ist es, ob und wie weit sich diese rein terrikolen Oligochätengruppen Südafrikas in diesem Ostgebiet nordwärts erstrecken; denn das ganze Gebiet zwischen Zululand und dem Unterlauf des Sambesi ist in dieser Hinsicht so gut wie unbekannt. Für die Ohilo- taceen ist es unwahrscheinlich, daß ilir Gebiet sich hier noch beträchtlich nordwärts erstrecke; denn sie erscheinen in Natal, Süd-Transvaal und Zulu- land schon spärHcli und luir durch in geringem Maße peregi'ine Arten — anscheinend vorgeschobene Posten — vortreten. Die Gattung Microchaetus 'j Ich sehe hier ah von der kleinen Kelikten-Kolonie der in .zerspengten Gebieten weltweit verbreiteten Gattuni^ Acanthodrilus im Südwest-Winkel Kaplands. Oligochaeta. 145 dagegen zeigt in Natal und Zululand noch eine ziemlich üppige Entfaltung rein endemischer Formen. Es ist demnach nicht ausgeschlossen, daß sie sich in diesem Ostgebiet noch beträchtlich nordwärts erstrecke, während sich andererseits •\delleicht die äthiopischen Eudrilinen in dieser ,, terra incognita" vom Gebiet des Sambesi noch weiter südwärts verbreiten, den Mierochäten entgegen. Ob diese beiden einander entgegen drängenden Oligochätenfaunen an einer Stelle dieses unbekannten Ostgebietes aufein- ander stoßen oder gar sich in einem mittleren Distrikte durchdringen'), ist fraglich. Es ist jedenfalls anzunehmen, daß die terrikolen Oligochäten in diesem fraglichen Grebiet verhältnismäßig spärlich entwickelt sind; denn schon in Natal, Oranje-Kolonie und Süd-Transvaal ist die Fauna ende- mischer terrikoler Oligochäten spärlicher als im Kaplande, ebenso wie die- jenige des mittleren und unteren Sambesi spärlicher als die des mittleren Afrikas ist. Während nun im Ostgebiet des subtropischen Afrikas die Grenz- beziehungen der tropischen und der südlichen Terrikolenfaunen ganz un- bekannt sind, sehen wir im Westen einen breiten Trockenland-Distrikt sich als Gebiet ohne endemische terrikole Oligochäten zwischen jene beiden Gebiete einschieben. Dieses Trockenland-Gebiet bildet eine unüberwindliche Verbreitungsschranke für terrikole Oligochäten und ist in erster Linie dafür verantwortlieh zu machen, daß sich Südafrika in seiner Oligochätenfauna so auffallend selbständig erhalten konnte. Müssen wir doch Südafrika, dessen hauptsächlichste und charakteristische Grup}H'n terrikoler Oligochäten ganz anderen Familien oder Unterfamilien angehören wie die ts^pischen tropisch-afrikanischen Terrikolengruppen, als selbständiges Terrikolengebiet dem tropisch-afrikanischen Terrikolengebiet gegenüber- stellen. Selbst der für die Verbreitung von Feuchtlandtieren klimatisch günstigere, weil wenig(>r trockene Oststreifen des subtropischen Afrikas vom Unterlauf des Sambesi bis Zululand-Transvaal hat diese Selbständigkeit des südafrikanischen Terrikolengebiets nicht zu stören vermocht. Der ganz vereinzelte Vorstoß der äthiopischen Terrikolenfauna bis in Südafrika hin- ein, wie der offenbare Weitwanderer Nemertody^ilus Kellneri ihn darstellt, bedeutet keine wesentliche Änderung dieses Faunenbildes, da es sich eben \) Der weite Vorstoß der äthiopischen Eurlrilinen südwärts his zur Oranje-Kolonie und zum Süddistrikt Deutsch-Südwestafrikas, wie er durch Nemertodrilus Kellneri Mich, aus- geführt worden ist, läßt vermuten, daß auch das eigentliche Gebiet der Eudrilinen, für dessen Umgrenzung Nemertodrilus Kellneri als etwas peregrine Art nicht iu Betracht kommt, in diesem Gebietsstreifen weiter südwärts reicht, als die bis jetzt gemachten Funde sicher erkennen lassen. 10 Michaelsen, Deutsch-Süd westafrika. c^ A^^"^:^ ^^^ ^/"'\ .:> 1 ^ (] \XK y\\igentlichen Charakter der Faima nur ein(> neben- sächliche Holle spiel(>n. Immerhin zeigen sie, daß die nördliche Region Doutsch-Südwestafrikas für weitwandernde tropisch-afrikanische Ocnero- drilinen zugänglich war. Der dritte Ocnerodriline imserer Kolonie, Ocnero- drilus (Ocnerodrilus) occideutalis Eisen, kommt als vielfach versclileppte Form hier nicht in Rechnung. Zu den amphibischen (Jligochäten ist wohl auch Alluroides Tanganyikae Bedd. zu rechnen, dessen allerdings sehr arten- Oligochaeta. 149 armp Gattimg eine ähnliche Verbreitimg zeigt wie die Gattung Pygmaeo- drilus. Auch die Art Alluroides tanganyikae besitzt, wie schon sein Name verrät, eine ziemlich weite Verbreitimg. Die aquatilen Oligochäten Deutsch-Südwestafrikas gehören fast durchweg Gattungen an, die t'iue weltweite Verbreitung besitzen und demnach für die Feststellung besonderer geogi'aphischer Beziehungen dieser Fauna nicht in Betracht kommen. Zum Teil besitzen sogar die Arten eine weltweite Verbreitung, A\de Nais pseudoobtusa (Piguet) und Limnodrilus alpestris Eisen. Zu diesen weltweit verbreiteten Gattungen, die den zweifellos phyletisch sehr alten Familien der Naididae und Tuhißcidae angehören, kommt im Sambesi-Bezirk Rhodesias, also mutmaßlich auch im deutschen Sambesi- Bezirk, noch eine Art der phyletisch walirscheinlich viel jüngeren Criodri- linen-Gattung Alma hinzu. Die Gattung Alma (Kartensk. 2j ist bescliränkt auf das tropisch-afrikanische Gebiet, das sie vom Atlantischen Ozean bis zum ostafrikanischen Graben und noch etwas weiter (Distrikt des Victoria- Xyanzai durchzieht. Nordwärts dringt sie, wie die Ocnerodrilinen-Gattung Gordiodrilus, nilabwärts weit in das subtropische Gebiet hinein bis ans Mittelmeer vor. Im Süden scheint sie ilire Grenze im Sambesi-Distrikt Rhodesias (und wohl auch Deutsch-Südwestafrikas) zu finden, imterstützt also die Terrikoleugruppe der endemischen Eudrüinen in der südlichen Begrenzung einer tropisch-afrikanischen Region, der der Nordrand unserer Kolonie Deutsch-Südwestafrika noch zugeteilt werden muß. Auch die Gattungen der marinen Oligochäten Deutsch-Südwestafrikas, der Meeresstrands- und Flachsee-OHgochäten, haben eine weite, wenn nicht eine fast kosmopolitische Verbreitung. Die Gattung Limnodriloides ist auch aus dem Mittelmeer bekannt, während Lumhririllus und Micliaelsena weltweit verbreitet sind. Auf derartige marine Oligochäten ist übrigens bis jetzt wenig geachtet worden. Es ist jedenlalls durchaus nicht ausgesclilossen, daß auch /limnodriloides eine weltweite Verbreitimg habe. SchließKch sind auch noch die peregrinen Oligochäten, die zweifellos diu-ch den Menschen in unsere Kolonie eingeschleppt worden sind, einer Erörterung zu unterziehen. Diese nehmen mit 5 oder 6 Arten einen breiten Raum in der ( Jligochätenfauna unserer Kolonie ein und umfassen hauptsäclilich sämtliche terrestrischen Formen der oben zusammengestellten Liste. Also alle „eigentlichen Regenwürmer" Deutsch-Südwestafrikas sind als eingeschleppt zu betrachten, und das entspricht ja auch den obigen geo- grapliischen Erörterungen über die terrestrischen (Jligochäten Südafrikas, wonach Deutsch-Südwestafrika zu einem Gebiete ohne endemische terre- sti'ische Oligochäten gehört. Vielleicht ist außer dtMi terrestrischen Oligo- ] 50 ^^ • Michaelsen. chäten auch der amphibische Ocnerodrilus occidentalis Eisen als oingeschloppto Form zu betrachten. Diese Art hat ihre weltw^eite Verbreitung Überland imd Übersee zweifellos nur mit Hilfe des Menschen erlangen können. Ob sie aber auch in den Bezirk des Großen Fischflusses durch den Menschen eingeführt worden ist, bleibt eine offene Frage. Als eine leichter verbreit- bare amphibische Form mag sie sich auch unabhängig vom Menschen durch andere Hilfsmittel von Rhodesia (Bulawayo) aus nach Deutsch-Süd- westafrika hin verbreitet haben. Erstaunlich ist jedenfalls die verhältnismäßig große Zahl der einge- schleppten Oligo chäten, wenn man in Rechnung zieht, daß dieses Gebiet doch erst wenige Jahrzehnte unter gärtnerischer und landwirtschaftlicher Kiütur steht. Es ist dies wieder einmal ein Beweis dafür, wie schnell die hauptsächlichsten Verschleppungsformen, zumal unsere em-opäischen Acker- Regenwürmer Helodrilus^ der europäischen Kultur auf dem Fuße folgen. Der subtropischen Natur des Landes entspricht es, daß auch einige nicht-europäische Formen der auf wärmere Gebiete angewdesenen Gattungen Dicliogaster, Microscolex und Ocnerodrilus in der Reihe der Einschleppungs- Arten vorkommen. Systematisches. Farn, yaididae. Paranais friultisinnus n. sp. Tafel V, Fig. 4. Fundangabe: Farm Frauenstein bei Neudamm, in einem Wasserloch mit reichlichem Planzenwuchs, W. Michaelsen, 13. Mai 1911. VorHegend ein einziges anscheinend vollständiges Exemplar, walu*- sclieinlich nur das vorderste Glied einer Tierkette. Äußeres: Dimensionen: Länge ca. 3 mm, Dicke ca. 0,35 mm, Segmentzahl 13. Kopf zygolobisch. Kopflappen breit und kurz, gleichmäßig ge- rundet, etwas überhängend. Augenflecke sind nicht vorhanden. Haut-Epithel des Vorderkörpers mit Ausnahme des Kopflappens und des 1. Segments dicht mit unregelmäßig gestalteten dunkleren Zellen Tmit grob granuliertem Lihalt. Pigmentzellen V) durchsetzt. Etwa von der Oligoehaeta. 151 Mittelzone des 5. Segments an stehen diese dunkleren Zellen weitläufiger, so daß die Haut in dieser hinteren Partie, sowie die des Kopfes, durch- sichtiger erscheint als die des 2. bis '/j'^- Segments. Borsten (Tafel V, Fig. 4) sämtlich annähernd gleichartig, nur in der Größe etwas verschieden. Borsten der Körper-Enden etwas keiner als die des Mittelkörpers. Eine dorsale Borste des 5. Segments erwies sich als 0,1 mm lang bei einer Dicke von ca. 4 {x. Die dorsalen Borsten be- ginnen Avie die ventralen am 2. Segment. Borsten sämtlich schlanke, stark S-förmig gebogene Gabelborsten. Obere Gabelzinke deutlich kürzer und dünner als die untere. Borsten zu (0) 2 bis 11 im Bündel, in den beiden ersten, dem 7. und den letzten Borsten tragenden Segmenten in geringerer Zahl als in den übrigen, wie die folgende Tabelle zeigt: 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. IS.Segm. Rechtes dorsales Bündel 6 6 9 10 9 5 ? ? 4+? 9 9 7 Rechtes ventrales Bündel 4 697817 9 8997 Linkes ventrales Bündel G G 9 6 8 4 4-f ? 5 9 9 8 5 Linkes dorsales Bündel 2 7 10 11 8 5 5-f V 5-]-? V 7 6 Auffallend erscheint mir die durchgehende Verringerung der Borsten- zahl in den Bündeln des 7. Segments. Zugleich schienen mir diese Borsten des 7. Segments etwas kleiner zu sein als die übrigen; doch konnte ich das nicht sicher feststellen, da ich sie nicht in gerader Seiten- lage zur Anschauung bringen konnte. Sie scheinen auch darin von den übrigen Borsten abzuweichen, daß die obere Gabelzinke zurückgebildet ist; doch konnte ich auch dies nicht mit vollkommener Sicherheit feststellen. Vielleicht hat man es hier mit einer Umwandlung in Geschlechtsborsten zu tim. Innere Organisation: Ösophagus sich im G. Segment zum Mittel- darm erweiternd. Eine Magen-artige Bildung konnte nicht nachgewiesen Averden. Nais pseudoohtiisa (Piguet), var.J Nais obtusa (Gerv.) var. pseudoobtusa, Piguet, Observation sur les Na'ididees et Revision systematique de quelques especes de cette famille. In: Rev. Suisse Zool. XIV, 190(j, p. 238, PI. X Fig. 5—7, PI. XI Fig. 4, 6, 7, PI. XII Fig. 9. Fundangaben: Farm Frauenstein bei Neu dämm, in Wasserlöchern mit reichlichem Pflanz enwuchs; W. Michaelsen, 13. Mai 1911. See heim, im Großen Fischfluß zwischen Bryozoen an den Stielen von Binsen; W. Michaelsen, 18. Juli 1911. Weitere Verbreitung der Art: Mittel -Europa. 2^2 ^^ • Michaelsen. Vorliegend mehrere Exemplare einer Nais- Art, die am besten mit N. psetcdoobtusa (Piguet) übereinstimmt, in gewisser Hinsicht aber zu N. obtusa (Gervais) hinzuneigen scheint. Die Haarborsten sind nämlich zart und biegsam wie bei N. pseudoobtusa, andererseits aber kaum so lang wie der Körperdurclunesser, also so kurz wie bei N. obtusa. Zu erwähnen ist, daß die Haarborsten nur an einem Teil der Segmente vorkommen, bei einzelnen Tieren nur an sehr wenigen, bei anderen an einer größeren Anzahl. Übrigens stellte schon Piguet an seinem Untersuchimgsmaterial eine Variabilität in der Zald und Länge der dorsalen Haarb ersten fest; allerdings ging diese Variabilität nicht annähernd so weit, daß sie meine Befunde an der süd- west-a£rikanischen Form in sich einsclilösse. Die dorsalen Nadelbor steu sind, soweit ich sie erkennen konnte, sämtlich einfach-spitzig. Aiiloxjhorus afrieanus n. sp. Tafel V, Fig. 1—3. Fundangaben: Farm Frauenstein bei Neudamm, in Wasserlöchern mit reiclilichem Pflanzenwuchs; W. Michaelsen, 18. Mai 1911. Seeheim, im Großen Fischfluß zAvischen Brvozoen an Binsen; W. WiCHAELSEN, 18. JuH 1911. Vorliegend einige wenige Stücke. Äußeres: Dimensionen des größten Stückes: Länge ca. 6 mm, Dicke im Maximum 0,23 mm, Segmentzahl ca. 45. Färbung bleich, weißlich. K o p f 1 a p p e n g( 'rundet-kegohörmig. Borsten: In den ventralen Bündeln (Tafel V, Fig. 2j bis 4 (oder mehr?) gabelzinkige Hakenborsten. Gabelzinken annähernd gleich dick und höchstens sehr wenig verschieden an Länge; obere Gabelzinke am Vorderkörper s(»hr wenig länger, am Hinterkörper sehr wenig kürzer als die untere Gabelzinke. Dicke der ventralen Borsten am Hals (an der Basis des aus der Haut herausragenden Teils) ca. 2 |Ji. Die Spannweite der schlanken, ziemhch stark gebogenen Gabelzinken ist deutlich größer (etwa um die Hälft(^ größerj als die Borstendicke. Dorsale Bündel (Tafel V, Fig. 1) am 5. Segment beginnend, mit einer Haarborste und einer gabelzinkigen Kadelborste. Obere Gabelzinke der Nadelborsten deutlich dünner, aber nur sein- wenig kürzer als die untere Gabelzinke. Die Spannweite der Gabelzinken ist verhältnismäßig groß. Das b(>ruht nicht auf einer be- sonders starken Krümmung der unteren Gabelzinke, sondern auf der Oligochaeta. 153 Stellung dei" oberen Gabelzinke, die ganz gerade in der Richtung der Borste verläuft oder gar noch etwas zurückgebogen ist. Dicke der Nadel- borsten am Hals ca. 1 '/a 1^- Kiemennapf (Tafel V, Fig. 3) am ventralen Hinterrande mit zwei basal etwas verdickten, distalwärts dünner werdenden sclilanken Palpen, deren Basen aneinander stoßen, und die nur wenig divergieren. Dorsaler Vorderrand median eingeschnitten. In der Höhlung des Kiemennapfes stehen drei Paar dick-wulstige bis plattenförmige Kiemen. Die Kiemen des vordersten resp. des dorsalen Paares stehen so dicht am Rande des Kiemennapfes, daß sie sich in mancher Körperlage lediglich als wailstige Verdickungen des Kiemennapfrandes darstellen. Sie können deshalb leicht für sekundäre Kiemen gehalten werden. (Ich glaube, ihre primäre Natur deutlieh erkannt zu haben.) Bemerkungen: Ich glaubte anfangs, Aulophorus furcatus i Ukex j vor mu- zu haben, mußte aber nach genauerer Untersuchung annehmen, daß die obersten beiden Kiemen nicht am Rande des Kiemennapfes, sondern eben noch innerhalb desselben stehen, also primäre Kiemen sind. Von Au. furcatus unterscheidet sich Au. africamis übrigens auch durch die Stellung der Palpen, die hoi Au. furcatus im stumpfen Winkel divergieren, bei Au. africanus dagegen dicht nebeneinander stehen und nur sehr Avenig, in spitzem Winkel, divergieren. Jedenfalls gehört Au. africanus mit Au. furcatus zusammen zu der jüngst von mir erörterten') Gruppe von Aulophorus, deren Cephalisation sieh auf 4 oder 3 Segmente bescliränkt, und deren dorsale Nadelborsten einfach gabelspitzig (nicht fächerspitzig) sind. In die Klarheit dieser Gruppenteilung der Gattung Aulophorus di'oht eine neuere Notiz Friends^) Konfusion zu bringen — wo hätte Friend nicht Verwirrung geschaffen, wenn er eine Oligochätengruppe in Erörterung nahm! — Friend beschreibt 1. c. als Dero olearia n. sp. nach einem einzigen Exemplar, „breaking up almost as soon as it is placed on the microscopic slip, even if not subjected to pressure" (!) eine Naidide, deren dorsale Borsten gabelspitzig sind und am 6. Segment beginnen, und die „closely resembles 1). stuhlmanni, Stieren, reported from the Victoria Nyanza;" — also, so müßte man danach annehmen, ein Aulophorus (Dero Stuhlmanni ist zweifellos ein typischer Aulophorus), dessen Organisation sich der von ') W. Michaelsen, Über einige zentralamerikanische Oligochäten. In : Arcli. Xaturg., LXXVIU, 1912, A., p. 115. ^) H. Feiend, Some Annelids of the Thamet; Valley. In : Journ. Linn. Soc, Zool., XXXII, p. 98. 254 ^^ • Michaelsen. mii" lierausgofundenen Gruppcnteilimg nicht anpaßt. Betrachtet man die FRiENDSche Beschreibung genauer, so erkennt man, daß dieser Vergleich mit Aulophorus Stuhhnanni ganz hakh)s ist, daß überhaupt die Aulophorus- Xatur der Dero olearia durchaus fraglich erscheint. Friend hat anscheinend von der jetzt üblichen Teilung der alten Gattung Dero (s. 1.) in Dei'o (s. s.) und Aulophorus keine Ahnung. Er steht ganz auf dem veralteten Stand- punkt meines „Tierreichs" von 1900. Stellt man nun die Angaben Friends über Dero olearia mit denen der von Friend zitierten Diagnose über Au- lophorus [Dero] Stulilmanni zusammen, so ergibt sich, daß diese Formen kaum in einem einzigen der auf beiden Seiten angegebenen Organisations- verhältnisse übereinstimmen. Das einzige, was annähernd stimmt, ist un- wesentlich, nämlich die Zahl der Borsten in den ventralen Bündeln — 5 bei Aulophorus Stuhlmajmi, 4 — 5 bei Dero olearia — . Aber dagegen stehen: Aulophorus Stuhhnanni Dero olearia Länge : 2 mm 8 — 10 mm Segmentzahl 18 40 Dorsale Hakenborsten nicht gegabelt gegabelt Kiemonnapf Aulopliorus-SivXig I believe it has the gills which distinguish Dero frorn Nais, Die Behauptung Friends, daß diese beiden Formen sich sehr ähnlich („It closely resembles . . .") sehen sollen, bleibt unverständlich. Nimmt man hinzu, daß Friend nicht einmal sicher aussagen kann, ob sein Tier überhaupt ein Kiemen-tragender Oligochät ist („I believe it has the gills . ."), so muß man sich fragen, ob Friend als Oligochätenforscher überhaupt ernst zu nehmen ist. Eine derartige wesenlose Art-Diagnose ist in ihrer Halt- losigkeit wohl nur anderen problematischen Feststellungen Friends selbst an die Seite zu stellen, etwa seinem famosen System der Tubificiden,') in dem diese Familie in erster Linie danach geteilt wird, ob Haarborsten vorkommen oder nicht, und in der all die alten haltlosen, längst zu den Synonymen gestellten Gattungen Heterochaeta, Hemituhifex^ Psammori/ctes und Spirosperma wieder auftauch(»n, und selbst die uralte GrubescIio Gattung Saenuris wied(>r zum Leben erweckt wird, ein wissenschaftlicher Standpunkt, der ungefähr dem von der Mitte des vorigen Jahrhunderts entsprechen mag. Doch genug davon. Hier gilt es hauptsächlich fest- zustellen, daß die Species inquirenda Dero olearia kein Aulophorus ist, und daß die von mir unterschiedenen Gruppen in dieser Gattung nach wie vor rein gesondert (erscheinen. ') H. FuiEM), Britisli Tuhificidac. In: Jonrn. K. micr. Soc. 1912, p. "26") — 293. Oligochaeta. 155 Ich habe schließlich noch ein Versehen in jener Erörterung über die Gruppen von Aulophorus richtig zu stellen. Ich habe dort (1. c. p. 116) gesagt, daß es dahin gestellt bleiben müsse, zu welcher dieser Gruppen Au. Stuhlmanni gehöre; es sei nicht bekannt, wieviele Segmente die Cephalisation bei dieser Art umfasse. Aus der Originalbeschreibung') Stuhl- MANxs geht aber deutlich hervor, daß die Cephalisation bei dieser Art 5 Segmente umfaßt. Stuhlmaxn gibt an, daß die ersten 4 Segmente (wir würden jetzt sagen: das 2. — 5. Segment; Stuhlmann zählt den sehr kurzen, borstenlosen Kopfring nicht als Segment) je 5 gegabelte Hakenborsten, die übrigen — also vom 5. borstentragenden Segment, das wir als das 6. Segment bezeichen, an — außerdem noch mit Dorsalbündeln ausgestattet seien. Es entb(^hren also die ersten 5 Segmente der Dorsalbündel. Aulophorus Stuhl- manni schließt sich also an die Gruppe der Arten mit Fächerborsten [Au. tonkinensis (Vejd.), Au. discocephalus Schm., Au. vagus Leidy und Au. Schmardai (Mich.)] an. Bei der Winzigkeit der Tiere und der Sch"v\ierig- keit der Borstenuntersuchung will es mir fraglich erscheinen, ob diese Art aus dem Victoria Nyanza wirklich einfach-spitzige Nadelborsten in den dorsalen Bündeln habe. Vielleicht sind die etwaigen äußerst kleinen Fächerspreiten am distalen Ende dieser Borsten von Stuhlmann übersehen worden. Da diese Fächerspreiten ihre Fläche meist der benachbarten Haarborste zuwenden, so kommen sie in einem Quetschpräparat meist in der Kautenlage zur Ansicht, sind also leicht zu übersehen, falls nicht ge- radezu danach gesucht wird, und dazu fehlte Stuhlmann bei dem damaligen Stande der oligochätologischen Wissenschaft die Anregung. Farn. Tabiflcidae. Liimiodrilokles Winckelniauni ii. sp. Tafel V, Fig. 6 und 7. Fundangaben : S w a k o p m u n d , am Ebbestrande unter Steinen ; W. Michaelsen, 1. Juli 1911. Lüderitzbucht, amMeeresstrando unter Steinen und angeschwemmtem feuchten Seetang; W. Michaelsen, 22. Juli 1911. Vorliegend mehrere Exemplare, darunter einige wenige geschlechtsreife. ') F. Stuhlmann, Beiträge zur Fauna zentralafrikanischer Seen I. In: Zool. Jahrb., Syst., V, p. 925. 256 ^^ • MlCHAKLSEN. Äußeres. Längo ca. 12 — 18 mm, Dicke im Maximum, in clor (jürtol- r(>gion, 0,ß mm, am Hintcrende 0,2 — 0,25 mm. Färbung den- lobondcm Tiere blaßrötlich. Kopflappen gerundet kegelförmig, ungefähr so lang wie an der Basis breit, manchmal etwas geschweift, mit etw^as vorgezogener rund- licher Spitze. Einige Segmente des Vorderkörpers vom 2. bis etwa zum 6. zweiringlig, mit kürzerem Vorderringel, der etwa Y4 — '/g so lang wie der borstentragende Hinterringel ist. Borsten (Taf. V, Fig. 6) fast immtn- zu 2 im Bündel, selbst an Seg- menten des Hinterkörpers, soweit diese überhaupt mit Borsten ausgestattet Avaren. An den letzten Segmenten fehlen nämlich die Borsten. Nur ganz ausnahmsweise, nur bei einem der näher untersiichten Stücke, fand ich 3 Borsten in einigen der ventralen Borstenbündel d(»s Vorderkörpers. Vielleicht handelt es sich hier nur um eine Anomalie (vorzeitige Entwick- lung einer Ersatzborste V; Die Borsten sind sämtlich schlank S-förmig ge- bogene gabelspitzige Hakenborsten ohne deutlichen Nodulus, in den ventralen und lateralen Bündeln ganz gleich gestaltet. Die obere Gabelzinke der Borste ist deutlich dünner und meist, besonders deutlich an den Borsten d<'r vordersten Segmente, auch etwas kürzer als di(^ obere; an den Borsten des Mittelkörpers ist der Unterschied in der Länge der beiden Gabelzinken jedoch sehr gering, meist kaum erkennbar. Die Spannweite der Gabel- zinken ist kaum gTößer als die Dicke der Borste unterhalb der Gabelung. Die Borsten der ersten Segiuente sowie die des Hinterkörpers sind etwas kleiner als die des Mittelkörpers. Diese sind ca. 0,09 mm lang und im Maximimi ca. 5 \x dick. Die Länge der unteren Gabelzinke beträgt un- gefähr 5 [i,. Gürtel ringförmig, an der hinteren Hälfte des 10. Segments und am ganzen 11. Segment. Männliche Poren })aarig, ventral am 11. S(^gment, anscheinend an Stelh^ der hier fehlenden ventralen Borsten. W (ii b 1 i c h e P o r e n nicht erkannt. Samentaschen- Poren, 1 Paar, ventral am 10. Segment in den Linien der ventralen Borsten, der Borstenzone etAvas nälier als der Inter- segmentalfurche 9/10. Innere Organisation. Darm: Sclilund mit kleinem, ziemlich niedriginn dorsalen Schhmdkopf im 3. Segment. Großzellige Speicheldrüsen im 3. bis 5. Segment, im 3. Segment den dorsalen Schlundkopf in dicker Lage be- deckend, im 4. und 5. Segment jederseits als viel- und kleinlappige Gebilde Oligochaeta. 157 einen großen Teil der Leibeshöhle einnehmend. Chloragogenzellen im 4. lind 5. Segment selir spärHch, wenn überhaupt vorhanden, vom 6. Segment an als dichter, geschlossener Besatz des Darmes ausgebildet. Der Öso- phagus erweitert sich nach hinten allmählich. Im 9. *Seg"ment ti'ägt der Ösophagus ein Paar dick-sehlaucliiormige Blindsäcke, die Muten seitHch entspringen und von hier seitlich am Darm nach vorn ragen. Die Wandung der Blindsäcke ist ungefähr so dick wie die des ösophagTis, etwas gefältelt. Das Lumeu ist je nach dem Konservierungszustand weit oder eng; es kommuniziert in vollem Umfange mit dem des Ösophagus. Der vordere bhnde Pol der ösophagealtaschen scheint, wie bei L. appendiculatus Pierantoni, durch einen dünnen Strang mit dem Dissepi- ment 8/9 verbunden zu sein; doch konnte ich diese Verbindung und ihre Natur bei L. Wmchehnanni nicht ganz klar erkennen. Wir haben in diesen ösophagealtaschen echte Chylustaschen vor uns. Sie sind mit einem Blut- gefäßplexus durchweht^ und die Zellen ihrer Epithelschicht zeigen die charakteristischen, vorzugsweise in der Längsrichtung fparallol der Zylinder- Achse der Zylinderepithel-Zellen) verlaufenden feinen Durchbohrungen, wie wir sie als Chylusgefäße, vornehmlich bei vielen Enchyträiden, kennen gelernt haben. Die Zellkanälehen sind bei L: Winchelmanni sehr fein; sie lassen den Querschnitt der ZeUe fast siebartig erscheinen. Blutgefäßsystem: 1 Paar Herzen, mäßig stark angescliAvollene Transversalgefäße, umspannen den Ösophagus liinten im 9. Segment. Nervensystem: Gehirn hinten median tief und schmal ausgeschnitten. Männliche Gre s chlechts o rgane (Taf. V, Fig. 7): 1 Paar große, birnförmige, engstielige Hoden ragen vom ventralen Rande des Dissepiments 9/10 in das 10. Segment hinein, außerdem finden sich im 10. Segment freie Samenmassen. Ein unpaariger, breiter und sehr kurzer Samensack ragt von Dissepiment 9/10 nach vorn in das 9. Segment hinein, ein zweitin* un- paariger, sehr langer Samensack ragt von Dissepiment 10/11 i'?. An' Zu- sammenhang" mit diesem Dissepiment konnte nicht sicher nachgewiesen werde -ZI), durch einige Segmente nach hinten. Ein Paar mäßig große Samentrichter (Tafel I, Fig. 10) liegen vor Dissepiment 10/11 im 10. Seg- ment. Sie gehen nach hinten in je einen dünnen, nicht sehr langen, etwas verbogenen und unregelmäßig geschlängclten Samenleiter über. Die Samen- leiter nehmen distalwärts etv\'as an Dicke zu, um dann plötzlich in den breiten proximalen Pol der Atrien einzuti-eten. Die proximale Hälfte der Atrien ist ungefähr halb so dick wie lang, proximal breit abgerundet, distal ohne deutlichen Absatz in die dünn-sclilaucliförmige distale Hälfte über- gehend. Das Lumen d(\-< dick(>n Aüiumteües ist durch eine einseitige 158 ^^ • Michaelsen. starke Verdickung der Wandung stark eingeengt. An dem dicken Atrium sitzt, den größten Toil desselben bedeckend und nur <'inen Teil seiner Oberfläche frei lassend, ungestielt eine breite, ziemlich niedrige, aus großen Zellen bestehende, kleinlappige Prostatadrüse. Die Ausführgäuge der Drüsenzellen münden durch die verdickte Wandung der einen Atrium-Seite hindurch in das Lumen des Atriums ein. Diese Prostata scheint ihrer Form nach ein Mittelding zwischen don kompakten, eng gestielten Prostaten von Tuhifex, Limnodrilus etc. und dem das ganze Atrium proximal um- hüllenden niedrigen Prostatadrüsen-Besatz von Rhyacodrihis etc. zu sein. Die Ausmündungen d(n' Drüsenzellen sind auf ein beschränktes Areal der Atrium-Oberfläche zusammengedrängt und die bei Rhijacodrilus noch ein- zeDigen Drüsen haben sich zu kleinen Läppchen mehrzelliger Drüsen zu- sammen geschlossen. Das ganze Ati-ium (verdickter proximaler Teil plus dünnschlauchförmigem Ausmündungsteilj ist etwa um 1/3 kürzer (nach ziemlich unsicherer Schätzung an einer Schnittserie) als der Samenleiter. Die Aus- mündung scheint einfach zu sein. Ein eigentHcher, durch Duplikatur der Schlauchwandung und weitere Komplikation gebildeter Penis scheint nicht gebildet zu werden; auch eine chitinöse Penisscheide fehlt infolgedessen. Eine Komj^likation der Ausmündung wird aber durch ein(^ anscheinend von außen hinzutretende Bildimg h(n'vorg(n'ufen, durcli eine die Öffnung des männlichen Perus von der Seite her überdeckende Papille. Leider genügte das Material nicht, um diese Bildungen mit vollkommener Sicherheit festzustellen. Weibliche Greschlechtsorgane : Ein Paar große Ovarien ragen vom ventralen Rande des Dissepiments 10/11 in das 11. Segment hinein. Die Eizellen erlangen schon eine beträchtliche Größe und Ausstattung mit grob-körneligen Dottermassen während sie noch im Ovarium sitzen. Eier- säcke konnten nicht nachgewiesen werden. Losgelöste, anscheinend reife Eizellen von ca. 0,3 mm Durchmesser fanden sich (frei?) in der Leibcvs- höhle des 12. bis ca. 15. Segments. Eileiter waren nicht nachweisbar. Samentaschen : Ampulle schlank, umgekehrt birnförmig, mit dickem distalen Pol und schlank ausgezogenem proximalen Teil. Ausfuhrgang ziem- lich scharf von der Ampulle abgesetzt, spindelförmig, in der Mitte verdickt, viel dünner als das dicke Ende der Ampulle und etwa do})pelt so lang wie in d(>r Mitte dick. Die Samentaschen-Ampullon enthalten nach der Be- gattung außer imregelmäßig körncdigen Massen eine Spermatophore oder deren einige wenige ^höchstens 2 ?). Die körneligen Massen füllen den erweiterten proximalen Teil der Ampulle an; di(^ Spermatophoren, von lang- und dünn-zylindi'i scher Gestalt, liegen im schlanken, dünnen proximalen Teil der Ampulle. Oligochaeta. 159 Bemerkungen: Die neue Art L. Winckelmanni steht dem X. appendiculatus PiERANTONi nahe. Sie hat mit diesem den Charakter des Besitzes von einem Paar Chylustaschen am Ösophagus gemein. Während jedoch die Chyhis- taschen bei L. appendiculatus im 8. Segment Hegen, finden sie sich bei L. Winckelmanni im 9. Segment. Im übrigen unterscheidet sich die neue Art von L. appendiculatus durch die geringe Zahl der Borsten in den Bündehi des Vorderkörpers und durch die Gestalt der Samentaschen, bei denen ein deutlich abgesetzter Ausfülirgang erkennbar ist. Einer Erörterung bedarf noch die Gattung unserer neuen Art, die Gattung Limnodriloides. Sie soU sich nach ilirem Autor, Pierantoni,') von der nahe vorwandten Gattung Liinnodrilus Clap. durch das Fehlen einer deuthchen chitinösen Penisscheide und durch die relative Kürze der Samenleiter unterscheiden. Der letztere Charakter läßt sich diagnostisch nur so lange verwerten, als er von seinem Gegenstück durch eine breite Lücke deutlich zu scheiden ist. Das ist aber meiner Ansicht nach schon jetzt nicht melir möglich: denn wir kennen in der Reihe Limnodriloides- Limnodrilus Übergänge ZAvischen den Zuständen kurzer und langer Samen- leiter. Als Limnodriloides mit relativ ziemlich langem Samenleiter muß vielleicht die kürzlich von Poixtxer^j als Isochaeta virulenta bescliriebene Art angesehen werden, als Limnodriloides mit relativ sehr langen Samen- leiter vielleicht meine ältere Art Limnodrilus baicalensis.^ i Limnodriloides verhält sich in dieser Hinsicht zu Limnodrilus, wie die früher als gesonderte Gattung geführte Gruppe Hyodrilus zu Tubifex. Die Gattung Ihjodrilus mußte zur Gattung Tuhifex gezogen werden (als Untergattung), da wegen der selir verschiedenen Länge der Samenleiter innerhalb dieser Gruppe eine generische Trennung von Tuhifex sich nicht melir rechtfertigen ließ. Bei Limnodriloides kommt nun als Unterschied von Limnodrilus das Fehlen einer deutlichen chitinösen Penisscheide hinzu. Es ist aber fraglich, ob nicht auch hierin Übergänge auftreten könnten. Eine zarte chitinöse Bekleidung des Penis-Apparates findet sich auch bei den Limnodriloides-Arten und bei Isochaeta virulenta (1. c. Pointner Taf. 28, f. 7 ct.). Eine partielle Verstärkung dieser chitinösen Bekleidung würde den ersten Schritt zur Bildung der charakteristischen Chitinröhren typischer Limnodrilus darstellen. ') PiERAXTOxi, Altri nuovi Oligocheti del Golfo di Napoli (Limnodriloides n. o;en.\ In: BoU. See. Nat. Napoli XVn, 1903, p. 191. ^) Pointer, Beiträge zur Kenntnis der Oligocbaetenfauna der Gewässer von Graz. In : Zeitsclir. wiss. Zool. XCVIII, 1911, p. 280, t. 28, f. 6—16, t. 29, f. 17—30. ^) Michaelsex, Oligochaeten der Zoologischen Museen zu St. Petersburg und Kiew. In: Bull. etc. Imp. Sc. St. Petersb. XV, 1901, p. UO, t. 2, f, 11—12. \QQ W. MiCHÄELSEK. Eine solche Bildung findet sich bei Limnodi'ilus newaensis Mich.') Im Übrigen gleicht der Penis -Apparat dieser Art so selir dem von Iso- chaeta virulenta, daß an eine generische Sonderung auf Grund dieser par- tiellen Cuticula-Verdickung wohl nicht zu denken ist. Will man nach der Gestaltung des Penis-Apparates eine Sonderung verschiedener Gattungen vornehmen, so müßte Limnochnlus neioaensis zweifellos ebenso wie L. baica- lensis zu Isochaeta gestellt werden. Fraglich aber bleibt dann noch das Verhältnis der Limnodriloides-F ovm.on zu Isocliaeta. Mein Material von Limnodtiloides Winckelmanni genügt leider nicht zur Feststellung dieser Organisationsverhältnisse, und aus den PiERANxoNi'schen Angaben läßt sich auch nichts Sicheres entnehmen. Ich habe bei L. Winckelmanni einen eigentlichen Penis nicht erkennen können, nur einen Pseudopenis, durch eine äußere, neben der männlichen Geschlechtsöfiriung stehende Papille gebildet. Nach Pirantoni soll bei seinen Limnodriloides-Arten die äußere Öffnung des männlichen Ausführapparates häufig einen Penis tragen („porta spesso un pene," 1. c. p. 186); doch ist seinen Detail- Angaben nicht zu entnehmen, ob es sieh hier um einen eigentlichen Penis, wie bei Isochaeta, oder nur um eine akzessorische Hautbildung handelt. Eine Nachprüfung dieser Verhältnisse an reicherem und besonders für diese Zwecke kon- serviertem Material wäre erwünscht. Mir scheint, daß Limnodriloides die unterste Stufe einer Stufenfolge bildet, deren höchste Stufe durch die typischen LwwnorfrjYws- Arten repräsentiert \^TTd: Limnodriloides Winckelmanni (u. a. ?) — Isochaeta virulenta — Limnodrilus 7ieivaensis — Limnodrilus udekemianns Clap. u. a. LiTnnodrilus alpestris Eisen. Tafel V, Fig. 5. 1879. Limnodrilus alpestris Eisen. In: Blliang Svenska Ak., V, Nr. 16, p. 19. 188G. Limnodrilus alj)estris Eisen, Oligochaetical Researclies. In: Rep. U. S. Fish Conim., XI, p. 89ß, PI. 12, Fig. IIa— li, PI. 17, Fig. lli- k. Fundangabe: Gro otfontein, im Sande zwischen Planzcnwurzeln am Grunde i'iwoY konstant fließenden Quelle; W. Michaelsen, 8. Juni 1911. Weitere Verbreitung: Kalifornien, Sierra Nevada (nach Eisen). Vorliegend \uAo Exemplare, darunter mehrere geschlechtsreife. Äußeres: Dimensionen der geschleclitsreitVn Stücke: Länge40 — 45mm, Dicke in der Mitte des antcclitelliahMi Körperteils ca. 0,5 mm, am Mittel- ') MicHAKi.sEN, Nene Oligocliaeten und neue Fundorte alt-bekannter. In: Mt. Mus. Hamburg XIX, 1902, p. 3, t. f. 2 ehr. Oligocliaeta. Ißl körper ca. 0,4 mm, am Hinterkörpor ca. 0,3 mm. Gürtolregion bis zu einer Dicke von etwa 0,6 mm angeschwollen, Segmentzahl ca. 180. Färbung der lebenden Tiere fleckig rot, stellenweise ziemlich dunkel rot, Hinterende blaß. Kopf zygolobisch. Kopflappen von oben gesehen gerundet dreiseitig, breiter als lang. Segmente des Vorderkörpers vom "2. an bis etwa zum G. zw(n- ringlig. Vorderer Ringel viel kürzer als der die Borsten tragende hintere Ringel, etwa nur Vs bis '/^ so lang. Borsten am Vorderende bis zu 8 in den ventralen Bündeln, zu 6 oder 5 in den lateralen. Gegen das Hinterende verringern sich die Borsten- zahlen auf 2 und 1. An den unvollkommen gesonderten Segmenten des Hinterendes felilen die Borsten ganz. Am Vorderende ventrale Borsten mit stark gebogenem distalen Gabel-Ende. Gabelzinken etwa, im rechten Winkel abgebogen. Obere Gabelzinke ungefähr doppelt so lang wie die untere. Beide Gabelzinken an der Basis ungefähr gleich dick. Dorsale Borsten mit etwas weniger stark (etwa um 45^^) abgebogenen Gabelzinken, die ebenfalls basal ungefähr gleich dick siud, wälirend die obere ca. doppelt so lang Avie die untere ist. Bei v(mtralen und lateralen Borsten ein deut- lich ausgeprägter Nodulus ung(^fähr am Ende des distalen Drittels. Länge einer dorsalen Borste des 4. Segments ungefähr 0,1 mm. Dicke oberhalb des Kodulus ca. 6 [i. Die Borsten des Hinterkörpers werden allmählich kleiner. Gürtel ringförmig, am 11. und 12. Segment. Männliche Poren an Stelle der zurückgebildeten ventralen Borsten des 11. Segments. Weibliche Poren dicht hinter Intersegmentalfurche 11/12 in den Linien der ventralen Borstenbündel. Samentaschenporen dicht vor den ventralen Borstenbündeln des 10. Segments, die normal ausgebildet sind. Innere Organisation: Dissepimente sämtlich zart. Dissepiment 3/4 vollkommen ausgebildet. Darm: Schlund bis an Dissepiment 3/4 nach hinten reichend, dorsal ausgesackt, mit undeutlich ausgeprägtem dorsalen Sclilundkopf, ventral mit hohem, faltenbildenden Epithel. Ösophagus im 4. und 5. Segment, am An- fange des 6. Segments sich zum Mitteldarm erweiternd. CliloragogenzeUen- Besatz vom 6. Segment an vorhanden. Blutgefäßsystem nicht ganz klarzustellen. Es scheint nur ein einziges Paar stärker angeschwollener Transversalgefässe im 8. Segment vorzu- 11 Michaelsen, Deutsch-Siidwestafiika. 162 W. Michaelsen. kommen. Im 9. 8ogmont tindon sich nur dünne Transversalgefäße. Ein integumentales Blutgefäßsystem war nicht nachzuweisen. Gehirn hinten ziemlich stark ausgeschnitten (?: nur an einer Sagittal- schnittserie untersucht). Nephridien anscheinend sämtlich ohne Blasenzellen-Besatz. Männliche Geschlechtsorgane : Ein Paar große Hoden ragen vom ventralen Bande des Dissepiments 9/10 in das 10. Segment hinein. Je ein unpaariger Samensack ragt vom Dissepiment 10/11 nach vorn in das 9. Segment hinein und von Dissepiment 10/11 nach hinten in das 11. Segment und die folgend(ni (V). Der vordere Samensack im 9. Segment ist klein imd fast kugelig. Der hintere Samensack ist schlauchförmig und ragt wahrscheinHch (nicht genau c^rkannt!) in die vordere Partie des Eiersacks hinein. Ein Paar mäßig große, ziemlich flache, gefältelte blumenkelchförmige Samentrichter sitzen vorn ventral am Dissepiment 10/11 im 10. Segment. Die Samenleiter sind eng und ziemlich lang, unregelmäßig gewunden. Distal gehen die ca. 7 [x dicken Samenleiter in ziemlich deutlichem Absatz in die Atrien über. Die Atrien sind stark gebogen, spindelförmig, 0,2 mm lang und im Maximum, etw^as proximal von der Mitte, ca. 40 [i dick. Distal verengen sie sich allmählich bis zu einer Dicke von etwa 16 jx. Die Atrien tragen je eine ziemlich kleine, tief eingeschnittene, gelappte Prostatadrüse. Das distale Ende des Atriums geht in scharfem Absatz in den gerade gestreckten, ca. 0,35 mm langen und an den Enden 60 [i, in der Mitte 40 \i dicken Penisapparat über. Der Penis besitzt eine chitinöse Penissclieide von charakteristischer Gestalt (Tafel V, Eig. 5). Sie ist ge- rade gestreckt, ca. 0,135 mm lang und an der engsten Stelle, (>twa am Ende des distalen Drittels, ca. 20 [Ji dick. Sie erweitert sich gegen die Enden, langsam und gleichmäßig gegen das ca. 33 |x dicke proximale Ende, schneller, trichterförmig, gegen das etwa 48 [x weite distale Ende. Der Rand des proximalen Endes ist ganz glatt, kreisförmig, der des distalen FLndes ist unregelmäßig, stellenweise mit gerundeten Vorsprüngen, im all- gemeinen sehr fein, stellenweise, zumal an den Vorsprüngen, etwas verdickt. Weibliche Geschlechtsorgane: Eine Paar große Ovarien hängen vom ventrah>n Band des Dissepiments 11/12 in das 12. Segment hinein. Ein unpaariger, sich nach hinten bis in das 16. Segment (oder weiter?) erstreckender Eiersack enthält mehrere große, bis ca. 0,25 mm dicke Eier. Die Eileiter scheinen auf eine trichterförmige Einsenkung des Dissepiments 11/12 beschränkt zu sein. Samontaschen : Ampulle schlank sackförmig, unregelmäßig verbogen und gekrümmt. Ausführgang etAva ein Drittel so lang und halb so dick Oligocliaeta. 1G3 vne die Ampulle, von der er ziemlich scharf abgesetzt ist. Der Ausführ- gang ist bei dem näher untersuchten Stück in der Mitte undeutlich erweitert (normaler Zustand oder zufälliger Kontraktionszustand?). Die Samentaschen enthalten Spermatophoren. Diese Spermatophoren sind zu einem kleinen Bündel zusammen gedreht, und bilden daher im Einzelnen eine sclilanke, ziemlich unregelmäßige Spirale. Die Spermatophoren sind sclilank, ca. 0.2 mm lang und im Maximum "20 [x dick, an einem Ende ziemlich plump, am anderen Ende zu einem dünneren, meist stärker geki'ümmten Faden ausgezogen. Bemerkungen: Xur unter einem gewissen Vorbehalt ordne ich die vorliegende Form dem kalifornischen LimnoJrilus alpestris Eisen zu. Die Original-Beschreibung dieser Art ist sehr lückenhaft; zumal fehlt ilir jeg- liche Angabe über die Borstenverhältnisse; so daß eine Identifizierung nach der Original-Beschreibung nur unsicher sein kann. Leider konnte ich auch an dem südwestafrikanischen Material nicht alle für die Systematik wesentlichen Organisationsverhältnisse klar stellen. Um eine etwaige spätere Richtigstellung zu ermöglichen, gab ich eine genauere Besclireibung des vorUegenden Materials. Fam. Encliytraeidae. Lunihricillus vemicosHS (Clap.). Tafel V, Fig. 8. 1861. Pachydrilus verrucosus, Claparede, Recherches anatoniiqiies snr les Annelides, Tur- beUaries, Opalines et Gregarines observes dans les Hebrides. In: Meni. Soc. Geneve XVI', p. 82, t. 1 f. 1—6. 1896. Pachydrilus maculatus, Bretscher, Die Oligochaeten von Zürich. In: Rev. Smsse Zool., m, p. 513, t. f. 2, 3." 1896. Pachydrilus verrucosus, Ude, Enchytraeiden. In: Erg. Hamburg. Magalliaens. Sammel- reise, p. 3, t. f. 6 a u. b. i;>00. Lunihricillus verrucosus, Michaelsex, Oligoebaeta. In: Tierreich, X, p. 80. Fundangabe: Lüderitzbucht, am Meeressti-ande unter angeschwemmtem feuchten Tang; W. Michaelsen, 22. Juli 1911. Weitere Verbreitung. Süd-Feuerland (Uschuaiai, Hebriden (Insel Sky) ; Ct r o ß b r i t a n n i e n (Schottland, Irland, England) , Nordwest- F rankreich (Loire Inferieure"), Schweiz (Hittnau). VorHegend zahlreiche unreife und mehrere geschlechtsreife Exemplare. 11=^ J (34 W. Michaelsen. Bemerkungen. Die vurliogondo Form ist zAvcifollos mit der von Ude bf^sehriobenen Form von Süd-Feuerland identisch und höchst wahrscheinHch auch mit der CLAPAREDF/schen Hebriden-Form. Es liegt nach dem Fund von Tieren, die meist im Maximum 4 Borsten in einem Bündel besitzen, kein Grund mehr vor, Bretschers Pachydrilus maculatus von der Claparede- schen Art gesondert zu halten. Es erscheint mir ganz belanglos, daß Bretscher, me ja auch Claparede, den Drüsenkranz an der Basis der vSamentaschen unerwähnt läi3t und ihn auch in der Abbildung von der herauspräparierten Samentasche, die ja oberhalb des Drüsenkranzes abgerissen sein mag, nicht andeutet. Die Abbildung der Samentasche (1. c. p. 514 tf". 3) ist übrigens nachweislich ungenau 5 denn der jjroximale Pol der Samentasche erscheint hier geschlossen und intakt, während er doch mit dem Darm zusammen- gehangen hat, also entwM>der das Kommunikations-Locli oder an seiner Stelle eine Zerreißung zeigen müßte. Zur Organisation der vorliegenden Stücke ist noch folgendes zu bemerken : Die Borsten stehen in den ventralen Bündeln des Vorderkörpers meist zu 4 im Bündel, sehr selten zu 5, in den lateralen Bündels des Vorderkörpers, soweit beobachtet, stets zu 3. Am Hinterkörper ist die Zalil der Borsten um 1 geringer, also 3 bezw. 2 im Bündel. (Nach Ude 3, 4 oder 5 im Bündel. — „Häutig enthalten die dorsalen Bündel eine Borste weniger als die ventralen." Nach Claparede ,,par faisceaux 3 a 5." Das Gehirn (Taf. V, Fig. 8j ist nicht ganz doppelt so lang wie im Maximum breit, hinten in zwei gerundet rechtwinklige Läppchen ausgezogen, zwischen denen ein deutlicher, aber nicht großer, gerundet rechtwinkliger bis fast halbkreisförmiger Ausschnitt liegt. Der Vorderrand erscheint in der Ansicht von oben nicht ausgeschnitten, sondern schwach konvex, da der vordere Teil des Gehirns abwärts gebogen und die xiste der Schlund- kommissur infolgedessen nicht ganz vorn entspringen. Ein nach vorn stark geneigter Horizontalabschnitt zeigt jedoch eine schwache Konkavität zwischen den Ursprungs.stellen der Schlundkommissur-Äste, wie auch Ude es an seinen Sclu-äg-Horizontalschnitten sah (Ude hat die Gehirnform nur nach solchen Schnitten festgestellt). Die Sam entaschen sind an der Basis von einem ziemlich großen, kompakten Drüsenkranz umgeben, wie bei den feuerländischen Stücken. Die Samentaschen, die denen von L. lineatus (Müll.) zu gh'ichen scheinen, münden proximal in den Ösophagus ein. Oligochaeta. 165 31ic1iaelsena georgiana (Mich.). 1888- Enchytraens monochaetiis, Michaelsen, Die Oligochaeten von Süd-Georgien nach der Ausbeute der Deutschen Station von 1882 — 83. In: Mt. Mus. Hamburg;, V, p. 66, Tat". II, Fig. 6 a—p. 1900. Enchytraeus monochaetus, Michaelsex, Oligochaeta. In: Tierreich, X, p. 91. 1903. Michaelsena monochaeta, Michaelsen, Die geographische Verbreitung der Oligochäten, Berlin, p. 56. Fundangabe: Lüdoritzbucht, in einer an den Strand geschwemmten, an- scheinend noch ganz frischen Spongie; W. Michaelsen, 21. Juli 191 1. Weitere Verbreitung: Süd-Georgien (nach Michaelsen). Vorliegend 2 gesclilechtsreife Exemplare, die in ihrer Organisation ganz den ( )rioinalstücken von Süd-Georgien entsprachen. Bemerldoeh auch nicht in einfacher Lage, wenn aucli nicht in so vielfacher Lage wie am Yorderkörper, angeordnet sind. Nervensystem: Das (iehirn ist ziemlich kompakt, fast doppelt so breit wie lang, hinten jederseits etwas gewulstet und median ausgeschnitten. Männliche Geschlechtsorgane: Die Organisation der männ- lichen Gesclilechtsorgane ist mir nicht ganz klar geworden. Ein Paar Hoden hängen von Dissepiment 9/lü in das 10. Segment hinein, eingebettet in anscheinend freie Samenmassen, die fast die ganze Leibeshöhle des 10. Segments ausfüllen. Auch im 11. Segment finden sich große Massen sich entwickelnd(n- männlicher Geschlechtsprodukte, und zwar anscheinend von (nnem feinen Häutchen imihüUt. Es macht diese Organisation d(>mnach den Eindruck, als rage ein äul.3(^rst feinwandiger, vorn Aveit offener Samen- sack von Dissepiment 10/11 in das 11. Segment hinein. Ein Paar ziemlich kleine, unregelmäßig fältelige Samentrichter ragen vom ventralen To'A des Dissepiments 10/11 in das 10. Segment hinein. Diese» Samentrichter sind eng an die Samenmassen des 10. Segments angeschmiegt. An manchen Schnitten kam es mir so vor, als seien auch diese Samemnassen des 10. Segments samt den Hoden und den Samentrichtern von einem feinen Häutchen umhüllt, also in eine Testikelblase eingeschlossen; doch konnte ich dies niclit sicher nachweisen. Es wollte mir nicht gelingen, an einer Schnittserie die mutmaßlich sehr dünnen Samenleiter nachzuweisen. Die dicken, langen, eine durch mehrere Segmente nach hinten ragende Schleife bildenden Atrien endeten ])roximal dicht hinter Dissepiment 12/13 in regel- mäßigen-, anscheinend intakter Rundung. Samentasch en-Porus : Die Samentasche mündet, wie ich schon früher angab (1. c. p. 8), dorsalmedian etwas hinter Intersegmentalfurche 7/8. Beddarü gibt Intersegmentalfurche 8/9 als den Ort des Samentaschen-Porus an (1. c. p. 216], und zwar niclit nur für A. tanganyihae, sondern für die ganze Gattung AUuroides (1. c. p. 217j, also aucli für A. Pordagei Bedd. Diese h^tztere Angabe stimmt jedoch AV(»der mit meinem Befunde an A. tanganyikae noch mit Beddards Abbildung von A. Pordagei^). Hier liegen die bei A. Pordagei paarigen Samentaschen-Poren auf dem 8. Seg- ment vor der Borstenzone, also genau entsprechend der Lage des un- paarigen Samentaschen-Porus von A. tanganyikae. Eine wörtliche Angabe über die Lage der Samentaschen-Poren bei A. Pordagei fehlt ZAvar, doch stimmt die Notiz ,,'riie s])ermatothecae are in the 8 th segment" (1. c. p. 246j besser mit (h'r Lnge der Poren vorn am 8. Segment als mit ') V. E. JiKDUAKi), A Coiitribiition to our Knowledg-e of tlie Oligochaeta of Tro{)it-al Eastern AtVica. In: (^uart. Jouni. iiiiiT. Sd., (N. 8.) XXXM, 1894. PI. XVI, Fig. 4 .s^. Oligochaeta, 167 der auf Intersegmontalfurcho 8/9, wie sie der allgemeinen Angabe Beddards über die Gattung AUuroides entsprechen -würde. Icli darf wohl annehmen, daß diese Angabe Beddards auf einem Versehen beruht. Die Samentasche (Taf. V, Fig. 13), von Beddard als ,,an oval sac" bezeichnet, ist nicht so einfach, wie man aus jener Angabe schließen könnte. Sie zeigt eine deutliche Sonderung in Ampulle und Ausführgang. Die Am- pulle ist unregelmäßig sackförmig, plattgedrückt und verschrumpft, zurück- geschlagi^n, ungefähr so lang wie breit. Dii^ Wandung der Ampulle ist verhältnismäßig dick, aber doch viel dünner als die des Ausführgang(\s ; ihre Muskelschicht ist sehr zart. Der Ausführgang ist ziemlich scharf von der Ampull(> abgesetzt, länger als die Ampulle und viel dünner. Der proximale Teil des Ausführganges ist im Querschnitt oval, jedoch nur wenig breiter als dick. Das Epithel des Ausführganges zeigt hier hohe, weit in das Lumen hineinragende und das Lumen verengende Längsfalten, während die Außenfläche des Ausfülu-ganges glatt ist. Li der distalen Hälfte, in der sich diese Längsfalten V(U'lieren, ist der Ausführgang von vorn nach hinten abgeplattet und stark verbreitert, gegen das äußerste distale Ende, also an der Ausmündung, wieder etwas verschmälert, ohne jedoch die Schmalheit der proximalen Partie zu erreichen. Der Ausführgang ist viel dickwandiger als di(^ Ampulle. Dies(^ DickAvandigkeit beruht hauptsächlich auf der starken Ausbildung der Muskulatur. Ln distalen Teil des Ausführganges kommt auch noch ein mäßig dicker äußerer Drüsenbesatz hinzu. Der Ausführgang geht vom Samentaschen-Porus ans hauptsächlich gerade nach hinten. Erst s(>in proximaler Teil weicht zur Seit(>, um seitlich in die zurückgeschlagene Ampulle üb erzugehen. Farn. 3Iegascolecidae. Unterfam. Acanthodrilinae. 3ric}'oseolex 2}]iospJiov€as (Ant. Dug".). Fundangaben: AVindhuk; im Garten des Herrn G. Vokits: W. Mkhaelsen, 7. Mai PJll. A\'indhuk: im Gouveriviuents-GartiMi: Kaiserl. (Gouvernement, 191 "2. Weitere Verbreitung: Durch \^(n-schleppung und vielleicht als eurvhaline Form auch durch selbständige Verbreitung Übersee in den wärmeren Zonen 168 W. MiCHÄELSKN. eirciimiumidan. doch im tropisi-hon Afrika nicht gefunden; nächstliegender Fundort : K 1 e i n - X a m a 1 a n d im K a p 1 a n d i\ Bemerkungen. Diese Art ist zweifellos durch den Menschen in Deutsch- ►Südwestafrika eingeschleppt worden. Den mir vom Kaiserl. Gouvernement übersandten Tieren war die Notiz beigefügt, daß sie im Dunkeln leuchteten. Diese Eigenheit ist bekanntlich schon mehrfach an dieser Art beobachtet Avorden, wie der Artname andeutet, auch schon von ihrem Autor. , ünterfam. Trigastrinae. JJichogaster Ajinae Horst. 18i)4. Benhamia Annae, Horst, Eartlnvorms froni the Malay Archipelago. In: Zool. Erg. Reise Niederländ. Ost-Indien, III, p. 32, PI. II, Fig'. I— ,"). 1895. Benhamia insularis, Michaelsen, Zur Kenntnis der Oligochäten. In: Abli. Ver. Hamburg, XIII, p. 31, Tat". Fig. 13. 1900. Dichoaaster Annae und D. insularis, Michaelsex, Oligochaeta. In: Tierreich, X, p. 347, 347. Fundangaben: Waterberg, im Garten: Fräulein Martha N.\ss, 1911. (»kahandja, im Forstgarten; G. Fock, 1910. Weitere Verbreitung: Sierra Leone (Scherbro-Inselj, Kamerun, Comoren (Johanna), Java. Bemerkungen: Uichoga.^fer Armae steht zweifellos der D. affinis Mich.'i sehr nahe. Die Unterschiede zwischen beid<>n sollen auf d(>r Gestalt des Gürtels und des männlichem Geschlechtsfeldes, sowie der Samen- taschen beruhen. Es ist nicht immer leicht zu entscheiden, ob der Gürtel eines Stückes ringförmig oder sattelförmig ist. Auch der ring- förmige Gürtel ist meist ventral sclnvächer ausgebildet. Tritt nun in der Periode der Geschlechtstätigkeit eine ü])[)igere Ausbildung des Gürtels am Rücken und an den Seiten ein, Avährend die an und für sich schon schwächere Bauchpaitie unverändert bleibt, so macht es ganz d(>n Eindruck, als sei (b'r (iürtel sattelförmig, Avährend er im inditi'erenten Zustande .,ring- f()rniig, ventral schwächer ausgeprägt", erscheint. Auch das Auftreten von Aveißlichen Wällen an den SamenrinniMi und Prostata-Poren ist wohl viel- fach an die Zeit geschh^chtlicher Tätigkeit gebunden. Ich fand Stücke von eine]ii Fang, die ZAveifellos der gleichen Art aniieliciren, in dieser Hinsicht ') W. MiciiAELSEN 1890, Beschreibung drr von Herrn Dr. Fha.nz Stihlmaxk im Mündungsgebiet des SaiTil)esi gesammelten Terricolen. In: Mt. Mus. Hamburg. VH, \>. 9, Taf. IV, Fig. 20. — 1900, Oligoeliaeta. In: 'l'ierreicli, X, y. 34.0. Oligochaeta. 169 verscliieck'ii ausgebildet. Die Gfestaitung der vSamontas c hen ist bei D. affinis und D. Annae fast die gleiche; anscheinend gTößero Unterschiede in den Beschreibungen beruhen auf unrichtiger Darstellung. In den Diag- nosen, gegeben 1900 im Tierreich X, p. 345 und 347, bestimme ich für D. affinis: ,, Samentaschen mit sehr dickem, längeren Ausführgang, der dicht distal von seiner Mitte ein kleines keulenförmiges Divertikel trägt", und für D. Annae: „Ausführgang der Samentaschen schlank, wenig länger als die bh'nförmigo Ampulle; ein schlankes, schlaucliförmiges, schwach ange- schwollenes, herabhängendes Divertikel mündet an der Grenze von Aus- führgang und ^bnpulle." Die letztere Darstellung (über D. Annae) beruht auf einer irrtümlichen Auffassung von Fig. 5 auf Tab. II des HoRST''schen Werkes (1. c. 1894). Ich habe den Beginn des Ausführganges irrtümlich mit dem Beginn der engsten Partie (hier mündet das Divertikel einj, iden- tifiziert, während der Verlauf des muskulösen Belages deutlich zeigt, daß der Ausfülu'gang proximalwärts noch ein bt^trächtliehes Stück weiter geht. Tatsächlich mündet also bei D. Annae das Divertikel in den proximal angeschwollenen Ausführgang, etAvas proxünal von dessen Mitte. Auch bei D. afßnis mündet das Divertikel proximal, nicht distal von der Mitte, wie irrtümlich angegeben, in den Ausführgang. Die irrtümliche Angabe beruht daranf, daß ich bei der Präparation des winzigen Originalstückes nur ein Bruchstück der Samentasche zu sehen bekam, und dieses für eine voll- ständige Samentasche hielt. Meine Angabe d. c. 1890, p. 11), daß die Samentaschen genau dieselbe Gestalt wie die der D. Stuhhnanni haben sollten, und der Hinweis auf di(^ Abbildung dies(n- letzteren (1. c. Taf. I, Fig. 8) ist demnach unrichtig. Die Untersuchung an anderem, zweifellos zu D. affinis gehörendem Material ergab, daß der Ausfülu-gang bei der be- obachteten Samentasche des Originalstückes etwa zur Hälfte abgerissen ge- wesen sein mußte, daß auch bei D. aff'inis der Ausführgang länger als die Ampidle, distal verengt, ist, und daß das Divertikel proximal von der Mitte des Ausführgauges mündet. Als wesentlicher Unterschied zwischen T). Annae und D. aff'inis ist wohl das Felden bezw. Vorkommen von ventralmedianen intersegmentalen Papillen anzusehen. B(n 1/. Annae, die übrigens eine etwas robustere Form zu sein scheint, sind nie derartige Papillen beobachtet worden; bei D. aff'inis scheinen sie nur s(4ten ganz zu fehlen, so daß man diese Art stets erkennen kann, wenn man eine Anzahl von Exemplaren von einem Fundort zur Verfügung" hat. Was D. insularis anbetrifft, so bh^ibt nach Hinwegfall der Samen- taschen-Bestimmunff als einzioe Abwcnchung von D. Annae die besondere i^ 170 W. Michaelsen. B o r s t e n - Anordnung. Bei TJ. insularis soll dio vontralmodianc Borsten- distanz etwas kleiner als die mittleren lateralen Distanzen sein (aa < bc). Sollte dieser geringfügige Unterschied nicht etwa auf einer besonderen Konservierung des einzigen zur Beobachtung gelangten Stückes zurückzu- führen sein? Ich glaube nicht, daß man diese Art auf diesen geringfügigen und unsicheren Charakter hin aufrecht erhalten darf, und vereine sie des- halb mit I). Aimae (Horst). Zur inneren Organisation der südwestafrikanischen Stücke von D. Annas ist noch zu bemerken, daß hier die Mikron ephridien des postcHtcllialen Körpers nicht immer zu 4 jederseits in einem Segment liegen, wie es der Original-Diagnose entspricht. Es fanden sich vielfach deren 5, und zwar nicht nur in einzelnen Segmenten, sondern in größeren Segmentgruppen. Die Vierzahl scheint jedoch im allgemeinen vorherrschend zu sein. Ich habe schon früher, bei D. Bolaui (Mich.) und der von mir daraufhin ein- gezogenen Form Benhamia octonephra Rosa, auf die Variabilität dieses Charakters bei der Gattung Diehogaster hingewiesen. J)lchogaster Annae gehört zu den kleinen, weit verbreiteten, zweifellos durch den Menschen verschleppten und auch in Deutsch-Südwestafrika ein- gesclileppten Arten. Unterfam. Ocnerodrilinae. Gordiodriliis Luifl^erleni Mich. Taf. V, Fig. 14. 1913, Gordiodrihis Luiikerleni, Michaelsen, Öligochäten vom tropischen und südlich sub- tropischen Afrika. II. In: Zoologica, Heft 68, p. 9, Taf. II. Fig. 21, Textfig. 4. Fundangaben: Rhodesia, am mittleren Sambesi bei den Victoria-FäUen: W. Michaelsen, 18. August 1911. F a r m ( ) k o s n g m i n g am K 1 e i n e n W a t e r b e r g ; H. Thomsex, August 1912. Otj uru tj o ndj o u am Oberlauf des Omuramba, im Sande des Flusses; Fräulein Martha Kass, Januar 1912. Bemerkungen: Vorhegend mehrere Exemplare, von denen keines voh- kommen geschlechtsreif ist, deren einige aber schon ziemlich weit ausge- bildete Anlagen von (Jeschlechtsorganen aufweisen. Diese deutse-li-südwestafrikanischen Stücke stimmen in alh>n wesent- liclien Cliaraktereii mit den Originalen aus Rhod(\sia übin-ein. CerinefüD-icre '^ Oligochaeta. 171 Abweichungen mögen auf abweichender Konservierung beruhen, wenn nicht darauf, daß es sich um halbreife Stücke handelt, wälii-end ich zur Fest- stellung der Charaktere bei dem Original-Material Vollreife Stücke benutzte. Dimensionen: Die Dicke, bei größeren Stücken etwa 1,7 mm, ist etwas beträchtlicher als bei dem Original-Material (1,4 mm). Der Größen-Unterschied zwischen den Prostata-Papillen des vorderen und hinteren Paares ist fast noch auifallender als bei dem Original- Material und zweifellos ein wesentlicher Charakter der Art. Zu bemerken ist, daß auch bei dem weitest vorgesclirittenen Stück von Otjurutjondjou die ventralen Borsten des 19. Segments sämtlich noch erhalten geblieben sind, wäln-end bei Vollreifen Stücken von Rhodesia die Borsten h des 19. Segments (wde in allen Fällen die Borsten h des 18. Segments) ge- schwimden sind. Mutmaßlich würden auch bei dem neuen Material die Borsten h des 19. Segments bei Weiter-Entwicklung der Prostata-Papillen noch ausgefallen sein. Das Dissepiment 8/9 ist bei dem neuen Material anscheinend ebenso stark verdickt wie das Dissepiment 7/8, während es bei den Rhodesia- Stücken schwächer erschien — jedenfalls ein wenig belangreicher Unterschied. Darm: Die Chylustaschen (Taf. V, Fig. 14) zeigen im wesenthehen die gleiche ungemein charakteristische Gestaltung wie bei dem Original- Material; doch sind die bei letzterem „mäßig eng kanalförmigen'' Lumina bei dem neuen Material weiter, so daß sie kaum noch kanalförmig genannt werden können — eine belanglose Abweichung, wahrscheinlich nur beruhend auf einer Aufblähung der Lumina bei der besonderen Konservierung des neuen Materials. Die Zahl der Sonder-Lumina scheint bei dem neuen Material konstant 4 zu sein (bei dem Original-Material „bis 5"). Männliche Geschlechtsorgane: Zwei Paar große Hoden ragen frei ins 10. und 11. Segment liinein (bei den Originalstücken nicht deutlich erkannt, wahrscheinlich infolge von Ausreifung schon in Auflösung begriffen). Im 9. Segment fand ich niemals freie Samenmassen oder Samensäcke, eben- sowenig wie bei dem Originalmaterial. Gordiodyilns Cliiini Michaelsen. 1913, Gordiodrilus Chiini, Michaelskx, Oligochäten vom tropischen und südlich subtropischen Afrika. II. In: Zoologica, Heft 68, p. 7, Taf. II, Fig. 17, Texttig. 3. Fundangabe: Khodesia, Kandahar-Ins el im mittleren Sambesi, einige Kilometer oberhalb der Victoria-Fälle, in humöser Erde am Fluß-Ufer; W. Michaelsen, 17. August 1911. J^'J'2 ^^ ■ MiCHAKLSEN. Ocnerodriliis (Ocnerodrilus) occideutalis Eisen. Fundangabe: Seeheim, in feuchter Erde am Ufer eines konstanten Ge- wässers im Bett des Großen Fischflusses (in der Nähe eines Gartens); W. Michaelsen, 18. Jiüi li)ll. Weitere Verbreitung: Rhodesia (Bulawayoi, Kap Verdesche Inseln, Comoreu, Californien, Arizona, Mexico, St. Thomas, Ceylon, Vorderindien (Travancore). Bemerl)■ Borsten eng gepaart; aa = hc, dd = '/^ '<• (iürtel (siehe Textfig. li sattelförmig, ventral zwischen den Borsten- linien a unterbrochen, am 13. — 19. Segment- (^ 1), aber am 13. und Olio-ochaeta. 173 19. Segment weniger scharf ausgeprägt, am 13. Segment bei einem Stück nur dorsalmedian erkennbar. Die Intersegmentalfurchen 13/14 und 18/19 sind weniger vollständig ausgeglättet als die übrigen Intersegmentalfurchen der Gürtelregion. Männliche Poren (siehe Textlig. 1) am 17. Segment an Stelle der fehlenden Borsten ab, auf stark vorragenden, mehr oder weniger deutlich abgeschnürten eiförmigen Zäpfchen, die auf der Kuppe je eines quer-ovalen, fast halbkugeligen Tuberkels stehen. Die Tuberkel nehmen fast die ganze Länge des 17. Segments ein und sind ventralmedian nur durch einen kleinen Zwischenraum voneinander getrennt. Weibliche Poren (siehe Textfig. 1) vor den Borsten b des 14. Segments oder ein sehr geringes median von dieser Stelle, aber immer noch lateral von den Borstenlinien a, von diesen weiter entfernt als von den Borstenlinien b. Die Aveiblichen Poren stehen auf winzigen PapUlen, die von einem mehr oder weniger deutlichen, unscharf begrenzten Drüsenhof umgeben sind. Samentaschen-Poren (siehe Textfio-. li , 1 Paar Fig. 1. Piiamaeodrüus auf Intersegmentalfurche 8/9 in den Borstenlinien b arausionensis Mich. (nicht ab, wie in der Originalbeschreibung iiTtümlich an- Vorderkörper von der gegeben), kleine Löcher, die von unscharf begrenzten, "^ entralseite (schemat.). flachen oder schwach erhabenen Drüsenhöfen umgeben sind. Innere Organisation: Diss ep iment 6/7 und 7/8 mäßig stark verdickt, 5/6 und 8/9 sehr wenig verdickt, fast als zait zu bezeichnen, 9/10 kaum merklich verdickt, alle übrigen sehr zart. Dissepiment 4/5 deutKch aus- gebildet. Meine abweichenden Angaben in der Originalbeschreibung, nur auf der Untersuchung eines freihändig präparierten Stückes beruhend, sind irrtümlich, wie die Untersuchung an einer nachträglich angefertigten Schnitt- serie durch ein unreifes Tier ergab. Darm: Die Septaldrüsen sind bei dem neuerdings untersuchten Material am stärksten im 5. Seg-ment ausgebildet, im 6. Segment viel kleiner; in das 7. Segment scheinen nur winzige Teilstücke der lappigen Septal- drüsen hinein zu ragen. In der Ausbildung der Septaldrüsen scheint ein eeringer Unterschied zwischen den süd^vest -afrikanischen Stücken und denen von der Oranje-Kolonie zu liegen; doch ist dieser Unterscliied jeden- falls nicht so groß, wie nach den Beschreibungen angenommen werden müßte. Bei dem neuerdings untersuchten Stück von Bothaville waren, wie bei den Stücken von Grootfontein, die Septaldrüsen im 5. Segment am 174 ^^ • Michaelsen. größten und die de.s 7. Segments am kleinsten, aber diese l(>tzten doch noch von ansehnlicher Größe, nicht so kloin wie bei den südwest-afri- kanischen Stücken. Die Grröße der verschiedenen Septaldrüsen mag variabel sein. Von einem Muskelmagen ist keine Spur erkennbar. Die paarigen Chylustaschen im 9. Segment variieren etwas. Die Zahl der Längsscheide- wände ist nicht konstant, und sie stoßen nicht immer sämtlich in der Achse der Tasche zusammen. In einer Chylustasche fand ich 9 vollständige, in der Achse zusammenstoßende Längsscheidewände und 5 unvollständige, die saumförmig an der Wandung der Chylustasche entlang laufen und die primären Kammern unvollkommen teilen. An einer anderen Chvlustasche fand ich nur 6 vollständige und 7 unvollständige, von denen 5 zusammen in der einen der primären Kammern lagen. Der Ösophagus erweitert sich im 12. Segment plötzlich zum umfangreichen Mitteldarm. Nephridien ungefähr vom 13. Segment an von fettkörp erartigem Aussehen. Letzte Herzen im 11. Segment. Vordere männliche (1 eschlechtsorgan e : 2 Paar Hoden und Samentrichter frei im 10. und 11. Segment, zusammen mit freien Samen- massen. 2 Paar vielteilige, gedrängt traubige Samensäcke ragen von Dissepiment 5)/10 in das 9., von Dissepiment 11/12 in das 12. Segment hinein. Die vorderen des 9. Segments sind bei dem ( )riginalstück nicht gesehen worden, wahrscheinlich weil sie bei dem noch unreifen Stück noch nicht, oder erst sehr schwach, ausgebildet waren. Hintere männliche Geschlechtsorgane: Prostaten lang und dünn schlauchförmig, vielfach verschlungen, fast geknäidt; Ausführgang enger, nicht scharf abgesetzt. Das verdickte proximale Ende der Samen- leiter ist etwas schlanker als bei dem Originalstück und nicht gerade, sondern sichelförmig gebogen. Diese Verschiedenheit beridit wohl auf verschiedenen Kontraktionszuständen. Weibliche Geschlechtsorgane in normaler Lagerung. Samentaschen (Taf. V, Fig. 15): Ampulle dick birnförmig, durch ('in(m etwas dünneren und etwas kürzeren, schwach abgesetzten Ausfülu'gang ausmündend. In den Ausführgang mündet, etwas proximal von seiner Mitte, ein einziges Divertikel ein, das fast so groß, wenn nicht ebenso groß, wie die Ampulle ist und aus einem einfachen, dick birnförmigen Samenraum und einem viel engeren, etwas kürzeren Stiel besteht. Die Ampulle enthält einen zart granulierten, mit kleinen ovalen Kernen dicht durchsetzten, fast kugeligen Ballen, der Samenraum des Divertikels einen Oligochaeta. 175 einzigen Samenballon. Die Ampulle ragt stets in das 9. Segment, das Divertikel in das 8. Segment hinein. In der Originalbeschreibung ist die Ampulle mit dem Divertikel verwechselt worden, da ich die granulierte Ballenmasse der Ampulle für Spermien hielt. Die untersuchte Samentasche des unreifen Originalstückes enthielt überhaupt noch keine Samenmassen, so daß das leere Divertikel irrtümlicherweise als Ampulle angesprochen Averden konnte. Bemerkungen : Pygmaeodrilus arausionensis Mich, steht wegen des ein- zigen Samentaschen-Di vertikels einzig in seiner Gattung da; alle übrigen Pi^gynaeodrilus-Avten besitzen mehr als ein Divertikel. Auffallend ist die weite Verbreitung dieser Art. Pyyniaeodi'ilus rhodesiensis Mich, 1913, Pygmaeodrilus rhodesiensis, Michaelsex, Oligochäten vom tropischen und südlich subtropischen Afrika. II. In: Zoologica, Heft 68, p. 17, Taf. II, Fig. 24, 25, Textfig. 7. Fundangabe: Rhodesia, am mittleren Sambesi bei den Victoria- Fällen, in humusreicher Erde am Flußufer; W. Michaelsen, 18. Auoust 1911. Unterfam. Eudrilinae. Nemertodrilus Kellner i Mich. 1910, Nemertodrilus Kellneri, Michaelsex, Die Oligochäten des inneren Ostafrikas und ihre geographischen Beziehungen. In: Wiss. Erg. Deutsch-Zentral-Afrika-Exp. 1907 — 1908, HI, p. 57, Taf. II, Fig. 21, Textfig. X. Fundangabe: Kummernais am Oranje-Fluß, unter der Rinde eines lialb im Wasser liegenden Baumstammes; H. Thomsen, Anfang Mai 1913. Weitere Verbreitung: Oranje-Kolonie (Bloemfontein, nach Micha- elsen). Bemerkungen: Ich konnte 3 noch nicht ganz gesclilechtsreife deutsch- südwestafrikanische Stücke dieser interessanten Art untersuchen. Dieselben stimmen anscheinend in allen Avesentlichen Punkten mit den Originalstücken überein. Zu bemerken ist noch, daß die weiblichen Poren nicht vor den Borsten d des 14. Segments liegen, sondern vor den Borsten c. Die Nach- prüfung einer Sclinittserie von einem Originalstücke ergab, daß auch das Originalmaterial diese Lage der Aveiblichen Poren aufweist. Meine anders lautende Angabe (1. c. p. 58) ist unzutreffend. 17G ^^ • Michaelsen. Diese zur äthiopischen Unterfam. Eudrilinae gehörige Art ist an- scheinend in geringem Maße peregrin. Sie hat oflenbar den Weg am Oranje-FlulB stromabwärts genommen, um von ihrer ursprünglichen östUcheren Heimat nach Deutsch-Südwestafrika zu gelangen. An eine Ver- schleppung durch den Menschen braucht bei der Verbreitung dieser Art nicht gedacht zu werden. Es handelt sich hier zweifellos um eine selb- ständige Wanderung als Weitwanderer. PlatydrilHs Agnes Mich. 1913, Platydrilus Agnes, Michaelsen, Oligochäten vom tropischen und südlich subtropischen Afrika. II. In: Zoologica, Heft 68, p. 19, Taf. I, Fig. ö, Textfig. 8. Fundangabe: Rhodesia, am mittleren Sambesi bei den Victoria- Fällen, in humusreicher feuchter Erde; W. Michaelsen, 18. August 1911. Faiii. Glossoseoleeidae. Unterfam. Criodrilinae. Alma sp. 1913, Alma sp., Michaelsen, Oligochäten vom tropischen und südlich subtropischen Afrika. II. In: Zoologica, Heft GS, p. .')7. Fundangabe: Rhodesia, im mittleren Sambesi etvvas oberhalb der Vi c t o r i a - F ä 1 1 e , im Grundschlamm und zwischen Wurzeln von Wasserpflanzen nahe dem Ufer; W. Michaelsen, 18. AugustlBll. Faiii. Lumbrieidae. Helodrilufi (Allolohophoi'a) calfglaosus (Sav.) f. traper^oides (Ant. Dug.). Fundangaben: Usakos, im Garten; W. Michaelsen, 22. April 1911. Farm Lichtenstein, 25 km SSO. von Windhuk; Landesmus. Windhuk. Kuibis, im Garten; W. Michaetsen, 17. Juli 1911. Oligochaeta. 177 Weitere Verbreitung: Infolge von Verschleppung nahezu kosmo- politisch, doch im tropischen Afrika noch nicht gefunden, in Südafrika (in Transvaal, der Oranje-Kolonie und im Kaplande) wohl die gemeinste Art geworden. Bemerkungen: Diese Art ift zweifellos durch den Menschen in Deutsch- Südwestafrika eingeschleppt worden. Helodriltis (Dendröbaena) siibrubicufidiis (Eisen). Fundangabe: Swakopmund, im Grarten; Herlyn 1910. Weitere Verbreitung : Infolge Verschleppung durch den Menschen in den nördlichen und südlichen gemäßigten und subtropischen Zonen nahezu circummundan, doch in Afrika früher noch nicht nachgewiesen. Nächst- liegende Fundorte: Madagaskar, Falkland-Inseln und Azoren. Bemerkungen : Zweifellos durch den Menschen in Deutsch-Südwest- afrika eingeschleppt. Helodrilus (Biniastus) parvus (Eisen). Fundangabe: Windhuk, im Garten; W. Michaelsen, 7. Mai 1911. Weitere Verbreitung: Durch Verschleppung nahezu kosmopolitisch, doch im tropischen Afrika nicht gefunden; nächsthegende Fundorte: Kap- land und Oranje-Kolonie. Bemerkungen: Zweifellos durch den Menschen in Deutsch-Südwest- afrika eingesclileppt. Anhang. Fiun. Eneliytraeidae. Michaelsena Mangeri n. sp. Taf. V, Fig. 9—12. Fundangabe: Kamerun, Victoria, Meeresstrand, in dichten, moosartigen Algenpolstern an der Landungsbrücke, C. Manger, Dez. 1913. Vorliegend zahlreiche, zum Teil geschlechtsreife Exemplare. Äußeres. Dimensionen winzig: Länge 2,2 — 3,2mm, Dicke ca. 0,12mm, Segmentzalil etwa 29 — 30. Bei mehreren genau untersuchten Tieren, darunter 12 Michaelsen. Üeutseh-Südwestafrikn. 178 ^^ • Michaelsen. größte Exemplaro und kleinere, noch unreife, fand sich ausnahmslos die Segmentzalil 29 oder 30, die also als mindestens annähernd konstant an- gesehen werden darf. Färbung der konservierten Tiere gelblich-weiß. Kopf läppen gerundet, kuppeiförmig, nicht ganz so lang A\de breit. Borsten stiftförmig, fast gerade, nur am proximalen Ende etwas ge- bogen, einfach zugespitzt, ohne deutlichen Nodulus. Die Borsten des Vorderkörpers sind deutlich kleiner als die Borsten des Hinterkörpers. Eine Borste vom 3. Segment erwies sich als 0,028 mm lang, eine vom 28. Segment als 0,04 mm, bei einer größten Dicke von etwa 5 |j.. Die Borsten sind an allen Segmenten vom 2. bis zum vorletzten regelmäßig in 4 Bündeln ausgebildet. Eine Abortierung von Borstenbündeln hat, ab- gesehen von den ventralen Bündeln des 12. Segments bei geschlechtsreifen Stücken, in keinem Falle stattgefunden. Die Bündel bestehen, offenbar konstant — bei einer größeren Zahl von genauer untersuchten Stücken — , aus je 2 Borsten. Die Borsten sind also regelmäßig paarig angeordnet; auch eine Reduktion der Paare auf Einzelborsten, wie sie sich bei den meisten anderen Afichaelsena-Arten vollständig durchgeführt oder bei einem bestimmten Teil der Bündel ausgeführt findet, scheint bei Af. Mangeri in keinem Falle vorzukommen. Einen Kopfporus konnte ich nicht erkennen. Rückenporen scheinen nicht vorhanden zu sein. Der Gürtel scheint das ganze 12. und 13. Segment einzunehmen. Er ist nur ventral zwischen den männlichen Poren unterbrochen oder schwächer entwickelt, im übrigen ringförmig. Die großen Drüsenzellen der Grürtel- hypodermis fTaf. V, Fig. 12) lassen nur einen geringen Strukturunterscliied erkennen; sie sind nicht so deutlich wie bei anderen Enchyträiden in hellere durchsichtige und dunklere mit grob gi-anuliertem Inhalt vmter- schieden. Die groß(^n Drüsenzellen sind ziemlich regelmäßig in Zonen von ca. 15 [X Breite angeordnet. Es wird jedoch die Breite dieser Zonen nicht immer von einer einzigen Zelle eingenommen. Vielfach schieben sich kleinere Zellen am Rande der Zone keilförmig ein, und manchmal liegen zwei kleinere Zellen nebeneinander, zusammen die Zonenbreite aus- machend. Die männlichen Poren liegen meist auf mäßig stark vorragenden warzenförmigen Penissen. Innere Organisation. Leibeswand: Die Längsmuskulatur besteht aus verhältnismäßig großen, breiten und ziemlich dicken, mehr oder weniger genau senkrecht zur Ebene der Leibeswand gestellten Bandmuskeln. Oligochaeta. 179 Leibesliöhlo: Lymplikörperche?n habe ich nicht mit voller Sicherheit nachweisen können; doch glaube ich spärliche, anscheinend scheibenförmige, mit kleinem Kern ausgestattete, zart granulierte Zellen in der Leibesflüssig- keit als solche ansprechen zu sollen. Große Lymphkörperchen, Avie sie für manche Enchvti'äiden, z. B. Enchytraeus argenteus Mich., charakteristisch sind, sind jedenfalls nicht vorhanden. Darm: Der dorsale Sclilundkopf ist ziemlich dick, oval. Die Septal- drüsen des 4., sowie die des 5. Segments sind zu einem durchaus unpaaren, dick bohnenförmigen Körper verschmolzen, der oberhalb des Darmes an der Vorderseite von Dissepiment 4/5 bezw. 5/6 haftet. Außerdem ragt ein Paar dick kolbenförmiger Septaldrüsen ventral vom Darm durch das ganze 6. Segment hindurch. Sekundäre Septaldrüsen, d. h. Drüsenwuche- rungen an den Septaldrüsen-Strängen, sind nicht ausgebildet. Peptonephridien scheinen nicht vorhanden zu sein. Der Ösophagus ist eng und besitzt keine Anhangsorgane, wie Drüsen oder Taschen. Er geht allmälilich in den Mitteldarm über. Blutgefäßsystem: Die Ursprungsstelle dos Rückengefäßes konnte ich nicht feststellen. Nervensystem: Das Gehirn (Taf. V, Fig. 9) ist nicht ganz doppelt so lang wie im Maximum breit, hinten deutlich verbreitert, vorn verhältnis- mäßig sclmaal. Der Hinterrand ist in der Mitte schwach konkav ausge- buchtet, fast gerade. Exkretionssystem: Die Nephridien (Taf. V, Fig. II) besitzen ein plattes, hinten verbreitertes Postseptale, das nicht ganz doppelt so lang wie im Maximum breit ist. Das Anteseptale ist oval, nicht ganz halb so lang wie das Postseptale, etwa -/a so breit wie lang. Der Ausführgang entspringt hinten an der ventralen Kante des Postseptale und geht von hier aus nach vorn. Er ist ungefähr so lang wie das Postseptale. Männliche Geschlechtsorgane: Ein Paar längliche Hoden von Dissepiment 10/11 in das 11. Segment hineinragend imd anscheinend direkt in je einen länglichen, auf das 11. Segment bescliränkten Samensack über- gehend, in der Art, wie es für die Gattung Lumbricillus (bei dieser jedoch Hoden vmd damit auch Samensäcke nicht einfach, sondern melirfach) charakteristisch ist. Samentrichter nicht ganz dreimal so lang ync dick, proximal mit Kragensaum. Samenleiter ca. 6 [jl dick, mindestens doppelt so lang (walu-scheinlich noch länger) wie der Samenti'ichter, unregelmäßig gescMängelt, eine unregelmäßige, nach liinten ragende Sclileife bildend, aber anscheinend auf das 12. Segment beschränkt. Der kleine äußere Penis sitzt an einem dicken, etwa zur Hälfte in die LeibeshöUe hinein- 12* 280 ^^ • Michaelsen. ragenden, der Hauptsache nach aus großen Drüsenzellen bestehenden Bulbus, der durch ein feines peritoneales Häutchen glatt gegen die Leibeshölile abgeschlossen ist. Es scheinen an und neben diesem Bulbus keine in die Leibeshöhle hineinragenden Drüsen zu sitzen. Weibliche Geschlechtsorgane: Die meisten gesclilechtsreifen Tiere enthalten, anscheinend im 13. Segment, ein einziges großes reifes Ei von etwa 0,22 mm Länge und 0,06 mm Breite. Eine Mehrzalil reifer Eier ist bei keinem Exemplar angetroffen worden. Samentaschen (Taf. V, Fig. 10): Ampulle dünnwandig sackförmig, im Querschnitt kreisrund, mit dem etwas scliräg abgebogenen proximalen Ende in den Ösophagus einmündend. Ausfülirgang ziemlich scharf von der Ampulle abgesetzt, ungefähr so lang wie diese, dünn schlauchförmig, in der distalen Partie bis etwas über die Mitte hinaus mit einer mäßig dicken, äußerlich nicht ganz ebenen, aber auch nicht zottigen, sondern ziemlich glatten Drüsenschicht bekleidet. Biologisches: Der Darm-Inhalt besteht der Hauptsache nach aus Diatomeen jener Arten, die den Algenfäden der Algenpolster, in denen die Würmer leben, anhaften. Bemerkungen : Michaelsena Mangeri repräsentiert in einem für seine Gattung sehr bedeutsamen Organisationsverhältnis, in der Borstenanord- nung, ein Extrem der Ausbildung, und zwar anscheinend das phyletisch ältere Extrem, das direkt zu der mutmaßlichen Ahnengattung Enchytraeus hinüberführt und zugleich der mutmaßliche Ausgangspunkt für die sich meiner Ansicht nach von Michaelsena abzweigende große und charakte- ristische Gattung Fridericia war. Bei der Schilderung der Oligochäten Südwest-Australiens ') habe ich die morphologischen und wahrscheinUch zugleich verwandtschaftlichen Verhältnisse zwischen diesen Gattungen ein- gehend erörtert und dabei besonders den Gegensatz zwischen der ,,un- be stimmten" Borstenzalil (etwa 3 — 5 oder 1 — 4 Borsten in einem Bündel) und der ,,bestimmten geringen" Borstenzahl (1 oder 2 Borsten im Bündel, d. h. Borsten einzeln oder paarigj klargestellt. Von der Gattung Enchytraeus mit unbestimmter, manchmal allerdings auch sehr geringer Borstenzahl (z. B. Enchytraeus argenteus Mich, mit 2 bis 3 Borsten im Bündel) unterscheidet sich die Gattung Michaelsena fast lediglich durch die bestimmte geringe Borstenzahl. Einzelne Michaelsena-Axten besitzen lediglich paarige (M. suhtilis Udej, andere lediglich einzelne Borsten (M. monochaeta [Mich.] und M. macrochaeta Pierantoni) ; bei anderen Arten schließlich (M. Norm-ani Mich.) werden gewisse Bündel durch paarige, andere durch einzelne Borsten ') W. MiCHAKLSEN, Oligocliaeta. In: Die Fauna Südwest-Australiens, I, p. 127 u. f. Olig'ochaeta. ]31 repräsentiert. Alle bisher bekannten Michaelsena-Axteji zeigen zugleich eine Abortierung der Borstenbündel gewdsser Segmente, zumal des Vorderkörpers, und meist erscheinen die dorsalen in größerer Strecke abortiert als die ventralen. M. Mangeri ist die erste Art dieser Gattung, bei der eine solche Abortierung nicht vor sich gegangen ist, die an allen Segmenten vom 2. an, und höchstens mit Ausnahme des letzten, je 4 Borstenbündel besitzt. Jedes dieser Borstenbündel besteht nach Untersuchung einer großen Zahl von Tieren ausnahmslos aus einem Paar Borsten. Diese Art ist also von der Ahnengattung Enchyfraeus fmit manchmal auch nur wenigen, 2 bis 3 Borsten im Bündel; nur durch die konstante Zweizald, die Paarig- keit der Borsten unterscliieden. Sie vermittelt also einen engen Anschluß der Gattung Michaelsena an die Gattung Enchytraeus und mag zugleich auch als Vermittler zwischen Michaelsena und Fridericia aufgefaßt werden. Auch bei Fridericia, bei der die Borsten paarig oder durch vorzeitiges Wachs- tum der Ersatzborsten bei gleichzeitiger Erhaltung der älteren Borsten mehrfach paarig sind, ist eine Abortierung von Borstenbündeln nicht be- beachtet worden; wenn man nicht das Felden der lateralen Borstenbündel bei Distichopus silvestris Leidy, die sonst ganz Fridericia-Q\i2i.YSik.tev hat, als Beispiel für eine Abortierung von Borstenbündeln bei einer Fridericia-F orm. gelten lassen will. Es bleibt noch die Synonymie der Gattung Michaelsena zu vervoll- ständigen. Kürzlich besclirieb Southern '; als ,,gen. et sp. nov." einen Enchyträiden, Grantia viaricola, von der Südwest-Küste Irlands. Diese Art ist eine typische Michaelsena, nahe verwandt, wenn nicht identisch mit M. macrochaeta Pierantoni '^) aus dem Golf von Neapel. Die Gattung Grantia ist, wie wahrscheinlich auch die Art G. maricola, hinfällig, als Synonym zu Michaelsena zu stellen. Southern hat die nahe Verwandtschaft seiner Art mit Endytraeus monochaetus Mich. ^) wohl erkannt, aber übersehen, daß diese Art von Süd-Georgien seit langem in die Gattung Michaelsena Ude*j eingereiht ist, und daß seitdem noch weitere Glieder dieser marinen Strand- oder Flachwasser-Gattung entdeckt worden sind. Eine ungenügende Berücksichtigung der modernen Literatur geht auch aus ') E. Southern, Oligochaeta. In: Cläre Island Survey, Part. 48. Dublin 1913, p. 8, PI. VIII, Fig. 1—10. ^) U. PiERANTONi, Stndii anatoniici su Michaelsena macrochaeta Piekant. In: Mitt. Zool. Station Neapel, XVI, 1903, p. 409, Tafel XV, Fig. 1—16, Taf. XVI, Fig. 17—28. •') W, Michaelsen, Die Oligochaeten von Süd-Georgien etc. In: Mt. Mus. Hamburg, V, 1888, p. 66, Taf. Flg. 6 a— c. *) H. Ude, Enchytraeiden. In: Ergebn. Hamburg. Magalhaens. Sammeln, III, 1896, p. 23. 182 W. Michaelsen. dem SouTHERN'schon Ausspruch hervor: „Apparontly no species belonsino- to the Order Ohgochaeta has yot beon reeorded from below low-water mark" (1. c. p. 3). Hat uns doch Pierantoni, abgesehen von der schon genannten Michaelsena macrochaeta, in verschiedenen Schriften mit mehreren marinen Ohgochäten des Golfes von Neapel, in ca. 3 bis 6 m Tiefe ge- dredgot, bekannt gemacht, nämlich mit: PJiallodrilus parthenopaeus, Hetero- drilus arenicola, 3 Arten der Gattung Limnodriloides und Paranais elongata. Figurenerklärung. Tafel V. Fig. 1. Aulophorus afr/'camis n. sp. Freie distale Enden der Borston eines dorsalen Bündels; 2500:1. Fig. 2. — — — Freies distales Ende einer ventralen Borste; 2500:1. Fig. 3. — — — Hinterende mit Kiemonnapf, von der Dorsalseite; 10 : 1. Fig. 4. Paranais vmltisetosus n. sp. Freies distales Ende einer Borste; 1600:1. Fig. 5. Limnodrilus alpestris Eisen. Chitinöse Penisscheide; 300:1. Fig. 6. Limnodriloides Winckelmanni n.si^. DistalesEnde einerBorste; 1200: 1. Fig. 7. — — — Männlicher Ausführapparat; 150:1. Fig. 8. Lumhricillua verrucosus (Clap.). Umriß des Gehirns, von oben gesehen; 350 : 1. Fig. 9. Michaelsena Mangeri n. sp. Umriß des Gehirns, von oben ge- sehen; 300:1. Fig. 10. — — — Samentasche; 450:1. Fig. 11. — — — Segmentalorgan; 300:1. Fig. 12. — — — Gürtelhypodermis in der Flächen- ansicht; 700: 1. Fig. 13. Alluroides tangani/ikae Bedd. Samentasche; 30:1. Fig. 14. Gordiodrilus Lwjkerleni Mich. Querschnitt durch eine Chylustasche; 120:1. Fig. 15. PygmaeodrilusarausionensislsiiQn. Samentaschc nach Aufhellung; 50:1 Michaelsen, Lund-n . Süsswassevfauua D.Sw. Afrikas: Michaeisea, Oligochaetn . Taf.N. Flq. /.-^"^ Fig. 9. y Ficj. 10. Fig. il.^"h Fig. 13. "^ Fig. 2.'^^% / 'U \ ,-. 4 Fi(i. 7. ''''yi /'<>/. F/. Fin. 5. Fig. 8.^ Fig. 12. Fig./5.-h W. Michaelsen qez. L. Friederichsen u. Co.. Hamburg. Lith-Arist.v.K.Vv'essfer.Jena. Hymenoptera I: Braconidae Gy. Szepligeti (Budapest). lö Michaelsen, Deutsch-Süd westafrika. Die klimatischen Eigentümlichkeiten von Deutsch-Südwestafrika und die damit zusammenhängende Einförmigkeit und Armut der dortigen Pflanzenwelt lassen bei einer Familie, wie die Braconiden, die in hervor- ragendem Maße auf phvtophage Insekten angeAviesen sind, keinen großen Artreichtum vermuten. Die Ausbeute an Braconiden aus Deutsch-Südwest- afrika ist darum nicht groß; sie umfaßt nur 26 Arten, von denen 6 bisher nicht beschrieben waren. Es ist dies die forste größere Ausbeute aus diesem Gebiete, und es ist daher ein gewagtes Unternehmen, aus dieser einmaligen Ausbeute schon allgemeine Sclilüsse zu ziehen. Von charakte- ristischen Zügen der südwestafrikanischen Braconidenfauna kann kaum schon gesprochen werden; immerhin ist es sehr interessant und hängt vielleicht zusammen mit der verborgenen Lebensweise zahlreicher Insekten jener Gegenden, daß die Formen mit langem Bohrer entschieden über- wiegen. Im übrigen spielen dieselben Unterfamilien, die andersAvo unter den afrikanischen Braconiden vorherrschen, auch hier die Haupti-olle. AUen voran stehen die Braconinae, zu denen von den 26 Arten 18 gehören. Die übrigen 8 Arten verteilen sich auf die Ihryctiriae (2), Cheloninae (3), Agathinae (1), Macrocentriuae (1) und Meteorinae (1). Von den beiden zuletzt genannten Unterfamilien Avaren bisher noch keine Tiere aus Afrika bekannt. Auch die hier A^orkommenden Gattungen treten fast sämtlich ebenfalls in anderen Teilen von Süd- und Zentralafrika auf: nur zAvei von Cameron aufgestellte Gattungen, Ilolcohracon und Bacuma, sind bisher nur aus Südwestafrika bekannt. Anders steht es natürlich mit den Arten. Ein Teil von ihnen ist nur aus diesem Gebiet bekannt: andere dagegen sind in Afrika Aveit verbreitet, vor allem Arten aus der auch andersAA^o in Afrika häufig auftretenden Gattung Iphiauhuc. I. flagrator Gerst. kommt nördhch bis Zentralafrika vor, I. coccineus Br. bis zum Senegal und /. varius Br. bis Nubien. Ebenso findet sich Gastrotheca furcata Guer. bis Abessinien. Eine genauere Durchforschung von Deutsch-Südwestafrika AA'ird hoftentlich in späterer Zeit ein schärfer umrissenes Bild der Braconidenfauna dieses Landes ergeben; immerhin Averden die Braconiden AA'ahrscheinlich stets 13* ] gß Gy. Szepligeti. schwächer vertroten bleiben als andere Familien, die dem Klima in Bau und Lebensgewohnheiten besser angepaßt sind, Avie z. B. die Crabroniden, Apiden und vor allem die Formiciden, die daher auch in der vorliegenden Ausbeute weit stärker vertreten sind. Gen. Vipio Latreille. Vipio Michaelseni d. sp. — Q— . Fundangabe: Neudamm (ca. 42 km ONO. von Windhuk); W. Michaelsex, 10.— 15. Mai 1911. Q — Kopf quer, glatt, hinter den Augen gerändert, Gesicht punktiert, "Wangen lang, mit Furche, Augen klein. Fühler kürzer als der Körper, borstenförmig; Schaft eiförmig, 3. Glied doppelt so lang wie dick und etwas länger als das 4. Thorax glatt, gedrungen, Parapsiden tief, Metamotum in der Mitte runzlig. Zweite Cubitalquerader gerade und schief gestellt. Hinterhüften länger als dick. Hinterleib gestreckt, Segmente 1 — 3 und Basis des 4. fein gerieft; 1. Segment breit, länger als breit, gewölbt, mit schmalem Seitenrand; 2. Segment quer, so lang me vorne breit, Mittelfeld klein und glatt, mit langem kielartigen Fortsatz; 2. Sutur breit und runzlig; Ecken des 3. Segmentes quer, sie erreichen nicht die Mitte des Segmentes. Rot; Rostrum, Füliler, Brust, Schienen und Tarsen der Mittel und Hinterbeine schwarz, Rand und Flügel schwarz, Mitte mit hellem Fleck. Länge 11, Bolirer 12 mm. Gen. Glyptomorpha Holmgren. Glyptomorpha piinctidorsls Brülle. G. punctidorsis Brülle, Hist. nat. Hymen. Insect. 4, lö46, p. 444. Fundangaben: Tsumeb; W. Michaelsen, 13. — 19. Juli 1911. Kleiner Waterberg, Farm Okosongomingo; H. Thomsen, Juli-August 1912. Neudamm (ca. 42 km ONO. von Windhuk) ;W. Michaelsen, lO.Mai 1911. Gen. Merinotus Szepligeti. Merinotus rosa Cameron. M. rosa Cameron, Archiv f. Matbem. og Naturg. (Kristiania) 30. 1909, p. 11. Fundangabe: KleinerWaterberg, Farm Okosongomingo; H. Thomsen, Juh- August 1912. Hymenoptera I: Braconidae. 187 Merlnotus 12 fasclatus Cameron. M. 12 fasciatus Camerox, Albany Mus. Eec. 1. 1904, p. 154. Fundangaben: Kleine r W at erb erg, Farm Okosongo min go; H. Thomsen, Juli- August 191-2. Windhuk (Dixter, nach Cajierox). Gen. Megagonia Szepligeti. Jfegagonia niger Szepligeti. 31. niger Szepligeti, Ann. Mus. Nat. Hung. XI, 1913, p. .594. Fundangabe: Windliuk. Gen. Holcobracon Cameron. Holrobracon erythraspis Cameron. H. erythraspis Camekox, Archiv for Math, og Xaturw. 30. 1904, p. 20. Fundangabe: Windhuk (nach Caiieron). Gen. Bacuma Cameron. Bciciuna rufa Camerou. B. rufa Camerox, 1. c. p. 26. , Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika (nach Cameron). Gen. Goniobracon Szepligeti. Goniohracon areolatus Szepligeti (in litt.). Fundan gäbe: Kleiner Wate rb erg. Farm Okosongomingo: H. Thomsen, JuH- August 1912. Gen. Rhytimorpha Szepligeti. lihgthnorpha atriceps Szepligeti. Rh. atriceps Szepligeti, Ann. Mus. Nat. Hung 4. 1906, p. 551. Fundangabe: Karibib: AV. Michaesen, 23.— 26. April 1911. 188 Gy. 8zkpligeti. Gen. Iphiaulax Förster. Iphiaulajc BoJieniaiii HoliiiiüreD. I. Boheunani Holmgren, Eug. Resa Insekt. 1868, p. 4"2o. undangabe: Karibib: W. Michaelsen, 26. April 1911 {d" ) Iphiaulax flagrator Grerstäcker. /. flagrator Gerstäcker, Mon. Acad. Wiss., Berlin. 1858, p. 264. Fundangabe: Karibib: W. Michaelsen, 23. — 26. April 1911. Umariiru: W. Michaelsen, 21.— 22. Juli 1911. Iphiaulax Wahlhenji Holmgreu. /. Wahlbergi Holmgren, Eug. Resa Insekt. 1868, p. 42.5. Fundangabe: Kleiner Waterb erg, Farm Oko s o ng omingo ; H.Thomsen, Juli- August 1912. Iphiaulax cocclneus Bnill<^. /. cocclneus Brülle, Hist. nat. Hymen. Insect. 1846, p. 428. Fundangabe: Kleiner Waterb erg, Farm Ukosongomingo; H. Thomsen, Juli-August 1912. Win dhuk (nach Cameron, Archiv for Mathem. ogNaturw. 30. 1909, p. 1 9). Iphiaulax callosus n. sp. - $— . Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika; Lübbert, 1901. Dem I. eler/cnis m. ähnlich : Gesicht fast glatt, die Seiten des Rand- mals fast gleich lang. Segmente 1 — 4 runzlig, das 5. fast glatt; 2. Segment quer, kürzer als vorn breit; das 1. Segment länger als breit; Ecken des 3. Segmentes ganz klein, undeutlich begrenzt und glatt; Hinterrand der Segmente schmal; 4. und 5. Segment stark gewölbt. Schwarz, Segmente vom 4. an rot. Flügel schwarz, Mitte, 1. Cubital- zelle hell gefleckt, 2. Cubital(|uerader hell gerandet. Randmal rot. Länge 12, Bohrer 4 mm. Iphiaulax uatalensls Sz^pligeti. /. natalensin ^zepligeti, Terni. Füzet. 24. I'.IÖI, ]>. '.M)i'). Nur die Mitte des 1. Segmentes schwarz. Fundangabe: 1) euts cli-Südwestafri ka: Libbert, 1901. Hynienoptera I: Braconidae. 189 Tphiaulax varius Brull(^. /. varius Brullk, Hist. nat. Hymen. 4. 1846, p. 428. Fundangabe: Okahandja; L. Schultze, 1903 — 1905. Iphiaulaoc difficilis Sz^pligeti (in litt.). Fundangabe: D eutseh-Sü dwestafrika; Libbert. IphiaulaDc pictus Brüllt. /. pictus Brülle, Hist. nat. Hymen. 4. 1846, p. 426. Fundangabe: Windliuk (nach Cajieron, Archiv for Math, og Naturg. 30. 1909, p. 19). Gen. Bracon Fabricius. Bracon snavis n. sp. — $— . Fundangabe: Windhuk: Krause. Kopf halbkugelformig, fein runzlig und matt. Mesonotum matt, Parapsidon undeutlich, Metanotum glatt. Innere Seite des Randmals kürzer, Radialzelle erreicht nicht die Flügelspitze, 2. CubitalzeUe kurz, Cubitalader an der Basis gerade. Hinterhüften kurz, Hinterleib fein runzlig und matt, lanzettlich, etwas gerundet; erstes Segment dreiseitig, so lang wie am Ende breit; 2. Segment quer, etwas kürzer als vorn breit und etwas länger als das 3., an der Basalmitte mit Kiel und neben dem Seitenrande beiderseits mit Grübchen; 2. Sutur bisinuiert. Gelb, Hinterleib und Beine gelbrot; Fühler, Stemmaticum, Hinter- kopf, 3 Makeln am Mesonotum, Brust, Metanotum, Spitze der Hinterschienen, Hintertarsen fast ganz, Mitte des 1. Segmentes, Basalmitte des 2., ein großer geteilter Fleck an den Segmenten 3 — 5 schwarz. Flügel hyalin, Randmal gelb, Endhälfte braun. Länge 1,5 mm, Bohrer etwas länger als der halbe Hinterleib. Gen. Zombrus Marshall. Zonibrus Thotnseni n. sp. — Q— . Fundangabe: Kleiner Wat erb erg , Farm Ok o s ongo mingo, H. Thomsen, Juli- August 1912. 190 CrY. SZEPLIGETI. Abstehend behaart. Propleuren und die Furche der Mesopleuren gerieft, Metanotum grob runzHg. Segmente 1 — 5 gerieft, das 2. an der Seite mit groben Riefen. Schwarz, Mittelbrust und Hint(»rleib rot, Segmente an der Seite mit schwarzem Makel. Flügel und Randmal schwarz, Flügelmitte hell gefleckt. Länge 12, Bohrer 7 mm. Zonibrus minor n. sp. — (/— • Fundangabe: Windhuk; H. Thomsen, Jan. -Febr. 1913. Abstehend behaart. Pronotum grob runzlig, Furche der Mesopleuren glatt, Metathorax zellenartig runzlig. Segmente 1 — 3 gerieft. Rot; Kopf, Fühler, Prothorax, Mesonotum oben, Vorder- und Mittel- beine, Schienen und Tarsen der Hinterbeine schwarz. Flügel schwarz, mit hellem Fleck in der Mitte des Vorderrandes; Randmal an der Basis gelb. Länge 7,5 mm. Gen. Gastrotheca Guerin. Gastrotheca furcata Gru^rin. G. furcata Gukrix, Lefebure, Voy Abyss. 6. 1848, p. 349, t. 7, f. 4. Fundangabe: Kleiner Waterberg, Farm Okosongomingo; H. Thomsen, Juli- August 1912. Gen. Phanerotoma Wesmael. Thanerotonia pygniaea Sz^pligeti. Fundangabe: Windhuk; Techow. Phanerotoma leucohasis Kriechbaumer rar. 2, Sz^pligeti. Ph. leucohasis Kriechbaumer, Berl. ent. Zeitsch. 39. 1894, p. 62. Fundangabe: Windhuk; Techow. Gen. Disophrys Förster. Disoj)hrt/s lutea Brüllt. B. lutea IJkille, Hist. nat. Hymen. Insect. IV. 1846, p. 506. Fundangabe: Okahandja: W. Mich.\elsen, Mai-Juni 1911. Hjmenoptera I: Braconidae. X91 Gen. Macrocentrus Curtis. Macrocentrus ruf/ulosHs Szi^pligeti (iu litt.). Fundangabe: D eutsch-Südwe stafrika; Lübbert. Gen. Meteorus Haiida y. Meteorus Ivleini n. sp. —Q.—. Fundangabe: Swakopmund: K. Klein, 1911. Kopf quer; glatt, hinter den Augen schmal und gerundet; Gesicht runzKg, ziemlich breit, nach unten zu verschmälert. Fülüer 25 gliedrig, Endglieder gerundet. Mesonotum fast glatt, in der Mitte vertieft und runzlig, Parapsiden deutlich; Mesopleuren glatt, die Mitte eingedrückt und punktiert; Metapleuren punktiert, Metanotum runzlig. Eandmal groß, die innere Seite länger, Radiusende gerade, Areola \'ierseitig, vorn nicht zu- sammen gezogen, Nervulus postfurkal. Beine schlank, Hinterhüften km-z und glatt. Hinterleib glatt; 1. Segment mit gut sichtbaren Luftlöchern, Postpetiolus nadelrissig-runzlig; 2. Segment quer, etwas länger als das dritte; 2. Sutur fein. Schwarz; Taster, Clvpeus, Fühlerbasis, Prothorax, Tagula, Beine und Hinterleib vom 2. Segment an gelb oder braungelb; Hinterschenkel oben und Ende der Hinterschienen gebräunt. Flügel hyalin, Basalnerven gelblich; Randmal braun, die Mitte dunkel. Länge 3,5, Bohrer 2,5 mm. Hymenoptera II: Archihymenidae von Günther Enderlein ( Stettin j. Mit 1 Tafel und 1 Abbildung im Text. fc Die Ausbeute von Herrn Professor D. W. Michaelsen aus Südwest- afrika entliielt eine außerordentlich interessante Hymenopterengattung, die durch eine ganze Reihe auffälliger altertümlicher Charaktere unter den übrigen Hvmenopteren isoliert ist und diesen gegenübersteht. Ich nenne sie Archihymen. Vor allem linden sich 2 nach dem Außenrande zu laufende Radialäste, der eine völlig entvvickelt (rg), der andere nur angedeutet (Ti), von denen sonst r4 als Querader nach mj entwickelt ist, ebenso auch meist r3 als Querader erscheint oder wenigstens sonst immer gegabelt ist und einen Ast als Querader, den anderen als Längsader nach dem Rande zu entsendet (z. B. bei vielen Mutilliden). Die Querader zwischen m, vmd cu, felilt, ein Charakter, der z. B. für die Braconiden charakteristisch ist, aber auch zuweilen bei den Mutilliden vorkommt. Zweilellos hat Ärehihymen viele Beziehungen zu den Mutilliden, in zwei Hauptmomenten weicht diese Gattung aber von ihnen ab, imd zAvar ist 1 ) das 1. Abdominalsegment keine Spur vom 2. abgeschnürt und 2) weist der Vorderschenkel ein basales Schnürstück (sogen. 2. Trochanter) auf; während die Mutilliden hinten ein etw^as abgeschnürtes 1. Abdominalsegment und an keinem der Schenkel ein basales Schnürstück (2. Trochanter) besitzen. Da nun ferner das Geäder auch viele Beziehungen zu den Braconiden erkennen läßt, besonders zu dem der Subfamilie Ichneuünae, und alle Braconiden an allen Schenkeln basale Schnürstücke (2. Trochanter) aufweisen, so dürften auch zu den Braconiden verwandtschaftliche Beziehungen vorhanden sein. Aber auch selbst zu den Formiciden scheinen gewisse Annäherungen erkennbar zu sein, besonders im Geäder. Auf jeden Fall handelt es sich aber bei Archihymen um den Vertreter einer besonderen Familie, die viele sehr altertümliche Charaktere aufweist; ich nenne sie: ArcMhymenidae. In diese Familie ist nun noch eine erst vor wenigen Jahren von Andre beschriebene Gattung einzuordnen und zwar: Konowiella Andre 1909') (mit K. hirticornis, 1909, aus Mendoza in Argentinien). Sie steht Archihymen ') Andre, Sut un noiiveau genre d'Hymenojjtere de famille incertaine. Bull. Soc. Eat. de France. 1909 pag. 106—108. 1 96 Günther Ekuekleix. nahe. Auffällig ist boi dieser die sehr lange feine Behaarung an den Fühlern, die (ebenfalls senkrecht absteht und den Fühlern ein struppiges Aussehen verleiht. Die Verbreitung dieser beiden altertümlichen Gattungen (Süd Afrika- Archiplata-Gebiet), ist Avieder ein hervorragendes Beispiel der biogeogra- phischen Beziehungen innerhalb des notocraten Biocosmos'j, und zeigt auch wieder, wie sich gerade hier die altertümlichsten Formen aus allen Organismengruppen häufen. Gen. Archihymen n. gen. Typus: A. prücns n. sp. Deutsch-^Südwestafrika. Fühler (Taf. V, Fig. 5) 13-gliedrig, so lang wie die Vorderflügel: die Geißelgiieder langgestreckt (oft noch länger als in Figur 5) und mit kurzer verstreut stehender, senkrecht abstehender feiner Behaarung. Ocellen groß, zu einem großen rechtwinkligen Dreieck angeordnet. Mandibel (Taf. V, Fig. 4) mit 3 großen, ziemlich stumpfen Zähnen; nicht knieartig gebogen, nicht aufwärts gerichtet und übereinander greifend. Maxille (Taf. V, Fig 2) mit nur einer deutlich ausgebildeten Lade, die am Ende mit feinen Härchen besetzt ist. Cardo (c) zart und gestreckt. Maxillarpalpus 6-gliedrig, lang. Labium (Taf. V, Fig. 3j langgestreckt, von den verschmolzenen Cardines ist noch ein scliwaches und schmales Skelettstück vorhanden. Labialpalpus 3-gliedi-ig. Mesonotum poliert glatt und ohne Parapsidenfurchen, stark ge- wölbt, vorn steil abfallend ; Scutehum von oben gesehen fast so lang wie das Mesonotum, glatt, fast quadratisch, hinten stark gerundet, erhaben; vor dem Vorderrand ein tiefer, ziemlich breiter und fein längsgeriefter Quereindruck. Hinter dem Scutellum ein ebenfalls quadratisches Post- scutellum, das weniger erhaben und -/.; so lang wie das Scutellum ist. Mediansegment ziemlich glatt und ohne Leisten. Abdomen dorsoventral zusammengedrückt, von oben gesehen stark spindelförmig, an beiden Enden zugespitzt, in der Mitte am breitesten und so breit oder wenig breiter als der Thorax; am Ende des Mediansegments zwischen den Coxen inseriert; beim cf ans 7 Segmenten zusammengesetzt. ^^Jrderbeine (Taf. V, Fig. 8) mit einem deutlichen basalen femoralen vSchnürstück (sogenannter 2. Tro- chanter), das aber hinten nicht geschlossen ist und bei den Mittel- und ') ExDEKLEiN, Die biologische Ijcdeiitiing der Antarktis und ihrer Faunengebiete mit besonderer Berücksichtigung der Insektenwclt. Mit 1 T.at'el und 2 Abb. im Text. Deutsche Südpolar-Expedition. hd. X (Zoolog. II). 11)08, pag. 323— 3(')0. Hymenoptera II: Archihymenidae. 197 Hinterbeinen (Taf. V, Fig. 6) völlig felilt. Vorderschienen etwas kürzer als die Vorderschenkel. Tarsen lang, dünn und schlank. Klauen ungezähnt. Flügel (Taf. V, Fig. 7} ziemlich breit, mit gegabeltem Radialramus; der vordere Ast (ro) endet dicht distal vom Pterostigma und t^ etwas proximal der Flügelspitze. Ferner ist auch noch r^ durch einen bräun- lichen Pigmentstrich angedeutet und r, grenzt die kleine dreieckige Zelle R-, ab (die 2. Cubitalzelle der Autoren). Nervulus (morphologisch ciu) postfurcal. Im Hinterflügel (Taf. V, Fig. 7) ist auffällig die Anwesenheit von m, ferner die Isolierung des RadiaLramus, der durch eine Falte an- gedeutete Verlauf des Basalteiles der Media sowie die Anwesenheit eines durch tiefe schmale Einbuchtung abgetrennten Anallappens. Das Q ist vielleicht flügellos. Archihynien priscus nov. spec. Taf. V, Fig. 1—8, Textfigur 1. Fundangaben: Usakos; W. Michaelsen, 22. Aprüu. 22. Juni 191 1 (3 kleine c/). A\'indhuk; W. Michaelsen, 29. Aprü bis 8. Mai 1911 (3 kleine und 2 große c/). Farm Voigtsland, ca. 38 km O. von Windhuk: W. Michaelsen, 16.— 19. Mai 1911 (6 große ^f)- Seeheim am Gr. Fischfluß; W. Michaelsen, 16. — 19. Juli 1911 (2 kleine und 2 große (/). (/. Kopf poliert schwarz. Oberkiefer und Vorderrandsaum des Clypeus ocker- bis rostgelblich. Fühler schwarzbraun bis gelbbraun, die beiden ersten Glieder zuweilen bräunlichgelb ; Pubescenz grauweißlich. Augen oval, stark abgesetzt. Palpen dunkelbraun. Hinterhaupt deutlich aber eng kantig gerandet. Ocellen groß, gelblich. Abstand der hinteren vom Augenrand ca. 1^4 Ocellendurchmesser. Scheitel jederseits mit einer an die hinteren Ocellen hinten anschließenden etwas eingedi-ückten Stelle. Thorax poliert schwarz bis schwarzbraim. Beine gelbbraim, Schenkel mit Ausnahme der Endspitzen und Coxen braunschwarz. Abdomen glatt schwarz; SpitzenhäLfte des ziemlich zugespitzten 7. Segmentes rostrot bis rostfarben. 1. Tergit in der BasalhäLfte in der Mitte ziemlich stark einge- drückt. Copiüationsorgane (Textfig. 1) rostgelb. Diese bestehen aus: 1) dem Penis (p), der aus 2 langen Chitingebilden zusammengestellt ist, zwischen denen sich ein feines Häutchen ausspannt, 2) zwei Seitenklappen, die Valvulae (v), denen sich innen jederseits eine Haltezange anschließt; diese besteht aus 3) einem oberen Haken (oh), der auf einer größeren Chitin- 198 Günther Enderlein. haut inseriert und 4) einem unteren Haken (uh), der basalwärts stilettförmig ausläuft; der Rand des unteren Hakens ist außen ganz undeutlich wellig. Die Subgenitalplatte (sg) ist das Sternit des 7. der vorhandenen Seg- mente (das Mittelsegment nicht mitgezählt). Fig. 1. Archihymen priscus n. sp., (;f. Kopulationsapparat von unten; 86:1. Es finden sich merkwürdiger Weise 2 Formen von Männchen, die ich anfangs für die beiden Geschlechter hielt, ein größeres und kräftigeres imd ein kleineres und zarter gebautes. Eine genaue Untersuchung der Kopulationsorgane zeigte jedoch, daß es sich bei dem vorliegenden Material nur um cf handelt. Möglicherweise ist nur die Körpergröße so stark variierend, da sich aber zwischen den beiden Gruppen ein wenn auch un- bedeutender Größenabstand bei den vorliegenden Stüoken zeigt, führe ich hier die Größen getrennt an : Körperlänge der kleineren cf 3 — 3,8 mm, der größeren (f 4 — 5 '/4 mm. Vorderflügellänge der kleineren rf 2,5 — 3,6 mm, der größeren (f 3,7 — 5 mm. Im Habitus erinn(^rt diese Spezies sehr an Ameisen-Männchen. Ein unausgefärbtes rf hat eine braungelbe Farbe. Typen im Museum Hamburg und Stettin. Konowiella hirticornis Andre, 1909, aus Argentinien (Mondoza), von denen ich schon früher Stücke im Berliner Museum sah, tritt ebenfalls in 2 Größen im männlichen Geschlecht auf; diese Form hat mehr den Habitus einer Blattwespe. Hymenoptera II: Archiliymenidae. 199 Figurenerklärung. Tafel V. Fig. 1 — 8. Arcliihjmen priscus n. sp., cf. Fig. ]. Ganzes Tier von oben; 10: 1. Fig. 2. MaxÜle; 105 : 1. Fig. 3. Labium; 105 : 1. Fig. 4. Linker Oberkiefer; 70: 1. Fig. 5. Fühler; 25: 1. Fig. 6. Hinterbein; 57 : 1. Fig. 7. Flügel; 25 : 1. Fig. 8. Vorderbein; 70: 1. abf = femorales Schnürstück (sog:en. zweiter Trochanter.) 14 Micha eisen, Deutsch-Siidwestafrika. X Hymenoptera III: Seiphiclae (Proctotropidae) von J. J. Kieffer (Bitsch). 14* Serphiden (Proctotrypiden) sind bisher aus Deutsch- Südwestafrika nicht bekannt. Die zur Untersuchung vorKegende Ausbeute der Hamburger doutsch-südwestafrikanischen Studienreise muß deshalb trotz ihres geringen Umfanges — sie enthält die Vertreter von nur 6 Arten — als willkommen bezeichnet werden. Über die geographischen Verhältnisse der Serpliiden- fauna unserer Kolonie läßt sich nach dieser kleinen Sammlung natürlich nicht \T.el sagen. Die Arten sind sämtlich neu, also nach unserer jetzigen Kenntnis auf das südwestafrikanische Gebiet beschränkt. Die Grattungen sind dagegen meist altbekannt und weltweit verbreitet, Epyris über Europa, Asien, Nord-, Zenti-al- und Südamerika, Australien und Afrika (Nordafrika, Kap Verde, Portugiesisch Guinea, Ervthräa, Ostafrika und Madagaskar), Holepyris über Europa, Asien, Nord-, Zentral- und Südamerika, Australien imd Afrika (Nordafrika und Ervthräa), Parasierola über Europa, Asien, Nord-, Zentral- und Südamerika, Australien und Afrika (Nordafrika und Madagaskar), Tricliopria über Europa, Asien, Nord-, Zentral- und Süd- amerika, Afrika (Algerien, Ostafrika und Madagaskar). Nur die Gattung Usahosia ist neu und mag als Charakterform unseres Gebietes gelten. Gen. Usakosia n. gen. Kopf quadratisch, etwas quer, vorn steil abfallend, ohne deuthchen Clypeus. Mandibel groß, distal stark verbreitert, schräg abgestutzt, 4 zähnig, unterer Zahn lang und spitz. Augen kahl, kreisrund, kürzer als ihr Abstand vom Hinterrand des Kopfes, Wange fehlend. Maxillarpalpus 5ghedrig, lang. Antennen 13 giiedrig, voneinander weit entfernt, an der abschüssigen Stelle der Stirne entspringend, dünn und 'feinhaarig. Thorax 2 '/a mal so lang wie hoch. Pronotum vorn abgerundet, hinten allmähHch breiter, sclmialer als der Kopf, kaum so lang wie das Mesonotum, durch 2 Quer- nähte in 3 fast gleichlange Abschnitte geteilt. Mesonotum mit 2 parallelen, vor dem Vorderrande erloschenen Parapsidenfurchen und je einer kurzen Längsfurche außerhalb der Parapsidenfurchen. Scutellum ziemhch drei- eckig, vorn mit einer Querfurche. Mediansegment nicht gerandet, hinten 204 «J- J- KlEFFER. und seitlich abgerundet, Flügel nicht bewimpert; Stigma breit, lang elliptisch, Radialis glashell, nur als erloschene Ader sichtbar, den Vorderrand nicht erreichend; ähnliche erloschene Adern bilden eine distale Medianzelle; Subcostalis dem Vorderrande genähert, Basalis wenig schräg, das Distal- ende der Subcostahs erreichend, länger als die fast senkrechte Transver- salis. Femora in der Mitte nur wenig verdickt, mittlere Tibia außen schwach bedornt, alle Tibien und Tarsen zottig beharrt, Tarsenglieder länger als dick, Kralle fast gerade, mit einem kaum sichtbaren Zahn über der Mitte, die 2 Sporen der Vordertibia gekämmt, so lang wie die Dicke der Tibia. Abdomen flach gedi-ückt, wie bei Pi^istocera. Usakos ia alhi pennis n. sp. Fundangaben: Usakos: W. Michaelsen, 22. April u. 22. Juni 1911. Karibib: W. Michaelsen, 23.— 20. Aju-il \\)\\. cf. Kopf schwarzbraun, glatt, glänzend, mit einigen zerstreuten Punkten. Mandibel gelbrot. Antenne schwarz, 1. Glied rot, stark bogig, etwas länger als das 2. und 3. zusammen, 2. kaum länger als dick, 3. etwas länger als das 4., dieses doppelt so lang wie dick, die folgenden wenigstens so lang wie das 4., 13. länger als das vorhergehende. Thorax schwarz, Pronotum rot, ausgenommen der Hinterrand, glatt und glänzend, wie das Mesonotum und das Scutellum. Mediansegment gerunzelt, mit einer den Hinterrand nicht erreichenden Mittellängsleiste, hintere abschüssige Fläche dicht quer- gestreift, Metapleure längs gestreift. Flügel weiß, Adern der Basalzellen gelb, Stigma schwarzbraun. Beine rot, (Joxae schwarz. Abdomen schwarz- braun, hintere Häh'te der Tergite und oftmals noch ihr Vorderrand röt- lich. L. 4,5 mm. Gen. Parasierola. Parasierola leuc.onenra u. sp. Fundangabe: Windhuk: W. Michaelsen, 29. April bis 8. Mai 1911. $. Scbwarz, glänzend. Mandibel mattschwurz. Kopf länglich, schwach und wenig dicht punktiert, Seitenränder parallel. Clypeus kaum wahrnc^hm- bar. Stirnleiste zwischen den Antennen bis gegen das proximale Drittel der Augen reichend. Auge kahl, um s(une ganze Länge vom Hinterrande des Kopfes entfernt. Hintere Ocelleu um ihren Durchmesser vom Hinter- rande des Kopfes entfernt, so weit voneinander als von der vorderen ab- .'^tehend. Antenne blal-igelb, nicht länger als der Kopf, 3. — 12. Glied etwas Hymenoptera III: Serphidae (Proctotropidae). 205 quer, 13. länglich. Thorax etR^as schmäler als der Kopf, glatt, auch Median- segment glatt. Flügel weiß, Prostigma und Stigma schwarzbraun, die Adern weiß, nur die Kadialis gelblich weiß. Beine rot, Femora schwarz- braun. Abdomen schwarzbraun. L. 2,5 mm. Genus Epyris Westw. 1. Kopf etwas länger als breit, Radialis 3 — 4 mal so lang wie die Basalis 1. E. Michaelsenin. si^. — Kopf etwas quer. Radialis 2 mal so lang wie die Basalis 2. E.umidhukiensis n.s'p. Epyris 3lichaelseni ii. sp. Fundangabe: Windhuk; W. Michaelsex, 29. April bis 8. Mai 1911. Q. Schwarz, glänzend. Mandibel rot, ziemlich lang, schmal, distal zu- gespitzt, ungezähnt. Kopf fast quadratisch, etT\'as länger als breit, ziemhch glatt. Auge kahl, um die halbe Länge vom Hinterrande des Kopfes ent- fernt. Ocellen wenig deutlieh. Palpen nicht bis zur Mitte des Kopfes reichend, mit 4, bezw. 2 vorstehenden Gliedern. Antenne braun, ventral heller. Scapus dick, kahl, doppelt so dick wie das Flagellum, um die Hälfte länger als dick, 2. Glied so lang wie dick, die folgenden quer, dicht gedrängt, das 13. länglich. Pronotum 1 ', ^ i^^l ■*^<5 1&Q°' ^^'i*^ das Mesonotum, nach hinten allmählich breiter, schwach und zerstreut punktiert. Mesonotum glatt, Parapsidenfurchen fein, durchlaufend, nach hinten konvergierend, laterale Abschnitte mit je einer nicht durchlaufenden Längsfurche. Scutellum glatt, die 2 Gruben punktförmig und voneinander sehr entfernt. Median- segment fast quadratisch, lederartig, matt, mit einer bis zum Petiolus reichenden Längsleiste, seitlich und hinten gerandet. Pleuren lederartig, Flügel schwach geti-übt, Stigma und Adern braun, Subcostalis der Costaiis fast anliegend, Basalis weniger schräg als die Trans versalis, in das Distal- ende der Subcostalis mündend, Radialis 3 — 4 mal so lang wie die Basalis, Postmarginalis punktförmig, StigTua klein. Beine rot, Coxae und Femora dunkler, mittlere Tibia lateral sehr kurz bedornt. Abdomen gewölbt, glatt, fast kahl. L. 3 mm. Epyris ivindhukiensis n. sp. Fundangabe: Windhuk; W. Michaelsen, 29. April bis S.Mai 1911. 206 J- •^- KlEFFER. cf Schwarz, glänzend. Kopf etwas quer, glatt. Auge kahl, um '/s seiner Länge vom Hmtorrande des Kopfes entfernt. Vordere Ocelle dem Hinterrande der Augen gegenüber liegend, die hinteren so weit voneinander entfernt wie vom Hinterrande des Kopfes. Maxillarpalpus mit 4 vorstehenden GUedern. Antenne lang, kahl, Scapus nicht dicker als das Flagellum, so lang wie das 3. Glied, 2. GHed quer, vom 3. nicht deutlich getrennt vmd daher leicht zu übersehen, das 3. um die Hälfte länger als dick, 4. — 13. wenigstens doppelt so lang wie dick. Pronotum fast quadratisch, wenig länger als das Mesonotum, beide glatt. Parapsidenfurchen sehr fein, fast parallel, voneinander weit entfernt. Scutellum glatt, die 2 Gruben sehr klein, punktförmig, voneinander sehr weit abstehend. Mediansegment quer, lederartig, mit einer durchlaufenden Mittellängsloiste, seitlich und hinten gerandet. Flügel schwach gebräunt, Subcostalis der Costaiis fast anliegend, Postmarginalis punktförmig. Radialis 2 mal so lang wie die Basalis, diese scliräger als die Transversalis, Stigma kurz und stumpf. Tarsen rot, alle Glieder länger als dick, mittlere Tibia lateral ziemlich dicht bedornt, die 2 Sporen der 4 hinteren Tibien gekämmt, Kralle schwach gebogen, mit einem kaum wahrnehmbaren Zahn distal von der Mitte. Abdomen ziem- lich stark von oben zusammengedrückt. L. 3 mm. Gen. Holepyris. Holcpyris WcKjnevi n. sp. Fundangabe: Kuibis; W. Michaelsen, 1,5. Juli 11)11. cf". Schwarz, glänzend. Mandibeln dunkelbraun. Kopf länglich, fein lederartig und feinhaarig. Clypeus gekielt. Auge elliptisch, feinhaarig, 3 mal so lang wie die Wange, fast um seine ganze Länge vom Hinter- rande des Kopfes entfernt. Hintere Ocellon den Hinterrand des Kopfes fast berührend. Antenne schwarzbraun, die 3 proximalen Glieder gelbrot, Scapus doppolt so lang wie dick, 2. Glied länglich, 3. — 13. Avenigstens so lang wie dick, kaum feinhaarig. Pronotum schmaler als der Kopf, doppelt so lang wie das Mesonotum, hinten allmählich breiter, glatt wie das unge- teilte Mesonotum. Scutellum glatt, vorn mit einer schwach bogigen Quer- furche. Mediansegment um '/g länger als breit, seitlich und hinten ge- randet, ziemlich grob quergerunzelt, hinteres Drittel quergestreift, Mittellängs- leiste bis zum Petiolus durchlaufend, außerdem noch je 2 der Mittellängs- leiste genäherte, nicht durchlaufende Längsrunzeln; hintere abschüssige Fläche lederartig. Flügel schwach getrübt, Subcostalis der Costaiis fast anliegend, Kadialis doppelt so lang wie die Basalis, diese mehr scliräg als die Trans- Hymenoptera III: Serphidae (Proctotropidae). 207 versalis, in das Distalonde der Subcostalis mündend, Postmarginalis fehlend, Stigma klein und stumpf. Beine gelbrot, Coxae und Femora scliwarzbraun, alle Tarsenoiioder länger als dick. L. 2 mm. Gen. Trichopria. Trichopria rhopalica ii. si). Fund an gäbe: Seeheim am Gr. Fischfluß; W. Michaelsen, 16. bis 19. Juli 1911. Q. Schwarz, glatt und glänzend. Schläfe und Prothorax mit grauem Haarfilz. Kopf kuglig. Antenne dunkel rotbraun, die 3 gliedrige Keule schwarz, Scapus stark keulenförmig, distale Hälfte doppelt so dick wie die proximale, 2. Glied dicker als das 3., 3. — 9. gieichdünu, allmählich ver- kürzt, das 3. wenigstens 1 '/._> mal so lang wie dick, das 9. fast kuglig, 10. — 12. mehr als doppelt so dick wie das 9., 10. und 11. so lang wie dick, 12. eirund. Scutellum gewölbt, vorn mit einer Grube. Mediansegment mit einer wenig vorstehenden Lamelle. Flügel mit dem gewöhnlichen Ge- äder. Petiolus feinhaarig, so lang wie dick, Abdomen kürzer als der übrige Körper, von oben zusammengedrückt, gestreckt eiförmig, hinten schwach zugespitzt. L. 1,3 mm. h^ Hymenoptera IV: Ichneumonidae von G. Enderlein (Stettin). Mit 6 Abbildungen im Text. Aus der Ausbeute der „Hai^burger deutschsüdwestafrikanischen Studien- reise 1911" stellte mir Herr Professor Dr. W. Michaelsen die Ichneumomden zur Bearbeitung zur Verfügung, Durch Herrn Professor Dr. Heymons erhielt ich noch das Material dieser Gruppe aus dem Berhner Zoologischen Museum. Diesen beiden Herren sage ich auch an dieser Stelle für das bereitwillige Entgegenkommen besten Dank. In der Beschreibung der Gattung Pleu- rodontoplaj' habe ich außer einer Art aus Deutsch-Südwestafrika noch je eine Art aus Transvaal und vom Kongo bei dieser Gelegenheit mit ein- gefügt. Die vorliegende Abhandlung schließt sich als : „Beiträge zur Kennt- nis außereuropäischer Ichneumoniden III" an zwei früher von mir ver- öffenthchte Arbeiten') an. Siibfam. Ichneumoninae. Tribns Joppiiii. Gen. Joppites Berth. 1894. Joppoides, BERTHOUMiEt, Gen. Ins. Ichneumoninae. 1904. pag-. 2.3. Typus: J. apicalis (Br. 184G), Süd Europa, Xordafrika. Berthoumieu, veranlaßt durch die irrtümliche Angabe von Tosquixet (Mem. Soc. Ent. Belg. 1896, pag. 35 am Schuß), daß die Klauen einfach seien, hat die Gattung Joppoides auf die folgende Spezies aufgestellt. Sie fällt mit Joppites zusammen, da die vorliegenden Stücke, die vöUig auf J. a'cmthomelas Br. passen, deutlich gekämmte Klauen besitzen. ') I. Paniscinae. Stettiner Ent. Z. 1912, pag-. 10.3 — 144. II. Ophioninae. Die Gattung Thyreodon und ihre Verwandten. Zoolog. Anz. 39, 1912, pag. 624—632. 8 Figuren. 212 ^- Endeklein. Jopptdes Qcanthortielas (Brüllt 1846). Fundangabe: D eutsch - Südwestafrika, Farm Ok o s o ngo mingo am kleinen Waterberg; Hans Thomsen, Juli — Aug. 1912 (1 c/, 3 9). Die Hintercoxen des cf sind ganz gTauschwarz, die der Q nur an der Basis. Trihiis lelineuuionini. Gen. Neotypus Forst. 1862. Neotypus 3Lichaelseni dov. spec. Fundangabe: D eutsch -Südwestafrika, Neu dämm, ca. 42 Kilometer ostnordöstlich von Windhuk; W. Michaelsfn, 10. — 15. Mai 1911 (1 9). Q. Kopf rostrot, mit sehr wenig deutlicher und sehr feiner weißlicher Puhescenz. Palpen braun. Mandibeln gelb mit braunen Spitzen. Fühler schwarz, Unterseite braun, 1. Glied unten rostgelb, 8. — 11. Glied unten und innen, 7. Glied nur unten weißlich. Kopf nur mit sehr feiner Punk- tierung. Thorax rostrot, Punktierung fein. Parapsidenfurchen fehlen. Meso- pleure nahe am Vorderrand mit ein?r senkrecht stehenden oben ver- kürzten scharfen Kante und in der hinteren oberen Ecke mit einer poliert glatten Stelle. Mittelsegment genetzt, Area basalis und centralis quer, Area petiolaris lang und konkav. Abdomen schwarz, 4. — 7. Tergit mit Aus- nahme des Vorderrandes weißlich, ebenso die Hinterrandsäume aller Sternite. 2. und 3. Tergit mit dichter Punktierung. Coxen schwarz. Beine schwarz. Vorder- und Mittelschienen außen gelblich weiß, ebenso die Endhälite der Vorderseite des Vorderschenkels. Alle Schienenendsporen weißlich. Flügel hyalin, Adern und Pterostigma dunkelbraun, Nervulus interstitial. Areola 5-eckig. Discocubitalader mit unscharfer Ecke. Körperlänge 8 mm, Vorderflügellängo 5,6 mm, Fühlerlänge 4 mm, Länge des Hinterleibstieles 1,6 mm. Type im Hamburger Zoologischen Museum. Gewidmet wurde diese Spezies dem Sammler. Hynienoptera IV: Ichneiimonidae. 213 Subfam. Cryptinae. Tribus Cryptini. Gen. Osprynchotus Spin. 1841. Ospryiichotus flavipes Brüllt 1846. Fundangabe: D putsch-Südwostafrika; Lübbert (1 §). Gesicht und Cljpeus rostbraun, Vordertarsus dunkel rostbraun. Vorder- schenkel und -Schiene rostfarben. Osijrt/iicJiotus capensis Spiu. 1841. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika, Bezirk Waterberg, zAvischen k a n d j a c h e u n d k a n j a n t e ; H. Thomsen, August 1913 (cf)- Gesicht und Cljpeus hellgelb, Vordertarsus ohne das letzte Glied hellgelb. Subfam. Cryptinae. Tribus Cryptini. Gen. Gambrus Forst. 1868. Gcitnbrus antefurcallx uov. spec. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika, Farm Oko s ongomingo am Kleinen Waterberg, H. Thomsen, Juli-Aug. 1912 (1 Q). $. Kopf matt schwarz. Untergesicht fein punktiert. Stii-n an den Seiten poliert glatt, vorn etwas eingedrückt, und vorn in der Mitte mit einer kurzen medianen Längsleiste. Umgebung des Stemmaticum mit feinen Runzeln. Clypeus scharf abgesetzt, gewölbt. Fühler dunkelbraun, 1. Glied schwarz, 6. am Ende und 7. — 12. Glied oben weiß, 3. Glied dicht an der Basis rostrot. Thorax rötlich rostfarben, schwarz ist: der Prothorax, die Unterseite, die untere Hälfte der Mesopleure, die Metapleure mit Ausnahme des oberen Endes, die Seiten des Mittelsegmentes : fein punktiert. Parapsiden- furchen scharf. Mittelsegment hinter dem Vorderrand mit Querkiel, da- hinter mit dichten Längsrunzeln, hinten und an den Seiten unregelmäßig gerunzelt; Luftlöcher kurz und eiförmig: an der Seite hinter der Mitte jederseits mit 1 ziemlich scharfen Zahn. Pleuren dicht längsgerunzelt. 214 G. Enderleix. Mesopleure hinten oben mit einem poliert glatten Wulst. Abdomen schwarz, 7 und 8. Tergit weiß; microskopisch fein und dicht punktiert, 1. Tergit poliert glatt; Sternit am Hinterrand fein hell gesäumt. Legerohr dunkel rostrot. Coxen schwarz. Vorderbeine gelbbraun. Mittelbeine braun. Hinter- beine schwarz. Klauen ungezähnt. Flügel hyalin, Spitzendrittel des V.fl. mit sehr blassem bräunlichen Hauch. Adern schwarzbraun. Areola groß, fünfseitig, Seiten parallel, hinterer Winkel sehr stumpf. Nervulus ziemhch weit antefurcal. Discocu- bitalader distal der Mitte flach gebogen, ohne Ramellus. Nervellus unten (am Ende des ersten Viertels) gebrochen. Körperlänge 8 '/i mm, Vorderflügellänge 7 mm, Fühlerlänge 7 '/2 mm, Länge des 1. Abdominalsegmentes 1,6 mm, Länge des Legerohres 5 mm. Type im Zoologischen Museum in Hamburg. Gen. Cryptus F. 1804. Cryptus TJwtHseni nov. spec. Fundangabe: Deutsch Südwest-Afrika, Farm Okosongomingo am Kleinen Waterb erg; Hans Thomsen, Juli bis August 1912 (1 $)• Q. Kopf rostrot, Untergesicht und Stirn mit feinen Querrunzeln. Fühler rostbraun; 1. Glied ziemlich dick, rostgelb; 6. — 9. Glied innen blaß gelblich. Thorax rostrot, dicht und fein punktiert. Parapsidenfurchen ziemlich scharf, mit durchgehenden Querrunzeln. An der oberen Hinterecke sind die Mesopleuren nur sehr wenig glatt. Mittelsegment sehr feinmaschig genetzt, hinter der Mitte ein scharfer, nach hinten offener stark gebogener Querkiel, der jederseits in einen ziemlich scharfen Zahn ausläuft. Abdomen rostbraun, matt. 7. Tergit oben in der Mitte schmutzig gelblich, Sternit des 3. Segmentes hinten in der Mitte schmutzig gelblich gesäumt. Lege- scheide rostbraun. Penis mit den Coxen rostfarben. Hinterbeine rostrot. Flügel hyalin, Adern und Pterostigma braun. Ramellus deutlich. Nervulus interstitial. Körperlänge 9V4 oam Vorderflügellänge 7 mm Hymenoptera IV: Ichneumonidae. 215 Länge des Abdominalstieles 2,1 mm Länge des Legerohres 4V2 mm. Gewidmet wurde diese Spezies dem Sammler. Type im Hamburger Zoologischen Museum. Tribns 3Iesosteiiini. Gen. Scenopathus, nov. gen. Typus ; »S*. ferrugineus nov. spec. Deutsch-Südwestafrika. Unterscheidet sich von Cratocryptoides Schmiedekn. 1 908 [C maculiceps (Cam. 1905) aus Borneo] durch den ziemlich weit antefurcalen Nervulus. Grube vor dem Scutellum mit 4 kleineren Längsleistchen. Areola winzig klein, quadratisch, dessen Außennerv etwas verblaßt. Scenopathus fer^'uglneus dot. spec. Fundangabe: D euts ch - Sü dwestafrika, Farm Oko s ngo mingo am Kleinen Waterb erg; Hans Thomsen, Juli — Aug. 1912 (1 2). 9 Kopf rostrot, matt. Oberkiefer rostrot mit schwarzen Spitzen. Fühler schwarz, die beiden ersten Glieder rostrot; das 8. an der Spitze, das 9., 10. und 11. auf der Oberseite weißlich. Thorax rostrot, fein gerunzelt, Rückenschild fein quergerunzelt. Parapsidenfurchen scharf. Am Hinteri-and der Mesopleure oben eine poliert glatte Beule. Scutellum nur ganz vorn mit Seitenleisten ; die Fortsätze dieser Leisten seitlich der anteclypealen Grube schwefelgelb. Mittelsegment mit dichter, kräftiger und feinmaschiger Xetzrunzelung; hinten fast eben; an den Seiten hinter der Mitte mit je einem undeutlichen zahnartigen Höcker. Abdomen rosti-ot ; 7. Tergit mit Ausnahme der Seiten weißlich; 1. Segment oben mit jederseits einer feinen Längsfurche, außerhalb der- selben kräftige und ziemlich dichte Punktierung, zwischen ihnen nur liinten mit einzelnen hinten rissig ausgezogenen Punkten. 2. und 3. Tergit dicht punktiert. Seiten des Yorderrandes des 4. Tergits unpunktiert und glatt. 5. und die übrigen Tergite matt. Seiten des 7. und 8. Tergites schwarz. Unter dem 7. Tergit schiebt sich nach hinten eine blasse poliert glatte fast halbkreisförmige Platte hervor. Beine mit den Coxen rostrot. Schienen gelblichweiß, oben und unten mit rotbraunem Längsstreif, Hinterschienen schwarz, Basalsechstel gelblichweiß. Sclüenenendsporne rostgelb. Legerohr schwarz, Klauen ungezähnt. 15 Slichaelsen, Deutsch-Süd westafrika. 216 G. EXD ERLEIN. Flügel hjalin, Adern des Vorderflügels und Pterostigma schwarz, mitderes an der proximalen Basis mit gelblichem Punkt. Nervulus ante- furcal. Disco cubitalader in der Mitte flach gebogen. Areola sein: klein, quadratisch oder wenig breiter als hoch. Körperlänge 11 Vi mm, Vorderflügellänge 8 mm, Fühlerlänge ca. T'/^ mm (Spitze abgebrochen!) Länge des 1. Abdominalgliedes 2,2 mm, Länge des Legerohres 572 mm. Type im Zoologischen Museum in Hamburg. Subfam. Mesochorinae. Tribu8 31esoclioriiii. Gen. Mesochorus Grav. 1829. 3£esochorus herero bot. spec. Fundangabe: Deutsch -Südwestafrika, Oka band ja; W. Michaelsen, 25. Mai — 3. Juli 1911 (1 (/)• (f Kopf hell rostgelb, Augen auf allen Seiten ausgenommen an den Schläfen mit schwefelgelbem Saum. Oberkieferspitzen rostbraun. Fühler und Palpen liellrostgelb. Untergesicht mit sehr feiner Punktierung, in der Mitte fast etwas kantig, oben unter den Fühlern eine Spur eckig. Thorax rostfarben mit wenig dichter sehr feiner Punktierung und etwas gelber Pubescenz : Parapsidenfurchen nur etwas angedeutet. Tegulae und ein Fleck darunter schwefelgelb. Metonotum vollständig gefeldert, Area petiolaris breit, Area centralis schmal und schlank, Area basalis kurz und nicht von der Area centralis getrennt. Abdomen dunkelbraun, poliert, unpunktiert, Mittelstreifen des 3. Tergites rostgelbHch, Unterseite größten- teils gelb. Beine mit den Coxen liellrostgelb. Die grifl"elförmigen Fortsätze an der Abdominalspitze (xf) rostgelb und 0,G mm lang. Längerer Hinter- tibiensporn fast halb so lang wie der Metatarsus. Flügel hyalin, Adern braungelb, Pterostigma blaß ockergelb. Die große rhombische Areola ist vorn kurz gestielt. Nervulus interstitial. Basal- nerv gebogen. Discocubitalader gleichmäßig gebogen. Körperlänge 5 mm, Vorderflügellänge 5 mm, Fühlerlänge ca. 6 mm. Type im Hamburger Zoologischen Museum. Hymenoptera lY: Ichneumonidae. 217 Subfam. Ophioninae. Tribus: Opliionini. Divisio: Gravenhorstiaria. ExDERLEix, Zool. Anz. 39. 1912, fig. 624. Gen. Hypselogastrina, nov. gen. Typus : H. salüna nov. spec, Deutsch-Südwestafrika. Diese Gattung steht nahe der Gravenhorstiarienen-Gattimg Hyhopleiirax ExDERL. 1912 und besitzt auch den für diese charakteristischen Metapleu- ralhöcker, der hier kräftig zahnartig ziemlich spitz und an der Spitze ab- gerundet ist. Von dieser Gattung unterscheidet sie sich durch Folgendes: Scutellum nur mit äußerst feiner dichter Punktierung, Clypeus vorn gerade abgestutzt, der Hinterleib ist sehr hoch (in der Mitte 8 mm hoch), und das 2. Segment ist hinten fast l'/o mal so hoch wie lang. Das 1. Sternit endet unter den Luftlöchern des 2. Tergites, das 2. Sternit am Ende des 2. Tergites. Bei Hybopleuraa- ist das Scutellum mit groben tiefen Punkten besetzt, der Clypeus in der Mitte in eine spitze Ecke ausgezogen und das 2. Segment ist doppelt so lang wie am Ende breit. In der Erscheinung ist diese Form einer großen afrikanischen Salius sehr ähnlich. Auch Thyreodon Brülle 1846 und die anderen verwandten Gattungen haben viel Ähnlichkeit in der Erscheinung mit großen Pom- piliden. Sollten sie vielleicht bei diesen Pompüiden schmarotzen? HypselofjastriiKi saliina nov. spec. Fundangabe: D eutsch - Süd westafrika , iS^amutoni am Ostende der Et scha-Pfanne; Seewald, 20. März 1909 (1 Q). Q Kopf dunkel rostbraun, Stirn und Stemmaticum schwarz, Ocellen schwarz; Punktierung dicht und fein, auf dem Clypeus imd besonders den Mandibeln kräftiger und gröber. Palpen schwarz. Antennen nicht ganz so lang wie die Vorderflügel, schwarz, unten etwas gebräunt, allmählich zugespitzt. Thorax schwarz mit rotbraunem Anflug auf den Pleuren, dem Rücken- schild und Scutellum. ßückenschild mit 3 etwas erhabenen Längslinien, und hier und da mit kleinen Büscheln kurzer schwarzer Pubescenz. Scutellum mit dichter schwarzer kurzer Pubescenz, Skulptur ist nicht durch dieselbe er- kennbar. Mesopleure fein punktiert, in der Mitte mit einer großen poliert glatten unpunktierten Stelle, Hinterrand mit dichten kurzen Querleistchen. 15* 218 G. Endeulein. Metapleuraldorn hoch und ziemlich spitz. Abdomen poHert glatt schwarz mit blauem bis blaugrünem auf der Unterseite bis violettem Glanz. Beine schwarz, Schenkel und Schienen mit braunrötlichem Ton. Klauen dicht- gekämmt. Flügel dunkelbraun mit rötlich violettem starken Glanz. Adern schwarz. Nervulus interstitial. Nervulus in der Mitte gebrochen. Discocubitalader etwa am Ende dos 2. Drittels umgebogen, die 2 ersten Drittel gerade. Körperlänge 30 mm, Vorderflügellänge 27'V4 mm, Fühlerlänge 22 mm, Abdominallänge 1 7 mm. Größte Abdominalhöhe 8 mm, Länge des ersten Tergites ca, 6 Vi mm, Länge der Hinterschiene 11 mm. Type im Berliner Zoologischen Museum. Divisio: Ophionaria. Gen. Henicospilus Steph. 1835. Typus: H. merdarius (Gkav. 1829), Europa. Vergl. unter Ampsospilusl In dem haarlosen Feld der Discocubitalzelle ist der mittlere, im Innern des unbehaarten Feldes liegende Hornfleck (zentraler Horn- fleck) immer vorhanden. Der basalwärts am Rand des haarlosen Feldes hegende Hornfleck (proximaler Hornfleck) ist meist gi-oß und immer vorhanden, wenn auch zuweih^n nur winzig punktförmig entwickelt, und hat häufig eine sichelmondförmige Gestalt; der spitzenwärts am Rande des haarlosen Feldes liegende Hornfleck (distaler Hornfleck) ist meist nur streifenförmig entwickelt und häufig nur undeutlich. Henicospilus sinicarlnatHs nov. spec. Textfig. 1 und 2. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika, WIndhuk: Techow de/). cf. Kopf mit Stemmaticum rostgelb, Fühler mäßig dick, rostfarben, an der Spitze stark zugespitzt. Schläfen am Augenrand etwas aufgehellt. Thorax hell rostgelb, Mesonotum in der Medianlinie in der vord(>ren Hälfte mit einem dunkel rostfarbenem Längsstreif. Scutellum (^twas jieller gelb- lich. Mesopleure dicht punktiert, unt(m etwas rauh, oben ziemlich glatt. Hymenoptera IV: Iclmeumonidae. 219 Mittelsegment (Fig. 1) mit kräftigem Querkiel am Ende des vorderen Viertels, das mittlere Drittel bildet aber eine kräftige Ecke nach vorn, die in eine winzig quadratische und abgerundete von scharfem Kiel umgebene Area basahs ausläuft; vor diesem Kiel sehr fein punktiert, dahinter vorn im mittleren Drittel mit feinen Längsleistchen, die in der hinteren Hälfte in schräg nach außen laufende Leistchen übergehen; mehr als die vordere Hälfte der Seiten poliert glatt. Abdomen heUrostgelb, Beine heUrostgelb. Ventralseite des 3. bis letzten Segmentes etwas gebräunt. Fig. 1. Henicospilus sini- carinatus Ekdekl. (^. Sculptur d. Mittelsegmentes. Vergr. 16:1. Fig. 2. Henicospilus sinicarinatus Exderl. q^. Hornflecken der Discociibitalzelle. Vergr. 25 : 1. r = Basalabschnitt des Radius, de = Discocubitalader. Flügel hyalin, Adern braun. Costa und Pterostigma hell ockergelb. Nervulus etwas antefurcal. Basalabschnitt des Radius ein wenig gewellt, dick, am Ende etwas verjüngt. In der Discocubitalzelle (Fig. 2) sind 2 Hornflecken vorhanden, der proximale tropfenförmig und der zentrale breit sichelmondförmig. Körperlänge ca. 16 mm, Vorderflügellänge 11 '/a t^^^, Länge des Hinterleib Stieles 2,7 mm, Fühlerlänge ca. 16 mm. Type im Berliner Zoologischen Museum. Henicospiliw Techoivl nov. spec. Textlig. 3. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika, Windhuk; Techow (1 d"). (f. Kopf und Stemmaticum hell knochenfarben, Fühler rostfarben, ziemlich dünn, fadenförmig. Schläfen nicht heller. Thorax heU matt knochenfarben; Rückenschild mit 3 glatten etwas mehr rostgelben Längs- streifen, die seitlichen vorn, die mittlere hinten verkürzt. Mesopleure ziem- 220 G. Endeklein. lieh glatt, unten mit sehr feiner und sehr dicliter Querritzung. Mittel- segment mit geradem, nur in der Mitte undeutlich wolligem, kräftigen Quer- kiel, Feld davor matt, ziemlich dicht pubesciert, Feld dahinter in der Mitte der vorderen Hälfte mit 3 kräftigen Längsleisten, in der hinteren Hälfte mit einer Anzahl kräftiger Leisten, die strahlenförmig nach hinten und nach den Seiten von den Enden der Längs- kiele ausgehen; die vordersten also quer. Fi£ 3. Henicospilus Techowi Enderl. ^f". Hornflecke der Discocnbitalzelle. Vergr. 25 : 1. r = Basalabschnitt des Radius, de = Discocubitalader. Flügel hyalin. Adern gelbbraun, Costa und Pterostigma hellrostgelb. Nervulus etwas antefurcal. Basalab- schnitt des Radius fast gerade, an der Spitze wenig dünner. In der Disco- cubitalzelle ist der proximale Hornfleck groß, rundlich, außen wenig aus- gezogen; der zentrale Hornfleck sichelmondförmig; der distale Hornfleck felilt vöUig. Körperlänge ca. IG mm, VorderflügeUänge 11 '/a mm, Länge des Hinterleibstieles 3,2 mm, Fühlerlänge ca. 16 mm. Type im Berliner Zoologischen Museum. Henicospilns IHnteri nov. spec. Textflg. 4. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika ; Dinter (1 Q). 9. Kopf mit Stemmaticum schwefelgelb, glatt, Fühler lebhaft rost- gelb, fast ziegelrot, dicker. Thorax gelb, Mittelsegment etwas melir rost- gelb. Mcsopleure unten äußerst fein quergeritzt. Mittelsegment vorn mit scharfem Querkiel, der vorn in der Mitte nur ein wenig eingedrückt ist. Feld davor etwas glatt ; Feld dahinter mit ziemlich dichten feinen unregel- mäßigen Querrunzeln, in d(>r Mitte vorn mit einer Anzahl ähnlicher Längs- nmzeln. Abdomen sehr hell rostgelblich, Hinterrand des 4. Tergites etwas gebräunt. Beine hellrostgelb. Flügel hyalin, Adern gelbbraun. Pterostigma, Costa und Subcosta hoflockergelb. Nervulus ant(>furcal. Basalabschnitt des Radius schwach Hymenoptera IV: Ichneumonidae. 221 gewellt. Discocubitalzelle mit 2 Horn- fleeken (Fig. 4), der proximale drei- eckig und nach außen spitz ausge- zogen, der zentrale (im Innern des unbehaarten Feldes) mondsichelförmig und unten nach innen zu spitz ausge- zogen; der distale fehlt. Körperlänge 19 V4 mm, Vorderflügellänge 14 mm, Länge des Hinterleibstieles 4,6 mm. Type im Berhner Zoologischen Museimi. Fig. 4. Henicospilus Dinteri Esderl. (^. Hornflecken in der Discocubitalzelle. Verg. 25 : 1. r = Basalabschnitt des Radius, de = Discocubitalader. Henicospilus LilbheHl nov. spec. Textfig. 5. Fundangabe: Deutsch Südwestafrika: Lübbert, '1901 (1 9). .9 Kopf rostfarben. Stemmaticum schwarz. Schläfen am Augenrand schmal, gelb gesäumt. Fühler lang, dünn, fadenförmig, dunkelrostfarben, Spitzenhälfte rostbraun. Thorax hell rostfarben. Mesopleure fein punktiert, oben etwas geglättet. Mittelsegment etwas vor dem Ende des ersten Drittels mit einem scharfen, völlig geraden Querkiel : der Raum davor glatt, der dahinter sehr dicht unregelmäßig und sehr kleinmaschig netzgerunzelt, vorn in der Mitte mit kräftigeren Längs- runzeln, au den Seiten schwächer als hinten gerunzelt. Abdomen hell rost- farben, die Unterseite des 3. bis letzten Segmentes schwäclilich. Beine hell rostfarben Flügel hvalin. Adern braun. Ptero- stigma rostgelb. Xervulus ein wenig antefurcal. Basalabschnitt des Radius gerade, Basalhälfte etwas verdickt. Discocubitalzelle mit 3 Hornflecken, der proximale dreieckig tropfenförmig, der distale linienförmig und der zentrale in Form eines winzigen Punktes. Körperlänge 14 '/^ mm, Vorderflügellänge 1 1 mm, Länge des Hinterleibstieles 2'/2 ^im''- Type im Berliner Zoologischen Museum. Fig. 5. Henicospilus Lübberti Esderl. Q. . Hornflecke der Discocubitalzelle. Vergr. 25 : 1. r = Basalabsclniitt des Radius. de = Discocubitalader. 222 ^- Enderlein. Gen. Amesospilus, nov. gen. Typus : A. unicallosus (Vollenh. 1878), Europa (Frankreich). Diejenigen IJetncospilus-Arten, die im Zentrum des haarlosen Feldes in der Discocubitalzelle keine Spur eines Hornfleckes besitzen, trenne ich als Atnesospilus ab. Hier ist ein Gegensatz immer deutlich erkennbar; während bei dem Vorhandensein oder Fehlen des äußeren (distalen) Fleckes am Rand des unbehaarten Feldes alle Übergänge vorhanden sind. So ist es bei H. merdarius (Gkav.) nicht mit Sicherheit zu sagen, ob er vorhanden ist oder fehlt. Kriechbaumer läßt die Formen mit nur 1 Hornfleck für die Gattung Henicospilus Steph. 1835; dies ist aber nicht richtig, weü der Typus der Gattung IL merdarius (Gray. 1829) [Europa] ist. Dieser hat aber den zentralen Hornfleck neben dem proximalen. Dispilus Krieche. 1901 |ich lege als Typus H. merdarius (Gray.) fest] fällt also völlig mit Henicospilus zusammen. Trispilus Krieche. 1901 ist, wie schon erwähnt, nicht scharf von Henicospilus getrennt, und wäre nur als Gruppe verwendbar, ist aber besser ganz fallen zu lassen. Zu Amesospilus gehören die folgenden bisher zu Henicospilus ge- stellten Arten : A. m.ono Stigma (Voixenh. 1879) Zentral-Europa, A.variegatus (Szepl. 1905) aus Turkestan, A. Ahngeri (Kokuj 1907) aus Transkaspien, A. Semenovi (Kok. 1907) aus Transkaspien, A. repentinus (Holmgr. 1858) aus Nord- und Mittel-Europa. Amesospilus herero dov. spec. Textfig. 6. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika, Okahandja; Dr. G. Fock (1 Q). Deutsch-Südwestafrika, Windhuk; Techow (1 5 ; größeres Ex.). Q. Kopf rostfarben, Scheitel und Stemmaticum, Seitensäume der Stirn, Seitendrittel des Untergesichtes und breite Augensäume auf den Schläfen schwefelgelb. Fühler dunkel rostfarben, dünn. Thorax dunkel rostfarben. Scutellum eine Spur heller. Mesopleure mit gleichmäßiger feiner Punktierung, die sich in der Mitte hinten etwas zu feinen Querreihen an- ordnet. Mittelsegment am Ende des ersten Viertels mit scharfem ganz geradem Querkiel, davor mit sehr feiner Punktierung, dahinter dicht ver- worren gerunzelt. Abdomen dunkel rostfarben, ventrale Seiton des 4. — 7. Segmentes schwarz oder braun. Beine dunkel rostfarben. o.,;> Hymenoptera IV: Ichneuraonidae. 223 Flügel getrübt hyalin. Alle Adern dunkel rostfarben. Pterostigma rostgelb. Nervulus eine Spur antefurcal. V3 ^^^ f^^t geraden Basalab- schnittes vom Radius verdickt, Enddrittel dünn. Discocubitalzelle mit 2 Horn- flecken (Fig. 6), der innere drei- r-^j;^- --^ eckig, der äußere am Außenrand des unbehaarten Feldes, schlank, dünn und grade. Körperlänge ca. 15 — 19 mm, Vorderflügellänge 1 1 V2 — l^V'i mm, de T .. j TT* i 1 'u o Qi/ ^,„, Fig;. 6. Amesospilus herero, Enderl. Q. Lange des Hinterleibes o — 0V4 mm. " . . - ^_ Hornflecken der Di.scociibitalzelle. Vergr. 25: 1. Typen m den Zoologischen Mu- ^, , , , . ^ „ ^. ° r = tJasalabschnitt des Kadius. Seen von Hamburg und Berlin. ^^ _ Discocubitalader. Tribns: Caiiipoplegini. Gen. Zachresta Forst. 1868. Zachresta ochreiventHs uov. spec. Fundangaben: Deutsch-Südwestafrika, Windhuk; Techow (1 c/)- Deuts ch-Südwesta fr ika, Swakopmund; K. Klein, Mai — Juli 1911 (1 Q). (fQ-. Kopf schwarz, matt, feinkörnig punktiert. Oberkiefer, Palpen und 1. Fühlerglied gelblichweiß, beim Q ist nur die Unterseite des 1. und 2. Fühlergliedes gelblichweiß, Fühler schwarz, unten etwas röthch, besonders gegen die Spitze zu, beim cf ganz rötlich. Untergesicht etwas convex. Untergesicht, Schläfen und Seiten der Stirn mit kurzer silberweißer Pubescenz. Thorax schwarz, punktiert. Parapsidenfurchen fehlen. Mesopleuren oben quergeritzt, in der Mitte poliert glatt. Mittelsegment gefeldert; Area basahs sehr klein, rechteckig, beim Q lang, beim (f quer; Area petiolaris groß, dicht mit feinen Querleisten angefüllt und von der 6eckigen Area centralis nicht deutlich abgetrennt. Abdomen matt, ockergelb, 1. Segment, 2. Tergit und der Vorderrand des 3. Tergites schwarz, Mitte des 5. und 6. Tergites etwas gebräunt. Coxen ockergelb, Mittelcoxen beim rf hinten an der Basis schwarz, Hintercoxen schwarz mit gelblichem Endrand. Beine ockergelblich, Hinterbeine des Q gebräunt. Legerolir dunkelbraun mit feiner Pubescenz. Flügel hyalin, Adern dunkelbraun, die des Hinterflügels braungelb. Areola wenig gestielt oder fast ungestielt (Q), verschoben rhombisch. 224 Gt. Endeklein. Nervulus intorstitial. Nervus parallclus in der Mitte der Brachialzelle. Nervellus ungebrochen. Körperlänge cf 7^^ mm, $ T'/s naui, Vorderllügellänge cf 4,4 mm, Q 4,7 mm, Länge des Hinterleibstieles c/ 1,7 mm, Q P/i mm, Länge des Legerohres 472 mm, Länge des Fühlers 5 mm. Typen im Berliner (c/) und Hamburger (Q) Zoologischen Museum. Zachresta africana nov. spec. Fundangabe: Deutsch Südwest-Afrika, Farm Ok s ongomingo am Kleinen Waterberg; Hans Thomsen, Juli — August 1912 (1 Q ) . Q Körper ganz matt schwarz. 1 Fühlerglied rostbraun. Palpen und Oberkiefer ockergelblich. Fülder und Legerohr schwarz. Coxen schwarz. A^orderbeine rostgelb, Mittelbeine rostbraun, Hinterbeine matt, schwarz- braun mit rostgelben Gelenken. Area basalis sehr kurz, Area centralis auch, mit Querleistchen angefüllt. Flügel schwach gebräunt mit dunkel- braunen Adern. Sonst wie Z. ochreiventris. Körperlängo 7 '/2 mm, Vorderflügellänge 5 mm, Fühlerlänge 5 V2 mm, Länge des Legerohres 4,3 mm, Länge des Abdominalstieles 1,7 mm. Type im Hamburger Zoologischen Museum. Zachresta pedunculata nov. spec. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika, Farm Ok s ongomingo am Kleinen Waterb erg; Hans Thomsen, Juli — August 1912 (1 Q.). Q. Ahnelt der Z. ochreiventris und unterscheidet sich durch folgendes: Fühler ganz schwarz. Area petiolaris von der kleinen Area centralis geti-ennt; Area basalis vorn breiter als hinten. Abdomen oben schwarz, Hinterrand und Seiten des 2. und 3. Tergites, sowie die Seiten der folgenden Tergito rostgelb, Unterseite hellgelb. Legerohr kurz, rost- golb. Coxen schwarz, Beine rostgelb, von den Hinterbeinen ist der 1. Trochanter, die Basis und Spitze der Schenkel, das Basalviortel und die Endhälfte der Schiene und die Tarsen schwarzbraun. AUo Schienensporne Hymenoptera IV: Iclmeumoiiidae. 225 hell gelblich. Flügel hyalin. Areola deutlich gestielt. Adern braungelb, Costa und Pterostigma rostgelb, Nervulus postfm-cal. Körperlänge 5 mm, Vorderflügellänge 4 mm, Länge des Legerohres 1 mm. Type im Hamburger Zoologischen Museum. Tribus Cremastiiil. Gen. Cremastus Grav. 1829. Cremast HS satmio nov. spec. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika, Windhuk; Techow (1 cf). (f. Kopf und Mandibeln knochenfarbig. Mandibelspitzen braun. Stemmaticum und die beiden Gruben hinter der Füblerbasis schwarz. Hinter- haupt nahe am Halse schwarz. Fühler dunkelbraun, jedes Glied am Ende gelblich gesäumt. Ein Mittelstreif des Untergesichts erhaben. Clypeus scharf geschieden. Thorax gelb knochenfarbig. Schwarz ist ein Medianstreifen auf dem Rückenschild seitlich bis fast an die scharfen Parapsidenfurchen ; die Seiten- linie des Rückenschildes ; das Mesonotum seitlich vom Scutellum bis zur Flttgelwurzel, mit Ausnahme eines feinen Hinterrandsaumos ; das Metanotum mit Ausnahme eines feinen Hinterrandsaumes, ein schmales Band auf der Mesopleure von der Basis der Hintercoxe bis zur Flügelwurzel; ein Saum um die untere Hälfte der Metapleure ; der Vorderrand des Mesosternum ; ein Medianstreifen des Mittelsegmentes und dessen Vorderrandsaum ohne die Seiten feinpimktiert, der schwarze Meso-Pleuralstreif glatt und ein- gedrückt. Mittelsegment mit langer Area petiolaris, die mit Querleisten angefüllt ist. Abdominalstiel schwaz. Tergite schwarzbraun, Hinterrand des 2., Hinterhälften des 3. — 5. und Hinterdrittel des 6. Tergits hell gelblich knochenfarben, ebenso die Unterseite des 2. bis letzten Segments sowie der Copulationsapparat. 1. und 2. Tergit mit Spuren sehr feiner Längs- ritzung. Beine hell gelbhch knochenfarben; längs der oberen Hälfte der Innenseite der Hinterschenkel und Hinterschienen ein brauner Längsstreif: Endviertel der Hinterschiene braun. Hintertarsen braun, Basalhälfte des 1. Gliedes und die äußerste Basis der übrigen Glieder hell gelbhch. Klauen klein, ungezähnt. Flügel hyalin, Adern und Pterostigma gelbbraun. Nervulus inter- stitial. Rücklaufende etwas distal von der Cubitalquerader. 226 Cr. Enderlein. Körporlänge 8 '/2 imci, Vorderflügellänge 4,4 mm, Fühlerlänge 4^4 i^m. Abdominallänge 5 '/a i^^^a, Länge des 1 Abdominalsegmentes 1,6 mm. Type im Berliner Zoologischen Museum. Creniastus favitJiot'ax iiov. spec. Fundangabe: D eutsch-Südwestafrika, Windhuk; Techow (1 cf). (f. Kopf hell rostgelb. Stemmaticum dunkelbraun. Fühler braun, die beiden Basalglieder rostfarben. Oberkieferspitzen rostbraun. Mittel- streif des Untergesichtes erhaben. Thorax hell rostgelb. Die winzige schmal dreieckige Area basalis und die Area centralis des Mittelsegmentes braun. Scutellum etwas heller. Abdomen hell rostgelb, 1. Segment und 2. Tergit schwarzbraun, 6. und 7. Tergit in der Mitte gebräunt. Mesopleure in der Mitte sehr fein quer- geritzt. 1. und 2. Tergit dicht und sehr fein langgerioft. Beine hell rost- gelb, Hintertarsen braun. Flügel hyalin, Adern und Stigma gelbbraun. Nervulus interstitial oder fast interstitial. Rücklaufende Ader sehr wenig distal von der Cubi- talquerader. Körperlänge 7 ^/^ mm, Vorderflügellänge A'^^/i mm, Fühlerlänge 6 mm, Abdominallänge 4,8 mm, Länge des 1. Abdominalsegments 1,4 mm. Type im Berliner Zoologischen Museum. Siibfam. Pimplinae. Tribus Xoridiiii. Gen. Gonioprymnus Cam. 1906. Typus: 9 H V2 oim, Vorderflügellänge (f 9 — 11 '/2 Tnm, Q 11 — 11 '/o mm, Fühlerlänge cf 8 '/i — 11 mm, Q 9 mm, Länge des 1. Abdominalsegmentes cf 1,2 — 2 mm, Q 2 mm, Länge des Legerohres 7 — 7 '/a mm. Typen im Zoologischen Museum von Hamburg und Stettin. Pleurodontoplax pulchra uov. spec. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika, Farm Okos ongo mingo am Kleinen Waterberg, Hans Thomsen, Juli bis August 1912 (2 d). 230, • ^- Enükrlein. rf. Diese Art unterscheidet sich von F. congoensis durch Folgendes: Fülller schwarz, 1. und 2. Glied auf der Unterseite ockergelb; Hinter- schiene mit Ausnahme des Basalviertels schwarz; 1. und 2. Hintertarsen- glied braun. Das eine Exemplar zeigt auf den Seiten des Hinterrandsaumes des 2. — 5. Tergites je ein kurzes schwarzbraunes Saumstrichel. Im Vorderflügel ist die Mittelbinde nur am Vorderrand durch einen rundlichen dunkelbraunen Fleck angedeutet, der bis zur Mitte der Dis- co cubitalz eile nach hinten reicht. Die Binde am Ende des 3. Viertels ist im 2. Viertel von vorn aus unterbrochen, so daß vorn nur ein rundlicher Randfleck sich bis zur Mitte der Radialzelle nach hinten erstreckt und die Binde erst wieder an der Discocubitalader beginnt. Der Randsaum ist hinten mit dieser Binde verbunden, vorn jedoch nicht und hier ist nur die Costa schwarzbraun. Hinterflügel wie beim (f von P. congoensis. Körperlänge 11 — 1 1 '/s mm, Vorderflügellänge 10 '/i — 1^ Va ßim, Fühlerlänge 9 ^i mm, Länge des 1 Abdominalsegmentes 1 '/^ mm. Typen in den Zoologischen Museen in Hamburg und Stettin. Pleurodontoplax nigrlventvis nov. spec. Fundangabe: Transvaal, Z out paus borg (2 Q). Q. Kopf dunkclrotbraun, Clypeus und Oberkiefer gelbbraim. Ober- kieferspitzen schwarz. Pal})en rostgelb. Fühler schwarz, ziemlich dick. Thorax tiefschwarz. Scutellum punktiert, ebenso die Seiten des ge- wölbten Mittelsegmentes. Abdomen und Legerohr schwarz. Beine mit den ('Oxen schwarz, A^orderbeine rostfarben, Vordercoxen rostbraun, Schienen und Tarsen der Mittelbeinc rostfarben. Alle Schienenendsporne rostgelb. Flügel ockergelb, Adern und Pterostigma hell rostgelb. Spitzen- drittel der Vorderflügel dunkelbraun, die Grenze läuft von der distalen Spitze des Pterostigmas ausgehend geradlinig. Nicht ganz das Spitzendrittel der Hinterflügel l)raun. Körperlänge IS'/^ — 14 mm, Vorderflügellänge 12 mm, Fühlerlänge 10 '/i mm, Länge des 1. Abdominalsegmentes 1,7 mm, Länge des Legerohres 3,4 mm. Typen im Zoologischen Mnseum in Stettin. Hymenoptera IV: Iclineumonidae. 281 Subfam. Tryphoninae. Tribus Paniseini. Gen. Scammatonotum nov. gen. Typus: -S'. heroro nov. spec. Unterscheidet sich von der Gattung Panücus Schr. 1802 durch den Besitz einer scharf eingedrückten Längslinie in der MedianHnie des Rücken- schildes zwischen den Parapsidenfurchen. Scammatonotum herero nov. spec. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika, Spitzkoppe; Pueschel, 22. Sept. 1911 (1 9). Q_ Schläfen breit, Hinterhauptskiel scharf, Gesicht so lang wie breit, Seiten nach vorn deutlich konvergierend; etwas gewölbt; am obersten Ende vor den Fülilern ein erhabenes Körnchen. Clypeus deuthch vom Gesicht geschieden, Vorderrand gerade. Hintere Ocellen die Augen nahezu be- rührend. Fühler dünn, nach der Spitze zu verjüngt. 1. GeißelgUed 1 '/g des zweiten. Thorax matt, Parapsidenfurchen und Mittelfurche scharf. Scutellum- rand ziemhch kräftig, gerade, hinten mäßig stark genähert. Pleurenpunk- tierung sehr fein, Propleure sehr fein scliräg von vorn oben nach hinten unten nadelrissig, in dieser Richtung auch eingedrückt. Leiste zwischen Metapleure und Mittelsegment schwach. Mittelsegment mit der dichten Querriefung, die vorn am dichtesten wird, nur das hintere Fünftel, das an den Seiten etwas kantig abfällt, ist glatt; man schätzt in der MitteUinie etwa 24 Querriefen. 1. Abdominalsegment 1 V2 ^^^^ zweiten; Luftloch etwas hinter dem Endo des 1. Viertels. Legerohr 1,4 mm lang. Hinter- tarsus wenig länger als die Schiene; Metatarsus 2 '/2 mal so lang wie der längere Hinterschienensporn. Klauen dicht schwarz gekämmt. Stig-ma mäßig breit, 1,9 mm lang. Areola schmal und hoch, vorn kurz gestieh, außen nur mit abgerundeter Ecke und ohne Aderstummel. Discoeubitalader an dem kleinen AdersUimmel mit flacher Ecke. Xervus recurrens gerade, nur vorn nach der Basis zu gebogen; die beiden Fenster sehr lang. Cubitus am Außenrande der Brachialzelle nur schwach winklig gebogen. Nervulus weit postfurcal. Abstand fast so lang wie seine Länge; hinten gerade und senkrecht, vorn nach der Basis zu eingebogen, dann aber wieder gerade. lo Michael 66 n, Deutsch-Südwestafrika. 232 ö- Enderlein. Rostfarben, Augeninnonrand etwas heller gesäumt, an den Scliläfen mit breitem blaßgelblichem Saum. Stemmaticum nicht verdunkelt. Tegula hell rostgelbhch, ebenso ein Fleckchen unter der Vorderflügelwurzel. Hin- ter- und Vorderrandleiste der Mesopleure blaß. Legerohr dunkelbraun. Flügel hyalin. Adern braun. Subcosta schwarz, Costa blaß ockergelb. Pterostigma hchrostgelb. Di.scocubitalader rostgelb. Körperlänge 13 ^/^ mm, Vorderflügellänge 12 ^|^ mm, Länge des 1. Abdominalsegmentes 3 mm, Länge d(^s Hintertarsus 5 ^/^ mm. Type im Berliner Zoologischen Museum. Gen. Paniscus Sehr. 1802. JPaniscHS pavvus nov. spec. Fundangabe: D eutseh-Südwestafrika; Lübbert, 1901 (1 2). Q. Schläfen breit, Kiel scharf. Gesicht etwas breiter als lang, Seiten parallel, in der Mitte hügelartig erhoben. Clypeus nur durch unscharfe seichte Einsenkung vom Gesicht getrennt, Vorderrand in der Mitte etwas eingedrückt. Fühler dünn, fadenförmig, erstes Geißelglied 1 '/o des zweiten. Thorax matt, Rückenschild ziemlich glatt: Parapsidenfurchen fein aber ziemlich scharf. Scutellurarand gerade, scharf, hinten ziemlich weit ge- trennt. Pleuralpunktierung sehr fein und dicht, Mesopleure nach oben glätter werdend und die Punktierung fast verschwindend. Leiste zwischen Metapleure und Mittelsegment fein und gerade. Mittelsegment mit sehr dichter Querriefung, an den Seiten mit sehr dichter, feiner, körniger Punk- tierung, der ganze Vorderrand mikroskopisch fein punktiert. 1. Abdomi- nalsegment 1 2/3 des zweiten; Luftloch am Ende des ersten Drittels. Lege- rolir 1,8 mm lang. Hintertarsus wenig länger als die Schiene; Metatarsus doppelt so lang wie der längere Hinterschienensporn. Klauen mit dichter und langer schwarzer Kämmung. Pterostigma ziemlich breit und 1,4 mm lang. Areola mäßig breit, vorn nicht gestielt, die beiden Schenkel in einem Punkte sich treftend; außen mit flacher abgerundeter Ecke und ohne Aderstummel. Discocubital- ader (1. rücklaufende Ader) glfMchmäßig stark gewölbt, Enddrittel gerade, Aderstummel am Ende des ersten Drittels fast fehlend, nur als Spur an- gedeutet. Nervus recurrens (2. rücklaufende Ader) sclnvach gebogen. Cubitus am Außenende der Brachialzelle stark umgebogen aber abgerundet. Hymenoptera IV: Ichnenmonidae. 233 Nen^ilus mäßig weit postfurcal, Abstand saine halbe Länge, senkrecht und schwach gebogen. Hell rostgelb, Fühler rostfarben, Oberkieferspitzen schwarz. Stemma- ticum hell und Legerohr rostfarben. Flügel hyalin. Adern hellrostbraun. Pterostigma hellbraungelb. Costa hellgelblich, Subcosta schwarz. Körperlänge 8 '/i mm, Vorderflügellänge 7 '/a mm, Länge des 1. Abdominalsegmentes 1,6 mm, Länge des Hintertarsus 3 V2 mm. Type im Berliner Zoologisclien Museum. 16* Spongillidae N. Aimandale (Calcuttaj. With 1 plate. /^ o^ '^ jk -«.*'« UJ L 1 B R / We do not know of any freshwater sponges from German South-West- Africa. The collecrion described in this paper was made in August, 1911, in the Zambesi, at a point near the Victoria Falls and aetually in Rhodesian territory though only a few miles from the frontier. It is at any rate most probable that the species also occur some miles further up in the Zambesi in the German Zambesi territory. Although small, the collection is of considerable systematic and geographieal interest. Four species are represented, of which three are new to science, while the fourth, although known to be widely distributed in Tropical Africa, has not been found pre\'iously in the Zambesi System. All this is noteworthy in view of the fact that sponges have been collected at the same place on two former occasions'), and that no single species is represented in any two collections — an excellent illustration of the wealth of the Inland sponge-fauna of Tropical Africa. I have to thank Dr. W. Michaelsen for sending his collection to Calcutta for me to examine. The Identification of the species has been greatly facihtated by the presence in the Indian Museum of schizotypes of most of the African Spongillidae preserved in the coUections of the British Museum and the Natural History Museums of Berlin, Hamburg and Amsterdam. These we owe to the kind ofiices of Mr. Kiekpatrick, Dr. Weltner, Dr. Kraepelin, Dr. Max Weber and Dr. Michaelsen himself. The exact locaHtv^ of the 4 species of the collection is: Rhodesia River Zambesi near the Victoria Falls, on the under-side of stones in shallow water off the right shore some 150 m above the brim of „Cataract Fall" 2); W. Michaelsen, 18th August, 1911. ') See KiRKPATKiCK, Proc. Zool. Soc. London, 1906 (i), p. 218. ^) See the landscape of Fig. 14 in the „Reisebericht" of this volume. p. 50. 238 ^^- AXNANDALE. Part 1. A Systematie Aceonnt of tlie Colleetion. Gen. Spongilla, Lamark. Subgen. Eunapius, Gray. The subgenus Eunajmis, whicli is separated from Euspongilla by the well-defined polygonal air-spaces in the Investment of its gemmules, is represented in Tropical Al'rica by several species. Dr. Michaelsen's colleetion includes specimens of yet another new one. Tho following key tho the African species may be useful: Key the to African spezies of Ennaxnus: I. Gemmule-spicules smooth. A. Gemmules single and free in substance of sponge S. carteri.^) B. Gemmules forming a pavement-layer at base of sponge S. aetheriae. II. Gemmule-spicules spiny. A. Gemmules single and free in substance of sponge. 1. Skeleton-spicules stout, amphistrongylous S. nitens. 2. Skeleton-spicules slender, sharply pointed S. michaelseni. B. Gemmvües forming a pavement-layer at base of sponge. 1. Gemmule-spicules amphioxous . . . . S. ambigua. 2. Gemmule-spicules amphistrongylous . . S. permiocta. Spongilla nitens, Carter, yar. Carter, Ann. Mag, Nat. Hist. (5) VII, p. 89, pl. V, fig. 3, a— k, & pl. VI. % 18 (1881); Weltner, „Die Coelenteraten und Schwämme des Süßen Wassers Ost-Afrikas" in Möbius, Ost- Afrika IV, p. 3, tigs. (1898), and „Siil3wasserschwämme (Spongillidae) der Deutschen Zentralafrika-Expedition 1907—1908 in Wiss. Ergeb. d. Deutsch. Zentral- Afrika-Exp. IV (Zool. ii). Lief. 12, p. 475. This sponge is represented in Dr. Michaelsen's colleetion by four cushion-shaped masses detached from stones; the largest of the four is about 35 X 28 mm in diameter. The external surface of both is ornameuted with numerous sharp slender projections of irregulär outline, as appears to be usual in the species. Although hard, the sponge is very brittle. The skeleton-spicules measure on an average 0,363 mm by 0,026 mm, being thus considerably more slender than in the tyj)e. The gemmules are abundant and fuUy devcloped. ') Doubtfnlly African, see p. 24.Ö. Spongillidae. 239 Sporigilla nitens has hitherto been found in tlio "White Xile and in the neighbourhood ofLake Tanganyika. Spongilla niichaelseni, sp. nov. PI. VI, Üg. 3 A-C. Sponge encrusting, forming thin Hat lilms of limited area and of a greyish colour; moderately hard, friable, brittle. Oscula and pores minute, inconspicuous. Subdermal space relatively small. Skeleton formed of slender, well-delined but not very coherent radial spieule-fibres joined together by an ii-regular network of spicules that exhibit little evidence of fascieulation; little spongin present. Spicules (PI. VI, Fig. 3): Skeleton-spicules perfectly smootli, sharply and gradually pointed at both ends, feebly curved, on an average about 23 times as long as thirk. Free microseleres slender, .'^traight or nearlv so, sharply and gradually pointed at both ends, bearing numerous sharp spines that stand out straight at right angles to the siu-face and are mueli larger in the middle of the spicule (while they are often as long as the shaffc is wide) than at the ends. Genimule-spicules verv variable in size, spiny, ampliistrong^dous, moderately stout: their spines as a rule longer and more numerous at the ends of the spicule than in the middle (where they are sometimes almost absentj, often distinctly reeurved at and near the former, very variable in length; a single terminal spine often present at one or both extremities. Gemmules somewhat depressed, small, pro\ided \\\t\\ a thick coat of well-developed polygonal air-spaces and with a straight and rather stout foraminal tubule, which Stands upright in a crater-like depression of the pneumatic eoat; spicules arranged both tangentially and horizontally in this coat, forming a somewhat ill-defined horizontal layer on its exfernal surface. Diameter of gemmide ca. 0.42X0-36 mm Length of skeleton-spicule 0.308—0.356 „ Tliickness of skeleton-spicule 0.012 — 0.017 ,, Length of free microsclere 0.068 ,, Thickness of free microsclere (shaft) . . 0.004 ,, Length of gemmide-spicule 0.076 — 0.156 ,, Tliickness of gemmule-spicule (shaft) . . 0.005 — 0.016 ,, This species is related to Spongilla carteri, the commonest of the Indian Spongillidae, but distinguished by possessing free microscleres and 240 ■'^- Annandale. spined gemmule-spicules ; from S. nitens, another allied form, it is distin- guisliod by its very mueh sharper and more slender skeleton-spicules. Locality: ]{. Zambesi near the Victoria Falls; W. Michaelsen, 18. Anglist 1911. Type in the Hamburg Natural History Museum. A co-type in the Indian Museum. Subgen. Stratospongilla, Annandale. This subgenu)^ is also well represented in the African fauna, to which four species were hitherto known to belong. I have here to add a fifth from Dr. Michaelsen\s coUection. The live species may be distinguished one from another by the following key, which may be used in connection with those of the Indian species given on p. 385 of Vol. VII of the Records of the Indian Museum (1912) and on p. 68 of my volume in the „Fauna of British India". Key to the African species of Strato sponffilla. I. Skeleton-spicules amphioxous. A. Skeleton-spicules rough or irregulär in outline 1. Gemmule-spicules sausage-shaped . . . *S'. sumairana. 2. Gemmule-spicules slender, amphioxous or nearly so S. homhayensis. B. Skeleton-spicules quite smooth. 1. (jremmide-spicules smooth S. schuhotzii. 2. Gemmule-spicules bearing blunt spines . S. rousseletii. IL Skeleton-spicules amphistrongylous (spiny). Gemmule-spicules spiny, sausage-shaped, cylindi-ical; gemmules enclosed in a dense cage of spicules S. africana. Spoiifjilla africana, sp. uot. PI. VI hgs. 1 A— C, and 2. Sponge. This sj)ouge is represented by two circular lilms about 10 mm in diameter and not as much as 2 mm thick. They are attached to a piece of stone in a dry condition. The colour is nearly white. The sponge is hard but friable. Its external structure can not be clearly seen, but the pores and oscula were evidently niinute and the subdermal cavity seems to have been comparatively sniall. Spongillidaö. 241 Skeleton:. Tlia skeleton consists of a close reticulation of single spicules with very little trace of fasciculation; they are fastened together by delicate veils of spongin where they meet. Spicules (PI. VI fig. 1): The skeleton-spicules are slender, bkmt, nearly straight, covered somewhat sparsely and ahnostly uniformly with sharp spines much less than half as long as the diameter of the shaft, to which they stand out at right angles. Free microscleres exist in the form of slender, nearly straight amphioxi bearing sharp or blunt spines that stand out straight at right angles; they are much longer in the middle region of the spicule than elsewhere but are never quite as long as its transverse diameter. The gemmule-spicules as a rule resemble the macroscleres in general form, but are rather more densely spined; they are extremely variable in size and proportions and occasionally a little inflated at the extremities. Gemmules (PI. VI, Fig. 2) : The gemmules adhere at the base of the sponge in groups. Fach is enclosed in a dense cage about 0.04 mm thick and composed of microscleres lying horizontally several spicules abreast in a chitinous membrane; between this cage and the real gemmule (inner capsule) there is a considerable gap; in the specimens examined the roof of the cage is dehcient. The actual capsule has a relativ ely thick chitinous coat (O.Ol mm thick) of a bright yeUow colour and is of a somewhat irregulär shape ; there is possibly a single very minute foramon at one side in a very short foraminal tubule, but the appearance may be deceptive and I have not cut sections. On the surface ot the capsule lie a few microscleres as a ride of somewhat distorted form and smaller than those that compose the outer cage. Diameter of outer cage of gemmule ... 0.67 mm Diameter of inner capsule of gemmule . . . 0.27 „ Length of skeleton-spicule 0.16 „ Thickness of skeleton-spicule 0.014 „ Lenght of free microsclere 0.064 — 0.08 „ Thickness of free microsclere (shaft) .... 0.004 ,, Length of gemmule-spicule 0.104 (or less) „ Thickness of gemmule-spicule 0.012 Locality: R. Zambesi near the Victoria Falls; W. Michaelsen, 18. August 1911. Type in the Hamburg Natural History Museum. Spongilla africana resembles S. indica Annandale in the structure of its skeleton-spicules and its skeleton, but differs considerably therefrom in 242 ^- Anxaxdäle. that of its gemmule, if I am right in believing that the gemmules here assigned to the species actuallv belong to it. They were not found inside thc sponge, AA'hich was evidently young and immature, but closely adjacent to it on thc same stone, together with gemmules of Corvospongilla vicioriae. Some of their spieules, however, approach those of the skeleton of S. afri- cana very closely. Gen. Corvospongilla, Annandale. Ineluding the ncAv sponge described below, six species of this genus are now known from Tropical Africa, of the faima of which, as also of that of Peninsular India, it is particularly characteristic. The species fall naturally into two grovips — those Avith smooth and those with spiny skeleton-spicules. The latter group, to which the new species belongs, is only knoAvn from Tropical Africa. Key to the African Species of Corvospongilla» 1. Skeleton-spicules smooth. A. Skeleton-spicules on an average 7 V2 times as long as thick C. zamhesiana. B. Skeleton-spicules 11 to 13 times as long as thick C. loricata. IL Skeleton-spicules spiny or gramdar. A. Gemmule-spicules sparsely spined (ab out 50 spines to a spiculej C. hölimii. B. Gemmule-spicules much more densely spined. 1. Inner capsule of gemmule flask- shaped , . C. victoriae. 2. Inner capsule of gemmule spheri- cal or subspherical a. Gemmule-spicules (amphistron- gyli) 2 to 5 times as long as thick C. micramphidiscoides. b. Gemmule-spicules (amphistron- gyli) 3 to 12 times as long as thick C. scabrispicuHs. Spongillidae. 243 Corimspongilla victoriae^ sp. uov. PL VI., Hgs. 4 and 5 A— C. Sponge: The sponge forms small lichenoid patches, often somewhat densely congregated, on stones. Their outlines are irregulär, their diameter not more than ab out 25 mm in the speeimens examined, and their thick- ness inconsiderable. It is possible that at a later stage the different patches may grow together to form a uniform layer. The texture of the sponge is hard but moderately friable; its colour in dry speeimens yellowish, but darker and browner in spirit. The pores and oscula are small and incon- spicuous. Skeleton: The skeleton forms a dense reticiüation composed mainly of Single spicules, the spicule-iibres are not well ditFerentiated falthough the vertical fibres ean be detected as somewhat irregulär fascicles) and the greatly thickened pillars of spicules characteristic of some species of the genus are absent. Spicules (PI. VI, Fig. 5): The skeieton-spicules are relatively slender amphistrongyli as a rule almost uniformly but by no means densely covered with minute spines; occasionaUy these spines are almost absent. Not infre- quently the extremities of the spicule are somewhat inflated. Rather shorter and distinctly more slender amphioxous macroscleres also occur, but spa- ringly and not incorporated in the skeleton. The free microscleres are of two types, micramphidiscs and amphioxi. The former are of the usual form and are not, in the speeimens examined, abundant. As a rule their discs are formed of six long spines, which project outwards further than in some species and are not recurved at the tips ; the shaft is never strongly curved. The amphioxi, which are scarcer than the micramphidiscs, are slender and nearly straight; they bear stout spines, which stand out straight at right angles and are short at and near the extremities but often of considerable length near the middle of the spicule. The gemmule-spicules are stout and relatively short amphioxi, but exhibit great Variation in length and outline, which is sometimes distorted and irregulär; they are uniformly and fairly densely spined. Gemmule (PI. VI, Fig. 4): The gemmules are circular in outline and dome-shaped externally, without an aperture of any kind. They adhere Urmly at the base of the sponge. The outer coat consists of a single layer of gemmule-spicules arranged horizontaUy and mosaic-wise in a stout chiti- nous membrane more or less continuous with the basal membrane of the sponge. Within this coat the inner capsule lies free. It has the form of a narrow flask with a well-defined neck fthe forarainal tubule) and lies on 244 ^' Annandale. one side horizontally. Its walls are comparatively thin and have onlj a few microscleros adhoring to them. These spicules are parallel to the external surface of the capsule. Length of skoleton-spicule (amphistrongyli) . . . 0.152 — 0.172 mm Tliickness of skeleton-spieule (amphistrongylij . . 0.012 „ Length of free microsclere (amphioxi) .... 0.036 — 0.06 „ Thickness of free microsclere (ampliioxi) .... ca. 0.004 „ Length of micramphidisc . ca. 0.024 „ Length of gemmule-spicule 0.024 — 0.04 „ Thickne-ss of gemmule-spicule 0.008 — 0.012 „ Diameter of complete gemmule 0.425 — 0.52 „ Length of inner capsule ofgemmule (including tubule) ca. 0.323 „ Lesser diameter of inner capsule of gemmule . . ca. 0.255 „ Locality: E. Zambesi, near the Victoria Falls; W. Mtchaelsen, 18. August 1911. Type in the Hamburg Natural History Museum; co-type in the Indian Museum, Calcutta. This species differs from the others in the C. böhmii gToup in the structure of the gemmule and in particular in the peculiar form of its inner capsule. The other mcmbers of the group Tnamely, C. höhmii, C. micramphi- (liscoides, and C. scabrispiculis) have always been found associated with other animals; — C. micramplddiscoides and C. scabrispiculis (as also C. loricata in the group with smooth skeleton-spiculesj on shells of the mollusc ^'Etheria, and C. böhmii on the external surface of Spongilla nitens. It is thereforo, interesting to note that the types of C. victoriae were found on stones. As a rule they were not associated in any way with other organisms, but in one instance gemmules of the Coi'vospongilla lay side by side with thoso of the type specimen of Spongilla africana. Part IL The Distribution of tlie African Spoiigillidae. In a recent paper Weltxer'j has given a list of the African Spon- gilUdae, with precise detail« of the locality or localities from which each species has been recorded. His list includes the names of 23 s])ecies ; in the samo paper two new Spongillidae are described by him, and, including the 'j Wiss. Ergebn. d. Deutschen Zentral-AtVika-Expedirton, 1907 — 1908, Baud IV, Zoologie ii, Lief. 12 (SüiJwassersclnvämme), pp. 475, 476. Spongillidae. 245 three described above, I have myself lately added five additional represen- tatives of the family to the African fauna. The precise provenance of one of the sponges on Weltxer's list (Corvospongilla loricata, WeltxerJ is doubtful : it probably came from the Nile ; Avhile one other (Spongilla carteri, Carter) has been recorded. from Africa (Victoria Xvanza) on e\ddence that does not seem to me by any means conchisive.') Omitting these tvvo doubtful species, we have thus 28 known to occur on the Con- tinent of Africa. Their distribution on that Continent may be stated concisely as follow)^ : — Sponges of the Nile System. Spongilla (Euspongilla) alba var. cerehellata, Bowerbaxk. Spongilla (Euspongilla) biseriata, Weltxer. Spongilla (Eunapiius) aetheriaej Anxaxdale. Spongilla (Eunapius) nitens, Carter. Spongilla (Stratospongilla) sumatrana, Weber, var. ^4, Weltxer. Dosilia brounii (Kirkpatrick). Corvospongilla scabrispiculis, Axxaxdale. Sponges of Tropical East Africa (coastal region). Spongilla (Stratospongilla) sumatrana, A\'ebeh, var. B, Weltxer. Pectispongilla sansibai'ica (Weltxer). Corvospongilla bölunii ('Hilgexdorf). Sponges of the Zambesi System. Spongilla (Euspongilla) biseriata, Weltxer. Spongilla (Eunapius) nitens, Carter. Spongilla (Eunapius) michaelseni, sp. nov. Spongilla (Stratospongilla) rousseletii, Kirkpatrick. Spongilla (Stratospongilla) africana, sp. nov. Corvospongilla victoriae, sp. nov. Corvospongilla zambesiana (Kirkpatrick). Sponges of the Congo System. Spongilla (Stratospongilla) schubotzii, Weltxer. Tubella pottsii, Weltxer. ') See Kirkpatrick, Proc. Zool. Soc. London, 1906 (i), p. 219 and Axxaxdale. Faun. Brit. Ind., Freshw. Sponges. p. 87 (1911). 246 ^' Annandale. Corvospoiigilla micramphidiscoides, Weltnek. Potamolepis chartaria, Marshall. Potamolepis leuhnitziae, Marshall. Potamolepis peclnudii, Marshall. Sponges of the Tanganyika System. Spongilla (Eunapius) nitens, Carter. Sp)ongilla (Euriapius) perrnLvta, Weltner. Corvospongilla höhnii (Hilgendorf), Nudospongilla cuyiningtoni (Kirkpatrick). Nudospongilla inoorei (Evans). Nudospongilla tanganyikae (Evans). Pota7nolepis weltneri, Moore. Sponges of Afrioa South of the Limpopo River. Spongilla (Eunapius) amhigua, Annandale. Spongilla (Stratospongilla) homhayensis, Carter. Ephydatia ßnviatilis suhsp. capensis, Kirkpatrick. Cur knowlodge of the African Spongillidae is still delicient, and there are several important river-systems from which no sponges have as yet been reported. It is, therefore, impossible to divido the Ethiopian Region with any pretence to linality into definite subregions or districts in which different sponge-faunas aetually have been discovered or might bo expected to exist. The foregoing attempt to deal with the known forms geographically is therefore no more than an attempt; but it may have some interest if we pay attention to genera and subgenera rather than species. At present representatives of six well-established genera of Spongilli- dae have been found in Africa, including the Palaearctic and southern districts of the Continent. They are : Spongilla, Pectispongilla, Ephydatia, Dosilia, Tuhella, Corvospongilla. To these must be added two provisional genera of somewhat doubtfvd Status, viz. Nudospongilla and Potamolep>is . Spongilla, nioreover, is divided into three subgenera, all of which have been recordod from Africa — Euspongilla, Eunapius and Stratospongilla. Spongillidae. 247 We have, thoroforo, to deal with 10 genera and subgenera in con- sidering the Spongillid fauna of the Continent. Of these, two subgenera (Eiispongilla and FAinaplus) niay be regar- ded as cosmopolitan. Euspongilla is at once the most primitive in the family and perhaps the most generally distributed. In Afriea it is represented by only two species, so far as we know at present, and both ot" these occur in Lower Egypt. One (SponglUa alba) is a widely distributed and abundant Indian form, doubtfidly distinct as a species from tlie cosmopoHtan »S. lacustris ; while the other (S. biseriata), which is closelj related to the N. American and Indian species Ä. craterifortnis (Potts), has been found both in the deka of the Nile and in the Zambesi river-system. It would thiis seem that the subgenus is very poorly represented in Afriea; but it must be noted that many of the species are usually found in ponds and other small masses of water and that such situations have been very little examined in Afriea so far as sponges are concerned, and, iudeed, are scarce in most parts of the Continent. Eunapius is represented in many countries only by what are practi- cally races and varieties of a single cosmopoHtan species, Spongilla fragi- lis, Leidy. In Afriea, hoAvewer no less than four distinct species have already been found, one of which (S. nitens) is e-vidently of wide distri- bution in the eastern tropical part of the Continent, the remainder being only known for the most part from singh^ records. In India also four species are known. The genus Ephydatia is very widely distributed, but chiefly in tempe- rate climates, reaching its acme in Japan. In Afriea the only fonn as yet discovered is a local race of the cosmopoHtan E. tiuviatilis and has only been found south of the Limpopo. Dosilia, on the other band, is essentially tropical and subtropical in its ränge, consisting of three closely allied species which are regarded by some authors as varieties. One (D. plumosa) is found in the Indian Pen- insular Area, one (D. palmeri) in Mexico and the neighboiu-ing states, and one (D. brounii) in the AVhite Nile. Tubella appears to have its headquarters in North and South America, but is represented by scattered species in Europe, tropical Asia and Au- stralia, as weU as by one (T. pottsii) in the Congo System. None of the foregoing genera and subgenera can be said, in the present State of our knowledge, to cast much light either on the distri- bution of the African fauna within the Continent or on its relations to the 17 Michaelsen, Deutsch-Südwestafrika, 248 ^' Annändale. fauna of other rogions. The romaining four African genera and the third subgonus of Sporigilla (that is to say, Stratospongilla) are moro intoresting from both points of view. Although both N udosporig IVa and Potamolejns aro possibly mere assemblies of convergent species, it is at least noteworthy that the latter seems to have its headquarters in the Congo, while the former is particu- larly well represented in Lake Tanganvika. Potmnolepis is not known out- side Afriea, Avhereas J^iidospoiigilla is found in Palestine, China and possi- bly Celebes. The former genus seems to have been moditied in accor- dance with a llfe in rapid-running wat(»r, the latter with one in the still waters of large lakes.') Strietly speaking, the Tanganyika System is of course part of the Congo system. Corcospongilla in several im])ortant cliaracters resembles Potamolepis, which may have been derived from it, at least in part, by the loss offree microscleres of the type called micramphidiscs by Weltner. The genus is only known from Tropical Afriea, Peninsular India and Burma; 2) it has been found in all the river-systems of Tropical Afriea as yet investigated, but not in either the northern or the southern districts of the Continent. It is well represented in Peninsular India, more particularly in the Malabar Zone. Str(dospongllla-) has a distribution resembling that oi Cor'vospongilla but more extensive. Single species occur on the one band in South Afriea and on the other in the Malay Archi])elago. In both cases these species have a very wido ränge ; one (S. homhayensU) is found both in Peninsu- lar India and the Himalayas and in Natal, while the other (S. sumatrenns) occurs both in Sumatra and in the Nile system and the coastal districts of Tropical East Afx'ica. Single species are also known from Fiji (S. giUoni, TopsENT) and S. America (S. naviceUa, Carter). Pectispovgilla •') has hitherto been thought to be contined to the Malabar Zone of the Indian Peninsular Area, but an examination of a co- type of Spongilla .saiisibarica, AVeltxer, from the Island of Zanzibar con- vinces me that it must be assigned to the same genus as Pectlspovgilla aurea from Travancore and Cochin, the type species of its genus. Considering these facts, we may say that, although there is not suffi- cient evidence as yet before us to parcel out the Inland sponge-fauna of Afriea into detinite fauuistic areas, the Spongülidae of the Continent as a ') Anxanualk, .Journ. As. 80c. Ueng-al, 1913, pp. 82, 83. ^) Id., Kec. Ind. Mus. VII, pp. 392, 393 (1912); also IXe Congr. internat. Zool., p. 579 etc. (Monaco: 1914). ■*) AxNANDALE, Faiitia of lU-itisli India, Fresliwater yponges, etc., p. IOC) (1911). Spongillidae. 249 Avholo oxhibit closo afünitv with those of tho Indian Peninsula — and possiblv with tlioso of Tropical Asia generallv, for outside the Indian Empire the Spon;tillidcte of Tropical Asia have been even less studied than those of Africa. Those cohected by Professor Max Weber in the Malav Archipelago, and a few from Western China. Borneo and the Malay Peninsula are all that are known, and most of these have cosmopolitan aftinities. EXPLAXATIOX OF FIGURE8. Plate VI. Fig. 1. Spicules of Sj>07igilla africana, sp., nov., X "255. A. Skeleton-spiciües. B. Gemmule-spicules. C Free microscleres. Fig. 2. Gemmuh^ of Spongilla africana, sp. nov., as seen from above X 75. Fig. 3. Spicides of Spongilla michaelseni, sp. nov., X 255. A. Skeleton-spieules. B. Gemmule-spicules. C Free microscleres. Fig. 4. Gemmule of Corcospongilla victoriae, sp. nov., X 75. The outer cage has been laid open to show the inner capside. Fig. 5. Spicules of Corvuspongilla victoriae, sp. nov. A. Skeleton-spieules, X 255. B. Gemmule-spicules, X 255. C. Free microscleres. X 255 (except the hgure marked with a X) whieh is multiplicd by 500). 17* Coleoptera I: Clirysomelidae und Coccinellidae bearbeitet von J. Weise (Warmbrunn). Die folgenden Arten sandte mir Herr H. Gebiex aus dem Katur- historischen Museum in Hamburg zur Durchsicht ein. Sie wurden zum Teil von Herrn Prof. Dr. W. Michaelsex während der Hamburger deutsch- südwestafrikanischen Studienreise 1911 gefangen, teils von anderen Sammlern, besonders von den Herren Dr. G. Fock und Hans Thomsex, dem Museum überwiesen. Es ist die größte Kollektion aus den Familien der Chrysomeliden und der CoccinelHden, die ich bisht:>r aus Südwest-Afrika gesehen habe, und sie bestäiigt aufs neue die schon aus der BodenbeschafFenheit und der ziemlich einförmigen Vegetation gefolgerte Vermutung, daß dieser Landstrich zu den an Insektenarten ärmsten des afrikanischen Kontinentes gehört. Zwar erhöht sich jetzt die Zahl der nachgewiesenen Chrysomeliden von 21, die ich 1908 in der Forschungsreise im westlichen und zentralen Südafrika von L. ScHULTZE, Denkschr. der medicin. naturw. Zeitschrift in Jena, anführte, auf 46, und die der Coccinelliden von 2 auf 12, aber nach Abzug der zahlreichen gemeinen Arten, die sich über Mittel- und Südafrika verbreiten, bleibt nur eine kleine Anzahl indigener Arten übrig, die sich mit der von den Nach- bargebieten Angola, Kapland, Natal nicht entfernt messen kann. Bezüglich der Färbung der behandelten Tiere sind vielleicht zwei Punkte erwähnens- wert. 1 ) Von dem hübschen, oberseits zweifarbigen ostafrikanischen Cory- nodes Dejeani Bert, tritt im Gebiete massenhaft eine einfarbig grüne Form auf, von der nur wenige Stücke auf den Flügeldecken eine bräunliche Beimischung bekommen, oder, von der Seite betrachtet, schwach violett schimmern. 2) Neben den afrikanischen Hauptfarben rot oder gelb der meisten Arten, haben auch mehrere, namentheh die in den Sandl'eldern lebenden Monolepten, eine gelblich weiße Farbe, ähnlich dem hellen Sande, die sicher als Schutzfärbung aufzufassen ist. 254 J- Weise. Chrysomelidae. Sagra hicolor Lac. IMon. Phyt. I, 1845, p. 55. Fundangabe: Okahandja; Dr. G. Fock, 1909. Hauptsächlich von Niederländ. -Ostafrika bekannt. Lerna chalcoptera Lac. Mon. Phyt. I, 1845, p. 352, ab. sanguinicollis Lac. 1. c. p. 379. Ws. Arch. f. Nahirgesch. 1901, p. 155. Fundangabe: Gro ss- Okatj e ru im südlichen Sandfeld, ca. 50 km südlich vom Waterb crg: Hans Thomsen, Dez. 1912. Bei dem einzigen Exemplare sind Kopf und Thorax rot, metallisch grün überflogen, der iunere Teil der beiden Quergi'uben des Thorax bUdet eine kurze, tiefe Längsfurche, die Flügeldecken sind metallisch dunkelgrün mit Messingschimmer, der größte Teil der Unterseite und Beine rotgelb. Die Art ist über Ost- und Südafrika verbreitet. Sphondylia afra Klua:. Ent. Mon. 1824, p. 67, t. 6, f. 7. 8. Fundangabe: Deutsch-Südwestafrika; Landesmuseum zu Windhuk. Zwei Exemplare, die aus dem Landesmuseum in Windhuk stammen, halte ich für eine helle Form, ab. maeiilata. Auf dem Halsschilde be- finden sich zwei schwarze, querovale Makeln vor der Mitte und zwei kleinere gerundete an der Basis, meist durch einen schwarzen Quersaum verbunden. Wird letzterer breiter, so ist er vor dem Schildcheu zahn- förmig vorgezogen und bezeichnet so den Anfang zu der herzförmigen gelben Makel der Normalform. Später verbinden sich die Vordermakeln strichförmig mit den Hintermakeln. Jede Flügeldecke hat drei schwarze Makeln, die erste auf der Schulterbeule, länger als breit, die zweite größer, quer, an der Nahtkante hinter '/g Länge, und die dritte hinter der Mitte, ebenfalls an der Nahtkante, die größte von alhni, nach außen verbreitert und mehr oder weniger weit vom Seitenrande endigend. Der Thorax ist in der Mitte der Scheibe sparsamer als außen punktiert, Fühler und Beine können einfarbig rotgelb oder schwarz sein. Coleoptera I: Chrysomelidae und Coccinellidae. 255 Cryptoc€X}halus callias Suffr. Mon. XI. 1857, p. 122. — Ws. in Voeltzkow Reise Ostafr. 11, 1910, 448. Fundangabe: Kleiner Waterberg: Haxs Thomsen, März 1913. Niir ein Exemplar hat die von Suffrian beschriebene Xormallarbung: Flügeldecken gelb, eine gemeinschaftliche Querbinde an der Basis und eine zweite, außen abgekürzte hinter der Mitte schwärzlich blau, beide durch einen Nahtsaum verbunden. Bei einem andern Stücke sind diese Binden auf je eine mäßig große Längsmakel beschränkt, eine auf der Schulter- beule, die andere in grader Richtung dahinter: vier weitere Exemplare gehören zur ab. chalybeipennis Sffr. 1. c. 12-4. Sie haben schwarzblaue oder selir dunkel metallisch grüne Flügeldecken, eine Quermakel in der Spitze, oder noch eine zweite unter der Schulter rötlichgelb. Die Beine aller Stücke sind wie in callias gefärbt: rotgelb, die Hinterschenkel melir oder weniger weit schwarz. Pausiris (lesei^toruiti d. sp. Xigro-aenea, nitida, ore, antennis, margine antico prothoracis pedibus- que plus minusve testaceis vel ferrugineis, fronte prothoraceque crebre punctulatis, elvtris subtiliter subseriatim punctatis, seriebus alternis subtüiter flavo-albido-pilosis, femoribus po.sticis dente minuto armatis. — Long 3 mm. Fundangaben: Farm Xeitsas im Bez. Groot fönt ein; Dr. G. Fock. Okahandja: Dr. G. Fock. In der Körperform und Größe ungefähr mit P. fuscitarsis Jac. Proc. zool. Soc. Lond. 1900 p. 240, übereinstimmend, aber der Thorax nur mit äußerst kurzen, gelblich grauen und wenig in die Augen fallenden Härchen besetzt, und die Hinterschenkel mit einem kleinen, deutUchen Zaline be- wehrt: P. femoralis Jac, 1. c. 1904 p. 255, hat an allen Schenkeln einen kleinen Zahn. Metallisch grünlich schwarz, glänzend, Mandibeln pechschwarz, die übrigen Mundteile nebst Fühlern und Beinen, sowie einem verloschenen Saume am Vorderrande des Thorax heller oder dunkler rotbraun. Fühler ziemlich schlank, die 5 Endglieder beim d dicker als beim Q. Thorax etwa so lang wie breit, an den Seiten gerundet, hinten mehr als vorn ver- engt, dicht und sehr fein punktiert, hinter dem Vorderrande mit einer Quervertiefung, welche jederseits, über den Vorderecken, von einer kurzen, glatten Querleiste begrenzt wird; die Seiten sind fein gerandet. Flügel- decken an der Basis sfradlinis- heraustretend und in den Schultern be- 250 J- Wkise. deutend breiter als das Halssehild, dahinter fast parallel, im letzten Drittel gerundet-verengt, auf dem Rücken fein gereiht-punktiert und reihenweise mit aufgerichteten kurzen, gelblichen Borstenhärchen besetzt. Die be- borsteten Reihen haben etwas größere Punkte als die eingeschlossene kahle Reihe. Die Schenkel sind normal gebaut, keulenförmig, mit langer und dünner Basis und etwas dickerer Spitze ; die Hinterschenkel haben ein spitzes Zähnchen. Colasposoma senegalensis Lap. ') SiLBERM. Rev. I, 1833, p. 22. Fundangabe: Kleiner Waterberg; Hans Thomsen, März 1913. Ein Exemplar mit metallisch violett-kupferigen Flügeldecken, dunkel grünlich-bronzefarbeuem Kopf und Halsschild und grünem Schildchen. Colasposoma Vavendorffl n. sp. Breviter ovalis, convexa, subtus viridi-aenea, antennis (apicem versus infuscatis) pedibusque obscure ferrugineis, supra aeneo-cuprea, nitidula, fronte prothoraceque obsolete alutaceis et crebre subtiliter., elytris paullo fortius punctatis, margine laterali aeneo-viridibus. — Long. 4,5 — 5 mm. Fundangabe: Windhuk. Mas. : elytris haud impressis, punctis pone humeros vix rugulosis. Femina: elytris latera versus transversim rugulosis, pone humeros impressis et pone medium carinula sublaterali instructis. Diese kleine Art ist mit pusilla Jac, Proc. zool. Soc. Lond. 1904 p. 250, aus Natal, und pa?-i'?tZa Lef., Trans. S. Afr. Phil. Soc. 1890 p. 42, aus Transvaal, am nächsten verwandt, von ersterer durch die gleichmäßige ') Obgleicli Kraatz, BerL Zeit. 1872 p. 187 Anm., daraufhingewiesen, daß für Laporte niclit Castelnau zn brauchen ist, zitiert Lefkvre, Abeille 1876 p. 3 (Synopsis des Eiiniolp.), unter Pseudocolaspis den Autor wieder falsch als Castelnau de Laporte, Silherm. Rev. I, 1833, p. 23. Hier findet man jedoch nur den Autor M. F. L. de Laporte, der nicht mit Casteln. sondern mit Lai". bezeichnet werden darf. Audi die Ansicht, jedes auf „soma" (endigende Genus müsse als Neutrum behandelt werden, ist meiner Meinung nacli hinfällig; denn da z. ß. Germar und Billberg das Recht hatten, die einwandfreien Masculini Eusomus imd Strophosotnus zu bilden, die neben Phorticosontus, 7Vachi/fomiis, P/iadinosomus, Trichoftomufi, iSphodro^omus und vielen anderen Giltigkeit haben, muß mir auch freistehen, eine Zusammensetzung mit „soma" als Femininum zu betrachten. Tatsächlich hat Laporte, SiLHERM. Rev. I, p. 22, Colasposoma weiblich gebraucht, und die nachträgliche Veränderung in ein Neutrum beruht deshalb auf Willkür. Coleoptera I: Clirysomelidae und C'occinellidae. 257 Punktierung des Thorax und die verworrenen Punkte der Flügeldecken, sowie das längere dritte Fülllerglied verschieden, auch ist die Größe des Thorax und die Bildung der Schienen in beiden Geschlechtern dieselbe; von parvula, die nach einem cf beschrieben zu sein scheint, dürfte sie sich durch dichter punktierte Stirn vind die abweichend gebildete Fläche der Flügeldecken unterscheiden lassen. Die Unterseite ist dunkel metallisch grün, die Oberseite wenig leb- haft bräunlich kupferfarbig, mit grünlicher Beimischung, mäßig glänzend, der Seiteni-and des Thorax zuweilen, die Ränder der Flügeldecken und das SchUdchen stärker metallisch grün, Beine und die 3 ersten Fühler- glieder dunkel rostrot, die folgenden Glieder angedunkelt, die Schenkel in der Mitte bisweilen metallisch grün angelaufen. Kopf und Thorax dicht und ziemlich fein punktiert, mit zart gewirkten Zwischenräumen. Kopf- schüd von der Stirn kaum getrennt. Thorax mehr als doppelt so breit wie lang, an den Seiten gerundet und vor der Mitte verengt, mit fast rechtwinkeligen Vorder- und stumpfwinkeligen Hinterecken, in jeder Ecke eine kleine Pore, in der eine mäßig lange Tastborste befestigt ist. Flügel- decken etwas breiter als das Halsschild und etwas stärker als dieses punktiert, beim cf ziemlich gleichmäßig gewölbt, beim Q mit einer gruben- förmigen Quervertiefung hinter der Schulterbeule und einer schmalen und niedrigen Längsleiste dahinter. Die Punkte sind in der äußeren Hälfte der Scheibe kaum (cf) oder deutlich stärker als auf der inneren (Q) und die Zwischenräume bei diesem zu Querrunzeln vereint. Es liegt mir nur ein Pärchen vor, welches ich von Herrn Landge- richtsrat V. Yarendorff in Hirschberg erhielt. Eurifope terminalis Baly. Journ. Ent. I, 1860, p. 34. Fundangaben: Neu dämm, 42 km ONO vonWindhuk; Dr. W. Michaelsex 10.— 15. Mai 1911. Windhuk: Hans Thomsex, Jan. u. Febr. 1913. 7 Exemplare, teilweise mit der normalen schwarzen Zeichnung der Oberseite, oder die Makeln der Quere nach verbunden. 3 andere Stücke von Okahandja f Michaelsex und Fock) sowie aus dem Landesmuseum in Windhuk gehören zur ab. semipartita Jac, Trans. Lond. 1895 p. 178, mit schwarzen Flügeldecken, auf denen eine Querbinde in der Mitte, ein Seitensaum und ein Kahtsaum hinter der Mitte noch die ursprüngliche gelbrote Grundfarbe behalten haben. Von der ab. discicolHs Jag. 1. c. 179, 258 J- Weise. Thorax und Flügeldecken schwarz, beide an den Seiten rotgelb gesäumt, liegen keine Stücke vor. Als eine Hungerform dieser Art dürfte sich später E. pictipennis Jag. 1. c. p. 178 herausstellen. Pseudorolaspis sp. divers. Fundangaben: Kleiner Waterberg; Hans Thomsen, März 1913 (1. und 2. sp.). Deutsch-Südwestafrika; Landesmuseum zu Windhuk (2. sp.). Von Pseudocolaspis wurden 2 Arten gefangen, welche in der Körper- form, Farbe und der doppelten Behaarung der Oberseite ganz mit Macro- coma eriophora Chap. übereinstimmen; aber die Seitenstücke der Vorder- brust haben am Vorderrande hinter den Augen je einen dornförmigen Zahn. Die erste Art (1 Exemplar vom Kleinen Waterberg) zeichnet sich durch das Kopfschild, dessen Vorderraud durch zwei winkelige Aus- schnitte dreizähnig ist, und ein verhältnismäßig großes Halsschild aus, welches um die Hälfte breiter als lang und nach vorn kaum mehr als nach hinten verengt ist. Bei der zweiten Art, metallisch grün wie die vorige, teilweise kupferig angelaufen (ebenfalls 1 Stück vom Kleinen Waterbergj oder ge- sättigt dunkelblau (1 Ex. aus dem Landesmuseum in Windhuk), bildet der Vorderrand des Kopfschildes einen nur mäßig tiefen konkaven Bogen, und der Thorax ist kleiner, an der Basis wenig breiter als über die Mittellinie lang, nach vorn im Bogen bedeutend verengt. Diese beiden, scheinbar weit verbreiteten Tiere lassen sich erst mit Hilfe eines ausreichenden Materiales beschreiben; sie wurden von Jacoby nicht richtig als Macrorouia priophora angesprochen. Die Typen der letz- teren erhielt ich durch die Freundlichkeit von Herrn Severin aus dem Brüsseler Museum zum Vergleiche. Sie bestehen aus 5 in Natal ge- sammelten Exemplaren : zwei davon, das Zettelstück mit der eigenhändigen Etikette von Chapuis, sowie das zweite, als (Jotype bezeichnete, aus der Koll. DuviviER, haben einen leicht konkaven Vorderrand der Seitenstücke der Vorderbrust (daher ist meine Auffassung der Gattung Marrocoma, mit der Euhrachis Baky identisch ist, Deutsche Ent. Zeit. 1903, p. 3r)6, richtig, nicht die von Jacoby, 1. c. 1906, p. 46 Anm. erwähnte). Das dritte Stück, ( \)typ(^, Restit. 1885, ist eine Psexdocolaspis, mit der oben erwähnten 2. Art vom Kleinen \\'aterb('rg ülx'rcinstimmend; und C'oleoptera I: Chrysomelidae und C'occinellidae. 259 die 2 letzten Stücke, beide als Type, Koll. Chapuis bezeichnet, gehören wahrscheinhch zu Macetes und sind schwarz, oberseits mit leichtem me- tallisch grünlichen Schimmer und einfacher, anliegender Behaarung. Cof'ynodes Dejeani Bertol. ? rar. x)usio Marshall. Jonrn. Linn. Soc. Lond. 1865, p. 33. KuxTZEx, Arch. Natiirg-. 1913, p. 97. Fundangaben : D e u t s c h - S ü d w e s t a f r i k a ; Landesmuseum zu Windhuk (2 Ex.). Kleiner Waterberg; Hans Thomsen, Mcärz 1913 (3 Ex.). Okahandja; Dr. G. Fock, 1910, und Dr. W. Michaelsen, Nov. 1911 (zus. 14 Ex.). Ich gebe die Bestimmung nach der verdienstvollen Arbeit von KuNTZEN, welche es uns erst möglich macht, die vorhandenen Formen unterzubringen, möchte aber bemerken, daß sich das in Deutsch-Südwest- afrika häutige, oberseits meist einfarbig grüne Tier, katim auf pusio Marshall deuten lassen dürfte, da dieser einen Thorax "at the base more than twice as broad as in front; the sides subparallel from the base to rather more than one-half their length, then obliquely rounded to the front'' und einen vorgestreckten Kopf besitzen soll, auch in der Färbung (kupferig-purpurn, Stirn, Scheitel und Thoraxscheibe nebst dem Schildchen grün) abweicht. Sijagrus oxhichs Jac. Proc. zool. Soc. Lond. 1900, p. 231. Fundangabe: Farm Okosongomingo am Kleinen Wat erborge; Hans Thomsen, August 1912. Das einzige, 5 mm lange Stück läßt sich nur fraglich auf diese Art beziehen, denn die Flügeldecken desselben haben einen deutlichen Fett- glanz, der Kopf ist nicht rotgelb, sondern auf dem Scheitel pechschwarz (wie die übrigen Teile der Oberseite), darunter rotbraun gefärbt und der Thorax nicht stark punktiert. Besser paßt die Beschreibung von S. rugiceps Lef. Trans. S. Afr. IV, 1892, p. 43, nur die Größe (6,5 mm) nicht. Syagrus tnashonaniis Jac. Proc. zog]. S. Lond. 1897, p. 544. Fundangabe: Okahandja; Dr. Fock, 1909. 260 J- Weise. Eurydenins d-niaculatus Jac. ]. c. 1904. p. 250. Fundangaben: Nördliches Sandfeld zwi.schen Löwen-Omuramba und wango wa-V eld; Bezirksamtmann v. Zastrow, 1912—1913. Tsumeb; Dr. W. Michaelsen, 13.— 19. Juni 1911. Die schwarze Zeichnun«- der Flügeldecken besteht aus je 2 ver- schieden großen Makeln, von denen sich die erste im 4. und 5. Zwischen- streifen in oder hinter dem Quereindrucke, die zweite dicht dahinter im 5. oder im 3. bis 6. Zwischenstreifen befindet. Der Thorax ist bedeutend breiter als lang, in der Mitte ziemlich stark imd dicht, nach dem Seiten- rande hin feiner punktiert, oder auf einem Seitenstreifen fast glatt. Pltaedonia dreumcincta Salilb, Thox, Arch. II, 1829, p. 30. Fundangabe: Nördliches Sandfeld zwischen Löwen-Omuramba und O wang o Ava-Veld ; Bezirksamtmann v. Zastrow, 1912 — 1913 (1 kleines Stück von 4,8 mm Länge). Chersomeia n. gen. Corpus ellipticum, sat convexum, alatum. Acetabula antica aperta. Prosternum bicarinatum, processu postico instructum, epistcrnis sulco pro- funde impressis. Prothorax in angulis sine seta et fovea, basi utrinque leviter sinuatus, muticus, Etytra striatopunctata, epipleuris vix abbreviatis, medio acute inflexis, glabris. Unguiculi fere simplici. Diese mit Melasoma verwandte Gattung erinnert habituell an austra- lische Paropsis-Ario'a aus der Gattung Pyrgo, z. B. sutia'alis Germ, oder Hera Stal. Der Körper hat einen ziemlich regelmäßig elliptischen Umriß, ist mäßig gewölbt und oberseits glänzend gelb gefärbt mit metallisch blauer oder grünlicher Zeichnung. Von den übrigen Chrysomelinen ist das Tier durch die Bildung der Vorderbrust verschieden, auf welcher, etwas unterhalb der sehr feinen Seitenrandleiste des Thorax, eine feine, tiefe Rinne vom Vorderrande bis neben die Hinterecken läuft, nicht breit genug, um die mäßig schlanken Fühler aufzunehmen. Diese reiclien etwas über die Mittelhüften hinaus, sind llgliederig und haben 7 verdickte End- glieder, von denen Glied 5 das kleinste, 6 nicht ganz so breit ist wie die folgenden annähernd dreieckigen Glieder (an der Spitze breiter als lang), das letzte Glied ist länger als das zehnte, zugespitzt. Maxillartaster mäßig Coleoptera I: Chrysomelidae und Coccinellidae. 261 stark, das Endglied wenig länger als das vorhergehende, lang eiförmig, an der ziemlich sehmalen Spitze abgestutzt. Kopfschild und Stirn stark quer; Thorax fast dreimal so breit wie lang, vorn stärker als hinten quer- über gewölbt, die Seiten leicht gerundet, vor der Mitte konvergierend, mit stumpfwinkeligen, abgerundeten Vorderecken, die Basis jederseits in leichtem Bogen ausgerandet. Flügeldecken an der Basis so breit wie der Thorax, dahinter alhuählich sanft erweitert und in oder hinter der Mitte am breitesten, hierauf schneller verengt und in der ziemlich schmalen Spitze abgerundet; auf der Scheibe mit lO'/o Puuktreihen, von denen die 6. (ganze) Reihe an der Innenseite der Schulterbeule entlang läuft, die 7. erst hinter dem Höcker beginnt und die 8. und 9. aus gemeinsamer Basis an der Außenseite des Höckers entspringen. Die Epipleuren sind glatt, vorn mäßig breit und fast eben, dann allmählich verengt, in der Mitte ziemlich steil abfallend, im letzten Drittel wieder eben und endigen an der Nahtecke. Prosternum lang, muldenförmig, außen von einer Leiste be- grenzt, hinter den Hütten allmählich verbreitert, am Ende abgestutzt. Vordere Gelenkhöhlen offen. Beine normal gebaut, Schenkel schwach verdickt, bis an den Rand der Flügeldecken reichend. Schienen nach der Spitze verbreitert, auf dem Rücken eine Spur gewölbt, glatt, vor der Spitze mit einer Vertiefung zur Einlagerung" des ersten Tarsengliedes. Dieses ist so lang wie die beiden folgenden zusammen, das zweite wenig kleiner als das an der Spitze ausgerandete dritte Glied : das vierte sehr schlank mit einfachen Klauen, an denen das Basaldrittel etwas verdickt ist. Chet'somela hottentotta n. sp. Aeneo-nigra, nitida, antennis nigris, basi, labro antice, tibiis, tarsis, macula verticis, prothorace (macula basali bifida excepta) elytrisque dilute testaceo-flavis, his nigro-coeruleo-maculatis. — Long. 5,5 — 6 mm. Fundangabe: Kanus, Bezirk Ke etmansh o o p ; Haxs Thojisex. Fühler schwarz oder pechbraun, die ersten 4 Glieder gelb, oberseits zuweilen angedunkelt, Kopf und Thorax dicht, fein punktiert, auf letzterem werden die Punkte im äußeren Viertel plötzHch stark. Li den Reihen der Flügeldecken sind die Punkte bisweilen nicht ganz genau hintereinander gestellt, die inneren Reihen f'in, die äußeren kräftiger, die breiten Zwischenstreifen sind fein punktuliert. Thorax und Flügeldecken sind hellgelb, mit bräunlicher Beimischung (das Halsschild auch rötlich gelb), dunkel violett bis schwärzhch blau gefleckt, die Flecke öfter metalhsch grün überflogen. Auf dem Thorax liegt ein Fleck vor dem Schüdchen, 262 J- Weise. der aus 2 lang dreieckigen, nach vorn divergierenden Spitzen besteht. Auf den FKigeldecken sind ein Nahtsaum, drei Makeln auf jeder und eine gemeinschaftliche monclförmige Querbinde dunkel gefärbt. Letztere nimmt das letzte Drittel ein mit Ausnahme eines schmalen Seiteusaumes, der in Vi der Länge und neben der Spitze erweitert ist. Die erste Makel, nahe der Naht hinter dem Schildchen, ist quer und mit dem Nahtsaume öfter zu einer graden oder aus ZAvei leichten, nach vorn otibnen Bogen be- stehenden Querbinde vereint; die zweite Makel bildet einen nach außen geöffneten Bogen in der Schulterecke und scheint aus 2 Makeln zusammen- gesetzt: die erste lang, rechteckig, von der 5. und dem Anfange der 9. Punktreihe begrenzt, vorn die Basis berührend und hinten mit der zweiten Makel, einem Querflecke, verbunden, der bis an den Seitenrand reicht. Makel 3, unmittelbar vor der Mitte, ist ebenfalls quer, am Vorderrande winkelig erweitert, öfter mit einer Erweiterung des Nahtsaumes zu einer gemeinschaftlichen Querbinde vereint, welche zuletzt außen die vordere Querbinde und die Spitze des hinteren Mondfleckes berührt. Idacaiitlia coulfera Fairoi. Ann. Helg. 1882, p. ÖG. Fundangabe: Kleiner Waterb er g; Hans Thomsen, März 1914. Von dieser in Ostafrika w<'it verbreiteten Art wurden 2 (f von nor- maler Färbung und 1 9, dessen Flügeldecken mit Ausnahme der un- bestimmt rötlichen Basis schwarz sind, gefunden. Laetana Schnitzel Ws. Deiiksclir. lucdinin. natnrw. Gesellscli. Jena, XIII, 1908, p. 148. Fundangaben: Okahandja; Dr. G. Fook, 1909 (14 Ex.). Kleiner Waterberg; Hans Tuomskn, März 1911 (1 Ex.). Von diesen Stücken weichen 3 dadurch von der typischen Form ab, daß der gemeinsame schwarze Fleck am Schildchen nach hinten vei-- längert imd mit der schwarzen Farbe der hinteren Scheibe der Flügel- decken verbunden ist (Var. a). Nach der Farben Verteilung könnte Peuinüuey, Trans. S. Afr. Phil. Soc. VI, 2, 1892, p. 89, diese Abänderung als Diacantha lugubris beschriebcMi haben. Er nennt aber die 3 ersten Fiihlei-gHcdcr rot, den 'J'hoi-ax glatt uiul die Schulter uiclit erhöht, so daß ich vom (J ('brauche seines NanuMis absehen muß. Coleoptera I: Chrysonielidae und Coccinellidae. 263 Eocosoma pectoralis n. sp. Dilute rufo-flava, nitida, elytris pallide flavis, subtilissime punctatis, pectore fusco. — Long. 5 — 6 mm. Fundangabe: Nördliches Sandfeld zwischen Löwen-Omuramba und Owango wa-Veld; Bezirksamtmann v. Zastrow, 1912—13. Den fast einfarbig gelben afrikanischen Arten transvaalensis, pallida und Dalmani Jac. ähnlich, aber durch die schwärzliche Hinterbrust sofort zu unterscheiden. Der Körper ist sehr hell rötlich gelb, glänzend, die Flügeldecken blaßgelb, Spitze der Mandibeln und die Hinterbrust schwärz- lich, letztere bei frischen Stücken nur leicht angedunkelt. Stirn mit grader Querfurche über den dreieckigen, nach außen zugespitzten Höckerchen, Fühler ziemlich schlank, sonst normal gebaut. Thorax mäßig gewölbt, quer, vorn mehr als nach hinten verengt, glatt, mit einigen veränderUchen Grübchen. Flügeldecken sehr fein und seicht punktiert, in den Zwischen- räumen noch feiner punktiert, eben oder mit einigen ganz verloschenen Längs ein drücken. Monolepta apicalis Sahlb. Thon, Ent. Arch. II, 1829, p. 27. Fundangaben: Okahandja, Seeheim, Wind buk; Dr. W. Michaelsen, April— Juni 1911. Bei einigen Stücken verkleinert sich der rote Spitz enÜeck der Flügeldecken immer melir, bis er völlig schwindet und die Flügeldecken einfarbig schwarz sind: ab. Sahlbergi; oder derselbe erweitert sich, bis er mehr als die hintere Hälfte der Flügeldecken einnimmt, die jedoch meist fein schwarz gesäumt ist: ab. praeclara. 3Ionolepta tristis n. sp. Sat elongata, parum convexa, nigra, nitida, antennis pedibusque flavis, prothorace medio transversim impresso, elytris crebre obsoleteque punctulatis. — Long. 3,5 mm. Fundangabe: Farm Frauenstein, 50 km ONO von Windhuk; Dr. W. Michaelsex, 13. Mai 1911 (1 Ex.). Eine kleine, ziemlich schlanke und wenig gewölbte Art von schwarzer Farbe, Fühler und Beine gelb, die äußerste Spitze der Fühlergheder vom 18 Micbaelsen, Deutsch-Süd westafrika. 264 J- Weise. vierten ab angedunkelt. Stirn breit, fast glatt, die Höckerclien schräg zueinander gestellt und mit dem Nasenkiele verbunden. Fühler viel länger als der halbe Körper, Glied 2 und 3 gleich, klein, 4 länger als beide zusammen. Thorax so breit wie der Kopf an den Augen, an den Seiten schwach gerundet und in den Yorderecken etwas breiter als an der Basis, dicht und äußerst fein, fast erloschen punktiert, mit einem breiten und ziemlich tiefen Quereindrucke nahe der Mitte, von einem Rande zum andern. Flügeldecken wenig stärker punktiert und nicht ganz so glänzend wie der Thorax, mit Spuren sehr feiner, kurzer Runzeln, an den Seiten fast parallel, hinten schwach einzeln abgerundet. Monolepta nüseZla n. sp. Sat elongata, parum convexa, pallide flava, subopaca, vertice macu- lisque quinque obsoletissimis prothoracis (2,3) fulvis, antennis apicem versus leviter infuscatis, elytris subtUiter nigro-cinctis, scutello, metasterno abdomineque nigris. — Long. 4 mm. Fundangabe: Farm Otjituezu, 6 6 km NO von Wind buk; Dr. W. Michaelsen, 13. Mai 1911 (1 Ex.). Schlank gebaut und wenig gewölbt, weißlich gelb, der obere Teil der Stirn rötlich gelb, etwas blasser sind 5 wenig deutliche, eigentlich nur durchschimmernde Fleckchen des Thorax (3 in einer Querreihe nahe der Basis und 2 davor in der Mitte) ; das Schildchen, ein feiner Saum um jede Flügeldecke, die Hinterbrust und der Bauch schwarz, die Mitte und der vordere Teil von den Seitenstücken der Mittelbrust schwärzlich, die 5 letzten Fühlerglieder etwas dunkler als die Basalglieder, blaß rötlich gelb- braun, mit angedunkelt